Schuldgefühle gegenüber Mutter mit behindertem Sohn

    • (1) 12.01.17 - 21:55

      Hallo zusammen,

      ich bin ganz neu hier und durch Google-Suchen auf dieses Forum gestoßen. Ich selbst habe (noch) keine eigenen Kinder, es geht vielmehr um meine Familie, bestehend aus Mutter und Bruder. Durch Google-Suchen bin ich auf dieses Forum gestoßen und hoffe, dass mir hier vielleicht einige Ratschläge oder einfach nur Beiträge gegeben werden können, da sich hier ja auch viele Mamas usw. rumtummeln :) Falls ich hier falsch bin, bin ich auch für einen Hinweis dankbar.

      Es fehlt um folgendes Problem: Mein Bruder ist 4 Jahre älter als ich (30) und schwerbehindert, und zwar an der Grenze geistiger/psychischer Behinderung. Er kann reden usw., hat eine starke Lernbehinderung und ist auf die ständige Hilfe anderer (meiner Mutter) angewiesen, da er nicht für sich alleine sorgen könnte; zudem fließt bei ihm ein Autismus mit ein. Ich habe vor ein paar Jahren die Betreuung für ihn übernommen, da der damalige Richter sie meiner Mutter entzogen hatte auf Grund eines Arztbriefs und er dann einen Anwalt als Betreuer hatte, der aber irgendwie total gegen uns arbeitete, woraufhin wir beantragt hatten, dass ich sie bekommen, was dann Gott sei Dank auch geschah.

      Er wohnt noch bei unserer Mutter, die sich auch wirklich sehr gut um ihn kümmert. Wie eingangs erwähnt besteht unsere Familie nur noch aus uns dreien. Freunde der Familie oder meiner Mutter gibt es keine, da sie sich irgendwie mit allen im Laufe der Zeit zerstritten hat. Generell muss man sagen, dass meine Mama psychisch vermutlich auf Grund schlimmer Kindheit nie wirklich stabil war und es sich im Laufe der letzten Jahre stark verschlimmert hat. Obwohl ich meine Kindheit an sich ganz schön war, gab es auch einige Vorfälle und Dinge, die ich schlecht in Erinnerung habe (viel Geschrei als meine Eltern sich scheiden ließen (da war ich knapp 8), auch Jahre danach noch, das ist nur ein Beispiel), und ich würde zumindest behaupten, dass auf Grund einiger Dinge das Verhältnis zu meiner Mama eher unterkühlt ist und ich, gerade ab dem jugendlichen Alter, mich von den beiden eher distanziert verhalten habe; das ging wohl auch einher damit, dass meine Mama mich mit ihren Problemen immer sehr belastet hat und ich das mit der Behinderung meines Bruders auch ganz lange nicht so ganz kapiert habe, da er als ich klein war für mich ganz normal war und es einfach recht lange dauerte, bis ich damit klar kam...bzw es verstanden habe. Ich war dann immer gerne mit Freunden unterwegs und wenn meine Mama mich bat, dass ich einige Zeit nach der Arbeit immer heimkommen soll, damit ich da bin und sie sich wieder wegen diesem und jenen beruhigen kann, bin ich trotzdem mit Freunden unterwegs gewesen usw.

      Mit 21 bin ich dann ausgezogen und habe etwas egoistisch mein eigenes Leben gelebt, wobei meine Mutter noch kurz davor oder kurz danach (das weiß ich nicht mehr so genau) mir mal schrieb, dass sie und mein Bruder nun alleine klar kommen und das ok wäre. Ich habe mich dann einige Zeit lang nicht mehr so extrem viel blicken lassen, was mir an sich auch ganz gut getan hat.

      An sich gesehen war das aber eher ein kürzerer Zeitraum, vlt. so 1-2 Jahre. Generell ist es so, dass ich zwar inzwischen ca. 40 Minuten Autofahrt von beiden weg wohne, ich aber 2-4x im Monat zu den beiden fahre. Ferner habe ich sie finanziell immer unterstützt wenn irgendetwas war, auch bei behördlichen Sachen usw. helfe ich immer (bzgl. meines Bruders mache ich das eh, da es ja in meinen Betreuungsbereich fällt).

