Was ist eigentlich Familie? - für einen Artikel im urbia-Magazin

Liebe urbianerInnen,

was genau ist eigentlich „Familie“?

Diese Frage stelle ich mir für einen Artikel hier auf urbia.de, und mich interessiert sehr, welche Gedanken – und Gefühle – Ihr zu diesem Thema habt.

Was versteht Ihr unter „Familie“? Wer gehört alles dazu? Was macht eine Familie/Familienleben aus? Welche Aufgaben erfüllt eine Familie (für Euch)? Was bedeutet sie für Euch? Welchen besonderen Herausforderungen haben sich Familien heutzutage zu stellen – und wie gelingt das?

Was auch immer Euch dazu einfällt – ich freue mich auf Eure Kommentare!

Bei Fragen bzw. wer sich nicht öffentlich äußern mag, einfach eine Nachricht an mein Postfach hier bei urbia schicken.

Herzliche Grüße & Danke im Voraus
Kathrin Wittwer, urbia-Autorin

Das ist ja mal eine interessante Frage!
Eine Frage der ich mich auch gestellt habe.

Für mich zählt zur Familie mein Partner, meine Kinder (später ihre Partner/innen und meine evt Enkel)
alles andere wie Geschwister,Eltern, Tanten, Onkels, Cousin/en usw zählen für mich zum Familienkreis der sich in meinem Fall aus biologischem und sozialen Ursprung zusammensetzt.

In unserer Familie gilt:
Jeder hilft und unterstützt jeden nach seinen Möglichkeiten. Zusammenhalt, Schutz und Loyalität zueinander ist für uns sehr wichtig.

Wir als Eltern vermitteln unseren Kindern, dass sie mit ALLEM zu uns kommen können und selbst wenn sie Mist gebaut haben werden wir an ihrer Seite stehen und ihnen bei der Lösung hilfreich und stützend zur Seite stehen.

unakzeptabel:
Unseren Kindern und unserem Partner verlangen wir eines grundsätzlich ab: EHRLICHKEIT..wir müssen uns auf unsere Kinder und unserem Partnerin ihren Aussagen verlassen können.

Grundsätzlich halte ich das "alte" Familienmodell (Mehrgernerationen) für erstrebenswert. Auf lange Sicht würde dieses Modell Schutz vor Vereinsamung, Verarmungusw bringen, würde viele Eigenschaften viel stärker wieder fordern wie Toleranz, Dankbarkeit, Vergebung... und einige Eigenschaften wieder zurücktreten lassen (wie Selbstherrlichkeit, Egoismus)

In der Praxis ist es bei uns so dass ich die erstebte Familie habe, der Familienkreis sich aber vorrangig aus sozialen Familienmitgliedern zusammensetzt, die allerdings fehlende biologische Familienmitglieder ersetzt.
Gründe für die Entwicklung unserer Situation sind weitreichend und verschiedenen Gründen geschuldet.
Z.B Entfernung, fehlende Mutter-Tochter Beziehung, Intoleranz...

Meine Mutter wird durch meine "mütterliche" Freundin ersetzt, sie zeigt INteresse an unserer Familie. Ruft an und fragt nach dem Wohlergehen der lieben Kleinen - wenn eines der Kinder krank ist hat sie immer tröstende Worte und Tips auf Lager und ggf steht eine Tüte Saft vor der Tür...
Wir helfen uns je nachdem was an Hilfe gebraucht und gegeben werden kann.
Meine Schwester ersetzt sich durch eine langjährige Freundin der auch ich eine Schwester ersetze. Wir stehen uns zu jeder Zeit mit Rat und lieben Worten zur Verfügung. Trotz großer Entfernung ist nie der Kontakt und die innige Verbindung zueinander abgerissen.

Unsere Familiensituation ist zwar weit entfernt von dem Ideal, aber sie funktioniert.
Sie ist allemal besser, als das was wir hatten, als der Kontakt zur biologischen Familie noch bestand.

Karna

Hallo!

Zur (Kern-)Familie gehören mein Mann und meine Kinder aber - wenn man diesen Begriff weiter fasst - auch meine Eltern und Schwiegereltern.

Familienleben zeichnet sich bei uns dadurch aus, dass wir gerne Zeit miteinander verbringen, Spßa zusammen haben, uns vertrauen und Probleme miteinander besprechen und regeln können. Und man sollte sich auch streiten können, ohne dass einer der Beteiligten "fallen gelassen" wird. Meine Familie bedeutet mir sehr viel.

