Zu viele Diagnosen für 6 Jährigen

    • (1) 16.11.18 - 13:04

      Hallo liebe Familien,

      ich bin neu hier und hoffe ein paar Erfahrungswerte von euch mit auf den Weg bekommen zu können.

      Mein Sohn ist 6 Jahre alt, er war schon immer etwas intensiv in der Pflege.
      Fing mit den berühmten 3 Monats-Koliken an.
      Er hatte nur Unfug im Kopf, aber ich war immer geduldig und habe versucht ihn soweit konsequent, liebevoll und kreativ zu erziehen.

      Er ist wahnsinnig intelligent, kreativ und kann soooo lieb sein.

      Aber er ist sehr impulsiv und unberechenbar. Er schlägt andere Kinder, oder beleidigt sie. Er ist seit dem Kindergarten von anderen Kindern und vorallem deren Eltern ausgeschlossen worden. Sein Sozialleben stürzt immer weiter ab, da nicht mal mehr die Kinder aus meinem Freundeskreis zu uns wollen.

      Nun sind die Schulpsychologen eingeschaltet, er geht zur Ergotherapie, ich war beim HNO, bei der Authismus Beratung, und und und.

      Seine Diagnosen gehen von ADS, ADHS, Autismus, Asperger bis hin zur falschen Erziehung, Trauma oder üblem Charakter.

      Ich weiß nicht wo ich hier ansetzen kann. Ich würde ihm so gerne helfen.
      Ich weiß nur langsam nicht mehr wie.

      Ich hab das Gefühl wenn ich jetzt der falschen DIagnose nachgehe und alle Fördermaßnahmen ergreife, kann ich ihm sein junges Leben nachhaltig verpfuschen.

      Habt ihr vielleicht Tips oder Erfahrung mit diesem Diagnosenüberfluss?

      Liebe Grüße,

      Anna

      • (2) 16.11.18 - 13:21

        Hey,

        erstmal zu meinem Verständnis. Wer hat welche Diagnose mit Diagnostik gestellt?
        Natürlich kann man Diagnosen verteufeln und als Stigma sehen, trotzdem haben sie immer auch einen Nutzen, manchmal nur für die Eltern.

        Als erstes würde ich anfangen ihn zu akzeptieren wie er ist.
        Als zweites überleg dir doch mal, welche Situationen gut laufen. Und dann mach mehr davon. Du hast geschrieben, er könne so lieb sein. Wann und zu wem ist er lieb?
        Dass er so ausgegrenzt wird, tut mir leid für dich. Hat er das selbst schon gemerkt und weiß er, dass keiner mit ihm spielen möchte, weil er sich doof benimmt?

        Ich hab beruflich und privat mit diesem Thema zutun. Da solche Threads oft ausarten, darfst du mich gern auch persönlich anschreiben.

        Schöne Grüße

        (3) 16.11.18 - 13:26

        Versuch einen Schritt zurück zu treten.

        Ich kenne auch solche Kinder. Einige davon habe ich sehr gerne. Aber ich sehe auch, was die Eltern (in meinen Augen) falsch machen.

        Also: Sieh immer das liebenswerte, kreative und tolle in ihm. Immer. Aber überseh nie seine Auswirkung auf andere - man darf nicht seine Bedürfnisse vor die anderer Kinder setzen. Wenn er z.B. nicht mit auf eine Reise kann weil er den anderen allen den Spass verderben wird - dann lass ihn daheim.

        HNO und Ergotherapie sind nicht falsch. Ansonsten mach, was der Psychologe empfiehlt oder wenn du dem nicht vertraust, dann wechsle. Du bist ja nicht zum Psychologen, damit du nachher nichts umsetzt.

        Er darf sich selber nicht als "Problem" sehen aber er sollte merken, dass er bei anderen nicht gut ankommt. Dass SEINE ART nicht gut ankommt. Tut es das nicht, dann hat er eine falsche Wahrnehmung von sich und es ist gut, wenn ihr Asperger abklärt.

        Manchmal wächst sich sowas aus. Manchmal - und es tut mir leid dass man das nicht abgrenzen kann - wird es schlimmer, je mehr man abklärt. Ein Junge sagt, seit er in der Sonderschule ist "Das kann ich nicht. Autisten können das nicht". Das war vorher nie ein Thema... Daher bleibt kritisch und reflektiert. Aber befolge erstmal, was der Psych sagt. Es geht nicht, dass er andere schädigt.
        Trauma finde ich kann man ausschliessen. Wäre irgend was vorgefallen hättest du das bei so einem kleinen Kind doch gemerkt. Oder könntest das, bewusst wie du die Situation anschaust, doch heute nachvollziehen.

