Faulheit oder Depression ?! đŸ€”

    • (1) 14.08.18 - 13:06
      Inaktiv

      Hallo ihr Lieben


      Opa/Schwiegervater: 56, Depressionen,wohnt 30 Min. entfernt mit LebensgefÀhrtin G.
      Zweitwohnung hier im Ort.
      Geht regelmĂ€ĂŸig zum MĂ€nnerchor,freitags mit Freunden frĂŒhstĂŒcken.

      Opa möchte seine Enkelin gerne sehen,hat aber keinen Kindersitz. Also fahre bzw fuhr ich sie nach dem Kiga regelmĂ€ĂŸig (mindestens1x wöchentlich) zu ihm und mein Mann holte sie nach der Arbeit dort ab(arbeitet auf halber Strecke)
      Irgendwann wurde uns das aber ehrlich gesagt zu doof und wir haben ihn gebeten,sich doch einen Sitz zu besorgen,so wie es Opa 2 auch tat.
      - kein Problem,wĂŒrde er machen.-
      2 Tage spÀter rief er an,er findet keinen Sitz,ich solle ihm einen besorgen.
      Nun gut. Wir haben dann entschieden,dass er den Sitz aus meinem Auto bekommt.
      Damit hat er sie dann 1x abgeholt. Mein Mann sollte das Kind dann trotzdem wieder nach der Arbeit dort einsammeln.
      Das ist jetzt 4 Wochen her. Seitdem hat er sie nicht mehr abgeholt,mit der BegrĂŒndung,es sei viel zu heiß im Auto ohne Klimaanlage.
      Heute holt er sie dann doch mal wieder ab. Aber es geht nur heute,weil seine LebensgefÀhrtin heute da ist und auch einer ihrer Enkel,dann können die zwei schön miteinander spielen. Er mag die Kleine auch nur haben,wenn G. da ist,da sie ihr den Popo sauber machen kann ( er macht das grundsÀtzlich nicht,auch nicht damals bei seinen Kindern)


      Anderes Beispiel : er hat SperrmĂŒll zum Anmelden,ob ich das fĂŒr ihn machen könnte ?! Er wĂŒrde das nicht schaffen bzw wĂŒsste nicht wie das geht .

       Klar sind alles nur Kleinigkeiten,  aber die HÀufen sich immer mehr.
      - Kind hinfahren (sobald er die Möglichkeit hat,sie selber zu holen klappt es nicht)
      - Kindersitz besorgen
      - SperrmĂŒll anmelden und dann raustragen.
      - Seine Briefe aus dem Briefkasten holen.
      - MĂŒlleimer rausstellen
      -ab und zu Kirchenzeitung austragen ( mir geht es heute nicht gut,kannst du das fĂŒr mich ĂŒbernehmen )

      Dazu sei noch gesagt,er hat insgesamt 4 Kinder. Aber meistens werde ich oder mein Mann gefragt,weil die andern 3 Nein sagen.

      Ich mag ihn sehr,wirklich. Aber es nervt mich mittlerweile.
      Seine Partnerin sagt dann immer : aber er ist doch krank,das mĂŒsst ihr verstehen.

      Liegt es jetzt wirklich an seiner Depression ?? FĂŒr mich ist es eher Faulheit und Bequemlichkeit.
      Er geht ja auch regelmĂ€ĂŸig singen und zum FrĂŒhstĂŒck!? Wenn er dann jedoch davon erzĂ€hlt,sagt er,wie anstrengend das ist und dass er danach erstmal auf die Couch musste um sich zu erholen.

      Ich kenne mich mit dieser Krankheit nicht wirklich aus und möchte ihm nichts unterstellen. Und wenn es die Depression ist, soll ich ihn dann weiter unterstĂŒtzen und ihm alles abnehmen? Oder ist das Kontraproduktiv ?

      • Hallo!

        Doch, das passt gut zur Depression. Mit Depressionen hat man nur eine sehr begrenzte Menge Energie, und die nutzt man dann besser fĂŒr die Dinge, die einen am besten aufmuntern. Also ein Nachmittag mit der Enkelin ist gut, aber nicht alleine, das ist sinnvoll, und auch nicht die weite Autofahrt, wenn es ihm dabei nicht gut geht. Und der MĂ€nnerchor tut ihm sicher auch gut, die Kirchenzeitung dagegen kann manchmal einfach nur Energie kosten.

