Frage an diejenigen mit demenzkranken Angehörigen im Heim

Wie oft fahrt ihr ins Heim? Wie lange bleibt ihr?

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    • (1) 24.10.17 - 17:06

      Hallo zusammen! Meine Frage richtet sich an diejenigen, deren Angehörige/ Eltern im Heim leben und im fortgeschrittenen Stadium demenziell erkrankt sind (d.h. sie erkennen euch nicht mehr, eine Kommunikation ist nicht mehr möglich).

      Wie gestaltet ihr eure Besuche im Heim? Wie oft fahrt ihr hin, wie lange bleibt ihr? Könnt ihr damit gut umgehen oder eher nicht?

      Da ich auch in gesunden Zeiten immer ein problematisches Verhältnis zu meiner Mutter hatte, ertrage ich die Besuche manchmal kaum, aus Pflichtbewusstsein fahre ich aber doch immer hin. Um alle administrativen Dinge (Heimrechnungen, Krankenkasse) kümmere ich mich ebenfalls.

      Danke für euer Feedback.

      • Na toll, die Umfrageoptionen sind ja toll durchgemischt worden 😳. Sorry, das sollte etwas strukturierter sein.

        Meinen Opa habe ich immer mehrmals die Woche besucht. Die Dauer war immer unterschiedlich. Von 1-2 Stunden, bis nur kurz nach dem rechten sehen, war alles dabei.
        Meine Mutter war jeden Tag da, manchmal auch mehrmals.
        Meine Tanten haben ihren Vater teilweise nur alle 1-2 Jahre mal kurz besucht. Die hat er hinterher auch nicht mehr erkannt. Meine Mutter und mich schon.

        (4) 24.10.17 - 18:03

        Meine Mam hält es für ihre Pflicht, 2x pro Woche zu fahren. Meine Oma erkennt seit über einem Jahr niemanden mehr, schläft meist und hat kein Gedächtnis mehr. Meine Mama quält das auch sehr, aber sie lässt nicht davon ab und sitzt dann auch ihre Zeit ab. Ich bin nur noch selten da, weil 500km Distanz zwischen uns liegen, aber wenn meine Mama nicht kann fährt meine Schwester, dann auch 2x pro Woche 2h... Ordnung muss sein und man stelle sich nur vor, die Leute würden reden...
        Mit dem gleichen Leidensdruck würde ich es wohl anders machen.

      • Mein Onkel hat sehr starke Demenz noch erkennt er seine Frau aber sein Kind nicht mehr, Wenn er mal von seiner Tochter redet ist sie noch ganz klein.
        Meine Tante geht jetzt einmal die Woche für ca 1 Stunde, mehr erträgt sie nicht mehr sie ist hinterher fix und fertig.
        Meine Cousine geht einmal im Monat will das aber auch ausweiten, er leb in seiner Welt und Sie ist fremd.

        HI,
        wer weiß was sie wirklich mitbekommen.
        Und wenn sie dann anscheinend niemanden erkennen aber dann von der Kindheit der anwesenden Person sprechen....dann muss es doch dafür auch einen Auslöser geben.

        Wenn ich denke, die würden im Heim nur dahin vegetieren, weil Fremde sich ja auch nicht umeinander kümmern und womöglich nur die Betreuer kurz vorbei kommen.

        Ist eine schwere Situation.

        Lisa

      • Es kommt ganz auf das Stadium an:

        Ist die Person noch im Stande zu kommunizieren, würde ich oft gehen und eben sprechen . Über irgendetwas. Es kommt nicht darauf an, ob die Person mich noch erkennen würde. Mir würde es darum gehen, dass die Person wenigstens für einen Moment beschäftigt ist. Auch wenn sie es später nicht mehr weiß.

        Ist die Person nicht mehr im Stande zu kommunizieren würde ich mich neben das Bett setzen und die Hand streicheln und singen. Das haben wir bei dem Opa meines Mannes gemacht. Kinderlieder gesungen und Kirchenlieder usw. Alles was er kannte. Eine Reaktion darauf haben wir bzw ich nie bekommen. aber so hatten wir das Gefühl, wenigstens irgendwie da zu sein.

        Hallo!

        Ich habe meinen Vater 1-2 mal pro Woche besucht, ebenso mein Bruder. Oft ein wenig im Wechsel, wenn ich Dienstag und Freitag war, hat mein Bruder am Sonntag rein geschaut, und wenn ich nur einmal geschafft habe, dann hat mein Bruder 2x besucht.