      Nun zu meinem generellen Problem. Seit ca. 1 Jahr ist das Verhältnis zu meiner Mutter exrem schlecht geworden, wirft mir u.a. vor, dass ich mich nie um meinen Bruder kümmere bzw. um sie beide früher gekümmert habe, sie nicht einlade und dieses und jenes, teilweise extrem sinnlose Vorwürfe (insbesondere auch Dinge, die ich als Jugendliche gemacht habe, z.B. meinte ich wohl mal, dass ich mich für sie schäme - ok, sagt man nicht, aber vielleicht hätte man mir erklären sollen, warum so ne Aussage Schmarrn ist), und dass ihr größter Fehler war, damals auf mich zu hoffen und ich sie nur enttäuscht hätte. Es sind noch einige andere Dinge vorgefallen, deren Erwähnung jetzt jedoch den Rahmen sprengen würde.

      An sich kann man viele dieser Anschuldigungen auf die Verfassung meiner Mutter schieben (ist zwar nicht immer so einfach, aber ok). Jedoch frage ich mich, ob ich meiner Mutter vielleicht wirklich nicht mehr hätte helfen können/sollen, da sie allein erziehend war (meinem Vater hatte sie 5 Jahre nach der Scheidung den Kontakt untersagt), insbesondere einfach wegen meinem behinderten Bruder. Ich denke alleinerziehend ist ja schon sehr schwer, mit einem behinderten Kind bestimmt noch viel mehr. Natürlich hatte ich diese Erkenntnis als z.B. 11-Jährige noch nicht. An sich habe ich mit meinem Bruder ein ganz gutes Verhältnis, ich habe es einfach nur mit meiner Mutter nicht daheim ausgehalten.

      Was mir aber am m

      ...warum auch immer, bin ich versehentlich auf "Beitrag abschicken" gegangen, ich war noch nicht fertig :D

      Jedenfalls macht mich am meisten der Gedanke fertig, dass meine Mutter zwar an sich wirklich unmöglich sein kann, sie aber andererseits ein ganz lieber Mensch ist, der sich seit über 30 Jahren aufopfernd um ihren behinderten Sohn kümmert, um mich hat sie sich ja an sich auch immer recht gut gekümmert. Es gab wie gesagt einige Dinge, die halt nicht so schön waren, aber ich denke, sie kann und konnte einfach manchmal nicht anders, was auch ihrer Psyche zuzuschulden ist. Und dass eben genau meine Mutter, die eigentlich so viel für meinen Bruder macht, und eigentlich so lieb ist, irgendwie nie ein wirklich schönes Leben hatte - nie einen lieben Partner (nach meinem Vater kam nie wieder ein Mann), nie eine wirklich schöne Arbeit (bevor ich 15 war, hatte sie immer Arbeit, allerdings war da dann auch immer irgend etwas...) und Freunde irgendwie auch nicht so wirklich... außerdem wohnen sie seit 10 Jahren in einer Sozialwohnung (ich wohnte dort auch knapp 2 Jahre mit), der Wunsch nach einer kleineren Wohnung für die 2 ist sehr bis hin zu gar nicht realisierbar...irgendwie kann ich nichts wirklich schönes in ihrem Leben finden. Auch ihre Kindheit muss miserabel gewesen sein, deswegen denke ich mal, dass sie eben auch so ist, wie sie manchmal ist. Eine Aussprache mit ihr ist schwierig bis unmöglich, da sie Empathie usw. einfach nicht kann (außer vielleicht bei meinem Bruder).

      Hätte ich mich wirklich mehr kümmern sollen um sie, wegen meinem behinderten Bruder usw.? Ich weiß nicht, wie ich mal damit umgehen soll, wenn sie stirbt, der Gedanke daran, dass sie irgendwie immer so viel Pech im Leben hatte, nicht mal einen lieben Partner, zerbohrt mir manchmal mein Herz. Auch wenn ich weiß, dass ich vermutlich eigentlich keinen Grund für Schuldgefühle habe, mein eigenes Leben leben soll usw. ...

      Ich hoffe, es ist verständlich, worauf ich hinaus möchte, es ist einfach ein sehr komplexes Thema, und schwer so kurz zusammenzufassen (ist jetzt eh schon recht viel geworden...).

      Ich würde mich über die ein odere andere Antwort freuen.

      Liebe Grüße

      • Hallo,
        ich denke, dass du nicht für das Leben deiner Mutter verantwortlich bist.
        Sie ist die Mutter, du bist das Kind. Eine Rollenverteilung sollte nicht passieren. Egal wie selbstsicher und selbständig du geworden bist und ihr Leben (traurig aber wahr), nicht so rosig verlaufen ist.
        Wichtig ist, sich keine Schuldgefühle einreden zu lassen. Ich glaube, dass du einen sehr reflektierten Blick auf deine Mutter hast und das gut einschätzen kannst.

