Fühlt Ihr euch manchmal sehr beansprucht?

    • (1) 01.08.18 - 19:25

      Liebe Forengemeinde,

      Fühlt ihr euch auch manchmal sehr beansprucht? Da könnte während der Baby- und Kleinkindzeit sein, die zeitlich aufwendigen Hobbies der Kids (Vorbereitungen, Mama/Papataxi), Schulprobleme eurer Kids, Pubertät. Oder man hat einen Angehörigen zu pflegen. Vielleicht wird es euch nervlich, zeitlich etc.zuviel, zumindestens über eine gewisse
      Zeit.

      Es gab Zeiten, wo ich echt das Gefühl hatte, ich werde bis zum geht nicht mehr beansprucht. Mein Großer hatte damals Anfangs große Probleme in der Grundschule.
      Hatte auch wegen motorischer Probleme Ergotherapie. Später bekamen wir die Diagnose
      Legasthenie und AVWS (auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen).
      Weitere Therapien wie Logo, Ergo und Legasthenietraining kam dazu. Das hieß Kind
      durch die Hausaufgaben begleiten, zwar nicht komplett, aber auf Richtigkeit achten.
      Mamataxi zu den Therapien. Übrigens waren zeitaufwendige Hobbies wie Fussball für ihn nicht drinne. Mein Mann und ich hatten über viele Jahre Schichtarbeit. Also beließen wir es beim Schwimmen 1x die Woche Training und alle 3 Monate einen Wettkampf.

      Der Jüngste ist Autist. Es wurden viele Therapien in der Kita gemacht. Hatte bis auf Logo
      alles dort. Nach der Einschulung waren nachmittags 2 bis 3 die Woche Therapien angesagt. Natürlich auch Mamataxi. Zum Glück hatte mein Großer damals keine Therapien mehr.

      Und da war auch noch meine pflegebedürftige Mutter. Hier ging es nicht um die Pflege,
      sondern eher ums Kümmern. Dort war auch immer und ist immer noch 1x die Woche ein
      fester Termin eingeplant.

      Und vor drei Jahren fing ich an die Therapien meines Jüngsten bis auf Logo auslaufen zu lassen. Weil es entweder nicht mehr brachte wie Ergotherapie. Autismustherapie ist meistens zeitlich begrenzt (kann ich jederzeit aber wieder beantragen.). Ich fühlte mich
      dermaßen zeitlich beansprucht. Auch wenn mein Mann mir mal einen Therapiebesuch
      abgenommen hatte. Ich arbeite ja auch noch. Man mag ja mit Steinen nach mir schmeißen, wenn man hört oh die hat die Therapien fast alle eingestampft. Aber irgendwann ist auch Schluss. Man kann irgendwann nicht mehr. Und falls es wieder erforderlich wird, machen wir Therapien wieder.

      Es ist besser geworden zeitlich. Und unser Jüngster geht in Oktober in Kurzzeitpflege (14Tage)und ich fahre mit meinen Mann allein für eine Woche weg.


      Wie sehr seid Ihr beansprucht und was macht ihr dagegen, wenn es Zuviel wird.


      LG Hinzwife

      • Erstmal : Mein Respekt für das, was du leistest.

        Ich lebe dagegen im "Luxus" und fühle mich auch nicht (mehr) gestresst.
        Zwei Kinder (9 und 13) beide spielen ein Instrument, aber sie gehen zu Fuß zum Unterricht - Entlastung-.
        Beide betreiben einen Kampfsport, in einer ! Gruppe - Entlastung-. Mamataxi ja, aber in der Zeit erledige ich meine Wocheneinkäufe, so haben wir eine win-win- Situation.
        Klar fahre ich meine Kinder auch noch woanders hin, aber eben nicht als feststehende wöchtenliche Dienstleistung eingeplant.

        Hausaufgaben machen beide alleine ohne mich, nur bei Vokabeln bin ich gefragt.

        Meine Mutter und meine Schwiegereltern leben 350km entfernt, da bin ich raus, falls mal Pflege oder eben "kümmern" ansteht.

        Ich arbeite Vollzeit, aber ich bin schon mittags zu Hause. Mein Mann arbeitet auch Vollzeit, aber da sind es nur 35h.

        Ich habe seit Jahren das Gefühl mein eigenes Leben Stück für Stück zurück zu bekommen.
        Ja, ich weiß : Das ist Luxus.
        Aus diesem Grund und weil ich weiß wie schnell sich das ändern kann, habe ich große Demut vor dem Leben.

        Ja, ich kenne das gut. Ich bin allein erziehend mit 3 Kindern, die Kleinste ist entwicklungsverzögert, die Mittlere hat auch eine auditive Wahrnehmungsstörung und die Größte eine posttraumatische Belastungsstörung, sie war Zeugin eines Amoklaufs. D.h. jedes Kind hat neben der Schule auch eine besondere Therapie. Ich arbeite 30 h/Woche und wenn die Kinder beim Papa sind, arbeite ich auch durch, weil ich die Stunden sonst gar nicht zusammenkriege.

        Aber bisher schlage ich mich ganz gut, so richtig erschöpft fühle ich mich nicht. Wir gehen jetzt dann zur Mutter-Kind-Kur, ich hoffe, ich kann da etwas mitnehmen in Sachen Abschalten und Entspannen, darin bin ich nicht gut und das könnte durchaus mal problematisch werden.

