Ich-Bezogenheit im Alter

    • (1) 09.10.16 - 23:33

      Hallo Ihr Lieben,

      kann mir irgendwer Infos und Tipps zum Thema "Verhalten und Verhaltensänderungen im Alter" geben?

      Woher kommt eine starke Ichbezogenheit im Alter? Und was bedeutet diese?

      Was sind die Folge einer OP? Beziehungsweise kann diese auch psychische Auswirkungen haben?

      Wie verhält man sich am besten einer Verwandten gegenüber, die sich psychisch immer mehr verändert?

      Ich bin für jeglichen Beitrag dankbar, nehme auch gerne Literatur Tipps an.

      Vielen Dank und liebe Grüße

      • Um genauere tipps zu geben müsste man mehr zusammen hänge wissen und um wen es geht.

        Es kommt drauf an, in wie weit die Tatsache dass ältere Menschen egoistisch bzw ich bezogen werden, Einfluss aufs eigene Leben nimmt.

        Eine gewisse ich-bezogeheit finde ich nicht verkehrt. Denn man hat als Mutter zum Beispiel in seinem Leben Viel verzichtet. Natürlich gerne, aber genauso gerne hat man auch gewisse Freiheiten wieder zurück.

        • Meine Mutter hatte eine Hüft-OP, die sehr gut verlaufen ist. Ich bemerke aber, dass sie sich seitdem psychisch schnell verändert.

          Sie war sicher nie die empatthischste ältere Dame, aber mittlerweile ist sie völlig Ich-bezogen. Sie spricht NUR von ihren Belangen oder ihrer Katze. Ganz egal, was man ihr von sich erzählt, sie unterbricht einen spätestens nach 20 Sekunden um wieder auf ihre Themen zu kommen.

          Im Grunde tue ich das als kleine Schrulligkeiten ab, aber dieses Wochenende war es wirklich arg. Selbst der Tod eines Kindes in unserem Umfeld und wie meine Tochter mit dem Verlust der Freundin umgeht hat sie überhaupt nicht interessiert. Statt dessen hat sie sich beklagt, dass man am Tag der Beerdigung sich nicht um sie gekümmert hat.

          Sie bombardiert mich mit Vorwürfen und behauptet, dass ich sie nie besuchen und nie anrufen würde.

          ich weiss nicht damit umzugehen.

          • Wenn Empathie nie ihre Stärke war, verstarkt sich das mit dem Alter. Ich seh es an meinen Grosseltern. Gewisse Themen wie Hygiene, ewiges Widerholen von erfundenen Geschichten und immer ärgeres Ausschmücken davon,...alles "geht den Bach hinunter". Sehr Typabhängig aber!!!!

            Die OP ist natürlich ein super Vorwand die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, man hat es ja "verdient".

      <<<Woher kommt eine starke Ichbezogenheit im Alter? Und was bedeutet diese?>>>

      Ich denke mal jetzt über die Frau.

      Ich denke mal, es kommt von daher, dass Frau die erste Lebenshälft mit Kinder, Haushalt, Arbeit, Erziehung etc. zu tun hat und selbst zu kurz kommt. Wenn die Kinder dann im selbständigen Alter kommen und die Mutter dadurch wieder mehr "Freiheit" bekommt, dann kann sie auch mal "egoistisch" werden.

      So ist es jetzt bei mir. Nicht, dass ich das alles vernachlässige, aber es wird einfacher und die Kinder können schon mal was alleine machen. Ich plane jetzt auch mehr den Nachmittag meinen Bedürfnissen. Soweit die Kinder eben Sachen alleine machen können. Ich bin da und unterstütze, aber ich kann auch mal Nein sagen.

      Oder worauf soll jetzt deine Frage bezogen sein.

      • Ja, das kann ein Grund sein, wenn es um Veränderungen im mittleren Alter geht.

        Aber ich meine damit eher ein geriatrisches Problem. Weniger eine "Selbstverwirklichungsphase" wenn die Kinder aus dem haus sind, sondern die Unfähigkeit anderen Leuten zuzuhören, diese immer zu unterbrechen, um von den eigenen Sorgen und Problemen zu berichten und völlig empathielos mit seinem gegenüber umzugehen.

