Muttertochter

    • (1) 07.02.19 - 14:29

      Ich will hier eigentlich nur meine Gedanken aufschreiben, weil ich niemanden habe mit dem darüber reden kann.
      Ich hatte schon immer ein schwieriges Verhältnis zu meiner Mutter. Hab mich nie von ihr wirklich geliebt gefühlt. Als Kind hat sie mich nie umarmt oder gekuschelt. Als Teenager hat sie mir immer gesagt wie hässlich ich bin und sie sich für mich schämt, weil ich so dünn bin. Einmal hat eine Bekannte von ihr mich gesehen und gefragt ob ich ihre Tochter bin. Meine Mutter hat recht ungern ja gesagt, später zuhause gesagt das mein aussehen ihr peinlich war. Muss dazu sagen, dass ich nicht hässlich bin , wurde mir damals auch von plastische Chirurgen gesagt. Dann hat sie mir immer eingeredet , das kein Kerl ich heiraten wird und ich eine alte jungfer bin (mit 22 Jahren!). Das schlimme ist , das ich damals das alles auch geglaubt habe. Habe mich jedem Typen an den Hals geworfen. Auch in meiner Kindheit habe ich immer stark geklammert und habe immer nach Liebe, Zuneigung und Bestätigung gesucht. Habe mit 24 meinen Mann kennen gelernt und geheiratet. Habe sehr nette liebevolle schwiegereltern bekommen. Die haben mich behandelt wie eines ihrer eigenen Kinder. Jetzt bin ich seit 9Jahren verheiratet und habe 2 Kinder und bin wieder schwanger. Letztens hat mich meine schwiegermutter plötzlich zur aus gemacht , weil ich angeblich respektlos gegenüber ihren Töchtern war. Habe die eine angeblich nicht zum Essen eingeladen,als sie hier zu Besuch war. Und irgendetwas banales mit der anderen Tochter. Ich war so enttäuscht und habe 3 Tage lang geweint. Sie sagten immer ich bin wie ihre eigene Tochter und ich habe das tatsächlich geglaubt. Es war als hätte ich wieder eine Mutter die mich so falsch behandelt. Muss dazu sagen , das die Töchter richtige Biester sind und mich eigentlich vom ersten Tag an nicht besonders mochten. Ich habe natürlich Freundinnen aber habe diese Macke, von außen hin glücklich auszusehen , aber innerlich bin ich leer und unglücklich. Die einzige Liebe die ich kenne ist die zu und von meinen Kindern.

      • (2) 07.02.19 - 16:11

        Hallo!

        Du solltest dir eine Therapeutin oder einen Therapeuten suchen. Durch solche Erlebnisse in der Vergangenheit hat man oft ein Trauma und das wirkt sich dann meistens so aus.

        Durch sowas rutscht man oft in die Rolle des kleinen Kindes, das nur Liebe möchte und diese nicht bekommt. Egal was man macht, es ist falsch.

        So lange deine Wunden nicht verheilt, deine Vergangenheit aufgearbeitet ist, wirst du immer wieder durch solche Sachen unbewusst dran erinnert. Man nennt das auch triggern.

        Du kannst deine Vergangenheit nicht ändern und auch andere Leute nicht, aber du kannst dran arbeiten wie du damit umgehst. Nur du kannst dich glücklich machen.

        LG

        • (3) 07.02.19 - 16:28

          Das schlimme ist, dass mir erst seit kurzem bewusst ist , warum ich so bin. Das das alles wegen meiner Mutter ist. Ich suche schon lange nach einem Therapeuten, finde bloß keinen mit freien Terminen.

          • (4) 07.02.19 - 16:34

            Ich hatte immer Menschen um mich herum , vor allem jetzt. Ich habe Familie, Freunde und trotzdem bin ich sehr einsam. Alle um mich herum glauben, ich wäre super glücklich denn ich habe ja alles was man braucht. Und ich spiele auch mit , aber innerlich sieht es anders aus.

          • (5) 07.02.19 - 18:37

            Man kann sich auf Wartelisten setzen lassen. Es gibt auch einige Bücher zu dem Thema. Das Kind in dir muss Heimat finden ist eines davon. Es gibt Videos, Beiträge im Netz. Gruppen wo man sich austauschen kann. Hab Geduld mit dir selbst. Das ist ein langer Prozess, aber irgendwann wird es besser. 🙂

      (7) 07.02.19 - 17:13

      Die einzige Liebe zu und von den Kindern?
      Was ist mit deinem Mann? Den liebst du doch auch, oder?

