Kinder unterschiedlich lieben - Zukunftsausblick?

    • (1) 01.05.19 - 15:00
      Waswirdmalsein

      Hallo liebe Urbia-Gemeinde

      Ich krame ein altbekanntes Thema heraus. Ich bin Mutter zweier Mädchen. Meine erste Tochter habe ich sofort sehr geliebt. Sie hingegen war seit der Geburt ein absolutes Papakind. Das war immer mal wieder schwer für mich, aber ich habe es nicht ausgelebt. Was Viele sagten, es gäbe solche uns solche Phasen, trat nie ein. Ihr Vater hat immer ganz deutlich Vorfahrt. Sie (Vater- Tochter) haben eine Verbindung, die wir (Mutter-Tochter) einfach nicht haben. Ist der Vater mal länger nicht greifbar, braucht sie mich mehr und ist mir von sich aus näher, aber es ist eine andere Nähe, als wenn sie diese Nähe einfach aus Liebe wollen würde.

      Nun sagte ich ja, ich liebe sie. Aber mit Geburt der zweiten Tochter habe ich noch eine intensivere Form der Liebe kennengelernt. Unsere zweite Tochter ist ausgeglichener als ihre große Schwester, aber bevorzugt mich tendenziell. Sie ist also ein Mama-Kind-light würde ich es nennen.

      Ob es nun mit der Bevorzugung der Mädchen zu tun hat, kann ich nichtmal sagen, aber das Verhältnis zur zweiten Tochter ist aus meiner Sicht viel selbstverständlicher, unkomplizierter, einfach natürlicher und irgenwie logisch auch stärker. Bei ihr denke ich über Liebe geben und Nähe nicht nach, es passiert, während ich bei der Erstgeborenen schon drüber nachdenke, zeig ihr jetzt Nähe, um sie musst du dich auch kümmern, drück sie nochmal... wobei ich dazu sagen muss, dass es sich für mich so anfühlt, dass ich sie sogar unterbewusst, vielleicht aus schlechtem Gewissen heraus oft bevorzuge.

      Nunja, darum geht es noch gar nicht richtig, obschon ich mich frage, ob das viele Eltern nachvollziehen können? Spreche ich mit meinem Mann darüber, gibt er entweder nicht zu, oder er bemerkt es nicht, weil er nicht darüber nachdenkt, aber eigentlich ist es geben wechselseitig. Sein Verhältnis zur ersten Tochter selbstverständlicher als das Verhältnis zur zweiten Tochter.

      Was mich nun für Gedanken umtreiben... Also ich entstamme einer komplizierten Familie, wo alle um mich herum schwierig, zickig waren. Eine Oma, die die beiden sich laufend eifersüchtig bekriegenden Töchter akribisch gleich hielt und dennoch gab es immer böses Blut. Familienmitglieder die sich bei jeder Zusammenkuft zu bemühen schienen, sich falsch zu verstehen und schnell gekränkt zu sein. Alles Menschen, mit denen nie unbeschwertes Zusammensein möglich war.

      Zu dem weniger innigen Verhältnis zur ersten Tochter kommt hinzu, dass sie sehr sensibel ist, sehr dramatisch, einfach auch kompliziert. Aber noch besteht ja Hoffnung, dass sich das verwächst, sie ist erst im Grundschulalter.

      Dennoch denke ich manchmal leicht besorgt in eine Zukunft, in der ich zumindest eine Tochter habe, die immer konkurriert, der ich es nie unkompliziert recht werde machen können? Aufgrund meiner weiblichen Verwandten befürchte ich einfach, dass aus ihr ggf auch ein solch eher unzufriedener, theatralischer Charakter wird, mit dem einfach das Zusammensein immer irgendwie schwierig sein wird, ohne, dass ich daran viel beeinflussen kann. Ich kann es ja schon heute nicht, egal wie ich auf sie einzugehen versuche, was sicherlich nur zum Teil an der nicht selbstverständlichen Bindung liegt?!

      Gibt es hier vielleicht Erfahrungen Mütter bereits erwachsener Kinder die sich irgendwie in meiner Schilderung wiederfinden?

