Notfallambulanz

    • (1) 14.12.16 - 21:14

      Hallo

      Ich hatte heute das "Vergnügen" mit unserem Kind in der Notfallambulanz der Kinderklinik zu landen und dort geraume Zeit im Wartebereich zu verbringen. Ich muss zugeben, ich habe wirklich die versteckte Kamera gesucht. Wenn das das tägliche Brot der Klinikangestellten ist, dann steigt mein sowieso großer Respekt vor diesen Menschen sprungartig.
      In unserer Gegend gibt es einen gravierenden Mangel an Kinderärzten. So kam es, dass ich mit meinem pfeifenden, deutlich über 40° fiebernden Kind nicht im Wartezimmer unseres niedergelassenen Arztes landete, sondern dort abgewiesen wurde. Möglicherweise ging es auch anderen im Wartebereich so?
      Als ich dort ankam waren etwa 12-15 Kinder dort. Von denen wirkten nur 2 krank. Die restlichen spielten fröhlich.

      Eines hatte eine Beule an der Stirn, sichtbar, aber wirklich nichts wo man aufschreckt. Es aß, trank, spielte. Der Vater wollte unbedingt gehen, ihm war es peinlich dort zu sitzen. Die Mutter bestand auf ihr Recht das das Kind geröngt werde. Sie gingen nach 3 Minuten im Behandlungszimmer, ohne röntgen.

      Eine weitere Mutter hatte ein junges Baby (unter 6 Monate geschätzt) dabei. Es trank aus der Flasche und brabbelte, es wirkte wach und aufmerksam. Sie ging mehrfach zu den Schwestern und verlangte sofortige Untersuchung. Das Kind hätte heftig Magen-Darm und würde austrocknen. Als sie nach 30 Minuten nicht dran war, sondern es weiter nach der Reihe ging, brüllte sie über den ganzen Flur die würde das KH wegen unterlassener Hilfeleistung verklagen. Um dann wutschnaubend zu verschwinden. Dabei wäre ja durchaus untersucht worden, aber eben nicht sofort.

      Ein weiteres Kind spielte fröhlich mit dem elektrischem Türöffner. Tür auf, Tür zu, Tür auf, Tür zu..... Während sich die Mutter völlig gelassen die Fingernägel lackierte und das Kind ignorierte..... Immerhin hat das Kind fleißig gelüftet.

      Eine Mutter (Kind spielte ebenfalls munter und ohne erkennbare Einschränkung) suchte etwas zu trinken für ihr Kind. Sie fragte auf der (völlig überfüllten) Station nach Mineralwasser und Glas. Sie wurde freundlich auf den im Flur befindlichen Getränkeautomaten hingewiesen. Da wurde die Mutter total ausfallend. Man hörte es bis in den Wartebereich. Die Schwestern könnten ja wohl gefälligst ein wenig Service leisten, wenn man schon 3 Stunden warten müsse.

      Ist das immer so?

      Lg

      Wir wurden übrigens trotz Stress wirklich absolut freundlich, nett und kompetent behandelt.

      • (2) 14.12.16 - 21:31

        Huhu,

        Ja, es ist immer so. Ich kenne einige Ärzte, die das so bestätigen. Nicht nur bei Kindern, auch in der Erwachsenenambulanz. 80% der Leute könnten einfach am nächsten Tag zum Hausarzt gehen. Wenn man die Patienten nach Schmerzen zwischen 0 (schmerzfrei) und 10 (nicht auszuhalten) fragt, sagen ganz viele 8 oder 9, obwohl sie die ganze Zeit völlig entspannt im Wartezimmer sitzen.

        Ich kann ängstliche Eltern auf der einen Seite schon verstehen, gerade bei ganz kleinen Kindern. Auf der anderen Seite behindert das halt auch die Arbeit der Ärzte und führt dazu, dass den wirklich Kranken nicht so schnell geholfen werden kann.