Besondere Herausforderungen.... anders als "früher" gibt es weniger klaren Strukturen so nach dem Motto: "Der Mann verdient das Geld und die Frau bleibt bei den Kindern.". Die Pflichten müssen anders aufgeteilt werden. Das gelingt uns überwiegend gut, auch wenn mein Mann oft noch die alten (anerzogenen) Rollenvorstellungen im Kopf hat.

Konflikte kann es meiner Meinung nach auch geben, weil die Kinder (anders als ich in meiner Kindheit) mehr unter Beobachtung stehen und weniger selbstständig draußen spielen können. Irgendwelche Raufereien gab es schon immer, aber damals haben es die Eltern nicht immer mitbekommen. Das heißt nicht (!), dass ich körperliche Auseinandersetzungen befürworte, aber jetzt haben die Kinder weniger Möglichkeiten, sich einfach mal auszuprobieren, ihre Geheimnisse zu haben usw. Das kann zu zusätzlichen Konflikten innerhalb der Familie führen.

LG Silvia

Das Thema Familie ist ein sehr Emotionales, voll von Erwartungen und oft auch voll von Enttäuschungen und Verletzungen.

Für mich gehören zu einer Familie in allererster Linie Kinder, also verschiedene Generationen. Ein (Ehe-)Paar alleine bildet noch keine Familie, hat aber Familie, wenn man die Elterngeneration dazu zählt (denn sie sind ja die Kinder ihrer Eltern).

Bei mir ists ganz klassisch: Mein Mann und ich haben Eltern und Geschwister, außerdem Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen, die wir zu unserer Familie zählen (weil wir sie auch regelmäßig sehen und als Familie zusammenhalten). Mein Mann und ich haben Kinder, die mit uns zusammen unsere Kernfamilie bilden.

Familienleben (über die Kernfamilie hinaus) macht aus: Meinem Verständnis nach Verwandtschaft, sich regelmäßig sehen, unterstützen, zusammenhalten. Nahestehende Personen, die nicht mit uns verwandt sind, bilden unseren Freundeskreis, die zähle ich nicht zur Familie. Unterschied ist, dass Freunde kommen und gehen, die Familie bleibt normalerweise (!) eine Konstante das ganze Leben lang. Ich weiß, das ist ein eher traditionelles Familienbild und wir haben wohl Glück, dass es bei uns in der Familie so funktioniert. In anderen Familien verändert sich durch Scheidungen/Zerwürfnisse die Familienkonstellation, so dass man leider nicht mehr von einer Konstante reden kann. Natürlich gibts auch Trennungen und Streit in meiner Familie, aber irgendwie rüttelt es nicht an unserem Grundverständnis von Familie. Irgendwas läuft da anders.

Scheidungen und Trennungen sind grundsätzlich besondere Herausforderungen für Familien, bei denen für Kinder oft ein Großteil der ursprünglichen Familie wegbricht. Schwierig ist aber auch, dass heute zum Teil sehr große Entfernungen zwischen einzelnen Familienmitgliedern liegen.

Ich für meinen Teil lese hier bei Urbia immer wieder gespannt von anderen Familien, die ein so ganz anderes Familienleben haben: Kinder, die keinen Kontakt mehr zu den Eltern haben, Patchworkfamilien, Trennungen, Zerwürfnisse usw. Es ist interessant zu sehen, wie andere Menschen mit dem Thema "Familie" umgehen und was für Lösungen sie finden.

Lg Steffi

Familie ist für mich sehr einfach: Das sind Leute, für die ich mitten in der Nacht aufstehen würde, mich anziehen und irgendwohin fahren, um sie aus einem Schlamassel zu holen oder sonstwie für sie da zu sein, weil sie mich brauchen.
Und genau das erwarte ich von meiner Familie auch.

