In Gegenwart mancher Menschen unsicher. Ihr auch?

    • (1) 16.01.16 - 12:58

      Hallo ihr Lieben,
      ich würde mal gerne hören, ob eine Sache, die ich gleich näher erläutere, eine "persönliche Macke" von mir ist, oder ob ihr sowas auch kennt.

      Ich bin ein sehr selbstbewusster, kontaktfreudiger und schlagfertiger Mensch. Selbstbewusst nicht im Sinne von "ich weiß das sowieso besser" sondern dahingehend, dass ich um meine Fähigkeiten aber auch um meine Schwächen weiß.

      Früher (als Kind) war ich Fremden gegenüber eher gehemmt und schüchtern. Aber durch Ausbildung und Tätigkeit im sozialen Bereich habe ich keinerlei Kontaktängste mehr und beherrsche auch smalltalk gut. Und die Mutterschaft hat auch noch mal einiges an Sicherheit und Selbstbewusstsein obendrauf gepackt.
      Mittlerweile bin ich also durchaus in der Lage, smalltalk zu machen, tiefergehende Gespräche zu führen, mich ehrenamtlich und beruflich in verschiedenen Bereichen zu engagieren und auch vor größeren Menschenmengen stotterfrei zu sprechen.

      Jetzt kommt das "Aber":
      Es gab und gibt (quer durch mein bisheriges Leben) eine handvoll Menschen, die mich total verunsichern. Diese Menschen finden sich sowohl im beruflichen als auch im privaten und persönlichen Umfeld.
      Menschen, in deren Gegenwart ich plötzlich zum stotternden, errötenden Etwas mutiere. Menschen, bei denen mir im Gespräch nichts zu sagen einfällt (und ich rede wirklich gern und viel). Menschen, bei denen (wenn ein Gespräch doch mal geklappt hat) ich garantiere beim Verlassen des Raumes stolpere, gegen den Türrahmen laufe, mir einen Absatz abbreche oder oder oder.
      Das alles sind keine Menschen, auf die ich irgendwie dringend angewiesen bin (Abhängigkeit besteht also nicht). Auch ist es nicht so, dass diese Menschen mir unsympathisch wären oder ich ihnen. Zumindest von den Menschen aus beruflichem Umfeld weiß ich (über andere Kollegen) dass ich durchaus bei ihnen geschätzt bin und respektiert werde.

      Was mich aber total ärgert: Ich kann bei diesen Menschen einfach nicht zeigen, wer ich wirklich bin und wie ich wirklich bin. Ich komme bei diesen Menschen wie ein retardierter Dorftrottel rüber und kann nichts daran ändern. #schwitz

      Gibt es solche Menschen auch bei euch? Menschen, die euch einfach unruhig oder unsicher machen?

      • Ja, solche Menschen gibt es in meiner Umgebung auch. Meistens sind das Menschen, von denen ich glaube, dass ich ihnen eh nicht so sympathisch bin (ich aber eigentlich kein Problem mit ihnen habe) oder bei denen ich das Gefühl habe, sie würden ihren Gegenüber stets und ständig abchecken.

        vg, m.

        Hallo,

        ich kenne solche Situationen bzw. Menschen auch. Ich habe dieses Unsicherheitsgefühl immer bei unserem Geschäftsführer. Der Mann hat noch nie ein böses Wort gesagt, ist total menschlich und ich sehe ihn fast jeden Tag in unserem Großraumbüro. Oft treffe ich ihn in der Küche und wir unterhalten uns kurz, während er sich selber seinen Obstteller schnibbelt.

        Ich habe aber jedes Mal das Gefühl, mich wie ein Trampel zu benehmen. In seiner Gegenwart rutscht mir "dat" und "wat" raus oder irgendwelcher anderer blöder Kram. Obwohl ich studiert habe, den Mann seit gut 16 Jahren kenne und mich eigentlich jederzeit zu benehmen weiß, hat er so eine komische Aura. Ich vergleiche das immer mit dem Gefühl wie wenn die Polizei hinter einem fährt. Man hat nichts ausgefressen, aber ist trotzdem total angespannt.

        Ich möchte auch mal so eine Wirkung auf andere haben!

