Was habt Ihr rückblickend "richtig" gemacht / was würdet Ihr anders machen betr. Eurer Kinder?

Als junge Mütter fragen wir uns oft: "Mach' ich das eigentlich alles einigermaßen richtig?" Mütter von großen Kindern sind in den meisten Fällen recht zufrieden mit ihrer Form der Erziehung. Also Mütter, entspannt euch!
Ein Tipp vom urbia Team

    • (1) 05.06.16 - 12:59

      Ihr Lieben,

      die Frage klingt vielleicht seltsam, denn letztlich ist jedes Leben und damit auch jede Lebenssituation absolut individuell... Trotzdem finde ich es immer wieder sehr inspirierend, wenn Menschen auf diese Frage antworten.

      Viele meiner Freunde sind etwas älter als ich und/oder haben viel früher Kinder bekommen. Demnach sind viele bereits in der Situation (fast) erwachsene Kinder zu haben und auf einen langen Weg zurückblicken zu können. Es sind die unterschiedlichsten Menschen herangewachsen...von dem Typus "erfolgreicher Akademiker im Ausland" bis hin zu einer jungen Frau, die schwer von Depressionen geplagt ist.

      Es sind Scheidungskinder dabei, sehr behütete Kinder, extrovertierte und introvertierte - das ganze Spektrum - es ist spannend die Lebenswege zu beobachten, zu sehen wie sich in der Mischung aus Charakter, Erziehung, Startbedingungen und vielleicht auch Zufall vieles formt. Vieles kann man ja oftmals auch gar nicht beeinflussen.

      Wie seht Ihr es rückblickend - was denkt Ihr, war "gut und richtig" betreffend Eurer Kinder, was hingegen würdet Ihr gerne anders gemacht haben oder was denkt Ihr hatte großen Einfluss auf das bzw. wie Eure Kinder heute sind?

      Alles Liebe
      Martina

      • Hallo
        Meine große Tochter ist jetzt 19 geworden und als ich sie bekommen habe waren ich un der Vater erst 17.
        Bei ihr haben wir vor allem am Anfang einfach gemacht ohne viel nachzudenken, einfach das was für sie gepasst hat. Eben alles mit etwas jugendlichem Leichtsinn und ohne alle zu hinterfragen und zu überlegen ob alles "pädagogisch wertvoll" ist (was es bei uns so oder so nicht sein muss :-) ).
        Im Nachhinein war das alles in allem genau das richtige. Je älter ich werde desto schwerer fällt es mir manchmal so zu sein obwohl ich trotzdem noch ziemlich locker bin.
        Mir ist es wichtig das meine Kinder weltoffene,selbstständige Menschen werden die ihr Leben gut auf die Reihe bekommen und das sie etwas realistisches machen mit dem sie glücklich sind. Ob das dann Einzelhandelskauffrau oder Prof. Dr. Dr. sonstwas ist mir eigentlich egal.
        Bei ihr haben wir das auch ziemlich gut hinbekommen, das einzige was mir manchmal etwas Sorge macht ist etwas das ich nicht ändern kann. Sie war schon immer ein extrem schüchterner Mensch der sich selbst mit den eigenen Erwartungen oder der Meinung das die eigene Leistung nicht gut genug ist Steine in den Weg legt und einfach alles viel zu sehr zu Herzen nimmt. Das ist über die Jahre natürlich schon besser geworden aber ich weiß das die erste Zeit im Beruf oder dorthin erstmal noch schwer werden wird denn ihr Charakter wird sich nicht ändern. Sie wird lernen damit noch besser umzugehen aber das wird dauern.
        Sie hat ein Ziel und darauf hin arbeitet sie, ich bin stolz auf den Mensch der sie ist und weiß das sie ihr Leben gut meistern wird (Wie erwähnt, sie ist sich da manchmal noch nicht so sicher aber das wird.).
        Zurückblickend muss ich also wirklich sagen das ich es im großen und ganzen immer wieder so machen und vorleben würde.

        Die Sachen die ich ändern würde oder nicht mehr so anfangen würde sind eigentlich Kleinigkeiten wir zum Beispiel die Schlafzeit oder der Fakt das es Kleinigkeiten gibt die schon kurze Zeit später keine Rolle mehr spielen in die man nicht zuviel Nerven,Gedanken und Energie stecken sollte. Insbesondere was die Schulzeit betrifft.
        Natürlich kommt es auch immer aufs Kind drauf an und in welchen Freundeskreis sie geraten aber ich denke wenn man ihnen gewisse Werte und Vorstellungen schon selbstverständlich vorlebt und sich nicht als großer Erwachsener mit irgendwelchen Machtspielen a la "Ich bin Mutter, du gar nix" ,gerade bei Jugendlichen bei denen die Erziehung an sich quasi fertig ist, darstellt ist schon ein großer Teil getan.

