Kinder respektlos

    • (1) 09.05.16 - 19:38

      Guten Abend zusammen,

      ich habe mich heute Abend hier angemeldet, da ich und meine Frau mittlerweile nicht mehr weiterwissen. Ich bin 53 und meine Frau 55.

      Kurz nachdem wir aus Polen ausgereist sind haben wir zwei Töchter bekommen. Eine ist jetzt 25 und die andere 23.

      Wir sind nach Deutschland ausgewandert, weil wir unseren Töchtern ein besseres Leben bieten wollten, als das wir es haben. Doch unsere Töchter zeigen keinerlei Dankbarkeit. Unsere Jüngste hat sogar den Kontakt zu uns, als sie vor 6 Monaten ist den Kontakt abgebrochen! Sie wartet immer im Auto draußen, wenn sie ihre Schwester abholt. Mit uns will sie nichts mehr zutun haben.

      Unsere Jüngste war schon immer sehr egoistisch. Sie hat zwar ein sehr enges Verhältnis zu ihrer Schwester aber zu uns Eltern war sie immer sehr zurückgezogen.

      Letzten Sommer, als Sie eine Zusage für ihr Studienplatz erhalten hat, ist dann wohl die Bombe geplatzt. An ihrem Geburtstag kam es zum Streit. Sie meinte sie hat keine Lust mehr auf uns. Hat uns mehrere Misshandlungen vorgeworfen und dass wir sie immer als Sündenbock dargestellt haben. Das hat unsere Älteste dann auch bestätigt und sprach auch die Vergangenheit an.

      Zugegeben.. wir haben eine sehr turbulente Vergangenheit. Meine Frau hat mehrmals versucht sich das Leben zu nehmen und wir hatten mehrmals eine Ehekrise die unsere Kinder in jungen Jahren mitbekommen haben. Aber statt sich zurückzuziehen, mischten sie sich immer mehr in die Ehe ein. Einmal kam sogar die Schulpsychologin auf uns zu, weil sie sich Sorgen um die Älteste gemacht hat. Sie würde sehr verstört wirken und will nicht mehr nachhause. Dabei haben wir sie pushen müssen, damit sie das Schuljahr packt.

      Hin und wieder haben unsere Kinder Klapse abbekommen, aber wenn man sich so die Nachricht ansieht und die ganzen Vergwaltiger und Amokläufer sieht, hätten diese auch Prügel verdient, sonst wären sie nicht zu soetwas geworden!

      An dem Tag, wo meine Tochter dass angesprochen hat, war ich sehr baff. Sie meinte sie hätte sich die letzten 23 Jahre nicht getraut das auszusprechen und jetzt wo sie ausziehen wird, kann sie es nicht länger für sich behalten. Ich fühle mich von ihr ausgenutzt. Wir haben soviel für die Kinder getan und sie hielten es nichtmal für richtig, sich gestern bei meiner Frau zum Muttertag zu melden.

      Die Jüngere hat uns auch nie respektiert. Zu Ihrem Abschluss hat sie uns nicht eingeladen. An Ihrem 18. Geburtstag hat sie uns nicht berücksichtigt und als sie ausgezogen ist, hat sie uns auch nicht um Hilfe gebeten, was man eigentlich den Eltern schuldig ist. Ich verstehe nicht wie sie so verzogen werden konnte! Sie weiß alles besser, will nie Hilfe und ist gar nicht dankbar.

      Habt ihr einen Rat für mich, wie ich meinen Töchtern ihr verhalten klar machen kann?

      • (2) 09.05.16 - 19:52

        -------Hin und wieder haben unsere Kinder Klapse abbekommen, aber wenn man sich so die Nachricht ansieht und die ganzen Vergwaltiger und Amokläufer sieht, hätten diese auch Prügel verdient, sonst wären sie nicht zu soetwas geworden!------

        Du meinst, dass Menschen zu Vergewaltigern und Amokläufern werden, liegt an der Erziehung und ist die Schuld der Eltern?

        Wenn Deine Töchter so rigoros den Kontakt zu Euch eingestellt haben, dann ist sicher mehr vorgefallen, als das was Du hier schreibst.

      Ein Kind ist den Eltern nichts schuldig. Dankbarkeit schon gar nicht. Eure Haltung spricht Bände.