        Es ist eine schwierige Situation, aber ich habe auch Hochachtung vor dem Krankenhauspersonal, was trotz aufgebrachter Wartender so ruhig bleibt. Ich habe es kürzlich selbst in der Ambulanz erlebt. Es war keine Notfallambulanz, es war dort niemand ein Notfall. Die Wartezeit war aber wegen Notfällen recht lange. Die Leute sind teilweise richtiggehend ausgeflippt.

        Mittwoch nachmittag ist kein Tag, an dem man krank werden sollte. ;-)

        LG

        Hanna

        Hallo!

        Ja, das ist immer so. Hier in der Kleinstadt gibt es nur ein Krankenhaus für alle, da sitzt man dann mit jemandem mit gebrochener Nase und Gehirnerschütterung neben Kindern mit ein wenig Ohrenschmerzen, einer Frau mit einem verstauchten Fuß, ein Arbeiter mit Brandwunden, einem Kind mit Platzwunde, und dann kommt ein Herzinfarkt oder gar ein Verkehrsunfall und blockiert erst mal den einzigen Arzt der Dienst hat für die nächste Stunde. Viele sind gar nicht ernstlich krank oder könnten locker am nächsten Tag zum Hausarzt gehen, und sitzen trotzdem im Krankenhaus.

        Ich bin da mit meinem alten Vater locker 30 Mal gesessen, nach einem neuen Sturz, einem neuen Schlaganfall, mit einer neuen Gehirnerschütterung. Meine Schätzung: ein Drittel ist maximal "etwas" krank aber nicht unbedingt ein Notfall, ein Drittel ist zwar krank oder verletzt, will aber in erster Linie sicher gehen, dass es nichts ernstes ist, weil man als Laie eben nicht immer weiß, ob ein Fuß verstaucht oder gebrochen ist, und bei einem Drittel ist es wirklich ernster.

        Kommt ein echter Notfall erkennen das die Leute aber meistens sofort, egal ob Krankenwagen oder wie mein Vater so oft von uns im PKW hin gefahren weil er den Krankenwagen auf keinen Fall bemühen wollte, und ziehen denjenigen dann gnadenlos vor. Auch wenn die anderen Leute meckern. es geht also nur so weit "nach der Reihe" wie es nicht dringend ist.

        • Hallo
          Arbeitest du in der Notfallambulanz?

          oder woher weißt du solche Dinge? neben Kindern mit ein wenig Ohrenschmerzen, woher weißt du wie schlimm die Schmerzen wahren?

          einer Frau mit einem verstauchten Fuß

          das dachte ich selber mal und ich fuhr ins KH, wenn ich den Fuß nicht belastete hatte ich keine Schmerzen und ich fragte mich während des wartens was ich hier eigentlich soll.
          Die Ärztin sah es wohl auch nicht als so schlimm an und schicke mich zum röntgen (zu Fuß 1. Etage) 2 lange Flure aber wenigstens Fahrstuhl.
          Dann wieder warten und dann wurde mir mitgeteilt das ich zum CT soll da da was zusehen ist.
          Laufen durfte ich nicht mehr.

          Es war ein Sprunggelenkbruch.

          Ein Fall aus meiner Rettungsdienst Zeit

          Kind stürzt vom Pferd steht auf alles gut.
          Am nächsten Tag kam der Einsatz mit einer harmlosen Meldung
          Kind mit schmerzen im Bauch, mein Kollege fragte noch ob wir hinfahren wollen (wir kamen von einem Einsatz und ich verneinte). Über Funk kam dann was wir mithörten. In .....stadt sollen sie den OP fertig machen sie fahren gleich unter Reanimationsbedingungen gleich ab.

          Wären die Eltern schon früher ins KH gefahren (es war Nachmittags) hätte man schneller handeln können und es wäre nicht zu so eine lebensgefährlichen Situation gekommen.

          Wahrscheinlich hätten sie auch mit "nur Bauchweh" im Wartezimmer gesessen.

          Wo soll man denn am WE hin außer ins KH oder die Notambulanz?

          Der erste Blick kann täuschen.

          'Hier würde ich niemals raten nicht zum Arzt zu gehen.

