Geschisterkinder weniger "wert" ?

    • (1) 09.03.18 - 15:04

      Hallo,
      In letzter Zeit habe ich immer wieder Kommetare von Muttis von Einzelkindern erhalten in den unterschiedlichsten Situationen, worüber ich sehr irritiert bin:
      Ein (vllcht doofes) Beispiel: Ihr Kleinkind und mein Kleinkind klettern auf ein relativ hohes Gerüst, sie will das nicht, verbietet es unter Protest des Kindes: Ich sag "lass es doch, sie merken schon wenn nicht weiter geht..."
      Darauf kommt die Antwort "Ich habe alt Angst, dass was passiert, ich habe ja nur eins".

      Soll das heißen, dass das Leben/die Gesundheit meines Kindes weniger wert ist, weil ich zwei davon habe? Ist es deswegen weniger schlimm für mich ist, wenn sich mein Kind verletzt, ich es verliere? Warum wird es als "nicht so schlimm" angesehen, wenn einem Kind was zustößt, wenn es noch 5 Geschwister hat? Es ist doch immer schlimm. Sorry vllcht ein SILIPO, aber irgendwie beschäftigt mich das schon.
      Die meisten meiner Freunde/Bekannte haben Einzelkinder, sodass ich das so oder so ähnlich oft hören muss...#schmoll.
      Wie steht/reagiert ihr auf solche Aussagen?
      LG

      • Hab so eine Aussage tatsächlich noch nie gehört.. kenne allerdings auch kaum Einzelkindmütter.

        Muss aber sagen, dass für mich tatsächlich mit ein Grund für mehrere Kinder war, dass mein Bruder mit 21 starb und meine Mutter das definitiv nicht überlebt hätte, wäre ich nicht gewesen..

        LG Claudi

        (3) 09.03.18 - 15:25

        Ich kenne auch einige Einzelkindmütter, so einen seltsamen Spruch habe ich allerdings noch nie gehört. Wenn, dann würde ich ihn als Scherzversuch einordnen.....wenn du irritiert bist, warum fragst du nicht in der Situation gezielt nach, wie es gemeint ist?

        Hallo,

        die Aussage war sicher etwas unglücklich formuliert, ich glaube nicht, dass sie tatsächlich auch so gemeint ist. Vielleicht hat die Frau lange warten müssen, bis sie ein Kind bekommt, Fehlgeburt(en), falsche Partner, gesundheitliche Einschränkungen oder später Kinderwunsch. Können alles Gründe sein, um nur ein Kind zu haben, obwohl man gerne mehr hätte. Und dieses eine Kind behütet man dann wohl sehr. Ganz sicher wollte sie keine Geschwisterkinder herabwürdigen.

        Bist du dir sicher, solche Aussagen oft gehört zu haben? In so geballter Form kann ich mir das nicht vorstellen.

        Gruß
        Heike

        • Gut, geballt ist übertrieben, 4-5 mal kam es in den letzten 3 Jahren aber vor (und neulich eben), und das finde ich aber schon zu viel.
          Die von Dir beschriebenen Situation treffen auch auf diese zu. (Die eine hat lange auf den Partner warten müssen, die andere hatte langen Kinderwunsch, die dritte ist einfach nur "Helikopter").
          Aber genau das meine ich, nur weil ich leicht schwanger wurde und das mit dem ersten Partner, sind meine Kinder doch nicht weniger behütet. In dieser konkreten Situation traute ich meinen Kind eben mehr zu. Und nicht weil ich ja noch eins haben, falls doch was passiert...

      Als ich noch kinderlos war und von Geschichten aus dem Krieg hörte, dass Mütter 2 von 7 Kindern verloren haben, fand ich das schlimm, aber "immerhin hatte sie ja noch 5 Kinder".
      Seit ich Kinder habe weiß ich, dass es totaler Quatsch ist! Man hängt an jedem einzelnen Kind und es ist IMMER eine Katastrophe, wenn einem Kind was passiert--egal ob man nur ein Kind oder 10 Kinder hat.
      Generell erlebe ich Einzelkindeltern als sehr "kümmernd" und behütend. Das heisst ja nicht, dass Mehrfacheltern alles egal ist, aber die Einstellung ist vielleicht entspannter.

