Angst um Mutter-Tochter-Beziehung

    • (1) 17.05.19 - 21:42
      anders-als-gedacht

      Ich habe leider ein sehr schlechtes Verhältnis zu meiner Mutter. Ich habe mich oft von ihr im Stich gelassen gefühlt (Scheidungskind zB) und habe jetzt auch seit fast 1,5 Jahren keinen Kontakt mehr zu ihr, weil ich Angst vor weiteren Enttäuschungen und Streitereien habe.

      Nun bin ich selbst vor 6 Monaten wieder Mutter geworden und bin von der anstrengenden Babyzeit völlig erschlagen. Das Baby schläft schlecht, ich habe davon Schlafstörungen bekommen, wache auf, obwohl das Baby schläft und fühle mich einfach zu oft müde und erschöpft, obwohl auch viele gute Tage dabei sind.

      Ich habe noch eine fast 4-jährige Tochter, ein absolut wunderbares Kind; ich habe mit ihr viel unternommen, gebastelt, gemalt, gespielt - bis das Baby kam; unsere Welt drehte sich um sie, unsere Beziehung habe ich als sehr innig erlebt.

      Seitdem das Baby da ist, erlebe ich den Alltag mit unserer Tochter als sehr anstrengend, vor allem dann, wenn ich allein mit den beiden bin; denn das Baby fordert meine ganze Aufmerksamkeit; und es passiert jetzt leider immer öfters, dass ich meine Tochter anschnauze und anschreie, weil mir es mir einfach oft zu viel wird und ich ihr nicht mehr die Aufmerksamkeit geben kann, die sie braucht.

      Meine Kleine fixiert sich jetzt auf den Papa und bei mir wird immer öfters mein Verhältnis zu meiner Mutter getriggert, die mich auch oft angeschrien hat in Überforderungssituationen und mich auch emotional im Stich gelassen hat.

      Ich habe Angst, meine Tochter emotional zu verlieren. Ich schäme mich für mein Verhalten, dass ich nicht mehr so geduldig bin und habe Angst oder merke jetzt schon, dass meine Tochter anfängt, sich innerlich von mir zu distanzieren.

      Mein Wunsch wäre, besser zu lernen, mich runterzuregeln, bevor ich das Schimpfen und Schreien anfange. Und trotzdem passiert es immer wieder und es tut mir einfach nur noch leid #heul Oder wie kann ich zeitgleich das Baby und meine Tochter bespaßen, dass auch meine Tochter sich wieder mehr wahrgenommen fühlt...?

      • Hallo fühle dich mal gedrückt ich muss sagen ich kenne diese Situation ich hab eine 5 jährigen Sohn und einen fast 13 Monate alten Jungen und es ist momentan auch mega anstrengend jedem dann gerecht zu werden und ich versuche einfach alles so hinzunehmen wie es kommt und wenn es mir zu viel wird mal springt mein Freund ein und hilft mir natürlich wo er kann wenn er da ist .

        Ich finde es total positiv wie reflektiert du bist.
        Das ist so viel wert.

        Baby und Kleinkind ist manchmal ganz schön heavy und dass die Zündschnur da phasenweise auch mal kürzer ist halte ich persönlich für völlig normal.
        Natürlich musst du trotzdem lernen dich am Riemen zu reißen. Aber das weist du ja bereits.

        Versuche deine Tochter in alles weitestgehend mit einzubeziehen.

        „Ich kann jetzt nicht mit Dir puzzeln aber du kannst mir helfen das Baby zu wickeln!“

        „Ich muss das Essen vorbereiten aber wir können währenddessen gemeinsam ein Hörspiel hören!“

        Ich habe für mich auch festgestellt dass es angenehmer ist wenn meine Kinder Freunde einladen.
        Dann ist deine Tochter beschäftigt und merkt gar nicht dass du gerade keine Zeit für sie hast. Musst maximal ein vesper richten.

        Ansonsten finde ich auch dass du deiner Tochter ruhig erklären kannst dass du es nicht so meinst und dich einfach im Moment schnell gestresst fühlst und deshalb mal lauter wirst. Das macht es zwar nicht besser aber sie weis zumindest dass es nicht an IHR liegt sondern daran dass Situationen gerade zu viel für dich sind. Kinder haben feine Antennen und verstehen viel mehr als wir Ihnen zutrauen.

        Mach dich nicht schlechter als du bist.
        Tief durchatmen!
        Dann gehts wieder ;)

        • Eine schöne Antwort, der ich mich gern anschließe.

          @TE: ja, kenne sehr ich gut was du beschreibst - der Wille alles super hinzukriegen, der Spagat zwischen den Kindern, das Gefühl, daß immer eines zu kurz kommt, die Ungeduld wg Überforderung und die Selbstvorwürfe... du bist damit nicht allein, fühle dich gedrückt.

          Mir hat Familienberatung geholfen, wo ich das Gespräch mit Kinderpsychologen suchte. Anfangs wars nicht einfach Hilfe anzunehmen, hinterher war ich unsagbar dankbar, hab einen sehr einfuhlsamen Berater erwischt, der mir neue Sichtweisen aufzeigte. Seitdem bin ich regelmäßig da, auch wenn mittlerweile alles glatt läuft.
          Mütter sind auch Menschen und geben nicht 24/7 ausschließlich pädagogisch wertvollen DeepShit von sich a la "Laura's Stern" - Eltern. (Die Serie hat mich früher so dermaßen unter Druck gesetzt! "...nein, Tommy mein Junge, ich bin völlig ausgeglichen und lächele bedeppert, wenn mein PC samt allen unersetzbaren Dateien abstürzt. Ich kümmere mich später darum, lass uns jetzt zusammen einen Origami Schwan falten!" (In welchem Treibhaus wurden nur die Autoren gezüchtet würde mich interessieren? !)
          Schuld gibt es nicht, aber Verantwortung. Kinder verstehen und verzeihen, wenn man sich für den Ton entschuldigt und zu gibt daß man gerade etwas "drüber" war, evtl kindgerecht erklärt, was einen gerade besorgt. Manchmal reicht es wenn du merkst, die Geduld ist kurz vom Platzen, den Raum für paar Minuten zu verlassen und tief durchzuatmen.
          Man muss schon heftigst viel verbocken als Eltern, damit die Kinder sich für immer emotional distanzieren.
          Vielleicht hilft dir deine Erfahrung als Mama deine eigene Mutter besser zu verstehen, so daß ihr euch wieder annähert. Das wünsche ich dir vom Herzen.
          Und, hey! Du machst es toll! :-)