      (5) 14.12.16 - 21:54

      Ich bin ja zum ersten Mal Mama und wir leben von unseren Familien sehr weit entfernt. Also es ist nicht soviel mit Unterstützung oder einem Rat der Oma. Meine Tochter hatte sich auch mal doll gestoßen oder Magen-Darm und was macht man da? Man googelt. Das ist dann aber auch immer gleich Krebs oder Cholera und man ist erst so richtig verunsichert.

      Ich hab mich aber auch nicht getraut gleich ins KH zu rasen weil ich mir dann wegen Durchfall schon lächerlich vorkam. Dazu kam aber schlapp und Erbrechen und das hat mich total verunsichert. Ich hab dann einfach im KH angerufen und gefragt. Oft hab ich einen guten Rat bekommen und mir wurde halt ein bisschen Angst genommen, dass dieses oder jenes durchaus normal ist. Das hat mir persönlich immer gut geholfen und gereicht. Ich verstehe aber auch unsichere Eltern die dann trotzdem fahren. Was ich allerdings nicht verstehe, wie man dann noch genervt, fordert oder ausfallend gegen das Personal wird wenn man warten muss.

      Ich gebe da ja zum Teil dem Internet die Schuld. Man googelt irgendwelche Symptome und/oder andere Schlagworte und findet 1000 Horrorgeschichten.

      • "Man googelt. Das ist dann aber auch immer gleich Krebs oder Cholera und man ist erst so richtig verunsichert."

        Super auf den Punkt gebracht!!!

        Ich glaube auch dass genau das der Punkt ist, man weiß zuviel, es wird viel zu viel auch Panik vebreitet, ich lass mich da auch manchmal leichter verunsichern hab aber zum Glück einen Mann der mich wieder einbremst ;-) Ich ruf auch zur Not erst mal wo an und frage erst mal um Rat.

        LG
        Pikku

      • (7) 15.12.16 - 09:47

        "Ich gebe da ja zum Teil dem Internet die Schuld. Man googelt irgendwelche Symptome und/oder andere Schlagworte und findet 1000 Horrorgeschichten. "

        Unter Krebs (mit Todesfolge) gehts nicht. Foren helfen auch fleissig mit:

        - Mein Kind hat sich den Kopf gestossen, sollte ich zum Arzt?
        - Auf jeden Fall! Was, wenn sich herausstellt, dass das KInd eine Hirnblutung davongetragen hat?

        Ich kann mich aber selbst auch nicht ganz herausnehmen. Sobald die Kinder irgendwas haben, kommen tausend Ängste. Es ist nicht ganz einfach, da immer objektiv zu bleiben.

        lg thyme

    Hallo
    So wie ich das bisher mitbekommen und gehört habe, ja. Scheint tatsächlich ein Punkt zu sein der leider sehr ausgenutzt wird.
    Vor 2 Monaten mussten wir leider auch in die Notfallambulanz. Meine Tochter hatte sich zur besten Uhrzeit eine kleine, aber definitiv behandlungsdürftige, Platzwunde geholt. Als wir ankamen war unteranderem eine Frau da die doch tatsächlich meinte ob wir denn wegen sowas die Ärzte belästigen wollen. Sie würde uns jetzt ein Pflaster geben und dann machen wir bitte Platz für dringende Fälle #klatsch
    Dann habe ich vor kurzem Samstags beim Einkaufen eine Bekannte aus Kindheitstagen getroffen. War mit ihrem Sohn (? müsste jetzt 6 sein) auch einkaufen und erzählte mir das sie sie gleich mal ins Krankenhaus fahren da er die Woche beim spielen mal hingefallen ist. Sie will es mal abklären lassen #gruebel Der Sohn ist währenddessen mit einem kleinen Einkaufswagen durch die Gänge gerannt.. Auf den Satz "abklären lassen" bin ich aber generell allergisch #schwitz Den habe ich zu oft in genau dem Zusammenhang, mit dem dramatischen Zusatz "Krankenhaus", gehört. Danach/währenddessen hat man ja schön was zu erzählen #klatsch
    Ich beneide das Personal wirklich nicht!

    LG

    Ich habe diesen Text einer Kinderkrankenschwester mal auf Facebook gelesen und nach einem Bericht in unserer Zeitung, wo ähnliche "Zustände" beschrieben werden, scheint das leider normal zu sein.

