Stress mit Schwester * Übertreibe ich?

    • (1) 03.01.17 - 22:30

      Hallo Zusammen,

      ich wollte mal kurz meine aktuelle Lage mit meiner Schwester von der Seele schreiben und um eure Meinung bitten. Häufig ist man ja so in seiner Position verfangen, dass man die andere Seite gar nicht mehr wahrnimmt.

      Folgendes ist passiert.

      Ich hatte leider Anfang November eine Fehlgeburt mit unseren zweiten Wunschkind in der 11 Woche, was mich sehr mitgenommen hat. Eine Woche nach der Ausschabung habe ich meiner Schwester unter Tränen davon erzählt. Ihre Reaktion war für mich sehr unterkühlt, sie hat nur gemeint dass eine Freundin auch eine hatte und danach gleich ein gesundes Kind bekam. Wahrscheinlich wollte sie mich damit nur trösten.

      2 Tage nach diesem Gespräch schreibt Sie mir, dass sie mir gerne heute mein Babybett vorbeibringen möchte. (Sie hat einen 7 Monate alten Sohn und sich von uns das Bettchen geliehen). Da ich noch sehr emotionalisisert war und die Gefühle hochkamen dass mein Kind niemals in diesem Bett liegen wird, habe ich zurückgeschrieben, dass Sie es bringen kann wann sie will oder es alternativ auch wegschmeißen kann.... Ich gebe zu nicht die feine Art.

      Fazit? Meine Schwester spricht seit dem nicht mehr mit mir. Hat mir alle Babykleidung (auch die ihrem Kind noch zu groß ist) und Babyzubehör von ihrem Mann vorbeibringen lassen. Zu Weihnachten gab es ein Höflichhkeitsgeschenk in Form von altem nicht mehr trinkbaren Wein.

      Liege ich so falsch mit meiner Ansicht, dass sie lieber mal hätte fragen können wie es mir geht, oder mindesten etwas Verständnis aufbringen, dass ich in Hinblick auf unsere Babysacken aktuell nicht ganz so in der Lage bin sachlich zu sein???????

      hallo,
      sie kann sich nicht in deine situation hineinversetzen. für sie war das "noch kein kind" und "passiert halt mal". ungehobelt, ja, aber sie kennt die situation nicht. ich habe ein kind in der 14. ssw verloren. wir haben 3 monate hart darum gekämpft, es für uns bestatten zu können. als es soweit war, hat eine ehem. bekannte nur ungläubig geguckt und fand es seltsam, dass unser kind einen namen hatte. sie ist generell eher der harte typ. für sie war "die sache (bei ihrer schwägerin) gelaufen" nach deren ausschabung. mein mann und ich dagegen haben getrauert. es gab auch menschen, die mich verstanden haben - aber eben auch andere.
      ich denke, in einer ruhigen minute würde ich meiner schwester nochmal darlegen, wie es war. vielleicht kann sie ansatzweise verstehen.
      alles gute für euch :-).
      p.s.: im zyklus nach der beerdigung unseres sternenkindes wurde ich tatsächlich schwanger und unser jüngster ist gerade 3 geworden. wir gehen oft bei unserem sternenkind vorbei und halten einen augenblick inne.

    • Feinfühlig war das nicht von deiner Schwester. Aber kann es sein dass sie deine Situation einfach völlig falsch einschätzt? Wie ist euer Verhältnis sonst?

      LG

      Also ich kann dich verstehen. WEnn euer Verhältnis sonst aber gut gewesen ist, würde ich ihr vielleicht nochmal einen Brief schreiben. DU kannst darlegen wieso du so reagiert hast und sie das bitte akzeptieren soll. Denn für euch war dieses Kind eben schon real. Wäre es für mich übrigens auch gewesen.

      Denn wenn jemand gerade erst ein Kind verloren hat dann komme ich nicht 2 Tage später und will die Babysachen bringen! Da hätte ich höchstens gefragt ob du das jetzt möchtest oder ob es dir später lieber ist. Das wäre taktvoller gewesen.

      Liebe Grüße Ela

    • Hallo,

      es gibt viele Menschen, die diesen Verlust nur schwer einschätzen können. Auch geht jeder damit anders um. Ich habe Freundinnen, die denken noch Jahre später darüber nach und welche, die das kaum in ihren weiteren Alltag übertragen.

      Aber natürlich hätte deine Schwester, die dich kennen sollte, dich da besser einschätzen können. Du musst jetzt entscheiden, wie es weiter gehen soll. Willst du den Kontakt erstmal so belassen oder lädst du sie mal zum essen ein, wenn es dir wieder besser geht, um ihr zu erklären, was in dir vorging und was du dir in Zukunft von ihr wünscht.

      vg, m.

      Hallo,

      es gibt viele Menschen, die diesen Verlust nur schwer einschätzen können. Auch geht jeder damit anders um. Ich habe Freundinnen, die denken noch Jahre später darüber nach und welche, die das kaum in ihren weiteren Alltag übertragen.

      Aber natürlich hätte deine Schwester, die dich kennen sollte, dich da besser einschätzen können. Du musst jetzt entscheiden, wie es weiter gehen soll. Willst du den Kontakt erstmal so belassen oder lädst du sie mal zum essen ein, wenn es dir wieder besser geht, um ihr zu erklären, was in dir vorging und was du dir in Zukunft von ihr wünscht.

      vg, m.