        Meine Mutter verändert sich in der Hinsicht gerade sehr und ich mache mir Sorgen.

        • das habe ich bei meiner Nachbarin bemerkt, sie ist 78, ständig hat sie nur von sich erzählt, ihrem Befinden, ihren Krankheiten und Wehwehchen. Zuhören fiel ihr auch ganz schwer um dann gleich wieder von sich anzufangen.

          Bei meiner Mutter bemerke ich das leider auch seit geraumer Zeit, sie ist 70.

          Beides sind Frauen, die fast nur zuhause sitzen, kaum Sozialkontakte pflegen. Da hat man wahrscheinlich nichts zu erzählen, ausser von sich selbst.

          Ich weiss es auch nicht.

          Ich hoffe nur, dass ich nicht mal so werde.

          Vielleicht ist es aber auch die Angst davor, hilflos zu sein und spielt dadurch die Starke.

    Hallo1

    Deine Frage verstehe ich nicht.

    Ich mache nicht die Erfahrung, dass Alte egoistischer werden. Eher verstärken sich sich bestimmte Charaktereigenschaften. Da gibt es welche, die sind so lieb, dass man es gar nicht fasen kann, und es gibt die "Gräten", die schon ihr ganzes Leben lang so waren.

    Dazu kommt, dass man im alter in der Regel immer einsamer wird und kaum jemanden hat, der einen spiegelt oder einfach mal sagt, was gerade nicht rund läuft.

    Du meinst aber offenbar eine Persönlichkeitsveränderung nach Krankheit/OP? Dafür gibt es keine Regeln. Da muss man für sich selber Grenzen stecken, über die man nicht gehen wird, und ansonsten aushalten, dass sich jemand, von dem man dachte, dass man ihn/sie so richtig gut kennt, total verändert. Beides ist schwierig, weil der Kranke meist keinerlei Krankheitseinsicht hat. Sie verstehen es einfach nicht, da steckt keine Boshaftigkeit dahinter.

    LG

    • Ich wollte auch nicht sagen, dass ALLE alten Menschen egoistischer werden.

      Was aber, wenn man in seinem Umfeld Auffälligkeiten bemerkt?

      ich sehe es gerade bei meiner Mutter, die nach eine Routine OP, die dazu noch sehr gut verlaufen ist, starke Veränderungen zeigt.

      Ich stehe dem sehr hilflos gegenüber und tue mich schwer damit, sie einfach machen zu lassen. Sie ist dazu auch sehr verletzend, auch den Enkeln gegenüber.

      dabei muss ich sagen, dass meine Mutter mit Mitte 70 nun wirklich nicht sehr alt ist.

      • Mit Mitte 70 ist man aber auch nicht mehr jung und eine Hüft-Op ist trotz Routine kein kleiner Eingriff. Wie lange ist denn die OP her?

        Manchmal verändert so ein Eingriff doch sehr. Sie weiß jetzt, dass sie mehr Hilfe benötigen wird und wahrscheinlich hat sie Angst. Das entschuldigt nicht alles, aber schon einiges.

        Wenn du merkst, dass sie ätzend zu den Kindern ist, würde ich da den Kontakt etwas einschränken, sie darauf hinweisen, wenn die Kinder nicht anwesend sind. Und das nicht nur einmal, sonder immer und immer wieder. Steter Tropfen und so.

        Ich weiß nicht, ob und wie viel ihr euch um deine Mutter kümmern wollt oder könnt. Wichtig sind da aber relativ feste Absprachen, auch wenn sie die nicht immer einsehen wird.

        Ihr geht zur Beerdigung, weil es euch an diesem einen Tag wichtiger ist. Fertig. Zu ihr geht ihr später, morgen, nächste Woche.

        Bei unseren Patienten, auch gerade bei den schwierigen. merken wir immer wieder, dass sie erst mal merken müssen, dass wir wirklich zuverlässig sind. Wir treffen Absprachen und halten uns dran. Irgendwann werden dann auch Ätzende zahm. Manchmal muss man mehr oder weniger sanfte Ansagen machen -eben dann, wenn meine persönliche Grenze erreicht ist-, aber anschließend nicht nachtragend sein, sondern weiter machen wie besprochen. Das ist natürlich einfacher, wenn man nicht verwandt ist.

