Mutter übertrifft mit jeder Erkrankung.

    • (1) 03.12.18 - 16:46
      UbertroffenBetroffen

      Guten Tag.
      Folgende Situation erachte ich aktuell als belastend. Es ist leider schon mein ganzes Leben ein Thema. Es geht um meine Mutter. Wir haben grundsätzlich ein sehr gutes Enges Verhältnis.

      Aktuell habe ich eine sehr stressige Zeit. Einige belastende Dinge sind die letzte Zeit geschehen/geschehen grade. Daraus resultierend ging es mir heute morgen nicht gut.
      Meist sage ich schon nichts. Aber heute "war es nicht zu übersehen".
      Denn, ich weiß genau, wenn ich es sage geht's meiner Mutter kurze Zeit später mindestens doppelt so schlecht.
      Und genauso war es dann am Nachmittag. Sie jammert jetzt die ganze Zeit rum.
      Wie schlecht es ihr doch geht!

      Wie geht man damit am besten um?
      Gerne möchte ich es ernst nehmen. Kann es mittlerweile leider nicht mehr. Weil es wirklich immer so ist.
      Vermutlich die selbsterfüllende Prophezeiung...
      Von total bemuttern bis ignorieren habe ich bereits alles angewendet. Tips zur Behandlung gegeben. Und so weiter.

      Wahrscheinlich ist es einfach mein Problem. Meine Mutter kann ich ja schlecht ändern.
      Also wie kann ICH lernen damit besser umgehen?

      ÜbertroffenBetroffen

      • Ich würde das einfach übersehen... 😂

        (3) 03.12.18 - 17:38

        Wohnt Ihr zusammen oder wie bekommt sie mit, dass es Dir nicht gut geht?

        Meines Erachtens hilft nur nicht sofort alles erzählen, dann hat sie nicht die Gelegenheit, gleich eine „doppelt so schwere“ Erkrankung herbeizureden.

        Falls möglich hilft gegebenenfalls auch den Grund der Erkrankung nicht offenlegen. Dann fühlt sie sich „allgemein sehr unwohl“ oder (Lieblingswort einer Dame aus meinem Umfeld:) „allgemein erschöpft“, kann aber die konkrete Erkrankung nicht gleich 1 zu 1 und sogar doppelt nachäffen.

        Dabei geht es um eine Sucht nach Aufmerksamkeit für sich selbst. Oftmals ohne Empathie für andere und nicht fähig, anderen richtig zuzuhören. Schwer zu ändern so ein Charakter.

        • (4) 03.12.18 - 17:49
          UbertroffenBetroffen

          Ja genau. Wir wohnen zusammen.

          Selten sage ich, wenn es mir nicht gut geht. Bis auf Erkältungen und den üblichen Kram habe ich selten etwas.

          Es reicht halt schon, wenn ich sage "Ich habe schlecht geschlafen", dann hat sie das auch und ist besonders müde.
          Oder, irgendwie kratzt mein Hals. Dann hat sie am nächsten Tag eine Erkältung.

          Heute hatte ich ein Toastbrot von ihr in der Hand wo ein kleiner Schimmelfleck war.
          Alle anderen waren ok.
          Sie hatte bereits eins gegessen.
          Jetzt hat sie halt Magenkneifen.

          Es ist einfach wahnsinnig anstrengend.
          Ich mag schon gar nichts mehr sagen, weil ich es mir nicht den ganzen Tag anhören mag.
          Vorallem weiß ich seltsn, wann es wirklich Ernst ist und wann nicht.

          Sie ist kein schlimmer Mensch. Aber genau wie Du es sagst, sie kann dann nicht zuhören. Da würde ich mir auch gerne mal ein nettes Wort wünschen oder einfach, ein Satz a la"Ja, du schaust nicht gut aus, leg dich doch etwas hin".

      (5) 03.12.18 - 18:28

      Hast du es denn mal versucht, ihr das auf der Metaebene zu erklären?

