Mein Vater möchte keinen Kontakt mehr... (Achtung, sehr lang!)

    • (1) 28.10.16 - 12:28

      Liebe Forumsgemeinde,

      ich möchte Euch schildern, was mich aktuell belastet und hoffe auf Meinungen/Erfahrungen/Tipps von Euch...

      Vor ca. 2 Jahren fingen die Probleme mit meinem Vater an. Er litt immer öfter unter heftigen Stimmungsschwankungen, die er an uns (meine Mutter, Schwester und ich) ausgelassen hat. Er konnte plötzlich ohne Vorwarnung den Raum verlassen, die Tür knallen und stundenlang wegbleiben, ohne dass jemand wusste warum. An einem Wochenende ist es so eskaliert, dass er mich und meinen Mann zusammen mit unserem Sohn (damals noch kein Jahr alt) aus der Wohnung geschmissen hat (wir waren nur zu Besuch, wir wohnen ca. 200 km entfernt). Hinterher kam raus, dass er wütend war, weil mein Sohn die Türen des Wohnzimmerschrankes auf- und zugemacht hat und wir nicht "härter" dagegen vorgegangen sind. Mir kam das damals so komisch vor, weil er sich immer sehnlichst ein Enkelkind gewünscht hat und aber, seit der Kleine auf der Welt ist, kaum Anteil an ihm nimmt. Er hat ihn vielleicht 2 Mal hochgenommen und ansonsten immer nur Spielzeug hingestellt, aber sich nie mit ihm hingesetzt und tatsächlich gespielt. Wir haben daraufhin viele Wochen keinen Kontakt gehabt, er hat sich aber irgendwann dafür entschuldigt, es gab ein klärendes Gespräch und die Sache war erstmal gut. Leider häuften sich diese "Anfälle" immer mehr, wobei meine Mutter die Hauptleidtragende war.

      Zu unserer Hochzeit im vergangenen Jahr habe ich dann noch Stunden vorher gebangt, ob er überhaupt kommt, zum Glück hat er sich an diesem Tag aber zusammengerissen und mich ganz normal und (wie ich dachte) stolz zum Altar geführt. Je später der Abend jedoch wurde, desto mieser wurde seine Laune. Er hat mich dann sogar vom Tisch weggeschickt, als ich mich nochmal zu meinen Eltern setzen und mit ihnen plaudern wollte. Für ihn war die Hochzeit purer Stress, wie ich hinterher erfahren habe. Zur Hochzeit meiner Schwester im April nächsten Jahres wird er nicht kommen, das hat er schon gesagt.

      Nach zwei weiteren Wochenendbesuchen bei meinen Eltern, die wieder damit endeten, dass mein Vater wütend das Haus verließ, besteht nun seit Januar 2016 keinerlei Kontakt mehr zwischen uns. Er hat meiner Mutter gesagt, dass er uns nicht mehr sehen will. Er fühlt sich zurückgesetzt, wenn wir mit unserem Kleinen da sind, weil sich dann alles um den Knirps dreht und er leise sein muss, wenn er schläft. Das waren seine Worte. Ich bin darüber unendlich traurig. Er hat seinen Enkel zuletzt an Weihnachten 2015 gesehen und inzwischen kann sich mein Sohn kaum an ihn erinnern, wenn er Fotos sieht. Mein Vater fragt nie nach uns, will nie wissen, wie es uns geht. Er ist so glücklicher, sagt er. Meine Mutter ist inzwischen ausgezogen, weil sie die Situation so nicht mehr ertragen hat und er auch ihr gegenüber immer wieder ausfallend wurde, ihr sogar vorgeworfen hat, sie würde ihn schon jahrelang um Geld betrügen... Inzwischen haben sie aber wieder regelmäßig Kontakt und sehen sich auch.