Meine Mutter ist auch sehr ich-bezogen....bzw. so geworden seit sie zu Hause ist. Jedes Telefonat (das zu 90% von mir aus geht) dreht sich um Krankheiten bzw. die Pillen dagegen und ihrem Leben.....allerdings sitzt sie auch nur zu Hause, hat kein wirkliches Interesse mehr an Kontakten (das war früher anders) und ist froh wenn sie das Haus nicht verlassen muss...

Sie ist jetzt knapp 70 und hat wohl einfach niemanden der sonst zuhört....und deswegen erzählt sie mir immer und immer wieder das gleiche...mein Vater ignoriert das ja schon länger. Es wurde kurzfristig besser mit Geburt des Enkels, aber inzwischen drehen sich die Gespräche wieder mehr um sie. Damit umzugehen fällt mir in dem Sinne leicht, das sie weit weg wohnt und ich mir selbst aussuche wann ich die Nerven für so ein Gespräch habe..

Zwecks OP - mein Vater ist nach einer schweren Lungenop zwar etwas ungerechter geworden, hat aber sonst nur positive Veränderung daraus gezogen. Raucht nicht mehr, geht viel spazieren, generell viel interessierter am Leben....da war die OP ein heilsamer Schock gefühlt.

Ich stelle ähnliches bei meiner Mutter fest und schließe mich da Golm an:

Ich denke eher, dass Charaktereigenschaften, die schon immer (latent) vorhanden waren, im Alter deutlicher zu Tage kommen.

Ich denke, dass ist dann den Umständen geschuldet. Weniger soziale Kontakte, viel Zeit, wenig Ausgleich - da kreiselt der Kosmos gerne nur noch um das eigene Gusto und fördert negative Züge deutlicher zu Tage.

Inwiefern die Wesensveränderung deiner Mutter mit der OP zu tun hat, kann man schlecht beurteilen. Eventuell ist sie durch den operativen Eingriff eingeschränkt und dadurch zunehmend genervt? Gepaart mit einer ohnehin vorhandenen Unzufriedenheit, prägt sich das dann aus. Von mir mal nur ge-unkt.

Umgang damit? Keine Ahnung. "Nerve`behalle", würde ich mal sagen. Ich arbeite derzeit auch daran. Diskussionen oder auch nur ein Hauch v. Kritik meiner Mutter ggü. eskalieren im Regelfall. Das führt zu nichts. Sie ist da uneinsichtig, nicht bereit, zu reflektieren und das endet meist echt nicht toll.

Inzwischen sage ich nichts mehr und ignoriere div. Anwandlungen.

Gruss
agostea

Hallo!

Für mich hört es sich wie ein erster Schub an Demenz an. Gerade ausgelöst durch die OP.

Ich weiß, das ist jetzt richtig heftig zu lesen, aber ich habe Deine Antworten gelese und habe mich sehr stark an die Anfänge mit meinem Vater erinnert.

Sowas wie Stress, Veränderungen (etwa fremde Umgebung im Krankenhaus) veränderte Gewohnheiten, weniger Bewegung und weniger Trinken führt oft zu einem Schub, der mehr oder weniger deutlich ausfallen kann. Wenn die Hüfte gut verheilt und sie wieder mehr läuft, dann kann es auch wieder besser werden, weil dadurch auch die Durchblutung im Gehirn besser wird. Frag auch mal nach den Trinkgewohnheiten, manche alte Leute kommen auf echt blöde Ideen wie etwa "nach 17 Uhr nichts mehr trinken, damit sie nachts nicht auf Toilette müssen" und dehydrieren dadurch, was auch der Durchblutung des Gehirns nicht bekommt. Mit Trinken und Bewegung kann man vieles ein Stück weit ausgleichen.

