Soll ich dem Jugendamt die Wahrheit erzählen?

    • (1) 27.05.19 - 11:48

      Hallo :)

      Es geht um meine Schwester und deren Tochter ( 3 ).

      Sie hat seit der Geburt ihrer Tochter immer wieder Kontakt mit dem Jugendamt wegen anonymer Anzeigen und Meldungen, sogar am Wochenende war schon einmal eine Überprüfung.

      Naja das eigentliche Problem ist aber, dass letzte Woche ein erneuter Brief vom Jugendamt kam, den meine Schwester an uns ( meinem Mann und mich ) weiterleitete um ggf. zu helfen. Dazu muss man wissen, dass mein Mann Anwalt ist und wir 600 km weit weg wohnen.

      In diesem Brief stand drin, dass zum Schutz des Kindes dringender Handlungsbedarf besteht und ein Termin.

      Wir telefonierten dann mit dem Amt, weil wir wissen wollten was genau damit gemeint ist. Die Dame war zum Glück sehr kooperativ und erzählte uns das meine Nichte stark Verhaltensauffällig sei und meine Schwester psychisch sehr labil ist.

      Was meine Schwester betrifft, weiss ich ja nun nichts neues! Ich bat um ein paar Tage Geduld, da wir das kommende Wochenende zu einer Familienfeier nach NRW fahren würden und ich mir gern ein eigenes Bild machen möchte.

      Nun, ich kürze etwas ... Das Wochenende liegt gerade hinter uns ... ich bin mehr als geschockt.

      Das Jugendamt sieht das ganze genau richtig bzw. ist es sogar schlimmer als die ahnen!

      Egal, was ich tun werde, es wird falsch sein! Das ist mir klar!

      Zum Schutz des Kindes, sollte ich dem Jugendamt sagen, was los war, würde aber meiner Schwester damit sehr sehr unschön " in den Rücken fallen "!

      Ich bin so durcheinander, ich liebe meine Nichter über alles! Als wir sie mitnahmen in den Tierpark am Wochenende war sie so lieb und umgänglich und GLÜCKLICH! Nicht einmal schien sie sehnsucht gehabt zu haben nach ihrer Mama. Kaum lieferten wir sie Zuhause ab, ging das Spiel von vorne los.

      Entschuldigt, wenn mein Text nun etwas durcheiannder oder unvollständig zu sein scheint, aber es fällt mir wirklich schwer dieses Gefühls- und Gedankenchaos zu sortieren.

      Danke, dass ihr Euch Zeit genommen habt, um meinen Text zu lesen.

      Was ist nun das richtige ?

      • Ich denke nicht, dass du deiner Schwester "in den Rücken fällst", sondern eher dass du deiner Nichte hilfst und sie ggf. vor langfristigen Schädigungen bewahren kannst. Deine Nichte könnte es dir sicherlich niemals verzeihen, wenn du etwas wusstest und sie nicht geschützt hast.

        Allerdings würde ich von allzu sehr emotionalen berichten an das Jugendamt absehen. Schildert eure Eindrücke, vergesst hierbei aber nicht, dass Kinder in Gegenwart anderer - ihnen zugewandter Erwachsener regelrecht aufblühen können und sich dann auch anders verhalten können als zu Hause (z.B. überwiegen brav).

        Meine Tochter kannst du auch jemand anderem mitgeben und sie sagt danach, sie würde lieber bei denen wohnen oder sowas. Also das darf man einfach nicht überbewerten, kleine Kinder sagen sowas auch aus einer Laune raus, weil sie das gerade in dem Moment genau so empfinden. Meine Tochter "vermisst" mich auch nicht, wenn sie mal ein paar Stunden nicht bei mir ist, das war auch früher nicht so. Sowas darf man also auch eventuell nicht überbewerten.

        Dennoch würde ich, wenn ihr die Situation so einschätzt, dass das Kind aus der Familie genommen werden muss oder eben andere Maßnahmen getroffen werden müssen, auch danach handeln.

        • Ich wollte bewusst nicht all zu sehr ausholen, denn da bräuchte viele Seiten " Papier " .

          Meine Nichte geht mit KEINEM normal mit, weshalb das JA fragte, ob sie oft rumgereicht wird. Das kann ich aber nicht beurteilen, da ich ja nicht vor Ort bin. Sie reagiert auf Fremde mit Agression.

          Wenn müsste mein Mann das auch berichten, da wie Du schon sagtest, ich zu emotional bin.

