Vater total verwahrlost đŸ˜„

    • (1) 09.02.19 - 00:04

      Hallo ihr Lieben!

      Ich bin so ratlos.

      Mein Vater (69) ist geistig und körperlich noch ziemlich fit. Aber seit mehreren Jahren verwahrlost er zusehends. Und jetzt ist es sooo schlimm geworden 😣

      Am Anfang waren es „kleinere Dinge“, die mir unangenehm aufgefallen sind.. Zum Beispiel, dass er immer seltener seine Kleidungssachen gewechselt hat.
      Und jetzt ist es mittlerweile so, dass er sich ĂŒberhaupt nicht mehr wĂ€scht, nicht mehr pflegt usw. Er stinkt unfassbar schrecklich. Seine Haare und sein Bart wachsen..

      Ihm ist das alles egal. Er lebt völlig ungeniert. Was andere ĂŒber ihn denken könnten, spielt fĂŒr ihn keine Rolle. Er ist komplett abgestumpft.

      Vor ca zehn Jahren hat er neu geheiratet. Es war keine Liebesheirat, sondern eine Vermittlung (russische Frauen, die einen wohlhabenden Mann suchen) 😞 Die beiden leben seitdem zusammen.. Oder besser gesagt.. sie „hausen“.
      Sie leben in einer großen Villa, die frĂŒher einmal wunderschön war. Nachdem ich und meine Mutter dort ausgezogen sind (mein Vater blieb dort wohnen), verfĂ€llt das Haus (und darin mein Vater) immer mehr.
      Aus beiden ist eine richtige Ruine geworden. Es ist chaotisch und zum Teil auch dreckig und einfach eklig.
      Überall sammelt mein Vater seine antiken „SchnĂ€ppchen“, die Kisten stapeln sich bis zur Decke.

      Ich betrete das Haus schon lange nicht mehr. Ich ertrage es nicht, was daraus geworden ist. Außerdem stinkt es bestialisch.

      Auch meinem Vater kann ich nur mit Abstand begegnen. Ich habe einfach nur Ekel.. und Mitleid. Ich möchte ihm helfen, aber mir dreht sich der Magen um.

      Die Frau meines Vaters lebt sein Leben mit.. sie scheint ebenso wenig Wert auf Hygiene zu legen. Sie will scheinbar nur ihre Grundversorgung.

      Ich sehe meinen Vater nur zwei bis dreimal im Jahr, wir wohnen weit auseinander.

      Unser VerhĂ€ltnis war nie gut, um es mal dezent zu formulieren. Er hat sich noch nie fĂŒr mich interessiert. Er hat mich nur „ernĂ€hrt“. Immerhin. Auch fĂŒr seine Enkelkinder interessiert er sich nullkommanull.
      Trotzdem gab es von mir schon unzĂ€hlige Versuche, ihm zu helfen.. ihm neue Perspektiven zu zeigen. Ihn fĂŒr einen Neuanfang zu gewinnen.. Das hat mich immer wieder Überwindung gekostet, denn wir sind uns total fremd.

      Ich stoße bei ihm nur auf Starrsinn und er wird sehr sehr böse, wenn sich jemand in dein Leben einmischen will. Oder er stellt auf Durchzug.

      Vor ca 2 Jahren hatte er einen Schlaganfall, der zum GlĂŒck gleich erkannt und behandelt wurde.
      Aber seitdem ist alles noch schlimmer geworden. Er pflegt sich jetzt quasi gar nicht mehr und lebt wie ein (sorry fĂŒr das Wort) „Penner“, obwohl es ihm finanziell eigentlich gut geht. Ich weiß nicht, ab wann man „eingreifen“ sollte.. Und wie man eingreifen sollte...

      Meine Kinder sind total irritiert, wenn sie den „Opa“ mal sehen. Er sieht wirklich aus, als wĂŒrde er schon seit zehn Jahren auf der Straße leben... Wenn wir mal in der Öffentlichkeit sind, schĂ€me ich mich in Grund und Boden...

      So.. das Schreiben hat schon gut getan..
      ich hoffe, dass der ein oder andere meine Ratlosigkeit nachvollziehen kann. Über Tipps wĂ€re ich sooo dankbar!

