Eltern

    • (1) 09.05.19 - 11:06
      Grosseskind

      Hallo,

      Ich versuche schnell zur Sache zu kommen und mich kurz zu fassen aber wenig Raum für Spekulationen zu bieten.

      Wir sind 3 Kinder, in den 80ern geboren, also alle erwachsen, unsere Eltern dreifache Großeltern. Ich denke die Art wie wir "groß gezogen" wurden ist für die Zeit nicht unüblich gewesen. Ländlich, katholisch, meine Eltern die erste Generation die nicht mehr in der Landwirtschaft gearbeitet hat. Die Mutter mit 3 Kindern vollkommen überfordert und in unserer Erinnerung nur am schimpfen.

      Seit Jahren vermuten wir bei unserer Mutter eine psychische Erkrankung. Sie wurde als Kind/Jugendliche systematisch von ihrem Vater geprügelt und wurde als 2. Zwilling und 5. Kind in 3 Jahren noch bis ins Erwachsenenalter als "die Plazenta die wir groß gezogen haben" bezeichnet. Sie hat weitere chronische Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma und Osteoporose...

      Mein Vater ist seit einigen Jahren in psychischer Behandlung.

      Insgesamt wurden wir eigentlich immer zu Leistung angehalten wobei unsere Mutter vorher für uns entschieden hat was wir können und was nicht und uns eigene Leistung immer verleidet hat so dass ich schon früh dachte sie ist irgendwie eifersüchtig und gönnt uns nichts.

      Meine Mutter bezieht ihre Bestätigung nur daraus andere schlecht zu machen, mein Vater bettelt regelrecht nach Anerkennung und Lob.

      Seit einiger Zeit ist eines meiner Geschwister lebensgefährlich erkrankt und sie kümmern sich um meine Nichte. Bis zu diesem Zeitpunkt war es eigentlich so, dass sie mit ihren Enkeln regelrecht angegeben haben und unsere "Leistung" als Eltern immer auch auf ihre perfekte Erziehung zurück geführt haben. Wir sind quasi nur so gut weil wir von den Besten gelernt haben. Dabei haben sie immer gerne übersehen, dass wir versuchen es anders zu machen.
      Seit sie jetzt aber mehr Zeit mit meiner Nichte verbringen und dort auch wieder "Erziehungsarbeit" übernehmen, merken sie, dass wir andere Schwerpunkte haben.

      Sie akzeptieren unsere Entscheidungen nicht. Versuchen sich einzumischen, versuchen uns mit Kontaktabbruch zu erpressen weil: "Sie nicht mehr mit anschauen können wie wir unsere Kinder versauen." Dabei gibt es keine Probleme.

      Der zweite Punkt der mich gerade unglaublich angreift, ist zu sehen wie die beiden sich nicht nur an uns und unseren Kindern sondern an vielen anderen Kleinigkeiten aufreiben. Arbeitgeber, Kollegen, Nachbarn, Ärzte, Krabkenkasse.... Alle machen alles falsch, haben keine Ahnung, agieren nur so wie sie agieren um meine Mutter zu ärgern.

      Es gab eine große Spendenaktion von den Freunden meiner Schwester für eine Stiftung die sich für ihre Erkrankung einsetzt und meine Eltern sagen: "Das Beste daran war zu sehen wem wir scheißegal sind."

      Jetzt ist es doch länger geworden. Mein eigentliches Anliegen ist das. So wie meine Eltern jetzt sind, und das wird sich mit Renteneintritt wohl noch eher verschlimmern weil die Prügelknaben Arbeitgeber und Kollegen wegfallen, kann ich keinen Kontakt mehr halten. Es belastet mich und meine Kinder und wenn es jetzt die letzten Monate mit meiner Schwester sind,dann will ich mich an schöne Dinge mit ihr und nicht an Streit und Hetze erinnern.

      Ich werde aber als Überbringer der Nachtricht gelyncht. Sie weigern sich mit zu Selbsthilfeangeboten zu gehen, sie brechen immer mehr soziale Kontakte ab, haben mit dem Sport aufgehört, einen Grund gefunden mit ihren letzten verbliebenen Freunden zu brechen usw

      Die einzige Person die sie regelmäßig sehen und ü er die sie nicht nur hetzen ist ihr Hausarzt. Jetzt ist meine Frage: Ist es möglich dass ich mir dort einen Termin geben lasse und ihn darauf anspreche bzw erzähle wie sehr die beiden seit der Diagnose abgebaut haben? Gibt es andere Möglichkeiten zu unterstützen ohne mich in diesen Strudel der Negativität rein ziehen zu lassen. Ein Gespräch ist nicht möglich. Das haben wir alle 3 schon versucht. Meine Mutter manövriert sich selbst sofort in eine Opferrolle und läuft dann tatsächlich weg nachdem sie uns unsere Fehler aufzählt.