Wer gehört dazu? Ehemann, Tochter, Schwiegersohn mit Enkelin, Sohn mit Schwiegerfreundin, zwei meiner Nichten mit Familien, zwei angeheiratete Stieftöchter
samt Anhang (wobei ich da nicht bei allen die gleichen Maßstäbe anlege:-p)

Die Anforderungen an eine Familie finde ich heutzutage gar nicht sooo sehr anders oder besonders als früher. Ich bin auch schon seit 40 Jahren berufstätig, war zuerst ledig mit Kind, dann verheiratet, dann alleinerziehend mit 2 Kindern - und immer berufstätig. Kinderbetreuung durch Oma gabs nicht. Patchworkfamilie kenn ich auch seit 32 Jahren.
Einzelfall bin ich auch keiner, einige meiner Schulfreundinnen haben ähnliche Lebensläufe.
Nicht nur ich finde, heute gibt es viel mehr Geld und viel mehr Betreuungsangebote/Hilfen als damals, ist also das meiste leichter. Mein Kindergeld betrug 50,00 + 70,00 DM und arbeiten gehen musste ich jeweils 8 Wochen nach der Entbindung. Soziale Kleiderkammer, Aufstockende Unterstützungsleistungen, Kinderbedarfsbörsen, Kindergarten/Schulen mit Ganztags- oder wenigstens "über-Mittag-Betreuung" - alles komplett Fehlanzeige.
Das Argument, früher war auch alles nicht so teuer, zieht nicht, ich habe auch weitaus weniger verdient als heute, also war das Verhältnis so gesehen gleich.

Wenn das auch nicht von allen gerne gelesen wird, viele Familienprobleme sind heute recht hausgemacht, das hab ich auch in 5 1/2 Jahren "urbia" gelernt :-p
Viele junge Frauen erwarten laufend Hilfen in vielen Formen "von anderen" und sind relativ schnell überfordert, anstatt einfach mal straff durch zu organisieren, obwohl sie durchaus das Potential dazu hätten.
Alles mögliche von diversen Familienmitgliedern wird beanstandet - die eine Oma mischt sich zuviel ein, die andere könnte doch bitte ihre Enkel öfter nehmen, damit man entlastet ist. Die eine Schwägerin schenkt zuviel, der andere Opa viel zuwenig usw. usw. - also ich hatte dafür gar keine Zeit (und Lust). Ich wußte, auf wen ich mich verlassen konnte und auf wen nicht, und da half auch kein Jammern und Wehklagen, das war eben so und ich habe mich danach eingerichtet.

Familie ist wunderschön und ich möchte sie selbstverständlich nie missen, birgt aber auch reichlich Konfliktpotential; aber.......man muss ja durchaus nicht alles registrieren und kommentieren #cool
LG Moni

Du sprichst mir mit diesem Beitrag aus der Seele. Danke. :-)

:-)

weiteren Kommentar laden

Hallo,

meine Familie ist in erster Linie meine Tochter und mein Freund.

Und dazu gehören noch meine Eltern und Geschwister und deren Partner und Kinder.

Familie bedeutet sich zu helfen, für einander da zu sein, besonders auch in schwierigen Situationen.

Meine Mutter ist mir z.B. mit viel Rat und Tat zur Seite gestanden, als mein Ex sich von mir getrennt hat. Sie war einfach für mich da.

GLG

Hallo,
Ich unterscheide in Kernfamilie ( Mann und Kinder ) , Großfamilie ( Eltern, Geschwister, Schwager und Schwägerinnen, Neffen und Nichten, früher natürlich auch die Großeltern) und Verwandtschaft ( Onkel, Tanten , Cousins, Cousinen )Ein Sonderfall sind Freundschaften, die die jeweilige komplette Familie mit einschließen, auch dort entstehen familiäre Bindungen.
In Kern und Großfamilie gibt es idealerweise keine Tabus.( Geld, berufliche oder sonstige Schwierigkeiten )Man hilft sich mit Rat und Tat.So haben es uns unsere Eltern vor gelebt.
Das erweist sich im Laufe der Jahre als Herausforderung.Geschwister entwickeln sich ( auch durch die Partner) unterschiedlich.Es gibt Familiengeheimnisse, die eines Tages zersetzende Kraft entwickeln können, alte Kränkungen aus Kindheitstagen u.s.w.Schwierig wird es immer dann, wenn bestimmte Themen totgeschwiegen werden.
Grundsätzlich kann man heute nicht mehr unbedingt sagen, das Blut dicker als Wasser ist.
Familie bedeutet für mich absoluten Zusammenhalt, zumindest in der Kernfamilie.

L.G.

Mein Vater hat neulich mal definiert, Familie eine Gruppe, die blutsverwandt ist und sich - oft dank wirtschaftlich potenter Kernfigur - regelmäßig trifft. Der Rest ist "bloß" Verwandtschaft.

