Entwicklung ehemaliger tic kinder

    • (1) 29.03.18 - 22:45

      Gibt es hier noch Leute die vor Jahren wegen tic Störungen ihrer Kinder geschrieben haben? Mich würde interessieren wie es euren Kindern ergangen ist? Sind die tics verschwunden? Gibt es Leute die irgendwelche Maßnahmen ergriffen haben, Akupunktur oder homeopathie? Ich brauche etwas das mir Mut macht, ich bin sehr verzweifelt wegen meinem Kind und weiß manchmal nicht wie es weitergehen soll. Vor lauter sorge hab ich das Gefühl von Steinen im Magen. Hilfe

      • Hallo!
        Ich kann deine Verzweiflung sehr gut verstehen. Ich kenne das Gefühl der Machtlosigkeit nur zu gut...

        Ich habe zwei Töchter (11 und 9).
        Meine ältere Tochter hat bereits mit 4 Jahren erste Tics entwickelt (Augen zusammen kneifen). Kein Arzt hat unsere Sorgen ernst genommen, jeder hat gesagt "geht wieder weg, ist nicht schlimm". Es ging tatsächlich wieder weg...aber nur für ein paar Monate. Dann hat das Ganze wieder begonnen. Und so geht es uns bis heute.

        Im Laufe der Zeit sind immer wieder auch andere, neue Tics dabei gewesen (Augen rollen, Kopf auf die Seite werfen, Summgeräusche). Wir haben auch immer wieder längere Pausen dazwischen, in denen es keine Tics gibt. Diese Pausen sind sehr erholsam für alle Beteiligte.
        Meine Tochter wird im Sommer 12 Jahre alt, hatte jetzt eine längere ticfreie Zeit und hat jetzt wieder etwas mit ihren Augentics begonnen --> vermutlich aufgrund der hormonellen Umstellung in ihrem Körper (Pubertät). Es ist ganz typisch, dass die Tics in der Pubertät nochmal eine "Hochphase" haben. Danach verschwinden sie bei fast allen Kindern. Im Erwachsenenalter haben nur mehr wenige Tics (Tourette Erkrankte ausgenommen).
        Meine Tochter hat, bis auf ein paar schlimme "Hochphasen" (das Kopf werfen war am Schlimmsten), eine eher mildere Verlaufphase erwischt und wir sind guter Dinge, dass es sich mit der Pubertät "verwächst".
        Wir werden nun schon seit mehreren Jahren sehr gut von einem Kinder- und Jugendpsychiater betreut. Wir haben auch mal kurz Medikamente probiert, wegen der Nebenwirkungen aber schnell wieder sein gelassen (depressive Stimmung, Gewichtszunahme). Die Nebenwirkungen waren schlimmer als die Tics selbst, für uns also keine Option mehr.
        Auch bei einem führenden Spezialisten für Tics und Tourette waren wir. Er hat uns fast schon versprochen, dass die Tics verschwinden werden. Nach der Pubertät, egal wie der Verlauf davor war. Es deutet bei uns nichts auf eine Tourette Erkrankung hin. Das hat mir viel Mut gemacht.

        Tja, nachdem die Neigung zu Tics ja erblich bedingt ist, hat auch meine jüngere Tochter vor 1 Jahr mit Tics begonnen (Augenbrauen hochziehen, hüsteln, Schulter hochziehen). Das war echt schlimm für mich. Hab mir gedacht: Warum muss es uns gleich 2x treffen?? Auch sie hat aber zum Glück eine milde Verlaufsform und es ist für alle gut händelbar.

        Mittlerweile bin ich beim Thema Tics etwas entspannter, ich achte aber leider immer noch auf jede neue Regung und beobachte Bewegungen und Geräusche meiner Töchter genau. Meine Töchter hatten zum Glück bis jetzt noch nie Probleme in der Schule. Den meisten Menschen fallen ihre Besonderheiten nicht einmal auf. Es gibt ja so viele Menschen, die irgendwelche komischen Dinge tun...