      • Hallo,


        ich kann deine Ratlosigkeit nachvollziehen und finde es auch gut das du deinen Vater gern unterstĂŒtzen möchtest obwohl euer VerhĂ€ltnis nicht das beste ist.

        Mir fĂ€llt aber auf das du ĂŒber deinen Vater und auch ĂŒber seine Partnerin nicht gerade positiv redest. Ich kann auch verstehen das du es so siehst wie du es hier geschrieben hast.

        Versuche dich aber bitte in deinen Vater hineinzuversetzen. Du lehnst seine Partnerin ab, kannst seinen Lebensstil ( verstĂ€ndlicherweise ) nicht nachvollziehen. Ich gehe davon aus, das dein Vater auch weiß wie du ĂŒber ihn und seine Partnerin denkst und dann kommst du zu ihm und möchtest ihn umkrempeln. Ich weiß, umkrempeln ist sehr hart ausgedrĂŒckt. Aber so wird es dein Vater empfinden. Es kommt also eine Person zu ihm, die ihn nicht und seine Partnerin nicht wirklich mag und möchte sein Leben verĂ€ndern. Ich vermute das er schon allein aus diesen GrĂŒnden deine Hilfe ablehnen wird und auch versucht dir zu zeigen das er sein Leben so weiter lebt wie er es fĂŒr richtig hĂ€lt.

        Gibt es eventuell eine Person die ihm nÀher steht und bereit ist im zu helfen. Wenn ja, dann denke ich das diese Person eventuell etwas bei deinem Vater erreichen kann.

        Ich möchte dich auch mit meinen Worten nicht angreifen weil ich fest davon ausgehe das es gute GrĂŒnde gibt warum euer VerhĂ€ltnis nicht das beste ist. Es sind bestimmt auch GrĂŒnde die du nicht zu verantworten hast, aber aus der Sicht deines Vaters könnte es so aussehen wie ich geschrieben habe.

        Ich hoffe das er es irgendwann einsieht die nötige Hilfe anzunehmen.

        Freundliche GrĂŒĂŸe

        blaue-Rose

        • Vielen herzlichen Dank fĂŒr eure Antworten!

          Ja leider gibt es tatsĂ€chlich gute GrĂŒnde, warum das VerhĂ€ltnis zu meinem Vater nicht gut ist. Aber das wĂŒrde den Rahmen hier sprengen. Ich sage nur.. jeder der von diesen GrĂŒnden weiß, kann nicht nachvollziehen, dass ich ĂŒberhaupt noch den Kontakt aufrecht erhalte.. geschweige denn, ihm sogar helfen will.

          Als nahestehende Person hat er nur noch seine Frau.. aber das ist wie gesagt nur eine reine „Zweck-Ehe“ (sie versorgt ihn und dafĂŒr darf sie dort wohnen).

          Es ist auch nicht wirklich so, dass ich die beiden nicht „mag“. Es ist eine Abneigung gegenĂŒber ihrem Lebensstil (keine Hygiene, alles ist ihnen egal..
          Diese „Ignoranz“ anderen gegenĂŒber macht mich fertig.
          Wie es seinen Enkeln geht, oder wie es mir geht, ist ihm sch.. egal. Er will keine Freunde, keinen familiÀren Anschluss..

          FrĂŒher war mein Vater total gepflegt, trug jeden Tag AnzĂŒge, duschte, ging zum Frisör.. legte Wert auf soziale Kontakte...
          Seit der Trennung von meiner Mutter ist das den Bach runtergegangen...


          Vielleicht ist es wirklich ein messi-Syndrom. Werde mich mal nÀher damit beschÀftigen.

          Schade, dass man scheinbar keine Chancen hat, etwas zu bewirken.

          Lieben Dank nochmal fĂŒr die Antworten!

          • Hallo,


            ich gehe auch davon aus das es gravierende GrĂŒnde gibt warum euer VerhĂ€ltnis nicht gut ist und möchte nicht ausschließen das du heute immer noch unter diesen GrĂŒnden leidest.