        Liebe Grüße

        Sabine

        • "Ich möchte auch mal so eine Wirkung auf andere haben!"

          Ich habe sehr gestaunt, als ich mal erfuhr, dass ich eine solche Wirkung auf andere *habe*. Manchmal. Selten.
          Aber (siehe meine Antwort unten) ich kämpfe auch mit dem geschilderten Problem und dachte lange, wenn man mich überhaupt wahrnimmt, dann findet man mich seltsam.

          Bis eines Tages eine Gruppe von 5 (!!) Studentinnen vor mir stand, die sich allesamt nicht getraut hatten, mich anzusprechen. #gruebel Ich war selbst noch Studentin, wir saßen in derselben Vorlesung.
          Das ist mir danach immer mal wieder passiert. Ich weiß, dass mich einzelne Studierende (inzwischen bin ich Doktorandin) bewundern - ich weiß bis heute nicht, wofür. #gruebel

          Ich glaube, man unterschätzt sich leicht selbst. Vielleicht hast Du diese Wirkung längst.

        • Deine Beschreibung über Kontakte mit Deinem Geschäftsführer beschreibt sehr genau, wie es mir geht!!!
          Haargenau so ist es.

          Bei meinem direkten Vorgesetzten ist es ganz genau so!!!
          Ich weiß, dass er meine Arbeit schätzt und viel von mir hält. Kontakte per email laufen zwischen uns super. Aber kaum in einem realen Gespräch, geht mir der Gesprächsstoff aus oder ich erzähle völligen Blödsinn (wo ich hinterher nur denke: "Wo kam DAS denn jetzt bitte her?").
          Und da ist meine "Befürchtung" mittlerweile schon, dass der sich denkt: Wie passt denn bitte deren Auftreten zu ihrer Arbeit und zu den schriftlichen Kontakten?

          >>> In seiner Gegenwart rutscht mir "dat" und "wat" raus oder irgendwelcher anderer blöder Kram. <<<

          genau das trifft es bei mir auch

      LOL, ja, das kenne ich. Witzige Frage.

      Da gibt es drei - das eine ist der Mann meiner Freundin. Der ist ziemlich intellektuell. Er gehörte zu Schulzeiten zu einer Gruppe, die mich mal kurzfristig mobbten. Damals hieß das ja noch nicht so und es war auch eher ein "minderschwerer" Fall. Ich weiß, er konnte mich damals nicht ausstehen (und ich fand ihn auch strange). Jetzt ist er eben mit einer Freundin von mir verheiratet und immer supernett. Ich weiß aber nicht, ob das "aufgesetzt" ist oder ob der die Szenen von vor 20 Jahren einfach vergessen hat.

      Das zweite war ein Mitglied unserer Kirchengemeinde. Er ist ein regional sehr bekannter Psychologe. Das klingt total doof, aber wenn ich persönlich mit ihm rede, fühle mich immer wie in einer Sitzung. Er führt auch private Gespräche vermutlich so ähnlich wie in Therapie und "wertet" auch. Also immer positiv, aber etwas seltsam.

      Das dritte ist ein Freund meines Vaters. Der Mann ist fast 90, erzkonservativ aber Atheist und findet mein Lebensmodell ziemlich schräg, z.B. dass ich drei Kinder hatte (trotz der gesamten Überbevölkerung), oder dass sich mein Mann mehr um den Haushalt kümmert als ich ("Ehe zum Scheitern verurteilt"), etc. Der ist ehrlich gesagt sehr ätzend, ich treffe nur bei Geburtstagen meines Vaters etc. auf ihn, weil er mich aber immer so angegangen ist (und meine Schwester auch), werden wir nun immer getrennt eingeladen. Bleiben die Begegnungen im Dorf (manche Leute trifft man jahrelang nicht, aber ihn alle naselang!). Ihm würde ich gerne mal die Meinung sagen, aber mache das aus Rücksicht auf meine Eltern nicht.

      GLG
      Miss Mary

      GLG
      Miss Mary

      • Hast Du mal in Erfahrung bringen können, ob der Mann Deiner Freundin sich an das Mobbing noch erinnert?

        bzgl. Psychologen: Ja, das kann ich mir lebhaft vorstellen. Fände es auch furchtbar, wenn jedes Gespräch analysiert wird. Man will doch auch einfach mal ein bisschen rumflaxen oder nicht so ernst reden.