        Selbstverständlich ist es toll, wie sie sich weiterhin um ihren Sohn kümmert.
        Natürlich ist ihr Leben dadurch vorbestimmt und erschwert.

        Aber eine Unterstützung von deiner Seite solltest du selbst entscheiden.
        Wenn du mit keinem guten Gefühl öfters die Beiden besuchen fährst und mehr Aufgaben übernehmen möchtest, dann lass es auch.
        Wenn es dir selbst besser geht mit Abgrenzung, dann behalte das bei.

        Hilfe, Unterstützung mehr Zeit opfern muss von dir selbst kommen und nicht erzwungen oder aus Pflichtbewusstsein.

        Ich glaube wichtig ist auch, sich über die Zukunft Gedanken zu machen.
        Wenn die Beiden nicht mehr selbständig zu Hause leben können, was dann?
        Ist das geplant oder durchdacht?
        Hast du das mal angesprochen oder hast du dir selbst mal Gedanken gemacht, zu was du bereit bist?
        Ich glaube, dass sollte irgendwann mal Thema sein.

        Gruß

        • Hallo,

          danke für deine Antwort und deine Worte!

          Über die Zukunft mache ich mir in letzter Zeit vermehrt Gedanken, geregelt ist hier jedoch noch nichts. Warum auch immer, denkt meine Mutter, dass sie sich noch bis in alle Ewigkeit um meinen Bruder kümmern kann. Meine Idealvorstellung wäre, dass mein Bruder dann in einem Wohn- bzw. Pflegeheim wäre, am Besten wirklich so nahe, dass ich ihn auch "mal eben" besuchen und auch mal zu mir heim holen kann für ein paar Stunden usw. - ob das dann jemals umsetzbar sein wird, ist die andere Frage.

          Naja kurzum es ist eigentlich nichts geklärt, meine Mutter meinte irgendwann vor einigen Jahren mal, dass es ja klar sei, dass mein Bruder dann ins Heim müsse, wenn sie nicht mehr ist. Ich habe mir vor ein paar Monaten schon mal eine Liste von Heimen gemacht, bei denen wir mal vorstellig werden sollten. Leider hat mein Bruder auch sehr große Angst vor Heimen usw. (auch bedingt durch schlechte Erfahrung in Behindertenwerkstätten), deswegen ist das ein sehr heikles Thema.

          Grüße

          • Guten morgen,
            nun, zumindest weiß deine Mutter, dass du nicht deinen Bruder pflegen willst. Das ist doch schon mal ganz gut.
            Das er sorgen und Angst hat, kann ich verstehen.

            Aber ich finde es gut, dass du dir schon Gedanken gemacht hast.
            In der heutigen Zeit ziehen öfters Eltern bzw. Elternteil mit Kind mit Behinderung zusammen in ein Pflegeheim ein.

            Ich wünsche dir alles Gute weiterhin

      Hallo,

      das Thema ist sehr komplex, Du brauchst gegenüber Deiner Mutter aber keine Schuldgefühle zu haben.

      Unser 2. Sohn ist schwer mehrfachbehindert, er wird im März 20.
      Mit der Volljährigkeit zog er um in ein Wohnheim, wir holen ihn aber auch mal übers Wochenende oder über Feiertage nach Hause. Täglich wäre seine Pflege nicht mehr zu schaffen gewesen, wir arbeiten beide und haben noch 3 kleine Jungs. Unser Ältester ist fast 25, zog mit 22 aus und lebt sein eigenes Leben. Das soll er auch, die Pflege oder Verantwortung soll nicht den gesunden Geschwistern aufgebürdet werden, wir haben ein gutes Verhältnis.

      Wir haben die gesetzliche Betreuung, Du hast sie für Deinen Bruder, damit bringst Du Dich schon viel mit ein.

      Ist geregelt was aus Deinem Bruder wird, wenn Deine Mama nicht mehr da wäre?
      Gibt es ein Behindertentestament?

      Wenn unser behinderter Sohn jetzt noch täglich zu Hause wäre, könnte ich nicht mehr arbeiten, konnte es jahrelang kaum, seine Pflege wurde von Jahr zu Jahr schwerer, er ist Epileptiker, infektanfällig, komplett unselbstständig, spricht nicht.

