Geschlagen worden als Kind

    • (1) 29.03.18 - 08:54

      Hallo,

      das passt hier vielleicht nicht wirklich rein, aber ich suche Hilfe und viele Meinungen anderer Menschen, weil ich genug geschwiegen habe.
      Als Kinder wurden meine Schwester (22 J.) und ich (23 J.) regelmäßig geschlagen. Damit meine ich keine Klapse auf den Po oder eine Ohrfeige. Es hat schon mal geblutet, wir wurden mit dem Hausschuh, Gürtel, mit der Hand richtig fest gehauen - mehrmals. Manchmal höre ich meine Schwester heute noch weinen und schreien.
      Ich habe damit nicht meinen Frieden gemacht, ich habs denk ich einfach verdrängt, bis ich schwanger war. Ab da an hatte ich immer wieder Alpträume, wie meine Eltern uns verhauen. Meistens bin ich aufgewacht und konnte nur noch heulen über das, woran ich mich wieder erinnerte.
      Ich habs geschafft dort rauszukommen, bin seit letztem Jahr glücklich verheiratet und wir haben eine 2 Monate alte Tochter.

      Meine Schwester wohnt immer noch dort, sie war ein Frühchen und wog damals 470g mit 30 cm Größe. Unsere Mutter hatte wohl eine Schwangerschaftsvergiftung (damals wusste man es nicht so genau) und sie musste per Notkaiserschnitt geholt werden, fast wären beide drauf gegangen.
      Sie wird nun seit sie vielleicht 15-17 ist nicht mehr geschlagen, aber psychisch fertig gemacht. Sie könne nichts, sie wüsste nichts, hätte keine Interessen, würde sie mit Absicht auf die Palme bringen usw.

      Weiter möchte ich nicht ins Detail gehen, der Post würde ewig lang werden, weil mir immer mehr einfallen würde, was sie uns taten.

      Was können wir tun? Ich weiß mir nicht zu helfen. Ich muss sie unbedingt da rausholen!!!

      • Für dich kannst du auf jedenfall aktiv etwas tun. Nämlich dir einen Therapeuten suchen und deine miese Kindheit durch eine gesprächstherapie aufarbeiten und somit verarbeiten. Wende dich an deinen Hausarzt, der kann dir nummern von Therapeuten geben. Allerdings dürfte die Wartezeit lang sein. In manchen Städten gibt es auch Psychologen, wo msn recht schnell einen Termin bekommt. Da muss msn aber die Sitzungen selbst bezahlen. Ein Freund von mir hat so etwas wahrgenommen, als er unter akuten Depressionen litt und kurz vorm Selbstmord war. Deine Schwester selbst ist volljährig und somit für sich selbst verantwortlich. Wenn sie einer Arbeit nachgeht, hat sie genug Geld um auszuziehen und sich soweit wie möglich von den Eltern zu entfernen (räumlich gesehen). Auch ihr würde ich dazu raten eine Therapie zu machen um das erlebte tu verarbeiten und um Selbstwertgefühl aufzubauen. Auch könnte ein Selbstverteidigungskurs helfen um ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln und zu merken, dass man gar nicht so schwach und hilflos ist, wie einem eingetrichtert wurde. Das alles bedeutet aber auch viel Arbeit an sich selbst. Die Bereitschaft dafür muss vorhanden sein, ohne selbst etwas ändern zu wollen wird kein Rat der Welt etwas helfen.

        • Vielen Dank für deine Antwort.
          Dazu muss ich sagen, dass es so leicht nicht ist „sie ist volljährig und soll ausziehen“.

          Sie ist noch in der Ausbildung zur Verkäuferin, unterstützt vom Arbeitsamt (d.h. sie bekommt weniger Lehrlingsgehalt als „normal“), weil sie allein nichts finden konnte. Sie wirkt sehr zurückgeblieben, ahnungslos, erfahrungslos, trieblos. Sie wirkt mehr so als wäre sie zwischen 8 und 12 Jahre alt, und nicht 22.
          Als Kind so gedemütigt worden, jetzt immer noch (aber verbal), ist sie ganz klein. Sie ist zu 1000% abhängig von den Eltern, weil sie sie so gemacht haben. Sie haben Julia so ruiniert.
          Einfach zu gehen ist schon ein riesen Schritt: ihr Denken entspricht immer noch dem eines Kindes „Mama und Papa haben mich doch lieb, wieso sind sie böse auf mich...“
          Finanziell kann sie sich das auch nie Leisten in einer Stadt, wo ne Wohnung ca. 800-1100 Euro warm kostet mit einem Bruttogehalt von 1400 bis 1600 Euro als ausgelernte Verkäuferin.

          Sie schreibt demnächst ihre Abschlussprüfungen und versucht eine Arbeit zu finden, ich helfe ihr.
          Das dauert aber viel zu lange, bis August dauert es noch ewig. Sie darf eigentlich nicht 1 Tag länger dort bleiben. Ihre Persönlichkeit ist ohnehin schon aufs schlimmste geschädigt :(

          • Gibt es keine Möglichkeit, dass du sie aufnimmst? So könnte sie dich ein wenig unterstützen und lernen, wie ein "normales" Leben funktioniert.

            Sie ist erwachsen, daher wird denke ich auch das Jugendamt nichts tun könne, aber erkundige dich doch mal bei anderen Einrichtungen wie Caritas oder ProFamila und erkläre das Problem.

            Alles Gute!