    Hier ist der Text - Achtung, ist lang

    Kindernotfallambulanz Achtung ! Lang „wink“-Emoticon;-) Wenn sich zu Beginn meines Dienstes , die Tür zur Notaufnahme öffnet, blicke ich wie immer, in einen überfüllten Wartebereich, mit verschnupften, hustenden und spielenden Kindern. Mit meiner Tasche im Arm, werde ich von vielen Blicken fixiert . Ich sehe Mütter , die sich zu Gruppen zusammen stellen und lauthals schimpfen, wie lange sie schon warten. Rechts im Spielbereich, sehe ich einige Kinder fröhlich singen und spielen, und frage mich , was für ein Notfall sie hierhin führt. Links sehe ich einen blassen 8-Jährigen, und ich schaffe es gerade noch rechtzeitig ihm einen Mülleimer hinzuhalten, indem er sich entleert. Seine Mutter, sichtlich besorgt und überfordert, erzählt mir von Erbrechen und Durchfall.(seit heute) Und ich überlege ernsthaft, die Mutter darauf hinzuweisen, mit ihrem Sohn doch lieber nach Hause zu fahren, ihn ins Bett zu stecken , damit er in Ruhe seinen Virus auskurieren kann. Jedoch weiß ich auch, dass solch eine Empfehlung nach hinten los gehen kann, und der Ruf der Klinik und unser Personal daran zu tragen haben. Ich bringe dem Jungen ein kaltes Glas Wasser und bitte ihn , dass er löffelchenweise Wasser zu sich zu nehmen soll. Neben dem Jungen, sehe ich ein 5 jähriges Mädchen fröhlich malen. Ach, da sitzt eine Zecke am Hals. Ich frage mich, ob es nicht risikoärmer gewesen wäre, hätte die Mutter die Zecke zu Hause entfernt. Jetzt sitzt sie evtl 3 Stunden im Wartebereich und die Zecke hat mehr Zeit sich ihrer Bakterien zu entledigen. Und hoffentlich komme ich morgen rechtzeitig, um diesem Mädchen den Mülleimer zu reichen. Mit meiner Tasche im Arm, auf dem Weg ins Dienstzimmer, werde ich von weiteren Eltern beschlagnahmt, die wissen wollen, wieviele Patienten vorher noch dran sind. Ich schau schnell in den Computer und teile der Mutter mit , dass noch zwei vor ihr dran sind, ich aber trotzdem nicht die Wartezeit mitteilen kann, da wir eine Notfallambulanz sind. Die Mutter ist trotzdem vorerst beruhigt. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass im Schockraum gerade ein 2 Jähriger Junge reanimiert wird. Angekommen im Dienstzimmer, sehe ich eine volle Kanne mit kaltem Kaffee, ein angebissenes Brötchen, sowie Gummibärchen. Nun trete ich meinen Dienst an und bekomme eine kurze Übergabe. An der Anmeldung hat sich eine Schlange gebildet. Ich bin draussen jetzt die einzige , da der Rest bei dem 2 jährigen Kind ist , ihn reanimiert und seiner Familie beisteht. Ich nehme Kinder mit leicht bis hohem Fieber an, das sie seit heute haben. Und weiß, dass die Mamas in drei Stunden hier fluchend die Ambulanz verlassen ,mit einem Paracetamol Rezept. Sie werden sauer sein, dass keine Diagnose feststeht und sie nach einem PCM Rezept noch nachfragen mussten. Sie fragen sich, ob sie hier 3 Stunden umsonst gewartet haben. Wenige verstehen, dass man bei 1 -2 Tagen Fieber noch keine Diagnose stellen kann, denn häufig stellen sich erst am 2. Tag Symptome, wie z.b Schnupfen, Halsschmerzen usw ein. Man empfiehlt dieser Mutter , bei 3 Tage hohem Fieber ohne Fokus , vorstellig bei ihrem Kinderarzt zu werden. Sollte ihr Kind kaum noch trinken , somnolent wirken, könnte sie jederzeit wieder in die Notfallambulanz kommen. In der Reihe sehe ich einen 10 -Jährigen kurzatmigen Jungen. Ich ziehe ihn vor, unter bösen Blicken von anderen wartenden Eltern. Ich gehe mit ihm ins Behandlungszimmer und ermittel alle Werte. Eine schlechte Sättigung lässt mich handeln und er bekommt Sauerstoff. Da ich weiß, dass unsere Ärzte gerade einer Mutter vom Tod ihres Kindes erzählen, mache ich schonmal auf eigener Faust eine Blutentnahme, Inhalationen und suche ein Bett auf Station. Wieder draussen, fängt mich Mutter X wieder ein und wird laut. Sie versteht nicht, dass sie jetzt 2 Stunden warten, obwohl vorhin nur 2 Patienten vor ihr dran waren. Ich schaue ihr Kind an, es spielt fröhlich mit dem Handy, ich messe eine Temperatur von 38.3 Grad, Schmerzen werden verneint und ich teile der Mutter mit, dass jetzt 3 Patienten vorher dran sind. Am liebsten würde ich in den Wartebereich rein rufen, dass drei Räume weiter unsere Ärzte gerade 1 Stunde um ein Leben