Wenn das Kind...

    • (1) 13.10.18 - 20:31
      eir

      ... komplett anders ist, als man selbst.
      Unser ältestes Kind ist das komplette Gegenteil von uns Eltern. Wir sind extrovertiert mit entsprechenden Hobbys und Interessen, er ist introvertiert.
      Dank einer holprigen Anfangszeit, sind wir "ruhig" mit ihm gestartet, waren also schon etwas geübt, als sich Charakterzüge richtig zeigten.
      Ich würde lügen, würde ich sagen, dass es mir immer einfach fällt ihn zu verstehen und entsprechend zu reagieren. Für meinen Mann ist es aber deutlich schwerer.
      Gerade hatten wir das Thema Klassenfahrt (zum Kennnenlernen) nach gut 12 Wochen weiterführende Schule. Zu allem Übel, hat unser Sohn während dieser Tage auch noch Geburtstag. Für ihn erst recht der absolute Horror.
      Mein Mann konnte das nicht verstehen. Mitschüler sind, aus seiner Sicht, nach 12 Wochen ausreichend bekannt und nicht mehr fremd, Geburtstag unter der Woche fällt ohnehin kleiner aus und wird am WE nachgefeiert,...
      Wir haben gemeinsam mit der Schule eine gute Lösung gefunden und gegenüber unserem Sohn gibt er sich, wenn er es absolut nicht nachvollziehen kann, auch eher bedeckt und sagt lieber nichts.
      Irgendwie habe ich es noch nicht geschafft, ihm das Verständnis für sowas näher zu bringen.
      Wie ist das bei euch? Wie geht ihr damit um und was hilft euch?

      Liebe Grüße

      • (2) 13.10.18 - 20:44

        Hallo,

        auch wenn es schwer fällt, man muss lernen das Kind so anzunehmen wie es ist.

        Vielleicht hilft es sich in das Kind hinzuversetzen und Zeit mit den Interessen des Kindes zu verbringen um es besser zu verstehen.

        Bei mir klappt es nicht immer, aber es lebt sich inzwischen einfacher das Kind in seinen Eigenarten zu akzeptieren und es nicht zu einem Abbild seiner selbst zu machen.

        VG

            • (5) 13.10.18 - 20:59

              Die beiden haben ein sehr gutes Verhältnis und unternehmen regelmäßig auch etwas alleine. Das ist ja auch alles absolut kein Problem.
              Es sind so Momente wie das mit der Klassenfahrt, die Angst vor dem ersten Schultag, einer Präsentation vor der Klasse,... in denn er ihn absolut nicht verstehen kann.
              Empathie ist für ihn eigentlich absolut kein Problem, im Beruf essentiell.

      (8) 14.10.18 - 10:04

      Hallo
      Habt ihr euren Sohn mal gefragt warum er nicht möchte?
      Oder warum eine Präsentation schlimm ist?

      Wenn man als Eltern selbstbewusst ist, kann man das von seinem Kind nicht erwarten. Ich war auch eher schüchtern und solche zur Schau Stellungen wie Vorträge, kurz an die Tafel, Veränderungen im Schulalltag waren für mich schlimm. Meine Eltern störte das und sie meinten immer ich sei komisch, ich fühlte mich unter Druck gesetzt und zog mich noch mehr zurück.

      • (9) 14.10.18 - 12:09

        Hallo
        Natürlich wissen wir das. Auch ohne ihn zu fragen.
        Ich sehe absolut was ihn dabei verunsichert. Mein Mann denkt dann eher, er ist gut vorbereitet, hat ein tolles Plakat,.. da kann ja nichts mehr schief gehen.
        Das mit deinen Eltern tut mir Leid! Sowas passiert hier nicht.

        Liebe Grüße

    (11) 14.10.18 - 10:35

    Hallo,

    für mich klingt es nicht so als würde dein Mann euren Sohn akzeptieren bzw. verstehen wollen.

    Es klingt eher so, als würdet ihr auskommen, solange er sich einigermaßen (nach eurem Verständis) "normal" benimmt.

    Ich persönlich fahre auch heute nur sehr ungern über Nacht weg und finde es durchaus verständlich, wenn man das als Kind nicht möchte, wenn man eh sehr lange braucht um überhaupt "warm" zu werden.
    Und auch noch über den Geburtstag, fänden sogar meine Kinder sehr blöd, obwohl sie gerne unterwegs sind.

    Es ist natürlich sehr schwierig mit Kindern, die völlig anders ticken als man selber.
    Einen richtigen Rat gibt es so einfach nicht.

