Einzelkind - richtig fördern, richtig fordern?

    • (1) 09.05.19 - 11:06

      Hallo!
      Ich stelle mir momentan eine Frage und weiß genau, wie ich mich richtig verhalten soll.

      Unsere Tochter wird im August 3. Sie ist ein lang herbei gesehntes Wunschkind, ohne ICSI wäre sie nicht bei uns. Entsprechend wird sie geliebt und - so ehrlich muss man sein - auch verwöhnt, und zwar von allen Seiten.
      Wir haben uns lange ein Geschwisterchen gewünscht, aber nach vielen Behandlungen und einer Fehlgeburt in der 13.Woche geht uns langsam die Puste aus, und wir müssen uns mit dem Gedanken anfreunden, dass unsere Tochter ein Einzelkind bleibt. Auch wenn wir sehr traurig sind, denken wir, es gibt schlimmere Schicksale - immerhin haben wir sie!

      Kürzlich hatten wir ein Entwicklungsgespräch im Kindergarten. Unsere Tochter ist ein liebes, aufgeschlossenes Mäuschen, aber ein auffälliger Punkt war: Sie kommt noch nicht richtig ins Spiel. Auch spielt sie noch nicht mit anderen Kindern. Das ist uns auch schon aufgefallen. Auf dem Spielplatz freut sie sich, wenn andere Kinder da sind, im Kindergarten auch, aber MIT den Kindern spielt sie noch nicht so richtig, eher nebenher. Sie kann aber schon gut abwarten, beispielsweise wenn die Schaukel, die Rutsche oder ein anderes Spielgerät besetzt sind, bis sie an der Reihe ist. Auch wenn ein anderes Kind ein Spielzeug hat, was sie gerne haben möchte, lässt sie sich (meistens) gut ablenken und weiß, dass sie waren muss, bis das andere Kind fertig ist. Sie ärgert niemanden.Trotzdem zeigt sie noch kein "soziales" Verhalten, sie tröstet beispielsweise nicht, wenn ein anderes Kind sich weh getan hat oder zeigt Empathie.
      Man merkt laut der (wirklich kompetenten, tollen) Erzieherin, dass unser Kind Einzelkind ist. Das stimmt, sie bekommt, besonders bei den Großeltern, natürlich alles was sie möchte, auch ohne warten zu müssen. Noch sind das sehr kleine, erfüllbare Wünsche, wie beispielsweise einen Kakao, einen Apfel oder ein Buch vorgelesen. Merken wir oder die Großeltern, dass sie an etwas Spaß hat, wird es besorgt (Sandkasten), und zwar sofort. Zu Hause lassen wir sie bewusst schon mal warten ("Ich lese dir gleich vor, erst bügel ich die Wäsche zu ende"), aber auch wir neigen dazu, sie zu sehr zu verwöhnen. Es macht uns einfach Spaß, wir lieben sie und genießen es, ihr eine Freude zu machen.

      Sie muss trotzdem lernen, dass sie nicht der "Nabel der Welt" ist. Bisher dachte ich immer, das merkt sie im Kindergarten, bei Hobbies und in der Schule noch früh genug, aber nach dem Gespräch mit der Erzieherin bin ich nachdenklich geworden. Warum ist sie noch nicht "sozial"? Warum spielt sie noch nicht mit anderen Kindern, zeigt noch keine Empathie? Liegt das an uns, an unserer "Erziehung"? Was können wir tun, um diesen Punkt bei ihr zu fördern? Entsprechende Bücher ("helfen, teilen, trösten") haben wir schon, werden auch mit großem Interesse angenommen. Die Erzieherin hat uns geraten, die Betreuungszeit im Kindergarten zu erhöhen. Bisher ist sie nur vormittags dort. Das ziehen wir gerade ernsthaft in Erwägung. Was können wir noch tun? Ich möchte nicht, dass mein Kind zum klischeehaften "Einzelkind-Egoisten" wird. Versteht jemand mein Problem?
      Vielen Dank schonmal!

      • Ich finde, du erwartest zu viel von einem noch nicht mal 3 Jahren alten Kind. Empathie (also richtige Empathie, keine Nachahmung) kommt meist erst später. Mein großer ist jetzt 4,5 und ich merke wie er es so langsam schafft, sich in andere hineinzuversetzen. Der kleine Bruder, 2,3, ist noch weit davon entfernt. Teilen ist genau so was, das koennen so kleine Kinder einfach noch nicht. Wenn man das aber gut und richtig vorlebt, dann kommt auch das in der Regel von ganz alleine.

        Ich denke, Kinder lernen automatisch dass sie nicht der Nabel der Welt sind in dem sie die Grenzen anderer kennen lernen. Das kann zu Hause oder in der Kita passieren. Ob das was mit Einzelkind oder nicht zu tun hat, weiss ich nicht. Auch finde ich nicht unbedingt, dass erhöhte Betreuungszeiten in der Kita daran was aendern. Das sind einfach alles Reifeprozesse.

        Wir haben zwei Kinder und auch wenn wir unsere Kinder gerne verwöhnen und auf ihre Bedürfnisse eingehen, müssen sie automatisch mal warten und bekommen nicht immer unsere volle Aufmerksamkeit, aber so ist das eben.