        Sowas ist wirklich sehr, sehr anstrengend fĂŒr ihn, eben weil seine Energie so begrenzt ist. Aber er bemĂŒht sich eben darum, weiterhin soziale Kontakte zu pflegen, und das ist sehr viel wert. Ohne das ginge es ihm noch schlechter.

        Bring doch die Kleine alle zwei Wochen zu ihm, damit der Kontakt bleibt, die Kleine freut sich, und es ist besser, wenn er dabei Hilfe von seiner LebensgefÀhrtin hat.

        Übrigens werden die HilfsbedĂŒrftigkeiten mit den Jahren ganz sicher nicht weniger.

        Moin,

        Energielosigkeit, das GefĂŒhl dass einen alles Kraft kostet, ist eines DER Warnhinweise auf eine Depression, quasi die "erste Stufe".

        Ich will hier ehrlich ĂŒberhaupt nix raten. Bei Sucht ist es finde ich einfacher, da kann man meist ne harte Linie unbedenklich fahren, bei Depression schwebt ja immer noch der Selbstmord als "worst case" ĂŒber allem, deswegen hier ein finde ich guter Artikel um sich zu informieren.

        Am wichtigsten ist: Selbstschutz. Manche Menschen wollen nicht gerettet werden und ziehen Helfer nur mit in den Sumpf, die dann spÀter leicht selber erkranken. Achte genau darauf wo DEINE Grenzen sind.

        https://www.apotheken-umschau.de/Depression/Depressionen-Was-koennen-Angehoerige-tun-32754_13.html

        Alles Gute!
        WuscjElke

        (4) 14.08.18 - 14:50

        Ich seh da keine Faulheit und auch nicht wirklich viel, was auf Depression hinweisen könnte.

        Dass er keine Lust hat jede Woche 2x 60 Minuten Auto zu fahren um sein Enkelkind zu sehen, finde ich menschlich. Auch dass er sie nur nimmt, wenn seine Partnerin da ist, ist normal, gerade bei "Ă€lteren Herren". Da ist er sicher nicht der einzige.
        Auch, dass ihn die Hitze lĂ€hmt und einbremst finde ich verstĂ€ndlich. Davon abgesehen sind 60 Minuten Autofahrt bei Mittagshitze ohne Klimaanlage wirklich QuĂ€lerei fĂŒr Opa und Kind.

        Und natĂŒrlich besorgt ihr den Autositz. Zum einen wĂŒrde er sicherlich den falschen nehmen bzw einen, der euch nicht recht ist, zum anderen sind gute Autositze ja nicht gerade billig. Sei froh, dass er nicht irgendein Schrottteil aus dem Keller nimmt.

        Bei MĂŒll und Post geht es um den Zweitwohnsitz bei euch im Ort? Auch hier finde ich es verstĂ€ndlich, wenn er euch bittet dies zu tun, er mĂŒsste schließlich 60km fahren.

        Auch beim Zeitungsaustragen finde ich es in Ordnung, wenn man bei Krankheit in der Familie nachfragt. Wenn dies aber stĂ€ndig der Fall ist, wĂŒrde ich eben nicht immer zusagen.

        Depressive Menschen sind schnell ĂŒberfordert, gerade wenn es ums Organisieren geht. Deshalb ist ein MĂ€nnerchor vielleicht ein guter Ausgleich wĂ€hrend ihn eine SperrmĂŒllabholung an seine Grenzen bringt.

        NatĂŒrlich musst du dich nicht ausnutzen lassen, aber so schlimm finde ich das, was du schreibst, nicht. Wenn es dir zu anstrengend ist, dein Kind wöchentlich zum Opa zu bringen, dann reduzier doch auf 2x im Monat. Und wenn dann einmal ihr, einmal der Opa fĂ€hrt, ist das doch echt kein Aufwand mehr.

        • (5) 14.08.18 - 16:13

          Ja, ich stimme mit dem ĂŒberein, was Du schreibst.