    Unser Erster ist auch völlig anders wie wir und wir haben schon viele Phasen durch. Wir wollten das er, nach unserer Definition von normal, so ist, hatten Angst was falsch gemacht zu haben usw...

    Aber irgendwann haben wir gelernt, das es absolut vermessen ist, zu wissen was richtig und falsch ist und wie er zu sein hat.
    Wir haben genau hin geschaut und es versucht zu verstehen. Manchmal ging das, manchmal verstanden wir es nicht, dann haben wir versucht es zu akzeptieren.
    Und sogar das ist manchmal gar nicht so leicht.
    Aber dadurch haben wir sehr zu schätzen gelernt, was er anders macht und das sein Blickwinkel auf die Welt genauso stimmig ist wie unserer, nur eben anders.
    Mittlerweile lassen wir uns sogar inspirieren, denn es eben nicht so zu machen wie wir, kann auch sehr interessant sein.

    Manchmal hilft auch einfach mal eine Erziehungsberatung, oder Mediation.

    Ich wünsch euch alles Gute!

    • (12) 14.10.18 - 11:55

      Hallo
      Das stimmt nicht. Bei kleineren und alltäglichen Dingen, schafft es auch mein Mann mit ihm gemeinsam. Aber bei anderem, überlässt er den Hauptteil lieber mir.
      Ich kann das mit der Klassenfahrt auch verstehen und hätte kein Problem damit gehabt, wenn er nicht mitgefahren wäre. Aber wir haben mit der Schule ja eine Lösung gefunden, mit der er sich wohl fühlt.
      Wir haben hier ja auch keineswegs akute Probleme. Die beiden verstehen sich prima. An einem langweiligen Samstag Abend, ist mir das einfach im Kopf gewesen ;-)

      Liebe Grüße

(13) 14.10.18 - 11:20

Hallo!

Also ich finde ihr müsst ihn nicht verstehen, sondern einfach nur nehmen wie er ist und sein Verhalten nicht *abwerten*. Denn das macht ihr indirekt.
Lasst euren Sohn alle Möglichkeiten offen und was er dann macht, ist seine Entscheidung.

Wenn ihr so anders seit als er, werde ihr ihn eh nie verstehen. Also ich würde einfach von dem Gedanken abstand nehmen. Er ist wie er ist und er entwickelt sich ja auch weiter.
Er wird seinen Weg gehen.

LG Sonja

  • (14) 14.10.18 - 12:02

    Hallo
    Mmh. Wie werten wir ihn indirekt ab? Dass er anders ist als wir selbst, ist eine Feststellung. Keine Abwertung. Kein Wunsch, dass er eine Kopie von uns wird. Mir fällt es nicht immer leicht, aber größtenteils klappt es. Verstehe ich etwas besser und kann mich rein versetzen, kann ich ihm viel besser helfen. Das würde auch mein Mann gerne.
    Er wird gerade 10 und legt Wert auf meine/unsere Hilfe,Meinung,Unterstützung,..

    Liebe Grüße

(15) 14.10.18 - 13:20

Hallo
ich glaube da hilft nur absolute Ehrlichkeit zwischen euch Eltern.
Ihr hättet euer Kind gerne anders.
Wenn ihr euch das eingesteht, könnt ihr anfangen, euch von dieser Wunschvorstellung zu verabschieden und euer Kind, das das Recht hat, so zu sein, wie es ist, anzunehmen.
Euer Kind muss nicht so sein wie ihr. Es ist sein eigener Mensch mit anderen Grenzen und Vorzügen. Seht diese. Bestärkt die Vorzüge und respektiert die Grenzen. So wird er sicher genug, um möglicherweise seine Grenzen selbst erweitern zu können.
LG

  • (16) 14.10.18 - 13:30

    Wie kommst du darauf #kratz? Das stimmt überhaupt nicht und da gibt es auch nichts einzugestehen. Er ist wie er ist und das ist gut so.
    Dass er anders ist als wir, ist eine Feststellung. Die Frage war, wie es meinem Mann leichter fallen könnte, sich in ihn hineinzuversetzen.

    • (17) 14.10.18 - 13:37

      Das ist einfach mein persönlicher Eindruck, auch nachdem ich deinen Anfangstext jetzt nochmal gelesen habe.
      Was gibts da nicht zu verstehen, dass ein Kind Angst vor einer Klassenfahrt hat?
      Das ist menschlich und normal und ok.
      Es gibt Kinder, die stürzen sich ins Abenteuer, andere nicht.
      Dein Mann kann sich nicht „hineinversetzen“? Tja. Warum nicht? Da würde ich anfangen.
      Er soll seinem Kind doch einfach glauben, dass es für seine Verhältnisse einfach schwierig ist.

