Geschockt vom Leben meiner Schwester

    • (1) 30.03.17 - 13:06
      Inaktiv

      Hallo,

      Ich muss mal meinen Schock niederschreiben.

      Habe letztes Wochenende endlich mal wieder meine Schwester besucht, die immerhin 300 km entfernt wohnt.

      Meine Schwester ist ein wenig älter als ich und hat bereits 4 Kinder, das Älteste ist 12 Jahre, das Jüngste 1,5 Jahre alt.

      Ihr Mann war vorher beim Bund und hat sehr gutes Geld verdient. Da er dadurch aber selten zu Hause war und mehr Zeit für die Familie wollte, beschloss er eine Ausbildung zu machen. So wäre er auch immer abends zu Hause.

      Während der Ausbildung bekommt er noch sein Gehalt vom Bund. Nun hat er erfahren, dass, wenn er diesen Sommer auslernt, er einen Nettolohn in Höhe von 1500 Euro bekommt ( zum Vergleich, Lohn vorher vom Bund: 4000 Euro netto)! Und ist natürlich total geschockt! Er dachte, er würde dauerhaft den gleichen Lohn erhalten wie beim Bund.

      Sowas weiß man doch vorher??? Oder man informiert sich doch vorher?

      Er ist jetzt verständlicherweise ängstlich und weiß nicht, wie er alles bezahlen bzw. überhaupt leben soll. Meine Schwester erhält noch bis Sommer Elterngeld i.H.v. 150 Euro, dann ist das auch weg.

      Insgesamt hätten sie mit Kindergeld ( aber ohne Elterngeld) knapp 2300 Euro netto und das für 6 Personen!

      Die Wohnung alleine weiß ich noch kostet um die 1000 Euro. Und dann noch Lebensmittel, Auto, Versicherungen, usw, ich mein das sind doch Kosten, die kommen mit der Summe doch im Leben nicht aus, oder irre ich mich da?

      Damit er noch etwas Geld dazu holt, ist er seit knapp einem Jahr nebenbei am Wochenende arbeiten auf Minijob Basis.

      Wo ich nun denke, jetzt hat er genau den gleichen Schlamassel wie vorher und ist nie zu Hause. Eigentlich wollte er mit der Ausbildung doch das Gegenteil bezwecken? Hätte er nicht lieber beim Bund bleiben sollen?

      Ich meinte dann zu meiner Schwester, sie muss dann auch ran und arbeiten gehen, wenigstens auf Minijob Basis.

      Dann der Schock: Sie wünscht sich noch ein 5. Kind!

      Ich sagte nur, geht's dir noch gut, hast du eure Finanzen mal überdacht? Soll dein Mann sich tot schuften? Darauf sie nur " Joa, es sind Tarifverträge, er bekommt ja nicht ewig seine 1500, in einem Jahr hat er wieder 100-200 Euro mehr." Ob brutto oder netto hatte ich nicht mehr nachgefragt.

      Also ich bin wirklich sprachlos gewesen und bin es immer noch. Was soll ich dazu noch sagen?
      Da sie relativ früh Mutter wurde, hat sie keine Ausbildung, aber auf Minijob oder Teilzeit findet man doch immer was, oder?

      Wie kann ich sie dazu überzeugen auch zu arbeiten oder ihr wenigstens den 5. Kinderwunsch ausreden?

      Ich weiß nicht wirklich, was ich von euch hören möchte, vielleicht einen Rat, aber es tat gut es mal aufzuschreiben.

      Danke fürs Lesen!

      • "Wie kann ich sie dazu überzeugen auch zu arbeiten oder ihr wenigstens den 5. Kinderwunsch ausreden?"

        Warum solltest Du das tun? Wenn Deine Schwester ein 12jähriges Kind hat, wird sie über 18 sein und damit lange erwachsen. Und sie und ihr Mann haben sicherlich ein Recht auf die eigene Lebensplanung.

        Du kannst ihr sagen, dass Du die Idee nicht so gut findest, was Du ja bereits getan hast. Aber wenn sie Dich nicht um Rat bittet, misch Dich nicht ein. :-)

        >> Wie kann ich sie dazu überzeugen auch zu arbeiten oder ihr wenigstens den 5. Kinderwunsch ausreden? <<

        Leider gar nicht. Sie ist erwachsen (zumindest ihrem Ausweis nach) und kann so selbst entscheiden, was sie macht und wie sie etwas macht.