Für mich gehören letztlich die dazu, die regelmäßigen Kontakt halten und sich gegenseitig unterstützen - z.B. würde ich auch die Schwester meiner Schwägerin (die ja nicht mit mir blutsverwandt ist) zur Familie zählen. Konkret: Sie hat meine Hochzeitstorte gebacken, jetzt nutzt sie unser altes Beistellbett für ihr zweites Kind ;-)

Familien müssen blutsverwand sein? Sind wir Eltern von Adoptiv- und Pflegekindern dann keine Familie?

Hallo zusammen,

ich konnte hier viele zutreffende und kluge Definitionen von "Familie" lesen.

Was mir bei der heutigen Trennungshäufigkeit fehlte, war die fehlende Einbeziehung der getrenntlebenden Elternteile, die m.E. grundsätzlich auch zur "Familie" der Kinder gehören.

Nachdenkenswert finde ich, warum gerade dieser Aspekt offenbar so oft 'übergangen'/'geleugnet' wird.

MfG krypa

"Nachdenkenswert finde ich, warum gerade dieser Aspekt offenbar so oft 'übergangen'/'geleugnet' wird.2

Weil vllt nicht alle von dem Vater der Kinder getrennt sind?

Hallo mamavonyannick,

ich habe auch schon in Trennungs- und Alleinerziehenden-Foren, von unseren Bundesfamilienministerinnen und diversen (weiblichen) Leuten, die glaubten, was über Familien sagen zu müssen/sollen, solche 'Definitionen' gelesen und gehört.

Ich glaube, dass hier auch Elternteile, bei denen die Kinder leben, geantwortet haben.

Mfg krypa

weitere 9 Kommentare laden

Guten Morgen,

ich finde, da habt ihr euch ein interessantes und gleichzeitig sehr komplexes Thema ausgesucht.

Ich würde da unterschiedliche Bereiche der Familie aus meiner Erfahrung auffassen. Dazu muss ich sagen, meine Familie ist stark von der väterlichen Seite geprägt, welche sehr konservativ ist. Meine Oma mütterlicherseits war damals alleinerziehende Geschäftsfrau mit 3 Kindern und sowas war für die Zeit extrem ungewöhnlich. Ein echtes Familienleben gab es auf der Seite nicht. Väterlicherseits wurde das traditionelle Familienmodell sehr stark gelebt.

1. Die Herkunftsfamilie, sprich Eltern und womöglich Geschwister. Ich sehe diese als Stamm des Lebens. Wer bin ich und wo komme ich her. In der Kernfamilie lernt man Werte kennen, erfährt Liebe, aber auch Streit gehört zum Familienalltag dazu.
Rückblickend kann ich sagen, dass trotz des ganzen Stresses in unserer Familie, sie immer noch mein Anker ist. Ich fahre gerne zu meinen Eltern und auch meine Geschwister sind mir wichtig. Auch wenn man Differenzen hat und enttäuschte Erwartung schmerzlich sind, sobald die Familie ernsthaft angegriffen ist oder einem Familienmitglied etwas zustößt, so rückt man näher zusammen und verteidigt diese Familie. So habe ich es jedenfalls erlebt. Streiterein darf es geben, aber sobald etwas von außen kommt, dann wird der Familiengeist eines jeden Familienmitglieds geweckt und man hält zusammen.
Allerdings ist es auch irgendwann wichtig, sich von der eigenen Familie zu lösen und andere Blickwinkel kennenzulernen. Für mich war dieser Schritt grundlegend wichtig. Das Abnabeln aus der Herkunftsfamilie macht es mir heute möglich ein gesundes Verhältnis zu meinen Eltern und Geschwistern zu pflegen. Der Weg war schwer und oft mit Wut und verletzten Gefühlen auf allen Seiten begleitet, aber nur dadurch entstand ein gutes Verhältnis zueinander, welches die Grundlagen für den Zusammenhalt bildet.