        • Nee, das lief auch etwas "komisch".

          Ich habe erst seine Frau kennengelernt. Bei uns im Dorf gibt es so einen Frauentreff und da gab es eine Reihe Bastelabende, wo ich war. Ich habe sie da kennengelernt und sie hat eben erwähnt, sie seien hergezogen und sie hat immer von ihrem Mann gesprochen.

          Ich bin einfach davon ausgegangen, dass beide den gleichen Nachnamen haben (das letzte Mal, als ich von ihm hörte, hatte er gerade eine entfernte Schulfreundin von uns geheiratet und war in die Stadt gezogen - ich wusste nicht, dass er geschieden ist). Ja, und dort hat er die Frau dann kennengelernt, hat geheiratet und zog wieder ins Dorf (sie hat ihren Namen behalten, weil seine Ex den Namen behalten hat).

          Als ich das erste Mal bei ihr daheim eingeladen war, war ich erst wie vom Donner gerührt. Danach wäre es doof gewesen, zu fragen, "du, weißt du eigentlich noch?".

          GLG
          Miss Mary

    (10) 16.01.16 - 13:36

    Hallo,

    mir geht es ganz genauso. Auch meine Ausgangssituation ist ähnlich: als Kind war ich schüchtern und gehemmt bis hin zur völligen Sprachlosigkeit, was mir in der Schule teils massive Probleme beschert hat. Das zog sich durch bis zum Abitur und war echt schwieirg bisweilen.

    Ich habe hart an mir gearbeitet, um das in den Griff zu bekommen und mittlerweile ist es so, wie Du Dich beschreibst: ich bin ein (einigermaßen) selbstbewusster kontaktfreudiger Mensch und kann mich sowohl im beruflichen Kontext ausdrücken als auch mich im privaten Rahmen mehr oder minder tiefgründig unterhalten. Smalltalk kann ich nicht gut, das muss ich offen zugeben - da geht mir schnell die Puste aus. #hicks
    Ich merke aber immer noch, dass es eigentlich 'Arbeit' ist - ich muss mich anstrengen, um so zu sein. Die Hemmschwelle ist immer noch da, aber ich überwinde sie, und von da an läuft's. Ich habe schon erlebt, dass Leute mir nicht glaubten, wenn ich sage, dass ich 'eigentlich' schüchtern und introvertiert bin. Die halten das dann - je nach Kontext - für einen Witz. #heul

    Auch in meinem Leben gibt es Menschen, in deren Gegenwart ich das einfach nicht aufrecht erhalten kann - beruflich wie privat.

    Im privaten Umfeld gibt es da einen Mann, den ich sehr schätze, ich bin gerne (freundschftlich) mit ihm zusammen, wir waren schon gemeinsam feiern, verbringen oft unsere Nachmittage gemeinsam mit unseren Kindern und immer wieder muss ich um meine Sprachfähigkeit fürchten. Der bringt mich völlig aus der Fassung. #augen'
    'Lustig' (naja) ist es auch mit meiner Kollegin zusammen. Wir sind gut befreundet, arbeiten eng zusammen, aber während ich eher klein und - naja - etwas seltsam bin, ist sie ein wahres Ausbund an Charisma. Wir beiden kommen super miteinander klar, aber unsere Auftraggeber kommen häufig durcheinander. Die kennen dann mich vom Telefon und sehen dann beim Treffen, wie ich neben ihr komplett verschwinde, so kommt es mir vor. Manche können sich dann bis zum Ende des Projekts nicht merken, wer wer ist. #rofl
    Das sind nur zwei Beispiele. :-)

    Bei Menschen, die mir unsympathisch sind, geht es mir übrigens gar nicht so. Und wenn doch, dann kann ich mir denken "Du Arsch, mit Dir rede ich einfach nicht mehr". ;-)
    In solchen Fällen meide ich einfach das Gespräch, wo es geht und da gibt es dann kein Problem.