      • (18) 14.10.18 - 13:56

        Ich nehme mal das Beispiel mit dem Vortrag. Ja, generell versteht er das. Hat er sich aber gut vorbereitet, den Text geübt, Plakat und Co vorbereitet, versteht er nicht, wieso er noch immer wenig begeistertet ist, denn es kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen.
        Wie weiter oben geschrieben, gibt es hier eigentlich keine gravierenden Probleme. Empathie ist für meinen Mann eigentlich kein Problem, im Beruf essentiell. Ich wollte mich einfach mal umhören, an einem langweiligen Abend.. Ich vermute, es ist auch eine emotionale Sache. Seine Eltern gaben ihm keinen Raum für Gefühle. Er will es besser machen und helfen.

        • (19) 14.10.18 - 14:12

          Danke für deine Antwort. Ich meine das auch überhaupt nicht wertend, im Gegenteil, ich glaube, alle Eltern kommen an den Punkt, wo sie ein Kind mal nicht verstehen.
          Wenn ein Kind introvertiert und sensibel ist, dann nützt es nichts, von der Verstandesebene zu kommen und zu sagen: es kann ja eigentlich nichts mehr passieren.
          Es können (und wahrscheinlich werden) 1000 Dinge passieren. Die meisten höchstwahrscheinlich nur im Kopf eures Sohnes, aber das ist das, was ihn so zögerlich an die Sache rangehen lässt. Es ist aufregend, einen Vortrag halten zu müssen. Vor die Klasse treten zu müssen. Für manche ist es eine Tortur.
          Lachen sie mich aus?
          Finde ich meine Blätter?
          Ist mein Plakat schön?
          Blamiere ich mich?
          ...
          Da gibt es tausende von Fragen, tausende von Unsicherheiten.
          Du schreibst, in der Kindheit deines Mannes war wenig Platz für Gefühl. Er möchte es nun besser machen. Vielleicht kann er ihn mal fragen, woran euer Sohn denkt, wenn er an diesen Vortrag denkt. Oder mal von sich erzählen, wie es war in der Schule. Hat er sich vielleicht selbst mal unwohl gefühlt in einer Situation. Ihm sagen, dass es ok ist, auch mal den Faden zu verlieren. Zu stottern. Dass er, wenn er aufgeregt ist, sich die anderen Kinder in Unterhose vorstellen soll. Das wären ein paar meiner Strategien, um einem Kind zu zeigen, dass es wahrgenommen wird.

(20) 14.10.18 - 14:58

Dein Kind ist ein eigenständiger Mensch - das Zauberwort heisst "Akzeptanz".

(21) 14.10.18 - 15:23

Hey,

ich kann das verstehen. Und auch wenn man das bei den Antworten hier nicht glaubt, kommt das sehr häufig vor.

Unser Sohn ist genauso wie ich. Mir hilft das, ihn zu verstehen. Mein Mann hingegen findet nur mühsam Zugang in schwierigen Situationen. Unsere Töchter hingegen sind ganz anders. Teils anders als wir. Eigentlich sind wir alle verschieden. Macht es nicht immer einfach *lach*

Letztelendes kann man das nur akzeptieren und sich eingestehen, dass man halt anders ist. Ihr könnt ihn nicht ändern und das wollt ihr auch garnicht.
Wenn ich Tipps geben sollte/könnte, dann:
-gebt ihm das Gefühl, dass er "mächtig" genug ist, seinen eigenen Weg zu gehen. "Es ist ok, wenn du das anders machst, als wir"
-schaut mal in Ruhe, welche Anteile seines Verhaltens welchen Sinn haben
-schaut dann mal hin, von welchen seiner Verhaltensweisen oder Ansichten ihr gerne einen Teil ab hättet.

Ihr seid euch eurer Unterschiede bewusst. Ihr reflektiert. Ich finde, ihr macht schon ganzschön viel gut!

Schöne Grüße

(22) 14.10.18 - 16:31

Hallo,

dein Mann hat ein Empathieproblem. Es ist dabei unwichtig, dass es Empathie für seinen Berufsaltag benötigt.
Er geht bei den emotionalen Problemen eures Sohnes von sich aus. Und um nichts falsches zu sagen, hält er lieber die Klappe -> was außer einem Empathieproblem soll das denn sonst sein?

Wenn dein Mann nicht weiter kommt und er sollte weiter kommen, hilft eine Beratung weiter. Die Beratung hilft natürlich nur , wenn ihr/er sich eingesteht, dass das Problem auf Seiten der Eltern da ist.

Gruß Sol

Top Diskussionen anzeigen