Letzter Wille...

    • (1) 26.02.19 - 20:39
      Istrechtso

      In der letzten Woche ist mein Großvater plötzlich und ohne Vorwarnung Verstorben.

      Das Alter von 85 Jahren spielte dabei sicherlich eine Rolle, der Mann war aber dennoch sehr Fit, Geistig und Körperlich.

      Alle engen Angehörige waren und sind sehr betroffen und es ist Klar das er eine Grosse Lücke hinterlässt.

      Nun wurde bekannt das er lange vor seinem Tot mit seiner Frau über den letzten Willen eine Absprache traf welche die Bestattung betrifft.
      Und zwar soll diese gänzlich Anonym, ohne Trauerrede, oder ähnliches statt finden.
      Einfach Verbrennen und die Urne, Anonym, unter einem Baum begraben lassen.

      Prinzipiell zählt ja immer der letzte Wille und alle Angehörigen werden dies auch so Akzeptieren weil es sich so gehört und man den letzten Willen eines Verstorbenen Respektiert.

      Auch wenn ich selbst und auch ein paar Familienmitglieder es sehr Schade finden das wir danach keinen Ort haben zu dem wir gehen können, wenn er uns fehlt und auch dieses Abrupte ohne Trauerrede finden einige sehr Hart denn ein paar nette Worte über ihn zu hören wäre bestimmt auch sehr schön gewesen.

      Billig ist diese Anonyme Beerdigung keinesfalls, also daran liegt es nicht...

      Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?
      Hat sich wer schon mal über den letzten Willen einer Person hinweg gesetzt?

      • Wenn er es so wollte würde ich es niemals anders machen, das wären im Endeffekt ja egoistische Gründe nicht das zu tun, was er sich gewünscht hat.

        Vielleicht hilft dir die Sichtweise meiner Mutter, sie möchte es mal ähnlich mit folgender Begründung: wenn ich mal alt bin sollen ich und meine Schwester uns nie schlecht fühlen, wenn wir lange nicht am Grab waren, wir sollen einfach immer wieder an sie denken, das wünscht sie sich :)

        • (3) 27.02.19 - 11:44

          Naja....egoistisch ist es vielleicht. Aber dem Toten ist es JETZT egal. Der merkt davon nichts mehr und ist daher auch nicht enttäuscht oder böse oder traurig. Also: Egoismus ohne Nachteile

          • (4) 27.02.19 - 23:09

            Sehr ich ganz anders.
            Der Tote hat sich das für SICH gewünscht, und nur weil sich die lebenden was anderes wünschen, machen sie es einfach? Ich sehe hier nur Egoismus um sich selbst glücklich zu machen..

            • (5) 27.02.19 - 23:58

              Der Tod eines geliebten Menschen ist ein nicht wieder gutzumachendes Unglück. Egal, was ich mir für meine sterblichen Überreste je gewünscht habe, sollten meine Liebsten sich nach meinem Tod für etwas anderes entscheiden, um besser damit fertigzuwerden, würde ich es ihnen von Herzen wünschen. Könnten sie mich fragen, würde ich es ihnen niemals verweigern.

              Ich wette, wenn der Großvater der TE um ihr Leid wüßte, hätte er nichts gegen eine Grabstätte oder was auch immer sie braucht, um den Schmerz um ihren Opa auch nur ein wenig zu lindern. Und ich wette, ganz vielen hier würde es mit ihren eigenen Hinterbliebenen genauso gehen. Egoismus? Ist mir egal, wie Du es nennst. Sollte es meine Kinder nach meinem Tod glücklicher machen, immer her damit!

            (7) 28.02.19 - 13:40

            Ja natürlich ist es Egoismus um sich selbst glücklich zu machen. Den Toten kannst du nicht mehr glücklich machen. Der ist tot. Und kommt nie mehr wieder und merkt nichts davon , ob seine Wünsche beherzigt wurden.
            aber der Hinterbliebene muss den Schmerz verarbeiten, den der Tote nicht mehr fühlen kann.

        Ob man DANN noch ruhig schlafen kann, ist allerdings eine andere Frage.

        • (9) 28.02.19 - 13:38

          Wieso denn nicht? Der Tote steht nicht wieder auf und beschwert sich. Schön wärs. Er merkt davon gar nichts. Er ist tot. Nicht mehr da. Kommt nie wieder. Endgültiger geht es nicht.
          Der Tod ist nicht für den Toten schlimm, sondern immer und ausschließlich für die Lebenden. Wenn man einen geliebten Menschen gehen lassen muss hat man jedes Recht der Welt , es so zu gestalten wie man es braucht um die Situation besser zu verarbeiten. Egoistisch ist einzig der Tote gewesen, als er seinen Liebenden Vorschriften gemacht hat und nicht bedachte, dass SIE trauern und SIE damit klar kommen müssen während er einfach weg ist.