gekämpft haben,und die Mutter des Jungen würde wahrscheinlich alles dafür geben, mit nur einem schnupfenden Kind drei Stunden hier zu warten. Am liebsten würde ich an die Wand schreiben: " Alle , die hier länger als 30 Minuten warten, können sich zu den Glücklichen zählen, denn ihr Kind ist kein Notfall" An der Anmeldung, sehe ich an dritter Stelle einen Kinderwagen mit einem grauen Säugling . Ich bitte die Mutter in ein Behandlungszimmer zu gehen. Die Mutter auf Platz 1 wird böse , da ich ständig Kinder vorziehe. Ihr Kind wäre auch ein Notfall. Ich schaue mir ihr blass/rosiges Kind an, welches eine Capri-Sonne schlürft. Ich kümmere mich um das graue Baby. Die Mutter berichtet, ihr Baby wäre irgendwie komisch heute. Ich funke unseren Arzt an und hoffe sein Gespräch mit den leidenden Eltern ist beendet. Ich bereite eine Vigo vor, denn ich weiß es muss gleich schnell gehen. Mein Gefühl sagt mir, dass dieses Baby eine Sepsis( Blutvergiftung ) hat. Unsere Ärztin kommt mit roten Augen rein. Alles geht schnell und das Kind ist bestens versorgt. Wieder draußen wird unsere Ärztin von Mutter X angeschrien, sie solle endlich ihre Arbeit machen, man würde hier die ganze Zeit keinen Arzt sehen. Unsere Ärztin wird unfreundlich und sagt leider dass, was ich denke" Ihr Kind ist kein Notfall". Die Mutter verlässt ohne Untersuchung mit ihrem Kind die Klinik und ein Gespräch bei der Direktion ist vorprogrammiert. Unsere Ärztin hat nun Zeit für den Athmatiker, der Assistenzarzt schickt den 8 -Jährigen Magen Darm Jungen mit einem Vomex Rezept nach Hause. Zu müde , um der Mutter zu erklären, dass sie ihr Kind lieber brechen lassen soll, denn jede Unterdrückung mit Vomex verlängert nur den Zustand. Mein Pieper geht, 2 Rettungswagen kommen. Zwei Schockräume werden vorbereitet. Der erste RTW wurde aufgrund von Fieber gerufen. Ich schau mir dieses Kind an, es ist nicht nackensteif und entscheide mich dazu, dass es draußen mit den anderen fiebernden Kindern warten kann. Der andere RTW bringt uns eine Verbrennung. Das Kind schreit und durchlebt höllische Schmerzen. Unsere Ärzte müssen wiedermal alles andere liegen lassen und hier tätig werde. Das Kind wird sediert und den Chirurgen überlassen. Draußen kommt mir Patientin H ,12 Jahre entgegen und ich werde traurig. Sie hat einen austherapierten Hirntumor und war 5 Jahre bei uns in der Klinik in Behandlung. Mir ist bewusst ,dass sie kommt , weil ihre Schmerzen jetzt unerträglich sind und sie jetzt ihren letzten Weg bei uns in der Klinik gehen wird. Vorbei an unverständliche Blicken kommt sie in Raum 3 und ich schliesse für 10 Minuten die Tür. Diese 10 Minuten gehören Patientin H und mir. Danach sehe ich an der Anmeldung eine Mutter mit einem 5 Wochen alten Säugling. Sie ist verzweifelt, ihr Baby schreit seit Tagen. Sie ist müde und ich habe Mitleid , nehme mir die Zeit der Mutter ein paar gute Tipps zu geben. Ich zeige ihr , wie sie ihr Baby richtig ins Tragetuch packt. Leider hat sie keine Hebamme mehr bekommen, deren Arbeit in der Nachsorge so wichtig und wertvoll ist. Das Baby wird untersucht und ist gesund. Am Ende meines Dienstes habe ich 65 Patienten gesehen und versorgt, davon waren 10 Notfälle. Mit meinem kleinen Einblick, will ich keine Mutter davon abhalten in die Klinik zu fahren. Jedoch bevor ihr in die Klinik fahrt, überlegt euch ob euer Kind wirklich sehr krank ist, welches sofortiger Behandlung bedarf. Vielleicht kann ich meinem halsschmerzenden Kind auch erstmal anderweitig helfen und Montag den Kinderarzt kontaktieren. Ich bin nicht nur Kinderkrankenschwester, sondern auch Mutter und weiß , dass man sich aber manchmal auch einfach große Sorgen macht. Der Instinkt sagt, wir benötigen einen Arzt. Auch ich bin mal mit meinem sehr schläfrigen Kind ins Krankenhaus gefahren und befürchtete das Schlimmste. Im Wartebereich sang sie dann " Backe,backe Kuche" und war kerngesund. Aber wartet ihr 2 Stunden im Wartebereich ,und habt das Gefühl hier arbeitet keiner, dem ist nicht so. Dein Kind ist nicht unbeobachtet, auch wenn es einem so vorkommt. Das Pflegepersonal ist geschult, um ein Kind einschätzen zu können , wie schwer krank es ist. Seid froh ,wenn ihr warten dürft, denn dann ist euer Kind kein Notfall.

