Habt ihr die Beziehung zur eigenen Mutter vor der Geburt eurer Tochter "aufgeräumt"?

    • (1) 08.12.18 - 14:01

      Hallo ihr Lieben,

      ja, die Überschrift ist ein bissl holprig :-)

      Die Mutter-Tochter-Konflikte ziehen sich bei uns bereits durch viele Generationen.
      So war und ist auch die Beziehung zwischen mir und meiner Mama immer mal wieder sehr kompliziert. Nun bin ich schwanger und würde diesen Kreislauf gerne durchbrechen, falls es ein Mädchen wird.

      Kennt sich jemand damit aus?

      Wie ist eure Beziehung zur Tochter bzw. zur Mutter?

      Habt ihr eine gute Beziehung zum Kind trotz schwieriger Beziehung zur Mutter?
      Habt ihr das bewusst "gesteuert"?

      Danke und liebe Grüße ♡

      • Hi, ich denke nicht, dass das ein Kreislauf ist, sondern immer individuell von den Beteiligten abhängt. Und von einer Geburt oder gar dem Geschlecht #schock des Kindes würde ich sowas sowieso nie abhängig machen. Hat für mich keinen Zusammenhang. Um etwas zu ändern/zu bereinigen oder anzusprechen, sich Mühe geben, Empathie zeigen, offen sein bedarf es Willen beiderseits und kein Baby #kratz.
        VG

        (3) 08.12.18 - 15:34

        Ja, ich habe den Generationenübergreifenden Erziehungsstil durchbrochen.

        Kontaktänderung zur Mutter. Es ging nicht anders. Klare Grenzen wurden nicht akzeptiert. Zu meinem Kind verhalte ich mich anders. Ich überdenke bewusst die Erziehung, die ich erlebt habe. Notwendiges ändere ich. Gutes behalte ich. Alles gegenteilig machen, würde bedeuten, dass es wieder falsch sein kann.

        Kontaktänderung zur Mutter habe ich nicht des Kindes wegen gemacht. Ich habe es für mich gemacht.

        Ich habe mich gefragt, was ich mit ihr klären kann? Was sie klären kann und will.
        Ich habe mich gefragt, wie ich mit dem Teil umgehe, der sich mit ihr nicht klären lässt. Das habe ich mit therapeutischen Stellen bearbeitet.

        Für mein Kind treffe ich eigene Entscheidungen. Dabei achte ich darauf, was mein Kind braucht. Nicht was meine Mutter will. Nicht, was ich gewollt hätte. Sondern das, was meinem Kind gut tut.
        - das ist der erste Unterschied und Änderung der Generationenübergreifenden Erziehung -

        Ich muss nicht alles klären.
        Bewusst handeln. Respektieren, dass die anderen Generationen es anders gemacht haben, mich selbst respektieren, dass ich es anders mache, mein Kind respektieren, das eine Mischung aus beidem braucht
        - das ist der zweite Unterschied und Änderung der Generationenübergreifenden Erziehung -

        Dies ist mir wichtig, unabhängig des Geschlechts des Kindes.
        Denn auch "das andere Geschlecht" bekommt die Erziehung und die Prägung mit. Als Zuschauer oder in dem sie es ausnutzen oder in dem sie anders darunter leiden.

        Ebenso wichtig ist mir und war mir, dass ich vor der Geburt des Kindes erwachsen wurde. Mich innerlich gestärkt fühlte. Meine Mutter ist meine Mutter. Mein Kind ist mein Kind. Ich bin ich. Wir haben unterschiedliche Bedürfnisse.
        Ich bin erwachsen, um meine Bedürfnisse zu erkennen, mir selbst zu erfüllen, nicht abhängig von den Gefühlen meiner Mutter zu sein. Ich bin erwachsen und stehe für die Bedürfnisse meines Kindes grade und achte diese, bis mein Kind selbst dazu in der Lage ist.
        Meine Mutter ist eine eigenständige Person. Sie darf mit mir reden, aber ich bin kein Kind mehr. Überschreitet sie diese Grenze, zeige ich die Grenze auf.
        Das geht auch, in dem ich ihre Bedürfnisse respektiere und achte.