          • Ok....Dann haben wir dazu gänzlich unterschiedliche Ansichten.

            Hätte meine Mama einen letzen Wunsch (wille) gehabt und es so oder so haben wollen, hätte ich als Tochter, niemals im Leben, überhaupt darüber nachgedacht, diesen Willen zu übergehen damit ich und andere trauernden es "schöner" haben.

            Ich hätte es niemals mit meinem gewissen vereinbaren können und es spielt für mich überhaupt keine Rolle das der tote Tod ist und nichts mehr merkt.
            Ist für mich eine Sache des Respektes.

            • (11) 28.02.19 - 18:12

              Ich finde es zB respektlos überhaupt irgendwelche Bestimmungen bzgl der eigenen Beerdigung zu machen. Gerade weil man selbst ja davon nichts mehr merken wird aber die Liebenden eventuell verletzt, bzw ihre Trauerarbeit erschwert. Das ist mangelnder Respekt ggü seinen Angehörigen.

              Du schreibst auch sehr absolut. Was wäre denn gewesen, hätte sich Deine Mama ein Mausoleum in München gewünscht. Oder dass ein Stargeiger auf der Feier spielt. In solchen Fällen würde sich so ziemlich jeder über den Wunsch hinwegsetzen.

              • Ja, wie gesagt...Wir haben da einfach verschiedene Ansichten.

                Hätte sich meine Mama ein mauseleum in München, einen Stargeiger oder sonst was gewünscht, hätten wir ALLES getan um ihren letzen Wunsch zu erfüllen.
                Ein letzter wille hat für mich eine große Bedeutung und als nächster Angehöriger sehe ich mich dazu verpflichtet diesem Wunsch nachzukommen.

                Wie gesagt...Wir ticken da einfach unterschiedlich.

                (13) 28.02.19 - 22:19

                Ich finds ziemlich toll von dir das du andere Meinungen so absolut nicht zulässt und so tust als wären andere Sichtweisen blödsinn. :)

                Auch wenn du es nicht so gerne hörst, ich bin derselben Meinung. Ich würde alles tun was der letzte wunsch wäre... ich denke das zeigt Respekt und ich sehe 0 Respektlosigkeit des bald-sterbenden wenn er einen Plan hat und will, das dieser umgesetzt wird. Ja es ist endgültig, aber da muss man ja nicht alles über Bord werfen und denken „passt, der kommt eh nicht wieder, wie geht es mir jetzt am besten, weil DAS is jetzt das wichtigste, wenn ein Verwandter stirbt“

                • (14) 28.02.19 - 22:29

                  Ich find es richtig gut, wie toll Du Sachverhalte durchblickst!

                  1. hat die Dame MICH angeschrieben und meine Meinung kritisiert und nicht andersherum.

                  2. ja, ich halte es für ausgesprochenen Unfug Menschen Egoismus vorzuwerfen, bei der Verarbeitung von Todesfällen. Vor allem wenn ein sehr geliebter Mensch gestorben ist. Um es mal auf die Spitze zu treiben: Eine Mutter die ihren Sohn beerdigen muss der bei einem Verkehrsunfall gestorben ist, darf sich über den Willen des Toten hinwegsetzen wenn sie einen Platz zum trauern braucht, er aber gern in Wacken auf dem Festival verstreut worden wäre. Dieser Frau Egoismus vorzuwerfen oder sie zu fragen, ob sie jetzt noch ruhig schlafen könne, wäre so dermaßen unmenschlich.

                  3. "wie geht es mir jetzt am besten, weil DAS is jetzt das wichtigste, wenn ein Verwandter stirbt"
                  Was ist denn bitte am Wichtigsten wenn eine nahe Person stirbt? Dass es dem Verstorbenen gut geht?! Natürlich geht es darum, dass es den nächsten angehörigen gut geht. So sehr liebe ich nämlich meine Familie und meine Lieben, dass ich niemals so egoistisch wäre, Ihnen vorzuschreiben wie sie um mich zu trauern haben. Wie könnte ich.

(17) 26.02.19 - 20:52

Zunächst mein Beileid!