    • Deine Töchter haben also, obwohl sie regelmäßig "Klapse" abbekommen haben, sich ein Selbstbewusstsein bewahrt was es ihnen ermöglicht euch entgegen zu treten? Glückwunsch an deine Töchter an dieser Stelle! Wenn du glaubst man kann Kinder zu vernünftigen Menschen erziehen indem man sie nur ausreichend "klappst" wenn sie nicht machen was sie sollen (nämlich dankbar sein, ruhig, wohlerzogen etc.) dann tust du mir leid!

      Deinen Töchtern alles Gute. Vielleicht schafft es die Zweite ja auch sich noch ganz von euch zu lösen.

      Barrik

      • Ok.. vllt war es nicht in Ordnung was wir gemacht haben, aber wir wussten es in dem Moment auch nicht besser und sind haben es auch so gelernt...

        Wir haben oft versucht die Familie wieder aufzupeppeln, aber wie denn wenn die Jüngere sich nur zurückzieht und kein Interesse an einem Beisammensein hat!

        Sie hat kein Interesse an einem Familienleben! Und auch jetzt sieht es nicht anders aus!

        • Ich denke es ist eher etwas Psychisches, weil wir letzten erfahren haben, dass sie in Psychotherapie ist.

          • Es freut mich für deine Tochter, dass sie sich zur Therapie entschieden hat. Wenn man jedoch mit einer suizidalen Mutter und Schlägen aufwachsen muss, dann wundert es mich gar nicht das sie sich Hilfe gesucht hat.

            Hallo nochmal hier, qwertzu,

            "etwas Psychisches" kann sehr wahrscheinlich ein Trauma durch eure Erziehung sein. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass eure Erziehung zu ihren psychischen Problem geführt hat als dass ihre Psyche zu euren familiären Problemen führten.

            Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass sie aus der Psychotherapie überhaupt erst die Kraft gewonnen hat, euch damit zu konfrontieren und sich zu lösen.

    Hallo qwertzu63,

    wenn ich dich richtig verstanden habe, dann siehst du im Moment das Problem bei deinen Töchtern und möchtest ihnen deutlich machen, dass ihr Verhalten nicht richtig ist, da du Dankbarkeit anstelle von Abweisung erwartest.

    Ich muss gestehen, dass ich im Moment eher an euch Erwartungen hätte als an eure Kinder. Das hat mehrere Gründe:

    Du beschreibst eure Vergangenheit als "turbulent". Das ist sehr mildes Wort, wenn man betrachtet, was du anscheinend damit meinst. Deine Kinder sind - wie es klingt - in einer für Kinder kaum aushaltbaren Situation großgeworden: Sie mussten Suizidversuche ihrer Mutter verkraften, sie mussten Schläge einstecken. Du hast sie recht niedlich "Klapse" genannt, während sie heute - als Erwachsene und anscheinend viele Jahre der Reifung und Distanz später - selbst als Misshandlungen beschreiben. So oder so: In Deutschland war das auch vor 10-15 Jahren schon verboten. Das hätte insbesondere in Verbindung mit der Instabilität der Mutter und euren mehrfachen Krisen auch schnell durch das Jugendamt zu harten Konsequenzen für eure Familie führen können. Ich trete dir jetzt sehr nahe und das tut mir Leid, aber wenn in der Schule ein Kind schon als "verstört" wahrgenommen wird und dann der Hintergrund bekannt wird, dann wird das schon in einigen Familien dazu geführt haben, dass die Kinder nicht mehr in der Familie leben konnten, insbesondere wenn die Kinder selbst weg wollten. Deine eigene Darstellung der Situation wirkt so als hättest du das Verhalten deiner Tochter sowie das der Lehrerin damals als völlig absurd empfunden. Ehrlich gesagt denke ich, du solltest beginnen, darüber ernsthafter nachzudenken und nicht dich als Opfer zu sehen. In meinen Augen sind die Opfer hier sehr eindeutig eure Kinder.