      Es geht dir ja im Wesentlichen vermutlich darum, dass du auch mal "bemuttert" werden willst, insbesondere dann, wenn es dir mal nicht so gut geht. Statt dessen fällt sie dir dann noch zusätzlich zur Last, indem sie sich durch ihr "Überbieten an Krankheit" wieder in die schwächere Position schiebt. Es scheint, als habe sich das Mutter-Tochter-Verhältnis bei euch umgekehrt. Ist das auch auf anderen Ebenen so?
      Kannst du nicht den Wunsch äußern, dass sie dich einfach mal wieder umsorgt, wenn es dir übel geht? Kannst du ihrem Jammern dann keine Grenze setzen, indem du lieb, aber bestimmt sagst: Heute nicht, Mutti. Ich habe gerade keine Kraft für Mitleid und bräuchte ganz dringend selbst welches?

      Erwachsen sein ist manchmal schon doof, weil es nur noch so wenige Menschen gibt, bei denen man dann auch noch mal klein sein darf. Hast du einen Partner? Eine gute Freundin? Irgendjemand, der dir mal das Köpfchen streichelt oder eine Hühnersuppe kocht? Falls da niemand ist: Versuch dir selbst eine gute Mutter zu sein, das geht, glaube mir. Betüddele dich selbst ein bisschen, lass Fünfe gerade sein, iss ein Stück Marzipantorte (oder was auch immer dein Herz erfreut) oder lass dich mal massieren.

      Ich denke, dass du so gestärkt auch deiner kleinen bedürftigen Mama wieder besser entgegentreten kannst.

      • (6) 03.12.18 - 18:43
        UbertroffenBetroffen

        Danke für deine Worte.
        Ich muss da tatsächlich noch mal tiefergehend drüber nachdenken. Auch in welcher Position wir zueinander stehen.

        Generell mag ich das Bemuttert werden nicht. Da fühle ich mich unwohl. Aber ich mag eben dieses "Mein Leben ist viel schlimmer als deins" - im übertragenen Sinne genauso wenig.
        Ich halte hier aktuell den Laden am Laufen.
        Aber heute war eben ein Punkt erreicht, wo ich auch mal nicht mehr konnte.
        Ich konnte mich nicht mehr zusammen reißen und es musste raus.
        Daher war ich wohl so empfindlich diesbezüglich.
        Nur, wenn ich es raus lasse und dann noch damit belastet (ja, so fühlte es sich an) werde, dass es ihr schlecht geht trage ich gefühlt wieder die Verantwortung. Dann sage ich halt lieber gar nichts.

        Ja, ich habe eine eigene Familie und Kinder.

        Meine Mutter ist eher eine introvertierte Person. Mein Vater regelte vieles für sie. Seit er gestorben ist, versuche ich sie so gut es geht zu unterstützen.
        Aber alles abnehmen kann und will ich ihr auch nicht (Telefonate mit Ämtern zum Beispiel). Unterstützen gerne, abnehmen, wenn gar nichts mehr geht.

        Fünfe grade sein lassen, geht aktuell leider nicht. Na gut, ein Stück Torte ist natürlich immer möglich.

        • (7) 03.12.18 - 18:46

          Ihr die Grenzen setzen fällt mir schwer.
          Weil ich weiß wie sehr sie dieser Satz belasten würde. Dann würde sie sich schuldig fühlen.
          Und dann wäre es vermutlich noch schlimmer.
          So sind die Erfahrungen.

          • (8) 03.12.18 - 18:53

            Vielleicht würde sie sich aber auch wertvoll und gebraucht fühlen, wenn sie sich mal wieder um dich kümmern darf?

            Du musst sie ja nicht harsch zurückweisen, sondern sollst sie einfach mal daran erinnern, dass du ihr kleines Mädchen bist? Ich glaube, das täte euch beiden gut, denn, mit Verlaub, Menschen, die sich überhaupt nie bemuttern lassen wollen/können, haben m.E. auch ein klitzekleines Problem, nämlich eins damit, Schwäche zuzulassen und zu zeigen und solche Menschen, die landen auch mal ganz schnell im Burn out.