        Bei meiner großen Tochter haben wir Cranio Sacral Therapie gemacht, meine jüngere macht Osteopathie. Bei beiden arbeiten wir mit Entspannungstechniken nach Jakobsen. Life Kinetik hat uns der Psychiater empfohlen, haben wir vor allem bei meiner älteren Tochter lange Zeit gemacht. Alles zusammen würde ich schon als unterstützend und mildernd sehen. Komplette Heilung kann natürlich alles nicht bringen. Aber man hat zumindest das Gefühl, etwas zu tun. Alles was für das betroffene Kind entspannend ist, ist hilfreich!

        Du kannst mir gerne noch schreiben, wenn du Fragen hast :-)

        Alles Gute für euch!!!
        Sandra

        • Hey,
          ich finde deinen Beitrag sehr interessant, da auch unser Sohn (fast 11 Jahre alt) seit seinem 3. Lebensjahr von Tics betroffen ist. Es war bis Weihnachten auch eher leicht. Er hat immer den Mund aufgerissen und sich geräuspert. Oder er hat den Mund aufgerissen und gehüstelt oder sowas. Meist waren es 2-3 Tics zusammen. Seit Weihnachten ist es leider deutlich schlimmer geworden. Er hat jetzt richtige Tic-Serien. Also erst 2 mal räuspern oder hüsteln, dann 2x mund aufreißen und dann blinzeln oder Nase rümpfen.

          Darf ich fragen, woran der Psychiater festmacht, dass es keine Tourette Erkrankung ist? Ich hab schon sooo viel gelesen und überall steht, sobald ein vokaler Tic (also das summen bei euch, welches wir übrigens auch schon hatten) und ein motorischer Tic zusammen auftreten wäre es Tourette.
          Deshalb würde mich total interessieren, warum bei euch Tourette ausgeschlossen wird. Ich habe ja auch immer noch die Hoffnung, dass es bei uns kein Tourette ist und dass es spätestens nach der Pubertät verschwindet. Deshalb interessieren mich solche Beiträge wie deiner wirklich sehr.

          Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

          • Ich bin aus Österreich, in Wien ist Univ. Prof. Dr. Christian Popow ein Spezialist für Tics bei Kindern und Jugendlichen (Kinderarzt und Kinder- und Jugendpsychiater). Bei ihm waren wir - er schloss Tourette aus. Auch unser regelmäßig betreuender Psychiater (er betreut auch erwachsene Tourette-Patienten) schließt Tourette aus.
            Beide sagten, sie sehen es an der Art der Tics, der Abfolge, usw. Ein wichtiger Faktor ist auch, dass Tourette-Patienten nie 3 Monate durchgehend ticfrei sind. Meine Töchter haben aber auch sehr lange ticfreie Phasen, sogar bis zu einem 1 Jahr lang.
            Meine Mädels hatten auch nie motorische und vokale Tics gleichzeitig, bzw. nie direkt hintereinander als Ticserie. Immer nur einzeln auftretend. Das alles sind Anzeichen, dass es kein Tourette ist.

            Lg Sandra

        Hallo Sandra, danke für deine Antwort. Du hast ja schon viel durch mit deinen Kindern. Das Gefühl nichts dagegen tun zu können macht mich irre. Mein Sohn ist grad 4 Monate alt und der Gedanke daran dass auch er betroffen sein könnte macht mich krank. Ich kann unsere Zeit gar nicht genießen, ich glaub ich hab ne richtige Depression deswegen. Tagsüber funktioniere ich, aber abends bin ich vor Angst wie gelähmt und weine viel. Ich werde mich selbst in Therapie begeben, bin schon auf einer Warteliste. Allerdings beträgt die Wartezeit 4-6 Monate, bis dahin muss ich mich noch irgendwie zusammen halten...

        Die Angst dass mehr dahinter steckt (Tourette) oder die tics schlimmer werden ist nicht auszuhalten.

