Mann belügt mich wegen seiner Familie

    • (1) 27.09.17 - 14:12

      Hallo zusammen,
      Ich brauch dringend mal eure Meinung. Weiß langsam nicht mehr weiter.....mein Mann belügt mich dauernd wegen seiner Familie.
      Mein Mann hat vor 2 Jahren die Landwirtschaft seines Vaters überschrieben bekommen. Zeitgleich bin ich zu ihm auf den Hof gezogen. Anfangs war für mich alles spannend und toll, Aber je mehr Zeit vergangen ist, desto mehr habe ich gemerkt, dass ich mit der Situation, dass seine Eltern, der Bruder und seine Oma da Leben nicht zurechtkomme. Wir hatten zwar eine abgeschlossene Wohnung trotzdem konnte man so gut wie nie auch nur mal auf den Hof fahren ohne von irgendjemanden festgehalten zu werden. Seine Mutter hat am liebsten alle sonntags zum Essen um sich gehabt um jeden zu beklucken. Anfangs haben wir das auch einmal im Monat mitgemacht, Aber sie würde dann immer aufdringlicher, hat uns nicht mehr gefragt sondern uns befohlen dass wir zum Essen kommen und wenn wie uns vorher schon abgesprochen hatten, dass wir nicht hingehen, hat sie uns gegeneinander ausgespielt. Dauernd wollte jemand was von meinem Mann und er ist immer gleich gesprungen. Mittlerweile haben wir ein Haus gekauft und wohnen knapp 15 km entfernt. Mir persönlich tut der Abstand total gut. Auch mein Mann sagte sehr schnell, Wie wohl er sich dort fühlt und er es sich anders nicht mehr vorstellen könnte. Allerdings haben wir seit dem das Problem, dass er mich immer wieder wegen seiner Familie anlügt. Sein Bruder ist in seine Alte Wohnung gezogen. Die vereinbarte Miete kommt nur sehr sporadisch und alles andere als pünktlich. Da wir diese Mieteinnahmen auch zum Antrag unseres Hauses kalkuliert haben, ist es mir sehr wichtig, dass das Geld auch da ist. Wenn ich ihn darauf anspreche sagt er mir immer nur, Sein Bruder hätte alles geklärt und es würde jetzt laufen. Irgendwann war mir das alles nicht koscher und ich bat meinen Mann, doch mal vor mir seinen Bruder anzurufen, ob das wirklich alles geregelt sei. Und es kam wie ich es befürchtet hatte. Es war nämlich nichts geklärt. Aber sobald sein Bruder etwas hat, lässt mein Mann alles stehen und liegen um ihm zu helfen. Teilweise hatten wir selber dadurch schon Nachteile. Mit seinen Eltern ist es nichts anderes. Den Übergabevertrag der Landwirtschaft hat er blind unterschrieben. Er muss eine monatliche Altersrente an deine Eltern zahlen, dass so gut wie nichts für ihn bleibt, trotz der vielen Arbeit. Als wir bei einer Rechtsanwältin waren wegen Teatament sagte diese uns zu diesem Vertrag, dass mein Mann sich damit den Hof und alles ja selber finanziert hat quasi. Sein Vater ruft ihn mehrmals täglich an, fast immer wegen belanglosen Sachen. Mein Mann ist genervt davon. Habe ihm gesagt er soll es seinen Vater sagen. Aber dazu kommt es nie. Er war immer der brave Sohn der alles auf Komando gemacht hat. Wenn ich ihn dann frage, Wie oft sein Vater wieder angerufen hat lügt er mich an. Wir waren deshalb schon bei einer Paarberatung und Psychaterin. Er zeigt sich immer sehr einsichtig aber nach ein paar Tagen fällt er immer wieder in sein Muster. Sobald er einen Tag wieder auf dem Hof war ist es, als hätte er eine Gehirnwäsche bekommen. Er schützt seine Familie wo er nur kann. Das ist ja auf eine gewisse Art ja auch schön, Wenn man so zu seiner Familie steht, Aber er steht dann nicht zu mir. Er belügt mich immer. Und ich habe das Gefühl, dass er sich somit jedesmal damit auf die Seite seiner Eltern und seines Bruders stellt. Ich kann ihm was sowas angeht einfach nicht mehr vertrauen. Durch die Landwirtschaft ist er halt viel auf dem Hof, was ja auch ok ist, aber kann mich doch nicht immer so anlügen!
      Wie soll ich mich noch verhalten?
      Was kann ich noch tun?
      Bin langsam sehe verzweifelt....unsere junge Ehe (4 Monate) leidet sehr darunter....