      (4) 27.05.19 - 11:57

      Also ich kann ja nur sagen was ich machen würde und für mich wäre die Sache ganz klar. Ich würde dem Jugendamt aufjedenfall die Wahrheit sagen ob du deiner Schwester damit in den Rücken fällst oder nicht ist da jetzt mal nebensächlich. Deiner schutzlosen Nichte Fällst du in den Rücken wenn du es nicht meldest. Ich könnte es mir nicht verzeihen wenn dem Kind etwas passieren würde und ich es hätte verhindern können. Es ist sicherlich eine unschöne Situation aber Kinder müssen geschützt werden manchmal Leider auch vor den eigenen Eltern.

    • Wärest Du bereit das Kind bei Dir aufzunehmen, wenn es sich herausstellen sollte, dass es von der Mutter weg muss?

      Ein schwieriges Zuhause ist schrecklich, ein Pflegeheim manchmal noch schlimmer.

      Solltest sehr genau abwägen, wer am meisten betroffen sein wird, wenn Du das Jugendamt unterstützt.

      Deine Hilfe sollte in erster Linie dem Kind zugute kommen.

    • "Ein schwieriges Zuhause ist schrecklich, ein Pflegeheim manchmal noch schlimmer."

      Hallo,

      ich fürchte, Du verwechselst da etwas!

      "Pflegeheime" sind- wenn man sie überhaupt so nennt- etwas für alte Menschen.

      Ein Kind im von der TE genannten Alter würde, sollte es nicht in seiner Herkunfts-Familie bleiben können, in einer Pflegefamilie (je nach Bedarf mit professionellem Hintergrund) untergebracht. Ältere Kinder z.B. auch in so genannten "Sozialpädagogischen Lebensgemeinschaften" oder auch (kleineren) Wohngruppen.

      "Pflegeheim" und "schrecklich" war früher mal.

      Und davon abgesehen glaubst Du gar nicht, in welch' "schreckliche" Herkunfts-Familien" Kinder oft hinein geboren werden :-(.

      Viele Grüße,

      Kathrin

Hey Liebes,

Ich war auch schon in der unangenehmen Situation, das Jugendamt innerhalb der eigenen Familie zu informieren. Das fühlt sich beschissen an und man wird kurzfristig zur meistgehassten Person der ganzen Familie, aber die einzige Frage, die ich mir in der Situation gestellt habe war, ob ich damit klar komme wenn dem Kind Schlimmeres zustößt bzw es weiter unter den Umständen leiden muss, und das hätte ich nicht gekonnt.

Ich habe natürlich zuerst Hilfe und Unterstützung angeboten und getan was ich tun konnte, aber manchmal reicht das einfach nicht bzw die Hilfe wird abgelehnt, und dann muss man leider die traurigen Konsequenzen ziehen. Evtl besteht der Handlungsbedarf ja auch aus einer Familienhilfe oder stationärer Unterstützung, nur bei richtig drastischen Fällen nimmt das Jugendamt das Kind gleich in Obhut.

Das Wohl des Kindes sollte meiner Ansicht nach immer oberste Priorität sein, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

(10) 27.05.19 - 12:05

Siehst Du denn Alternativen? Also Deine Nichte zu Dir nehmen mit Kooperation Deiner Schwester? Oder könntest Du Dir irgendeine Art von Kooperation mit Deiner Schwester vorstellen - eine bei der das Jugendamt nicht entscheiden muss, sondern Deine Schwester alleine entscheiden kann (und es trotzdem zum gleichen Ergebnis kommt?) - wenn ja, dann versuche das, sofern das für Dich auch okay ist, da so tief drin zu stecken - ansonsten rede mit ihnen, Deiner Nichte zuliebe. Nichts sagen und nichts machen finde ich unverantwortlich.

  • (11) 27.05.19 - 12:19

    Wir versuchen seit 3 jahren zu helfen. Mein Mann nimmt ihr geduldig bei allen Unterhaltssachen oder sonstigen rechtlichen Geschichten die Arbeit ab.
    Ich unterstütze sie finanziell, wenn sie was braucht für meine Nichte.

    Aber Ratschläge oder Hilfe zur Umsetzung z:B. Frühförderung etc. macht sie einfach nicht! Ich schrieb oben, dass meine Schwester auch geistig etwas zurück ist. Sie kann mir nicht folgen. SIe versteht zwar das ich mit ihr rede aber nicht Inhalt.

