Mein Papa im Hospiz- wie Kinder mit einbeziehen?

    • (1) 13.02.17 - 14:04

      Hallo ihr Lieben,

      mein Papa ist schwer krebskrank,unheilbar,austherapiert.
      Seit heute ist er im Hospiz.
      Ich liege grade auf seinem Bett und er schläft neben mir im Sessel...

      Es ist alles so verdammt schwer, meine Mama leidet auch wie ein Hund...

      Jetzt die Frage an euch- wie habt ihr eure Kinder in sowas mit einbezogen?

      Mit den Großen (fast 16 u 18) spreche ich sehr offen,aber ich möchte sie nicht überfordern...

      Und der Kleine wird 9...

      Sollen die Kinder ihn besuchen?
      Eher nur die Großen?

      Ich habe so Angst da jetzt was ganz falsch zu machen....Außerdem bin ich seit diesem WE selbst arg angeschlagen..

      Wer hat Erfahrung oder eine Idee oder so?

      Sorry falls das verworren klingt...ich steh echt neben mir

      Es ist so ein schweres Thema...und mein Kopf ist so voll :-(

      Danke und GlG
      Lulu

      PS

      Bitte nicht böse sein falls ich nicht sofort antworte...ich antworte so wie es die Situation zulässt wenn das ok ist

      • Hallo Lulu,

        es tut mir wirklich sehr leid für dich und deine Familie, dass ihr so eine Situation durchmachen müsst #liebdrueck Leider habe ich Erfahrung damit. Als meine Omi die letzten Tage ihrer Krebserkrankung durchmachen musste, hat das die ganze Familie sehr mitgenommen. Ich kann dir nur raten, deinen Kindern weder etwas aufzuzwingen noch ihnen zu verbieten dabei zu sein. Ich hätte es meiner Mutter sehr übel genommen, wenn sie versucht hätte mich der Situation fernzuhalten. Meine Schwester hingegen wollte lieber von allem nichts hören und sehen sondern allein trauern. Du schreibst, dass ihr offen sprecht, das ist meiner Meinung nach auch richtig so. Vielleicht gibt es in der Einrichtung therapeutischen Beistand, an den du dich wenden kannst? Das hat uns teilweise sehr geholfen.

        Ich wünsche dir und deiner Familie viel Kraft und alles Liebe #blume

        Frage die Kinder, was sie möchten und dann respektiere, was sie sagen. Nicht zwingen.

        Kinder haben allerdings meist einen pragmatischeren Umgang mit Tod.
        Der Sohn meiner Freundin (damals 4) war immer mit im Hospiz. Er wußte, dass die Oma ein kaputtes Herz hat und man das nicht mehr reparieren kann, man kann nicht sagen, wie lange das Herz noch arbeitet. So hat er es immer erzählt.

        Also frage, erkläre, was Hospiz ist (die Großen werden es wohl wissen) und frage, ob man den Opa besuchen möchte.

        (4) 13.02.17 - 14:31

        Hallo,

        lass dich mal drücken #liebdrueck
        Gegenfrage: Was sagen denn die Kinder dazu? Möchten sie den Opa gerne nochmal sehen, besuchen? Wenn ja, dann würde ich dem keinesfalls entgegensteuern. Wenn sie sich unsicher sind, würde ich sie wohl eher dazu ermutigen, den Opa nochmal zu besuchen, denn das lässt sich dann i-wann nicht mehr nachholen.

        Ich weiß nun nicht wie intensiv das Verhältnis bisher war - grundsätzlich tendiere ich eher dazu, den Opa zu besuchen, sich zu verabschieden.

        Ich glaube, einem 9jährigen kann man kindgerecht durchaus erklären, wie es um den Opa steht und dass er dieses Zimmer wohl nicht mehr verlassen wird, nicht mehr nach Hause kommen wird.

        Meine Oma ist vor zwei Jahren verstorben. Ich habe sie in den letzten Stunden noch besucht, alleine. Sie war sehr lange dement, erkannte meine Kinder längst nicht mehr, fragte auch nicht danach - sie existierten in ihrer Erinnerung nicht (mehr). Da wären sie als Fremde neben dem Krankenbett gestanden - das wäre eher Streß für alle gewesen.
        LG

      • (5) 13.02.17 - 14:40

        Hallo!