      Liebe Grüße,
      Dani

      • Hallo,

        hast du die Familie nicht vor eurer Hochzeit kennengelernt bzw. den Umgang deines Mannes mit seiner Familie?

        Menschen drehen sich doch nicht von hier auf jetzt um 180 Grad!

        Ich kann dir leider keinen guten Ratschlag geben, außer ihr setzt euch ALLE gemeinsam an den Tisch und besprecht, wie sich jede Familie ihr Leben vorstellt und wie viel "Einmischung" Erträgen werden kann.

        Evt. unter zur Hilfenahme eines Mediators, wenn die Fronten sehr verhärtet ist.

        Aus Erfahrungen von Freundinnen, die in eine Landwirtschatfsfamilie eingeheiratet haben, kenne ich solche Darstellungen mit gemeinsamen Essen und gegenseitigem helfen.

        Wer das nicht so mag, muss / sollte ich im Vorfeld abgrenzen.

        VG

        • Natürlich habe ich seine Familie im Vorfeld kennengelernt. Es hat sich eine Zeit gedauert bis es sich so zugespitzt hat. Seine Familie ist auch nicht mein Problem. Ich habe ja jetzt Abstand und kann mein Leben leben. Aber die Lügen meines Mannes ertrage ich nicht. Ich fühle mich immer wieder verarscht auf deutsch gesagt.

      Hallo,

      da ich selber aus der Landwirtschaft komme, bzw. auch immer noch in diesem Metier tätig bin, weiß ich, dass dort Familienangelegenheiten oft verworrener und verwobener sind als bei "normalen" Leuten. Deshalb habe ich Verständnis für deinen Mann, was den Zusammenhalt anbelangt.
      Wie soll ich es ausdrücken, es ist für viele die vom Hof kommen schwierig erwachsen zu werden. Die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. In solchen Konstellationen neigen manche zu einer Haltung, dass sich das ganze schon von selbst löst und man halt immer alles für "den Hof" macht. Auch bei Geldangelegenheiten ist das so larifari wie bei deinem Schwager. Irgendwie hat keiner gelernt auch mal an sich selbst zu denken und das so zu kalkulieren.

      Das sollen keine Ausreden sein, nur mögliche Hintergründe, warum dein Mann so ist wie ist.

      Aber wenn dein Mann trotz seiner Einsicht und Therapien es noch nicht geschafft hat, da selbstverantwortlich was dran zu ändern, sehe ich schwarz.

      • Darf ich fragen wie das bei euch die angeheirateten Frauen machen?
        Ich habe ja Verständnis für die Landwirtschaft. Aber muss mich mein Mann wirklich belügen? Finanziell gesehen haben wir doch sich Verantwortung, da kann man es doch nicht dauernd hinnehmen die Miete meines Schwagers nicht zu bekommen.

        • Was angeheiratet sein angeht, kann ich dir nicht weiterhelfen.

          Klar, dass er dich so anlügt geht gar nicht. Ihr habt bzw. du hast ja die Mieteinnahmen mit einberechnet.

          Wir haben hier einen ganz ähnlichen Fall in der Familie. Wird mit einem Mediator in Angriff genommen, so wie es meine Vorschreiberin vorgeschlagen hatte. Das solltet ihr ernsthaft in Betracht ziehen. Sonst dreht ihr euch nur weiter im Kreis!
          Ein Fortschritt ist ja, dass ihr räumlich weit genug entfernt wohnt, damit ihr euch wohlfühlen könnt.

          Das Problem liegt meiner Meinung nach weniger in eurer Partnerschaft, mehr in dem schwierigen familiären Arbeitsumfeld. Da solltet ihr ansetzen.
          Ich möchte jetzt nicht im Detail auf die hiesigen Probleme eingehen, nur so viel: bei Geldproblemen etc. wurde von allen immer Besserung gelobt wenn jedes halbe Jahr mal jemandem der Kragen geplatzt ist. Danach lief dann doch alles weiter wie gehabt. Damit ist jetzt Schluss, hier kommt ein Mediator und notfalls der Gang vor Gericht.

          Muss man halt wollen.

          Liebe Grüße!