      LG

      • hallo,


        ich kenne es von meinen eigenen gefühlen her nicht. ich liebe beide ungs gleich intensiv. auch nicht anders, was andere oft sagen. ich bevorzuge keinen und für mich sind beide auf ihre weise unglaublich toll.

        aber ich glaube ich kenne es ein wenig von meiner mutter.

        ich habe eine 4 jahe jüngere schwester. ich selbst wurd egeboren als meine mutter gerade 20 war und am beginn ihres studiums. ich glaube heute, sie war eher die mutter die sie sein wollte, als meine schwester geboren wurde. sie war reifer.
        ich wusste immer, dass meine mutter mich liebt. das weiß ich auch heute. aber das verhältnis zu ihr war immer schwierig. nicht selbstverständlich, wie du es auch ausdrückst. ich habe immer bemerkt, dass es ihr leichter fühl z.b. meiner schwester körperlich näher zu sein. das hat mich bedrückt. ich war auch ein papa kind. aber heute frag ich mich, ob ich das war, weil meine mama eben noch nicht so bereit war. keine ahnung. mein papa ist allerdings gestorben als ich 14 war udn du kannst dir sicherlich unschwer vorstellen was das für mich bedeutet hat.
        meine mutter und ich haben uns lieb. ich kann mich immer auf sie verlassen. aber sie ist anstrengend und wir knallen regelmäßig aneinander. allerdings haben wir über die jahre geernt zu kommunizieren. das hilft. im letzten streit hat sie geäußert, dass sie sich fragt, ob wir öfter knallen als sie und meine schwester, weil wir beide uns näher stehen. ich hab da jetzt ziemlich lange drüber nachgedacht denn dieser gedanke war neu für mich. scheinbar sieht sie das aber so.und ich denke das ist in den letzten jahren passiert. wir waren ja uasi gezwungen uns miteinander auseinanderzusetzen.

        was ich dir aus der erfahrung sagen kann, ist, dass deine große es bemerkt. kinder merken alles. sie kann es aber nicht verbalisieren. du bist gefragt. wenn du dir also ein unbeschwertes zusammensein mit deiner tochter wünscht, dann sorg selber dafür. baue zeiten ein, in denen du nur mit hr zeit verbringst. vielleicht findet ihr ja auch etwas, das euch verbindet. ich würde das ehr aktiv voran treiben.
        ich glaube nicht, dass du sie weniger liebst. sonst würdest du dir nicht so viele gedanken machen. das find ich gut. aber an der umsetzung hapert es vielleicht ein wenig. wenn du dir also weiterhin vornimmst ihr regelmäßig zuneigung zu zeigen, vielleicht wird es dann selbstverständlich?
        wenn du einmal die woche oder alle zwei wochen einen nachmittag mit ihr verbringst, vielleicht kommt hr euch auf lange sicht so sehr viel näher?

        du hast genug zeit und möglichkeiten. nutze sie.

        vg

        • (3) 01.05.19 - 16:48
          Waswirdmalsein

          Hallo.

          Danke für deine offene Schilderung.

          Deine Argumente höre ich natürlich nicht zum ersten Mal, aber ich denke, bei uns ist es einfach so bzw wenn nicht, ist die Kausalität nicht vorhanden, denn sie zog den Papa ja schon immer vor, auch als wir zu dritt waren. Dort liegt einfach schon immer die natürliche Verbindung.

          Damals wie heute verbringe ich viel Zeit allein mit ihr. Hierbei gehe ich wirklich auf sie ein, von ihr kommt dann aber auch immer, dass sie das demnächst aber gerne alleine mit Papa machen würde.

          Weißt du, ich brauche daran nichts zu ändern. Ich habe lange gehadert, aber mittlerweile bin ich damit ziemlich im reinen. Man muss nicht jeden gleich lieben. Und es kann halt innerhalb der Familie unterschiedlich intensive Bande geben. Ich akzeptiere, dass sie ihren Vater immer anders lieben wird, als mich und ich mache mich nicht mehr selbst herunter, dass ich sie anders liebe, als ihre Schwester. Doch auch muss ich zugeben, dass ich ein wenig Angst habe, das mal vorgeworfen zu bekommen, weil es nicht in meiner Macht liegt, daran etwas zu ändern. Ich würde für ihre Schwetser wie für sie alles geben, ich werde immer da sein und sie unterstützen, aber ich kann einfach dieses selbstverständliche Band nicht herbeiführen, in keine Richtung. Sie wird es nicht zu mir aufbauen und deshalb kann ich es auch nicht zu ihr aufbauen. Eine selbstverständlich Bindung funktioniert nur wechselseitig. Keine Seite hat Schuld, dass sie nicht besteht.

          Es tut mir übrigens sehr leid, dass dein Vater, als dein wichtigster Vertrauter so früh gestorben ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass das furchtbar war und vielleicht auch heute noch ist.