        Also ich habe die Situation so erlebt. Meine beste Freundin lag auch leider 4 Wochen im Hospiz bis sie starb. Ihre drei Kinder waren damals 12,10 und 8. Sie besuchten ihre Mama sehr oft. Sie wurden kindsgerecht über deren Krankheit samt Verlauf aufgeklärt was ich sehr wichtig finde. Ich erlebe immer wieder dass Kinder mit dem Thema Tod sehr toll umgehen können. Man darf selber davor nicht so Angst haben. Wir sind leider auch Betroffene. Wir haben unsere erste Tochter verloren. Es ist das schlimmste was uns passiert ist. Wir haben unseren zwei Kindern vieles über ihre Schwester erzählt und sie gehen so liebevoll damit um. Sie malen für sie, haben Briefe geschrieben, etc. Ich denke da muss man einfach jeden Tag aufs neue schauen wie es Opa geht und man muss ja nicht stundenlang mit den Kindern dort sein. Aber sie ganz ausschließen wäre ich glaube ich falsch. So können auch sie Abschied nehmen.

        Alles Liebe
        Gabi

        Hallo!
        Ich war 12, als mein Onkel an Krebs gestorben ist. Es war für mich ganz schlimm, dass ich ihn in den Monaten vorher nicht mehr besuchen durfte. Meine Eltern wollten meine Brüder und mich unbedingt schützen, aber dadurch war es für uns total irreal, nicht greifbar, und ja, ich hätte mich gerne von ihm verabschiedet.

      • (7) 13.02.17 - 14:54

        Hallo,
        deine Kinder sind alle in einem Alter, wo sie es selbst entscheiden können, ob-, wie oft-, oder überhaupt sie den Opa besuchen und begleiten möchten.

        Überlasse jedem selbst die Entscheidung.
        Viel Kraft euch allen #liebdrueck

        Klingt jetzt bestimmt makaber, aber ihr seid in einer recht günstigen Situation, nämlich, dass ihr eure Kinder darauf vorbereiten könnt. Es gibt ganz gute Kinderbücher, aber ich denke, dass alle deine Kinder aus diesem Alter bereits heraus sind. Ich würde, so schlimm es auch für dich ist, alle Kinder, so sie denn wollen, einbeziehen und absolut mit offenen Karten spielen. Dein Papa wird sterben, ihr könnt euch aber darauf vorbereiten und dein Papa freut sich sicher auch, seine Enkel noch ein paar Mal zu sehen. Bitte macht das beste aus der Situation und erfreut euch an jeder Minute, die euch noch gemeinsam bleibt. Ansonsten kann ich euch auch die Familiengruppen empfehlen, die eigentlich immer in Hospizen anzutreffen sind, so dass die Kinder merken, sie sind nicht allein und können sich mit anderen Leidensgenossen austauschen, bei Bedarf. Frag mal die Pflegedienstleitung. Ich wünsch euch ganz viel Kraft und trotz allem noch tolle Tage mit deinem Papa/eurem Opa.

        Hallo!
        Als es bei meiner Mutter soweit war, sind wir sie alle nochmal besuchen gegangen, zu dem Zeitpunkt war sie allerdings noch zuhause.
        Ich hatte Bammel das die Kinder total schockert waeren von ihrem Aussehen (als die Katze operiert worden ist, fanden sie sie ekelig und wollten sie nicht mehr) - aber bei dem Besuch war alles wie sonst auch. Die beiden waren 7&9. Ich hab ihnen erklaert dass die Oma anders aussehen wird und so, aber das hat sie nicht gestoert. Ob es ihnen wichtig war, weiss ich nicht, aber fuer meine Mutter hat es viel bedeutet.
        Alles Gute