          • Aber ist eurer Meinung nach unser Problem durch einen Mediator lösbar?
            Ich kann mor schwer vorstellen, dass der Mediator meinem Mann sagt er soll ehrlich sein und er ist es und dass dann mein Schwager auch die Miete pünktlich und vor allem regelmäßig zahlen würde....

            Finde es schon sehe krass, Wenn es soweit kommen muss...eigentlich sind wie doch alles Erwachsene Menschen
            ...

            • Ich bin sehr gespannt, was das Gespräch mit dem Mediator bringt. Allerdings schlägt der Mediator keine Lösungen vor, sondern er leitet das Gespräch in eine Richtung, in der die Beteiligten von sich aus auf eine Lösung kommen. Damit sind die Erfolgsaussichten größer, den Konflikt zu lösen. Denn sonst würde es bei uns wieder von vorne losgehen, frei nach dem Motto: "Der Mediator hat gesagt, ICH habe Recht und ihr seid doof!". (Jaaaa, ich habe leicht infantile Familienangehörige jenseits der 40...). Um das zu vermeiden ist der Mediator neutral. Aus seiner Sicht hat niemand Recht oder Unrecht.

              Wenn erwachsen handeln so einfach wäre, wäre diese Welt ein besserer Ort.

        Da ein Großteil meiner Verwandten aus der Landwirtschaft kommen und ein paar Teile nicht, kenne ich verschiedene Varianten.

        Angeheiratete, die selbst vom Land kommen, haben es teilweise leichter. Nein, anders gesagt, sie selbst leben für den Hof. Sie akzeptieren dass der Hof, das oberste Gut ist und die Menschen sich helfen ohne zu hinterfragen.

        Angeheiratete, die nicht vom Land kommen, tun sich da schwerer. Selbstständiges Leben, Individualität des Wohnraums, auch mal Nein sagen, kennen sie und tun sich schwer, wenn die ihnen geliebte Person alles macht. Wenn der Hof wichtiger scheint als die Partnerschaft. Scheint. Denn manchmal ist es der Hof nicht, aber die Strukturen der Partnerschaft anzupassen, ist oft schwierig.
        Manchmal prellen da Lebensweisen aufeinander.

        Schwierig wird es von außen einzuschätzen, ob Manipulation, Gehirnwäsche, krankhaftes Verhalten dahintersteckt (z.B. wenn einer alles macht und das Dienstmädchen ist und die anderen das nur von einem einfordern)
        oder ob es der Selbsterhalt der Familien über die Jahre diente, dass Zusammenhalt und Mitarbeit das Überleben der Familie sicherte. Wo jeder wirklich jeder mithilft, Platz für Menschen ist.

        • Interessanterweise komme ich auch vom Dorf. Da die Landwirtschaft nur im Nebenerwerb ist, habe ich soweit auch nichts damit zu tun. Hatte zwar zeitweise auch mal überlegt den Traktorführerschein zu machen und meinen Mann unterstützen zu können. Aber dann würde zuhause alles liegen bleiben. Daher kümmere ich mich um den Haushalt etc.

          Du hast aber Recht, in manchen Sachen prallen da Welten aufeinander....hätte ich im erstes Moment nie gedacht.

Wie reagierst du, wenn er die Wahrheit sagt?

Steht er dann zwischen Regen und traufe? Entweder er lügt dich an, hat für den Moment Ruhe und das erwischt werden kommt dann später. Oder er sagt dir die Wahrheit - wie reagierst du dann?

Ich kann verstehen, wenn dich das wütend, hilflos, aufgebracht, frustriert macht etc.
Nur ändert das ja nichts.
Gehirnwäsche ist ein gutes Wort. Offensichtlich kann er nicht anders.
Entweder weil er es nicht genug will (um dem zu entgehen braucht es schon sehr viel überlebenswollen), sei es dass er nicht die Kraft hat (es braucht sehr, sehr viel Kraft, sich aus so einer Situation zu befreien), sei es, dass er nicht den Mut hat, sei es, dass die familiäre Manipulation einfach noch wirkt. 20/30/40 Jahre Manipulation legt man nicht einfach ab. Schon gar nicht, wenn man das "normale" Leben gar nicht kennt, gar nicht weiß, wie schön es ohne sein kann.

Finanzielle Angst kommt vielleicht auch hinzu. Er finanziert sich den Hof selbst, muss noch an die Eltern zahlen usw. da scheint es manchmal einfacher, einfach im Trott weiter zu machen und hoffen, dass sich die Situation irgendwann von selbst "löst"

Verkaufen wäre u.U. ein finanzieller Absturz, vor allem aber ein massiver Bruch mit der Familie. Wäre er dazu bereit?