    Aus dieser Sicht heraus empfinde ich auch die jetzt für euch möglicherweise überraschende Distanzierung als für die Kinder genau richtige und heilsame Entscheidung. Jahrelang haben sie die Füße stillgehalten und eure verbotenen, unterdrückenden (Schläge, egal wie fest, sind immer unterdrückend und erniedrigend) Erziehungsmethoden hingenommen und versucht, ihren eigenen Weg zu finden. Deine Tochter, die du als "schon immer egoistisch" beschreibst, hat vermutlich eine funktionierende Schutzmauer aufgebaut - gegen euch mit Egoismus (das Beste und Einzige, was man einem Kind in dieser Situation raten kann: Achte auf dich selbst!) und im Verbund mit ihrer Schwester. Die jetzige Distanzierung ist eine gesunde Verarbeitung. Sie sind nicht Schuld an der eskalierten Situation. Sie konnten nichts für eure Turbulenzen, trotzdem haben sie euren Sturm abbekommen. Das müssen sie nun erstmal verarbeiten - indem sie euch damit konfrontieren.

    Ihr solltet das zum Anlass nehmen, euch selbst sehr, sehr kritisch zu hinterfragen. Ich glaube, dass ihr nur eine harmonische Situation erreichen könnt, wenn ihr eure Fehler eingesteht und akzeptiert, dass die jetzige Distanz, die "geplatze Bombe" das logische Resultat eurer Erziehung ist. Dafür muss man auch keine Dankbarkeit zeigen, so ehrvoll es dir auch erscheinen mag, finanzielle und gesellschaftliche Opfer gebracht zu haben. Das war eure freie Entscheidung. Die haben deine Kinder nicht mitzutragen. Sie wären vermutlich auch in Polen in einer gewaltfreien Erziehung glücklich geworden.

    Herzliche Grüße
    blue

    Hallo.

    Ich weiß, dass in Polen Tradition, Werte und Normen innerhalb der Familie anders groß geschrieben werden als mancherorts hierzulande. Ich bin selbst mit einem polnischen Mann verheiratet.

    Doch so wie du das alles beschreibst, solltest du erstmal auf dem hohen Ross, auf dem du sitzt, herab steigen und dich auf Augenhöhe deiner Töchter bewegen. Dann hör einfach auf Erwartungen an sie zu stellen...! Welches Recht maßt du dir an, dass sie dir Dankbarkeit zollen? Habt ihr die Kinder in die Welt gesetzt, damit sie nur zu euch aufschauen? Das ist niederträchtig...! Dann habt ihr die Rolle als Eltern einfach nicht verstanden. Und meiner Meinung nach, wenn ihr alles "richtig" gemacht hättet, dann wäre nie so ein Verhältnis entstanden. Und da nun eure beiden Töchter sich auf eine Seite geschlagen haben, hat das offensichtlich nichts mit Verschwörung zu tun, sondern mit Erkenntnis und Zusammenhalt.

    Sie haben sich beide.

    Also, steig erstmal ab, denk über dich, deine Frau und euer Verhalten der letzten 25 Jahre nach und dann... Aber auch erst dann, wenn eine Einsicht kam, geh auf sie zu und sprecht es offen an. Da liegt sicher viel im Argen, was deinen Töchtern auch noch im Magen liegt...

    Alles Gute!

    • Es war allerdings nicht immer so, dass die zwei zusammengehalten haben. Die jüngere hat auch eine lange zeit (bis 16 oder so) auf die größere rumgehackt und war oft unfair ihr gegenüber

      • Und das hat jetzt was genau mit deinem Problem zu tun ? Ihr habt einiges falsch gemacht, deine Kinder machen genau das richtige. Ich denke die anderen haben schon sehr gut beschrieben wo das Problem liegt - bei dir/euch! -

        Das mag ja sein. Aber das ist nicht das Thema. Sondern euer Verhältnis und deine Erwartungshaltungen. Ich denke, dass du mehr erreichen wirst, wenn du alles gründlich überdenkst und eben auch anders auf sie zugehst.

        Das war bei meiner Schwester und mir genauso. Auch wir wurden von unserem Vater geschlagen, wir hatten beide das Gefühl, dass wir benachteiligt wurden und der andere es besser hat. Und ja, so schlimm das ist aber manchmal hat sich etwas angestaut und das hat man an der Schwester ausgelassen. Aber auch bei uns hat sich das geändert. Wir haben angefangen zusammen zu halten und wir haben seit Jahren ein super Verhältnis! Meine Schwester ist der wichtigste Mensch in meinem Leben, keiner versteht mich so wie sie!

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