          • Ich kann mir gar nicht vorstellen dass es ne winzige 1 Zimmerwohnung nicht unter 800€ geben soll.
            Meistens gibts doch da was bis 500€.
            Das ginge dann finanziell für sie, und wenns arg knapp würde könnte sie Zuschüsse beantragen (Alg2 oder Wohngeld). Wenn sie in Ausbildung ist kriegen ihre Eltern ja auch noch Kindergeld für sie, das stünde ihr dann ja auch zu wenn ich recht weiß (erinner mich da an eine Freundin...)
            Warum sollen sie sie mehr ruiniert haben als dich? Und du hast es auch gepackt und stehst auf eigenen Beinen.
            So hat auch sie dann die Chance selbständig zu werden, vielleicht auch mit deiner Hilfe, und dann findet sie bestimmt auch einen Partner irgendwann, dann kann man sich alles Fibanzielle später teilen...

            Aber das ist noch zu weit gedacht.
            Und wenn du sie bei euch aufnimmst? Bei uns wäre das platzmäßig denkbar und mein Mann hätte nichts dagegen, daher der Vorschlag. Ich würde meiner Schwester das sofort anbieten.

            • (6) 29.03.18 - 10:15

              "Das ginge dann finanziell für sie, und wenns arg knapp würde könnte sie Zuschüsse beantragen (Alg2 oder Wohngeld)"

              Da sie unter 25 ist, müsste sie beim Jobcenter entsprechend begründen und belegen (!), warum sie nicht bei den Eltern wohnen kann, bis sie sich selbst finanzieren kann.

              • Rein aus Interesse: Wie belegt man so etwas?

                • (8) 29.03.18 - 10:21

                  Z.B. Ärztliche/Psychologische Atteste, Stellungnahme vom Jugendamt, Nachweis über Strafanzeige gegen die Eltern (falls immer noch körperliche Gewalt im Spiel ist) etc....

                  (9) 29.03.18 - 10:24

                  Nachweis kann auch sein, dass in der Wohnung im Grunde kein Platz ist. Ich hatte mal einen jungen Mann als Klienten, der kein Zimmer hatte und auf der Couch im Wohnzimmer schlafen musste. Die Wohnung war völlig überbelegt, weil auch noch die Schwester nebst Kindern dort lebte und schon wieder schwanger war. Die wollte aber nicht da raus und der junge Mann stand kurz vor der Ausbildung. Um deren Erfolg nicht zu gefährden, wurde der Anmietung einer eigenen Wohnung zugestimmt und das auch mittels entsprechender Darlehen/Gelder für Kaution und Erstausstattung finanziert.

            Die Schwester wog bei Geburt 470g, wurde also ziemlich sicher irgendwann VOR der 30.SSW geboren! Auch wenn sie ohne Hirnschäden usw da durch gekommen ist hat das trotzdem Auswirkungen auf die gesamte Entwicklung!!!
            Abgesehen davon geht jeder Mensch mit traumatischen Erlebnissen anders um.

        Hallo erstmal

        Also wie es lese und die kommis dazu sowie deine antworten jeweils, frag ich mich ob es deiner schwester wirklich besser geht, wenn sie gleich allein leben muss.
        Ob ihr das dann wirkloch gut tut, frag ich mich, verstehst du?
        Mitbewohner oder eben bei dir einziehn (weiss nicht ob das ne bessere loesung waehre) aber ich denke sie braeuchte schon jemanden einwenig um sich, nach den ganzen dingen die du hier schreibst.

        Alles gute dir und deiner schwester, hoffe ihr findet bald ne loesung.

Deine Schwester sollte zu einer Sozialberatung gehen. Da wird man ihr sicherlich helfen können, um ihr den Weg zu zeigen.

Schritt 1: such dir Hilfe für dich selbst. Beratungsstelle, Therapeutische Hilfe
Schritt 2: wenn du stabil genug bist und Kraft für euch beide hast, kannst du dir überlegen
- welche Hilfe deine Schwester braucht
- was du davon umsetzen kannst
- ob sie überhaupt Hilfe möchte
- wenn sie Hilfe möchte, ob du das selbst leisten kannst
- welche Möglichkeiten zur Unterstützung du ihr tatsächlich/tatkräftig anbieten kannst

Schritt 3: informiere dich, was in ihrer Situation möglich ist.
Vergiss dabei aber nicht, dass du dich selbst unterstützen lässt

Ihr was vorzuschlagen, wobei du sie nicht unterstützen kannst
oder selbst nicht die Kraft hast, euch beide zu tragen
kann ihr u.U. schaden. Dann, wenn du als die Hauptstütze wegbrichst.

Baue erst mal genug Stütze auf, um sie begleiten zu können
sofern sie das dann annehmen kann/möchte.

Schritt 4: besprich mit ihr, was sie möchte, welche Wege sie gehen kann und begleite sie bei dem, was du tun kannst (nicht nur möchtest, sondenr auch kannst). Begleiten heißt nicht alles übernehmen. Begleiten kann aber auch mehr sein, als nur zu sagen: geh zu Amt x und ruf y an. Begleiten heißt nicht, selbst alleine dort anzurufen oder zum Amt zu gehen, sondern sie dorthin zu begleiten. Z.B. mit ihr gemeinsam zur Beratungsstelle zu gehen, aber nicht alles abnehmen.

Wichtig ist aber auch, dass du selbst stabil genug dafür bist. Dass du nicht zusammenklappst, sobald sie aus der Situation raus ist. Die Zeit geht ja weiter und die Folgen lösen sich nicht einfach auf.
Daher ist es für dich, für dein Kind UND für deine Schwester wichtig, dass du SELBST stabil bist und bleibst und SELBST für dich Hilfe annimmst - damit ihr helfen und für dein Kind da sein kannst.

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