2. Die Verwandtschaft. Großeltern, Tanten, Onkel, Counsins und Cousinen. Das Kapitel ist etwas schwieriger zu betrachten, da sich die Werte und Lebensweisen der Ursprungsfamilie teilweise sehr unterschiedlich weiter entwickelt haben. Mancher Streit wird mit in die nächste Generation getragen und verletzte Eitelkeiten kommen länger zu tragen. Ich persönlich finde das schrecklich. In unserer großen Verwandtschaft gibt es viele Streitpunkte und so mancheiner schafft es einfach nicht über seinen Schatten zu springen. dDen Stress bringen vor allem die eingeheirateten Familienmitglieder mit - jedenfalls macht es so den Eindruck. Und was mir noch mehr auffällt: In der Verwandtschaft fällt es den Einzelnen offensichtlich noch schwieriger zu verzeihen. So wird bis heute, meine Cousine, welche adoptiert wurde, nicht vom Rest der Familie akzeptiuert. Sie und mein Onkel durften nicht mal zur Beerdigung unseres Großvaters kommen und sie hat sich nichts mehr gewünscht, als ihn einmal kennenlernen zu dürfen. Das macht mich sehr traurig und wir setzen uns konsequent über diese alten Fede hinweg. Das schaffen aber leider nur meine Geschwister und ich. Alle anderen Cousins und Cousinen lassen sich von den Eltern zu sehr beeinflussen. Die Strukturen sind in der Verwandtschaft meiner Meinung nach wesentlich komplexer und schwieriger, man lebt nicht zwangsläufig zusammen und muss Konflikte nicht lösen, sondern kann Ihnen bequem aus dem Weg gehen.
Zu Feierlichkeiten schluckt man sowas dann lieber runter, statt das offene Wort zu suchen....das macht das ganze nicht besser.

3. Die eigene Familie. Irgendwann kommt an den Punkt, wo man den passenden Partner findet und die eigene Familie gründet, bzw das eigene Leben auch um die Familie des Partners erweitert wird.
Mir ist es sehr wichtig, mich mit der Familie meines Partners gut zu verstehen und akzeptiert zu werden und umgekehrt. Auch dort vermeide ich keine Konfikte, denn ich finde sie unbedingt notwendig, um sich auch weiterzuentwickeln. Das ist eben nicht nur in Partnerschaften wichtig, sondern auch in Familien - auch solche, die sich neu finden.
Auch wenn ich aus einer sehr konservativen Familie komme, gehört das Kind meines Partners für mich mit zu seiner Familie. Seine Ex-Frau allerdings nicht. Da differenziere ich deutlich. Sie gehört zur Familie des Kindes, aber nicht zu meiner.
Die eigene Familie besteht also nicht nur aus dem Partner und gemeinsamen Kindern, sondern auch aus den Familienmitgliedern des Partner und schlägt somit den Bogen zu 2. der Verwandtschaft.

Wie eingangs erwähnt, komme ich aus einer konservativen Familie. Ich bin recht streng erzogen worden und auch mit dem klassischen Familienmodell aufgewachsen. Es gibt einen engen Zusammenhalt, aber wenig offene Gespräche. Gefühle und Bedürfnisse wurden oft nicht offen angesprochen und so entstand immer ein großes Konfliktpotential.
Erst durch meine Abnabelung habe ich meine heutige Sicht der Dinge angenommen und kann das wesentlich besser reflektieren. Heute bin ich auch diejenige, die diese Sichtweise in die Herkunftsfamilie hineinträgt. Mir ist es extrem wichtig, dass man über die Erwartungen jedes einzelnen offen spricht um das Konfliktpotential zu minimieren. Zu Familiesein gehört für mich aber vor allem auch das Verzeihen und das füreinander Dasein. Es geht darum geliebt zu werden, auch wenn man Fehler macht und nicht dafür verurteilt werden. Es gehört dazu ein Familienmitglied zu akzeptieren wie es ist, aber ihm auch ehrlich die Meinung sagen zu können, wenn er einen falschen Weg einschlägt.

Das sind jedenfalls meine Erkenntnisse, die ich in meiner zukünftigen Familie unterbringen will. Die mir wichtig sind. Denn das schlimmste, was ich in meiner Familie erlebt habe, dass man sich nach einer Auseinandersetzung nicht versöhnt und nicht mehr miteinander gesprochen hat und dann eine der beiden Personen verstorben ist. Das ist eine Belastung mit der ein Mensch nur sehr schwer leben kann und die wünsche ich niemandem!

