Heimweh nach Deutschland

    • (1) 02.01.19 - 22:48

      Hi,

      ich lebe seit 1999 in Amerika (mein Ex-Mann ist Amerikaner und ich bin zu ihm gezogen). Ich habe dort geheiratet, ein Haus gebaut, geliebt, gelebt, gearbeitet, zwei Kinder bekommen und erzogen. Meine Kinder sind mittlerweile 16 und 13 Jahre alt.
      2010 ließ ich mich von meinem Mann scheiden.
      Eigentlich seit der Scheidung habe ich schreckliches Heimweh nach meiner alten Heimat Deutschland.
      Ist das normal?
      Seit ich geschieden bin, fühle ich mich hier so "alleine"... klar ich habe zwischenzeitlich viele Freunde hier gewonnen, tolle Nachbarn, einen Job der mir wirklich Spaß macht und auch dort einige sehr liebgewonnene Arbeitskollegen. Aber das ist eben einfach nicht dasselbe..

      Als wir uns scheiden ließen, waren unsere Kinder 8 und 5 Jahre alt und bereits eingeschult bzw. im Kindergarten. Daher habe ich mich damals bewusst gegen eine Rückreise nach Deutschland entschieden. Auch wollte ich meinen Kindern den Kontakt zu ihrem Vater nicht verunmöglichen.
      Meine Kinder haben zu diesem Zeitpunkt sehr schlecht Deutsch gesprochen, bzw. es einfach verweigert und ignoriert. Sie haben mich zwar sehr gut verstanden wenn ich mit ihnen Deutsch redete aber die Antwort kam stets in Englisch. Jetzt können sie Deutsch ebenfalls fließend, aber ihre Muttersprache und bevorzugte Sprache ist ganz klar Englisch.

      Amerika ist ein wunderschönes Land, keine Frage!

      Ich habe nach der Hochzeit die Staatsbürgerschaft angenommen, vor allem da ich bessere Aussichten auf Jobs hatte.

      Ich will einfach in der Zukunft für meine Eltern da sein wenn sie mich brauchen.

      Eigentlich erwarte ich keine Antwort von Euch, oder einen Rat. Wenn ihr einen habt, dann klar gerne her damit. Aber primär wollte ich einfach mal meine Gedanken los werden, weil ich mich hier so alleine und unverstanden fühle und mit niemandem wirklich darüber reden kann..

      Danke Euch #herzlich

      • Hi, ich bin nie ausgewandert, nicht geschieden und meine Kinder sind viel jünger, also habe ich wahrscheinlich keine Ahnung. Aber ich glaube dass du dich einfach nur an die damals schönen Zeit zurück denkst, mit deinen damaligen Freunden in Deutschland. In der Zwischenzeit hat sich ja nicht nur in deinem Leben viel verändert, du hast Freundschaften, ein Netzwerk und einen Job gefunden, sondern in Deutschland auch. Wenn du heute z.b. zurück gehen würdest, wärst du sicherlich enttäuscht, weil du dich nämlich wahrscheinlich in Deutschland erstmal alleine fühlen würdest und dort wieder von vorne anfangen müsstest. Vielleicht hilft es dir bei deinem Heimweh es auf diese Weise zu sehen.
        Wann warst du denn das letzte Mal in Deutschland? Vielleicht wäre ein Heimatbesuch ja auch schön für dich.
        Liebe Grüße

        (3) 02.01.19 - 23:28

        Das klingt ein wenig nach hätte hätte fahrradkette.
        Es tut mir so leid für dich dass du solche Empfindungen hast. Aber auf der einen Seite hast du dein setting mit Freunden guten Job etc. Gefunden. Du jagst einem ideal einem Traum hinterher den es so nicht mehr geben wird.
        Selbst wenn du in die Heimat zurückkehrst kannst die Zeit nicht mehr drehen....

