Trotz glücklicher Umstände depressiv

    • (1) 27.09.17 - 23:36
      Inaktiv

      Hallo Miteinander

      ich sitze hier heulend vor dem Laptop, während mein Mann und mein Kind friedlich schlafen.
      Ich bin einfach nur noch fix und fertig und fühl mich richtig depressiv.... Obwohl ich jeden Grund hätte einfach nur glücklich zu sein. Ich bin seit fast einem Jahr glücklich verheiratet und hab eine 5 Monate alte zuckersüße Tochter. Meinen Job als Mama mach ich sicher gut, daran hab ich keine Zweifel. Die depressiven Gedanken und das Stimmungstief kommt immer erst wenn ich allein bin - hauptsächlich wenn die Kleine im Bett ist und mein Mann - wie sehr oft - beruflich einige Tage unterwegs ist.

      Ich fang am besten von vorne an...
      Die Neigung zu depressiven Stimmungen hatte ich schon früh, in der Teeniezeit hab ich mir oft überlegt, wie ich mich am besten und schnellsten umbringe. Versucht hab ich es nie und gesagt hab ich es auch Niemandem. Mein Selbstwertgefühl damals war Null, ich war der totale Mitläufer, hab gesagt und getan was andere erwartet haben und im Prinzip bin ich heut noch ähnlich. Mein Lebensziel ist einfach nur immer von allen gemocht zu werden...
      Große Mitschuld an meinem schlechten Selbstwertgefühl hat definitiv meine Mutter. Sie ist heute ne gute Oma für mein Kind und ne Freundin für mich - so lange man ihr bloß nicht die Meinung sagt oder irgendwas kritisiert. Meine KIndheit und Jugend hab ich jedoch nur mit Streitereien mit ihr verbracht. Brachte man ne 2 nach Hause, wurde statt gelobt gefragt wieso man keine 1 hat. Hat jemand anders mein Selbstbewusstsein aufgebaut (Beispiel: du bist doch nicht dick, du bist nur gut beieinander) hat sie es zerstört ("das heißt auch nichts anders als dass du fett bist"). Ich musste sehr viel arbeiten (Bauernhof), was ich heut aber als gute Erfahrung sehe. Nur der Umgang von ihr mit uns Kindern war manchmal wie mit Knechten. Haben wir Samstags was mit Freunden vorgenommen statt aufm Hof zu arbeiten, war sei tagelang stinksauer. Stand man ne Stunde zu spät auf, war man der Arsch des Tages. Auch heute sieht so noch grundsätzlich das Schlechte in jedem und allem statt das Gute. Letztendlich hat es mich kaputt gemacht, aber auch zu dem Menschen, der ich heute bin und von allen gemocht wird. Aber zu welchem Preis? Ich bin die perfekte Freundin / Schwiegertochter / Hausfrau und krieg dafür Lobe. Aber wenn die nur sehen würden, wie es in mir innen drin aussieht....

      Dank meines tollen Selbstbewusstsein hab ich damals meinen ersten Freund behalten, geheiratet und die Ehe ist kläglich gescheitert. Zum ersten Mal im Leben hab ich getan was ich für richtig hielt und mich getrennt. Ergebnis: Mein Vater redete MOnate nicht mit mir, meiner Mutter war nur wichtig was alle andren denken, meine Bruder machten sich über mich lustig oder redeten schlecht über mich und meine allerallerbeste langjährige Freundin brach mit mir, weil sie nciht damit zurecht kam wie am Boden ich nach der Erfahrung war. Die Erfahrung war fast schlimmer für mich als die Trennung selber.
      Als ein dreiviertel Jahr später mein heutiger Mann in mein Leben trat, brauchte er monatelang viel GEduld und Verständnis für mich bis ich endlich wieder in der Spur war. Letztendlich hat es geklappt. Aber mittlerweile bin ich wieder so ein Häufchen Elend. Von außen würde keiner auf die Idee kommen. Ich vertraue mich mittlerweile auch keinem mehr an - erstens wegen der Geschichte mit meiner Freundin damals und zweitens fragt auch kein Mensch danach, weil alle davon ausgehen es geht dir super, du hast ja Mann und Kind. Mit meinem Mann red ich, aber helfen kann er mir eigentlich auch nicht.
      Alles bringt mich zum nachdenken, vieles trifft mich und auf deutsch gesagt heul ich mittlerweile wegen jedem Scheiß. Ich geb alles und fühle mich doch minderwertig.
      Seit Wochen mach ich mir einen Kopf, seit ich bemerkt hab, dass die Frau meines Schwagers mich offenbar nicht leiden kann und von ihren Sachen (Hochzeitspläne, JGA etc.) bewusst ausschließt. Es sollte mir egal sein, aber es ist es nicht. Meine Schwiegermutter stellt diese Frau und mich auf eine Stufe (oh ihr seid beide ja sooo toll), obwohl ich alles gebe und mich um vieles kümmere (behinderte Schwägerin etc.)und die andere nur das Allernötigste tut. Dann sack ich wieder in mich zusammen und frag mich wieso ich so dämlich und gutmütig bin.