        (10) 13.02.17 - 16:16

        Hallo, wie der Alltag in einem Hopspiz ist, weiß ich nicht. Meine Mutter durfte damals zu Hause sterben. Die Kinder haben den Krankheitsverlauf komplett mitbekommen.
        Zu dem Zeitpunkt waren meine Nichten 10 und 20, mein Neffe (da 18) hat sich fern gehalten, er konnte es einfach nicht ertragen. Die Mädels waren immer dabei. Die Große wollte unbedingt richtig helfen, ich wollte das erst nicht, ich wollte sie auch nicht überfordern. Sie wurde richtig böse, da habe ich nachgegeben. Ich musste erst verstehen, das auch sie einfach ihrer geliebten Oma etwas zurückgeben wollte. Und sie war eine echte Unterstützung. 10 Jahre später sagt sie ganz klar, wenn ich sie nicht gelassen hätte, dann hätte sie mir das nie verziehen. Es war einfach ihr Herzenswunsch, wenn auch ein wirklich krasser für ihr Alter.
        Die Kleine hatte etwas Berührungsängste am Anfang und wollte nicht alleine mit ihrer Oma sein, aber auch sie ist heute glücklich, das sie sich überwunden hat und das ich sie dabei unterstützt habe.
        So heftig diese Zeit damals war, eine Szene hat sich so in mein Gehirn gebrannt, als wundervolle Erinnerung. Meine Mutter im Bett (keine Ahnung ob sie überhaupt noch etwas davon mitbekommen hat), auf der einen Seite die Kleine und liest ihr aus der "Neuen Post" (Omas Lieblingszeitung) etwas vor. Und die Große hat ihr "die Nägel gemacht", ja Sterben kann länger dauern und die Nägel wachsen halt weiter. Meine Mutter hat immer lange, gepflegte Fingernägel gehabt. Ich nie und war dementsprechend echt überfordert, meine Nichte war in ihrem Element;-). Nur beim Nagellack habe ich sie dann gebremst, das fand ich irgendwie unpassend, es wurde dann Klarlack. Diese, für Außenstehende eigentlich völlig absurde Szenerie, war voller Liebe, Fürsorge und Dankbarkeit. Ich kann das nicht richtig in Worte fassen, es war so ruhig, so entspannt, diese ganze Stimmung.
        Was ich damit sagen möchte, zerbrich dir nicht den Kopf deiner Kinder, sie wissen was sie sich zutrauen wollen und können. Geht es um "Berührungsängste" weil es eine fremde Situation ist, da kannst du sie unterstützen. Mein Neffe konnte ja nicht zu ihr, er wollte "die starke Oma" in Erinnerung behalten, sie so einfach nicht sehen. Auch das haben wir alle akzeptiert.

        Viel Kraft für die nächste Zeit.

        Hallo.

        Also wir waren vor zwei Jahren in dieser Situation als mein papa nach langer Krankheit verstorben ist. Und mein Sohn heute 4 war jeden Tag mit im Krankenhaus bei seinem Opa. Bis zu dem Zeitpunkt wo es ganz klar war das der Opa im sterben lag da habe ich gesagt das soll er nicht sehen. Er liebt seinen Opa im Himmel heute noch abgöttisch und redet jeden tag von ihm.

        Ich finde du solltest deine Kinder entscheiden lassen und offen mit ihnen reden. Ich durfte mich von meinem Opa damals nicht verabschieden und heute finde ich es sehr traurig.

        Meine Enkelin hat mit 4 Jahren den ersten Opa schwerkrank und sterbend erlebt und mit 8 Jahren den zweiten Opa, meinen Mann. Da sass sie in der Küche und malte, als er im Schlafzimmer für immer einschlief. Wir haben sie immer mit einbezogen, weil der Tod zum Leben einfach dazu gehört. Wenn Deine Kinder einen guten Kontakt zu den Grosseltern haben, dann schliesse sie bitte nicht aus. Kinder sehen das unverkrampfter als Erwachsene, meine Enkelin wollte sogar die Urne aussuchen, und das durfte sie auch. Sie hat ihm noch ein wunderschönes Bild gemalt, welches sie ihm mitgegeben hat. Es ist schlimm und traurig, aber auch nach heutiger Sicht haben wir es richtig gemacht. Heute geht sie sogar alleine "die Opas giessen". Ausschliessen schürt Ängste, das muss nicht sein.
        Ich wünsche euch als Familie ganz viel Kraft und alles Liebe. LG von Moni

        Hallo,

        das Hospiz ist ja nicht nur für die Sterbenden gedacht, sondern auch für die Familie und deren Trauerarbeit. Ich würde einfach mal fragen gehen, es gibt sicherlich jemanden, der dir Tipps geben kann, wie du mit deinen Kindern am besten umgehst. Kinder wissen oft nicht, was sie in der Situation machen sollen und entscheiden vielleicht falsch, was sie später bereuen, oder muten sich zu viel zu.

        Nehmt unbedingt die Angebote des Hospizes in Anspruch, dafür ist es ja da. Ihr seid nicht alleine!!

        Lg und ganz viel Kraft #klee#liebdrueck

        Liebe Lulu!

        Erstmal tut es mir sehr leid, dass ihr als Familie und dein Papa das durchmachen müsst, dass ihm nicht mehr geholfen werden kann, er nicht wieder gesund wird. Ich hoffe es geht ihm - und euch - nun trotzdem gut mit der Entscheidung für die Betreuung im Hospiz und er wird dort gut versorgt. Ich wünsche Euch viel Kraft für die kommende Zeit!

        Meine Tochter ist zwar erst 1,5 Jahre alt aber ich arbeite selbst auf einer Palliativstation. Ich finde es enorm wichtig, Kinder in so eine außergewöhnliche Lebenssituation einzubeziehen, Fragen offen und ehrlich zu beantworten und sie an der Trauersituation teilhaben zu lassen, solange und so oft sie es möchten.