          LG

      (4) 01.05.19 - 16:00
      Kind ungleicher Lieb

      Ich bin selbst ein Kind einer ungleich liebenden Mutter. Meine Schwester (2,5 Jahre älter) wurde stets bevorzugt. Selbst wenn ich Hausaufgaben machen wollte während meine Schwester an meinem Tisch gespielt hat, hat sie von meiner Mutter Recht bekommen. Wenn ich stürzte, sollte ich gefälligst allein aufstehen, bei meiner Schwester wurde sofort hin geeilt. Solche Situationen kamen mir schon als Kind ungleich vor, ich habe es gespürt. Mein Vater ist eine Woche nach meiner Geburt plötzlich verstorben, da hatte ich natürlich keine andere Bezugsperson als meine Mutter. Auch heute streiten wir viel, meine Mutter trägt meiner Schwester (34) weiterhin den Arsch hinterher. Als ich erwachsen war und diverse Personen ansprach, die mich von klein auf kannten (Patentante, Leihoma,..) haben mir alle Recht gegeben, dass es ihnen als außenstehenden Personen auch aufgefallen ist.
      Nun erwarte ich auch ein zweites Kind und habe natürlich den Anspruch an mich, die Fehler meiner Mutter nicht selbst zu machen.

      • (5) 01.05.19 - 16:58

        Hallo.

        Es tut mir leid, dein Vater war also nie da. Furchtbar.

        Weißt du, wenn ich das so lese, habe ich echt Angst, dass meine erste Tochter das auch irgendwann so schildern und empfinden wird, aber so ist es definitiv nicht. Im Gegenteil. Erst neulich habe ich mit meinem Mann gesprochene, dass wir unbedingt auch mal etwas neues für die Kleine kaufen müssen. Die Große kann allein aufgrund ihres Alters schon viel mehr machen, aber auch früher, als sie allein war, habe ich mit ihr mehr gemacht. Sie darf generell mehr, bekommt alles neu, fordert sehr viel ein, all das bekommt die Kleine gar nicht. Sie fordert weniger aber aufgrund der Kapazität passiert es auch oft, dass die Kleine eben nicht das bekommen (kann) was die Große alles (ermöglicht) bekommt. Also wird die Große eigentlich oft sogar deutlich bevorzugt. Aber wehe, sie bekommt mal nicht haargenau das Gleiche, wie die Kleine, dann ist hier was los.

        Verstehst du was ich mit der Zukunftsaussicht meine? Ich habe Angst, dass sie als Erwachsene auch so schwierig sein wird, wie heute und ich das dann auch noch mit mangelnder Mutterliebe als Ursache aufs Brot geschmiert bekomme.

        Ich versuche, beide ihren Bedürfnissen entsprechend und fair und ausgeglichen zu behandeln, dabei kommt eher die Kleine deutlich kürzer als die Ältere, der Älteren ist es aber eh nie genug. Abgesehen von der unterschiedlichen Bindung ist die Ältere so sagenhaft kompliziert. Ich vermische hier irgendwie zwei Baustellen fällt mir auf, aber beides macht mir im Hinblick auf später Angst. Ich möchte keine so dramatischen Familienbegebenheiten, wie sie bei mir früher der Fall waren. Aber es scheint alles so machtlos?
        LG

        • (6) 01.05.19 - 20:32
          Kind ungleicher Lieb

          Ich hoffe, ich drücke mich verständlich aus, ohne dass du dich angeprangert fühlst:
          - Den Charakter deiner Großen kannst du nicht ändern. Sie wird (jetzt oder im Erwachsenenalter) fordernd und anspruchsvoll bleiben.
          - Ich fürchte (korrigier mich falls ich dich falsch verstanden habe), dass du hier tatsächlich einiges vermischst. Du schreibst von neuen Klamotten, Spielsachen u.ä. Dass ich die Sachen meiner Schwester aufgetragen habe und das Geld nicht immer locker saß, hat mich nie gestört. Es war die differenzierte Zuneigung meiner Mutter-verstehst du was ich meine? Es mag sein, dass die Große mehr profitiert aber dennoch merkt sie die Distanz zwischen euch.

          Heute bin ich ein umgänglicher, offener Charakter, unabhängig, finanziell selbständig, gesundes soziales Umfeld. Meine Schwester ist das komplette Gegenteil. Einzelgänger, hatte noch nie einen Freund, geschweige denn soziale Kontakte und ist als ewige Studentin auf das Geld unserer Mutter angewiesen. Auch die Klamotten werden ihr nach wie vor gekauft von Mutti. Aber das führt nun zu weit..
          Ich bin stolz auf das was ich erreicht habe, zumal ich es aus eigener Kraft geschafft habe.