(13) 27.05.19 - 12:16

Hallo.

<<<Naja das eigentliche Problem ist aber, dass letzte Woche ein erneuter Brief vom Jugendamt kam, den meine Schwester an uns ( meinem Mann und mich ) weiterleitete um ggf. zu helfen. >>>

Da ist doch die Antwort. Deine Schwester möchte Hilfe für sich und die Kleine. Rede auch mit deiner Schwester, ob es ihr helfen würde, dass ihr sie unterstützt. Auch wenn es anders ist, als sie erhofft. Sie soll in Behandlung gehen. Wie hier schon gefragt, die Option, dass ihr die Kleine zu euch holt besteht nicht? Und wenn doch, würde es deiner Schwester auf jeden Fall mehr helfen, denn sie weiß, sie kann sich auf euch verlassen.

Alles Gute und viel Kraft euch allen.

LG

  • (14) 27.05.19 - 12:23

    Meine Schwester sieht das JA als pesönliche Bedrohung, wir sollen ihr das nur vom Hals halten.

    Ein Tagesklinikplatz war von seiten des JA da samt KITA - Platz für die kleine. Will meine Schwester nun aber nicht mehr weil ihr das nichts bringt :(

    Meine Nichte kann immer zu mir ( dauerhaft ) das wird aber NIEMALS freiwillig geschehen. Ich will nur kein hin- und her für die kleine, deswegen möchte ich genau überlegen, was ich sage und tue!

    • (15) 27.05.19 - 12:44

      Wie ist denn der Bezug zu deiner Schwester. Und was ist mit dem Vater der Kleinen.

      • (16) 28.05.19 - 08:56

        Eher schwierig. Durch ihre Erkrankung war unser Verhältnis eher immer sehr einseitig. Ich war nur gut, wenn irgendwas war. Was für mich nie ein riesen Problem war, bitte nicht falsch verstehen.

        Der Vater des Kindes hat meine Schwester 3 Wochen vor der Geburt rausgeworfen und ist seit dem nur zahlendes Mitglied. Sagt aber auch ganz klar, dass er keinen kontakt wünscht. Vorallem aber zu der Kindesmutter!

        • (17) 28.05.19 - 09:32

          <<<Sagt aber auch ganz klar, dass er keinen kontakt wünscht. Vorallem aber zu der Kindesmutter! >>>

          Schade, dadurch muss die Kleine drunter leiden. Deine Schwester kann deshalb vielleicht auch keine Liebe zeigen, weil die Kleine vielleicht dem Vater ähnelt? Daher würde ich nicht länger zugucken. Auch wenn es der Schwester nicht gefällt. Hier geht es um das Kind und nicht um deine Schwester. Sie möchte keine Hilfe, aber vielleicht braucht die Tochter Hilfe. Ich würde mit dem Jugendamt zusammenarbeiten.

          Alles Gute.

(18) 27.05.19 - 12:24

Wo liegt das Problem deiner Schwester? Ich war in einer ähnlichen Situation und kann deine Gedanken sehr gut verstehen.

  • (19) 27.05.19 - 12:32

    Meine Schwester ist unfähig fröhlich und glücklich zu sein. Geschweige denn kann sie Liebe geben. Hinzu kommt eine Persönlichkeitsstörung.

    Wir haben wohl hier das klassische Beispiel davon, dass es eben nicht reicht, wenn Kinder alles haben nur eben keine Liebe und Zuwendung! Dazu kommt ein schlechtes Umfeld.

    • (20) 27.05.19 - 12:38

      Würde deine Schwester eine Therapie machen, oder denkst du, dass wäre nicht das richtige? Geht deine Nichte in den Kindergarten? Oder kann so mal „Abschalten“, Besuch bei Oma oder Papa? Das hat meiner Nichte geholfen. Tief in deinem Herzen, hast du die Lösung.

      • (21) 28.05.19 - 08:59

        Meine / Unsere Oma ist schon leicht dement. Unser Vater samt Freundin trinken nur. Meine Nichte bleibt aber auch bei keinem! Das ist mitunter ein Grund, warum sie stark Verhaltensauffällig ist. Selbst die Tagesmutter ( dort war sie mal für 1 Woche ) kündigte den Vertrag, weil es nicht möglich ist, dass Kind zu " bändigen" .

        Therapie, ausser 1 x wöchentlich, macht sie nichts und hat sie auch nicht vor!