      Ständig treffe ich mich mit andern Muttis usw. obwohl ich eigentlich nie Bock drauf hab. Eigentlcih bin ich am liebsten allein mit der Kleinen zu Hause oder spazieren und will meine Ruhe...

      Tagsüber funktionier ich wie die Mutter und Hausfrau Deluxe und abends und nachts bin ich einfach nur einsam und hasse mich selbst. Manchmal überkommt mich wieder die Todessehnsucht, das schockiert mich selber. Ich bin doch glückliche Mutter!!!!

      Ich stoße echt an meine emotionale Grenze :(

      • Hallo,

        Du schreibst, dass du an deine emotionalen Grenzen stösst.

        Das kann ich gut verstehen.

        Aber eines sollte dir klar sein, Depressionen sind nicht zwingend eine Reaktion auf einen momentanen Status und verschwinden, wenn man eine gute Beziehung und Familie hat.

        Du hast eine Menge erlebt und das hinterlässt Spuren.

        Sprich mit deinem Hausarzt und frage nach Hilfe. Die wirst du sicher finden, um alles geschehen aufzuarbeiten.

        Alles Liebe

        >>>obwohl ich alles gebe und mich um vieles kümmere (behinderte Schwägerin etc.)und die andere nur das Allernötigste tut. Dann sack ich wieder in mich zusammen und frag mich wieso ich so dämlich und gutmütig bin.<<<

        Du tust Dinge, nicht weil du sie gern tust, sondern weil du dir damit Anerkennung erkaufen willst. Das scheint sich wie ein roter Faden durch dein Leben zu ziehen.
        Gleichzeitig erwartest du, das jemand, der nicht so viel tut wie du, weniger gemocht wird.

        Du solltest deinen Blick mehr auf dich richten, wer du bist, wer du sein möchtest.

        Ich rate dir zu einer Therapie bei einem Psychotherapeuten.

        Guten Morgen,

        lass dich mal virtuell umarmen 🤗. Ich erkenne mich in vielen Dingen wieder, auch was die Kindheit angeht.
        Ich wollte / will es auch immer allen recht machen und von allen gemocht werden. Ist das nicht der Fall, steigen Selbstzweifel auf. Ich suche dann immer den Fehler bei mir.

        Ich kann dir nur raten, dich deinem Mann anzuvertrauen und dich in eine Therapie zu begeben. Du musst niemanden davon erzählen.
        Du solltest lernen dich selbst wert zu schätzen und versuchen dich frei zu machen von dem Denken anderer.
        Nur du und deine Familie ist erstmal wichtig.

        Wenn du merkst, dass dir andere nicht gut tun, dann nimm für eine bestimmte Zeit Abstand von Ihnen.

        Das alles zu lernen ist ein langwieriger Prozess, aber er lohnt sich.
        Ich bin seit über einem Jahr dabei das zu lernen und es stellen sich inzwischen Erfolge ein.
        Ich möchte nicht mehr everybobys Darling sein, nehme Abstand von Personen die mir nicht gut tun. Damit geht es mir inzwischen besser.

        Trau dich!