        Einen miesen Charakter würde ich auch ausschliessen. Aber nicht, dass er bewusst und extra gemein ist. Weil er es kann und damit durchkommt. Es gibt viele Kids, die so versuchen mit anderen in Kontakt zu treten...

        (4) 16.11.18 - 13:47

        Hallo Anna,

        Wenn ich dein Beitrag lese muss ich an meinen Sohn (8) denken.

        Habe leider den Fehler gemacht und ihn auf eine Schule für soziale/emotionale verhaltensprobleme geschickt (nachdem die regelschule ihn nicht weiter wollte)
        Nach einem Jahr und viel theater hab ich um schulbegleitung gebeten.
        Wir haben vom Jugendamt Hilfe geholt (sozialpädagoge) hatten wir auch schon. Leider mäßiger Erfolg.

        Konzentrier dich auf dein Kind wenn er von Arzt zu Arzt muss könnte er meinen etwas stimmt nicht mit ihm. Regeln Konsequenzen etc. Aber jeder ist nunmal wie er ist

        Es ist kräftezehrend aber ihr schafft dass schon.
        Wenn du noch Fragen hast meld dich.

        LG kuecken

      • (5) 16.11.18 - 14:27

        Wer hat welche Diagnosen gestellt
        und dazu beraten, wie es weiter geht.

        Eine Diagnose sollte nie die Endstation sein, sondern immer erst der Anfang.

        Damit meine ich:
        Einen Arzt der sagt, das Kind hat ADS/ADHS / Autismus etc. aber abblockt, damit man dem Kind helfen kann, den würde ich wechseln.

        Ein Arzt sollte
        - genauer hinsehen
        - mehrere Testungen machen
        - auf Fragen antworten
        - Beratung anbieten, wie es weiter gehen kann. Alternativ eine Adresse mitgeben, wer für die Weiterbehandlung hilfreich sein kann.

        Ich selbst habe ADHS
        Freunde haben selbst oder deren Kinder Asperger Autismus.
        Teilweise mit ADS
        Freunde haben auch manche ADS/ADHS
        Teilweise mit HB, teilweise ohne.


        Jede/r von ihnen braucht eine andere Erziehung, andere Tipps im Alltag.
        Bei ADS/ADHS kann Medikation helfen. Dies sollte von einem guten Arzt begleitet werden.
        Ein guter Arzt achtet aber auch auf eine sinnvolle Begleittherapie!

        Das KANN Ergo sein, muss aber nicht. Das kann auch etwas anderes sein.
        Ein guter Arzt achtet darauf, dass das nötigste an Therapien abgedeckt wird, aber auch so, dass das Kind möglichst nicht zu viel gleichzeitig hat.

        Gibt es bei euch Praxen, die sich auf ADS/ADHS/Asperger spezialisiert haben?
        Ergo mit diesen Schwerpunkten oder ähnliches?
        Das könnte z.B. hilfreich sein, da diese durch Erfahrung in die eine oder andere oder beide Richtungen unterstützen können.

        Mir selbst würde Ergo pur nichts bringen. Psychologen, die mir erklärten, dass ich kein ADHS haben könne, weil sie sich nicht damit auskennen, haben mir auch nichts gebracht! Auch wenn sie sich selbst ADHS auf die Fahne geschrieben haben.


        Eine gute Anlaufstelle kann wichtig sein. Jemand der sich damit auskennt und bei der Therapiekoordination unterstützen kann. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Passend zum Kind.

        Nur Diagnose hinklatschen und das war's finde ich gefährlich.
        Ebenso Diagnosen, die nur durch Gespräche aufgebaut sind oder durch "wir probieren mal durch".

        Nur als Beispiel.
        Sowohl bei mir als auch bei den Kindern von Freunden, fanden eine Reihe von Tests statt. IQ (Teilbereiche), Reaktion, Arbeitsverhalten, teilweise auch Blutwerte, Fragebögen in mehrfacher Ausfertigung. Erst dann kam eine vorläufige Diagnose MIT Hilfsangeboten und dann erst die richtige Diagnose. Als Anfang für weitere Unterstützung in den Bereichen, wo die Unterstützung gebraucht wird.