LG
Loewe#winke

Hallo

Mitglieder
Die Kernfamilie: bei uns Mann, Frau, 2 Kinder
Dann: alle 4 Grosseltern und mein Bruder mit Familie, der Cousin meines Mannes mit Familie (hat als Kind einige Jahre in der Familie meines Mannes gelebt)
Dazu noch: alles was an Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen rumläuft (die wir aber mit sehr unterschiedlichen Häufigkeiten sehen, manche fast nie, andere halbwegs regelmässig)
Und unsere besten Freunde könnten wir durch gegenseitige Uebernahme von Patenschaften, Kennenlernen ihrer Familien und vielen anderen Dingen fast schon dazu zählen :-)

Was gehört dazu?
Gegenseitige Toleranz und Wertschätzung, Hilfsbereitschaft, Kennen und Ertragen der Macken und Fehler, Wohlwollen, Vertrauen, warme Gefühle, wenn man dran denkt :-)

Herausforderungen der Kernfamilie:
Die Definition neuer Rollenbilder, Organisation der Berufsalltags und des Privatlebens

LG Paula

Hallo!

Ich habe diese Frage für mich auch schon beantwortet und ich liebe meine Definition, weil sie so herrlich leicht anwendbar ist :-)

Für mich ist eine Familie eine Gruppe von Menschen, die ein starkes gegenseitiges (!)Zusammengehörigkeitsgefühl aneinander bindet. Diese emotionale Einstellung zueinander beeinflusst dann häufig praktische und alltägliche Entscheidungen aber das muß nicht der Fall sein. Eine Familie kann eine Kernbeziehung enthalten (Ehepaar/ Mutter-Kind). Alle übrigen Verwandten sind für mich "Verwandschaft".

Und nun ein paar gelebte Beispiele:
Sehr sehr enge Freunde gehören für mich zur Familie. Sie sind für mich ähnlich wichtig wie leibliche Geschwister.
Ein unbekanntes Halbgeschwister (dass keinen Kontakt wünscht) gehört für mich nicht dazu. Nur zur rechtlichen Familie, ich würde nie rechtliche Ansprüche (Erbschaft oder so) anfeinden.
Eine Ehe ist eine Kernbeziehung. Die Kontakte zu Schwiegereltern/ Freunden sind Erweiterungen der Familie. Selbes gilt für Alleinerziehende Mutter mit Kind, die ihr Leben später in einer Patchworksituation hat.
Menschen, die vielleicht nicht den Alltag mitgestalten aber eine sehr tiefe Bindung zu der Familie haben, deren Meinung sehr viel Gewicht hat (Mutter in Süddeutschland und Kernfamilie an der Küste) kann dazu gehören.

Für mich ist das Wort gegenseitig sehr wichtig. Wenn das Zusammengehörigkeitsgefühl nur von einer Seite kommt, dann ist das für mich keine Familie. Und Gefühle können sich ändern. Für mich gibt es keine Begrenzungen Personen in die Familie auzunehmen oder zu "verstoßen". Auch hierzu Beispiele:

Ungeliebte Schwiegermutter will Kontakt, Schwiegerkinder suchen Distanz. Der neue Partner vom Geschwister gehört relativ schnell für mich dazu (wenn diese Person sich auch zugehörig fühlt). Wenn der Vater die Frau verlässt aber zum Kind Kontakt möchte, dann hat das Kind Mutter und Vater in der Familie aber die Eltern sich gegensetig nicht (mehr).

Lg Lavie

Zusatz:

Vielleicht hätte ich das noch erwähnen sollen: Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl der einzelnen Personen zueinander stellt sich für mich wie ein kompliziertes Netzwerk dar. Die Bindung zwischen 2 Menschen kann ganze Familiengruppen verbinden. Es ist also ein offenes System, dass nur für eine einzige Person und nur zu einem Zeitpunkt begrenzt werden kann.

Und weil das System ständigen Veränderungen unterliegt, verändern sich auch ständig die Ansprüche an bestimmte Bindungen innerhalb des Systems.

Beispiel: Baby ist noch klein und die junge Mutter sucht häufig Rat bei ihrer eigenen Mutter, dann ist diese Beziehung für sie sehr stützend. Irgendwann ist das Kind 9 und nun besteht eine eigene Verbindung vom Kind zur Oma. Die Beziehung von Mutter und Oma wird sich dann auch verändert haben, die Mutter empfindet die Einmischung vielleicht mittlerweile als störend und schickt Oma und Enkel alleine einkaufen und widmet sich mehr der Beziehung zum Partner (mit dem sie über Oma lästern kann).