    Nun gut. Ist halt so. Ich lebe damit und habe wechselnde Theorien, woran das liegt. Ich glaube aber nicht, dass man diesen Leuten nicht zeigen kann, wer man 'wirklich' ist. Ich habe - bei mir - eher den Eindruck, dass insbesondere diese beiden Menschen ganz GENAU sehen, wer ich wirklich bin. Vor allem meine Kollegin, die beide Seiten kennt.

    Ich meine, das Stottern und Erröten, die abgebrochenen Absätze usw - das bist ja auch Du. Wenngleich eine Seite von Dir, die Du nicht so magst. :-)

    Du bist nicht allein.

    Liebe Grüße!

    • (11) 16.01.16 - 14:25

      Deine Beschreibung von dem Mann, mit dem Du Dich privat mit den Kindern triffst, trifft es ziemlich genau.
      Warum bekomme ich bei manchen Menschen, die mir sympathisch sind (und umgekehrt wohl auch) plötzlich keinen geraden Satz raus.

      Sehr nervig!

      Smalltalk musste ich übrigens auch hart lernen. Das war echte Arbeit! Und bis heute fällt es mir auch nicht so locker flockig leicht, wie ich es gerne hätte.

      Und mit den mir unsympathischen Menschen geht es mir ebenso wie Dir. Was die denken, ist mir völlig wurscht. Und da gibt es dann meinerseits auch keine Unsicherheiten.

      Dass das Erröten und Stolpern auch zu mir gehört, ist vielleicht das Ursprungsproblem: ich habe so hart daran gearbeitet, diesen Teil von mir zu überwinden, dass es doppelt schmerzt, wenn es sich plötzlich wieder Bahn bricht...

      Deine "wechselnden Theorien", woran das alles liegt, würde ich gerne hören. ;-) Vielleicht bekomme ich dann endlich mal eine Erleuchtung.

      • (12) 16.01.16 - 16:37

        Bei mir ist es zum Einen eine Frage der Augenhöhe und Dominanz. Ich kann sehr souverän auftreten, wenn ich mir sicher bin, dass ich mehr weiß und kann als diejenigen, mit denen ich gerade spreche. Das ist vor allem im beruflichen Kontext so. Nicht, weil ich die Leute dann für dumm halte, sondern weil ich als Experte für ein bestimmtes Thema mit ihnen rede und entsprechend vorbereitet bin. Die wollen dann etwas von MIR, nicht umgekehrt. Das gibt mir Sicherheit.
        Die Rolle des kleinen Mädchens kann ich gar nicht. Es gibt Frauen, die können das gut und die können damit auch sehr erfogreich sein und stottern nicht und brechen sich auch keine Absätze ab, wenn der Chef mit ihnen spricht. Das ist nicht abwertend gemeint, sondern einfach eine Typfrage. Du und ich - wir sind nicht dieser Typ, sondern wir haben hart daran gearbeitet, dem nicht zu entsprechen. Ich kann noch nichtmal mit einem dominanten Mann zusammen sein, ich muss IMMER Herrin der Lage bleiben; das ist MEINE persönliche Macke.

        Wenn nun aber eine solche Situation kommt, die entweder nach dem kleinen Mädchen ODER nach Augenhöhe verlangt (bei einem bestimmten Schlag Mensch schon aus Gründen des Alters und der Expertise schier unmöglich), funktioniert das nicht mehr und es kommt zu so peinlichen Zwischenfällen.

        Das andere ist eine Frage des Habitus, der nicht immer unbedingt passt. Ich hatte anfangs zum Beispiel große Probleme in Gesprächssituationen an der Uni. Smalltalk UND sich dabei gut verkaufen unter Professoren, z.B. bei Empfängen. Ich bin schier gestorben. Auch das war und ist harte Arbeit für mich - ich kann mich nicht selbstverständlich als einer von ihnen dort bewegen. Entweder ich bringe kein Wort raus, oder ich rede dummes Zeug. Es wird besser, aber auch da falle ich immer mal wieder aus der Rolle. #hicks Das soziale Gefälle ist da einfach so groß, dass ich die "Fassade" teilweise nicht über den ganzen Abend aufrecht erhalten kann. Sie bröckelt umso schneller, je größer das Alphatier, das da vor mir steht. Da würde ich mir manchmal wünschen, das charmante 'kleine Mädchen' zu sein, das sich gefällig unterhalten kann, ohne dabei als kleines Mädchen abgewertet zu werden. Denn diese Kolleginnen gibt es ja durchaus.