        Alltag, Verhalten, Zahlen, Buchstaben, Motorik, Konzentration, was auch immer.
        Auch Schulbegleitung, Gruppe/Einzel, Schulform

        das ist so bunt gemischt, wie jedes Kind/jede/r Erwachsene unterschiedlich ist und in unterschiedlichen Bereichen Hilfe braucht.

        (6) 16.11.18 - 14:35

        Hallo!

        Ich habe zwar noch keine Kinder, aber ich hatte mal ein Praktikum im Hort und bin angehende Lehrerin.

        In der ersten Klasse in diesem Praktikum waren zwei Jungs mit ADHS. Der eine wurde von den Eltern mit Medis zugeballert, weil die keine Kraft oder Lust (habe die Eltern nicht kennen gelernt) hatten, mit seiner Art umzugehen. Er war zum Teil richtig benebelt und hatte glasige Augen, war gar nicht richtig da.

        Der zweite hatte keine Medikamente, aber sich nicht richtig im Griff. Er tat mir wirklich Leid. Selbst die Erzieherinnen konnten ihn nicht leiden. Das war zu spüren, auch wenn sie es natürlich nicht direkt zeigen wollten. Er war ein sehr anstrengendes Kind. Dabei wollte er oft einfach nur mitspielen und einbezogen werden. Die anderen Kinder, die wussten, dass er Spiele oft quasi an sich reißt oder leicht ausrastet, wenn er sich wegen Kleinigkeiten provoziert fühlt, haben ihn aber nicht dabei haben wollen. Natürlich war der Kleine extrem frustriert, fühlte sich als Außenseiter und seine Wutanfälle verstärkten sich. Kinder wissen ja auch ganz gut, an welchen Hebeln sie da ziehen müssen.

        Ich war damals selbst noch Schülerin, habe die Situation aber als glasklar erlebt und empfand sie als total verfahren, weil eben auch die Erzieherinnen nicht richtig gehandelt, sondern seine Außenseiterrolle mit verschiedenen kleinen Aktionen und Bemerkungen nur noch verstärkt haben.

        Daher würde ich erst einmal die Lehrerin mit einbeziehen und ihn tatsächlich zur Therapie schicken, damit er an seinem Verhalten arbeiten kann. Andere Kinder zu beleidigen und zu schlagen, geht natürlich gar nicht. Das muss ihm klar sein. Wenn er daran neue Verhaltensweisen erprobt hat, könntet ihr es ja vielleicht einmal mit einem ganz neuen Bekanntenkreis versuchen. Vielleicht könnte er ja in einen Verein gehen? Dort könnte er dann agieren, ohne dass ihn jemand schon von vorher kennt und vielleicht direkt die Runde macht, dass er mal dies und das gemacht hat. Wenn er positive Erfahrungen sammelt, stärkt ihn das vielleicht auch in der Schule.

        Ich wünsche dir alles Gute.

      • Hi,

        mein ältester Sohn war bis er 5 war ein Ritt durch die Hölle #schwitz
        Bereits mit 2 hatte er nur fiese Ideen, hat hinterücks andere Kinder in der Krabbelgruppe gehauen, so dass wir meist vorzeitig gehen mussten (war dann meine Konsequenz für ihn). Er hat einen Bagger nach seinem Babybruder geworfen, hat mit 3 unseren 11 Wochen alten Kater getreten und mit 4 hat er die Eltern der anderen Kinder beleidigt.
        Ich fühlte mich zeitweise wie die letzte Pfeife, was Erziehung angeht.
        Mit 5 wurde er dann nicht zum Geburtstag seines besten Freundes eingeladen, weil er so ist, wie er ist. Das hat ihm die Mutter auch klipp und klar gesagt, als er gefragt hat.
        Es wollte eh schon kaum mehr jemand mit ihm spielen. Das änderte offenbar etwas in seinem Kopf und als er eingeschult wurde, hatten wir plötzlich einen Engel mit Heiligenschein ;-)
        Er wurde von den Lehrern immer als sehr sozial gelobt, auf dem Gymnasium wurde er Streitschlichter und ist auch jetzt mit fast 16 noch ein angenehmes und freundliches Kerlchen.
        Warte also ab, weise ihn auf die fehlenden sozialen Kontakte hin und dass es in SEINER Hand liegt, die Situation zu ändern.
        Ob er natürlich noch andere Baustellen hat, muss du weiter beobachten, aber wenn ich das Diagnosen Wirrwarr lese, scheint ja nichts Eindeutiges vorzuliegen.
        Alles Liebe für dich und deinen Sohn!