Ich will damit sagen, dass Erwartungen an Familienmitglieder ganz eng an die Lebensituation gebunden sind. Weil diese sich heutzutage schneller ändern als von 40 Jahren, ändert sich die Familie und damit sämtliche Erwartungen, Herausforderungen und Probleme auch schneller.

Hier noch ein paar Themen, die ich dann auch immer durch meinen Kopf wandern lasse, weil sie für mich kaum abgrenzbar sind:

- Familienbild/Familienideal und welche Probleme entstehen eigentlich, wenn es keine klare Lebensstruktur mehr gibt. Welche Nachteile entstehen aus den neuen Freiheiten?
- Partnerschaft während und nach der Frauenbewegung/ Patnerschaft in unterschiedlichen "Schichten" und wieso Frauen zwar Geschäftführer werden, aber so selten abwärts heiraten
- Kinder und Sorgerecht im Vergleich ehelich/unehelich. damit verbunden auch neue Probleme: Namensrecht, Umgangsfrage und so weiter

Ich hoffe ich hab mich nicht zu sehr gelabert #hicks
LG Lavie

"Diese Frage stelle ich mir für einen Artikel hier auf urbia.de"

und nun?
wozu noch einen "artikel"? (#gruebel) hier steht doch jetzt schon alles geschrieben...

frei nach dem motto "leser schreiben (ihren eigenen artikel) für leser" :-) #kratz

Über Familie (im gesellschaftlichen Wandel) ist hier bei Weitem noch nicht alles geschrieben worden. Ich finde es sehr sinnvoll, auch hier im Forum für einen Fachartikel zu recherchieren und Leser zu Wort kommen zu lassen.

und was sollte hier noch dazu kommen?

die vielen leser haben doch schon alles SELBST berichtet. #gruebel

weiteren Kommentar laden

ja, eine interessante Frage, die ich für uns auch gerade wieder einmal neu definieren muss...

Als Alleinerziehende tut man sich manchmal schwer mit dieser Definition. Da zum Vater kein Kontakt mehr besteht und auch Grosseltern und Schwester seinerseits nur noch zu Geburtstagen und Weihnachten anrufen, definiere ich heute unsere Familie so:

Meine Kinder und ich sind die Kernfamilie. Dann kommt der enge Familienkreis: meine Mutter und meine Geschwister inkl. deren Kinder. Unsere Nanny gehört da auch mit dazu. Der weitere Familienkreis umfasst dann: Meine Cousine mit Familie, meine engen Freunde, unsere Nachbarn, die engen Freunde meiner Kinder.

Wenn ich nun meine Kinder fragen würde, dann würden sie wohl die Grosseltern und Schwester des Vaters beim weiteren Familienkreis aufführen. Den Vater wüssten sie momentan wahrscheinlich nur intellektuell zuzuordnen aber nicht emotional...

Was Familie bedeutet: innerhalb der Familie wird jeder so angenommen wie er ist und darf auch so bleiben. Die Familie formt und verbiegt nicht sondern steht mit Rat und Tat zur Seite und hilft in jeder Situation. Auf die Familienmitglieder kann man sich jeder Zeit verlassen und nichts ist so schlimm, dass man es der Familie nicht sagen kann. Sie verurteilt nicht sondern hilft eine Lösung zu finden.

In den letzten 3 Jahren habe ich festgestellt, dass Kindern Blutsverwandtschaft ziemlich egal ist. Sie zählen Menschen zu ihrem engen Umfeld, die sich da wirklich aufhalten. Nur weil einer gemeinsame Gene hat, gehört er emotional noch lange nicht zur Familie ;-)
Ich habe es 11 Jahre in einer sehr ungesunden Beziehung ausgehalten, weil ich dieses ewige Bild der "Familie" im Sinne von Vater, Mutter, Kinder nicht loslassen konnte. Mittlerweile habe ich festgestellt, dass dieses Bild auch nur noch zu einem kleinen Teil überhaupt besteht. Ich frage mich oft, ob man nicht endlich aufhören sollte dieses "Familienmärchen" zu erzählen und hochzuhalten. Dass Eltern ein Leben lang zusammenbleiben und ihre Kinder auch noch selbst grossziehen ist eine Erfindung der Neuzeit und beschert viele Probleme. Ich bin auch der Meinung, dass die "Grossfamilie" mit mehreren Generationen unter einem Dach am besten funktionieren würde für alle Beteiligten. Ob die nun alle blutsverwandt sein sollten, sei mal dahingestellt. Aber eine Mehr-Generationen-WG würde alle Probleme lösen: Kinderbetreuung, Vereinsamung, Geldbeschaffung, Haushalt. Zudem wären alle Altersstufen mit allen anderen konfrontiert und würden geistig flexibel bleiben.