        - das ist der dritte Unterschied und Änderung der Generationenübergreifenden Erziehung -

      Hier das Gleiche! Meine Uroma hatte ein sehr angespanntes Verhältnis zu ihren Töchtern, meine Oma und meine Mutter haben sich auch viel gezofft und meine Mutter und ich haben seit 5,5 Jahren keinen Kontakt mehr.
      Durch die Geburt meines 1. Sohnes kam ein heftiger Bruch--meine Mutter mied mich plötzlich wie der Teufel das Weihwasser und mir wurde vieles klar. Nämlich dass meine Mutter mich unmöglich geliebt haben kann.
      Nun habe ich 3 Söhne und wer weiß wozu es gut ist, dass ich keine Tochter habe. Scheint echt der Wurm drin zu sein bei uns in der Familie...

    • Entschulduge bitte,

      Sorry, mein tablet schmiss mich wieder mal raus....nochmal - am PC ;-)

      Ich wäre nie und nimmer bei der Geburt meiner Kinder darauf gekommen, vorher irgendetwas aufzuarbeiten oder psychologisch analysieren zu wollen. Ich habe mich auf sie gefreut, wusste genau, wie ich sie erziehen wollte (garantiert nicht so, wie meine Mutter mich#cool) und das war's auch schon.
      Meine Mutter hatte zu ihrer Mutter kein gutes Verhältnis, ich zu ihr auch nicht - dafür ist das Verhältnis zu meiner Tochter so gut, wie es nur sein kann. Erst diese Woche sagte sie zu mir "ich hab soooviel von dir übernommen - und ich glaube, das ist auch gut so". Also - diese Familientradition erfolgreich durchbrochen ;-)
      #verliebt
      Also - Du weißt sicher, wie Du es machen willst, dann tu es. Das Herumgerühre in der Vergangenheit ist wirklich nicht immer hilfreich - und endet meist ja doch sehr unbefriedigend. LG Moni

      • Danke, für deine Antwort! Ich lese dich immer so gerne und du hast natürlich recht, wenn du sagst "Ich habe mich auf sie gefreut, wusste genau, wie ich sie erziehen wollte".
        Meine Mutter und ich sind uns sehr ähnlich, manchmal ertappe ich mich dabei, in Situationen meinen Kindern gegenüber so zu reagieren, wie ich es als junges Mädchen an ihr verabscheut habe.
        Ich glaube ganz fest daran, dass man die Beziehung zu seinen eigenen Kindern durch das Auseinandersetzen (und nichts anderes ist das ja) mit sich selbst positiv beeinflussen kann. Und ich glaube auch, dass die Verbindung zwischen Mutter und Sohn eine völlig andere ist, als zwischen Mutter und Tochter.

        • Wieso soll die Beziehung zum Sohn anders sein als zur Tochter? Die ersten Jahre war da absolut kein Unterschied bei mir. Ich kann wirklich sagen, ich hab sie beide gleich geliebt, gleich behandelt - immerhin hatte ich da schon 6 Nichten und Neffen und wusste, wie das geht. ;-) Erst in der Schulzeit ging das Verhältnis in andere Richtungen durch das vollkommen unterschiedliche Verhalten der beiden, was sich da entwickelte. Sohn absolut schulunwillig, Tochter fleißig.....das war schon schwieriger. Aber ich hab auch meinem Sohn alles im Haushalt beigebracht, keinen Pascha erzogen, oder was man hier alles so lesen kann von Verwöhn-Muttis usw. :-)
          All das hatte überhaupt nichts mit meiner Erziehung zu tun, da lagen Welten dazwischen.Gottseidank musste ich mich nie dabei ertappen, dass ich reagiert hätte wie meine Mutter. Das bestätigten mir meine Nichten schon mehrfach, zwei davon sind gerade mal 11 und 12 Jahre jünger als ich. Vor 40 Jahren machte man sich nicht soviele Gedanken wie heute über Hintergründe usw. man tat sein Bestes, egal ob in Familie oder Beruf und fertig.Da ich auch ein ganz anderer Typ bin wie meine Mutter war, war die Gefahr einer Duplizität der Ereignisse auch Gottseidank gering. ;-) LG Moni

    Ich hab ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Mutter, sowie auch zu meiner Tochter (13).
    Ist alles beidseitige Charaktersache....gegenseitiger Respekt und vorallem offen und ehrlich miteinander Reden.Nicht nur seine Sichtweise vertreten, sondern auch die, des anderen versuchen zu verstehen.
    Probleme machen sich die Menschen selbst. Probleme sind dafür da, um sie zu lösen und sich nicht die Schuld, aus falschen Stolz oder Uneinsichtigkeit gegenseitig zuzuschieben..