        • DAS ist mal ein wirklich, wirklich hilfreicher Beitrag!

          Ich würde dir gern 1000 Sterne vergeben.

          Wenn man das alles hier so liest, haben wir verlernt, Kinder zu ERZIEHEN???

          Das heißt eben auch, sie in jungen Jahren (!!!) mal richtig selbst spüren zu lassen, was SIE SELBST anrichten?

          Das geht es nicht um die großen Sachen. Sondern um Geburtstagseinladungen und so!

          Ich finde, du hast das echt toll gemacht und toll geschrieben!

      Bei einem richtigen Kinder- und Jugendpsychiater (KJP) seid ihr aber noch nicht, oder?

      • Das hab ich mich auch grade gefragt... wer hat diese Diagnosen gestellt? Mal davon abgesehen ist fieser Charakter KEINE psychiatrische Diagnose...

        Es gibt sowohl für ADHS als auch Autismus spezialisierte Zentren, meist in größeren Städten an Unikliniken oder so, die auf die Diagnostik spezialisiert sind. Insbesondere bei Autismus würde ich das dringend empfehlen, korrekt fachlich abklären zu lassen bei Menschen, die sich damit echt auskennen. Und dazu gehört leider nicht der Kinderarzt und leider auch nicht immer alle ambulanten Psychiater oder Psychotherapeuten... auch wenn das viel Fahrtzeit in Anspruch nehmen würde!

        • Wir haben mit unserem Großen (9) auch einen Diagnose-Marathon hinter uns. Der KIA überwies uns an ein SPZ - großer Fehler!
          HNO etc hatten wir auch alles durch.
          Helfen konnte uns lediglich ein KJP, Psychologen sind da nicht die richtigen Ansprechpartner.

          • Huhu,

            Warum war das SPZ ein Fehler?
            Gerne per PN.

            LG Jelinchen

            • (14) 18.11.18 - 19:20

              Ich meinte auch explizit KEIN SPZ sondern wirklich spezial Ambulanzen! Je nachdem wo man eben wohnt. ZB in Marburg gibt es ein Autismus Zentrum, die sind genau dafür da, eine Diagnose abzuklären. Und wirklich auch mit dem Hintergrund, die Diagnose ggf AUSZUSCHLIEßEN! Genau wie die anderen TN geschrieben haben ist es ja wichtig zu wissen, was ist noch normal, was ist ein Problem, und wenn es ein Problem ist, dann welches? Wenn das Kind dann schlimmstenfalls jahrelang wegen einer falschen Diagnose behandelt würde, das wäre schlecht!
              Kinder und Jugend Psychotherapeuten sind da aber schon die richtigen Ansprechpartner. Kann natürlich sein, dass man mit einem schlechte Erfahrungen macht, aber es ist ja auch nicht jeder Arzt toll, nur weil er Medizin studiert hat. Psychiater halten sich mit Tests etc meist eher zurück, auch Therapie findet man da eher selten. Bei denen liegt der Schwerpunkt eher auf Medikamenten, wenn eben nötig. Die Therapie ist dann beim Psychotherapeuten.

    (15) 16.11.18 - 21:12

    Impulsivität ist eine recht schwierige Sache an der man dringend ansetzen sollte. Impulsivität macht meistens unbeliebt, das wiederum macht zornig und aggressiv, und das endet dann wiederum in aggressiver Impulsivität und noch weniger Freunden. Vermutlich kann dein Sohn sich auch nur schwer in andere Kinder hineinversetzen oder Emotionen deuten, er empfindet sein Verhalten oder seine Aussagen vielleicht nicht als beleidigend und ist dann über die negativen Reaktionen irritiert und das macht auch zornig und im Impuls handgreiflich weil er sich nicht anders zu helfen weiß.
    Ob jetzt ADHS oder Asperger, das müssen die Psychologen klären, aber dein Sohn braucht dringend Therapien wo an der Impulsivität und dem sozialen Umgang gearbeitet wird (Bsp. Marburger Konzentrationstraining).
    Die Diagnose ist letztenendes nur eine Schublade. Die Therapie sollte individuell auf seine derzeitigen gravierendsten Probleme zugeschnitten sein, sonst wird es bald schwierig werden.