      Ich muss dazu sagen, dass mein Vater bisher kein einfaches Leben hatte. Schwierige Kindheit mit prügelndem Vater, der selten ein gutes Haar an ihm gelassen hat. Mein Opa hat in den vergangenen Jahren viel dafür getan, dass mein Vater ihn hasst; er hat das Geld meiner Oma, die 2012 verstorben ist, an fremde Leute verteilt, sein Haus für ein paar Pfifferlinge verscherbelt und gleichzeitig meinem Vater vorgeworfen, er wäre nur hinter seinem Geld her... Dazu kam, dass mein Vater auf Arbeit jahrelang gemobbt und ausgebeutet wurde. Wir haben ihm schon oft angeboten, ihm zu helfen, meine Mutter wollte mit ihm gemeinsam einen Therapieversuch starten, aber er blockt alles ab. Er sagt, er sei zu alt dafür und ihm kann sowieso niemand mehr helfen.

      Nun habe ich am vergangenen Freitag erfahren, dass mein Opa gestorben ist, allerdings schon Anfang des Monats. Mein Vater wollte unter allen Umständen vermeiden, dass wir zur Beerdigung kommen, nicht mal auf dem Kranz hat er uns mit draufgeschrieben. Meine Mutter hat ewig mit sich gerungen, ob sie es uns sagt, hat aber letztendlich geschwiegen. Ich weiß nicht, ob ich sauer auf sie sein soll, sie steht nun schon so lange zwischen den Stühlen und ist selbst fertig mit den Nerven. Mich hat es fast zerrissen, als ich das erfahren habe. Ich hatte keine Chance, Abschied zu nehmen. Auch wenn mein Opa, wie oben beschrieben, ein sehr schwieriger Mensch war, zu mir und meiner Schwester war er immer lieb.

      Mein Mann sieht täglich, wie sehr mich das alles belastet und sagt, ich soll nochmal auf ihn zugehen. Wie seht ihr das? Ich weiß nicht, ob ich das nach all dem noch kann, auch wenn ich ihn vermisse. Wahrscheinlich würde er mich nicht mal anhören wollen, so wie die aktuelle Lage ist. Aber soll es jetzt ewig so sein? Ich habe mittlerweile das Gefühl, gar keinen Vater mehr zu haben. Er scheint so weit weg. Ich hab regelmäßig schlimme Alpträume, in denen er vorkommt... Was kann ich denn nur tun?

      • Hallo :)

        Ne ganz schön heftige Geschichte :(

        Ich verstehe, dass das sehr belastend sein muss, schließlich ist es ja dein Vater. Wie war es denn in deiner Kindheit? War es da schon ansatzweise genauso? Wie alt ist denn dein Vater? Manche Leute werden ja immer "wunderlicher" wenn sie älter werden..

        Ich denke, so schwer es auch ist, aber du kannst aktuell nicht viel tun. Für mich klingt es danach, dass er eine schwere psychische Störung hat, die sich in den Jahren nur verschlimmert hat. War dein Vater je in Therapie? Laut deinen Ausführungen, war ja seine Kindheit schon traumatisch..

        Natürlich kannst du nocheinmal mit ihm Reden aber ich denke nicht, dass es viel bringt, da ihr ja ständig versucht habt mit ihm zu kommunizieren und er abblockt, ich denke wirklich er bräuchte therapeutische Hilfe, aber dazu zwingen kann ihn auch keiner.. Und solange er sowas nicht zulässt, glaube ich nicht, dass ihr an ihn rankommt, so schwer das ist. :(

        Und vllt. solltest du dir auch professionelle Hilfe suchen, für ein paar Gespräche, da dich ja die Situation aehr belastet und vllt. kann man dir auch noch andersweitig Rat geben. Aber vllt. kommst du mit der momentanen Situation dann besser zurecht..

        Ich wünsch dir alles Liebe :)

        Hat dein Vater eine Krankheit? WIsst ihr wahrscheinlich nicht, gesund hört er sich nicht an und für euch tut es mir sehr leid.....Vielleicht wagst du einmalig den Versuch und dann ist es vielleicht besser gar nix mehr zu wissen hören sehen, so schade das ganze ist......Vielleicht suchst du dir auch hilfe um das ganze aufzuarbeiten......

