Schlechtes Verhältnis zur eigenen Mutter - Kontakt zum Kind

    • (1) 09.11.17 - 10:19

      Hallo liebes Forum,
      seit gestern bin ich (mal wieder) sehr nah am Wasser gebaut, da ich mich mit meiner Mutter über den Haufen geworfen habe. Dazu muss ich sagen, dass es nicht das erste mal war und ich schon immer ein eher schlechtes Verhältnis zu ihr hatte. Meine eigene Kindheit und Jugend verlief nicht sehr rosig.
      Ich habe eine 20-Monate alte Tochter, die seit 2 Monaten zur Tagesmutter geht. Von Anfang an war es mir wichtig, dass meine Tochter aber auch ein enges Verhältnis zu ihren Omas hat (meine Schwiegermutter ist eine ganz liebe und unkomplizierte Person) - ganz im Gegensatz zu den Gefühlen aus meiner eigenen Kindheit liebt meine Mutter ihre Enkelin abgöttisch und umgekehrt. Bis jetzt habe ich meine eigenen Probleme mit ihr immer hinten angestellt und ihr den regelmäßigen Kontakt zu ihrem bislang einzigen Enkelkind ermöglicht.

      Letzte Woche hat sie meine Tochter von der Tagesmutter abgeholt, um etwas mit ihr zu unternehmen. Ich hatte morgens extra den Buggy bei der Tagesmutter gelassen, allerdings hatte meine Mutter es nicht geschafft, den Buggy aufzubekommen (obwohl sie schon seit fast einem Jahr diesen Buggy benutzt). Das hatte sie derart in Rage gebracht, dass sie vor der Tagesmutter angefangen hat zu fluchen und mich dann auch irgendwann angerufen hat. Sie war superhektisch und hat immer nur geflucht, dass es nicht geht und sie den Zug verpasst. Mich hatte diese Aktion schon am Telefon genervt, da ich gerade am arbeiten war und meine Kollegen das Gespräch mitbekommen haben...Irgendwann hatte sie es dann aber doch geschafft. Als mein Mann meine Tochter später dann bei ihr abgeholt hat, hat meine Mutter sich tierisch über die Tagesmutter aufgeregt. Diese sei eine kalte und unfreundliche Frau, denen die Kinder alle egal seien und die es nur wegen des Geldes macht. Sie hat die Tagesmutter einmal gesehen und sich ihr gegenüber wie eine Furie verhalten - kein Wunder, dass diese nicht freudestrahlend auf sie reagiert hat.

      Als ich meine Kleine am nächsten Tag wieder hingebracht habe, habe ich die Tagesmutter gefragt, ob gestern alles geklappt hätte. Diese erzählte mir die Geschichte nochmals aus ihrer Sicht und eben auch, dass meine Mutter sehr laut geflucht hätte und sie ihre eigenen Kinder daher weggeschickt hat, damit die sich das nicht anhören mussten. Mir war das unendlich peinlich - schon in meiner Kindheit und Jugend habe ich oft unter den cholerischen Ausbrüchen meiner Mutter gelitten und wurde zum Teil deshalb gehänselt, wenn sie zB mal wieder auf einem Elternabend rumgewettert hat.

      Ich habe sie dann auch zur Rede gestellt und sie hat sich absolut uneinsichtig gezeigt und die Tagesmutter beleidigt. Sie sagte mir dann auch direkt für heute (sie wollte zu Kaffee vorbeikommen und mit meiner Tochter spielen) aus "Strafe mir gegenüber" ab. Daraufhin meinte ich dann, dass sie dann vorerst ihr Enkelkind nicht mehr sieht - auch in meiner Wut und Verzweiflung heraus. Sie bestraft mit ihrem Nichtkommen ja nicht mich sondern in erster Linie meine Tochter.

      Mit geht das sehr nah und ich bin fast nur am heulen, kann mich heute kaum auf die Arbeit konzentrieren. Mir tut der Kontakt selbst nicht gut, aber ich möchte auch, dass meine Tochter ihre Oma sieht. Meine Mutter war schon immer sozial sehr inkompetent, bzw. sie kann irgendwie nur mit kleinen Kindern und alten Menschen (sie ist Altenpflegerin von Beruf) gut.

      Was soll ich machen? Den Kontakt reduzieren oder meine eigenen Gefühle unterdrücken? Ich liebe meine Tochter und möchte nur das beste für sie - allerdings möchte ich auch nicht, dass sie diese cholerischen Anfälle und den Menschenhass ihrer Oma mitbekommt. Das ging bislang auch eigentlich immer...

      Sorry für den halben Roman.

      • Hallo, ich persönlich würde nicht wollen, dass meine Tochter von jemandem betreut wird, der sich so überhaupt nicht unter Kontrolle hat und ausflippt wegen Kleinigkeiten. Das wäre mir zuwider und ich halte es für gefährlich! Davor würde ich mein Kind schützen wollen.
        Demzufolge würde das sich-Sehen nur mit meiner Anwesenheit funktionieren und dieses widerum nur, wenn es gut funktioniert zwischen uns Erwachsenen. Blöd anblaffen lassen oder schlecht reden über die Person, die mein Kind regelmäßig betreut - nein, darauf könnte ich verzichten. Also entweder benehmen sich alle Beteiligten - oder eben nicht.
        VG

        Hallo,

        ich finde es toll, dass du möchtest, dass deine Tochter einen engen Kontakt zu den Omas hat #liebdrueck. Bei deiner Schwiegermutter war das sicher auch die richtige Entscheidung, bei deiner eigenen Mama wohl eer nicht.

