Großeltern - wie verhalten wenn es um Pflegebedürftigkeit geht?

    • (1) 16.08.16 - 13:22

      Hallo zusammen,

      mich belastet momentan folgende Situation und ich hätte gerne ein paar Meinungen und Erfahrungen:

      Meine Oma, gerade 78 geworden, ist eine ziemlich fitte Frau. Sie war schon immer sehr sehr aktiv, in Gesangsvereinen, Arbeiterwohlfahrt, Kerbegesellschaft, Frauenverein und was weiß ich nicht wo noch aktiv. Es gab viele Treffen und auch Tagesausflüge mit dem Bus.

      Vor ca. 8 Jahren lernte sie einen Mann kennen, mit dem sie dies alles gemeinsam auch getan hat. Nach und nach baute er gesundheitlich aber immer mehr ab. Er hat Demenz - wie stark kann ich nicht beurteilen, aber er erkennt uns Enkelkinder z.B. gar nicht mehr und vergisst den Geburtstag meiner Oma, welchen Monat oder welches Jahr wir haben; so Sachen halt...

      Vor zwei Jahren sind die beiden dann in eine Bungalowanlage für ältere Menschen gezogen. Der Vorteil war, dass sie nun nicht mehr über 2 Etagen wohnen mussten (Treppensteigen allein jedes Mal, wenn sie auf Toilette wollten) und nun auch nur noch ihre 50qm zum Putzen hatten - es war einfach für meine Oma eine Entlastung. Die Bungalows sind behindertengerecht, barrierefrei und mit Stuhl in der Dusche und solchen Sachen - an sich alles gut.

      Das war auch soweit eine ganz schöne Lösung für die Beiden, hätte mein Stiefopa nicht inzwischen so krass abgebaut. Er sitzt keuchend und stöhnend rum, kann kaum noch alleine essen ohne dass ihm alles den Mund runterläuft, er kann fast nicht mehr laufen, er erkennt nur noch meine Oma und ist geistig wirklich ziemlich verwirrt inzwischen. Sie muss ihn waschen, für ihn komplett sorgen, kann nicht mehr aus dem Haus weil er ja nicht mehr mit kann und sitzt nun in diesem Bungalow mehr oder weniger fest...

      Das an sich finde ich schon nicht schön: ich kenne meine Oma nur als vitale lebensfrohe Frau und dass sie nun ihre letzten Jahre in denen sie wirklich noch richtig fit ist, nicht damit noch verbringen kann (Vereine, Busreisen etc) finde ich sehr schade.

      Gestern waren wir bei ihnen um den Geburtstag meiner Oma zu feiern. Dabei erzählte sie uns dann so Sachen wie: ich habe hier dieses Gerät vom Roten Kreuz wenn ich mal stürze. Aber wenn ich G. frage, ob er weiß was er machen muss (den Knopf auf dem Gerät drücken), dann weiß er schon gar nicht mehr wovon ich eigentlich rede... Also stürzen dürfte ich hier wirklich nicht; dann würde mich niemand mehr rechtzeitig finden...

      Mein Vater und seine Frau haben beiden schon x Mal ins Gewissen geredet, warum sie nicht in eine richtige Altenwohnanlage ziehen, wo sie auch eine eigene Wohnung haben können aber es eine konstante Pflegekraft und Betreuung zumindest für meinen Stiefopa gibt, damit meine Oma noch ansatzweise ein Leben führen kann. Bislang habe ich das immer mitverfolgt, aber dachte es wäre noch alles okay. Zuletzt haben wir die beiden im April besucht, aber nun vier Monate später hat sich alles schon so dramatisch verändert mit seinem Zustand, dass mir selbst auch Angst und Bange wird und ich sie viel lieber in einer betreuten Anlage sehen würde...

      Meine Oma sieht das nicht ein: sie sagt, ihr gefällt es dass sie dort so schön im Grünen wohnt; wir sollen ihr doch die Jahre dort lassen.

      Man muss dazu sagen: mein Opa ist vor 20 Jahren etwa auch pflegebedürftig geworden mit eigenem Krankenbett im Wohnzimmer usw. und sie hat ihn damals auch 7 oder 8 Jahre lang zuhause gepflegt bis er letztlich starb. Da war sie aber auch noch 20 Jahre jünger...