        • Ich kann dir sooo gut nachempfinden. Mir geht es auch oft schlecht wegen der Tics meines Sohnes. Meine Tochter hat zum Glück keine Tics. Also sei Zuversichtlich und optimistisch dass dein kleiner Sohn die Tics nicht zwangsläufig auch bekommen muss...
          Ich wünsche mir auch sooo sehr dass die Tics bald weggehen. Für meinen Sohn aber auch für uns. Ich finde es sooo belastend für die ganze Familie und fühle mich da auch oft schlecht wegen. Er tut mir halt einfach so sehr leid.

          • Naja was mir Mut macht ist dass es meine Tochter selbst nicht stört. Mein Mann geht auch sehr gelassen damit um. Auch unser ganzes Umfeld ist sehr locker, Freunde und Familie sehen einfach drüber hinweg. Aber abends bin ich eben mit meinen Gedanken und meiner Angst allein. Dann fängst man an zu googeln und unterm Strich steht ja immer das schlimmste. Daher sollte man das ewige googeln lassen...!

            Wir machen jetzt 1 mal die Woche autogenes Training und ich informiere mich grad über therapeutisches Reiten, da sie Pferde liebt. Akupunktur wäre auch noch ne Option aber ich möchte ihr auch nicht Zuviel auf einmal zumuten. Sie ist ja schließlich in der ersten Klasse und nach den Hausaufgaben auch erstmal fertig.

            Ich habe herausgefunden dass in unseren beiden Familien im vorbubertären Alter tics vorkamen. Mein Bruder hatte Grimassieren und der Bruder meines Mannes einen vokalen tic, ein ständiges quieken. Bei beiden ging es nach einiger Zeit weg. Auch ich habe einen tic. Es findet in meinem inneren statt; ich „knacke“ ständig mit den Ohren. Kann es auch nicht kontrollieren. Wenn ich versuche es sein zu lassen ( nur so um nachzuempfinden wie meine Tochter sich fühlt) kommt es von allein.

            Ich hoffe sehr dass es sich bei ihr bald verwächst, ich wünschte mir könnte jemand ne Prognose geben.

            Morgens nach dem aufstehen ist sie oft für ca. 10 -15 Minuten ticfrei. Diese Minuten genieße ich sehr. Bis das erste „ hmh „ anfängt oder das drücken oder blinzeln...

            Wie alt sind deine Kinder? Hast du bereits was unternommen um die tics deines Sohnes abzumildern? Hat er sie schon lange? Stört es ihn selbst denn?

            • Ah sorry du hattest ja bereits geschrieben dass dein Sohn elf ist usw.. ich schreibe mit dem Handy und blicke nicht immer durch

              Mein Sohn ist 11, meine Tochter 9.
              Wir haben noch nichts unternommen, da der Kinderarzt immer dazu rät, abzuwarten und zu ignorieren. Ich hoffe wirklich, dass es besser wird.
              Er bekommt jetzt allerdings Magnesium und Vit. B6 weil es sich positiv auf Tourette auswirken KANN. Außerdem bekommt er das Magnesium hauptsächlich wegen seiner Migräne.

              Ihn selbst hat es bisher nicht gestört. Jetzt fängt es langsam an ihm peinlich zu werden. Aber eigentlich erst, seit wir es vor 3 Wochen zu Hause mal thematisiert haben, weil ich wissen wollte, ob er schon mal deshalb gehänselt wurde und ob er die Tics selbst merkt etc. Im Nachhinein denke ich, ich hätte es vielleicht nicht ansprechen sollen , denn nun ist seine Unbefangenheit weg. Nun versucht er auch vor mir die Tics zu unterdrücken, was er ja gar nicht soll...