    Moin,

    ja, die Leute haben erstens kein Gespür dafür dass in Krankenhäusern auch durchaus überlebt oder gestorben wird und nicht nur Knochenbrüche behandelt werden, und auch dass ein Lungenfacharzt keinen Herzpatienten behandelt - also klar wenn es wirklich bedrohlich ist schon aber normal eben nicht.

    Ich finde man darf die Leute nicht gleich verurteilen, ich saß auch schon mit einem fast 40 Grad fiebernden Kind abends um sieben in der Notaufnahme weil er laut Kinderarzt aufgenommen werden sollte (Sättigung schlecht, obstruktive Bronchitis bei Lungenvorschädigung) und unser Lütte wirkt bis 40 Fieber topfit und dreht eher auf als dass er abbaut. Er trank gut und spielte herum, selbst die Klinikärzte meinten erst was ich hier wolle bis sie ihn abgehört hatten und dann gings pronto auf Station und ab an die Geräte und wenige Stunden später hatte er Sauerstoffmaske an und bekam Cortison und Adrenalin intravenös, der Kinderarzt hat das halt mit seiner Erfahrung und Vorkenntnis seiner Erkrankungen vorhergesehen! Die anderen Eltern in der Notaufnahme haben da bestimmt auch mit den Köpfen geschüttelt.

    Außerdem sitzt man bei uns auch bei Routineuntersuchungen im Ambulanzbereich, unser Lütte ist ja Frühchen und muss ab und an mal Nierenbecken geschallt bekommen oder irgend so was, da haben wir einen Termin oder waren eigentlich in einer ganz anderen Abteilung und es soll zur Sicherheit nochmal was geschallt werden oder so und sitzen dann auch mit den Notfallpatienten in einem Raum und sind nicht wirklich krank.