Hallo,
ich unterscheide emotional zwischen der Familie, in die man hineingeboren wurde bzw aufwuchs (also Bluts- bzw rechtliche Bindungen) und der Familie, die man selbst gründet.

Die erstere besteht "einfach so"--man hat sich ELtern/Tanten/Onkel/Geschwister nicht ausgesucht--man liebt sie, man probiert sich an ihnen aus--es sind die Menschen, die einen erden und die einem hoffentlich auch Flügel geben.

Wenn man sich selbst entscheidet, eine Familie zu gründen, ist es etwas anderes:
Aus einer erwachsenen Position eben auch einen Teil seiner Unabhängigkeit aufgeben, das ist für mich ein riesengroßer Schritt gewesen.

Natürlich war Liebe ein Grund, aber darüberhinausgehend lag der Wunsch, sich einem anderem Menschen zutiefst verpflichten zu wollen.
Eben in Gesundheit UND Krankheit, Wohlstand UND Armut--für meinen Mann da zu sein, egal, was im Leben noch kommen mag.
Das ist für mich quasi der "Bodensatz" der Liebe: Es mag romantisch, verliebt, schwärmerisch anfangen, mit den Schmetterlingen im Bauch etc--aber wenn da nicht dieser "Grund" liegt, bleibt es bedeutungslos.
Und mit den eigenen Kindern spürt wird die Bedeutung der Ursprungsfamilie fast aufgelöst. Gewiss liebt man seine ursprünglichen Verwandten, man kümmert sich, man ist solidarisch, man versteht seine Eltern besser als jemals zuvor----aber man ist seinen eigenen Kinder so sehr verpflichtet, dass sie eigentlich allem vorgehen.
In den meisten Fällen wird es keine Konsequenzen haben, wenn es nicht hart auf hart geht und das Leben in normalen Strömungen verläuft.
Ich rede ja nicht davon, das eigene Kind in Watte zu packen und keine Zeit für die hilfsbedürftigen Eltern zu haben, weil man lieber sein Kind verwöhnt, aber wenn man sich wirklich entscheiden MÜSSTE , würde wohl jeder die eigene, neugefründete Familie und nicht die Ursprungsfamilie wählen.
Aber das halte ich auch für ganz natürlich.
Wenn ich meine Tochter ansehe, weiß ich, dass sie auch irgendwann uns quasi "hinter sich lassen wird", dass sie eines Tages (jedenfalls wünsche ich es ihr) einen Partner (oder Partnerin) und hoffentlich auch Kinder haben wird, wenn sie es denn möchte, und dass wir, ihre Eltern und Großeltern hoffentlich noch eine Bereicherung und Stütze für sie sein können--aber wir werden nicht mehr der Mittelpunkt sein, und so ist es auch gut.
Es ist komisch, wenn man jung ist, kommt es einem so vor, als wäre das Leben nur für einen selbst gemacht--und wenn man Kinder hat, erkennt man, dass man eigentlich "nur" Glied einer Kette ist, die die Zeit überspannt, von den Urgroßeltern, Großeltern Eltern, Kindern, Enkelkindern--man spürt die eigene Vergänglichkeit aber fühlt sich aben auch als Teil der Zukunft, die man selbst nicht mehr erleben wird.

Lg, Jette

Familie das ist für uns Papa, Kind, Mama der Prinz in der Mitte... Und haustiere die gehören zur Familie auch dazu ( wir haben einen Hund)
Auch eine Familie mit einen Einzelkind ist eine Familie...
Das Vorurteil ein Kind ist Kein Kind und Das es heißt Ehepaar und Kind und nicht Familie heißt genau so :P
Viele Familien denken das Kinder nichts kosten aber das stimmt nicht und man ist Eoistisch weil man nur ein Kind will damit man ihm etwas bieten kann und sich selbst...

norii

Vielen Dank an alle für die spannenden und ausführlichen Antworten!!!

Herzliche Grüße
Kathrin Wittwer