      Deine Kindheit tut mir sehr leid, deine Mutter war/ist furchtbar. Wie wurde sie erzogen? Hatte sie dasselbe Los wie du?
      Das würde einiges erklären, ist aber trotzdem keine Entschuldigung.

      Ich finde es schon mal gut, dass du gerne einen Therapeuten aufsuchen möchtest, der dich dabei unterstützt, denn tief in dir drinnen scheinst du noch immer das kleine Mädchen, dass nach Liebe sucht, zu sein.

      Für einen geraumen Zeitraum hast du das in deiner Schwiegermutter gefunden.
      Aber das ist nicht alles. Du hast deine eigene Familie. Du hast Freunde.
      All das sind die Menschen um dich, die dich mögen. Es wird aber immer wieder welche geben, mit denen es nicht so gut klappt.
      Das passiert auch jenen, die eine normale Kindheit hatten.
      Damit musst du lernen umzugehen. Du musst dir nicht alles zu Herzen nehmen im stillen Kämmerchen. Du kannst dich auch wehren. Verbal wehren. Bilde dir deine eigene Meinung und sprich sie auch aus, wenn es dir zuviel wird.
      Es wird Zeit, dass du aus dir rauskommt.
      Du musst mit deiner Vergangenheit abschließen. Ich bin mir sicher, dass du deine Kinder mit viel Liebe und Zuneigung erziehst und alleine daran kannst du schon aufbauen. Du stehst damit schon hoch über deiner Mutter. Und das ist gut, sehr gut.
      Du hast damit schon einen großen Ballast abgeworfen, indem du nichts aus ihrer Erziehung mitgenommen hast.
      Lass dich nur nicht klein kriegen. Tu das was dir gut tut. Negatives lässt du an dir abperlen. Hol die starke Frau aus dir raus.
      Irgendwelche Diskrepanzen wird es immer geben. Du musst nur lernen damit umzugehen. Aber glaub an dich selbst. Reflektiere das Mädchen, dass du früher warst und die Frau, die du heute bist.
      Du wirst das schaffen, du musst nur an dich glauben.
      Alles Gute!

      • (8) 07.02.19 - 19:06

        Ja ich habe Gott sei Dank nichts aber wirklich gar nichts von ihr übernommen. Habe ein großes Umfeld, Freunde verstehe mich gut mit Verwandten. Bin liebevoll zu meinen Kindern.
        Ja die Sache mit meinem Mann ist etwas kompliziert. Habe ihn in dieser Zeit kennen gelernt als mir meine Mutter diese komplexe eingeredet hat. Und das mich niemals ein Mann heiraten würde. Habe ihn im Grunde aus Angst alleine zu seien geheiratet. Ich hatte /gabe Glück gehabt mit ihm. Er liebt mich , ist ein sehr guter Vater und Familienmensch ,ist fleißig. Ich liebe ihn bin aber nicht verliebt in ihn. Mit ihm rede ich nicht über meine Kindheit. Er soll nicht wissen wie meine Mutter drauf ist. Ich spiele ihm auch diese super heile Welt vor.

        • (9) 07.02.19 - 19:29

          Du liebst ihn bist aber nicht verliebt?
          Wie darf man das verstehen? Du magst seine Wesenszüge auf freundschaftlicher Basis? Meinst du das damit? Bist du denn glücklich in deiner Ehe?

          Kennt er deine Mutter überhaupt?
          Bzw. wie verhält sich deine Mutter heute euch gegenüber, falls noch Kontakt besteht?

          Warum hast du ihm nie von deiner Vergangenheit erzählt? Hat er denn nie was gemerkt? Wenn man jemanden liebt, fühlt man doch, dass mit dem anderen etwas nicht stimmt.
          Meinst du nicht es wäre ein guter Schritt in die Zukunft die Schauspielerei von heilem Leben abzulegen? Du verleugnest damit dein eigenes Ich. Das bist dann nicht du.
          Damit wird das Problem nicht leichter, sondern du ziehst es ewig mit dir mit.
          Und in gewisser Weise schützt du deine Mutter damit. Du schweigst für jemanden, der dir schlimmes angetan hat. Ich weiß, dass die Liebe vom Kind zur Mutter sehr stark ist und ein Kind vieles hin nimmt. Aber ich denke es tut dir nicht gut.
          Ihr war es offenbar auch egal welchen Schaden sie deiner Psyche zufügt, also sollte es dir auch egal sein, wenn dein Umfeld erfährt wie du von ihr behandelt wurdest.