        LG

        • Lieben Dank für Deine Antwort
          und die schönen Gedanken! Genau sowas meinte ich...sowas finde ich unglaublich interessant zu lesen und mir hilft es auch meine Gedanken/Sorgen/Ängste, die man als Mama ganz automatisch hat, zu relativieren.

          Meine Tochter ist (so weit man das in dem Alter schon sagen kann) glaube ich Deiner vielleicht nich ganz unähnlich. Von Anfang an war sie (verglichen mit Kindern, die ich kenne) eher zurückhaltend, beobachtend, sensibel... Das macht mir z. T. auch Sorgen - einfach weil man natürlich weiß, dass die Welt heutzutage nicht sehr nachsichtig ist und viel zu oft der "Stärkere" gewinnt. Das fängt schon bei den ganz kleinen auf dem Spielplatz an. Sie zieht sofort zurück, wenn jemand anderes rutschen will, sie schubst usw....da wird sie lernen müssen ihre Grenzen zu behaupten.

          Alles Liebe
          Martina

      Ich weiss nicht ob das so eine Gleichung ist: alles "richtig gemacht" = kommt ein toller Mensch bei raus. Viel ist auch Charaktersache und Typfrage. Ich will das meine Kinder in einem liebevollen Umfeld aufwachsen, mit viel Freiheit, frischer Luft, Bewegung, Natur, guten Büchern, Hunden und Pferden, alles mögliche an Hobbys und Neuem ausprobieren, mit selbstgebackenem Kuchen, Milchreis mit Zimt und Zucker, Klamotten nach ihrem Geschmack und viel Zeit mit ihrer Familie, eingebettet in viele Freunde und Sozialkontakte. Was sie dann später als Erwachsene daraus machen, darauf hat man wohl als Eltern doch weniger Einfluss als man glaubt.

      • Genau wie Du schreibst, denke ich auch, dass es zu viele Faktoren gibt, um eine solche Gleichung aufstellen zu können. Das wollte ich oben eigentlich auch zum Ausdruck bringen, schade wenn es falsch rüber kam.

        Mich interessiert eher die subjektive, persönliche Meinung der Menschen...nicht die Frage, ob sie einen Prof. Dr. Dr. "hinbekommen" haben oder warum eben nicht ;-) Tobin-health hat es oben finde ich sehr schön beschrieben.

        Lieben Dank auf jeden Fall für Deine Antwort!

        LG
        Martina

        Bitte adoptiere mich!

        ;- )

    • Hallo,

      bei uns im Dorf lebten, als ich aufwuchs, fünf oder sechs Gymnasiallehrer in unmittelbarer Nachbarschaft. Das waren die 70er, die fingen alle zeitgleich am örtlichen Gymnasium an zu arbeiten, kannten sich aus dem Studium, waren viele Lehrerehepaare dabei. Die hatten eben überlegt, dass sie den Synergieeffekt ausnutzen konnten, sie kannten sich ja schon länger, hatten z.T. in WGs zusammen gewohnt.

      Klappte erst mal super: Jeder zog in ein Einfamilienhaus, alles schmuck und jede Familie bekam ziemlich zeitgleich 2-3 Kinder. Die Frauen arbeiteten wenig, es war aber wirklich ein ausgeklügeltes System (meine Mutter beneidete sie sehr), so ging halt mittags jemand mit vier Kinden auf den Spielplatz, während jemand anderes den Schwimmkurs abdeckte. Jedes Kind wurde optimal gefördert. Man half sich gegenseitig und die Eltern bekamen eine ziemlich gute Life-Workbalance hin.

      Meine Freundin lebte in dieser "Lehrersiedlung" - daher habe ich da Insidereinblicke. Alle Kinder haben Abitur gemacht, alle studiert und alles sah auf den Papier super aus. Es war aber eine Konkurrenzsituation entstanden, jeder wollte, dass seine Kinder mindestens genauso gut sind wie die der Nachbarn/Freunde/Kollegen - so war ein wahnsinniger Druck da, der meine Freundin fast verzweifeln ließ.

      Weil die unter sich ganz neue Maßstäbe geschaffen hatten und auch einen Tunnelblick hatten, weil sie außer sich wenig sahen, war das so ein Mikrokosmos. Ergebnis:

      - alle Abitur
      - ca. 1/3 wurden auch Lehrer
      - alle studiert

      Jetzt das große ABER: in vier der Familien gibt es heute ein psychisch krankes Kind (na ja, Kind, sind ja nun auch über 40). Da das deutlich über dem Schnitt ist, denke ich, dass das dieser enorme Druck war. Jedes Kind wurde bis ans Maximum gefördert und über dieses hinaus. Bei meiner Freundin war es so, dass, wenn das Nachbarsmädchen eine 2 in Mathe schrieb, sie keine 3 schreiben durfte. Aufgetreten sind Magersucht (2x), Depression (1x) und eine Psychose (1x). Soweit der Dorfklatsch stimmt, das mit der Magersucht hat man deutlich gesehen.