              • Sind die tics deines Sohnes denn täglich? Meine Tochter kann auch mal nen halben Tag nichts haben ( bis auf das drücken- das kommt immer mal wieder bei Lob über ein schönes Bild oder einfach so). Wäre da nicht dieser Huster im Voraus hätte ich es als tic oder zwang im krankhaften Sinne gar nicht wahrgenommen. Eher als „Marotte“. Was mich verwirrt ist dass ich sie dabei unterbrechen kann und sie es aber nicht zwangsläufig wiederholen oder nachholen muss. Manchmal kommt es mir vor als müsste sie irgendwas „wegdrücken“. Nachdem ich es mal angesprochen hatte, bemerkte ich dass auch sie anfing es vor mir zu verheimlichen. Daraufhin sagte ich ihr sie darf soviel drücken wie sie möchte und dass es für mich ok ist. Vielleicht kannst du es deinem Sohn ja auch sagen. Dass es viele Kinder gibt die sowas machen und er sich in deiner Gegenwart ruhig frei fühlen darf und du ihn liebst egal was er macht.? Ich versuche jetzt einfach entspannt zu sein in ihrer Gegenwart und zwinge mich dazu es zu ignorieren. So schwer es mir fällt. Mein Mann ist mir dabei eine große Hilfe da er sehr locker damit umgeht. Für ihn ist und bleibt es „seine kleine Süße„ egal wie sie tict. Es ist auch sein Ernst also nehme ich mir ein Beispiel und übe es auch. Positive Gedanken können sich vielleicht sogar übertragen. Nur abends kommt die Angst dass was Ernstes dahinter steckt. Oder dass es schlimmer werden könnte...

                Meine Mama sagte, mein Bruder hatte im vorpubertären Alter richtig heftige tics im Gesicht, grimassieren usw... damals gab es kein Internet und man konnte nicht googeln und sich anhand der Geschichten anderer verrückt machen. Wenn der Arzt sagte ignorieren und abwarten, tat man das. Und irgendwann war es weg.

                Vielleicht steckt ja wirklich was hinter dem Spruch dass man die bösen Geister auch herbei denken kann...

                Und wenn man googelt steht unterm Strich irgendwie immer Krebs oder in unserem Fall eben Tourette.

                Ich überlege mir grad ein neues Mantra für meine Gedanken, sowas wie „ alles wird gut, wir stehen das durch“. Und das werde ich für mich 100 mal am Tag wiederholen, bis ich richtig fest daran glaube. Machst du mit?

                • Hey,

                  mein Sohn hat die Tics durchgehend. Mehr als ein paar Minuten Pause gibt es nie. Außer nachts, da hat er keine Tics. Wir hatten 2016 mal einige Monate keine Tics. Das war soooo angenehm. Leider kamen sie dann mit voller Wucht zurück.
                  Ich hab meinem Sohn natürlich schon gesagt, dass er die Tics in unserem beisein nicht unterdrücken muss und dass wir ihn so lieben wie er ist. Aber dennoch versucht er sie nun heimlich auszuführen oder eben so dass es kaum einer sieht, was natürlich nicht klappen kann...
                  Ich glaube manchmal, dass es früher einfacher war mit solchen sachen umzugehen. Man hat sich auf den Arzt verlassen und gut war. Heute googlet man alles und wie du schon sagst, findet man dann immer die allerschlimmsten gruselgeschichten. Deshalb sollte man das auch am besten lassen. Aber das ist eben nicht so einfach...
                  Naja nach der "alles wird gut" Methode leben wir ja schon seid 8 Jahren... Mal klappt es besser und mal eben schlechter. Dann kommen die Zweifel etc und es ist einige Monate sehr schwer für mich damit umzugehen und daran zu glauben dass alles gut wird... Aber letztlich hilft es halt auch nicht weiter sich verrückt zu machen...

                  Zum Thema Wahrnehmung anderer Kinder: Meine Tochter hat es bis vor kurzem auch gar nicht wahrgenommen, allerdings kennt sie ihn ja auch nur so. Von daher ist es für sie halt auch einfach normal. Ein Schulkamerad meiner Tochter hat aber letztens meinen Sohn gefragt warum er so komische Grimassen macht. Also es fällt schon auf, aber bisher nicht so, dass ihn jemand deshalb mobbt. Ich hoffe das bleibt auch so und noch mehr hoffe ich dass es bald verschwindet...

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