        • Hallo,
          es ist schon viel gesagt worden, aber eine Anmerkung habe ich an dieser Stelle. Meine Große (Mama-Kind) jammert sofort, wenn sie nicht genau das bekommt, was die Kleineren nicht auch bekommen. Sie darf natürlich mehr (bedingt durch den Altersabstand von vier Jahren) und bekommt auch Dinge zuerst (Handy,....) worauf die anderen scharf sind. Dadurch haben die Kleinen das Zurückstecken besser gelernt.
          Die Große bekommt eben auch mal was nicht. Damit sie das auch lernen kann. Aber es fällt Ihr viel schwerer wie den anderen beiden, die eben ständig altersbedingt zurückstecken müssen. Da sie das Mama-Kind ist, hab ich da nicht mal ein schlechtes Gewissen.

          Das Kind meiner Freundin lehnte neulich mal die Mutter ganz deutlich ab. Daraufhin hat die Mutter dann an den Vater verwiesen (der nicht da war). Sie bräuchte sich ja dann keine Zeit nehmen. Da ist das Kind zurückgerudert. Vielleicht auch ne Option? Geht natürlich nicht immer.

    (8) 01.05.19 - 16:54

    Ich denke, bis zu einem gewissen Grad ist das nur natürlich. Viele (v. A. Mütter) wollen sich das aber aus den falschen Gründen nicht "zugeben".

    Ich (Tochter) war immer mehr das Papa-Kind, mein Bruder ein klassisches "Muttersöhnchen". Dass war allen Beteiligten immer bewusst. Das mit dem gegengeschlechtlichem Elternteil oft eine "innigere" Bindung besteht, ist sehr klassisch. Bei unserer Familie hat's zusätzlich auch charakterlich in diesen Kombinationen einfach besser gepasst.

    Daraus haben sich aber nie Bevorzugungen oder Benachteiligungen ergeben. Meine Eltern haben immer darauf geachtet, uns gleichwertig (das ist nicht immer identisch mit "gleich"!) behandelt.

    Wir waren und sind übrigens eine harmonische Familie und mögen uns alle :-)

    • (9) 01.05.19 - 17:02

      Hallo.

      Es freut mich sehr für dich, dass ihr eine harmonische Familie seid.

      Ich versuche es hier ja auch alles ganz normal, natürlich und unbeschwert, aber es funktioniert leider nicht. Da mir wegen meiner unschönen Kindheit absolut das Urvertrauen in selbstverständliche Liebe fehlt, habe ich Angst, später eine erwachsene Theatralikerin vor mir stehen zu haben, die mir eine verkorkste Kindheit vorwirft, obwohl ich wirklich alles und objektiv mehr als genug gebe, damit ein Kind schön und geliebt groß werden kann.

      LG

      • (10) 02.05.19 - 01:54

        Du wirfst deiner Herkunftsfamilie/ Mutter vor nicht genug geliebt worden zu sein, und hast Angst, dass deine Tochter dir das Gleiche vorwerfen wird.
        Ob ein Kind sich genug geliebt fühlt entscheidet das Kind. Da kannst du hundert mal glauben du gäbest "alles und objektiv mehr als genug". Deine Zweifel deuten darauf hin, dass du weisst, dass SIE sich nicht (genug) geliebt fühlt. Gleichzeitig kannst du sie nur so viel lieben wie du kannst.

        Mit dieser Erkenntnis kannst du vielleicht deine eigene Mutter wohlwollender sehen. Sie konnte dich auch nur so lieben wie sie konnte, und nicht so viel, wie du gebraucht hättest. Mit Schuld hat das nichts zu tun. Verabschiede dich von dem Gedanken der "Schuld".