    LG und alles Gute! 🍀 ❤️
    Und nein, es gibt keinen schlechten Charakter, sowas ist eine verdammt miese Aussage und macht mich wirklich traurig, denn die Kinder machen das nicht aus Bösartigkeit.
    Mein Sohn hat ADHS mit starker Impulsivität. Er kann keine Emotionen deuten und überspannt häufig den Gedulds- und Beleidigungsfaden und ist dann schnell irritiert wenn die Reaktionen anders als erwartet ausfallen. Zum Glück schlägt er aber nicht, sein Zorn richtet sich dann eher auf Gegenstände (wir sind seit Schulbeginn im September beim 6. Bleistift angekommen, aber lieber der Bleistift als ein Kind).

    (16) 16.11.18 - 22:13

    Hi,
    hat dir schon irgendeine Diagnose Therapie, etc. geholfen?
    Bist du oder dein Kind mit irgendetwas wirklich glücklich gewesen?

    Macht mal eine Pause von 3 Monaten und macht diese besonders schön. Macht zusammen viel mit dem Kind, macht zusammen Sport, nimmt Euch jedes Wochenende was wirklich tolles vor...Zoo, Kindermuseum, Indoor Sporthalle, Kino & Popcorn ...und dann wo ihr auch zusammen aktiv werden könnt! Auspowern....zeigen wie lieb ihr ihn habt, Spass haben bei m Betten beziehe , etc. etc.
    Lobt ihn wo es geht, sucht Situationen, wo er sich sehr wohl fühlt.

    Denn, sein wir ehrlich, ein Kind, was nur therapiert wird, wo nur Fehler aufgezählt werden, wo keiner mehr entspannt ist, ist ein elendiger Rattenschwanz. Ab und zu muss man auch andere Wege gehen, Kind Kind sein lassen und auch die Eltern müssen womöglich auch lernen, das Kind wieder ohne Vorbehalte positiv zu sehen.

    Wir sind selber, als unser Sohn 4/5 Jahre alt war, von Arzt zu Arzt gelaufen, der Kindergarten meinte AHDS, Entwicklungsverzögert, dumm und dämlich......was haben wir uns als Elternteil für Sorgen gemacht, haben jeden Pups von ihn definiert und analysiert. Alles was normal für dieses Alter war aber wir negativ gesehen. Wir Eltern standen sozusagen immer unter Strom.....das Kind ist dann sicherlich nicht entspannt
    Bis wir die Reißleine gezogen haben....ab da wurde ALLES besser. Jetzt ist er 12 und solch ein toller cooler Kerl.

    Und keiner mag ihn, alle meiden ihn...egal ob er Schuld hat oder nicht, wie fühlt sich solch ein Kind? Scheissegal Stimmung? Auch Kinder leben in einer Gruppendynamik und können andere Kinder komplett abstempeln, wenn die Eltern noch zureden, um so mehr.

    (17) 17.11.18 - 09:13

    Hallo liebe annaczoe,

    erstmal muss ich sagen, dass ich es ganz wunderbar finde, dass du bisher versucht hast dein Bestes zu geben. Großes Lob an dich und Respekt an deine Geduld #pro

    So viele Diagnosen machen dich zu recht sehr unsicher, aber ich würde dir davon abraten zu viele Therapien gleichzeitig zu machen. Das könnte deinen Sohn überfordern. Zu viele Termine, es wird zu viel von ihm gewollt und verlangt. Das könnte gerade ins Gegenteil umschlagen und besonders seinen Aggressionen die Krone aufsetzen.

    Mein Tipp an dich lautet: nehme es an und liebe dein Kind so wie er ist. Tu ihm Gutes, dass seiner Entspannung und Ausgeglichenheit dient.

    Der Sohn einer Bekannten (7 Jahre) hat ADHS und sie sorgt regelmäßig dafür, dass er einen "entspannenden Ausgleich" zur Schule hat. Sie hat bemerkt, dass er durch Schule, Sport und Therapie viel zu sehr unter Anspannung steht, was sich bei ihm in Aggression zeigt. Es wurde statt besser immer schlimmer. Nun geht sie viel mit ihm schwimmen, da er sich da auspowern, aber auch mal im Wasser treiben lassen und abschalten kann. Sie berichtet mir immer, dass er danach wie ausgewechselt ist und sie am liebsten jeden Tag gehen würde. Auch macht sie mit ihm Spaziergänge im Wald bei schönem Wetter. Niemand um sie herum, er kann einmal so sein wie er wirklich ist. Ohne all diese Zwänge und Regeln unserer Gesellschaft. Damit tut er sich nämlich auch schwer. Ständig still zu sitzen, zuzuhören, zu arbeiten wenn man es von ihm verlangt. Nun wird es langsam besser und vielleicht hilft es euch beiden ja auch.