        • Ich dachte auch sofort an sowas wie Demenz oder auch (Gott bewahre) einen Hirntumor, weil dann viele Betroffene durchdrehen und/oder aggressiv werden und die nahestehenden Personen sie oft kaum wiedererkennen.

          :-(

      Ich glaube auch dass dein Vater krank ist. Ob das jetzt Demenz, Burn out, Depressionen oder er einfach eine Therapie bräuchte und was es da noch alles gibt ist weiß ich nicht - aber ich glaube wirklich dass er krank ist.

      Ich glaub ich würde nochmal auf meinen Vater zugehen. Ich würde mich alleine mit ihm treffen und das Gespräch suchen - ihm sagen dass ich denke dass er Hilfe braucht.
      Ich würde ihm sagen, dass du sehr traurig bist, dass er keinen Kontakt will aber dass du es akzeptierst weil du ihn liebst und dass eure Tür immer offen steht - wenn er sich irgendwann anders überlegt und dass du hoffst, dass er sich helfen lässt.

      Hallo,

      Ich hatte mal ein ähnliches Problem mit dem Vater von meinem Ex.

      Wir haben mit den Eltern von meinem Ex in einem Haus gewohnt, in abgetrennten Wohnungen. Wir oben, sie unten.

      Anfangs ging alles gut, wir haben oft zusammen gegessen und waren auch auf gemeinsamen Ausflügen. Dann fing er an sich zu verändern.

      Zuerst ging es nur darum, dass ich die Wäsche zu lange in der Maschine gelassen hab, dann waren wir grundsätzlich immer zu laut. Ich hab immer zur falschen Zeit gesaugt und zu nass gewischt.

      Er bekam Schlafstörungen. Irgendwann kam er nachts schreiend hoch, dass das Baby zu laut krabbelt. Nur, dass es schon lange geschlafen hat.

      Sobald ich aus dem Haus war, kontrollierte er, ob alle Heizkörper aus waren und wehe, wenn nicht. Er hatte sein Holz auf dem Dachboden, deswegen durfte ich unsere Wohnung nie abschließen. Bei sich unten hat er nur mit einem zu kleinen Ofen geheizt, der eigentlich nur das Wohnzimmer warm bekommen hat. Als er dann Schimmel in der Küche bekam, war es auch meine Schuld, weil ich oben ! falsch lüften würde.

      Höhepunkt war, als ich einmal vom Einkaufen Heim kam, die Treppen hoch lief, in einem Arm das Baby, im anderen die Einkäufe. Er rieß die Haustüre auf und schrie, dass ich dämliche Fot** nur an das Geld seines Sohnes wolle (der nicht mal 1500 € verdient hat) und hat mich mit samt Baby und Einkäufen rückwärts die Treppen runter gestoßen.

      Uns ist nicht viel passiert, es waren nur 4 oder 5 Stufen, aber ich bin sofort zu meiner Mutter gezogen. Zu meinem Stiefvater hat er als er mir einige Sachen vorbei gebracht hat, dass er mir die Kehle durch schneidet, sollte ich sein Haus noch einmal betreten.

      Lange Rede kurzer Sinn, ein halbes Jahr später ist bei ihm ein Hirntumor im Endstadium festgestellt worden und er ist ca ein Jahr nach meinem Auszug gestorben.

      Kannst du vielleicht mal deine Mutter fragen, ob sie ihn zum Arzt schleifen kann? Ich weiß, gerade bei älteren Männern ist das nicht leicht.

      Ich möchte dir bestimmt keine Angst machen, aber rückwirkend würde ich mir wünschen, dass mir jemand gesagt hätte, dass es so was gibt. Erstens weil wir dann versucht hätten, in früher zum Arzt zu schleppen und zweitens, um nicht diese bösen Gedanken ihm gegenüber gehabt zu haben, die mir heute leid tun.

      Lg und viel Glück,
      Sarah

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