(11) 01.05.19 - 17:03

Ich finde mich total in Deinen Zeilen wieder.
Bei mir ist es auch die erste Tochter, bei der ich eher sagen würde, sie hat im Papa die erste Bezugsperson. Generell sind die Mädchen sehr unterschiedlich und die Große hat körperliche Nähe nie so richtig zugelassen. Da ist die Jüngere einfach ganz anders.
Unsere große Tochter wollte als sie noch klein war nicht mal richtig betüddelt werden wenn sie krank war.
Ich habe mir da auch schon oft Gedanken gemacht und mich stört es selbst total, dass ich es viel bewusster mache, sie in den Arm zu nehmen und zu küssen. Es ist immer ein wenig mit "Abwehr" von ihr verbunden .
Ich liebe meine Kinder alle bedingungslos. Trotzdem fühlt es sich manchmal unterschiedlich an, aber das kann man ja nicht ändern.
Ich bin mir sehr bewusst, dass ich die Mama bin und dafür sorgen muss, dass sie sich auch fühlen können wie es ist, geliebt.
Jedes Kind ist anders und Liebe gibt es halt auch nicht nur in einem Wort sondern in vielen Taten.
Ich wünsche Dir, dass ihr Euch nah sein könnt, so wie es sich für Euch richtig anfühlt. Und wir uns nicht an Aussagen, man muss alle Kinder zu jeder Zeit gleich behandeln / "lieben" festhalten. Wir sind halt alle unterschiedlich und "funktionieren" miteinander auch immer anders...
Danke nochmal für Deinen Denkanstoß.

  • (12) 01.05.19 - 17:49

    Danke für deine nette Antwort.

    Was für einen Denkanstoss meinst du denn für dich?

    • (13) 01.05.19 - 18:23

      Einfach dieses Thema wieder mal zu lesen und zu sehen, dass es ein Stück weit normal ist und auch in anderen Familien dies ein Thema ist. Man fühlt sich gleich weniger allein. Denn das ist ja nun kein Thema das mit Freundinnen beim Kaffeeklatsch teilt. Klar spricht man mit der einen oder anderen drüber. Aber das entspricht klar nicht dem Ideal, die Liebe für alle Kinder ist gleich...

Hallo
Ich denke, sie Sache mit deiner Familie sitzt dir sehr im Kopf. Meinst du es würde dir gut tun, dir etwas Hilfe ins Boot zu holen? Auch um deine Gedanken zu sammeln.
Beides sind deine Kinder und Geschwister, aber trotzdem sind es zwei eigenständige Personen. Ich habe meine Kinder aller gleich lieb, aber sie sind so unterschiedlich. Ich kann gar nicht zu alle exakt das gleiche Verhältnis haben. Aber anders muss nicht schlechter heißen.

LG

  • (15) 01.05.19 - 17:23

    Ja, da hast du Recht.

    Ich habe in den letzten sechs Jahren Stück für Stück viel selbst bzw im Austausch mit Vertrauten aufarbeiten können, habe für mich selbst viel verändert, was mir eben zu schaffen macht, sind eben Dinge, die ausserhalb meiner Macht liegen. Natürlich verändert sich auch im Beziehungsgefüge mit allen Personen mit denen man interagiert etwas, wenn ich mich selbst positiv verändere, aber das hat eben auch Grenzen. Mir macht nur Angst, was aus meiner Sicht unberechtigt ausserhalb dieser Grenze abläuft. Ich gebe wirklich sehr selbstlos mein Bestes und habe dennoch Angst von einer vorwurfsgeladenen Tochter-Mutter-Bindung.

    Da hilft mir keine Therapie. Mir bleibt ja nur, es abzulegen, dabei wäre eben mein Wunsch, dass meine erste Tochter sich einfach nicht zu einem solch komplizierten Charakter entwickelt. Aber ich finde den Gedanken, dass es möglicherweise trotzdem wie befürchtet kommt, unfair. Aber noch besteht ja die Hoffnung, dass es gar nicht so kommen wird.

(16) 01.05.19 - 17:39

Hallo,

bei mir ist es ähnlich. Wir haben 2 Kinder. Unser Sohn (7) hat seine Mama- und Papa-Phasen. Bevorzugt mal den und dann wieder den anderen. Er ist mir unheimlich ähnlich. Man meint das würde es einfach machen, ist es aber nicht. Wir ecken oft an, streiten und diskutieren, aber lieben uns unheimlich.
Unsere Tochter (2 1/2) ist ein absolutes Papa-Kind. Mein Mann hat sich die ersten beiden Wochen komplett alleine um sie gekümmert, weil es mir nach der Geburt so schlecht ging. Er übernahm das Bonding. Das Stillen klappte auch nicht. Ich habe fast 6 Monate pumpgestillt, heißt mein Mann hat die ersten Wochen das Fläschchen gegeben, weil ich immer gleichzeitig abgepumpt habe, wenn die Kleine Hunger hatte.
Beruhigen konnte ich sie nicht. Sie hat auf meinem Arm weiter geweint. Bei meinem Mann war sie sofort ruhig. Gekuschelt hat sie auch nur mit meinem Mann.
Die Zeit war wirklich schlimm. Es wurde erst besser, als unsere Tochter 2 wurde. Jetzt kommt sie auch mal zu mir und lässt sich von mir trösten. Sie ist so ein Sonnenschein. Immer fröhlich und gut gelaunt.
Obwohl wir einen schweren Start hatten, liebe ich sie ohne Ende.