    • (7) 09.03.18 - 16:06

      Ich habe drei Kinder..., Mütter mit einem Kind kenne ich nur zwei - meine Schwägerin und eine meiner Cousinen. Hier sind 3 Gang und Gäbe. Daher glaube ich, dass sich eher die Einelkindmuttis hier dumme Sprüche anhören müssen.

      Ich habe sowas noch nie gehört. Ich glaube, dass die meisten Leute gerne Sprüche lassen. Egal ob zu jemandem mit einem oder mit mehreren Kindern. Mir ginge sowas ins eine Ohr rein, ins andere wieder raus.

      (8) 09.03.18 - 16:45

      Hallo,

      unser Sohn ist auch ein Einzelkind. Und dieser Satz kommt mir irgendwie bekannt vor..

      Ich denke, er ist nicht so gemeint, wie Du das auffasst. Und es liegt wahrscheinlich auch gar nicht an der Thematik Einzelkind/Geschwisterkind, sondern am ersten Kind.

      Erinnere Dich mal zurück, warst Du bei Deinem ersten Kind von Anfnag an immer so entspannt oder hat sich das, mit zunehmender Erfahrung, erst entwickelt?

      Man merkt, dass man gerade nicht sehr entspannt reagiert, macht sich vielleicht Sorgen und versucht das eigene Verhalten zu entschuldigen oder zu erklären.

      LG

      So ein doofer Spruch. Zum Glück habe ich den noch nie gehört, allerdings haben alle unsere Freunde mindestens 2 Kinder.

      Ich hab mal gelesen, wie jemand einer Mutter schrieb, die gerade ihr Neugeborenes verloren hat "naja, wenigstens bist du noch jung genug um weitere Kinder zu bekommen." Mit der Anzahl der Kinder hat das doch gar nichts zu tun. Meine Oma ist 100, hat vier Kinder und zwei sehr spät in der Schwangerschaft verloren. Selbst 70 Jahre später hat sie diese Kinder nicht vergessen.

      Also nein, egal ob 1 oder 5 Kinder, jedes ist gleich viel wert. Allerdings wird man mit steigender Anzahl entspannter und sieht vieles weniger eng.

      (10) 09.03.18 - 17:35

      Der Spruch in der Situation ist natürlich total blöd, vielleicht war sie halt etwas pikiert, weil du ihre Ängstlichkeit kritisiert hast.
      Und selbstverständlich ist es immer eine Katastrophe, ein Kind zu verlieren, das ist doch überhaupt keine Frage.
      Aber als vor vielen Jahren unser zweites Kind als Baby starb, war ich unendlich dankbar, dass wir unser erstes Kind hatten, und ich denke, ohne unseren Sohn hätten wir ihren Tod nicht so gut überstanden. Und wieder gut ging es mir, als ihre jüngeren Brüder geboren waren. Ich denke einfach, dass es eine noch schlimmere Katastrophe sein muss, das einzige Kind zu verlieren.

      (11) 09.03.18 - 17:44

      Ich habe vergleichbares bisher nur von Müttern mit mehreren Kindern gehört. Sinngemäß: "Wie jetzt, ihr wollt kein weiteres Kind? Wenn das eine stirbt habt ja keins mehr!" Da ist mir auch ganz schön die Spucke weggeblieben.

      Also ich habe das auch schonmal gehört von einer Freundin, sie hat ein drittes Kind bekommen und sagte naja wenn mit einem der zwei anderen was ist und es stirbt, dann haben wir immernoch 2 #gruebel#schock#schwitz

      (13) 09.03.18 - 18:21

      2 Mütter haben jeweils ein Kind verloren.
      Mutter eins hat noch 2 Kinder zu Hause, Mutter zwei hatte nur das eine Kind.
      Und da gibt es keinen Unterschied???