Die alten Leute können sich auf "andere Themen" einfach nicht mehr konzentrieren, ihre Aufmerksamkeit driftet da sofort ab, das ist auch nicht böse gemeint, nur können sie sich eben echt nicht auf neue Themen einlassen. Die Gedanken schwenken sofort wieder auf ihre vertrauten Themen zurück, und schon wechseln sie das Thema. Um eine Neuigkeit zu verstehen und zu behalten, muss man die zig mal ansprechen - wenn man das macht, dann wird aber auch diese Neugikeit zum "eigenen Thema" und wird ständig wiederholt, also überleg Dir, ob Du das mit dem Tod des Kindes machen willst. Bei meinem Vater haben das Themen wie "Tod meines Hundes" und "Jobwechsel meines Mannes" geschafft, die er dann aber auch echt wie eine Schalllatte mit Kratzer ständig wieder ausgepackt hat, auch nach Jahren und aus heiterem Himmel.

Wenn Du echte Tipps willst: Füll sie mit Flüssigkeit jeder Art ab, wenn Du sie siehst. Koch Kaffee oder Tee und stell ein Wasserglas vor sie hin, und ungefragt wird ständig Glas und Tasse nachgefüllt wenn Du da bist. Wenn sie sparsam ist wird sie die immer wieder leer trinken, und zack, füllst Du wieder nach. Die meisten alten Leute trinken mit knapper Not einen halben Liter bis Liter am Tag, das reicht einfach nicht.

Und dazu wird spazieren gegangen. So schönes Wetter, so schöne Herbstliche Farben, oder ihr geht zusammen zum Laden um die Ecke und besorgt irgendwas, oder Du musst Dir unbedingt die Füße vertreten - und danach gibts nen heißen Tee zum aufwärmen und natürlich ein Glas Saft.

Lass ihr ihre Themen, auch wenn sie Dich nerven, und überleg echt gut, welche Themen ständig wiederholt werden müssen. Willst Du wirklich in 3 Jahren noch auf Deinen toten Hund angesprochen werden? Frag dann lieber nach Sachen von früher, Erinnerungen an ihr Leben, Deine Großeltern, Urgroßeltern, das hat sie präsenter als alles was vor 2 Wochen war.

Wenn es geht, dann rede mit ihrem Arzt es gibt Medikamente die das Fortschreiten verlangsamen. Aber dazu muss sie kooperativ sein und die auch nehmen.

  • Wenn jemand wirklich dement ist, ist es vollkommen egal, was du zum Thema machst und was nicht. Dann gibt es meist irgendwelche Endlosschleifen. Das kann auch durchs Radioprogramm ausgelöst werden.

    Deshalb denke ich immer noch, dass man jedem und allen auf Augenhöhe begegnen sollte. Die Mutter der TE ist vielleicht dement, aber längst noch nicht so , dass man sie aus allem ausklammern muss oder darf. Man darf ihr durchaus sagen, was sie bei dem Kind auslöst. Dabei ist es sogar erst mal egal, ob es bei ihr ankommt. Versuchen sollte man es. Damit bekommt sie wenigstens die Chance zu reflektieren.

    Neulich war ich auf einer Fortbildung. die Dozentin ist Altersforscherin sozusagen. Unter anderem betreut sie eine Gruppe Hundertjähriger, die sich einmal im Monat trifft. eine aus dieser Gruppe wurde neulich 104 oder so. Der Bürgermeister kam mit großem Bahnhof und fragte vor versammelter Mannschaft, ob die alte Dame denn noch für sich allein kochen würde. Darauf hat sie ziemlich ungehalten die Gegenfrage gestellt: "Warum fragen Sie mich das? Warum ist das wichtig? Fragen sie mich doch mal, ob ich mit Ihrer Politik einverstanden bin!"

    Was ich damit sagen will: Hört auf, alte Menschen nicht ernst zu nehmen. Auch Demente kann und soll man ernst nehmen.

    Dem vielen Trinken stehe ich persönlich auch eher kritisch gegenüber. Irgendwann hören wir alle auf damit viel zu trinken. Das Argument, das man nachts nicht so oft zum Klo möchte, ist doch ein durchdachtes: Wer ist denn nachts da, der einen aufhebt, wenn man fällt?

    Wir stellen unseren Leuten immer was Frisches zu trinken hin, sie trinken trotzdem nur schluckweise und dann ist das eben so.

    Vielleicht hat die Mutter der TE aber gar keine Lust das Haus zu verlassen oder viel zu trinken. Und dann? Wird man dann noch übergriffiger?

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