    Damit will ich dir von Therapien nicht grundsätzlich abraten, ganz im Gegenteil. Nur zu viele Köche verderben den Brei, deshalb gehe die Sache ruhig und überlegt an. Diese Experten haben dein Kind für einen Moment gesehen und ihr Urteil gefällt. Du siehst ihn schon sein ganzes Leben. Du weißt was zutrifft und was nicht. Und mute dir selbst als Mutter bitte auch nicht zu viel Streß zu. Das tut euch beiden nicht gut. Nur eine entspannte Mutter kann eine gute Mutter sein.

    Hatte er denn wirklich ein Kindheitstrauma? Falsche Erziehung ist ein großer Begriff, auf den du nichts geben solltest. Für den einen ist es wichtig, dass ein Kind mit 2 Jahre perfekt mit dem Besteck umgehen kann, anderen ist das vollkommen egal. Erziehung ist Ansichtssache und übler Charakter? Also mal ehrlich, welcher Experte hat den solch eine Diagnose aufgeschrieben? Das ist ja wohl lächerlich. Den Kind ist eben besonders. Er hat andere Bedürfnisse, schwierigere, die dich als Mutter fordern. Doch du gibst dein Bestes, das spürt man und das ist mehr als gut genug! Lass dich nicht runterziehen, du machst das toll. Überfordere euch beide nicht, geht eine Sache nach der anderen an und wenn du mit der Diagnose nicht zufrieden bist, hol dir eine zweite Meinung.

    Alles Gute!

    (18) 17.11.18 - 12:40

    Hallo,

    leider gibt es in dem Bereich offenbar eine ganze Reihe von "Fachleuten", bei denen die Bezeichnung "Flachpfeifen" passender wäre... #contra
    Wir kennen auch Eltern, bei denen falsche Diagnosen bei ihren Kindern, einen Haufen Stress verursacht haben und z.T. noch verursachen. #aerger

    Bei dem Punkt schlechte Erziehung sind viele Eltern betriebsblind. Da würde ich mal ein Programm, wie "Starke Eltern, starke Kinder" (vom Kinderschutzbund) mitmachen und meine eigene Erziehung überdenken.
    Wenn Du dann immer noch der Meinung bist, dass Ihr das im großen und ganzen so umsetzt und in der Vergangenheit auch so oder ähnlich gehandhabt habt, und dass es trotzdem nicht klappt, würde ich den Punkt abhaken.
    Ansonsten würde ich eine Erziehungsberatung machen, aber nicht beim Jugendamt, sondern bei einem anderen Träger.

    Wir kennen eine Familie mit einem Asperger Autisten (12), die auch diese Palette an Diagnosen für das Kind angesammelt hatte, die Ihr da habt.
    Die waren dann in einem Autismus-Zentrum, und dort wurde der Junge endlich richtig als Asperger Autist diagnostiziert. Der Kommentar des Fachmanns dort war "Ihr Sohn ist ein Autist, wie aus dem Lehrbuch.". Je älter er wird, umso mehr bestätigt sich das.

    Wenn Dein Verdacht in diese Richtung geht, geht zu einem ausgewiesenen Autismus-Zentrum.

    Unser Sohn ist ein leichter Träumer-ADS-ler, und ein Freund unserer Tochter ist ADHS-ler.
    Wir hatten bei denen nach ihrem Kinderpsychiater/-psychologen gefragt, als bei unserem Sohn Probleme auftraten, und der hat uns kompetent geholfen. (Da war die ADS-Diagnose nur ein Nebenprodukt. Eigentlich ging es um Unterforderung in der Schule und Probleme mit der Lehrerin.)

    Ich kann Euch daher nur raten, Euch von Leuten mit Kindern mit einer Diagnose einen Fachmann/eine Fachfrau empfehlen zu lassen.