    Entscheident ist natürlich der Umgang, ich bewundere das Personal da wie sie immer höflich und zuvorkommend bleiben können, ich hab da auch schon die eine oder andere "nette" Begegnung machen dürfen und versuche dann auch immer den Schwestern oder Ärzten im Zimmer was Aufnumterndes zu sagen.

    LG
    Pikku

    Hallo,

    Ich kann aus jüngster Erfahrung leider sagen, ja es ist immer so...
    Mein 4 jähriger hat grad leider eine "Unfallphase" und so durften wir grad das 2. mal innerhalb kurzer Zeit mit Platzwunde am Kopf ins Krankenhaus.
    90% dort sitzen da wirklich wegen Erkältung und das während regulärer Arzt Sprechzeiten, da kann man nur den Kopf schütteln.

    Nun habe ich aber selber schon 4 Kinder und bin wohl mittlerweile recht routiniert und weiß abzuwägen wann meine Kinder wirklich dringend und sofort Hilfe benötigen und wann ein Arztbesuch am nächsten Tag ausreicht.
    Diese Routine hat man beim ersten Baby meist noch nicht drin und lässt sich leicht verunsichern. Wenn man dann noch Menschen um sich hat wie meine Schwiegerfamilie, die einem einreden das man in die Notaufnahme MUSS, um abzuklären ob ein schreiendes Kind eine ohrenentzündung hat und alles anderen ja unverantwortlich wäre, naja... wen wundert es dann wenn diese Eltern dann verunsichert in der Notaufnahme hocken und diese dann verstopfen?
    Am meisten tun mir aber immer die kranken Kinder leid, denen es mit ihrem Fieber, erbrechen etc. wohl zuhause deutlich besser in ihrem Bett ginge, als dort sinnlos für Stunden zu sitzen und sich noch mehr Krankheiten aufsacken.
    Wir in der Großstadt haben zumindest absolut keinen Mangel an Kinderärzten, aber bei manchen Eltern hat man das Gefühl sie vertreiben sich die Zeit einfach gern im Krankenhaus, um dann hinterher zu mosern wie unmöglich dort alles ist und wie unzumutbar die Wartezeiten.

    Mir tut das Personal ebenso oft ziemlich leid.

    LG und gute Besserung dem Kind!

    (12) 15.12.16 - 06:51

    Morgen.

    Wir hatten das zwei Jahre lang mit unserem Sohn und das immer zu Weihnachten.#aerger

    Er hatte sich übergeben müssen und hatte auch einen ordentlichen Durchfall. Naja, man ist ja dann nicht wirklich gerüstet über die Feiertage. Sind dann auch zur Notaufnahme, saßen aber dann doch etwas länger, da die Kinderärztin gerade auf Kinderstation war. In dieser Zeit besuchten wir bestimmt vier mal das Klo. Als er dann endlich dran kam, hatte ich mich noch entschuldigt, dass ich zu den Feiertagen stören muss, aber ich wusste mir echt nicht mehr zu helfen. Sie war aber total entspannt und meinte, kein Problem ich wäre ja auch früher unten gewesen, aber leider sind auch kleine Notfälle auf der Station. Sie untersuchte ihn gründlich, hatte auch sehen, dass es ihm sehr mitnahm, total schwach. Aber zum Glück war es nur eine Bauchgrippe (der Schnupfen wird runter geschluckt und dadurch entsteht eben dieses Unwohlsein). Sie gab mir noch Schmerzmittel und gute Tipps und dann sind wir auch schon wieder weg.

    Aber als wir so warteten, kamen auch einige kleine Patienten, wo die Eltern unmöglich waren (Stürze und auch eben Magen-Darm.). Die haben da ein Fass aufgemacht, da sie nicht umsonst hier zur Notaufnahme kommen. Da muss doch immer ein Arzt sofort da sein. Einer hat mich sogar blöd angemacht, warum ich mich nicht aufrege, dass es schneller gehen soll. Hab dann nur gesagt, die Ärzte machen auch nur ihre Arbeit und sind auch nur Menschen. Er soll mal runter kommen, davon gehts auch nicht schneller. Er ist doch tatsächlich dann zur Aufnahme und meinte, dass er vorgelassen wird, da ich mehr Zeit habe als er. Leute gibt es, echt.#augen Ich weiß nicht, wie lange er noch warten musste, da ich ja dann doch vor ihm dran war.