      Ich habe vollstes Verständnis, dass sie meinen Stiefopa nun nicht "hängen lassen" will. Ich möchte ihr auch nicht in ihr Leben reinreden, auch wenn ich mich eigentlich danach fühle. Es tut nur wirklich weh, wenn ich sehe, dass sie nun schon zum zweiten Mal so eine Leistung erbringt und das nun aber in einem Alter, wo es für sie körperlich auch nicht mehr geht. Für mich war es wirklich eine richtige psychische Qual gestern dort zu sitzen: er total krank, sabbernd, dement in seinem Stuhl hängend und sie ganz traurig und fragt, wann wir mal wieder kommen würden. Ich ertrage es nicht zu sehen, in was für Umständen meine Oma dort lebt... Wie sie ihre letzten Jahre -in meinen Augen- verschwendet nur weil sie niemanden im Stich lassen will.

      Wir feiern seit ich denken kann am 1. Weihnachtsfeiertag zusammen. Früher bei meiner Oma, vor 6 Jahren haben mein Mann und ich das übernommen um sie zu entlasten und richten das Fest aus. Das ist eine so schöne Tradition. Gestern eröffnet sie uns, dass wir dieses Jahr an Weihnachten dann essen gehen werden; G. würde ja nicht mehr bei uns ins Auto kommen und dann geht das jetzt ja nicht mehr. Ich liebe Traditionen und eigentlich -nein, sogar uneigentlich- gibt es für mich keine wichtigere Tradition wie das gemeinsame Weihnachtsessen... Was mir jetzt auch genommen wird...

      Ich hoffe ich drücke mich nicht allzu egoistisch aus. Es ist traurig, dass er krank ist und ich verstehe auch meine Oma ein Stück weit. Aber ich mache mir Sorgen und ich ertrage es kaum bei ihnen zu sein, wenn ich die Umstände mitbekomme unter denen sie ihre letzten Jahre verbringt...

      Wie weit kann man älteren Leuten reinreden? Soll ich mich auch auf die Seite von meinem Vater stellen und sie mit aller Kraft versuchen zu überzeugen, dass sie umziehen? Oder respektiere ich ihren Wunsch, dass sie dort bleiben möchte (auch wenn mir die Gründe nicht wirklich einleuchten)? Wo ist die Grenze zwischen Einmischen und berechtigter Sorge?

      Ich freue mich auf Eure Meinungen/Erfahrungen; vielleicht hat der ein oder andere ja Ähnliches erlebt...

      LG

      • Meine Mutter ist schwer demenzkrank und lebt mittlerweile im Pflegeheim, weil es zu Hause trotz Pflegedienst usw. nicht mehr ging.

        Ich weiß nicht, ob man Deine Oma in ihrer Meinung noch beeinflussen kann. Wenn sie es tatsächlich so möchte, muss man das akzeptieren.

        Reinreden würde ich nicht!
        Mein Schwiegeropa ist mit meiner Schwiegeroma in eine Wohngemeinschaft für dementkranke Menschen. Mein Schwiegeropa war geistig voll fit und absolut kein Pflegefall. Er hat sich sowas von unwohl dort gefühlt.
        Beide hatten zusammen 2 Zimmer, Balkon und Bad.

        Die Lichtblicke für ihn waren die Besuche seiner Kinder und Enkelkinder.
        Er hat seine Frau bis zu ihrem Tod nicht allein gelassen.

        Ich würde lediglich nach Lösungen suchen, die ihr das Leben da wo sie lebt , erleichtern .
        Besucht sie öfter!
        Schaut ob die Wohnanlage oder fussläufig eine Räumlichkeit zu mieten wäre für die Weihnachtsfeierlichkeit.
        Schaut welcher Pflegedienst die Betreuung des Stiefopas mal einen Tag übernehmen kann, damit die Oma mal wieder zu einem Verein kann.
        Es gibt auch Gruppen , da werden demente Patienten morgens abgeholt und bis Mittag oder Nachmittag betreut und wieder heimgefahren.
        Erkundigt euch mal nach solchen Plätzen und gebt die Infos deiner Oma.
        Es könnte sie entlasten ohne dass sie ihren Mann "im Stich läßt"

        Meine Großmutter ist auch auf Drängen und Locken meiner Mutter zu ihr gezogen.
        Verstandsmäßig die beste Entscheidung, aber meine Großmutter war nie richtig glücklich da, sie ist nie angekommen da. Sie hat sich in ihr Schicksal gefügt und hat sich einer Rentnergruppe angeschlossen zum Kaffeeklatsch usw.