      Liebe TE,

      Wenn ich deinen Beitrag so lese, denke ich in erster Linie, dass Du ruhig etwas gnädiger mit Dir sein darfst. Du schreibst von vielen guten Tagen. Ich nehme also an, dass Du deine Tochter nicht jeden Tag mehrfach anschreist, sondern dir nur abundzu die Geduld fehlt. Ich finde das äußerst menschlich und total normal. Es ist trotzdem natürlich gut, daran zu arbeiten.

      Unsere Töchter sind ähnlich alt und auch ich bin manchmal zu ungeduldig, zu laut, zu wenig aufmerksam. Oft kann ich es noch einfangen, indem ich der Großen morgens direkt sage, dass ich sehr müde bin und bitte ihre Mitarbeit brauche. Manchmal bin ich richtig ätzend und mag mich dann selber nicht. Ich entschuldige mich immer bei ihr, wenn ich überreagiert habe. Ich finde das unheimlich wichtig.

      Du schreibst 'unsere Welt drehte sich um sie'... Der Segen (und Fluch) der Erstgeborenen. Es gab eine Zeit, in der es nur um sie ging. Sie sind daran gewöhnt und entsprechend verwöhnt (im positiven Sinne) und nun gibt es da noch jemanden. Die Rollen verändern sich. Und sie werden sich auch nochmal verändern, wenn die Kleinen größer werden. Aktuell orientiert sie sich zu ihrem Papa, das ist verständlich... Aber das macht doch eure Beziehung nicht schlecht. Nur anders und ja, vielleicht für den Moment weniger eng, aber das kann auch wiederkommen und wenn es nicht wieder so eng wird, ist das vielleicht auch okay, denn Kinder nabeln sich ja auch Stück für Stück ab.

      Das Damoklesschwert der schwierigen Beziehung zu deiner Mutter schwebt über dir und verunsichert dich zusätzlich. Aber.. Du bist nicht deine Mutter und du musst versuchen, dich davon frei zu machen, denn auch Angst kann handlungsunfähig machen und die Normalität von sich verändernden Beziehungen pathologisieren.

      All das bedeutet nicht, dass du nicht trotzdem versuchen solltest, andere Wege der Kommunikation zu finden, aber ich glaube nicht, dass du Sorge haben musst, dass sich deine Geschichte wiederholt.

      Exklusive Zeit für deine Tochter und dich sowie auch nur für dich. Das würde ich noch angehen.

      Ein langer Text. Ich hoffe, du kannst etwas daraus ziehen für dich.

      (6) 18.05.19 - 08:41

      Hallo, das könnte meine Geschichte sein. Zu meiner Mutter habe ich seit ca 1 Jahr kein Kontakt mehr. Sie hat mich als Kind emotional gestraft wenn sie Stress mit meinem Vater hatte weil sie genau wusste das sie ihn damit genau ins Herz trifft. Ich habe 3 Kinder die zwei jüngsten sind 3 und 1 Jahr alt. Ich war froh als das erste Jahr rum war. Jetzt ist es wesentlich entspannter. Ich war oft in so einer Anspannung den ganzen Tag über. Mir ist es auch eine paar mal passiert das ich lauter wurde als gewollt. Im großen und ganzen, habe ich mich aber immer wieder zur Ordnung gerufen und versucht ruhig zu bleiben. Wir haben immer viel gemeinsam gemacht mit dem Baby. Wenn wir auf dem Boden gespielt haben, lag sie daneben. Wenn wir auf der Couch gesessen haben, saß sie in der Wippe vor der Couch. Und ich habe den Haushalt oft vernachlässigt das ist mir besonders schwer gefallen, ging aber nicht anders. Mit der Zeit wird es besser. Heute spielen die zwei zusammen und haben Spaß.

    • Such dir Hilfe im Umfeld.

      Babyzeit kann sehr an den Kräften zehren. Dafür kann deine Große nichts, du erst mal auch nicht.

      Tun kannst du trotzdem was: nimm dich raus aus der Position alles allein machen zu müssen. Wenn sie sich an Papa wendet, ist doch super. Dann bekommt sie Liebe, Zuneigung. Das was du zwar hast, aber nicht zeigen kannst.

      Wann es geht, drück ihm auch mal das Baby in die Hand, damit du Zeit für sie hast. Es muss nicht ständig sein und nicht so viel wie früher. Nur eben immer wieder, dass sie sieht, sie ist auch da, du siehst sie auch.

      Freunde fragen, ob sie die Große mal mitnehmen können. Angebote annehmen: z.B. wenn Freunde sowieso einkaufen gehen, dass sie dir dann was mitbringen usw.

      Das entlastet dich im derzeit schwierigen Alltag und schont deine Ressourcen.
      Wenn deine Freunde ihr zweites/drittes bekommen oder wegen Krankheit flach liegen, kannst du es umgekehrt ebenso tun und ihnen dann helfen. Dann bist du wieder fit.

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