        Mein Vater hat uns nicht mehr erkannt, und meistens haben ihn Besuche sehr schnell ermüdet. Ich habe trotzdem einfach drauf los erzählt - wie es in der Arbeit so ist, und der G. "den kennst du doch noch" der macht dieses und jenes und lässt schön grüßen... meistens hat er dann auf Höflichkeitsbasis einfach mitgespielt und so getan, als ob er sich noch erinnern würde, und ich habe wenigstens 20-30 Minuten rumgebracht, bis er mich mehr oder weniger deutlich aufgefordert hat zu gehen. Schließlich wusste er nicht recht, wer ich bin und was ich in seinem "Hotelzimmer" verloren habe. Das war seine Version der Realität, er war auf Montage unterwegs und krank geworden, und deswegen liegt er in einem fremden Zimmer im Bett und eine nette Pensionswirtin bringt ihm Essen und kümmert sich um ihn.

        Ja, es war auch für mich sehr belastend und anstrengend, vor allem 30 Minuten einfache Strecke fahren, und an schlechten Tagen nach 15 Minuten raus geworfen werden war echt ätzend. Rückblickend bin ich trotzdem froh, es durchgezogen zu haben, weil es am Ende doch sehr schnell ging. Im Februar hatte er damals noch "gute" Tage, in denen er einen erkannt hat und ein normales Gespräch möglich war, ab März dann keinen einzigen "guten" Tag mehr, und im Oktober ist er dann gestorben.

        (9) 25.10.17 - 07:09

        Meine Oma verstarb im Februar diesen Jahres, sie litt unter vaskulärer Demenz und lebte die letzten drei Jahre im Heim. Auf Grund unserer Familienstruktur und dem Tod meiner Mama 2011 war ich mehr oder weniger alleine für sie verantwortlich.

        Ich habe sie etwa alle zwei Wochen besucht, ich arbeite Vollzeit und wohne etwa 45 Minuten Fahrzeit vom Heim entfernt.

        Ich blieb dann immer 1-2 Stunden. Bis letzten Sommer haben wir sie dann meist aus dem Heim ins Cafe oder zum Eisessen mitgenommen- dann war das nicht mehr möglich weil sie selbst nach halbstündiger Abwesenheit ihr Zimmer nicht wiedererkannt hat und Panik bekam.

        Ich war hinterher immer total kaputt und hatte vor Anspannung Kopfweh. Erkannt hat sie mich bis zum Schluss. Aber sonst war ein Gespräch kaum möglich.

        Erstmal lieben Dank für eure Antworten.
        Zum Hintergrund meiner Frage: Meine Mutter lebt jetzt fast 3 Jahre im Heim. Ich fahre 2x im Monat für ca. 30 Minuten zu ihr. Mein Umfeld sagt entweder: „Warum tust du dir das überhaupt noch an, sie kennt dich eh nicht mehr?“ oder „Du kümmerst dich zu wenig“.

        Unser Verhältnis war immer schwierig. Als Kind hat sie mich emotional erpresst. Später war ich immer die Tochter, die alles falsch gemacht hat, die „Dicke“ und als es mir schlecht ging, war sie nicht für mich da.

        Trotzdem fühle ich mich verpflichtet, schließlich ist es meine Mutter und für ihre Krankheit kann sie nichts.

        Sie ist in dem Heim sehr gut aufgehoben. Da es ein reines Demenzheim ist, lässt der Personalschlüssel eine liebevolle Versorgung und auch Beschäftigungstherapie zu. Das Problem ist, dass sie nichts mehr mit machen kann (und am Anfang auch nicht wollte).

        Sie kann/ will nicht mehr sitzen und zuhören, keine Fotos ansehen, keine Platten anhören, nicht malen, nicht singen, nicht TV gucken. Was sie kann, ist laufen! Sie rennt quasi den ganzen Tag und redet in ihrer eigenen Sprache, ohne Pause. Verstehen kann man keinen einzigen Satz.

        Unsere Besuche sehen dann so aus, dass wir mit ihr über den Flur laufen. Bei gutem Wetter auch durch den Garten. Das Gelände verlassen wir nicht mit ihr, da sie sowieso schon immer stiften geht (die Polizei bringt sie durchschnittlich 2x die Woche ins Heim zurück). Da wollen wir ihr möglichst keinen weiteren Anreiz dazu geben.