        Hallo
        Ich kann dich verstehen. Ich bin als Kind in die USA, mit Mitte 20 zurück nach Deutschland. Meine Familie wohnt hauptsächlich in Deutschland und in den Niederlanden.
        Jetzt wohne ich schon seit fast einem Jahr wieder in den USA, aber nicht dort wo ich aufgewachsen bin. Nach der anfänglichen Euphorie und der Freude an allem was ich vermisste, habe ich auch irgendwie Heimweh und auch die unschönen Seiten hier wurden wieder deutlicher. Natürlich musste es auch genau so kommen, dass mein Vater genau zu dieser Zeit plötzlich abbaute und gesundheitliche Probleme bekam. Auch bei einem meiner Kinder wurden Probleme erkennbar.
        Ich denke, das sind einfacher Situationen wo einem sowas bewusst wird. Meine Kinder haben beide Staatsbürgerschaften, sind aber in beiden Ländern verwurzelt. Das macht es leichter. Für mich wäre es auch irgendwie hart, wenn das so gar nicht der Fall wäre.
        Die Zeit an unserem aktuellen Wohnort ist zeitlich begrenzt, das steht sicher fest. Was wann danach kommt, allerdings nicht so wirklich.
        Hast du noch mehr Familie in Deutschland? Wie ist die Verbindung zu den Kindern?
        Ich kenne einige, deren Kinder aufgrund der besseren Bedingungen zum studieren nach dem High School Abschluss ins Heimatland des anderen Elternteils sind. Teilweise sind auch die Eltern mitsamt Geschwister umgezogen.
        In deiner Situation würde ich wohl auch irgendwann nach Deutschland wollen. Nur ist die Frage wann. Meine älteste Tochter ist erwachsen und in Deutschland. Ist gerade am Anfang doch gewöhnungsbedürftig gewesen. Aber wie gesagt, sie ist in beiden Ländern verwurzelt.

        LG

      • (5) 03.01.19 - 07:33

        Hallo, ich denke ich kann etwas nachvollziehen wie du dich fühlst. Mein Mann ist Amerikaner lebt aber seid 2006 hier in Deutschland. Wir haben 3 Kinder. Seine Familie lebt in den USA. Bei ihm kommt öfters „Heimweh“ mal durch, aber gar nicht zum Land sondern zu seinen Eltern. 2009 wollten wir wieder hin ziehen, er flog vor und kam dann doch wieder zurück. Er hätte sich zu doll an Deutschland gewöhnt. Trotzdem hat er oft das Gefühl die Zeit mit seinen Eltern zu verlieren und denkt oft drüber nach, das sie vielleicht irgendwann nicht mehr sind und er keine Zeit mehr für sie hatte. Wären wir geschieden, Denke ich wäre er in der selben Situation. Er würde wahrscheinlich auch lieber dort dann leben, aber seine Kinder sind ja hier. Ein schwieriges Thema. Wenn es finanziell möglich ist, würde ich an deiner Stelle, so oft es geht nach Deutschland zum Urlaub machen fliegen. Ein mal im Jahr mindestens. Ich sage meinem Mann immer wieder das er hin fliegen slll, alleine, weil für 5 Personen Sind die Tickets einfach zu teuer, aber er will einfach nicht alleine fliegen 🙄 seine Eltern werden dieses Jahr zu uns kommen und ich hoffe er kann dann wieder bisschen auftanken. Du bist schon so lange dort. Ich glaube du würdest einen extremen Kulturschock bekommen, wenn du wieder her kommen würdest. Ich war damals nur 4 Monate dort und war erschrocken wie unfreundlich die Deutschen doch sind. Das war in den USA ganz anders. Wir reden öfters davon dort hin zu ziehen, aber es ist so großes Risiko. Man muss wieder von vorne anfangen und das mit drei kindern. Eine schwere Entscheidung.

        (6) 03.01.19 - 10:40

        Hm, das ist eine schwierige Situation. Ich schätze es so ein, dass du wegen der Kinder nicht die Zelte abbrechen kannst.
        Vielleicht würde es dir helfen, wenn du Kontakt zu anderen deutschen Auswanderern knüpfst? Deine Eltern haben wahrscheinlich nicht vor nachzukommen? Vielleicht ergibt sich ja eine Möglichkeit für dich zurück zu kommen, wenn die Kinder auf eigenen Beinen stehen, ausgezogen sind?

      • (7) 03.01.19 - 10:58

        Gäbe es für Dich die Möglichkeit ein Sabbatical im Job zu machen? Ihr könntet euch 6 Monate hier zur Untermiete einmieten, deine Kinder machen ein Halbjahr an einer deutschen Schule und Du schnupperst wieder deutsche Luft - ich glaube nämlich auch, dass Du nur einem Ideal hintherher läufst - oder ihr fühlt euch dort alle wohl...
        Was ist mit dem Vater? Würde er euch gehen lassen?

        (8) 03.01.19 - 12:24

        Hallo!
        Ich lebe seit 35 Jahren in DE und hatte zwischendurch so eine undefinierte Sehnsucht in mein Heimatland zurück zu kehren.

        Ich habe ebenfalls Kinder in demselben Alter wie Du, bin aber noch verheiratet mit dem Vater der Kinder.