Dennoch ist die Liebe zu den Kindern nicht gleich intensiv! Schlimm das so zu sagen, aber die Kinder sind halt auch sehr unterschiedlich.

Wo ich Kind war fand ich immer, dass mein Bruder (3 1/2 Jahre jünger) bevorzugt wird. Er war viel krank, öfter im KH usw. und verständlicherweise drehte es sich dann mehr um ihn. Ich war älter, recht selbstständig und konnte halt nicht auch noch Probleme machen.
Meine Eltern haben immer sehr darauf geachtet uns gleich zu erziehen, aber das geht natürlich nicht. Man kann Regeln haben in der Familie die für alle gelten, aber gleich erziehen? Nein!
Ich war immer sehr rebellisch, hinterfragte viel und wenn es für mich keinen Sinn macht, dann machte ich es nicht.
Meinem Bruder konnte man was sagen und er machte es einfach. Er diskutiert nicht. Ist ihm zu anstrengend 😉
Und klar hat man dann eine intensivere Bindung mit dem pflegeleichtem Kind und nicht mit dem komplizierten. Ich mache das meinen Eltern auch nicht zum Vorwurf.

Mit meiner Mutti bin ich stets und ständig angeeckt. Ich bin auch schon sehr zeitig ausgezogen, mit 16, dann erst besserte sich das Verhältnis langsam. Wirklich sehr gut ist unsere Bindung seitdem ich Kinder habe. Wir sind beide sehr froh, dass es sich so entwickelt hat. Sie ist meine engste Vertraute.

Ich bin mir demnach sicher, dass sich auch bei dir die Bindung zu deiner 1. Tochter noch positiv entwickeln kann und wird.

Alles Gute für dich.

Ich war ewiges Papakind bis zur Pubertät.
Meine Eltern hatten noch die klassische Rollenverteilung. Sprich Mutter Haushalt, Vater hat gearbeitet und sich um den Garten gekümmert. Mich hat das helfen im Haushalt nie interessiert. Lieber hab ich mit Papa einen Hasenstall gebaut und mich um die Tiere gekümmert. Papa durfte nicht mal tanken fahren ohne mich.
Mein Bruder war weder Papa noch Mama Kind. Er war quasi Nachbarkind😂Damals wars noch üblich, dass die Kinder im Dorf frei herumgerannt sind.

Als ich aber dann langsam zur Frau wurde, sprach ich lieber mit meiner Mutter darüber.
Aber ich hatte meine Mutter nie weniger lieb.

Vielleicht kommt das bei deinem Kind auch noch, wenn sie älter wird, dass sie dann von Frau zu Frau lieber mit dir spricht.
Sie hat doch keinen Grund dir einen Vorwurf zu machen. Sie wird doch von dir genau so geliebt. Das zeigt schon, dass auch bei euch ein Band besteht.
Und mal ehrlich, wenn die Kinder mehr Bindung zur Mutter haben, kräht auch niemand danach. Warum sollte es nicht auch mal umgekehrt sein. Wie oft liest man hier, dass die Väter sich nicht kümmern?
Mach dir keinen Kopf drüber. Es haben sich schon die besten Familien zerstritten.
Mach dir erst Sorgen wenn es soweit ist, aber noch ist alles ok. Also kein Grund zum Nachdenken.