      • (14) 09.03.18 - 18:30

        "Und da gibt es keinen Unterschied??? "

        Bezüglich der Liebe zum Kind, das man verloren hat? Bezüglich der Trauer? Ich denke nicht, dass es da einen Unterschied gibt. Weitere Kinder ersetzen doch nicht ein verstorbenes. Der Unterschied besteht besteht vielleicht darin, dass man mit mehreren Kindern sein Leben schneller "normal" weiterleben muss. Der Schmerz ist nicht weniger schlimm.

        (15) 09.03.18 - 20:11

        Nein da gibt es keinen Unterschied. Ich liebe beide Kinder. Und wenn ich eines verliere dann ist der Schmerz genauso groß. Kein Geschwisterkind und kein "neues Baby" relativieren den Verlust. Man hat gerade sein Kind verloren und nicht die Hälfte von 2, oder ein Fünftel von fünf, sondern ein ganzes.

        • (16) 09.03.18 - 21:10

          Aber jemand, der das einzige Kind verliert, hat *alle* Kinder verloren..

          • und jemand der eins von 5 Kindern verloren hat, muss neben dem Schmerz und der Trauer noch für 4 weitere Kinder funktionieren. Ich hab dem Tod meines zweiten Kindes ins Auge sehen müssen. Sie hat es Gott sei Dank geschafft, aber wäre ihr Geschwisterkind 1 Jahr vorher als Einzelkind gestorben, wäre das nicht schlimmer gewesen.

            • Für mich persönlich wäre es, glaube ich, tatsächlich "einfacher", wenn ich in so einer Situation niemanden mehr versorgen müsste.

              Du solltest auf der ersten Seite nachlesen.
              Nicht böse gemeint aber du hast dein Kind nur fast verloren.

              Aber du schreibst da einer Mutter die wirklich ein Kind zu Grabe tragen musste und ich glaube daher hat sie mehr Ahnung von der Thematik. Denn sie hatte ja schon ein Kind und sagt eben das hat ihr schon geholfen.

              Wie gesagt nicht böse gemeint, aber manchmal vielleicht erst alle Kommentare lesen und gucken wem man was antwortet.

              LG

              • Ich hatte tatsächlich vorher nicht gelesen, dass sie bereits ein Kind verloren hat, aber das bedeutet nicht, dass mein Statement weniger valide ist. Für sie war es so, dass es ihr dadurch emotional anders ging, aber für andere Menschen kann das durchaus anders sein, deswegen finde ich es einfach schwierig so an das Thema ranzugehen und da von Unterschieden zu sprechen. Für die nächste Person wird es einfach zu viel sich gleichzeitig um Kinder zu kümmern und den Verlust zu verarbeiten oder die Tatsache, dass sie sich immer weiter mit Stufen eines Kinderlebens beschäftigen müssen, erinnert sie ständig auf's Neue daran, welche Teile des Lebens ihr verstorbenes Kind nicht erleben konnte. Die Trauer um ein Kind kann man nicht in zwei Gruppe teilen, die noch andere Kinder haben und die, die noch keine anderen Kinder haben. Trauer ist eine höchstindividuelle Erfahrung.

                • Ja war auch absolut nicht böse gemeint :-)

                  Ich zum Beispiel kann das Thema absolut gar nicht einschätzen bin ich ehrlich und könnte es nicht beurteilen.

                  Ich habe bis jetzt weder bei meinem Sohn um sein Leben fürchten müssen noch habe ich ein Kind verloren welches schon auf der Welt ist.

                  Wie du sagst Trauer ist eben individuell.
                  Es war eher so von mir gemeint, weil sie eben explizit den Verlust ihres Kindes weniger schlimm empfand durch ihren Sohn. Weil sie halt die direkte Erfahrung hat und nicht "spekulieren" Muss wie wir. Das Wort klingt zu dem Thema doof aber weiß nicht wie ich es sonst ausdrücken soll.