      Hallo

      Also ich würde sagen, ihr solltet euch nochmal zusammen setzen und drüber reden. Ich denke mal, dass sie nicht weiß, wie sie damit umgehen sollen bzw. was sie in diesem Fall machen kann für dich. Und deine Reaktionen sprechen ja auch dafür, dass du mit ihrer Reaktion nicht zufrieden warst.

      <<<sie hat nur gemeint dass eine Freundin auch eine hatte und danach gleich ein gesundes Kind bekam. Wahrscheinlich wollte sie mich damit nur trösten.>>>

      Das ist das, was ich meine. Sie versuchte zu reagieren und in deinen Augen war diese Reaktion falsch. Woher sollte sie das wissen. Deine Reaktion darauf verstand sie nicht und reagierte dementsprechend.

      Alles Gute.

      LG

      Hallo!

      ich glaube ihr habt unterschiedliche Sichten auf die Sache ....

      ICH habe auch einen Abgang in der 12 SW nicht weiter tragisch genommen - ist eben komplett die Natur in solchen Stadien, vielmehr habe ich mir gedacht: "Gut, dass mir die Natur wohl die Entscheidung abnimmt bei einem kranken Embryo." OK, ich bin nun mal eher der Naturwissenschaftler .....und der 2. Gedanke war: "Hoffentlich ist das nicht der Beginn einer Serie ...." Insofern hätte die Reaktion Deiner Schwester mich eher aufgebaut. Auch das mit dem Bett vorbeibringen wäre eher ein Zeichen der Hoffnung gewesen, denn ein Zeichen der ???? (was eigentlich?)

      ABER jeder tickt nun mal anders ....

      Die Frage wie es Dir geht, wäre in jedem Fall angebracht gewesen, egal wie sie das nun mit einer Fehlgeburt sieht.

      Ich denke auch wenn Du sie jetzt anrufst und ihr erklären willst, dass Du die Fehlgeburt in der 11 SW als "Verlust des Kindes" siehst und nicht eben als natürlichen und sinnvollen Ausleseprozess wird sie vielleicht Empathie mit Dir empfinden, aber es trotzdem nicht so sehen wie Du. Menschen sind eben unterschiedlich!

      LG, I.

      • Das hast du gut und in meinem Sinne beschrieben.Als Naturwissenschaftlerin würde ich mich nicht sehen.:-)
        In meiner Familie gehören Abgänge vor der 12.Woche zu einem durchschnittlichen Frauenleben dazu.Mutter und Großmütter haben oft nicht oder später bemerkt , dass sie schwanger waren.Kalender wurden nicht geführt.In Erinnerung blieben die späten Fehlgeburten.
        Auch ich war bei meinen zwei FG eher froh, dass mein Körper in der Lage ist fehlerhafte Fruchtanlagen ( da deutlich ü30 ) zu erkennen.Diese frühen FG (ohne notwendige Ausschabung) belasten manche sehr und manche weniger.
        Natürlich macht es einen großen!!! Unterschied ob man schon ein Kind hat oder nicht.
        Hier bei urbia habe ich erstmals die Tragweite mitverfolgen können.
        Manche aus dem Umfeld sind damit überfordert.Diese Erfahrung wird man machen.

        L.G.

        • (12) 04.01.17 - 19:52

          Das mit dem großen Unterschied verstehe ich nicht? Auch das ist individuell. Ich habe eine Bekannte die bei der 1. FG nix empfunden hat, obwohl lange Kinderwunschzeit. Wenn man schon 1 Kind hat, trauert jemand mit, sagt unter Umständen ich möchte ein Geschwisterchen. Man weiß um das Glück, das man empfindet bei der GEburt etc.

          • (13) 04.01.17 - 22:27

            Der Unterschied ist ,eine Frau mit Kind weiß ,dass sie grundsätzlich Kinder bekommen kann.
            Passiert es bei der ersten Schwangerschaft ,fördert dies sicherlich Ängste und Ungewissheit ob es überhaupt klappt.

      Ich bin auch Naturwissenschaftlerin. Sehe das Ganze aber anders. Im übrigen ist eine FG nicht immer eine Auslese. Meine Tochter wurde untersucht, es gab keine genetische Auffälligkeit. Aber selbst wenn meine Kleinen etwas gehabt hätte, hätte ich nicht gedacht, oh glücklicherweise hat eine Auslese stattgefunden. Vielmehr hätte ich gedacht: Warum musste die arme Kleine so etwas haben?

Hallo,

vielleicht hättest du deine Schwester einfach bitten sollen, mit dem Babybettchen oder auch den sonstigen Babysachen etwas abzuwarten, ihr sagen sollen, daß dich diese FG sehr mitnimmt.

Ich hatte selber zwei FG - eine vor dem ersten Kind (1.te SS), eine nach dem zweiten Kind. (also 4.te SS) (11. + 10.te Woche). Beide Male ging für mich das Leben danach weiter mit dem Wissen oder den Gedanken, daß es eben so nicht "hat sein sollen". Wobei ich gestehen muß, daß mich in der zweiten Schwangerschaft die ersten 12 - 14 Wochen schon manchmal eine gewisse leichte Panik überkam, daß es wieder nicht gut ausgehen könnte.

Ich habe durch diese durchlebten Situationen darüber auch mit einigen anderen Frauen und Müttern gesprochen und muss sagen: Das ist wirklich sehr, sehr vielen Frauen passiert. Es kam mir nach der 2.ten FG fast so vor, als ob jede zweite Frau, die ich kenne, diese Erfahrung gemacht hatte.

LG

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