Bin ich zu hart?- Kontakabbruch Vater

    • (1) 29.05.19 - 20:44
      Inaktiv

      Hallo.

      Ich schreibe hier, weil ich gerne ein paar außenstehende Meinungen hätte.
      Könnte etwas länger werden...

      Es geht um meinen Vater. Ich hole mal etwas aus. Meine Mutter starb sehr früh. (2004) Da war ich gerade 9. Ich wurde damals in die Sekte der Zeugen Jehovas geboren und mein Leben kann ich alles andere als schön beschreiben.

      Mein Vater war immer sehr aufbrausend. Ihm ist auch öfters mal die "Hand ausgerutscht" um es mal schön zu sagen.
      Das ganze Leben war auf Zeugen Jehovas ausgerichtet und wenn man etwas nicht so machte, wie es ihm passte, dann wurde man zurechtgewiesen.
      Ich hatte immer Angst vor ihm. Weil er auch fast jeden Tag nach der Arbeit Rumschrie. Sich beschwerte, das ich das Haus nicht geputzt habe ( das mit 9 Jahren).
      Ich war zu der Zeit viel allein daheim. Meine Schwester in der Ausbildung.

      Er wollte sich nach dem Tod meiner Mutter auch nie helfen lassen. Kontakt zur Verwandtschaft seitens meiner Mutter wurde abgebrochen. (Habe einige Tanten etc)
      Ende 2007 lernte er dann eine neue Frau kennen. Auch bei den zeugen natürlich. Nach 4 Monaten wurde dann auch schon geheiratet und im Sommer 2008 musste ich zu ihr und ihrer Tochter ziehen. (Von Sachsen nach Thüringen)
      Mein Vater verblieb derweilen unter der Woche in unserem alten Haus und arbeitete weiter bei seinem Chef.

      Ich fühlte mich die ganze Zeit unwohl. Kam immer weniger mit der Frau und der Tochter zurecht.
      Einmal hatte ich einen Streit mit meinem Vater und da warf sie mir an den Kopf, ich wäre Schuld, wenn mein Vater irgendwann mal an einem Herzinfarkt stirbt. ( das ist bis heute hängen geblieben.)
      Durch den "Glauben" wurde ich in der Schule gemobbt. Erfuhr auch null Verständnis von Seiten meines Vater etc.
      Psychisch ging es mir sehr schlecht. Das wurde aber abgetan mit den worten: dann musst du mal mehr für den Glauben machen. Dann geht es dir auch besser"
      Ich lebte die ganze Zeit wie in einer Parallelwelt. Alle anderen wurden immer als böse abgestempelt.
      Mit 18 bin ich dann von daheim weg. War auch nicht weiter mit bei den Zeugen.
      Es gab auch da immer wieder Punkte bei denen ich mit meinem Vater angeeckt bin. Er hat nie wirklich Einsicht gezeigt.
      Wollte von allem immer nichts wissen. Außerdem hat er oft die Wahrheit verdreht. (Hab mittlerweile wieder Kontakt zu meinen Tanten und weiß das er den Kontakt nicht wollte. Er hat immer behauptet sie wollten nicht).

      Vor kurzem meinte er dann das es der Gemeinde der zeugen nicht passt, das ich mit einem Mann zusammenlebe. (Ist dort ja eine große sünde). Und dann bin ich den weg gegangen und von mir aus ausgetreten. Somit darf auch keiner aus der Gemeinschaft mehr Kontakt zu mir haben.
      Da ich das alles auch nicht mehr aushalte, habe ich endgültig den Kontakt von mir aus zu meinem Vater abgebrochen.
      Vor kurzem war er dann hier und wollte nochmal reden.
      Ich kann das aber nicht mehr. Ich habe endgültig genug und das macht mich nur noch krank.

      Das war die Kurzfassung. Danke an alle die bis hier her gekommen sind.

      Findet ihr, ich bin da zu hart? Hab das Gefühl einige verstehen das nicht. Aber für mich ist es irgendwo besser.

      Lg

      • (2) 29.05.19 - 20:55

        Seit wann bist du ausgetreten und seit wann will Dein Vater reden?
        Sei mir nicht böse, aber man tritt nicht 'einfach so' bei den Zeugen aus.
        Ich befürchte, Du hast das Ausmaß noch gar nicht wirklich überblickt :(

        • (3) 29.05.19 - 21:02

          Doch doch.
          Ich weiß zu gut wie es läuft. Bin schon seit 6 Jahren untätig und seit 2 Monate ausgetreten.
          Weil sie mich so oder so ausgeschlossen hätten.
          Und ich schon lange nicht mehr danach leben will.
          Meine Schwester hat schon sehr lange den Kontakt eingestellt. So weh wie es tat. Aber kann man nichts machen leider. Sie hat auch nie wirklich mal mit mir gesprochen.