      Seit 2 Jahren arbeite ich wieder und bin sehr froh darüber, mir tut der Job gut.

      Deine Mama hat sich all die Jahre aufgeopfert und sich dabei selbst vergessen, Dein Bruder ist ihr Lebensinhalt, sie ist unzufrieden und Du bekommst es ab, das ist nicht gut.

      Es gibt Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege, zusätzliche Betreuungsleistungen, nutzt sie davon was?

      Wo ist Dein Bruder tagsüber, besucht er eine Tagesförderstätte, oder eine Werkstatt?

      Kennst Du Rehakids?
      Dort sind viele Eltern mit inzwischen erwachsenen behinderten Kindern, bei rehatalk schreiben Selbstbetroffene, Geschwister schreiben auch immer wieder mal.

      Vielleicht tut es Dir gut mal zu lesen, wie es anderen geht, wo die behinderten Kinder noch zu Hause leben, oder im Wohnheim. Wie andere Eltern damit umgehen und wie das Verhältnis untereinander ist.

      LG Anja

      • Hallo,
        auch dir lieben Dank für deine Antwort und deine Worte :)

        Für die Zukunft ist an sich gar nichts geregelt, außer dass ich meine Vorstellungen habe, wie es für mich im Idealfall sein sollte und dass ich eine Liste von Heimen habe, wo ich (irgendwann) mal vorstellig wollen würde mit meinem Bruder.

        Muss ich so ein Behindertentestament nicht nur machen lassen, wenn es Vermögen gäbe? Wäre bei uns zumindest nicht vorhanden.

        Nein sie nutzt keine Kurzzeit- oder Verhinderungspflege, ich weiß auch gar nicht, ob sie das wollen würde. Mein Bruder ist seit ein paar Jahren nur noch daheim, er war in zwei oder drei Werkstätten, aber das hat dann nie funktioniert auf Dauer, weil er sehr langsam ist, keine Zeiten (fängt bei pünktlich in der Arbeit sein an) einhalten kann und es dann immer irgendwie Stunk gab. Das einzige was er zuletzt gemacht hatte, war ein paar Monate eine Mal- und Arbeitstherapie in einem Klinikum, in das er vor 1,5 Jahren auf Grund sehr schlechten Gesundheitszustands musste, das hat ihm auch m. E. recht gut getan. Leider war dann auch wieder dort irgend etwas, was meiner Mama nicht getaugt hat. Sie ist da sehr "aufpasserisch". Jetzt ist er wieder nur daheim, aber ich denke, es passt auch ganz gut, sie machen jetzt auch oft viele Ausflüge zusammen (zwar mit der sBahn, da sie kein Auto hat), er geht mit ihr einkaufen usw., er hat sozusagen immerhin Beschäftigung.

        Rehakids kannte ich noch nicht, werde ich gleich mal anschauen, danke dir :)

        Grüße

        • Hallo,

          wenn Vermögen wie ein Haus vorhanden ist, geht es nicht ohne Behindertentestament, wir haben ein Haus.
          Dein Bruder darf aber auch kein Vermögen haben, da gibt es einen Freibetrag, bekommt er Grundsicherung?

          Es muss auf jeden Fall geregelt sein, was aus Deinem Bruder wird, wenn Deine Mutter ihn nicht mehr betreuen kann, aus gesundheitlichen Gründen, oder falls sie nicht mehr da wäre.

          Davor verschließt sie sich wohl und blockt ab, sagt zwar er müsste dann in ein Heim, aber es liegt in ihrer Hand diese Einrichtung auszusuchen und zu finden. Das könnte sie zusammen mit Dir angehen, sich mehrere Wohnheime ansehen und vielleicht über Kurzzeitpflege langsam rantasten.

          So haben wir es gemacht, mehrere Wohnheime angesehen, immer wieder mal Kurzzeitpflege genutzt und dabei viel Glück gehabt, es wurde kurzfristig ein Platz frei, denn Wohnheime haben oft jahrelange Wartezeiten, manchmal wird erst ein Platz frei wenn ein Bewohner verstirbt. Das Wohnheim was wir eigentlich im Auge hatten und wo er mehrmals zur Kurzzeitpflege war, konnte unseren Sohn nicht aufnehmen, aber wir fanden ein anderes Wohnheim, 1h entfernt, eine kleine moderne Einrichtung mit angeschlossener Tagesförderstätte. Zum jetzigen Zeitpunkt fand sich in näherer Umgebung keine passende Einrichtung, vielleicht holen wir ihn später mehr in die Nähe.