        Spätestens das Auftreten deiner Mutter bei der Tagesmutter wäre der entgültige Punkt den Kontakt einzuschränken oder gar abzubrechen. Ob du deiner Tochter damit schadest, wage ich zu bezweifeln, denn so ein kleines Wesen braucht liebevolle Menschen um sich herum. Klar jeder hat mal nen schlechten Tag oder ärgert sich wenn was nicht klappt. Bei deiner Mutter scheint das jedoch an der Tagesordnung zu sein und somit ist sie keine gute Betreuungsperson für deine Tochter #sorry.

        Lg Annika

        Hallo,

        ich sehe es auch so, dass du dein Kind (und die Tagesmutter!) vor deiner Mutter schützen solltest.

        Ein Kleinkind kann so einen cholerischen Anfall gar nicht einschätzen. Egal ob sie nur mit Worten oder auch körperlich cholerisch wird.

        Sie kann ja das Kind bei Besuchen sehen. Entweder die Kleine ist ihr wichtig genug, um zu dir zum Kaffee zu kommen und sie zu sehen oder eben nicht.

        Aber vielleicht brauchst du ein Coaching, um selbstsicherer zu werden, dass es in Ordnung ist, wenn du Grenzen setzt und Konsequenzen ziehst. Das ist nicht nur richtig so sondern deine Pflicht dem Kind gegenüber.

        LG

        • Ich würde sie jetzt ohnehin nie wieder zur Tagesmutter schicken, damit sie meine Maus abholt. Sehr schade, aber das möchte ich niemandem mehr antun. :(

          Wo gibt es ein solches Coaching?

          • Versuch mal über die allseits bekannte Suchmaschine über die Schlagworte Coaching/Verhaltenstherapie in deiner Wohngegend fündig zu werden. Vielleicht würde es dir auch besser gehen, wenn du deine Kindheit "aufarbeitest".
            Auf der Seite der AOK gibt es auch ein Angebot mit Aufgaben per Email.

            LG

      (7) 09.11.17 - 11:25

      Ich danke euch allen für die lieben Antworten. Ja, irgendwie wäre es vernünftig, zu intervenieren und den Kontakt einzuschränken. Aber es fällt mir sehr schwer. Die meiste Zeit ist meine Mutter sehr liebevoll zu meiner Tochter und versucht tatsächlich vieles besser zu machen, als bei meinen Geschwistern und mir. Außerdem hat sie privat viele Probleme und ich denke manchmal, dass die Zeit mit ihrer Enkelin die wenigen Lichtblicke in ihrem Leben sind. Andererseits soll meine Tochter auch keine Therapie darstellen. Aber es würde mich fertig machen, da ich weiß, dass sie sehr darunter leiden würde.
      Leider ist das mit den Wutausbrüchen wegen Kleinigkeiten schon immer ein Problem, dem sie sich auch nicht stellen möchte und immer sagt, dass das nun mal ihr Charakter sei. Ich sehe das aber etwas anders - vielleicht ist sie temperamentvoll im Charakter, aber man sollte sich eben in der Öffentlichkeit zurückhalten können.

      Mit meinen Schwestern und ihr gibt es auch ständig Probleme, die stecken im gleichen Zwiespalt wie ich. Haben Mitleid mit ihr, aber leiden auch sehr oft unter ihrem Verhalten. Nur haben die eben noch keine Kinder...

      • Man weiß eben auch nicht, wie du mit deiner Mutter reden kannst. Dass ihre Charaktereigenschaften, die sie als gegeben hinnimmt aber eine große Last für ihr Umfeld sind. Und dass sie ja Maßnahmen ergreifen könnte, wenn es ihr wichtig wäre, dass andere nicht unter ihr leiden.

        Die Frage ist, was wäre sie bereit zu investieren? Wäre sie bereit zuzuhören, wenn du ihr erklärst, wie dich das über die Jahre geprägt und belastet hat? Dass du einfach nicht willst, dass deine Tochter ebenfalls diesem "Charakterzug" ausgesetzt wird? Würde sie mit dir gemeinsam Hilfe annehmen von außen (Coach, Therapeut, Familienberatung)?

        LG

    Hallo!

    Deine Mutter wird keine 50 mehr sein .... und ist so cholerisch (oder impulsgesteuert) seit Du sie kennst / wahrnimmst. Da wirst Du nichts mehr daran ändern! (Das kann ein Zeichen von ADHS, oder Schilddrüsendysfunktion, oder auch einfach Charakter/dünnes Nervenkostüm?!? sein. - Degenartive Alterskrankheiten scheiden eher aus, weil sie schon immer so war. Und so ziemlich alles davon ist vererbbar, also Vorsicht .....)

    Wenn Du wirklich darauf aus bist ein Verhältnis Deiner Tochter zuliebe zu deiner Mutter aufrecht zu erhalten, dann versuche das in einer möglichst "reizarmen" vollkommen "planbaren", "störungsarmen" Situation zu tun, dann kann sie bestimmt ihre Impulse steuern.
    In der obigen Situation: wäre der Buggy aufgeklappt gewesen, wäre alles planmäßig gelaufen und sie wäre nicht explodiert. (Aber mal ganz nebenbei: hätte die Tagesmutter ihr nicht behilflich sein können beim Aufklappen des Buggies? Stand die da nur rum und hat gegafft?)


    LG, I.

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