        Hi du, also ich kann dich verstehen. Ich hab zwar nur ein Kind aber das ist ebenfalls Autist und hat ADHS noch gratis dazu bekommen. Kostet auch ne Menge Nerven plus dazu ein paar spezielle private Angelegenheiten die ebenfalls sehr nerven- und zeitaufreibend sind.
        Ergebnis: Unser Bubi geht auch teilweise in Kurzzeitpflege weil ich endlich mal wieder selbst über mein Leben bestimmen will. Und mit einem Autisten ist dein Leben schon sehr sehr sehr fremdbestimmt.

        Ela

      • Hallo!
        Ich ziehe ebenfalls meinen Hit vor dir!
        Da ich gelernte Ergotherapeutin bin und mich ein wenig mit den Besonderheiten deiner Kinder auskenne, kann ich zumindest teilweise einschätzen, was du /ihr so leisten müsst.
        Daher gönnt euch den Urlaub und erholt euch ein wenig.

        Ich konnte mich bisher auch nie beschweren... klar. Meine Große ist 2 1/2 und wir hatten auch echt anstrengende Zeiten. Aber alles machbar und im Rahmen.
        Nun kam vor 4 Wochen unser Sohn auf die Welt, der schon etwas mehr einfordert als die Große damals.
        Und sie brauch ja auch noch Aufmerksamkeit.
        Der Kleine stillt aktuell im 1 1/2-3 Std.Takt... hat Bauchweh und schläft schlecht ein, bzw schläft eh wenig.
        Jetzt kam zu der Geburt leider noch die Krebsdiagnose meines Vaters dazu. Endstadium.
        Aktuell liegt er 50km entfernt von uns im KH. Es geht ihm sehr schlecht, er ist kaum ansprechbar. Wir hoffen, die Bestrahlung wird ansprechen.
        Meine Mutter ist fix und fertig (wohnen in einem Haus), hat schon 8kg in den letzten 4 Wochen verloren, weil sie nix essen kann und ihr schlecht ist... Sie kann alleine nicht mit Auto zu ihm fahren (schafft sie aktuell körperlich nicht, von der Psyche mal abgesehen... Und wir wollen sie nicht alleine lassen).
        Ich gebe zu, dass ist das erste Mal in meinem Leben, wo ich bewusst sage: ich fühle mich sehr beansprucht.
        Ich funktioniere aktuell.
        Noch geht alles irgendwie. Aber natürlich bleibt da Bull Zeit für mich. Ih freue mich über meine 10 min Dusche-wenn ich es schaffe.
        Da ich weiß, dass diese Zeit vorüber gehen wird und ich sie einfach nur durchstehen muss, bin ich aber optimistisch.
        Es hilft ja alles nix.
        Im Moment bin ich irgendwie der Fels in der Brandung hier.

        Alles Gute für euch. Und nochmals ein paar entspannte Urlaubstage!
        Mery

        Hi,

        ich war mal sehr beansprucht, das hat sich aber gebessert.
        Als ich 14 war, hatte meine Mutter einen Schlaganfall. Seitdem kann sie nicht mehr sprechen und ist wegen einer halbseitigen Lähmung auf den Rollstuhl angewiesen.
        Mein Bruder war da 4,5 Jahre alt.
        Zunächst passte ich auf ihn auf und managte den Haushalt mit. Mein Vater ist vom Typ Choleriker und sobald irgendwas nicht nach seinen Vorstellungen lief, war ich schuld. Das konnten die banalsten Dinge sein, mit denen ich nicht im entferntesten etwas zu tun hatte.
        Ich habe den ganzen Tag nach der Schule gewaschen, geputzt, Einkäufe erledigt usw und wenn ich etwas nicht mehr schaffte, kam mein Vater als ich schon schlief in mein Zimmer gepoltert und schrie deswegen herum... wenigstens zu meinem Bruder war er etwas besser eingestellt.
        Als ich Auto fahren konnte, langte mein Pa vorübergehend mehr zum Alkohol und verlor sogar seinen Führerschein, sodass ich ihn morgens um halb 6 zur Arbeit fuhr, dann mit Zug zur Berufsschule und zurück, mit meiner Mutter und Bruder etwas Essen, meinen Vater wieder abholen, anmeckern lassen, waschen, putzen usw.
        Wie man das durchhält? Der Familie wegen.
        Tja... dann lernte ich meinen jetzigen Mann kennen und wir zogen mit 21 zusammen. Gefiel meinem Vater erst überhaupt nicht, weil er Angst hatte ich könne all die Arzttermine, Fußballtermine für Mama und Bruder nicht mehr fahren usw.
        Und wer macht dann die Wäsche, die die Haushaltshilfe nicht geschafft hat?!
        Trotz schlechtem Gewissen meiner Mutter und meines Bruders gegenüber bin ich ausgezogen und die räumliche Trennung hat es dann erträglicher gemacht.
        Nun fahre ich gelegentlich ein paar Termine für meine Mutter, sortiere Tabletten ein und mache hier und da mal etwas Wäsche.
        Mein Bruder geht auch seinen eigenen Weg.
        Dennoch war das eine Zeit, in der ich täglich weinte und nicht mehr wusste, was ich tun soll. Ich funktionierte nur noch.
        Aber: es hat mich auch stärker gemacht. Viele Dinge habe ich sicher auch verpasst, eine unbeschwerte Jugend war das nicht grade. So sehe ich viele Sachen aber nicht als selbstverständlich an und genieße es, aktuell gesund und frei zu sein.
        Mir wurde bewusst, dass man auch mal an sich selbst denken darf, ja sogar muss, damit man nicht an der Situation zerbricht.

        Mittlerweile habe ich einen 9 Monate alten Sohn und wir genießen die Zeit zusammen, auch mit Oma und Opa - wenngleich das Verhältnis zu meinem Vater nicht grade 100%ig ist....

        Entschuldigung für den langen Text.

        LG

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