          Darauf würde ich achten, nicht jedes Wohnheim hat eine Tagesförderstätte angeschlossen, manchmal werden die Bewohner nur betreut, bekommen Therapien nur auf Verordnung. Uns war ein Einzelzimmer für unseren Sohn wichtig, das bietet auch nicht jedes Wohnheim an.

          Ich sehe es wie Uschi, finde es nicht gut, dass Dein Bruder tagsüber dauerhaft zu Hause ist, Deine Mama hat ihr eigenes Leben aufgegeben. Nur Ausflüge, einkaufen usw. reicht nicht, Deine Mama braucht mal Entlastung und Zeit für sich und er könnte gefördert werden bzw. in einer Werkstatt zur Arbeit angeleitet werden, kommt mit Gleichaltrigen zusammen. Wenn Deine Mama kein Auto hat, holt ein Fahrdienst Deinen Bruder ab.

          Unsere Nachbarin fährt ihre Tochter, die auch schon über 30 ist, zu Hause wohnt und im Rollstuhl sitzt, selbst täglich in die Werkstatt und holt sie wieder, es ist aber nicht weit.
          Deine Mama steht sich selbst im Weg, Fahrdienste und Betreuer in Einrichtungen sind in der Lage mit Deinem Bruder zurecht zu kommen, holen ihn pünktlich ab.

          Als unser Sohn noch täglich zu Hause war, haben wir Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege und zusätzliche Betreuungsleistungen genutzt, Deine Mama nutzt nichts davon, kümmert sich nicht um Hilfe und Entlastung. Zufrieden ist sie aber auch nicht, traut wohl keinem anderen die Betreuung zu, oder kritisiert überall nur was und redet Dir noch Schuldgefühle ein. Vielleicht ist sie selbst nicht in der Lage dazu, bräuchte Hilfe um Entlastung zu bekommen?

          Du wirst Dich abgrenzen müssen, vielleicht weniger hinfahren und nur helfen, wenn Du es wirklich selbst willst.

          Du bist 26?
          Du hast schon seit Jahren die gesetzliche Betreuung und machst Dir sehr viele Gedanken um die Zukunft von Deinem Bruder, willst Dir Wohnheime in der Nähe ansehen, Du tust sehr viel und kannst wirklich stolz auf Dich sein. Du musst aber auch an Dein eigenes Leben denken.

          Unser Ältester macht sich mit fast 25 längst nicht so viele Gedanken um seinen Bruder wie Du, das Wohnheim haben wir ausgesucht, haben die gesetzliche Betreuung und er lebt sein eigenes Leben, wird irgendwann eine Familie gründen und zog mit 22 zusammen mit seiner Freundin in die erste eigene Wohnung. Sollte uns was passieren würde er die gesetzliche Betreuung übernehmen, mehr nicht und das erwarten wir auch nicht.

          Hat Dein Bruder eine Pflegestufe bzw Pflegegrad?

          Bekommt Deine Mama schon Rente, oder will sie ihn bis ins Rentenalter hinein, bis sie es selbst nicht mehr schafft, komplett allein betreuen?

          Sie wird nicht jünger, es kommen im Alter gesundheitliche Beschwerden dazu, irgendwann geht es nicht mehr komplett ohne Hilfe.

          Tagsüber könnte sie sofort Entlastung haben, wenn er in einer Werkstatt oder Tagesförderstätte wäre.

          LG
          Anja

          • Hallo,

            er bekommt Grundsicherung und Unterhalt vom Vater. Ansonsten besteht kein Vermögen, auch keine Lebensversicherung o.ä.

            Ich selbst bin jetzt (fast) 30 und mein Bruder wird dieses Jahr 34. Er hat Pflegestufe 1 bzw. jetzt Pflegegrad 2, dies allerdings auch erst seit ca. 2,5 Jahren, da wir nicht wussten, dass ihm das zusteht, das habe ich von einem Autismusverein, an den ich mich damals mal gewandt hatte, erfahren und er hat die Pflegestufe nach Begutachtung auch sofort erhalten.