        Aber glücklich war sie nicht.
        Zu mir hat sie mal gesagt: "Weißt du es ist nicht dasselbe , wenn mich jemand aus meinem Rentnerkreis grüßt oder einer aus xy den ich schon seit 20 Jahren und mehr kenne."
        Aus dem Grund würde ich mich raushalten, denn wir werden nicht aus dem verstand heraus glücklich, sondern aus einem Gefühl heraus.

        LG

      Hi Du,

      meine Tipps hängen wesentlich davon ab, ob/welche Pflegestufe Dein Stiefopa hat, da müsste der medizinische Dienst der Krankenkassen eingebunden werden... Aber wenn da alles schon geklärt ist:

      Habt ihr schon mal nach einem ambulanten Pflegedienst geschaut? Der würde dann täglich vorbei kommen und Deine Oma schon einmal bei den wesentlichen Pflegearbeiten unterstützen....
      Vielleicht gibt es dort auch einen Fahrdienst, der ihn und Deine Oma Weihnachten zu Euch bringen kann??

      Außerdem gibt es die Möglichkeit einer Kuzzeitpflege - da wäre Dein Opa auch mal für einen Zeitraum von ein, zwei Tagen versorgt, wenn Deine Oma mal raus möchte...

      Wichtig bei all dem ist aber, dass Deine Oma das als Angebote wahr nimmt, die sie entlasten sollen und nicht als Einmischung... Vielleicht hilft es da, wenn Du da mal in aller Ruhe mit ihr sprichst. Es geht ja nicht darum, sie aus ihrem Umfeld zu holen (gerade, wenn sie noch so aktiv ist, kann ich mir vorstellen, dass sie sich mit dem Gedanken an ein klassisches Pflegeheim schwer tut), sondern dafür zu sorgen, dass sie ihr Umfeld auch weiterhin so gestalten kann, dass sie daraus Kraft für den anstrengenden Pflegealltag schöpfen kann...

      LG!

      • Hallo,

        vielen Dank für deine Antwort.

        Die Kurzzeitpflege oder auch die unten von wem anders erwähnten Tagesausflüge sind die zwei Dinge nach denen ich jetzt mal recherchiere... Sie soll ihn ja nicht aufgeben, sondern vielmehr Acht geben, dass sie sich dabei nicht aufgibt.. Eine Waage zwischen Kraft lassen in der Pflege und Kraft kriegen durch kleinere Auszeiten...

        LG

    Liebe krümel,
    wir haben das nun auch alles grade durch... Wenn der Stiefopa in so kurzer Zeit so massiv abgebaut hat, dann braucht es nun auch für alle Beteiligten Zeit, sich daran zu gewöhnen. Meine Oma war irgendwann auf Grund ihrer eigenen Krankheiten nicht mehr in der Lage, Opa allein zu pflegen, wir hatten dann eine polnische Pflegekraft, die mit im Haus gewohnt hat - das scheidet für euch natürlich aus, aber ambulanter Pflegedienst und insbesondere die Tagespflege 2-3x die Woche für demente Menschen sind eine tolle Entlastung für Deine Oma.

    Und dann weisst Du nie, wie Deine Oma die Prioritäten setzt... wegfahren ist ja gut und schön, aber die Verantwortung zu haben, einen Menschen zu pflegen den man liebt, kann einfach mehr "wert" sein.

    Nach Opas Tod hatten wir alle gehofft, dass meine Oma ihre letzten Jahre noch geniessen kann, trotz der körperlichen Gebrechen... Pustekuchen - ohne ihren Mann, den sie über 7 Jahre gepflegt hat, hat sie komplett abgebaut... sie brauchte es, von ihm gebraucht zu werden, das hat sie fit gehalten - grade mal 3 Monate nach seinem Tod mussten wir Oma ins Pflegeheim verlegen lassen und da existiert sie nun seit 1,5 Jahren - in ihrer eigenen Welt... für uns Angehörige heftig, zumal wir jetzt natürlich rückwirkend die Zeit als Opa noch am Leben war, ganz anders beurteilen.

    • Hallo,

      Danke für deine Antwort. Es geht nicht mal ums Wegfahren, sondern mein Eindruck ist, dass sie alles aufgibt was sie die letzten 20 Jahre so gerne gemacht hat um ihn ja nicht im Stich zu lassen. Ich denke es ist löblich wenn man so viel Energie für einen anderen Menschen aufbringt, doch finde ich es gibt eine Grenze :-(

      Ich fürchte auch dass sie abbauen könnte wenn er stirbt und sie sich um niemanden mehr kümmern kann...