        Aber ehrlich, nach 30 Minuten Laufen und Dauerbeschallung (man kann ihren Redefluss auch nicht unterbrechen, egal, ob man selbst etwas erzählt oder nicht), mit anderen Bewohnern im Schlepptau, die an einem rum zippeln, schreien oder schimpfen, bin ich fix und fertig.

        Dann setzt mein Fluchtinstinkt ein.

        Trotzdem hat mich ein Vorwurf neulich hart getroffen, dass ich mir nicht mehr Zeit nehmen würde für meine Mutter.

        • Bitte, wie kann jemand aus einem Demenzheim flüchten?? Meine Tochter arbeitet im Altenheim mit Demenzstation - da kommt keiner raus, ohne einen Zahlencode in ein Tastenfeld einzutippen, der sich dauernd ändert. Mehr Pflegepersonal als die Normalstation hat diese Station übrigens nicht. Scheint sehr unterschiedlich gehandhabt zu werden.
          Für das, dass ihr euch sowieso nicht sonderlich gut verstanden habt und sie nicht mehr viel mitbekommt, reichen zwei Besuche im Monat aus. Wichtig ist nur, dass überhaupt jemand kommt - für sie - und auch für das Personal, mit dem man sich ja auch mal unterhalten sollte, ob es was Neues gibt. LG Moni

          • Danke dir. Vor dem Pflegepersonal habe ich einen Riesen-Respekt, was sie leisten! Hut ab!

            Wenn irgendwas ist, bekommen wir einen Anruf, und dann fährt natürlich auch sofort einer von uns los. Das war bisher aber nur 2-3 Mal der Fall. Sie ist (bis auf die Demenz) topfit.

            Jaaa, das mit dem „Flüchten“ ist hier echt so ne Sache. Im Bundesland Bremen gibt es tatsächlich keine geschlossenen Altersheime! Lt. Behörde wäre das Freiheitsberaubung 🙄. Auch Sicherungsmaßnahmen wie Zahlenschlösser oder GPS-Chips fallen darunter. Die Heimleitung selbst würde sowas gerne einsetzen, darf sie aber nicht.

            Das Tor ist schon bewusst recht schwergängig, aber meine Mutter hat den Dreh raus. Und natürlich kann keiner sie 24 Stunden im Blick haben, auch bei guter Besetzung.

            Ein Wunder, dass noch nichts passiert ist. Neulich wurde sie 6 km entfernt (!) aufgegriffen (da war sie 1,5 Stunden vermisst). Die Polizisten im Stadtteil kennen sie alle und die Anwohner auch 😬

            • Ach du liebe Güte, da gehen wir Schwaben wohl verantwortungsvoller mit Dementen um, denn es ist in meinen Augen verantwortungslos, verwirrte Leute herumrennen zu lassen. Das hat doch nichts mit Freiheitsberaubung zu tun, die fängt bei uns, glaube ich, erst beim hochgezogenen Bettgitter und Anschnallen an.
              Somit hat das Heim keinerlei Aufsichtspflicht über die Leute? Das ist doch absurd. Lass ich mir bei "normalen" alten Herrschaften eingehen aber nicht bei voll Dementen.LG Moni

              • Da stimme ich dir voll und ganz zu. Aber das ist ja nur eins von vielen Dingen, die in Bremen „quer“ laufen - ich sage nur: Bildungspolitik 😬

                Die Alternative wäre ein Heim in Niedersachsen. Aber ich möchte sie ungerne umquartieren, da wir ansonsten total zufrieden sind mit dem Heim und sie sich dort so gut eingelebt hat.

            Im Pflegeheim meiner Mutter (Baden-Württemberg) ist auch eine Schranke, die mit einem Zahlencode gesichert ist, da sonst die Bewohner jeden Tag weglaufen würden. Leider wurde dies jetzt von der Heimaufsicht beanstandet mit dem Argument, dass dies ohne Genehmigung durch das Amtsgericht nicht zulässig sei. Nun musste jeder Bevollmächtigte einzeln einen Antrag beim Gericht stellen, was ich wirklich kleinlich finde. Dort soll wohl auch eine Richterin sein, die geschlossene Heime für Freiheitsberaubung hält :-[. Ich hoffe sehr, dass dies genehmigt wird, da meine Mutter sonst auch öfters weglaufen würde.

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