        Bei dem Mann, von dem ich erzählte, mischen sich diese Ebenen. Er ist, was Einkommen und Status betrifft, in einer völlig anderen Liga unterwegs als ich und das sieht man ihm und seiner Wohnung auch an. Der hat mich beim ersten Treffen total eingeschüchtert, bis er den Mund aufmachte und wahnsinnig sympathisch war. Ich merke, wenn seine Kollegen dabei sind, dass ich die Art der Gesprächsführung nicht unbedingt beherrsche und fühle mich immer komisch angezogen. #augen
        Gleichzeitig aber zeigt er deutlich freundschaftliches Interesse an mir, wir sitzen dann auf seine Initiative hin stundenlang in seiner Wohnung und trinken erlesenen Rotwein und quatschen. Über Musik, Filme, die Kinder... Die Ebene passt total.
        Mit dieser Diskrepanz umzugehen fällt mir nicht immer leicht. Wenn ich merke, heute ist wieder so ein Tag, da kann ich nicht reden, dann gehe ich ihm aus dem Weg. Frage mich manchmal, ob er das merkt.

        Du siehst, so ganz fertig sind meine Theorien noch nicht. Ich glaube, es ist einfach so und man muss lernen, damit umzugehen. So ganz aus seiner Haut kommt man einfach nie. An solchen Situationen merkt man meiner Meinung nach, wer man selbst wirklich ist, und welcher Teil 'antrainiert' ist.

        Wenn Du magst, schau hier mal zum Habitusbegriff nach. Hab ich an der Uni kennengelernt und das hat für mich viele Fragen beantwortet, wenn auch nicht nur ermutigend.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Habitus_%28Soziologie%29

        Viele Grüße!

        • (13) 16.01.16 - 17:34

          Was den Habitus angeht, bin ich eigentlich recht gut sozialisiert.

          Ich komme aus einem sehr gebildeten Haushalt mit einem gewissen Wohlstand. Der Wohlstand war aber von meinem Vater komplett aus dem Nichts erarbeitet. Über meine Großeltern hatte ich also immer auch Kontakt zur unteren Schicht. Und meine Eltern haben ihre Herkunft auch nie vergessen oder verleugnet.

          Heute halte ich selbst einen guten Lebensstandard. Nicht opulent aber ausreichend. Durch die Arbeit habe ich aber sehr viel Kontakt mit der "Hartz4"-Schicht. Und komme auch damit sehr gut klar.

          Sprachlich kann ich sehr gewählt reden aber auch komplett unterirdisch.

          Scheu vor besserer Bildung oder mehr Geld ist es in meinen Fällen von mich unsicher machenden Menschen also nicht.

          Ich freue mich eigentlich sogar immer, wenn jemand mehr weiß als ich. Ich lerne gerne dazu und Stillstand langweilt mich schnell. Ich brauche immer Ziele und Themen, an denen ich mich abarbeiten kann.

          Mein Problem ist oft, dass ich viele Interessen und Kenntnisse habe. Zu den unterschiedlichsten Bereichen. Allerdings habe ich natürlich in den wenigsten der Bereiche eine abgeschlossene Berufsausbildung. Und in Deutschland zählt nicht das, was mann kann, sondern das, was man belegen kann.

          Was Du über den Mann sagst, klingt eigentlich einleuchtend. Du sagst ja, dass du gerne die Kontrolle hast. (Willkommen im Club. Ich bin auch ein so ein Alphatierchen). Und mit diesem Mann kannst du in einigen seiner Lebensbereichen diese Position nicht erfüllen. Das frustriert. Andererseits wird das umgekehrt für ihn wahrscheinlich auch gelten. ;-)

          Woher weißt du bei ihm denn, ob so ein Tag ist, an dem du nicht reden kannst? Merkst du das schon vorher?

