Darf man schwanger werden, wenn man schon vorher weiß, dass man auf Hilfe angewiesen sein wird?

    • (1) 29.08.18 - 19:59

      Hallo,

      mich würde einmal eure persönliche Meinung interessieren.

      Ich habe gesundheitliche Probleme mit der Wirbelsäule und würde es nicht schaffen, in einer weiteren Schwamgerschaft meine kleinen Kinder vollständig zu versorgen.
      Gerade der Haushalt wäre das größte Problem (Wäsche machen, saugen,...) und Autofahrten.

      Mein Mann kann sicher einiges abfangen, aber eben nicht alles.
      Wir wünschen uns aber noch sehr ein weiteres Familienmitglied.

      Als ich einmal in einem Gespräch darüber gesprochen hatte, ob ich in einer weiteren Schwangerschaft eine Haushaltshilfe für wenige Stunden am Tag bekommen würde, wurde ich sehr scharf angegangen.
      Es wäre eine Frechheit, wenn ich Leistungen bekäme, obwohl ich ja vorher von den Problemen gewusst hätte.

      Wie ist eure Sicht der Dinge? Dürfte ich noch einmal schwanger werden, wenn ich Leistungen zur Problembewältigung bekäme?

      Ps. Ohne schwangerschaft, bzw mit Baby habe ich zwar weiterhin Probleme, bin aber in der Lage, den Haushalt zu bewältigen.
      Und ja, klar könnten wir auch privat jemanden anstellen, aber ob wir das 7 Monate bezahlen können, ist die Frage.
      Wir haben auch im privaten Umfeld, helfende Händ. Aber auch da stellt sich diese moralische Frage, darf ich, wenn ich es dovh schon vorher weiß....

      Dieser Gedanke beschäftigt mich sehr.

      Nein, ich finde das nicht gut. Weil ich Eigenverantwortung wichtig finde. Weil ich es nicht mag, wenn Leute die Allgemeinheit für ihre Wünsche zahlen lassen.

      Vor allem, da ihr ja bereits Kinder habt.

      Bei euch wäre es aber immerhin nur temporär.

      • Würdest du das einer Mama mit Frühchen wegen Cervixinsuffizienz und weiterem Kinderwunsch auch so sagen?

        Immerhin hätte sie in einer weiteren Schwangerschaft das Risiko, wieder ein Frühchen zu bekommen. Da würde es nicht nur um die Hilfe VOR der Geburt gehen, sondern auch um die Zeit danach.

        • Das sind schwierige moralische Fragen, die du hier stellst... Aber irgendwie nicht vergleichbar.

          Wenn ich wegen Cervixinsuffizienz bereits einmal um ein Kind gebangt habe, würde ich ganz sicher kein zweites bekommen. Einfach auch, wenn es denn gut ausging, um das Glück nicht herauszufordern. Das würde ich vielleicht auch ähnlich formulieren, bei einer solchen Mama, die mir von weiterem Kinderwunsch erzählt.

          Jeder hat seine persönliche Geschichte, aber zu einem Kind (auch zu einem weiteren) gehört für mich, dass ich es mir leisten können muss. Auch in körperlicher und finanzieller Hinsicht.

          Wir haben uns bewusst für nur ein Kind entschieden. Diesem einen Kind soll es an nichts fehlen, es soll nicht vom Staat alimentiert werden. Die Statistiken, dass ein Kind bis zum 18. Lebensjahr ca. 130.000 € kostet, kennen wir alle. Wir haben für uns beschlossen, dass wir uns das tatsächlich nur einmal leisten können, ganz nüchtern und unromantisch.... so sind wir zwar immer mal traurig, dass es nur dieses eine Kind gibt, aber wir sind auch dankbar, für das Glück, was es für uns bedeutet, für seine Gesundheit und unsere.

          Aber das sind Überlegungen, die jeder für sich selber anstellen muss, da hat niemand das Recht reinzureden.
          Wenn es für dich in Ordnung ist, auf Hilfe angewiesen zu sein, musst du ein weiteres Kind bekommen. Es sollte dich nicht interessieren, was andere darüber denken. Warum solltest du nicht die Möglichkeiten nutzen, die der Staat so bietet, für diese Fälle. Wenn es auch "gerechter" wäre, wenn du dir die Hilfe selber leisten könntest, dann würde sich ja deine Frage auch gar nicht stellen.
          Diese individuelle Entscheidung wirst du wohl ganz allein treffen müssen.

          • (8) 30.08.18 - 15:53

            Es geht ja aber nur um eine vorübergehende Unterstützung während der Schwangerschaft- nicht um dauerhafte Hilfen. Das ist ein Unterschied für mich, ob jemand während der Schwangerschaft eine Familienhilfe benötigt oder ob man dauerhaft finanziell mit dem Unterhalt eines weiteren Kindes überfordert ist.

            Jede Frau die sofort ins Beschäftigungsverbot muss kostet die Gemeinschaft wesentlich mehr als das bisschen Familienhilfe.

            Von besonderen medizinischen Fällen, Frühchen oder monatelangen Klinikaufenthalten ganz zu schweigen.

        Ich hätte es nicht besser als skuld formulieren können. Meine persönliche Meinung ist auch, dass jeder, der Kinder will sich diese auch in finanzieller, zeitlicher, psychischer, partnerschaftlicher und gesundheitlicher Weise leisten können sollte.

Hallo.

Aus meiner Sicht spricht da nichts dagegen. Wenn man ein Kind bekommt und großzieht leistet man sehr viel für die Gesellschaft. Man sichert damit ihre Zukunft. Beispiel Rente: Die basiert ja nicht auf dem was ich eingezahlt habe, sondern auf dem Verdienst unserer Kinder. Das was du im Laufe der Jahre an Zeit, Energie und Liebe, aber natürlich auch Geld in deine Kinder investierst ist definitiv mehr wert als eine Haushaltshilfe kostet.

Nächster Punkt: Wenn man rein mit den hohen Kosten argumentiert, dürfte auch niemand eine Kinderwunschbehandlung bekommen. Das ist schließlich oft langwierig und teuer. Definitiv teurer als eine Haushaltshilfe. Da könnte man dann auch sagen das lohnt sich nicht, lasst doch lieber die Kinder bekommen bei denen es unkompliziert klappt. Aber gerade das Thema Kinderwunsch ist doch mehr als nur Zahlen und Fakten. Es geht um euer Leben als Familie, ich finde da kann man mal ein wenig Abstand nehmen von dem allgegenwärtigen leistungsgedanken und der Frage nach dem lohnt sich das. Das dominiert bei uns schon viel zu viele Lebensbereiche.

Und zu letzt: Auch einem Extremsportler würde man nach einem Unfall helfen, auch wenn er sich der Risiken vorher bewusst war und die Behandlungskosten oft exorbitant sind. Da stellt sich auch niemand hin und sagt selbst schuld schau wo du bleibst. Dafür haben wir einen Sozialstaat - um einander zu unterstützen.

Hör auf dein Herz. Ihr schafft das schon. Es ist nichts schlimmes mal Hilfe in Anspruch zu nehmen. Alles Gute für euch.
Liebe Grüße

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