Wie selbstständig sind eure Teenies.

    • (1) 09.02.19 - 13:17

      Ich habe mal eine Frage, die mich schon eine Weile beschäftigt.
      Ich habe selbst nur kleine Kinder, aber die werden ja auch irgendwann groß.
      Ich leite hier im Dorf, einen kleinen Jugendchor. Die Begeisterung ist groß und hat sich in die Nachbardörfer rum gesprochen. Jetzt kamen schon mehrfach Jugendliche, die sich das angeschaut haben und meinten, sie würden eigentlich schon ganz gern mitsingen, aber sie haben keinen, der sie fährt. Und auf meine Frage hin, ob sie denn kein Fahrrad haben, gab es nur ungläubige Gesichter.
      Man muss dazu sagen, sie müssten zu keiner Zeit auf einer viel befahrenen Straße fahren, da die Radwegenetze hier top sind. Berge gibt es auch keine.
      Ich komme aus der Großstadt mit viel Verkehr und habe in dem Alter alles mit dem Rad gemacht (mein Freund hat damals fast 10 km weg gewohnt und ich war täglich bei ihm), weil mich die öffentlichen Verkehrsmittel genervt haben, bzw, das warten darauf und umsteigen. Und hätte mich nie davon einschränken lassen, dass mich irgendwer fahren muss.
      Hier reden wir von 2-5km, gerade Strecke. Jetzt sind sie traurig, dass sie nicht zum Chor kommen "können".
      Andere Situation. Die Tochter, mittlerweile 16 Jahre, meiner Nachbarin wohnt beim Vater in Berlin. Berlin ist eine reichliche Stunde mit dem Zug entfernt und man kann quasi durch fahren. Sie holt sie immer mit dem Auto ab, gestern mit Zug. Auf die Frage hin, ob man nicht mit 16 eine solche Strecke allein schafft, guckte sie mich an, als hätte ich sie sonstwas gefragt. Als ich ihr dann erklärte, dass ich mit 16 allein in den Urlaub gefahren bin, war es ganz aus.
      Dass viele Kinder und Jugendliche heute sehr viel weniger selbstständig sind, als wir es noch waren, ok. Aber so unselbstständig, das entsetzt mich ehrlich gesagt. Ist das jetzt mittlerweile echt Standard?
      Erzählt mal, ob eure Kinder diese Wege alleine bewältigen könnten und dürften.

      • Hallo :)

        Ich habe zwar keine Kinder in dem Alter, aber mir ist sowas auch schon aufgefallen.
        Meine Nichte ist 13 Jahre alt, sie wohnen auf einem kleinen Dorf das ca. 20 KM von uns entfernt ist.

        Die Zugverbindung ist super. Sie müsste nur bei sich einsteigen und bei uns am HBF aussteigen. Das wären wenn überhaupt 15 min. Fahrtzeit.
        Habe sogar angeboten, sie dann dort abzuholen, damit sie nicht noch mit dem Bus zu uns fahren müsste.

        Ihre Antwort:" Ich fahre doch nicht mit dem Zug alleine ganz bis zu euch!!!"

        Dann meinte ich auch das ich in ihrem Alter mit meinen Freunden alleine in den Ferien auf sämtliche Nord- und OstseeInseln gefahren bin. Da waren wir 4 oder 5 Stunden im Zug 😁

        Naja sie wollte dann das sie jemand fährt oder jemand abholt und sonst kommt sie halt nicht zu uns 😂

        Also hat sie PECH gehabt 😂😂

        Hallo!

        Ich kenne beides... mein Schwager hat einen eigenen Fahrradfachhandel und sein Azubi (17!) wird seit dem Ausbildungsbeginn letzten Sommer jeden Morgen von Mama zum Laden gefahren und abends vom Vater wieder abgeholt. 100m vom Laden ist eine Bushaltestelle mit Direktverbindung zum ZOB (ca. 5 Minuten) von da aus fährt ein Bus bis fast vor seine Haustüre (er hat mal erzählt wo er wohnt) - ca. 15 Minuten.
        Er hat ihm sogar angeboten, dass er 5 Minuten früher geht damit er nach Ladenschluss nicht 30 Minuten auf den Bus warten muss!