          • (14) 16.01.16 - 19:18

            Ich würde nicht sagen, dass ich Scheu vor besserer Bildung habe. Ich komme zwar nicht aus einem Akademikerhaushalt, aber auch nicht aus dem Prekariat. Das einzige, was mir fehlt, ist der selbstverständliche Umgang mit dem akademischen Umfeld. Ich finde, man bewegt sich dort schon anders als auf Omas 60. Geburtstag, auf Firmenjubiläen oder Weihnachtsfeiern in der Schule. Diese Erfahrung fehlte mir halt bis zu meinem eigenen Studium.
            Jetzt gehöre ich dazu, aber kann eben nicht auf entsprechendes 'Vorwissen' zurückgreifen, wie viele meiner Kommilitonen es konnten.

            Ich lerne auch gern dazu, aber ich scheue die Diskussion in diesem Fall und es flößt mir riesigen Respekt ein.

            "Und mit diesem Mann kannst du in einigen seiner Lebensbereichen diese Position nicht erfüllen. Das frustriert. Andererseits wird das umgekehrt für ihn wahrscheinlich auch gelten. ;-)"

            Ja, richtig. Ich meine, ich MUSS diese Positionen bei ihm auch gar nicht ausfüllen, ich will ja nicht seine Partnerin sein. Aber ich habe immer Sorge, mich zu blamieren. #augen
            Ganz bestimmt gibt es auch etwas an mir, was IHN interessiert. Würde er in allen Bereichen 3 Meter über mir schweben, würde er womöglich nicht seine Zeit mit mir verbringen wollen.

            "Woher weißt du bei ihm denn, ob so ein Tag ist, an dem du nicht reden kannst? Merkst du das schon vorher?"

            Wenn ich mich nicht gut fühle, müde, angeschlagen, sowieso unsicher bin, dann weiß ich schon, dass es vermutlich im Wortsalat enden wird. Wenn es einen Misserfolg gab, an dem ich knabbere oder ähnliches, was dafür sorgt, dass ich mich klein und blöd fühle, dann meide ich ihn. Dann meide ich aber auch Empfänge am Institut, wenn das gerade zur Debatte steht; dann würde ich ggf nur zum Vortrag gehen und den geselligen Teil umschiffen. Zum Glück stellt sich diese Frage nicht so oft.

(15) 16.01.16 - 13:43

Hallo.

Das kenne ich auch ...

... ich habe aber noch nicht genau herausgefunden, warum genau bei diesen Menschen (bei mir sind es gar keine bestimmten Menschen, sondern eher ein bestimmter Typ Mensch) bei mir der "Kleines Mädchen" Effekt einsetzt ...

... oft ist es bei Menschen, die älter sind ... das muss gar nicht so viel älter sein, aber ich werde von Fremden oft sehr viel jünger geschätzt, als ich bin ... das weiß ich und nehme dann an, dass man mich nicht meinem Alter entsprechend ernst nehmen würde ... diese Befürchtung ist nach den ersten paar Sätzen dann meist weg, da man mein Alter/Qualifikationen/Lebenserfahrung wohl anmerkt, wenn ich den Mund aufmache und man eine Weile mit mir spricht ...

... also ist es bei mir wohl irgendwie so ein Autoritäten-Ding ...

... aber wie gesagt, ich erlebe das auch ... obwohl ich alles andere als verunsichert, fast schüchtern, sein müsste ... und das meistens auch nicht bin.

LG

  • (16) 16.01.16 - 14:29

    "Kleines Mädchen"-Effekt trifft es genau! Die Bezeichnung werde ich mir merken.

    Schön, wenn das Problem ein ordentliches Etikett hat. ;-)

    Und auch bei mir könnte es gut sein, dass es ein Autoritäten-Problem ist.

    Muss ich mal genauer beobachten.

(17) 16.01.16 - 14:15

Das kenne ich von einer einzigen Person in meinem
Leben. Und zwar einer unsere Leser Vorstände.

Er ist ü 60 und strahlt totale Autorität aus. Er ist ein sehr freundlicher und besonnener Mensch, war noch nie grantig zu mir oder ähnliches. Aber sobald er mich anspricht, komm ich mir vor, wie ein Schulmädchen und ich bin weiß Gott nicht auf den Mund gefallen. Dann rutschen mir auch die dünnsten Dinge aus dem Mund und plötzlich sage ich die Redewendungen falsch, so dass sie keinen Sinn ergeben. total Strange:) ich hab auch immer das Gefühl, dass ich was sagen muss und sage nur Mist. Der Mann muss denken, dass ich ne vollmeise habe haha. Aber er geht dieses Jahr in Rente und dann ist der Spuk vorbei hehe

Huhu,

Ja das kenne ich absolut. Ich bin ohnehin eher zurückhaltend, aber im Prinzip immer noch kommunikativ und durchaus auch mal schlagfertig.