        Streng genommen gehen dich die Finanzen deiner Schwester nicht einmal etwas an, auch wenn die Konstellation schon seltsam anmutet... Auch kann ich nicht recht glauben, dass der Mann tatsächlich 4 TEUR Netto bezogen hat. Ich habe etwas Einblick und man muss für dieses Gehalt schon eine entsprechende Position haben. Wenn man diese Positionen innehat, weiß man aber eigentlich auch, dass die Gehälter nach den Übergangsgebührnissen sich an der freien Marktwirtschaft orientieren. Also das passt einfach nicht so zusammen.

        Die beiden müssen leider miteinander zurechtkommen und zusehen, wie sie ihr Leben regeln. Du kannst - außer gut zureden - nicht viel machen.

        • Ich denke mal, da hat er alles zusammengerechnet, Übergangsgebührnisse UND Abfindung und vielleicht noch den Lohn, den er schon erhalten hat. Es gibt Betriebe, die zahlen während der Ausbildung eines Soldaten im BFD nichts (weil er ja vom Bund Geld bekommt) und andere, die doch etwas zahlen. Bleibt dem Betrieb überlassen.
          Das Bruttogehalt eines Feldwebels sind ca. 2.500 Euro.....könnte somit hinkommen.
          Als Soldat auf Zeit für 8 Jahre (als Beispiel) bekommt er das 6fache seiner letzten Bezüge als Übergangsbeihilfe(Abfindung) und 21 Monate Übergangsgebührnisse, also Zeit und Geld genug, um für später genau zu planen.

          Es gibt aber immer wieder welche, die alles raushauen - und dann sogar in H4 abrutschen!
          Da hält sich mein Mitleid allerdings sehr in Grenzen.
          LG Moni

      Wie findetsie denn dein Leben?
      Bewertet und verurteilt sie dich auch?

      Oder bist du der bessere Mensch, weil es in deinem Leben glatter, geplanter, struckturierter zugeht, als im Leben deiner Schwester und ihres Mannes?

      "Sowas weiß man doch vorher??? Oder man informiert sich doch vorher?"
      Das KANNman vorher wissen und man KANN sich vorher informieren.
      Aber manchmal hat man das in dem Moment nicht im Kopf , sondern entscheidet sich für eine Ausbildung die man für machbar, für familienfreundlich, für interesssant hält....
      Es ist vergossene Milch!

      Als Schwester mußt du das was deine Schwester tut nicht gutheißen, aber akzeptieren.
      Sie muss nicht deine Werte und Definitionen von Glück, Leben usw teilen und leben um respektvoll von dir wahrgenommen und behandelt zu werden.
      Gut die finanzielle Situation ist nicht optimal um ein gutbürgerliches Leben zu leben.

      Als Schwester hättest du mit deinem Wissen hilfreiche Anregungen geben können.
      Z.B "nun hat sich eure finanzielle Situation auf längere Zeit geändert, dann sollten "wir" mal schauen wie ihr euren Lebensstandart dementsprechend anpasen könnt. Wenn ich helfen kann, ruft an."
      z.B eine neue günstigere Wohnung
      ggf Verkauf des Autos und informieren über Monatskarten.
      - Informationen über Zuschüsse zur Wohnung, zur Monatskarte, Kitabeiträge.
      - Versicherungen durchschauen und ggf beitragsfrei stellen lassen, oder kündigen und nur wichtige Versicherungen bestehen lassen usw...

      Über den Wunsch wegen des weiteren Kindes würde ich mir gar keinen Kopf zerbrechen, denn das wäre ja nicht meine Baustelle.
      Mir ist jeder Neffe und jede Nichte recht und wenn mein Bruder Hilfe braucht , dann helfen wir wenn wir können und umgekehrt auch.
      Und mein Bruder findet auch nicht alles gut, was ich tat und tue.

      Hilfe zur Selbsthilfe ist besser als sich über jemanden aufzuregen.
      Sei froh, dass es dir offensichtlich im finanziellen Bezug gut bist und nicht vor der Situation stehst.
      (und dabei ist es egal ob selbstverschuldet oder nicht)

      Karna

      (6) 30.03.17 - 15:46

      Hallo,

      das ist das Leben deiner erwachsenen Schwester, akzeptier doch einfach, dass sie so lebt wie sie lebt.