      Daher gibt es auch ein "zu viel des Optimums".

      GLG
      Miss Mary

      Was sie dann später als Erwachsene daraus machen, darauf hat man wohl als Eltern doch weniger Einfluss als man glaubt.

      GENAUSO sieht es aus. Ich habe meinen Kindern auch nach Kräften alles ermöglicht, wovon ich dachte, es macht ihnen Freude, auch einiges, was Du aufzählst - und einiges andere mehr auch noch. Sie durften die Berufe lernen, die sie wollten und hatten auch sonst alle Unterstützung, die sie brauchten, wenn auch vor 30 Jahren strenger erzogen wurde als heute.
      Für meine Tochter war es komplett in Ordnung so - für meinen Sohn nicht.
      Ähnliche Fälle kenne ich auch aus anderen Familien.
      Also - Du kannst Dich anstrengen, soviel Du willst, es kann klappen, muss aber nicht.
      LG Moni

      • Hallo,

        das hängt von so vielen Faktoren ab. Ich habe einen älteren Bruder und eine jüngere Schwester. Meine Mama war bemüht, bis wir im Kindergartenalter waren, dann aber irgendwie gefrustet. Keine Ahnung. Sie kam auch damit nicht klar, als wir groß wurden, dass wir nicht alles toll fanden, was sie dachte und machte.

        Meine Eltern versorgten uns mit Wohnraum, einer strengen Tagesstruktur und gesundem Essen. Wir wussten, dass wir übelst Ärger bekommen würden, wenn es in der Schule nicht lief.

        Wir hatten so eine typische Dorfjugendkindheit - wir waren viel draußen und haben uns frei bewegt. Wir sind mit dem Fahrrad in die Bibliothek gefahren und mit Freunden ins Freibad. Hatten wir kein Geld, ging es an den Baggersee. Freunde von uns hatten Bauernhöfe, wo es uns echt stolz machte, wenn wir mit 10 und 11 richtig Verantwortung übernehmen durften. Mein Bruder kam aufs Gymnasium, ich nicht, da hat aber keiner mehr geschaut. Mein Vater meinte immer "ihr seid nun selbst verantwortlich". Auch gelmäßig wurden wir so knapp gehalten, dass wir immer irgendwelche Nebenjobs haben.

        Bei meiner Schwester (sechs und acht Jahre jünger als wir) haben meine Eltern dann auf einmal wieder anders geschaut - die bekam viel mehr Aufmerksamkeit - hockte aber nur zu Hause rum und hatte wenig Lust.

        Wäre Input = Output hätte meine Schwester das glücklichste und erfolgreichste Kind werden sollen. So ist es aber nicht. Wir waren einfach viel intrinsischer motiviert. Warum auch immer.

        GLG
        Miss Mary

Hallo

meine "Kinder" sind jetzt 28,20 und 19 Jahre alt.
Grundsätzlich überlasse ich eigentlich ihnen die Beantwortung dieser Fragen.
Jedes Kind hat ja auch andere Wahrnehmungen, Erinnerungen u.s.w.

Wir reden oft und gerne auch über schwierige , alte Zeiten.

Einige meiner Befürchtungen waren unnötig.
Ich habe z.B. gelernt, dass auch vermeintliche Misserfolge wie Sitzenbleiben, auf manche Kinder sehr positive Auswirkungen haben können.

Den größten Einfluss auf ihre Entwicklung hatte wohl ihr Stiefvater, der sie mehr geprägt hat , als der liebliche Vater.

Ich würde übrigens wenig bis nichts anders machen.
Sie sind gut drauf, sehr umgänglich, haben Familiensinn und sie machen sie ihren Weg.

Ich bin einfach nur glücklich.:-)

L.G.

  • (13) 05.06.16 - 16:40

    leibliche............

    Danke Dir!

    Es ist spannend zu lesen, dass der Einfluss des Stiefvaters so groß/positiv war. Zeigt es doch, dass es nicht immer die Familie oder die Eltern sind...es können auch andere Bezugspersonen und Vorbilder sehr prägend sein. Schön finde ich, dass Ihr viel reden könnt - das habt Ihr sicherlich von Anfang an gemacht...

    Alles Liebe
    Martina

Hi,
rückblickend würde ich keine mehr bekommen.

Max. noch 1 Kind.

Gruß Claudia

Top Diskussionen anzeigen