          • (4) 29.05.19 - 21:33

            Dann weißt Du aber auch, dass sie Dich nicht in Ruhe lassen werden oder?
            Und wenn sie es über Deinen Vater versuchen...lass Dich nicht einlullen. Schütze Dich.

            Eine Freundin ist, ähnlich wie Du, reingeboren. Sie trat vor 15 Jahren aus und sie lassen sie noch immer nicht in Ruhe, versuchen es mit allen Mitteln (schlechtes Gewissen/ emotionale Ebene), finden jede neue Adresse raus (in Deutschland ja leider erlaubt :/)
            Soweit ich weiß, sinkt das Ansehen Deines Vaters durch Deinen Austritt nun in der Gemeinschaft, dafür wird er Dir ja höchstwahrscheinlich die Schuld geben und alles versuchen, diesen 'Fehler' rückgängig zu machen...
            Kranker Scheiß mit diesen Sekten.

            Daher mein Rat:

            Kontakt abgebrochen lassen.
            Versuchen nach vorn zu Blicken.

            • (5) 29.05.19 - 21:45

              Danke für deine Worte.

              Ja das mit der Adresse hab ich auch schon paar mal gemerkt.
              Mein Vater ist mir auch oft hinter her Gestalt und hat dann geschaut wo ich bin und wohne.
              Und immer meine Daten weiter gegeben.
              Vor den anderen hab ich bis jetzt Ruhe. Aber man weiß ja auch nicht was noch kommt. 😒

      (7) 29.05.19 - 21:04

      Liebe Zuheftig,

      Nein du bist nicht zu hart.
      Du teilst den Glauben deines Vaters nicht, also warum bei einer Glaubensgemeinschaft bleiben?

      Das Verhältnis zu deinem Vater ist schwierig.
      Er ist dein Vater.
      Er bleibt dein Vater.
      Aber es liest sich sehr lieblos.

      Du warst 9 Jahre als deine Mama starb, das tut mir Leid.
      Du warst ein Kind.
      Er war der Erwachsene.
      Er hat sich entschieden einen bestimmten Weg zu gehen und dich mitgenommen ohne dich einzubeziehen.

      Jetzt bist du erwachsen.
      Und sein Weg ist nicht dein Weg.
      Versuche deinen zu gehen.
      Ich hoffe du lebst mit einem lieben Mann zusammen.

      Befreie dich.
      Lebe ein Leben das du wählst.
      Ich weiß nicht ob dein Vater es verstehen wird.
      Meiner hat es nie.
      Seit 2011 haben wir nicht mehr gesprochen.
      2015 bin ich Mutter geworden.
      Ich habe es nie bereut.
      Es war nicht einfach, aber ich habe mich entschieden.
      Und ich habe akzeptiert das er mit mir nicht reden will.
      Viele verstehen das nicht, aber oft sind das Leute die von Grund auf eine "andere" Beziehung zu ihrem Vater haben.

      Bei uns hab es schon immer sehr wenig Raum für Diskussion oder Meinungen.
      Was er gesagt hat war Gesetz.

      Nach der Geburt meiner Tochter habe ich mir viele und intensive Gedanken über meine Beziehung zu meinen Eltern gemacht.
      Ich verstehe sie ein wenig besser, aber ich weiß umso mehr was ich mir für meine Tochter und meinen Mann und mich wünsche.


      Dein Vater kam ja zu dir und wollte nochmal reden.
      Vielleicht brauchst du einfach Zeit um dich und deine Gefühle zu sortieren, und du suchst nach ein paar Monaten "Ruhe" das Gespräch.

      Vielleicht reißt du auch die Brücken hinter dir ab

      Ich persönlich finde es gut dass du dich für dich entschieden hast.

      LG Lena

    (9) 29.05.19 - 21:06

    Hallo,
    nein, ich finde nicht, dass du zu hart bist. Du hast ein Recht auf dein eigenes Leben und musstest schon soviel mitmachen, du hast ein bisschen Ruhe verdient 😊
    Ich finde es toll, dass du so selbstbestimmt dein Leben in die Hand nimmst. Vielleicht schaust du mal, ob es Gruppen von Aussteigern bei den Zeugen Jehovas gibt ( das gibt’s bestimmt), der Austausch mit Leuten, die teilweise Ähnliches erlebt haben, könnte dir helfen, deine Vergangenheit besser einzuordnen und zu verarbeiten.