          Aber bei dem Begriff "Ă€lteren Herren" musste ich doch etwas schlucken: Unser jĂŒngstes Kind ist gerade 7 geworden, mein Mann wird dieses Jahr 53 Jahre alt. ZĂ€hlt er fĂŒr Dich dann auch schon zu den "Ă€lteren Herren"? Wir fĂŒhlen uns eigentlich mit unseren 5 trubeligen Kindern noch mitten im Leben!

          • (6) 14.08.18 - 16:40

            Ach, man ist doch so alt wie man sich fĂŒhlt, oder;-)?

            Aber viele GroßvĂ€ter haben ja tatsĂ€chlich BerĂŒhrungsĂ€ngste bei der Betreuung der Enkelkinder, gerade wenn es um so Dinge wie Wickeln oder Po-abwischen geht. Oft haben sie es bei den eigenen Kindern nie gemacht und jetzt bei den Enkeln trauen sie sich das eben auch nicht (oder halten es fĂŒr Frauensache...).

            Bei euch wird das sicher mal ganz anders:-D

          • Alter ist immer sehr subjektiv und von vielen Faktoren abhĂ€ngig.

            Mein Vater war mit 60 alt, mit 65 pflegebedĂŒrftig und mit 75 tot. Das war altern im Zeitraffer.
            Meine Mutter ist jetzt 73 und eine typische aktive Seniorin die 10x im Jahr in Urlaub fÀhrt, Computer-Kurse besucht, etliche Hobbies und Freundschaften pflegt... wenn man davon absieht, dass sie nicht mehr gut Treppen steigen kann, ist sie topfit.

            es ist wirklich schwer zu vergleichen, weil es so individuell ist und so viele Faktoren mit reinspielen.

      Ich leide selber seit Jahren an Depressionen. Mein Hauptsymptom war die Antriebslosigkeit.
      Und genau danach klingt es hier fĂŒr mich auch. Depressionen haben sehr viele Gesichter. Und das macht es fĂŒr Außenstehende hĂ€ufig schwer sie zu erkennen und zu akzeptieren.
      Ich bin jahrelang jeden Tag zur Arbeit gegangen, habe meinen Job perfekt gemacht (haben meine ehemaligen Kollegen und Vorgesetzten bestĂ€tigt, daher konnten sie nach dem „großen Knall“ nicht glauben, dass ich schwere Depressionen hab), aber ich habe es nicht geschafft, meinen Haushalt und meine verpflichten nachzukommen. Verabredungen habe ich hĂ€ufig angesagt, weil ich keine Energie hatte.

      Einen Rat habe ich nicht wirklich. Jeder Patient ist individuell und braucht genau so eine individuelle Therapie. Aber eine Therapie ist das wichtigste. Ob das nun Medikamente sind (es gibt sehr gute antirebsfördernde, man muss allerdings probieren), GesprÀchstherapie oder sogar eine lebensbegleitende ist, muss man mit entsprechenden Experten herausfinden.

      Ihr als Familie (du und dein Mann) mĂŒsst entscheiden, ob wie weit ihr unterstĂŒtzen könnt.
      Ich kann bis heute nicht in Worte fassen, dass mein Mann die letzten Jahre alles am laufen gehalten hat, bis ich die richtige Therapie bekommen habe und wieder am Leben kann.
      Und mein Mann hÀtte bestimmt mehr als einmal gerne geschrien oder wÀre nicht nach Hause gekommen.

      LG

      Hallo,

      ja, das klingt schon nach einer Stufe der Depression.

      Der Unterschied liegt auch darin, dass er die einen Termine kennt und weiß, wie die ablaufen, was da passiert, das gibt Sicherheit. Und evtl. gibt es auch jemanden, der ihn dazu bringt, die Termine wahrzunehmen.

      Die anderen Termine sind fĂŒr ihn mit UnabwĂ€gbarkeiten verbunden, er muss planen und organisieren und ist z. T. auch noch fĂŒr ein kleines Leben verantwortlich. Das ist Stress pur, das allein kann einen empfindlichen Menschen schon an den Rand einer Belastungsgrenze bringen.

      VG, midnatsol

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