        Das einzige, wo ich persönlich drauf achten würde, ist das Beschenken. Das ist tatsächlich etwas, was mir bei den Einzelkindern um uns rum auffällt. Hier wird auch ständig alles gekauft und gemacht und getan, und meine Nichte mit 7 fordert inzwischen ein eigenes Pferd. Ich denke, da versuchen Eltern und Großeltern manchmal mit Geschenken gut zu machen, dass das Kind Einzelkind ist. Das ist natürlich Quatsch, denn die Kinder kennen es nicht anders und niemand schuldet seinem Kind irgendwas. Ich finde, mit Aufmerksamkeit kann man ein Kind verwöhnen, aber mit Kram irgendwie schon. Aber wir sind eh so ein bisschen Öko und minimalistisch eingestellt, hier würde es auch bei einem Kind nicht immer was neues geben.

        • Ich muss Die wirklich widersprechen,ich finde es toll das TE sich Gedanken macht.
          Ich arbeite seit 20 Jahren mit Kindern und alle die auf die 3 zugehen können trösten und Empathie empfinden.
          Kinder dies es noch nicht können sind wenige.

          • (4) 09.05.19 - 12:32

            "und ALLE die auf die 3 zugehen können trösten und Empathie empfinden."

            "Kinder dies es noch nicht können sind WENIGE."

            Du widersprichst dir selbst!

            Und entwicklungspsychologisch ist das, was du da von dir gibst, einfach Blödsinn.

    Soweit ich weiß, beginnen Kinder erst mit ca. 3 Jahren das tatsächlich gemeinsame Spiel mit anderen Kindern. Bis dahin ist es normal, dass Kinder eher nebeneinander her spielen.

    Schau mal hier: https://www.vaterfreuden.de/vaterschaft/erziehungsfragen/spielverhalten-von-babys-und-kleinkindern-%E2%80%93-ein-%C3%BCberblick

    Es wurdert mich also etwas, dass die Erzieherinnen bei euch im Kindergarten diesen Punkt "kritisieren"...

    Ich selbst bin Einzelkind und meine Tochter ist es auch. Wir sind aber beide weder unsozial noch egoistisch, sondern ganz normale offene Menschen und teilen können wir auch. Also keine Sorge, wenn du deinem Kind die wichtigen Normen und Werte vermittelst und es immer Kontakt mit anderen Kindern hat, wird es sich völlig normal entwickeln und wird auch nicht zwangsweise ein Egoist.

Hallo, deine Tochter ist noch nichtmal 3, da ist es völlig altersgerecht, wenn sie eher noch NEBEN anderen Kindern statt MIT ihnen spielt. Warte ein halbes-dreiviertel Jahr und du wirst dann über deine Sorge jetzt schmunzeln! Richtung 3,5 -4. Geburtstag platzt bei vielen der Knoten und plötzlich spielen sie miteinander, denken sich spiele aus :-).
Mach dir nicht zu große Sorgen, das wird :-).
Liebe Grüße

Eine Erzieherin in der Kita meiner Enkelin sagte mal zu mir, als ich sie abholte: "bei Leonie merkt man, dass sie nicht zu verwöhnt wird, auch nicht von der Oma - das ist leider nicht immer so bei Einzelkindern"
Ich dachte mir schmunzelnd, wenn du wüsstest....aber im Wesentlichen hatte sie recht. Meine Tochter und ich zogen an einem Strick, übermäßig verwöhnen war nicht üblich, das Wort Nein war wichtig, die Erklärung dazu auch.
Warte bei Deinem Kind mal ab, mit 3 hauen sie sich Spielzeug eher um die Ohren als dass sie Mitgefühl zeigen. Ich habe Freunde, die Söhne sind 4 und 6....da kriege ich es hautnah mit ;-) aber es wird gerade besser.
Heute ist meine Enkelin übrigens 12, hat ganz selten mal Sonderwünsche, auch keine unerfüllbaren Ansprüche, hat ein recht altes Smartphonemodell und ist auch kein Fan von Markenklamotten. Sie ist bisher ein recht pflegeleichtes Einzelkind.LG Moni

Hallo, deine Tochter ist völlig altersgerecht entwickelt.
https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/entwicklungsschritte/soziale-entwicklung/
...
Vom Ich zum Wir
Im Verlauf des dritten Lebensjahres beginnen Kinder, sich immer mehr dafür zu interessieren, was Menschen zu einem bestimmten Verhalten und Handeln bewegt. Ihr Kind möchte jetzt wissen: „Warum weint das Kind?“
Es kann nun mehr und mehr auch zu Personen außerhalb der Familie Beziehungen aufnehmen, auch wenn es für die Kontaktaufnahme zunächst noch auf Unterstützung angewiesen sind. Mit etwa drei Jahren sind Kinder jedoch in der Regel in der Lage, selbstständig Kontakt zu anderen zu knüpfen. Ihr Kind kann nun bereits erste, wenn auch meist noch recht kurzlebige Freundschaften schließen.
Gegen Ende des vierten Lebensjahres kann sich Ihr Kind schließlich erstmals vorstellen, dass andere etwas anders als es selbst fühlen, denken und handeln. Hierdurch kann es sich nun immer besser in andere hineinversetzen. Die Ichbezogenheit der ersten Jahre wandelt sich allmählich in ein Interesse für andere, und die Freundschaften, die Ihr Kind jetzt schließt, können Monate oder gar Jahre überdauern.