        Mittlerweile habe ich versucht mehrere Monate in meinem Heimatland den Alltag zu erleben und alles was ich mit Heimat verbunden hab.
        Zu meinem Erstaunen musste ich feststellen, dass die Heimatstadt anders aussieht (es wurde ordentlich gebaut!!! - welch Wunder #gruebel), die Menschen, die ich mit der Heimat verbinde sind alle nicht mehr da, entweder selber ausgewandert, oder verstorben, oder umgezogen. Mich kennt keiner und keiner wartet auf mich. - Ich bin dort einfach nicht mehr zuhause.

        Ja, es gibt Kleinigkeiten, die mich mit der Vergangenheit verbinden, es sind aber nur Erinnerungen und nichts im Alltag greifbares. Und klar könnte ich dort wieder Fuß fassen, aber es wäre nicht wie "nach hause" kommen und das genau brauche ich nicht. - Dafür fühle ich mich zu wohl hier!

        Versuch mal in Deine Heimatstadt zurück zu kehren und den Alltag zu erleben - nicht als Besucher / Tourist, wo Dich alle mit offenen Armen empfangen und neugierig Deinen Erzählungen lauschen.

        LG, I.

        (9) 03.01.19 - 13:00

        Meine Verwandte wohnen weit weg.
        Bei einschneidenden Lebensveränderungen hatte ich schon öfter den Drang: jetzt ziehe ich um!

        Inzwischen bin ich über diese Phase hinaus. Ich lebe emotional in beiden Welten. Körperlich habe ich eine Entscheidung getroffen, weil mich das hin und her sonst zerreißt.

        Meine Lösung ist: so oft hinfahren, wie es möglich ist. Die Zeit genießen. Jedoch mir bewusst sein, wo ich meinen physischen Mittelpunkt habe.
        Würde ich dort meinen Mittelpunkt haben, würde es mir auch nicht gut gehen dauerhaft. Das hier würde ich auch vermissen, hätte aber "weniger Anlass" herzufahren. Es wäre anders, aber nicht besser.

        Die Sehnsucht habe ich hin und wieder auch. Besonders dann, wenn etwas anderes Gewohntes oder Vertrautes sich verändert.


        Kannst du mal längere Zeit bei deinen Eltern Urlaub machen? Soweit es finanziell, urlaubstechnisch und ferientechnisch möglich ist?

        Kraft tanken, informieren (für dich), in dich fühlen usw.
        Mir hilft das, um die Sehnsucht zu realisieren. Sehnsucht und Realität übereinbringen und entscheiden, was mir gut tut und was nicht. Einer Sehnsucht hinterher träumen, tut mir nicht gut.
        Je mehr ich mich der Sehnsucht hingebe, desto mehr wird sie rosa.
        Daher lasse ich sie zu, entscheide mich aber immer wieder bewusst. Lebensmittelpunkt und Machbarkeiten in der Realität.

        (10) 03.01.19 - 16:59
        Bindirkeinehilfe

        Und ich habe totale Sehnsucht nach den Staaten. Hab mal ein Jahr dort gewohnt und ein paar Urlaube dort verbracht. Nun habe ich mich informiert, ob wir jobtechnisch wengistens ein weiteres Jahr dort verbringen können. Zu mehr fehlt mir der Mut und mein Mann möchte auch hier bleiben. Uns geht's ja auch wirklich gut hier. Familien, Freunde, Eigenheim, super Jobs sind hier. Ich bin Landesbeamtin, verdiene viel mehr als ich im selben Job in den USA jemals würde, aber der Traum bleibt. Ich liebe das Land...hoffe wir können noch oft zum Urlaub dahin. Aber das macht sich leider nicht grad mal so wie nach Holland :(

        Ist dir keine Hilfe, ich weiss...aber so unterschiedlich können Träume sein.

        (11) 03.01.19 - 18:41

        Nach so vielen Jahren Abstand siehst Du Deutschland vermutlich mit einer stark rosaroten Brille.

        Ich lebe hier seit 1990 und hatte zwischendurch auch mal „Sehnsuchtsattacken“ nach meinem Heimatland, aber das war eine Sehnsucht nach etwas imaginären, war es so nicht mehr gibt!

        Hilfreich war tatsächlich in die alte Heimat zu reisen und sofort wieder klar zu sehen, wie sie sich einerseits verändert hat und andererseits gleich geblieben ist (unveränderte unschöne Dinge, die mich damals fortgetrieben haben).
        Ich wusste dann wieder sehr genau, warum ich emigriert bin und war wieder zufriedener mit meinem Wahlland.

        Das Deutschland Deiner Jugend gibt es inzwischen auch nicht mehr, das Land hat sich stark verändert in den letzten 20 Jahren und nicht alles zum positiven. Niedriglöhne, Zeitverträge, Rentenmisere, das solltest Du sehr realistisch betrachten bevor du dich für eine Rückkehr entscheidest.

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