            Mein Bruder selbst ist natürlich auch eher so, dass er sagt, ihm reicht das, wie es ist und er ist zufrieden, wie es so ist. Er hat irgendwie nicht das Gefühl für Dinge, die ihm Spaß machen (das ist aber wohl auch bedingt durch die Erkrankung) und hat Angst vor neuen Therapieplätzen, neuen Leuten usw., und jedes Mal wenn man ihn fragt ob er irgendwas machen wollen würde (Therapie o.ä.) sagt er natürlich Nein. Bedingt auch durch schlechte Erfahrungen (er meinte mal, dass die in der letzten Werkstatt, in der er war, für seinen schlechten psychischen und seelischen Zustand verantwortlich sind). Vermutlich hängt das aber auch damit zusammen, dass unsere Mutter eben eher ängstlich war/ist in Bezug auf ihn. Früher hatte sie es ja durchaus immer versucht, ihn irgendwo unterzubringen oder anzubinden und irgend etwas war dann halt immer (ob es jetzt berechtigt war oder nicht, kann ich nicht beurteilen).

            Irgendwie hängt es also an beiden, dass sie es so wollen, wie es ist, und ich da schlecht reinbrechen kann und unter Zwang dieses und jenes veranlassen. Auch wenn ich denke, dass du Recht hast, dass sie irgendwie nicht in der Lage ist, Hilfe anzunehmen, ich sehe da jedoch irgendwie kein Durchdringen zu ihr.

            Ich sehe es so, dass mir eigentlich nichts anderes übrig bleibt, als mich schon einmal zu wappnen für das "wenn mal..." und alles schriftlich zu fixieren, was es für Möglichkeiten gibt, ggf. aber tatsächlich mal die beiden zu fragen, ob man nicht einfach mal so das ein oder andere Wohnheim anschauen möchte. Vermutlich wäre es auch gut, wenn ich selbst noch einmal nach evtl. geeigneter Tagesstätten in der Nähe schaue und zumindest mal den Vorschlag mache.

            Ja, und dann bleibt da eben noch der fade Beigeschmack, dass mir ihr Schicksal einfach so an die Nieren geht und es mir für meinen Bruder irgendwie auch so leid tut :/ Obwohl der ja eigentlich immer recht gut drauf ist, halt auch manchmal genervt von ihr wenn sie ihn zutextet oder so.

            Sie erhält übrigens noch keine Rente sondern auch Sozialleistungen. Vermutlich möchte sie es bis ins Rentenalter machen, sie denkt halt irgendwie, sie schafft das.

            Ich danke dir jedenfalls für deine Berichte, da sind wirklich gute Tipps dabei, wie man etwas handhaben könnte, das werde ich für mich auf jeden Fall schriftlich in meinem Ordner festhalten :)

            • Hallo,

              Du hast sogar die Pflegestufe beantragt, darum hat sich Deine Mama auch nicht gekümmert, Hut ab was Du alles in die Hand nimmst und für Deinen Bruder regelst.

              Eigentlich müsste Deine Mama dankbar sein, sie hat wohl selbst große Probleme und bräuchte Hilfe, anders kann ich es mir nicht erklären, das ist kein gesundes Eltern-Kind-Verhältnis.

              Hat Dein Bruder einen Schwerbehindertenausweis?

              Gerade wenn sie viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, lässt sich damit allerhand Geld sparen. Dein Bruder braucht eine Begleitperson, ist sicher nicht in der Lage allein irgendwo hin zu fahren, allein sicher hin und wieder zurück zu kommen.

              Eintritt in öffentlichen Einrichtungen wird damit auch günstiger, oft zahlt der Behinderte gar nichts oder weniger, oder die Begleitperson ist frei, das ist nicht überall gleich.

              Als unser Sohn 1,5 Jahre alt war hatten wir eine Beratung beim sozialen Dienst in einer Kinderklinik, dort wurde uns geraten eine Pflegestufe und einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen.
              Dein Bruder hat Pflegegrad 2, am besten lässt Du Dich, oder zusammen mit Deiner Mutter mal beraten, was Ihr noch beantragen könnt. Pflegedienste bieten Beratung an, ansonsten vielleicht nochmal über den Autismusverein.
              Mit Pflegegrad 2 könntet Ihr wie ich schon schrieb Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege und zusätzliche Betreuungsleistungen nutzen.

              Wenn Du bei Deiner Mama auf taube Ohren stößt, weil sie die Lage nicht erkennt und sich verschliesst, wäre es gut wenn ihr jemand anderes Hilfsangebote erläutern würde.
              Sie scheint in ihren Strukturen gefangen zu sein und nicht allein da raus zu kommen.