        Meine Nicht ist gerade 14 geworden. Sie fährt hier immer Zug/Bus oder mit dem Fahrrad. Ihr Handballtraining wurde vorübergehend in die Sporthalle des Nachbarortes verlegt weil unsere hier renoviert wird. Das sind ca. 8 km, das fährt sie zu 95% auch mit dem Fahrrad (mit ein paar anderen aus dem Team) aber wenn es jetzt im Winter mal ganz mieses Wetter war, stark geregnet hat oder gar Schnee lag wurde sie auch mal rüber gefahren/abgeholt.
        Wenn die Mädels shoppen gehen wollen bleibt ihnen gar nichts anderes übrig wie mit dem Zug in die Stadt zu fahren. Hier kämen keine Eltern auf die Idee freiwillig mit dem Auto nach Stuttgart rein zu fahren #rofl ;-)

        Selbst meine fast 4-jährige läuft alleine zu ihrer Freundin am anderen Straßenende. Ok, wir wohnen in einem absoluten Wohngebiet, in einer Sackgasse, ich kann bis zum Haus vor sehen und die andere Mama weiß bescheid, dass sie kommt - aber sie weiß es nicht und ist total Stolz drauf, dass sie alleine laufen darf!

        Ich selbst bin mit 15 alleine daheim geblieben während meine Eltern in den Urlaub sind. Die Nachbarn wussten bescheid, für alle Fälle und gut. Mit 16 und 17 war ich mit Freundinnen und einem Jugendreiseveranstalter in Spanien. Mit 18 sind wir dann allein in den Urlaub geflogen ohne Veranstalter, Eltern etc.
        Mein Mann hat mit 16 ein High-School Jahr in den USA gemacht...

        Es ist nicht nur die Unselbstständigkeit im Bewältigen von Strecken von a nach b, sondern es gibt noch viele andere Punkte.

        Meine Tochter ist 8 und geht in die 3. Klasse.
        Wir Eltern haben eine WhatsApp Gruppe.
        Sollte irgendein Kind mal was vergessen haben, wird sofort in dieser Gruppe nachgefragt, anstatt dass sich das Kind mal ans Telefon klemmt und selbst bei Freunden nachfragt.

        Oder bestes Beispiel: Spieleverabredungen!
        Eltern fragen sich gegenseitig via WhatsApp ob das jeweilige Kind Zeit/Lust hat.

        Mir ist das neulich so richtig bewusst geworden wieviel man den Kindern abnimmt. Und zu telefonieren ist echt keine Kunst!

        Seit ein paar Wochen muss meine Tochter also alles was zuvor selbstverständlich ich geklärt haben sie selber klären.
        Die anderen Eltern waren wahnsinnig überrascht als meine Tochter plötzlich selbst bei Ihnen anrief.

        ECHT?? Die Eltern vereinbarten für die Kinder Termine? Auf die Idee käme meine Tochter nie und nimmer, das für ihre Tochter zu tun - das musste Leonie schon immer selber machen. Genauso musste sie sich selber kümmern, wenn sie sich Hausaufgaben nicht aufgeschrieben hatte o.ä. Sieht bei ihren Freundinnen genauso aus.
        WA-Gruppe der Eltern gabs auch noch nie, da kennen sich kaum Mütter untereinander. Da sind sowieso die meisten berufstätig und tüddeln nicht dauernd um die Kinder rum.
        Gut, dass Du das abgestellt hast!
        LG Moni

        • Du das ist bei uns, also im Freundeskreis über die Klasse meiner Tochter hinaus, absolut normal im Grundschulalter!
          Ich kenne das nur so!
          Für manche Sachen ist das zwar tatsächlich sehr praktisch (Terminfindung Elternstammtisch, Abschiedsgeschenk für Lehrer etc), aber es läuft darüber eben wahnsinnig viel, was die Kids in dem Alter echt selbst klären können sollten.

          Aber es ist halt so wahnsinnig praktisch und vor allem schneller das eben selbst zu machen ;-)

          Vielleicht nehmen sich ja ein paar an uns ein Beispiel :D

      Ich finde deine Anmerkung sehr gut. Meine Kinder sind noch sehr klein, aber das merke ich mir, bzw. ein wenig davon kann ich schon umsetzen. Das die Kinder/Jugendliche so unselbständige sind war mir nicht bewusst. Ich bin auch mit 16 ein Jahr im Ausland gewesen und Zug fahren etc war für mich überhaupt kein Problem. So möchte ich meine Kinder natürlich auch zu Selbständigkeit erziehen. LG

      Mittlerweile verabredet sich mein 8 jähriger auch selber, aber ich muss zugeben, dass ich auch oft per whattsapp frage. Denn die Kinder heute haben ja kaum mehr Zeit, weil sie von den Eltern mit Hobbies zugehauen werden. Mein Sohn hatte eine Verabredung mit seiner Freundin 3 Wochen im Vorlauf! Verrückt. Spontan wie bei uns früher geht gar nicht mehr. Wie oft verabredet er sich in der Schule und dann sagen die Eltern mittags: keine Zeit. Da frag ich die Eltern direkt lieber selber

(11) 09.02.19 - 14:02

Beobachte ich mit Schrecken auch.

