Mein Sohn will seinen anderen Opa kennenlernen

    • (1) 01.05.19 - 18:01

      Hallo
      Meine beiden Söhne sind 6 und 4.im Februar ist der Vater von meinem Mann(ihr Opa) gestorben an leberkrebs.mein 6 jähriger Sohn redet jetzt immer darüber das er Mal seinen anderen Opa(meinen Vater) kennenlernen will.ich hab ihm erzählt das sein anderer Opa immer schlechte Laune hat und unfreundlich zu allen anderen ist.er hat gesagt das ihm das egal ist und er ihn trotzdem kennenlernen will.ich will ihm jetzt nicht detailliert erzählen wie er immer alle tyrannisiert hat und wenn nicht-Verwandte zu Besuch waren so tut als ob alles okay wäre damit alle anderen einen nicht glauben wie er wirklich ist.ich hab vor 10 Jahren den Kontakt zu meinem Vater deswegen abgebrochen.meine Mutter ist schon vor 14 Jahren gestorben.habt ihr eine Idee wie ich ihm das ausreden kann?

      • Hallo,

        sag ihm die Wahrheit. Du hast dich entschieden, mit Deinem Vater keinen Kontakt zu haben und deshalb kann er ihn (jetzt) nicht kennenlernen. Wenn er alt genug ist, kann er selbst Kontakt aufnehmen.

        Und dann würde ich ihm erklären, dass Dein Vater zu Dir eben nicht lieb und freundlich war, sondern Du immer ganz viel Angst haben musstest. Und dass das eben ganz selten vorkommt, aber Dir eben passiert ist. Und dass Du deshalb als Du alt genug warst, entschieden hast, Dich davor zu schützen, in dem Du ihm nicht mehr erlaubst an Deinem Leben teil zu haben.

        Liebe Grüße
        die Landmaus

      Ich habe ein sehr sehr ähnliches Problem. Und ich würde es nicht unterbinden, sonst geht er später alleine. Unterstütz ihn und lass ihn sein eigenes Bild machen. Ich weiß er ist noch sehr jung, aber Kinder schaffen oft mehr als wir ihnen zutrauen, gib ihm deine Unterstützung. Alles liebe

      Als ich den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen habe, war der Große 10. Er kannte meine Eltern nur wenig, wir haben uns selten gesehen und das Interesse an ihm und seinen Brüdern war quasi nicht vorhanden. Meine Mutter hatte kurz darauf ihren 60. Geburtstag und ich habe es meinen Söhnen erzählt und ihnen freigestellt dort anzurufen oder eine Karte zu schreiben. Der Große entschied sich für eine Karte, er ist losgezogen und hat sie gekauft und ausgefüllt. Wir haben sie dann zusammen in den Briefkasten gesteckt. Meine Mutter wird jetzt 66 und wir haben nie wieder was von ihr oder meinem Vater gehört. Kein Danke, keine Geburtstagskarte zum eigenen Geburtstag--nix. Ich kenne das ja schon, aber mein Großer war doch sehr enttäuscht und hat sich dann auch nicht mehr um sie geschert.
      Ich würde also erklären, dass du deinen Vater nicht besonders nett findest und dass sie später mal bei ihm anrufen oder ihm schreiben darf--vielleicht wenn sie selber gut schreiben kann. Aber du solltest sie vor einer eventuellen Enttäuschung warnen.

    • "Ich hab ihm erzählt das sein anderer Opa immer schlechte Laune hat und unfreundlich zu allen anderen ist."

      Ich hätte ihn nicht schlecht gemacht, egal was war, sondern neutral von ihm gesprochen oder "wir sind nicht gut miteinander ausgekommen" o.ä.

      Dann hätte ich ihm gesagt, dass er, wenn er 14-16 ist und die notwendige Reife besitzt, ihn dann gerne selbstständig kontataktieren kann. Bei einem 6Jährigen läuft das ja noch eher über dich und du möchtest keinen Kontakt, weißt um die Problematik.
      Opa 1 ist gerade ganz frisch von euch gegangen, ich denke, daher rührt sein Wunsch, nicht daher, dass es um den fremden Mann (der dein Vater ja für ihn ist) ansich geht.
      VG

      • Ich hätte ihn nicht schlecht gemacht, egal was war, sondern neutral von ihm gesprochen oder "wir sind nicht gut miteinander ausgekommen" o.ä.

        Sehe ich komplett anders. Da ergibt sich doch überhaupt kein Grund, warum das Kind den Opa nicht kennenlernen dürfte. Meine Kinder dürfen mit allerlei Menschen Kontakt haben, mit denen ich nicht gut auskomme. Außerdem muss man nicht immer so tun als wäre ein Konflikt immer beidseitig. Ein Elternteil, das beispielsweise ein Kind verprügelt, hat das ganz alleine zu verantworten. Wieso sollte man denn so eine Person decken? Ich würde nie lügen, um einen Tyrannen zu decken. Meine Kinder bekommen eine kindgerechte Version der Wahrheit.