                  Anderen fiel es vielleicht wirklich leichter weil sie eben kein Kind haben.

                  Aber wie gesagt, da ich diesen Verlust Gott sei dank nicht gemacht habe kann und möchte ich es nicht beurteilen.


                  Hoffen wir einfach das so viele Menschen wie möglich es nicht verstehen werden können weil sie es nicht durchmachen mussten.

                  Wie gesagt war auch absolut nicht böse gemeint sondern eher als Hinweis:-)

                  LG und einen schönen Abend noch

                  Du hast völlig recht, *deswegen* ist es nicht weniger valide. Menschen sind unterschiedlich. Nicht valide (wenn man das überhaupt sagen kann) ist es bloß, weil niemand von uns voraussagen kann, wie er wirklich in einer Extremsituation reagiert, ich könnte es auch nicht, für den Fall noch etwas Schlimmes erleben zu müssen.

                  Und ich stimme dir zu, in den Momenten der Katastrophe ist es einfach nur schlimm, schlimm ist nicht messbar, schlimm ist absolut. Wahrscheinlich für dich, die du um dein Kind bangen musstest genauso wie für mich, für die es eins von zweien war, das gestorben ist, wahrscheinlich wahrscheinlich genauso wie für jemanden mit einer Fehlgeburt, wahrscheinlich genauso wie für jemanden, der/die das einzige Kind verliert...

                  Und ich hätte mich in der Zeit, als ich um das Leben meiner Tochter gebangt habe und auch in den ersten Tagen nach ihrem Tod tatsächlich nicht adäquat um den damals Vierjährigen kümmern können, und war sehr froh, dass die Großeltern uns da sehr unterstützt haben. Bis dahin verstehe ich deine Gedanken vollkommen. Und ich war damals furchtbar wütend, wenn mir jemand sagte, ich hätte ja noch den Sohn...

                  Aber es geht ja weiter. Für dich war es dann überstanden (?, ich hoffe, dein zweites Kind ist jetzt ganz gesund), für mich kamen die Wochen, Monate, Jahre danach, und ich denke, dass es da für die allermeisten Eltern schon einen großen Unterschied macht, ob sie noch weitere Kinder haben oder nicht.

                  • Ich weiß deinen sehr umgänglichen und sachlichen Tonfall übrigens sehr zu schätzen und ich mag deine Formulierung: Schlimm ist absolut.
                    Ob man noch Kinder hat, macht auf die Lebensstruktur natürlich einen Unterschied. Ich denke, dass es die Verarbeitung aber nicht zwangsläufig "vereinfacht", wenn man schon andere Kinder hat. Sie zwingen einen, wieder Alltag ins Leben zu bekommen. Das wird einigen vielleicht sogar den meisten Eltern helfen, für manche geht das allerdings zu schnell und sie haben Schwierigkeiten wieder so viel Verantwortung zu tragen. Wieder andere können vielleicht die Trauer am besten verarbeiten, in dem sie ihrem alten Leben den Rücken kehren und etwas neues anfangen...
                    Ich denke, wir sind aber argumentativ eigentlich kaum auseinander. Ich habe deinen ersten Kommentar anders interpretiert als du ihn ausdrücken wolltest.
                    Es tut mir leid, dass du deine Tochter gehen lassen musstest. Ich wünsche dir alles Gute.

    (24) 09.03.18 - 18:33

    Hallo,

    wenn ich solche Kommentare von einer Person mehrmals hören würde, würde ich sicher etwas dazu sagen. Ansonsten würde ich das nicht so auf die Goldwaage legen. Vielleicht war es anders gemeint, als es bei dir ankam? Und wenn nicht, dann trotzdem "Schwamm drüber".

    Mir hat so etwas aber noch nie jemand gesagt.

    LG

    • (25) 09.03.18 - 20:13

      Das waren unterschiedliche Mütter, die das unabhängig von einander und in den unterschiedlichsten Situationen gesagt haben.Nicht die gleiche, sonst hätte ich das sicher mal hinterfragt...

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