Wenn meine Schwiegereltern, mein Schwager mit Familie oder meine Stieftochter da sind ändert sich das schlagartig. Ich bin dann derartig angespannt und geradezu ängstlich etwas falsches zu sagen das ich entweder kaum noch rede, oder erst recht Mist rede. Kommt es zur Diskussion, fallen mir keine Argumente mehr ein und ich lasse mich immer mehr in die Ecke drängen.

Ein aktuelles Beispiel.

Die Tochter meiner Stieftochter hat die Hand-Fuß-Mund Krankheit. Bis Samstagabend hatte sie hohes Fieber und Sonntag wurde dann der Ausschlag, teils offen, stündlich mehr.

Ich habe also darum gebeten das sie Sonntag nicht zur Geburtstagsfeier meines Mannes kommen um kein unnötiges Risiko einzugehen.

Nun kam es wie es seit 13 Jahren immer kommt, meine Stieftochter jammerte bei ihrer Oma, weil ich böse Frau sie ausgeladen habe.

Abends sitzen wir also gesellig zusammen, ich will mich schon halbwegs wohlfühlen....da MUSS meine Schwiegermutter das Thema anschneiden.

Die Ärzte vom Notdienst hätten meiner Stieftochter ja gesagt das wäre nichts schlimmes und die Kleine dürfe selbstverständlich überall hin, die Freundin meiner Stieftochter würde sie ja schließlich auch nehmen und die hat immerhin 2 Kinder ( äh....ich auch?).

Gut, jetzt hätte ich schlicht antworten können, dass es mir ja nichts bringt wenn die Kinder damit in den Niederlanden überall hin dürfen, Lauras Kindergarten erwartet das die Kinder zu Hause bleiben bis alles abgeheilt ist, Dominiks Schule auch.
Dominik mußte noch 2 wichtige Klassenarbeiten schreiben, Laura hat einige wichtige Termine, darunter die Schuleingangsuntersuchung.
Abgesehen davon hatten 2 von uns den Mist erst letztes Jahr und ich möchte eben einfach kein unnötiges Ansteckungsrisiko eingehen.

Tatsächlich aber habe ich darauf herumgeritten dass deutsche Ärzte das eben anders sehen und ich Laura nicht schon wieder fast 3 Wochen zu Hause haben möchte. Alle anderen Argumente waren weg, mir ist einfach nichts mehr eingefallen.

Fazit der Diskussion für meine Schwiegereltern und die Frau meines Schwagers ....ich stelle mich an und bin da zu empfindlich, sie waren da unempfindlicher und deshalb waren ihre Kinder auch fast nie krank. Von der Hand-Fuß-Mund Krankheit hatte übrigens bis Sonntag noch keiner von ihnen etwas gehört, woran man ja irgendwie merkt das ich garnicht richtig wahrgenommen werde.

Kaum sind sie weg, lichtet sich dieser Nebel und ich könnte mich selbst ohrfeigen.

Lg

Andrea

  • Innerhalb der erweiterten Familie kann ich das noch verstehen. Da möchte man ja gemocht und akzeptiert werden.
    Aber warum passiert mir das auch bei Menschen, die mir völlig gleichgültig sein könnten?

    • Ich denke das ist zu einem großen Teil die Ausstrahlung dieser Menschen, manchmal nimmt man unterbewusst etwas wahr und wird davon derartig verunsichert.

      Lg

      Andrea

ja, das kenne ich auch

da werde ich plötzlich zum Sprechlegastheniker und habe das Gefühl, dass ich in meinem Kopf keinen gescheiten Satz zusammenbringe, geschweige ihn fehlerfrei ausprechen kann.

Keine Ahnung warum das manchmal so ist, wobei ich das jetzt nicht auf spezielle Personen in meinem Umfeld beziehen kann sondern eher auf bestimmte Situationen.

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