    Ich habe den Kontakt vor 9 Jahren zu meinem Vater abgebrochen und meine beiden ältesten können sich noch an ihn erinnern. Als mein Schwiegervater vor 7 Jahren starb kam den beiden auch hin und wieder die Idee ihn mal wieder treffen zu wollen. Ich war immer ehrlich und hab ihnen gesagt das das nicht geht. Mein Vater ist Alkoholiker und ich hab ihnen immer gesagt das ich nicht möchte das sie sehen wie süchtig er ist. Ich würde auch raten, ehrlich zu sein und bei deiner Meinung zu bleiben.

    (10) 01.05.19 - 20:04

    Begleite ihn bei seiner Trauer, ggf. mit Trauergruppe für dich um Tipps zu bekommen.

    Mein erster Eindruck: es geht ihm erst mal gar nicht so sehr darum, seinen anderen Opa kennen zu lernen, sondern erst mal mit dem Verlust umzugehen, Hoffnung, dass es irgendwie weiter geht. Verständlich, aber nicht zielführend, wenn ihm der Kontakt nicht gut tut.

    Daher würde ich zwei Wege gehen.
    1. Trauerbegleitung, damit er seinen Weg mit seinem verstorbenen Opa finden kann
    2. Wahrheit, dass es Gründe gibt, warum ihr keinen Kontakt mehr habt, dass euch der Kontakt nicht gut tut.
    Mit einer Haltung, dass es dir ernst ist. Nicht ausreden, sondern, Körperhaltung, dass du es ernst meinst und da nicht verhandelst.

    Wenn er stabiler ist und mit der Trauer umgehen kann, kannst du erneut überlegen, ob/wie viel du ihm dann vielleicht doch noch erzählst - oder auch nicht. Falls es dann noch Thema für ihn ist.

    Der Zeitpunkt mit der Hoffnung, es könnte ersatzweise auch so gut werden und zu viele Details könnten ihn überfordern. Daher klare Haltung. Meine reagiert weniger auf das, was ich sage, mehr darauf, wie ich dazu stehe/Tonfall, Mimik, Haltung, Ernsthaftigkeit.

    (11) 01.05.19 - 21:24

    Ich würde klar sagen- der Opa ist kein guter Mensch, es ist meine Aufgabe als deine Mutter, dich bestmöglich zu schützen und darum hast du keinen Kontakt zu ihm (so wie ich auch nicht). Wenn du erwachsen bist kannst du selbst entscheiden

    (12) 01.05.19 - 22:45

    Hallo

    Ich würde meinen Sohn den Wunsch erfüllen. Auch dein Vater wird älter und somit ruhiger. Ich meine auch wenn Ihre Kindheit nicht schön war, glaube ich nicht, das ein Vater es verdient hat einsam zu sterben. Wenn die Situation erneut passieren sollte, kann man wieder den Kontakt abbrechen.
    Aber vllt verstehen sich die beiden ja gut. Dein Sohn hat einen Opa und dein Vater freut sich.

    Liebe Grüße

    • "Auch dein Vater wird älter und somit ruhiger."

      Bösartig und gewaltbereit kann er dennoch noch sein.

      "Ich meine auch wenn Ihre Kindheit nicht schön war, glaube ich nicht, das ein Vater es verdient hat einsam zu sterben"

      Andersrum wird ein Schuh drauß:

      Manche Eltern haben es sich nicht verdient, dass man sich im Alter um sie kümmert!

      Hör auf, der TE so perfide und ekelhaft ein schlechtes Gewissen zu machen! Wenn Kinder den Kontakt zu Eltern abbrechen, ist in aller Regel viel Schlimmes vorgefallen und man hat später die Aufgabe, nötigenfalls die eigenen Kinder vor den gewalttätigen Großeltern zu schützen! Da muss man nicht so ein Geschreibsel wie deines lesen müssen.

      Keine Ahnung, woher du die Naivität nimmst, ein alternder Grobianvater sei nun mit einem Enkelkind plötzlich ein "lieber Opi", zu dem man seine Kinder gern schickt. In der Regel werden Bosheiten, die ein Mensch schon in jungen Jahren drauf hatte, mit dem Alter nämlich schlimmer.

      • Bei dem schlechten Gewissen gebe ich dir absolut recht! Und es wird Gründe haben warum man den Kontakt abbricht!