    Ich finde auch, dass die Ärzte oder Schwestern schon da viel leisten müssen, inkl. angeschnauzt werden. Und trotzdem machen sie ihre Arbeit gut. Also ich kann mich hier nicht beschweren.

    Schöne Feiertage.

    LG

    Da gibt es aber auch immer 2 Seiten der Medaille,
    Meine Tochter stürzte, ihr tat der Arm weh man sah nix keine Schwellung nicht Blau und bewegen konnte sie es auch, also kühlen und gut nach 2 Stunden fängt sie an zu weinen der Arm täte weh immer noch nichts zu sehen aber mittlerweile ist es für den Arzt zu spät also dann doch um das Kind zu beruhigen in die Ambulanz.

    Schwestern und Ärzte schauten skeptisch und es kam der Kommentar vom Arzt:

    " Das ist nichts sollen wir es dennoch Röntgen?"
    Ja wir Röntgen das jetzt damit wir sicher sind...
    5 Minuten nach dem Röntgen 2. Ärzte und 4. Schwestern im Raum viel Hektik ...
    Kind muss Not Operiert werden Handgelenksbruch der sich durch das viele dran rum drücken und wackeln der Finger verschoben hat....

    Den Schwestern tut es noch heute wahnsinnig Leid das sie das Kind nicht Ernst nahmen.
    Deswegen lautet unsere Devise lieber einmal zu viel als zu wenig zum Arzt oder in die Notfall Ambulanz dann muss ich aber mit Wartezeiten rechnen....
    Liebe Grüsse

    (14) 15.12.16 - 07:47

    Hallo,
    ja, tatsächlich ist das Alltag in den Kliniken.

    Gute Besserung an dein Kind

    Guten Morgen!

    Ja, das ist immer so.

    Als ich noch im Krankenhaus arbeitete, hatte ich eine Freundin, die sich in der Ambulanz "vergnügte". Da kamen morgens um drei junge Männer an, weil sie drei Wochen Schmerzen im Bauch hatte, gerade nach einer Party an dem Krankenhausschild vorbei fuhren und sich dachten, sie schauen mal rein. War ja auch das letzte Krankenhaus vor der Autobahn und man weiß ja nie.

    Das Problem ist wohl, dass wir nicht mehr akzeptieren wollen, das man auch mal krank sein muss. Die meisten haben gar kein Gefühl mehr dafür, was wirklich gefährlich ist (kommt sehr sehr selten vor) und was harmlos (eigentlich immer) ist. Da wird lieber gegoogelt und Panik geschoben. Lies dich mal hier durch, was Müttern mit Babys und Kleinkindern geraten wird, wenn sie ein bisschen besorgt schildern, dass das Kind gerade gefallen ist oder einmal erbrochen hat. Ab ins Krankenhaus! Sicher ist sicher!
    Ich glaube, ich bin die einzige weit und breit, die ein Krankenhaus für einen nicht sicheren Ort hält. Dahin gehen wir nur, wenn Holland in Not ist. Das meiste kann ich allein, die nächste Anlaufstelle ist der Kinderarzt, der meine Kinder schon immer kennt.

    Sinnvoller wäre, wenn alle mal einen Erste-Hilfe-Kurs machen würden. Wenn der auf Kinder ausgerichtet ist, umso besser, aber auch ein normaler kann einen erden. Vor allen Dingen ist man dann nicht mehr hilflos und kann selber ein wenig einschätzen, wie sinnvoll ein Röntgen oder ein stundenlanger Aufenthalt in der Ambulanz mit Durchfallkind wirklich ist.

    Panik ist eh immer ein schlechter Berater. Selbst oder gerade dann, wenn es wirklich ernst wird.

    Wir haben uns eine unfassbare Anspruchshaltung zugelegt. Die ist echt schlimm und vor allen Dingen nutzt sie niemandem.

    LG

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