        Eine Mama oder Oma kann auch mal sehr traurig und verzweifelt sein oder weinen und das dürfen Kinder auch sehen und spüren, solange du sie aufklärst warum das so ist. Und ich finde sie dürfen auch wissen, dass Opa sehr krank ist und vielleicht bald nicht mehr da ist, eine Reise zum Himmel macht, für immer schläft, stirbt oder je nachdem wie ihr es verpacken möchtet bzw die Kinder es verstehen.

        Es gibt auch in manchen (ambulanten) Hospizen Trauerbegleiter speziell für Kinder, vielleicht würde euch so eine Unterstützung helfen? Meist sind diese sogar ehrenamtlich!

        Eine Kollegin und später Freundin ist vor ein paar Jahren bei uns auf Station verstorben, ich habe sie und ihre kleinen Kinder begleitet. Sie kamen fast jeden Tag zu Besuch, durften auch mal über Nacht bleiben. Als sie verstarb, waren sie nicht dabei (sie wollte das nicht) wenn ich mich richtig erinnere, kamen aber zeitnah nach. Sie durften sich verabschieden und waren sogar bei der Umbettung in den Sarg dabei (den sie ein paar Tage zuvor mit der Trauerbegleiterin bunt bemalt hatten). Das war ein sehr wichtiger Prozess - für alle!

        Wichtig wäre vielleicht auch deinen Papa zu fragen, wie er das alles sieht und sich wünscht (falls er offen darüber sprechen kann und möchte). Dh ob und wie oft er seine Enkelkinder sehen und dabei haben möchte, auch später wenn es ihm zB schlechter geht, er vielleicht nicht mehr wach ist.

        Ich hoffe ihr findet einen Weg, der es euch allen einfach macht, damit umzugehen und könnt die gemeinsame letzte Zeit im Hospiz zusammen genießen!

        Alles Liebe!!

        (15) 14.02.17 - 16:37

        Hallo!

        Wie die meisten anderen hier schon schreiben. Frag dein Kind!

        Ich arbeite in einem Hospiz und kenne noch ein paar von innen. In jedem Hospiz gibt es ein Wohnzimmer, einen Raum der Stille und/oder ähnliches. Wer es in dem Patientenzimmer nicht mehr aushält, kann sich überall eine Auszeit nehmen. Auch und gerade die Kinder.

        Ich kann dir aber sagen. Kinder können Sterbebegleitung besser als Erwachsene.

        Neulich erlebte ich was Lustiges: Ich habe eine Patientin gebadet. Vom Bett mit Lifter in die Wanne. Jede Dame ist körperlich sehr beeinträchtigt, im Kopf eher weniger. Außerdem ist die echt witzig und für jeden Spaß zu haben.

        Und als sie so in der Wanne lag, klopfte es an die Tür und zwei Kinder steckten ihren Kopf rein: "Wir wollen sehen, wie Oma gebadet wird!"

        Oma sagte: "Jo, kommt rein!"
        Die Kinder lachten sich halb schlapp und fanden, dass das aussähe als ob sie in einer Spülmaschine läge. Großes Gekicher, Kinder ab. Alle hatten Spaß, auch die Kollegen auf dem Flur und die Eltern der Kinder.

        Die zahlreichen Kinder und Enkelkinder dieser Frau sind oft da und weil das Zimmer dafür manchmal zu klein ist, rennen die eben über den Flur, holen sich bei uns Stifte und Papier und sitzen malend im Wohnzimmer oder so. Traurig oder unglücklich oder überfordert ist da keiner, am wenigsten die Kinder. Und weil immer viele da oder zumindest erreichbar sind, sind die traurigen, ängstlichen Phasen bei der Patientin eher kurz und schnell vorbei. Sie fühlt sich sehr geborgen, glaube ich.

        Andersherum gibt es viele Erwachsene, die der Situation nicht gewachsen sind. Die bleiben dann eben weg oder verbringen mehr Zeit rauchend auf dem Balkon las im Zimmer. Ist auch okay.

        Es gibt eigentlich kein Richtig oder Falsch, aber es gibt ein "Ich habe es noch nicht mal versucht". Du musst dir gar keinen Kopp machen, lass deine Kinder entscheiden. Die Leute, die da im Hospiz arbeiten, egal ob haupt- oder ehrenamtlich, kann man ebenfalls IMMER ansprechen, um Rat fragen oder sich da ausheulen. Isso.

        LG

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