    Bei seiner Umgebung schlecht ankommen kann man als Kind mit allen drei Ursachen.

    Schlecht erzogene Kinder halten sich für den Nabel der Welt und nerven damit.

    Autisten sind ziemlich speziell. Der eine, den wir kenne, ist sogar unbeschulbar, weil er sehr aggressiv wird, wenn jemand seine innere Ordnung stört. Die anderen Kinder haben Angst vor ihm.
    Andere Autisten haben andere "Macken", die die anderen Kinder abschrecken.

    ADHS-ler können auch extrem nerven. Der Freund (11) unserer Tochter hatte früher gar keine Freunde. Mittlerweile, nach einer längeren Therapie, sieht er zumindest sein Fehlverhalten und versucht, es zu ändern. Die Schule gibt sich auch viel Mühe, ihn zu integrieren, und mittlerweile hat er eine regelmäßige Spielverabredung mit unserer Tochter und ist auch öfter mal mit anderen Kindern verabredet.
    In der Schule nimmt er Medikamente, weil er selbst sagt, dass ihm das hilft.
    Diese Therapie war übrigens keine einfache Ergotherapie, sondern bei seinem Kinderpsychiater/-psychologen.

    Unser Sohn (8) findet eigentlich in der Schule und in der OGS immer jemanden zum Spielen und hat drei enge Freunde.
    Er hat im 2. Schuljahr Probleme gehabt, angemessen auf verbale Provokationen anderer Kinder zu reagieren und gleich geschlagen.
    Da haben ein paar Therapiestunden bei dem Psychiater/Psycholgen und dessen Empfehlungen, wie wir daran arbeiten können, gut geholfen. MIttlerweile geht unser Sohn es dem Lehrer sagen, wenn er geärgert wird und das andere Kind sich durch Worte nicht einbremsen lässt.

    Schlechter Charakter ist keine Diagnose, und ein Trauma bemerkt man ja wohl als Eltern, weil sich das Kind plötzlich anders verhält. Ich nehme ja an, dass Ihr Euren Sohn nicht adoptiert habt und wisst, wie sich sein Verhalten seit seiner Geburt entwickelt hat.

    LG

    Heike

(20) 19.11.18 - 11:47

Hallo Ihr Lieben,

Wow ich bin ein bisschen überwältigt von der Resonanz.
Ich habe mir eure Beiträge durchgelesen und danke euch sehr für die lieben Worte.
Besonders hilfreich ist es zu lesen, dass es mehr Familien mit ähnlichen Herausforderungen gibt.
Ich werde meinen Sohn niemals aufgeben und ich liebe ihn natürlich, egal wie er ist.

Weil so viele gefragt haben wer welche Diagnose gestellt hat:


Psychologin der Beratungsstelle vom JA: ADS

Die Psychologin beim Kinderarzt hat Asperger vermutet (übrigens hat meine Mama erzählt, dass sie das gleiche bei mir damals vermutet haben).
Wir sind mit meinem Sohn zur Autismusberatung gegangen

Dort vermutet man, dass er definitiv in das Spektrum Autismus passt, aber kein typischer Asperger ist.

Die Ergotherapeutin sagt er hat eine Verhaltensstörung, welche ggf. durch Lärm ausgelöst wird.

Der Pädaudiologe hat keine Auffälligkeiten festgestellt.

Die sozialpädagogische Beratung hat gesagt, dass es ggf. charakterbedingt ist und durch Routine wir ihm beibringen müssen, was gut und was schlecht ist. Da er keinen moralischen Kompass besäße.

Die Schulpsychologin möchte das Umfeld testen und uns einen Erziehungskurs ans Herz legen.

So oder so braucht er etwas Unterstützung. Ich bin die Gänge zum Arzt Leid und kann mir das beruflich nicht mehr lange leisten.

Wir haben demnächst noch einen Termin, wenn ich alle Untersuchungsergebnisse zusammen habe mit den Schulpsychologen. Das Ziel der Schule ist es, dass der Kleine besondere Sozialpädagogische Förderung bekommt und vllt einen Helfer im Unterricht.

Im Hort darf er mittlerweile nur noch mit anderen Kindern interagieren, wenn sein Erzieher neben ihm sitzt.

Ich hoffe, dass wir bald einen Fahrplan haben und wenn der so aussieht, dass alle die Situation akzeptieren müssen ist mir das auch recht.

Ganz liebe Grüße,

Anna

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