Immobilie verkaufen wg. Heimaufenthalt der Eltern?

    • (1) 28.11.17 - 13:46

      Hallo,
      ich hoffe, ihr könnt mir ein wenig helfen.

      Meine Eltern haben mir vor ein ca. 7 Jahren ihr Haus überschrieben (lief im Zuge einer Schenkung). Die beiden haben ein lebenslanges Wohnrecht für die untere Wohnung, einschließlich Keller- und Gartennutzung. Meine Tochter und ich bewohnen momentan (noch) die obere Wohnung. Leider ist es daheim unerträglich für mich geworden (das alles genau aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, es handelt sich aber um verbale Attacken seitens meiner Mutter, teilweise sogar dann, wenn mein Kind dabei ist - Freunde, denen ich davon erzählt habe, bezeichnen das ganze schon als Psychoterror).

      Heute rief meine Mutter mich auf der Arbeit an um mir mitzuteilen, dass sie (angeblich) nächste Woche einen Termin im Altenheim haben. Sie wollen sich dort zwei Zimmer holen, für jeden eines. Dann dürfte ich für sie zahlen und das Haus würde dann dabei drauf gehen (die Rente der beiden liegt zusammen bei ca. 1.300 €; sie haben aber Zeit ihres Lebens gespart, somit dürfte auch noch etwas auf dem Konto liegen).

      Ich selber arbeite Teilzeit. Mit Gehalt, Kindesunterhalt und Kindergeld komme ich auf ca. 1.700 €.

      Wahrscheinlich werde ich für meine Eltern finanziell aufkommen müssen. Aber ist es denn wirklich so, dass man mir ans Haus könnte? Ich hänge emotional sehr daran, es ist mein Elternhaus und ich würde es gerne für meine Tochter erhalten, da es ja doch einen gewissen finanziellen Wert hat.

      Traurige und etwas verzweifelte Grüße von
      patchoulie

    Hey,

    hast du eine Rechtschutzversicherung? Denn dann würde ich mir recht schnell mal eine Auskunft einholen bzgl all deiner Fragen rund um das Haus.

    Liebe Grüße

    • Nein, habe ich leider nicht :-(

      • Ruf mal bei deinem lokalen Amtsgericht an und frag nach einem Beratungsschein. Dann gehst hin und holst dir das Ding ab, musst halt deine finanzielle Situation darlegen.

        Mit diesem Schein hast du die Möglichkeit dir bei einem Anwalt zumindest einen kostenlosen Beratungstermin geben zu lassen. Dann brauchst auch erstmal keine Rechtschutz. Und suche am besten nach einem Fachanwalt.

        Alles Gute 🤗

Also Kurzabriss:
Die Schenkung kann vom Sozialamt anteilig rückgängig gemacht werden. Heisst - Du würdest dem Staat 30% des Hauswertes schulden, würde man die Schenkung heute rückgängig machen. Zu Grunde liegt die Schenkungsdauer von 10 Jahren, d.h. für jedes vollendete Jahr können 10% weniger rückgängig gemacht werden.
Zuerst muss das Vermögen Deiner Eltern aufgebraucht werden, wenn sie in ein Pflegeheim ziehen, dann würde man die Schenkung anteilig rückgängig machen (in einem Jahr dann nur noch 20%) und erst danach wärst Du bzw. andere Kinder unterhaltspflichtig, aber Dein Selbstbehalt ist immens hoch, ich meine um die 4.000€ Einkommen im Monat.
Haben Deine Eltern keine Pflegestufe und wollen nur aus Spass an der Freude in betreutes Wohnen umziehen, dann müssen sie dafür von ihrer Rente aufkommen - Pflegekasse und Staat helfen nicht, weil ja keine Notwendigkeit vorliegt. Erst mit Pflegestufe kommt obiges Prozedere.
Lass Dich bitte von einem Anwalt beraten, inwiefern ihr Wohnrecht monetarisiert werden kann. Heisst - es könnte im worst case sein, dass die Wohnung Deiner Eltern vermietet wird, Du weiterhin alle Instandhaltungskosten hast, aber die Miete vollumfänglich an sie geht.

Wenn das Vermögen Deiner Eltern aufgebraucht ist und auch keine Schenkung mehr rückgängig zu machen ist und keine Kinder da sind, die einen Heimaufenthalt finanzieren, dann springt der Staat für die Differenz zwischen Pflegekasse und Einkommen der Eltern ein - aber: dann gibts auch keine zwei Einzelzimmer, sondern ein Doppelzimmer... nur das, was muss.

  • Deine Eltern können von sich aus übrigens keine Schenkung rückgängig machen, das geht nur bei ganz extremen Fällen von Familienunfrieden - ein befreundeter Anwalt hat das in 30 Jahren nur einmal erlebt und da ging es um Gewaltstraftaten seitens des Beschenkten gegenüber der Familie.
    Die Schenkung könnte also nur "von Amts wegen" rückgängig gemacht werden und in dem Fall spielt die Zeit für Dich.

    Danke, deine Antwort hat mir jetzt etwas Zuversicht gegeben.

    Meine Eltern haben keine Pflegestufe, auch wenn mein Vater seit fast 30 Jahren Morbus Bechterew hat. Ins Heim wollen sie, weil ich in ihren Augen ein undankbares Kind bin. Sie haben alles für mich aufgegeben, sich nie etwas gegönnt. Und jetzt erwarten sie, dass ich das gleiche für sie tue. Dass ich nie aus meinem Elternhaus weg ziehe um für sie da zu sein. Ja, ich habe meinen Eltern vieles zu verdanken und ich wäre auch weiter mit ihnen unterm gleichen Dach wohnen geblieben, hätte den Rasen gemäht, die Hecke geschnitten, sie zum Arzt begleitet oder Besorgungen erledigt. Aber nicht, wenn ich verbal angegangen werde und mir immer wieder anhören muss, was ich alles falsche mache. Diesen Sommer ist es so eskaliert, dass ich zitternd am Küchentisch gesessen habe, sobald ich von unten ein Geräusch gehört habe, weil ich wusste, gleich steht meine Mutter wieder bei mir in der Wohnung und macht mich fertig. Ihr Krönungsspruch war: Wenn ich gewusst hätte, was du für eine bist, dann hätte ich dich nie bekommen, sondern hätte mir einen Haufen Tiere angeschafft.

    Auch wenn sie sich nachher dafür entschuldigt hat: mir laufen grad die Tränen...

    • War Deine Mama schon immer so oder ist sie erst so geworden? Bei meinem Opa wurde erst Jahre später ein Schlaganfall diagnostiziert der zeitlich perfekt mit dem Zeitpunkt überein stimmte, an dem er angefangen hat, aggressiv zu sein, meine Oma zu schlagen und auch seine Tochter und uns Enkelkind körperlich und vor allem verbal anzugehen. Alles nicht schön, leider.

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