      LG

Hallo, eine Bekannte hat ihre Schwiegereltern ohne deren Einverständnis ins Pflegeheim verfrachtet. Die Schwiegermutter dankt ihr heute noch unter Tränen, sie hat sich nicht getraut, zuzugeben, dass sie es nicht mehr schafft. Der Schwiegervater wurde auch gewalttätig, sie durfte gar nicht mehr raus, das ist wohl nicht so ungewöhnlich bei Demenz. LG

Hallo.

Ich weiß von einer Bekannten, dass deren Vater 2 x pro Woche abgeholt wird und den ganzen Tag in einem "Seniorengarten" verbringt. Ist wohl so ähnlich wie ne Kita für Senioren. Ihm gefällt es dort sehr gut. So kommt er auch mal aus seinem Alltag raus und für die Ehefrau ist es auch ne riesige Entlastung.

Kann dir jetzt aber nicht sagen, von welcher Institution dies ausgeht. Aber vielleicht kannst du dich ja mal bei der Caritas o.ä. befragen. Evtl. gibts sowas auch in eurer Nähe und deine Omi hätte dann ihre festen "freien Tage", an denen sie was unternehmen kann.

LG

Hallo,
reinreden bringt euch sicher nichts. Ich würde einen ambulanten Dienst vorschlagen oder wenn es dies bei euch gibt eine Einrichtung die die Leute morgens abholt und abends zurück. Komme gerade nicht auf den Namen. Dann hätte sie zumindest die Tage wieder.

Meist muss erst etwas passieren damit die älteren Semester ein Einsehen haben. Traurig aber wahr.

  • Tagespflege

    Sie möchte ja die Tage nicht mal wieder wie es scheint... Das macht mich krank: sie könnte so schöne Stunden erleben solange sie noch fit ist... Und alles was sie offenbar will ist ans Haus gefesselt zu sein und neben ihm dahin zu leben...

    Es ist halt auch eine ganz andere Generation; vielleicht bzw ziemlich sicher gehe ich da auch mit anderen Wertevorstellungen ran... Früher gab es sowas wie "Heim" oder "betreutes wohnen" nicht bzw war gleichzusetzen mit abschieben und kurz vorm Tod. Das ist es ja heute gar nicht mehr... Bei uns um die Ecke ist so eine hübsche Anlage; den ganzen Tag sitzen im Pulk die Leute auf der Terrasse in der Sonne, ein paar gehen in der Parkanlage direkt nebenan spazieren und schauen den Kindern auf dem Spielplatz zu, es gibt öfters Feste und auch so nette Sachen wie ein Schwimmbad und ein Kneipp-Becken...

    Hach Mensch... Danke für deine Antwort... Es hilft wenn ich eure Meinungen lese...

Hallo!

Wenn deine Oma nicht möchte, dass ihr Mann in ein Pflegeheim kommt, sollte man diesen Wunsch m.E. respektieren und sie unterstützen.

Hat dein Stiefopa denn schon eine Pflegestufe und wenn ja, passt die noch? So, wie du es beschreibst, müsste er auf jeden Fall Pflegestufe 3 haben.
Dann würde ich mich nach einem häuslichen Pflegedienst umschauen oder ggf. einer Haushaltshilfe, die gewillt ist, in der Pflege mitzuarbeiten. Mein Großvater war auch dement, und zu meinen Großeltern kam jeden Vormittag eine Frau, die im Haushalt geholfen hat und eben auch meinen Opa beaufsichtigt hat. Da konnte meine Oma auch mal raus. Und ansonsten haben wir alle mit angefasst. Mein Onkel, meine Tanten, meine Mutter, wir Enkel - jeder hat mal auf Opa aufgepasst, damit meine Oma mal raus konnte. Und da meine Oma selbst nicht mehr so mobil war und auch keinen Führerschein hatte, hat sich auch immer jemand gefunden, der sie gefahren hat.

Und ansonsten hat deine Oma als pflegende Angehörige auch ein Recht auf "Urlaub". Mein Vater hat "nur" Pflegestufe 1, aber die Mitarbeiterin vom MDK hat meine Mutter ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie ein Recht auf Kurzzeitpflege haben, wenn meine Mutter einmal ohne meinen Vater verreisen möchte.

Ansonsten gibt es auch Tagespflege-Einrichtungen und geriatrische Tageskliniken, die die alten Leute morgens abholen und abends wieder heimbringen. Es gibt da so viele Möglichkeiten.
Schau doch einmal ob du in der Nähe eine Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige findest. Die können Euch sicher auch Tipps geben.

LG

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