          • (10) 07.02.19 - 20:00

            Naja meine Mutter ist ja der Meinung das sie alles richtig gemacht hat. Ich muss dazu sagen, dass sie selbst nie mutterliebe gekannt hat. Wir haben noch Kontakt, telefonieren ab und zu , wobei sie gleich anfängt zu lästern. Ich denke das sie psychisch krank ist.

    (11) 07.02.19 - 17:46

    Hallo leela,



    ich denke auch das die Probleme die du heute hast von der lieblosen Erziehung herrühren. Dir wurde als Kind etwas ganz wichtiges nicht vermittelt. Du hast es nicht gekannt geliebt, und gelobt zu werden. Das hat sich in deinem Unterbewusstsein eingeprägt und seine Spuren hinterlassen. Ich denke dein eigenes Selbstwertgefühl wird nicht sehr hoch sein. Durch deine Schwiegereltern und deinen Mann wirst du das erste mal erfahren haben das man dich auch lieb haben kann. Leider kam es zu einem Missverständnis mit deinen Schwiegereltern. Ihre heftige Reaktion macht dir zu schaffen und lässt dich wieder an dich selbst zweifeln. Versuch die ganze Angelegenheit nicht zu stark zu bewerten und gib dir und deinen Schwiegereltern etwas Zeit. Ich denke euer Verhältnis spielt sich wieder ein.

    Schau nach vorn und zweifele bitte nicht an dir selbst.

    Wenn du jemand zum Austausch brauchst, dann kannst du mich gern über VK anschreiben.


    Freundliche Grüße

    blaue-Rose

    (12) 07.02.19 - 18:55

    Danke für eure Antworten. Ich bin heute viel stärker und wehre mich immer wieder gegen meine Mutter. Bin eine liebevolle Mutter mit glücklichen Kindern. Und ich weiss heute das meine Mutter das nicht nur mit mir gemacht hat. Im Grunde hat sie es auch mit meinen Brüder gemacht. Mein Vater ist ein gebrochener Mann , sie hat selbst keine Freunde und ist mit der gesamten Familie zerstritten. Ich und meine Schwägerin sind im Grunde die einzigen mit denen sie redet , bzw die mit ihr reden. Auch nur aus Mitleid, aber wir weisen sie in ihre Schranken.
    Mit meiner Schwiegermutter bin ich jetzt in Ordung, sie ist nicht nachtragend oder zieht so etwas in die Länge. Das war mein Problem, das ich so verletzt war. Für jemand normales wäre das überhaupt kein Problem gewesen.

    (13) 07.02.19 - 20:11

    In der Realität gibt es die Konstellation, dass einer das absolute Opfer und alle anderen die absoluten Biester sind, eher selten. Denk mal drüber nach. Ich denke auch, dass du therapeutische Hilfe brauchst.

    Man kann jede Mutter als furchtbar hinstellen, weil jeder Mensch, auch jede Mutter, seine guten und schlechten Seiten hat. Die eine gibt zu viel Freiheit, die andere zu wenig. Die eine gibt zu wenig Liebe, die andere erdrückt ihre Kinder damit. Gerade im Nachhinein ist es natürlich sehr leicht, der Mutter die Schuld an der eigenen Unsicherheit zu geben. Die Frage ist, ob es glücklich macht.

    (14) 08.02.19 - 08:18

    Meine Mutter ist auch ein Kaliber für sich und hat vieles in mir zerstört. Ich war in Therapie und habe den Kontakt zu ihr abgebrochen, das hat sehr viel geholfen. Aber man wird es nie mehr los, es wird immer ein Teil von dir bleiben. Aber man kann lernen, damit umzugehen. Und Offenheit gegenüber anderen hilft, dass das Umfeld einen besser versteht und auch unterstützt.

    Die Situation mit seiner Schwiegermutter hat dich getriggert und an deine Mutter erinnert. Ein böser Flashback. Wenn du keinen Therapeuten findest derzeit, dann melde dich in der nächsten psychiatrischen Klinik. Entweder stationär oder du gehst zur tagesklinik. Das ist ein guter Anfang, ich war acht Wochen in der tagesklinik, habe so auch leichter meine Therapeutin gefunden.
    Falls du eine Universität in deiner Stadt hast, die bieten auch Sitzungen an, dort hast du dann zwar einen angehenden Therapeuten vor dir, aber es ist auch eine Therapie!

    Ich wünsche dir alles gute.

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