-2 km Schulweg, schönster Sonnenschein, Schulkinder werden hin- und herkutschiert.
-500 m Radstrecke, 11Jährige wird zur Verabredung gefahren und wieder abgeholt
-250m Schulweg. Dieselbe 11Jäheige bekommt ein Busticket dafür.
-Schulbus fährt um 7.10 Uhr. Div. Kinder werden extra gefahren, damit sie 15 min länger schlafen können
-Nachbarsjungen 12 und 14 Jahre. Mutter zur Kur, Vater um 16 Uhr zuhause. Kommt extra der Onkel, wird 1 Woche dort einquartiert und kocht den Jungs Mittagessen. Auf meine Frage, ob sich die Jungs nichts aufwärmen oder kurz Nudeln kochen können, kommt dann, dass sie das dann aber nicht tun würden.
-Junge 16 Jahre frage ich, ob er neben der Schule etwas jobbt, um sein TG aufzubessern/zu sparen. Nein, er würde den Sinn dahinter nicht sehen. Meinte die Mutter, dass er ja sehr genügsam ist. Nunja, Führerschein kommt, Auszug kommt in ein paar Jahren, ist es da nicht schön, ein eigenws kleines Polster zu haben?
-Junge 18 Jahre macht FSJ und hat Vorstellungsgespräch dafür. Fährt MAMA ihn hin und sitzt sogar mit ihm beim Gespräch. Da blieb mir echt die Spucke weg.

Ich erziehe meine Kinder anders, in dem Punkt so, wie ich groß geworden bin, das haben meine Eltern richtig gut gemacht damals :-).

Es sind nicht alle so, aber erschreckend viele.

Gruss

  • (12) 09.02.19 - 14:07

    Da fehlen mir die worte.... heftig.

    • Und dann jammern die Mütter hier bei urbia, dass die hoffnungsvollen(-losen) Sprösslinge immer zeitaufwendiger und anspruchsvoller werden#rofl
      Sie haben sie sich doch genauso erzogen.#rofl
      Die Kinder/Enkel/Nichtenkinder usw. in meiner Familie konnten/mussten sich spätestens in der 4. Klasse alleine mal ein Essen aufwärmen, eine Suppe zubereiten oder Rührei oder eine Dose Ravioli zubereiten, weil die Mütter berufsmäßig eben nicht immer zur Verfügung standen - und ich wüsste keines, dem es geschadet hätte.
      Bei den anderen geht Muttilein wohl auch noch die Studentenbude putzen, vorkochen fürs Bubi und die Schmutzwäsche nimmt sie dann auch gleich mit #augen
      LG Moni

      • Du hast recht Moni.

        Mussten wir damals auch und meine tochter lebt auch noch. Sie wäscht mit 12 bereits ihre eigene Kleidung und hilft fleissig mit

        • Meine Enkelin wollte kürzlich eine bestimmte schwarze Jeans anziehen...unbedingt...sie war aber voller Hundehaare und musste gewaschen werden. Da die Maschine mit der entsprechenden Wäsche schon durch war, setzte sie sich hin - ausbürsten und im Waschbecken waschen war angesagt :-) Kann sie perfekt.
          Auch die Hauptversorgung/das Saubermachen ihrer Meerschweinchen ist ihre Sache, Zimmer aufräumen sowieso.
          Gilt immer wieder: wie man sie erzieht, so hat man sie ;-)
          LG

      (16) 09.02.19 - 18:55

      Das vielleicht nicht, aber Mutti ruft im Fakultätssekretariat an, wenn ihr Kind es nicht an die Uni geschafft hat, oder erkundigt sich nach Stand der Bewerbung, Klausuren, etc. ...
      Ein Kumpel von mir hat in seinem letzten Semester im Sekretariat seiner Fakultät gejobbt und hatte amüsante Geschichten zu erzählen#rofl