        Aber mein Vater war damals auch nicht nett zu mir und würde meine Mutter nicht dahinter stehen hätte ich wahrscheinlich auch wenig bis keinen Kontakt. Aber nachdem ich gesehen habe wie er mit seinen Enkeln umgeht habe ich ihm "verziehen". Vergessen werde ich es trotzdem nicht und würde meinen Kindern bei Bedarf dies auch ersparen. ;-) Dabei ist aber bei uns "nur" pyschische Gewalt im Spiel gewesen.

        (15) 02.05.19 - 11:56

        Ich muss dir widersprechen.

        Mein Opa war für mich, meinen Bruder und meine Cousine der beste Mensch auf Erden! Er hat uns auf Händen getragen und uns jeden Wunsch erfüllt.

        Zu meiner Mama und auch meiner Oma muss er ein widerlicher Mensch gewesen sein. Er wurde wohl sehr aggressiv, sie mussten sich damals öfter verstecken und Schutz suchen.

        Er starb an Suizid mit 55 Jahren, da war ich 11. Aber der Opa den ich kannte hat mit dem Vater meiner Mutter nichts gemeinsam! Ich kann mich nicht mal erinnern, dass er jemals die Stimme erhoben hätte!

        Es kann also sein, dass das steigende Alter und der Kontaktabbruch auch in ihm Veränderungen bewirkt haben. Muss aber nicht.

        Vielleicht wäre es eine Möglichkeit ihn zu kontaktieren, ihm vom Wunsch des Enkels zu erzählen, aber auch offen und ehrlich zu positionieren, dass sie, sollte er seinen Jähzorn nicht im Griff haben, jederzeit zum Schutz ihrer Kinder den Kontakt sofort wieder beendet.

        Nur als Denkanstoß. Nicht mehr, nicht weniger!

    Hi,

    doch - es gibt Eltern, die es verdient haben, einsam zu sterben!
    Dazu gehört der leibliche Vater und Stiefvater meines Mannes und die Mutter meiner Freundin. Zu keinem würde ich ein 6jähriges Kind Kontakt aufnehmen lassen - und beim Vater der TE: wer darf denn den Jungen auffangen, wenn der Opa eben doch nicht ruhiger und nett geworden ist? Übernimmt Du diese Verantwortung? Die TE scheint sehr gute Gründe für den Kontaktabbruch zu haben.

    Gruß
    Kim

Die Wahrheit?!

Hallo,

man sollte immer auch bedenken, dass es ein "später" vielleicht nicht geben wird.
Und dann warst du diejenige, die ihm die Chance genommen hat, sich selbst ein Bild zu machen.

Versteh mich nicht falsch, ich kann dich gut verstehen, mir geht es mit meinem Schwiegervater so. Er nähert sich nach 5 Jahren wieder an (er war derjenige, der 5 Jahre auf keinen Annäherungsversuch seitens meines Mannes reagiert hatte).
ich weiß auch noch nicht, was ich davon halten soll, aber meine Tochter (11) ist happy, wieder einen 2. Opa zu haben.

Ich an deiner Stelle würde mit deinem Sohn einen Brie an deinen Vater schreiben, dass er ihn gerne kennen lernen möchte. Sollte er Interesse haben, soll er zurückschreiben oder sie können telefonieren.

Menschen können sich ändern. Und Kinder können das bewirken.
Manchmal ;-)

Alles Gute!

(19) 02.05.19 - 08:38

Respektier deinen Wunsch und stelle ihm den anderen Opa vor.

Hallo.

Egal um was es geht, sei ehrlich und schiebe die Verantwortung nicht Jemand anderem zu, wenn du selbst die Entscheidung triffst. Das ist der Rat unserer Kinderpsychologin.

Also wie bereits oben geschrieben, erkläre ganz klar, dass du nicht möchtest dass er zur jetzigen Zeit Kontakt hat, anstatt ihn zu einer gewünschten Antwort zu überreden. Wenn er älter ist, kann er das selbst machen, aber heute hast du das gute Recht in seinem Sinne zu entscheiden.

LG

Landmaus hat es schon sehr gut beschrieben.

Ich würde ihm auch klar sagen, was Sache ist und ihn nicht gehen lassen. Mit 6 Jahren hat er gar nicht die Weitsicht, das einzuschätzen und kann sich selbst nicht vor solchen Menschen schützen. Im Moment ist er einfach traurig über den Verlust des anderen Opas und projiziert sein Bild auf den verbliebenen Opa.
Begleite ihn einfach in der Trauer um seinen lieben Opa, den anderen würde ich vorerst nicht in sein Leben lassen. Wenn er alt genug ist, so mit 15, dann würde ich ihm die ganze Wahrheit erzählen, dann kann er gut selbst entscheiden.

Meine Söhne werden meine Mutter auch nicht kennen lernen, vorerst. Und wenn sie reif genug sind, werde ich Ihnen die grausame Geschichte erzählen müssen, die sich meine "kindheit" nannte.

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