Meine Mama will auch anonym auf die grüne Wiese.
Ich war schockiert, als ich das erfahren habe, aber eigentlich hat sie recht.
Klar ist das in der akuten Trauerphase schwer zu verstehen, aber ist es denn wirklich so, dass man 25 Jahre zu einem Grab läuft?
Erinnern kann man sich doch auch so.
Ich würde mich nicht darüber hinweg setzen.
Es hindert euch doch keiner daran eine Trauerfeier ohne Beisetzung zu veranstalten.
Trefft euch bei Kaffee und Kuchen, nehmt für euch Abschied.

(21) 26.02.19 - 21:16

Hallo.Ich bin neu hier.Macht das was euer Opa wollte.Man denkt eh im Herzen an den geliebten Menschen oder mit Photo.Meine Mama ist seit 6 Jahren leider nicht mehr da.Sie hat sich gewünscht verbrannt zu werden und dann mit Urne zu meinem Bruder nach Spanien gebracht zu werden.Oh was ein Deutsch.Sie liebte seinen Oliven und Orangenbaumgarten und wollte auf dieser Wiese begraben werden.Das hatte sie alles mit dem Beerdigungsinstitut schon ausgemacht.Und eine Sterbeversicherung hatte auch alle Kosten abgedeckt.Jetzt liegt sie da in der spanischen Sonne und es wächst ein toller Rosenstrauch dort.Das hatte mein Bruder damals angepflanzt.Ich fand und finde das eine tolle Idee.Ich denke sowieso jeden Tag an sie und deswegen brauche ich keinen Ort zum hingehen.Sie ist für immer in meinem Herzen.

(22) 26.02.19 - 21:18

Hallo, ich musste mich vor 6 Monaten von meinem Vater verabschieden. Er wollte so war es sein Wille in einem Friedwald bestattet werden. Es erinnert zwar eine kleine Namenstafel am Baum, aber man keine Blumen ablegen oder eine Kerze aufstellen. Mir gefällt es nicht ich hätte eine Grabstätte bevorzugt. Aber es war sein Wunsch.

Hallo,
ja wir.
Mein Großvater wollte ebenfalls alles klein und anonym. Ihm war es immer wichtig, dass niemand Arbeit hat.
Einen Bestattungsvertrag hatte er bereits abgeschlossen und auch gezahlt.
Wir entschieden dann anders.
Wir wählten mit viel Suche und nachdenken eine Grabstelle welche zu ihm" passte".
Die Trauerfeier fand unter freiem Himmel am Grab statt. Nur die wirklich nächsten Angehörigen waren anwesend. Es gab wie gewünscht von Ihm , keine netten Worte und den üblich vorgetragenen Lebenslauf durch einen völlig Fremden, vor ehemaligen Kollegen, Nachbarn und sonstigen. Der Bestatter stand mehr ganz weit am Rand und wir haben daraus unsere eigene Familiensache gemacht.
Aus dem Erbe wird die Dauergrabpflege gezahlt. Auch hier haben wir seinem Wunsch entsprochen und keiner muss sich kümmern-kann aber!
Wie von Ihm gewünscht, gab es keine Traueranzeige in der Tageszeitung aber von uns eine Danksagung.
Seine Wünsche nach wenig Rummel und keiner Belastung der Kinder und Enkel haben wir erfüllt aber haben trotzdem einen Platz zur Ruhe und Trauer.
Für die Wahl des Gedenksteins haben wir uns Zeit gelassen und diesen so gewählt, dass er für uns alle aussagt was der Opa und Vater war und wir mit gutem Gewissen den Auftrag erteilen konnten und wussten er hätte es abgewunken.
Vielleicht lasst Ihr Euch noch etwas Zeit.
Da es deinen Ausführungen nach ein Urnengrab wird, habt Ihr diese ja auch.


VG Anja

(24) 26.02.19 - 21:44

Ich würde seinen letzten Willen akzeptieren, klar es fällt allen beteiligten schwer. Zumal der Abschied zur Trauerbewältigung gehört, aber setzt euch als Familie zsm esst kuchen zsm und jeder spricht ein paar worte über ihn, über all das was er getan hat, die Dinge die ihm zu das gemacht haben was er war :)

Alles gute

(25) 26.02.19 - 21:57

Mein Vater wünscht auch einen Friedwald und hat schon alles in die Wege geleitet (obwohl noch nix für ein baldiges ableben spricht). Ich finde die Idee schön. Statt aufwändiger oder teurer Grabpflege kann man durch einen Wald spazieren und seiner gedenken.

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