Ich schildere dir mal meine Sicht, die aus der anderen Perspektive. Ich würde nämlich sagen, dass meine Eltern eher mich bevorzugt haben. Meine Schwester ist 4 Jahre jünger als ich und meine Eltern waren bei uns beiden jung. Meine Schwester war zwar als Baby sehr pflegeleicht, wurde dann ab 1 Jahr aber relativ anstrengend und bockig, hatte Wutanfälle, nicht übermäßig viele, aber ich war einfach ein total liebes Kind, das immer gemacht hat, was man ihm sagt. Sie war vom Charakter her einfach etwas wilder und willensstärker. In der Schulzeit ging es so ähnlich weiter: ich war eine Vorzeigeschülerin, die Lehrer mochten mich, ich war lieb und hatte immer gute Noten. Meine Schwester hatte zwar auch gute Noten, war aber eben wilder und hat sich öfter mal mit den Lehrern angelegt.
Die Situation führte dazu, dass wenn wir uns zu Hause gestritten haben, meine Eltern oft mir Recht gaben, einfach weil sie wussten, dass ich „die Liebe“ bin. Selbst dann, wenn ich es mal nicht war, gingen sie davon aus, dass meine Schwester angefangen hat.
Trotzdem hatte ich zu meiner Schwester bis zu einem gewissen Zeitpunkt immer ein gutes Verhältnis. Sie hat zu mir aufgeblickt, sich an mir orientiert und oft hatte ich mehr Einfluss auf sie als meine Eltern. Das änderte sich allmählich, als sie so 16/17 war.
Heute (ich 29, sie 25) ist das Verhältnis zu ihr sehr schwierig, zumindest wenn die Familie zusammen ist. Sie braucht einfach sehr viel Lob und Bestätigung, ist wahnsinnig schnell beleidigt und nachtragend und würde niemals zugeben, dass sie irgendwas gut findet, was ich mache/habe. Beispiel: Als ich meine erste Schwangerschaft verkündet habe, hat sie sich noch einigermaßen gefreut, war aber sehr schnell wegen der Aufregung meiner Eltern genervt. Dass es ein Mädchen wurde, fand sie blöd. Als ich meine zweite Schwangerschaft verkündete, hat sie gar nichts gesagt und nur die Augen verdreht. Dass es ein Junge wird, findet sie blöd.
Letztens hat sie eine Freundin mit Baby besucht (ein Jahr jünger als meine Tochter) und mir dann ständig vorgeschwärmt, wie viel toller das Kind doch ist als meine Tochter.
Als ich stark unter Schlafmangel mit Baby gelitten habe (3 Monate lang ca 3 Stunden Schlaf pro Nacht) waren ihre Worte nur: selbst schuld, du wolltest doch ein Kind. Als ihrer Freundin mit Baby das Gleiche passierte, waren ihre Worte: die Arme, sie tut mir so leid, das ist wirklich furchtbar.
Auch meinen Eltern gegenüber ist sie oft sehr unhöflich und undankbar, zumindest wenn ich auch dabei bin. Wenn wir bei ihnen zu Besuch sind, kann man ihr nichts recht machen, an allem nörgelt sie herum: das Essen schmeckt nicht, das Bett ist zu hart, .... und mindestens einmal während ihres Aufenthalts fällt der Satz zu ihrem Freund: ach komm, lass uns doch lieber morgen schon wieder nach Hause fahren, hab keinen Bock mehr, hier ist es blöd. Dabei geben sich meine Eltern wirklich alle Mühe.
Das waren jetzt nur ein paar Kleinigkeiten, aber es ist natürlich noch viel mehr passiert. Ich finde ihr Verhalten sehr verletzend und muss inzwischen wirklich sagen, dass ich sie nicht mehr mag. Ich rätsel oft mit meiner Mama, warum sie so ist und meine Mama vermutet, dass sie neidisch auf mich ist: ich habe einen gut bezahlten Job, plane gerade unser Haus und bin mit dem zweiten Wunschkind schwanger. Sie dagegen hängt noch im Studium und möchte eigentlich schon so gern heiraten. Ich glaube allerdings, dass die Wurzel doch schon in der Kindheit liegt. Natürlich lieben meine Eltern sie und das haben sie von Anfang an getan. Doch ich schätze, dass sie die Sache so ähnlich wie ich gesehen hat, dass ich hin und wieder (vermutlich unbewusst) von unseren Eltern etwas bevorzugt wurde.
Ich wünsche mir für meine Kinder, dass sie im Erwachsenenalter nicht so ein Verhältnis zueinander haben wie meine Schwester und ich jetzt. Ich hoffe, wir schaffen es, dass sich keins der Kinder benachteiligt fühlt und Neid und Missgunst gar nicht erst aufkommen. Das mit meiner Schwester macht mich einfach sehr traurig. 🙁

Mir kamen hier beim Lesen die Gedanken zur selbsterfüllende Prophezeiung.

Vielleicht ist das Kind so kompliziert, weil es Bedürfnisse hat, die nicht erfüllt werden?

Kein Kind ist mit Absicht kompliziert oder weil es ihm Spaß macht.

  • (21) 02.05.19 - 01:09

    Sehe ich nicht so.

    In unserer Gesellschaft und Generation werden so viele Bedürfnisse der Kinder gestillt. Es ist alles so kindorientiert und auch ich habe so viel gerne gegeben. Und dennoch ist es halt so. Charaktere sind unterschiedlich. Es kommt natürlich auch auf die Interpretation an. Nicht jeder empfindet das Gleiche als anstrengend.