              Der Freibetrag beim Vermögen ist 2600€, wenn Dein Bruder Grundsicherung bekommt, da wird der Unterhalt mit reinzählen, Kindergeld müsste Deine Mama auch für Deinen Bruder bekommen, das zählt auch mit rein. Pflegegeld wird nicht angerechnet, deshalb müsstest Du Dich vielleicht noch mal einlesen oder beraten lassen.
              Auf Kindergeld haben Erwachsene mit Behinderung weiterhin Anspruch.

              Lese wirklich mal bei Rehakids, dort findest Du sehr viele Infos.

              LG
              Anja

              • Hey

                ja das Betreuungsgeld beantrage ich jedes Jahr :) Hmmm also das mit der Pflegestufe, ja das wusste sie einfach nicht...ich weiß nicht, mein Bruder ist ja nun schon bald 34, vielleicht war die Beratung damals auch einfach nicht gut, und ihr wurde vieles nicht gesagt...sie wurde als er ein kleines Kind war und sie schon einen "Verdacht" hatte wohl auch von den Ärzten immer eher ausgelacht und als hysterisch abgetan, dass er nicht behindert sei usw. Bei ihm steht halt die psychische Behinderung klar im Vordergrund, aber er ist ja trotzdem sehr hilfebedürftig und eben behindert.

                Einen Behindertenausweis hat er schon immer (bzw. seitdem ich denken kann), auch eine kostenlose Fahrkarte. Kindergeld bekommt er natürlich auch :)

                Das stimmt, sie ist gefangen und hat selbst sehr große Probleme und ist vermutlich viel selbst mit sich beschäftigt innerlich. Je mehr ich das bzw. die vergangenen Jahre reflektiere, umso klarer wird es auch für mich. Ich finde es nur sehr traurig, einerseits für meinen Bruder, weil gerade er als besonderes Kind ein stabiles Umfeld bräuchte, und natürlich auch für sie selbst, da sie ja auch nichts dafür kann, so dem Grunde nach :/

                Ich werde mich wohl wirklich von der Pflegekasse noch mal gescheit beraten lassen, du hast Recht vielleicht würde sie auf so eine Hilfe von außen sogar mehr die Ohren öffnen und etwas annehmen.

                • Hallo,

                  Früher gab es viel weniger Möglichkeiten an Infos zu kommen, sich auszutauschen und Hilfe zu holen, das stimmt wirklich.
                  Als unser Sohn noch sehr klein war gab es noch kein Internet, erst als er dann im Schulalter war, wir hätten es gleich von Anfang an gebraucht, die ersten Jahre fehlte es und wir waren auf uns allein gestellt.
                  In der heutigen Zeit haben es Eltern mit behinderten Kindern deutlich leichter, sofern sie sich austauschen wollen und sich belesen wollen, was ihnen zusteht.

                  Aber alle nutzen es heute auch nicht, manche können damit nichts anfangen und bräuchten eher eine Beratungsstelle die sie aufklärt, jemanden der sie an die Hand nimmt und sich Zeit nimmt, Selbsthilfegruppen die es nicht überall gibt, usw.
                  Oder sie verschließen sich lange komplett davor, wollen nicht wahrhaben dass sich ihr Kind anders entwickelt, wollen von Pflegestufe, Hilfsmitteln usw. nichts hören, das gibt es auch.

                  Ich habe mehrmals bei Kuren Mütter kennengelernt, deren Lebensinhalt nur noch das behinderte Kind war, die sich keine weiteren Kinder mehr zugetraut haben, die keinen Job mehr ausüben, wo die Ehe gescheitert war..., jeder geht anders damit um, viele Ehen zerbrechen daran.

                  Mit Ärzten haben wir auch negative Erfahrungen gemacht, es kommt ganz drauf an wen man gerät.

                  Hat Deine Mama einen Hausarzt, den Du vielleicht mit ins Boot holen könntest?

                  Ansonsten wäre wirklich eine Beratung über einen Pflegedienst mal gut.

                  LG
                  Anja

                  • Nein leider keinen Hausarzt, bzw. mein Bruder hat seit ca. 2 Jahren wieder einen, da er inzwischen Medikamente bekommt. Aber auf den würde sie bestimmt nicht hören, ich kenne meine Mama, wenn da jemand kommt mit 'sie wird auch immer älter usw.' ist der ziemlich schnell unten durch :D

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