      Meine Schwester lebt z. B. in der Schweiz, hat 2 Kinder und einen Mann, der arbeitet.
      Sie arbeitet nicht, weil sie sagt, dass es ihr "Bauchschmerzen" macht. Heißt nach ihrer eigenen Aussage die ganze Welt ist böse und jeder will ihr nur Böses, daher arbeitet sie nicht. Beschwert sich aber bei mir über das ach so teuere Leben in der Schweiz.

      Gut, was soll ich sagen, ich höre zu und gebe keine Ratschläge.
      Wenn sie nicht arbeiten will...

      LG

    • Es ihr Leben, ihr Geld (oder zumindest das ihrer Familie).

      Der Anfang ist hart, aber vielleicht finden sie ja eine Lösung.
      Ich kenne Menschen, die viel Geld verdienen - und Schulden machen, weil sie so gar nicht damit umgehen können

      und andere, die sehr wenig Geld haben, mehrere Kinder und gut über die Runden kommen. Auch ohne sich kaputt zu schuften.

      Dass der Mann erst mal Angst hat, ist klar. Aber wenn er rechnen kann, wird er schon einen Weg finden. Ausgaben überdenken, berechnen was machbar ist, was wirklich! gebraucht wird usw.
      ist halt erst mal eine Umstellung.

      So lange deine Schwester dich nicht dauernd um Geld anpumpt (was auch bei viel Kohle des Mannes möglich wäre) , geht es dich nichts an.

      Wenn sie dir soooooo sehr am Herzen liegt,
      dann hilf ihr dabei auszurechnen, was sie brauchen. Davon hätte sie langfristig mehr.

      Und NEIN, auf Mini-Job-Basis oder Teilzeit findet man NICHT immer was!
      ich selbst habe noch mal die Schulbank gedrückt, um einen Teilzeitjob zu bekommen. Warum, weil ich es möchte. Teilzeit nachmittags wird eher angeboten. Bringt mir aber nix, wenn ich durch Kind lieber morgens arbeiten möchte.

      Und Mini-Jobs? nun ja, kommt auf die Region an. Aber auch die sind rar.

      Dein Schwager braucht in keinster Weise geschockt sein. Bei seinen Beratungen beim Berufsförderungsdienst der Bundeswehr hat man ihm genau gesagt, was ihn erwartet. Genau das habe ich 10 Jahre lang gemacht. Detailliert, Übergangsgebührnisse, wie man sich zu versichern hat, alles.Die Herren wissen auch, welches Gehalt sie NACH den Übergangsgebührnissen erwartet im jeweiligen Beruf. Notfalls muss man sich dann eben einen anderen Job suchen. Sollte er nicht zu den Beratungen gegangen sein (wird man mehrfach eingeladen, persönlich!!) ist er selber schuld, das ist an Dussligkeit kaum zu überbieten. Entschuldige, aber ich habe in den 10 Jahren hunderte Soldaten vor mir sitzen gehabt, da war keiner so dumm, dass er nicht verstanden hat, dass die Übergangsgebührnisse wegfallen, das sagt ja schon der Name! Wieso willst Du das Leben Deiner Schwester regeln? Die sind doch beide alt genug und gescheit genug, wenn sie noch ein 5. Kind wollen mit dem Lohn, na, dann wird er schon reichen. Wie ich die beiden einschätze aus Deinem Posting, lassen die sich von Dir eh nichts sagen. LG Moni.

    (10) 30.03.17 - 18:34

    Hallo!

    Genau solche Menschen wie du gehen mir auf den Keks. Was geht dich dein Leben deine Schwester an? Jeder darf und soll leben wie er/sie es will. Und wenn sie 10 Kinder kriegt ist es ihre Sache. Ich habe auch solche Menschen wie dich in der Verwandtschaft und finde sowas unmöglich sich in Sachen einzumischen die sie gar nichts angehen. Habt ihr kein eigenes Leben. LEBEN UND LEBEN LASSEN

    Gabi

    Geschockt wäre ich auch denn so naiv kann man an sich kaum sein, aber offenbar doch.

    Wobei es, so leid es mir für dich tut, die Sache deiner Schwester ist. Du wirst es nicht ändern können. Es ist und bleibt deren Leben auch wenn du zuschauen musst.