    Für mich ist meine Erste anstrengender als die Zweite. Aber das hängt ja auch vielleicht nur zufällig mit der Bindung zusammen. Ich sehe es als hier unglücklicherweise kombiniert, was mir ja die Zukukftsangst bereitet.

(22) 01.05.19 - 21:25

Ich denke, mein Vater würde sich teilweise in deiner Schilderung wiederfinden. Mit dem Unterschied, dass er schon immer irgendwie intuitiver und mehr von Herzen mit seiner ersten Tochter (mir) verbunden war. Meine Schwester hat wohl seit jeher darunter gelitten, es kommt aber erst jetzt so richtig krass bei ihr zum Vorschein - mit Mitte Dreißig.
Ganz schwieriges Verhältnis zu meinem Vater und sie fühlt sich wegen allem benachteiligt, auch wenn es teilweise gar nicht stimmt. Sie hat immer Angst, nicht genug abzubekommen- egal im welcher Hinsicht. Sei es Lob, Aufmerksamkeit, Erbe...
sie ist auch eifersüchtig auf mich und kommuniziert das auch so. Generell ist sie allerdings ein eher etwas dramatisch veranlagter Charakter und ich ihr Verhalten oft unangemessen und übertrieben, aber aus ihrer Sicht ist sie seit jeher nicht gleich geliebt worden.
Scheint bei ihr wirklich eine Art Trauma verursacht zu haben. Ob es wirklich stimmt, dass mein Vater sie irgendwie nicht genauso akzeptieren konnte wie mich oder ob sie einfach schon immer anstrengend als Character war ... schwierig zu sagen.

Ein Funken Wahrheit liegt wohl immer hinter so einer Vermutung, und Kinder spüren sehr wohl, ob man sie uneingeschränkt annimmt oder nicht.

In deinem Fall sehe ich es als Vorteil, dass die ältere Tochter eh ein Papakind ist... vielleicht fehlt ihr nix. Auswirkungen spürt man aber oft erst später. Ich denke, es ist durchaus menschlich, einfach Favoriten zu haben, auch bei den eigenen Kindern... hört man so oft, obwohl es natürlich viel harmonischer wäre, wenn man immer alle gleich lieben würde. Aber wie wir wissen, ist nie alles perfekt.

  • (23) 02.05.19 - 01:04

    Mich verstört dieses "das Kind spürt, dass es weniger angenommen wird etc." tatsächlich ziemlich. Ich meine das jetzt überhaupt nicht als Vorwurf an deine Antwort, ich möchte mich einfach erklären.

    Es ist ja vielmehr so, dass ich als Mutter einfach konsequent weniger von ihr angenommen wurde auch bevor die Scjwester da war und auch heute noch werde. Natürlich bin ich die Erwachsene und ich bemühe mich ja auch. Wie gesagt, verbringt sie eh viel mehr Exklusivzeit mit.mir, als ich mit der Kleinen. Aber wenn sie die Wahl hat, wählt sie eh immer ihren Vater, zieht sich also weitere potentielle Zeit selbst ab.

    Zudem.kann ich ja nichts dafür, dass sie mich oft ablehnt, die Kleine aber nicht. Also vertieft es sich ja noch umso mehr.

    Ich versuche es nun einfach mal alles einfach anzunehmen und mir keine weiteren Gedanken zu machen (oder wenigstens nicht mehr zu oft). Ich werde es ja eh nicht ändern können.

    LG

Du entstammst einer "komplizierten Familie", wo "alle um mich herum schwierig, zickig" waren, deine Mutter "sich laufend eifersüchtig bekriegt" hat, und "die Familienmitglieder die sich zu bemühen schienen, sich falsch zu verstehen und schnell gekränkt zu sein".
Zu dem weniger innigen Verhältnis zur ersten Tochter kommt hinzu, "dass sie sehr sensibel ist, sehr dramatisch, einfach auch kompliziert" ist - also eigentlich wie die Großfamilie.

Wenn es dir gelingt, deiner (Herkunfts-)Familie (und dir selbst und deiner Tochter!) das "Kompliziertsein" zu verzeihen, einfach mit der Sicht "keiner kann aus seiner Haut", hast du eine reale Chance, dass auch deine Tochter zu dir großzügig sein wird, denn auch du kannst nicht aus deiner Haut. Ein bißchen Großzügigkeit - zu den anderen UND mit dir selbst - würde dein Problem vermutlich lösen.

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