    (19) 10.02.19 - 10:16

    Hallo, ich hatte eine Vollzeitmama, die mich verwöhnt hat bis ins Erwachsenenalter. Ich musste mir nie nach der Schule das Essen selber machen, ich kam heim und ein leckeres Essen stand auf dem Tisch. Meine Mama war da, das war ein tolles Gefühl. Ja, ich wurde vielleicht nicht so schnell selbständig wie andere Kinder, deren Mütter arbeiten mussten. Mit 19 ging ich in eine andere Stadt zum Studieren, da ging das mit der Selbständigkeit ganz schnell und von alleine.
    Ich fand es toll, dass ich eine Vollzeitmama hatte, mir haben die anderen Kinder immer leid getan, die sich nach der Schule eine Dose Ravioli aufmachen mussten.
    Ich arbeite, allerdings nur in einer halben Stelle und ich versuche, dass meine kleine Tochter nur 3 mal länger in der Woche im Hort bleiben muss und ich sie mind. an 2 Tagen früher abholen kann. Ihr gefällt es im Hort, aber sie freut sich immer auf zu Hause, dort kann sie in Ruhe ihre Hausaufgaben machen, hat ihre Mama etc.
    Ja, viele Mütter müssen Vollzeit arbeiten, ja die Kinder werden schneller selbständig, aber wir begleiten die Kinder nur eine so kurze Zeit ins Erwachsenenleben, ich denke, da kann man sie schon ein bisschen verwöhnen und sie betüdeln.
    Mir hat dieses Betüdeln meiner Mama gut getan und ich bin ihr bis heute dafür dankbar.
    LG Leah

    • (20) 10.02.19 - 19:18

      Also mir ging es genau anders herum. Ich war froh, dass meine Mutter gearbeitet hatte und ich mir das kochen konnte was ich wollte. Und dabei Fernsehen schauen konnte. *lach*
      Mit taten die mit Vollzeit Mama leid, die von vorne bis hinten kontrolliert und behütet wurden.
      Aus mir wurde trotzdem was ;)

      So generell kann man das also nicht sagen. Und ich finde auch nicht, dass Vollzeit oder nicht Vollzeit Mama etwas aussagt über die Selbständigkeit der Kinder.

Kennst du etwa meinen Cousin?? 😂 Dessen Mama hat ihm zu Studentenzeiten jedes Wochenende für die ganze Woche vorgekocht (inkl Salate, Kuchen etc) und es ihm am Sonntag in die Wohnung gefahren (45 km), da konnte sie dann gleich nach dem Rechten sehen und die Schmutzwäsche mitnehmen. Die hat sie dann gewaschen bis er am nächsten Freitag wieder heim kam. Voll berufstätig war sie auch. Aber hey, mein Cousin „Ass halt nicht gern in der Mensa“- was blieb ihr da übrig??? Ich hab zeitgleich studiert, meine Mama hätte mir gepflegt den Vogel gezeigt.

  • Die Studenten im Alter meiner Kinder wurden von zuhause auch nicht mehr betüdelt, die Mütter hätten denen auch den Vogel gezeigt - waren alle berufstätig - und die Lieben haben ihre Studium auch alleine perfekt gemeistert ;-)

Wenn ich mir das Lernpensum an unseren bayrischen Gymnasien ansehe, würde ich auch nicht wollen dass meine Tochter nebenher arbeitet. Bis die mit allem fertig sind, ist es stundenmässig eine vollzeitstelle + x!

  • Sorry, aber im Studium sieht man dann den Unterschied zwischen denen, die schon Mal am "echten Leben" schnuppern durfte und wer nicht...

    Wer jeden Tag MEHRERE Stunden am Tag für ein popeliges Abi lernt (was mittlerweile 50% aller Kinder schaffen), wird ein Studium oder eine anspruchsvolle Ausbildung auch nicht schaffen. Demnach braucht derjenige kein Abi....

    Ein Nebenjob, um sich die kleinen Extras dazuzuverdienen, gehört für mich zur Lebensbildung!

    • Nö seh ich ganz anders :)
      War bei uns selbst absolut nicht üblich nebenbei zu arbeiten und Abi gemacht + studiert haben wir alle ;-)
      Und ich würde mal behaupten, dass wir unsere Jobs sogar ganz gut machen, obwohl wir früher keine Zeitungen ausgetragen haben :-D

      Und keiner redet von mehreren Stunden.
      Es geht um die Kinder die quasi mit ihren Eltern aus der Schule Nach Hause kommen, weil sie auf Ganztagsschulen gehen oder x AGs etc besuchen müssen.
      Für mich ist Schule ein Job und da sollte das Hauptaugemmerk drauf liegen.
      Meine Meinung!

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