    Ich wünsche dir alles Gute, geh weiter deinen Weg.


    Liebe Grüße, c

(12) 29.05.19 - 21:14

Nein, du bist nicht zu hart, du tust was gut für dich ist. Du bist diesem Mann nichts schuldig, er war Dir nie ein (guter) Vater!

(13) 29.05.19 - 22:57

Wenn ich es richtig gelesen habe bist du jetzt 18/19 jahre alt. Dafür wirklich sehr erwachsen und reflektiert. In deinem Fall wird es wohl leider auch notwendig gewesen sein schnell erwachsen zu werden.

Kinder sind dazu verdammt ihr Eltern zu lieben. Du musst ihn aber nicht in deinem Leben haben. Er hat wenig Rücksicht auf dich genommen, also warum solltest du nicht anfangen auf dich selbst zu achten? Ich habe selbst eine seeeeehr schwierige Beziehung zu meinem Vater und bin froh, dass er so weit weg ist. Ich habe nir nich rein "diplomatischen" Kontakt zu ihn und das auch nur, weil es nicht nur mich alleine betrifft. Und glaube mir, dein Vater wird sich nicht ändern, er wird nichts einsehen und schon gar nicht wird er sich entschuldigen.
So wie du es beschreibst, KANNST du nicht mit ihm, dann ist es definitiv nicht zu hart, ihn so weit weg wie möglich von dir zu halten.

Du kannst dir deine eigene Familie bauen und dich von dem Ballast befreien. Du selbst, musst dir der wichtigste Mensch sein.

Eine naive Frage am Rande. Gibt es nicht solche Anlaufstellen für Aussteiger, die einem helfen?

(16) 30.05.19 - 07:12

Nein, du bist nicht zu hart. Ob andere das verstehen oder nicht, ist nicht wichtig. Die müssen ja auch nicht dein Leben leben.

In einer perfekten Welt würden Eltern sich immer um ihre Kinder kümmern, ihnen emotionaler Beistand sein und sie darin unterstützen, ihren eigenen Weg zu finden.

Wir leben aber nicht in einer perfekten Welt und müssen es aushalten, dass es Menschen gibt, zu denen uns der Kontakt nicht gut tut. Und manchmal sind das leider die eigenen Eltern, die einem absolut nicht gut tun.

Bleib auf deinem Weg und lass dich nicht beirren!

(17) 30.05.19 - 07:46

Hallo

die anderen haben dir schon gesagt, was ich auch sagen wollte.

Du bist stark, wenn du den Austritt schafftest, bekommst du das auch hin und kannst deinen Weg weitergehen.
Du bist ja nicht allein und hast jmdn an deiner Seite, der mit dir geht.

Sie vielleicht nur etwas anderes: Er ist nicht dein Vater, er ist dein Erzeuger. Den Status einer Vaterfigur hat er anscheinend nicht verdient. Eventuell kannst du dich seelisch so besser lösen, da ja Erzeuger mit weniger Emotionen verbunden ist.

Versuche nicht, ihn aus der Gemeinschaft rausholen zu wollen. Das wird nicht funktionieren. Versuche vielleicht lieber, Kontakt zu deiner Schwester herzustellen. Sie könnte dir die Familie geben, die du willst. Ansonsten sind Freunde oft die bessere Familie. Denn die kann man sich aussuchen.

lg lene

(18) 30.05.19 - 15:58

Wow.... Das ist heftig, was du alles erleben musstest. Tut mir aufrichtig leid für dich.

Aber ich finde es wahnsinnig mutig von dir, dass du ausgetreten bist und dich auf eigene, unabhängige Beine gestellt hast.

Ich bin eigentlich jemand, dem Familie über alles geht und einen Kontaktabbruch nur befürwortet, wenn es wirklich nicht mehr anders geht. Aber in deinem Fall..... Ich denke, es ist das beste für dich.

WAS wollte dein Vater denn mit dir reden? Ging es nur um das Sektengeschwafel, oder hatte er an deiner Person Interesse?#zitter
Denke mal eher ersteres, denn für deine Gefühle und dein Wohlergehen hätte er sich mal kümmern müssen, als du noch klein warst und deine Mama verloren hattest.:-[

Lass beim Einwohnermeldeamt eine Auskunftssperre anlegen und such dir am besten professionelle Hilfe für Sektenaussteiger.

Ich wünsche dir von ganzem Herzen alles Gute und "werde glücklich"!!!! #liebdrueck

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