Gruß Sol

Ich finde Deine Gedanken toll!
Ich mache entgegen aller Meinungen hier seit nun 20 Jahren die Erfahrung fast alle Kinder zwischen 2-3 Jahre spielen zusammen und handeln durchaus emphatisch.
Da dies eine tolle Erzieherin ist würde ich ihr Vertrauen und du klingst sooo lieb,da wird sie sicher viel positives mitbekommen.
Viel mit Kindern treffen und Sie auch viel zu Besuch lassen und das Verwöhnen und alle springen etwas zurückschrauben( hat ja nichts mit Liebe zutun).
Alles Gute!

  • Danke! Ich denke mir ja auch, dass eine Erzieherin schon weiß, wovon sie spricht. Sie beobachtet die Kinder täglich und scheinbar fällt meins da schon etwas auf, bzw die anderen Kinder sind auf dem Gebiet weiter. Klar hat sie noch Zeit, aber ich möchte sie als Mutter dabei auch unterstützen. Deswegen werden wir wahrscheinlich auch die Betreuungsstunden erhöhen, einfach weil sie so länger in der Gemeinschaft ist, und auch an essentiellenm geneinschaftlichen Dingen wie dem Mittagessen teilnimmt. Momentan wird sie vor dem Mittagessen schon abgeholt, und das findet sie selbst oft schade und möchte mit den anderen mitessen.

Hallo.

Erstmal: Du hast ein liebes Kind. Andere Kinder (MIT Geschwistern) warten NICHT ab, ob und wann sie ein Spielzeug bekommen. #schwitz

Zum eigentlichen "Problem": Ich kann kein Problem erkennen. Meine Kinder (3 Jahre Altersunterschied) haben sich genauso wie deine Kleine benommen. Und das ist auch nix Unnormales. Es pendelte sich erst mit 4 - 5 Jahren ein, dass sie von sich aus auch mal mit anderen gespielt haben.

Lass dich nicht verunsichern.;-)

LG

  • "Erstmal: Du hast ein liebes Kind. Andere Kinder (MIT Geschwistern) warten NICHT ab, ob und wann sie ein Spielzeug bekommen. #schwitz"

    Ähm, danke, aber das kommt glaub ich falsch rüber. Das mit dem Abwarten klappt durchaus nicht immer. Auf dem Spielplatz, wenn es um die Schaukel geht oder um die Schlange vor einer Rutsche schon, aber wenn es um ein Spielzeug geht (schlimmstenfalls auch noch um ihr eigenes, das ein Besuchskind plötzlich bespielen möchte) kann das schonmal zu theatralischen Szenen führen. Oft lässt sie sich dann ablenken, ja, aber durchaus nicht immer.

    • Ich habe ja nicht nur eigene Kinder aufgezogen, sondern auch noch einen Teil meiner sechs Neffen und Nichten und nun noch meine Enkelin - und hier in den Nachbarwohnungen hat es vom Einzelkind bis zur 4-Kinder-Familie alles, was bei uns im Garten sitzt - aber DAS Kind habe ich noch nicht erlebt, welches widerstandslos und lieb lächelnd sein Lieblingsspielzeug einem anderen Kind überlässt #cool
      Da kommt es nicht nur zu theatralischen Szenen mit Mördergebrüll sondern gerne auch mal zu Sandkasten-Handgreiflichkeiten #freu - besonders bei den vier Geschwistern im Alter von 2 bis 8 Jahren, da gönnt manchmal keine(r) dem anderen was, obwohl sich die Mutter wirklich alle ausgleichende Mühe gibt.
      LG Moni

      Auch das ist in dem Alter durchaus normal. ;-)

Die Erfahrung habe ich auch gemacht. Und auch meine Mutter, die über 40 Jahre als Erzieherin tätig war, bestätigt, dass Kinder in dem Alter nebeneinander her spielen als zusammen zu spielen.

Zwischen meinem ersten und zweiten Kind lagen bei mir 4,5 Jahre. Ich habe aber deswegen das erste Kind nie als Einzelkind gesehen.

Damit möchte ich sagen, Kinder sind unterschiedlich, sie entwickeln sich unterschiedlich, da solltest du dir noch keine Sorgen machen, was das Spielverhalten oder das soziale Verhalten deiner Tochter angeht, sie ist ja noch sehr klein.

Was ich gut finde, ist, dass du euer Verhalten als Erwachsene hinterfragst. Ich stelle es mir als "Bürde" (augenzwinkernd) für ein Einzelkind vor, wenn alle Augen und Erwartungen nur auf ihm liegen und sich nicht auf mehrere Geschwister und Enkel verteilt.

Top Diskussionen anzeigen