    Schade finde ich immer nur , wenn eine Seite wirklich bemüht ist und die andere Seite alles abblockt...bei Freunden würde automatisch man Abstand nehmen...in der Familie ist es nicht so einfach, ausser den Kontakt zu reduzieren.

    Ich hatte lange keinen kinderwunsch.
    Dahinter stand wie ich mittlerweile weiß eine Angst davor so zu werden wie meine Mutter bzw... einem Kind so eine Kindheit "anzutun" wie ich sie hatte.

    Ich habe dass als mein Kinderwunsch plötzlich aufkam und stärker wurde das versucht aufzuarbeiten. Aus meiner Sicht eine schmerzliche aber sehr lohnenswerte Sache, die ich immer noch betreibe.

    Die Beziehung zu meiner Mutter ist dadurch etwas leichter geworden und meine Lebensqualität ist sehr gestiegen.
    Ich fühle mich dadurch auch sicherer und fähiger falls ich denn dann auch selbst noch Mutter werde einen liebevollen Umgang mit meinem Kind zu pflegen.

    • Danke! Darf ich fragen, ob du dabei Unterstützung bekommen hast?
      Und hast du mit deiner Mama gemeinsam daran gearbeitet oder nur für dich?

      • Das ist ein komplexes Thema.
        Ich habe mir unterschiedliche Unterstützung gesucht. Eine Therapie gemacht. Mich weitergebildet im Bereich Umgang mit Gefühlen, besuche eine Selbsthilfegruppe und mache eine Art gesprächstherapie mit einer guten Heilpraktikerin. Viel gelesen... hauptsächlich an mit gearbeitet und verstanden, dass ich nur mich ändern kann sonst niemanden. Ich gehe anders mit meiner Mutter um. Fahre nicht mehr sofort aus der Haut, habe Verständnis für sie entwickelt. Direkt mit ihr gesprochen oder geklärt habe ich kaum. Näheres gerne per Nachricht.

Hallo

ich glaube nicht, dass jede Frau damit mit fachlicher Hilfe "aufräumen" muss.
Bekanntlich hat jeder Mensch eine unterschiedliche soziale Resilienz.
Manche grenzen sich irgendwann ab und werden von ihrer Kindheit nicht allzu stark beeinflusst.
Ich kenne auch Frauen für die das ein Leben lang Thema bleibt.Sicherlich beeinflusst das nicht nur die Beziehung zum eigenen Kind.Auch Freundschaften und der Umgang mit anderen Frauen können von einem schlechten Verhältnis zur eigenen Mutter betroffen sein.
Ich war in Kindheit und Jugend ein Mama (und Oma) Kind.
Meine Baustelle war das Verhältnis zu meinem dominanten Vater.
Mit Anfang Zwanzig war das ( durch vorherige komplette Abgrenzung und später viele Gespräche ) geklärt und unsere zunehmende Annäherung begann.Ab meinen Dreißigern war er genau so wichtig für mich, wie meine Mutter.
Ich glaube alles was meine Kinder besonders an mir mögen, habe ich letztendlich von meiner Mutter vor gelebt bekommen.
Die Beziehung zu meinen Töchtern ( und meinem Sohn ) ist gefühlsmäßig eng und unbelastet.Sie fühlen sich geliebt.
Das ist letztendlich das Allerwichtigste.

Du machst dir Gedanken und hast den Willen, eine liebevolle Beziehung zu deinem Kind auf zubauen.Wenn du mit dir im Reinen bist ( dich abgenabelt hast von deiner Mutter ) sollte dir das gelingen.

L.G.

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