Miete, klar kann ich deinen Frust verstehen, würde mich auch ärgern.
Hinterher ist man immer schlauer. Aus diversen Erfahrungen würde ich daher nicht mehr an Familie vermieten UND das Geld einplanen. Vermieten schon, ok. Aber das Geld (falls es denn kommt), als gelegentlichen Bonus sehen, sparen, aber NICHT einkalkulieren.
Einfach aus Erfahrung.



Auf Versprechen würde ich mich nicht einlassen.
Dazu ist die Bindung/Manipulation einfach zu groß. Das schaffen manche nur mit jahrelanger Therapie, selbst wollen, bereit sein den großen Schritt zu gehen und ggf. mit Damoklesschwert zu leben, den Bruch dauerhaft für immer in Kauf zu nehmen.


Da mir selbst Wahrheit sehr wichtig ist, wäre es mir wichtiger, dass er mir die Wahrheit sagt. Auch wenn die Wahrscheit heftig ist. Ich glaube nicht, dass er es aus Boshaftigkeit macht, sondern eher aus Hilflosigkeit. Weil er selbst nicht weiß, wie er damit umgehen soll/kann.

Variante 1: ihr steht das gemeinsam durch. Evtl. auch die Zeit einer längeren Therapie.
Variante 2: er steht das alleine durch. Mit oder ohne Therapie. Dafür bekommt er aber keinen zusätzlichen Druck von deiner Seite
Variante 3: ihr geht (finanziell) getrennte Wege.
Variante 4: ich habe keine Ahnung.

Beratung und Psychiater sind super. Als ANFANG.
Die Lösung kommt erst mit harter längerer Arbeit daran.

  • Hallo Zahnweh,

    Ich halte deine Antwort für sehr gelungen, da sie den Aspekt der Manipulation (oder Gewohnheit gepaart mit Feigheit?) miteinbringt.
    Wenn er nicht komplett mit seiner Familie brechen will (was ich nicht denke), taugt Beratung aus meiner Sicht nur für die ganze Familie. Das ganze Gefüge muss sich verändern, solange er zwecks Hof mit drin hängt. Sonst führt er weiterhin so eine Art Doppelleben.

    Wenn er die Wahrheit sagt, sag ich ihm meine Meinung dazu. Evtl. diskutieren wir das dann nochmal kurz aber dann ist auch gut. Ich habe mir der Wahrheit keine Probleme, möchte nur einfach nicht angelogen werden.
    Lieber soll mir jemand eine unschöne Wahrheit sagen als mir falsch ins Gesicht zu Lügen.

    Die Landwirtschaft ist nur im Nebenerwerb, sollte sich vielleicht noch erwähnen...
    Ein Verkauf würde mehr die Beziehung zu seiner Familie belasten. Ich denke mein Mann würde es machen wenn es nicht anders gehen würde. Aber ich kann das nicht von ihm verlangen. Dazu hätte ich dann zu viele Schuldgefühle.

Bauernfamilien haben ihren eigenen Mikrokosmos und Gepflogenheiten, mit denen ein Nichtbauer erstmal zurechtkommen muss. Mein Mann stammte auch aus einer Bauernfamilie, Gottseidank gab es da schon lange keinen Hof mehr, ich hätte nie im Leben einen Bauern geheiratet....ich kenne zuviele, hier ist auch noch viel ländlicher Raum.
Das Anlügen würde ich mir wirklich ernsthaft verbitten, sehr sehr nachdrücklich, denn die Finanzen gehen Dich auch an. Ansonsten wirst Du gegen die Gewohnheiten nicht ankommen oder dauernd Streit haben. Eine Brieffreundin, die auf einen bayrischen Hof einheiratete, lernte einen eigenen Beruf und ging arbeiten außerhalb des Hofs, soweit es die 3 Kinder zuließen. So hatte sie ihren eigenen Bereich und vertrat das auch bei der Schwiegerfamilie, konsequent, aber ohne Zoff. Sie ging auch auf Mutter-Kind-Kur, auch wenn die Schwiegereltern maulten. Sie half schon auf dem Hof, aber suchte sich ihre Bereiche raus. Klappt nun schon 20 Jahre. Meditor ist nicht schlecht, aber ob da alle mitmachen....LG Moni

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