        • (22) 28.05.19 - 10:13

          Dann, so schwer es fällt und dein Mann einverstanden ist, weißt du was zu tun ist. Aber bitte denk an das Umgangsrecht der Mutter. Wobei, dein Mann ist Anwalt? Dann kennt ihr/ er sich perfekt aus. Bis halt wieder alles passt, bei deiner Schwester.

    (23) 27.05.19 - 15:12

    Das ist alles?
    Du meinst also, deine Nichte bekommt an materiellen Dingen alles, was sie braucht und ihre körperlichen Bedürfnisse werden komplett erfüllt?
    Wie kommst du dann darauf, dass das Jugendamt das Kind wegnehmen wird?

    Meinst du nicht, du hast in diesen Brief etwas zu viel hineininterpretiert? Das Jugendamt sieht „dringenden Handlungsbedarf“ ... aber bevor es zu einer Inobhutnahme kommt, braucht es schon etwas mehr (da bekommt man auch keine Zeit mehr bis zum Wochenende). Du glaubst ernsthaft, bei einer vorübergehenden Inhobhutnahme würde das Jugendamt einer Tante, die 600km entfernt wohnt, das Kind mitgeben? Wie willst du den regelmäßigen Umgang mit den Eltern realisieren? Oder wie sollen das die Eltern schaffen? Das ist doch vollkommen utopisch!

    Falls die Mutter noch keine Hilfe zur Erziehung in Anspruch nimmt, wird das jetzt anlaufen. Du würdest sie gut beraten, wenn du ihr den Tipp gibst, dass sie sich gegen die Hilfen des Jugendamtes nicht sträubt, denn alles, was ab sofort passiert, wird peinlich genau protokolliert, in einer Akte abgeheftet und ggf. vor Gericht gegen sie verwendet.
    Hilfe zur Erziehung kann durchaus mehr sein, als nur die „Tante“, die einmal pro Woche eine Stunde zum Quatschen und Fehler benennen kommt. Ich kenne ein Kind, dort wurde im HPG u.a. festgelegt, dass es täglich ganztags den Kiga zu besuchen hat (bei Krankheit ärztliches Attest) und an 2 genau festgelegten Tagen die Woche zu duschen hat. Das wurde von den Erzieherinnen überwacht und Fehlhandlungen dem Jugendamt gemeldet.

    • (24) 27.05.19 - 15:25

      Ach so...was genau willst du denn dem Jugendamt mitteilen? Du hast 3 Jahre nichts gesehen. Schließlich wohnst du nicht dort. Die Nachbarn haben das Jugendamt mehrfach gerufen. Nachdem das Jugendamt nun der Meinung ist, dass „dringender Handlungsbedarf“ besteht, willst du ... ja was? Das bestätigen, dem widersprechen? Im Grunde vollkommen egal...das Jugendamt macht eh weiter. Der Sachbearbeiter wartet doch nicht auf deine Aussage.
      Du kannst es auch vollkommen lassen, etwas zu sagen. So bewahrst du deinen Familienfrieden. Klar muss deiner Schwester und deiner Nichte geholfen werden, nur für irgendwelche Aussagen ist es längst zu spät. Das haben die Nachbarn erledigt.
      Das Jugendamt wird jetzt einfach die Hilfe zur Erziehung starten. Je nachdem wie gut deine Schwester mitarbeitet, wird das erfolgreich sein, oder eben nicht. Klappt es selbst mit Hilfe nicht, dann gibt es eine Inobhutnahme. Aber nicht zur 600km entfernt wohnenden Tante. Das widerspricht dem Ziel, dass das Kind in seine Ursprungsfamilie zurückzuführen ist.

      • Wie kannst Du nur solche Halbwahrheiten verbreiten. Natürlich ist es von Belang, wie enge Familienangehörige die Situation einschätzen. Wenn das Kindeswohl nicht akut gefährdet ist, kann eine Inobhutnahme sehr wohl aufgeschoben werden bis man sich ein Bild von der Situation gemacht hat. Das Amtsgericht wird parallel über die Situation informiert.
        Eine Gefährdung ist nicht immer nur der Wegfall an Lebensnotwendigem.

        Natürlich kann und sollte die TE helfen, Hut ab, dass sie es tut. Ausreden solltest du es ihr nicht. Und natürlich wird geprüft, ob sie das Kind aufnehmen kann wenn sie dazu bereit ist (Stichwort Verwandtenpflege).

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