        VG

      • (5) 28.09.17 - 13:19

        Huhu

        Depressionen sind eine Krankheit, das hat nichts mit der aktuellen Situation zutun.
        Du solltest mit deinem Arzt sprechen und dich um eine Therapie bemühen. Anders sehe ich wenig Chancen für dich, du hast zu viel erlebt und kannst das aktuell nicht allein tragen. Sich Hilfe zu suchen ist keine Schande! Sei es dir wert.

        Ich bin mir sicher du bist ein toller Mensch, deine Familie und Voralpen du slebst(!) haben es verdient das du dich um deine psychische Gesundheit kümmerst.
        Was dazu notwendig ist kann ich dir nicht sagen, aber ich persönlich habe festgestellt das es mir erheblich besser geht seit ich Leute die ich eigentlich nicht mag und die mir nicht guttun aus meinem leben aussortiert habe.

        Alles gute und viel Kraft auf deinem Weg

        Ich machs ganz kurz, sich dir einen Therapeuten. Das hat mir sehr geholfen und dein Text kommt mir sehr bekannt vor.

        Alles Gute!

      • Hallo!

        Unter normalen Umständen wird nicht derjenige, der am meisten für einen tut am meisten geliebt, sondern man wird um seiner selbst willen geliebt, einfach als Persönlichkeit. Natürlich darf man sich dabei trotzdem nicht wie das letzte Arschloch verhalten, aber es ist wirklich nicht notwendig, sich dauernd anzubiedern.

        Das ist aber genau das Verhalten, was Dir Deine verkorkste Familie eingetrichtert hat, und deswegen kannst Du Dich einfach nicht abgrenzen. In Dir steckt so wenig "DU SELBST" und dafür so viel "DAS WIRD VON MIR ERWARTET" dass Du einfach unglücklich sein musst, du unterdrückst deine Persönlichkeit, verfolgst nicht deine Wünsche und Bedürfnisse, und das tut dir nicht gut.

        Und da kommt auch das Problem mit der Schwägerin zum Tragen: Deine Schwiegermutter mag sie als Mensch und nicht als besonders folgsame Schwiegertochter, die sich übermäßig bemüht. Deine Schwiegermutter ist da einfach "normaler" als Du und Deine Familie. Sie braucht das gar nicht, dass sich dauernd jemand anbiedert. Du darfst da sein wie du bist und auch mal nein sagen. Möglicherweise will Deine Schwägerin das auch nicht, sie spürt, dass vieles bei Dir nur anbiederndes Verhalten ist, aber nicht von Herzen kommt. Sie will vielleicht lieber Leute um sich haben, die authentisch sind, WOLLEN was sie tun und nicht nur das tun, was womöglich erwartet wird, damit man sie lobt und mag. Es gibt Menschen, die haben da eine sehr feine Nase für und mögen das einfach nicht.

        Ich denke, eine Therapie wäre vielleicht wirklich hilfreich, damit du die Muster verstehen und durchbrechen kannst. Nur Du hast diese Anforderungen im Kopf, den meisten anderen macht es nämlich gar nichts aus, wenn du nicht 3x pro Woche andere Muttis treffen willst, sondern auch einfach mal nein sagst. Du musst auch nicht zu jedem Fest drei Kuchen und fünf Salate mitbringen, das ist total ok. Außerhalb deiner Familie wird man dich auch lieben, wenn du du selbst bist. Und Deine Familie - ganz ehrlich, die sind das einfach nicht wert. Du kannst sie weiter sehen, wenn du das möchtest, aber versuche zu verstehen, wie verkorkst die sind.

        (8) 29.09.17 - 23:07

        Ich danke euch ganz herzlich für euren ganzen Antworten!! Das hat mich sehr bestärkt.
        Leider widerspricht mir mein Mann immer, wenn ich über mich selbst sage ich wäre krank und brauche Hilfe... Er ist ein lieber Mann, aber das kapiert er einfach nicht....
        Ich werd drüber nachdenken. Ich brauch auch ne Lösung für die Kleine, während ich in die Therapie gehe, falls ich den Schritt gehe. Der Schwiegermutter will ich es ungern erzählen.

        Wie auch immer: DANKE!!

        • Wenn du das mit der Therapie (erst mal) nicht erzählen möchtest, dann geh doch offiziell zur Physiotherapie.

          Aber ich rate dir zur Wahrheit, eine Therapie ist nichts, für das du dich schämen musst.

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