            Auch wenn es sehr schwer ist solltest du ĂŒberlegen ob es nicht besser ist den Kontakt ganz einzustellen. Du hast deine Hilfe angeboten, aber er nimmt diese Hilfe nicht an. Es wird dich weiter herunterziehen wenn du versuchst ihn zu helfen , er aber permanent deine Hilfe ablehnt.

            FG

            • Danke..
              Ich habe halbwegs gelernt, mit meiner Vergangenheit umzugehen. Habe viel und lange daran gearbeitet.

              Trotz allem was passiert ist, habe ich immernoch ein GefĂŒhl der Verantwortung meinem Vater gegenĂŒber. Ich kann ihm nicht komplett den RĂŒcken zukehren..

              Aber ich bewahre so viel Distanz wie möglich, damit es mich nicht total runterzieht..

              Danke fĂŒr die Antwort

              • Es ist gut das du einen Weg gefunden hast mit deiner Vergangenheit umzugehen.

                Ich habe es schon öfter erlebt das Betroffene( ich nenne es einfach mal Betroffene) eine schlechte Kindheit und auch eine schlechte Zeit danach hatten, aber sich trotzdem den auslösenden Personen irgendwie verpflichtet fĂŒhlen.

                Es ist gut das du es schaffst einen gewissen Abstand zu waren.

      Familie kann man sich nicht aussuchen. Die bekommt man aufs Auge gedrĂŒckt!

      Manche haben das GlĂŒck, sie zu lieben. Mache ertragen sie und manche kommen ĂŒberhaupt nicht mit der Familie zurecht!

      Ich selbst habe auch einen Vater, der sich nie fĂŒr mich interessiert hat. Jetzt hat er eine Freundin, die jĂŒnger ist als ich.
      Er wĂŒrde ihr gerne alles vererben, obwohl sie nicht einmal bei ihm wohnt!

      Jetzt nimmt er plötzlich Kontakt mit mir auf um all das mit mir zu klÀren.....!

      MEINE Familie sind mein Mann und mein Kind! Auf alle andere sch.... ich!

      Wenn er nicht bereit ist seine LebensumstÀnde selbst zu Àndern, dann wirst du gegen eine Wand laufen.
      Was du beschreibst klingt nach Messie Syndrom. Vermutlich ist das Haus schon so zugerÀumt, dass er vielleicht gar nicht mehr zur Dusche kommt.
      Sein Desinteresse an anderen Personen passt dazu.
      Hat er denn jemanden zu dem er Kontakt pflegt? Mal abgesehen von seiner Frau, die offenbar auch keine VerÀnderung zustande bringt.

      Also wenn er nicht bereit ist, dann hast du leider keine Chance. So traurig das fĂŒr dich auch sein mag, aber er kann selber entscheiden wie er leben mag.

      • Lieben Dank fĂŒr die Antwort..
        Ja, eventuell ist es wirklich so. WĂŒrde mich auch nicht wundern, wenn die Dusche einfach schon lange kaputt ist, und er keine Motivation hat, sie zu reparieren. Aber ein Waschlappen wĂŒrde auch schon helfen.

        Vielleicht ist es wirklich das Messi Syndrom..

    (10) 09.02.19 - 11:58

    So lange er sich nicht selbst gefÀhrdet, er also nichts mehr isst oder sowas, hast du wenig Handhabe. In Deutschland hat jeder das RECHT auf Verwahrlosung.

Hallo,
ich habe beruflich mit Menschen zu tun, die Àhnlich oder noch schlimmer verwahrlosen.
Mein Tipp wĂ€re, dass Du die Problematik ggf. mit einem Sozialarbeiter eines Sozialamtes/Sozialstation/Sozialrathaus in seiner NĂ€he besprichst. Ggf.ist er einfach aus gesundheitlichen GrĂŒnden nicht mehr in der Lage, sich zu waschen und seinen hauswirtschaftlichen TĂ€tigkeiten nachzugehen. Manchmal ist externe Hilfe leichter anzunehmen. Oft schĂ€men sich die Menschen, Hilfe von der Familie anzunehmen.

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