      Vielen Dank für eure konstruktiven und freundlichen Gedankenanstöße. Ich weiß auch sehr wohl dass ich nur an mir selbst arbeiten kann und nur mich selbst ändern kann, trotzdem tut es weh jemanden so leiden zu sehen und ich möchte dass noch eine Hand da ist die sie greifen können wenn sie wollen und das sie vielleicht eine Alternative sehen.

      • (2) 09.05.19 - 12:36

        Hallo
        Das liest sich wirklich sehr belastend und schwierig. Im Endeffekt ist es aber wohl oder übel einfach so, dass du nichts machen kannst ausser es auszuhalten oder den Kontakt abbrechen.
        Solange keine von Seiten deiner Eltern keine Einsicht oder überhaupt der Wille etwas zu verändern besteht, kann man leider nichts machen und muss das so akzeptieren. Das ist je nach Situation kaum auszuhalten. Darum ist es wichtig, dass du dich so weit wie möglich abgrenzt, das heisst ja nicht unbedingt, dass der Kontakt ganz abbrechen muss.
        Das mit dem Hausarzt bringt leider nichts, solange keine selbst oder Fremdgefährdung vorliegt, kann er höchstens dich zum Psychologen schicken.
        Das einzige was vielleicht was anstossen könnte, wäre evt. übers Jugendamt, wenn das Kind von deiner Schwester bei deinen Eltern betreut wird. Das wäre wohl auch anonym möglich, was dem Familienfrieden sicher besser bekommen würde...
        Alles Gute und liebe Grüsse

        • (3) 09.05.19 - 13:45

          Das der Hausarzt keine handhabe hat eine Therapie zu erzwingen ist mir bewusst. Aber dürfte er überhaupt die Thematik weiter verfolgen. Oder gilt die Schweigepflicht? Mir gegenüber auf jeden Fall, aber auch andersrum?

          Das mit dem Jugendamt ist eine gute Idee. Meine Schwester wollte sich sowieso schon lange dort hin wenden weil sie dringend Unterstützung benötigt, wird aber immer wieder verängstigt dass das Jugendamt die Obhut aussprechen könnte. Wir selbst wohnen zu weit entfernt - manchmal zum Glück, in dem Fall leider - um tatsächlich Anteil an der Betreuung zu haben.

      Hallo!

      Ich finde die Idee mit dem Hausarzt sogar ganz gut. Der Hausarzt darf Dir zwar keine Informationen über Deine Mutter und ihre Erkrankung geben, aber er kann Deine Informationen nutzen, um zu versuchen Deine Mutter positiv zu beeinflussen. Und offensichtlich hat ja der Hausarzt zu Deinen Eltern noch das beste Verhältnis. Was der Arzt mit Deiner Information macht, kann Dir hier zwar keiner sagen, aber u.U. ist er der Einzige, der überhaupt Einfluss auf Deine Eltern hat.

      Das nächste ist Deine Nichte. Als ich Deinen Text gelesen hab, hat das in mir gleich Mitleid mit dem Mädchen hervorgerufen. Sie hat eine schwerkranke Mutter und dann noch Großeltern, die ihr das Leben u.U. noch zusätzlich schwer machen - wobei ich das an keinem Punkt herauslesen kann. Geht es Deiner Nichte bei den Großeltern gut, oder eben nicht? Wenn nicht, würde ich tatsächlich das Jugendamt einschalten, aber ich würde die Mutter da nicht außen vor lassen. Das Jugendamt ist kein Buhmann, wo bei kleinsten Problemen eine Inobhutnahme droht. Das JA ist in erster Linie am Wohl des Kindes interessiert, und da ist ein Kontakt zwischen Mutter und Kind hier auf jeden Fall wichtig. Eventuell kann aber trotzdem die vorübergehende Unterbringung in einer Pflegefamilie sinnvoll sein - natürlich nur unter der Voraussetzung, dass der regelmäßige Kontakt zur Mutter gewährleistet ist. Die Großeltern sollte da erst einmal nebensächlich sein.

      LG

      • (5) 09.05.19 - 20:26

        Meine Schwester ist zumindest nicht zufrieden mit der derzeitigen Betreuungslösung. Es ist die einzige Möglichkeit die sie sieht den größten Anteil der Erziehung und Beziehung zu ihrem Kind beizubehalten aber sie sieht auch dass meine Eltern die Kleine zwar lieben aber dass sich ihre eigene, als unglücklich empfundene Kindheit, wiederholt. Und ich finde das ist eine schreckliche Situation für das Kind. Es spürt ja auch dass die 4 Hauptbezugspersonen nicht an einem Strang ziehen sondern sogar gegeneinander arbeiten. Ursprünglich haben meine Eltern zwar beteuert meine Schwester nur Unterstützen zu wollen aber mittlerweile stellen sie Ansprüche an ihren Anteil der Erziehung und welche Methoden angewendet werden.

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