    Allerdings gehören hier auch immer 2 Leute dazu, nicht nur deine Schwestern sondern eben auch dein SCHWAGER!!! Der ist nämlich auch involviert. Und wenn er mitmacht und zuschaut dann wirst du erst recht nichts ändern können. Jedenfalls in Sachen Kinder! Oder er muss mehr auf die VErhütung achten.

    Das sich die beiden nicht vorher vernünftigt informierten wegen dem Verdienst nach dem Bund ist deren Sache und ich kann mir nicht vorstellen das sie das nicht wussten. Da wurde bestimmt vorher aufgeklärt und man hat wieder nicht richtig zugehört!

    Nun sind sie für ihr Leben selbst verantwortlich. Und wenn man inzwischen weiß man verdient weniger und will noch weitere Kinder, hmmm nicht ganz gscheit aber ist eben so.

    Lass sie ihr Leben leben aber beschweren brauchen sie sich auch nicht würde ich sagen. ES geht dich eben nichts an.

    Liebe Grüße Ela

    Ich kann deine Sorge verstehen, aber sie kennen ihre Fakten. Entweder stark einschränken, Schwester mit zuverdienen oder zurück zum Bund.
    Du hast deiner Schwester deine Besorgnis mitgeteilt, mehr kannst du und solltest du nicht tun. Es ist ihr Leben.

    Ganz brutal gesagt: wenn der Gehaltsunterschied gepaart mit der Naivität von beiden wirklich stimmen sollte, dann ist es schon völlig egal ob 4 oder 5 Kinder - da wird es so oder so gewaltig rasseln.

    Haben die beiden Ersparnisse?

    LG

    (14) 30.03.17 - 23:13

    Hallo!

    Ich verstehe gut, was du meinst. Ich bekomme direkt heftig Mitleid mit den Kindern. Ich komme aus einem Haushalt, wo das Geld viel zu knapp war bzw Prioritäten falsch gelegt wurden. Stimmt. Ich hatte immer Kleidung. Aus dem second hand im Dorf oder auch mal vom Roten Kreuz aus der Kleiderkammer. Ich hatte Essen. Wenngleich ich mir billigen Saft immer selbst kaufen musste und häufig nicht mit aß, weil ich den zehnten tag mit Nudeln mit Ketchup nicht mehr ertrug. Klassenfahrten gingen, wenn die Schule gut zugeschossen hat oder ich sie selbst bezahlt habe usw.

    Meine Mutter hatte meiner Meinung nach die Prioritäten falsch gelegt (zb rauchen statt vernünftige Kleidung), allerdings hat sie nur 2 Kinder bekommen und das in einer Ehe mit sehr gutem Verdiener. Nach der Trennung wandelte sich das erst. Aber deshalb weiß ich wie man sich als Kind fühlt, wenn das Geld für Wasser, Nudeln und Brot sowie Klamotten aus dem second Hand reicht, für mehr aber nicht. Das tut mir immer heftig leid. Aber machen kann man nichts. Es höchstens versuchen besser zu machen. Den Kindern deiner Schwester bleibt auch das. Ihnen wurde das Leben geschenkt. Kindheit und Jugend wird eventuell mit Verzicht einhergehen. Hänseleien, Wut und Trauer. Bei den eigenen Kindern können sie es dann anders machen.

    Als Tipp. Ich war meiner Tante heftig dankbar, wenn sie mir mal ein cooles modernes Shirt mitbrachte oder ich bei ihr völlig normal essen konnte oder sie uns eine Eiskugel spendierte.

    Vielleicht sieht es ja bei deiner Schwester auch gar nicht soooo schlecht aus. Viele Wege führen nach Rom.

    Liebe Grüße und alles Gute

    Ninly mit 3 Kindern an der Hand

    Da deine Schwester ein mündiger und autonomer Mensch ist, wird sie das alles alleine entscheiden können und auch dürfen. Es ist ihr Leben - das darf sie so gestalten wie sie es möchte.
    ;-)

    Leben und leben lassen.

    Ich liebe meine Geschwister auch sehr - würde sie immer unterstützen und hinter ihnen stehen- auch wenn ihre Entscheidungen für mich manchmal nicht nachvollziehbar sind .

    Dennoch würde ich im Fall nie meine Unterstützung entziehen.

    Sei für deine Schwester da und lass sie ihre Erfahrungen machen.

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