            Wenn dir das zu krass ist, mal Schwäche zu zeigen und Hilfe anzunehmen, hilft vorerst sicher auch Marzipantorte. Dann aber bitte mehr als ein Stück, versprochen?#liebdrueck

            • (9) 03.12.18 - 19:23
              UbertroffenBetroffen

              Nun ja. Ihr kleines Mädchen war ich noch nie.
              Also im übertragenen Sinne. Ihr Satz war immer "Du musstest funktionieren!"
              Das hört sich sehr böse an,wenn ich es so lese. Aber sie hatten Haus und Hof, waren beide Berufstätig und es gab noch meinen Bruder. Ich musste funktionieren und das habe ich wohl ganz gut.
              Bitte nehmt es nicht so an, wie es sich anhört. Ich hatte wirklich eine schöne Kindheit und meine Mutter ist kein schlechter Mensch!

              Ich weiß nicht, ob ihr das gefallen würde. Bisher dachte ich immer, ihr gefällt diese Rolle der "Schwachen Person" am Besten.
              Wahrscheinlich muss ich da auch noch einmal drüber sinnieren.

              Da hast du sicherlich nicht Unrecht mit deiner Aussage. Dennoch fällt es mir schwer mich bemuttern zu lassen. Das ist einfach nicht MEINE Rolle. Da fühle ich mich unwohl mit.
              Hilfe annehmen muss wohl noch von mir gelernt werden. Ein Punkt an dem ich lange arbeite. Bisher leider mit wenig Erfolg gekrönt. Wenn es dafür ein Rezept gibt gerne her damit.

              Statt Marzipantorte bitte Nuss. Ist eher meins. Danke dir!

    (10) 03.12.18 - 18:43

    Oh mann! Sowas von nervig!! Du arme ☹️kenn ich von meiner Mutter und Oma. Einfach ignorieren. In meinem Fall können sie es einfach nicht ausstehen, wenn jemand anderes im Mittelpunkt steht! Letztens war mein opa mehrere Wochen wegen einer echt üblen Sache im Krankenhaus. Meine Oma war sooo eifersüchtig, weil alle natürlich um ihn besorgt waren...eklig 😱

    (11) 03.12.18 - 23:07

    Hallo,
    Alles was du beschreibst könnte von meiner Mutter sein.
    Wenn jemand in der Familie krank ist, ist sie kränker. Sie geht mindestens 1 mal pro Woche zum Arzt. Meist findet der nichts außergewöhnliches (Was in ihrem Alter nicht normal wäre).
    Sie zieht sich auch gerne nicht wetterentsprechend an, wir sagen schon immer, dass sie nur wieder krank werden will.
    Weder ich noch meine Kinder sagen noch etwas, wenn wir krank sind, damit sie nicht sofort jammern kann wie schlecht es ihr geht. Sie interessiert eh nicht wie es uns geht.
    Ich habe gelernt ihr Gejammer zu ignorieren und gehe inzwischen gar nicht mehr drauf ein.
    Ansonsten haben wir ein gutes Verhältnis.

    Helfen könnte ich dir wahrscheinlich nicht, aber du bist nicht allein 😉

    (12) 10.12.18 - 16:05

    Hört sich fast an als würdest du über meine ältere Schwester reden.
    Wenn ich Kopfschmerzen habe hat sie kurz drauf auch welche und stirbt bestimmt fast dran.

    Aber: Ich habe ein Heilmittel gefunden!!

    Jedes Mal wenn sie das selbe wie ich nur noch schlimmer hatte, erzählte ich das es bei mir noch schlimmer ist, sie legte dann immer wieder einen drauf... das artete dann so weit aus das man meinen könnte wir lägen beide beinahe im Sterben :D
    Nachdem wir diesen Kampf wem es doch schlimmer ginge ein paar Mal hatten und ich auch angefangen habe wenn sie wirklich irgendetwas hatte aufzutrumpfen obwohl es mir gut ging, hat sie es verstanden und damit aufgehört. Jetzt kommt alle paar Monate mal wieder auf die Idee dann ziehe ich den Wem-geht-es-schlimmer-Wettkampf ein paar Tage konsequent durch dann gibt sie sich wieder.
    Klingt total dämlich und kindisch, aber es funktioniert, zumindest bei ihr. Ich schätze ein Versuch ist es auf jeden Fall wert!

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