Bruder in Not - soll ich helfen?

    • (1) 05.06.19 - 22:59

      Hi Ihr Lieben,

      lange Geschichte … und traurige zugleich:
      meine beiden Eltern starben noch sehr jung innerhalb von 3 Jahren, meine Mum vor 4 Jahren plötzlich an Hirnblutung, mein Vater vor 2 nach Krebsleiden. Horror …
      Mein Bruder, 2 Jahre jünger, leidet seit 10 Jahren an Depressionen, begleitet von zig-Klinikaufenthalten etc. - Heilung nicht in Sicht. Meine Mutter hat sich die letzten Jahre immer für ihn aufgeopfert, alles gemacht und getan, in der Hoffnung, dass es ihm irgendwann mal besser geht. Es floss viel Geld, da er seit dieser Zeit auch nicht mehr arbeiten konnte. Mein Vater hielt sich viel raus.

      Das Erbe fiel gut aus, da meine Eltern zwei Häuser hatten. Mein Bruder und ich bekamen jeweils eins, in dem er auch selbst eine Wohnung hat. Es ist ein Mehrfamilienhaus mit zwei weiteren Mietern, wovon mein Bruder seitdem auch die Miete bezieht. Da er jedoch wirklich sehr krank ist und stets mehr ausgab, als er überhaupt hatte, sieht es jetzt im Moment sehr düster aus. Da er noch immer nicht arbeitet, auch kein 450 € Job oder so, auch kein Harz 4 bekommt, muss er quasi von den Mieteinnahmen leben, die sich jedoch nur auf ca. 1000 € monatlich belaufen. Da jedoch die laufenden Kosten für solch ein Haus sehr hoch sind und man hin und wieder einiges investieren muss, sieht es jetzt so aus, dass überall brennt! Letzte Woche war schon die Polizei da … da er seit 1/2 Jahr keine Rechnungen mehr bezahlt hat!!! Null! Sein Auto wurde entstempelt, Strom gekappt, das Gas im Mietshaus abgedreht bzw. der Zähler ausgebaut usw. …
      und das Schlimmste ist, dass er sich scheinbar überhaupt keine Gedanken macht, wie es weitergehen soll! Wie er zu Kohle kommen kann. Mit zwei 450 € Jobs kann man auch schon viel erreichen. Aber nein, er sitzt auf solch einem hohen Ross und denkt echt, das Geld kommt schon irgendwoher. Alle gut gemeinten Ratschläge von mir in Richtung Schuldnerberatung verteufelt er, die hätten doch eh keine Ahnung und wie sie ihm denn helfen sollten. Ich hab echt schon viel probiert, aber …. er nimmt NICHTS an, ist wirklich irre! In der Vergangenheit hat meine Mutter immer schön bezahlt, egal was der Herr ausgab. Und er kaufte viel … würde sogar sagen, er hat eine Kaufsucht neben all dem anderen ...
      Ich kann kaum noch schlafen, mich macht das alles so fertig, da die Polizei auch bei uns vorbeikam und sich nach ihm erkundigte. Schrecklich!

      Dabei muss man sagen, dass wenn er wirklich wollte, er könnte was arbeiten, dank Tabletten geht es einigermaßen. Aber wie kann man so sein? Er liegt bis Nachmittags im Bett und schläft seelenruhig …

      Jetzt meine Frage: natürlich bat er mich um Geld, ich sagte, dass ich ihm soviel nicht geben könne, da ich auch nicht so viel verdiene. Es geht wohl jetzt hauptsächlich erstmal um das Gas, eine Forderung von 2000 €. Die Mieter im Haus haben seit 3 Wochen keine Heizung und Warmwasser! Meine Eltern, die das Haus gebaut haben, drehen sich im Grab um. Nun hadere ich aber: soll ich ihm wirklich nicht helfen? Wenn doch, ist es eh nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, da so viele offene Rechnungen sind und quasi der Gerichtsvollzieher schon vor der Tür steht. Wenn ich ihm helfe, sehe ich das Geld nie wieder. Oder muss er mal so richtig tief fallen, schlimmstenfalls kommt er in den Knast.
      Was denkt Ihr? Was würdet Ihr tun? Rein rational weiß ich, NEIN! Aber wenn da nicht dieses Emotionale wäre …

      LG und #danke
      Miri

      • Ich denke du schätzt die Situation schon ziemlich gut ein. Es wäre ein Tropfen auf dem heißen Stein.

        Mach dich mal komplett frei von allen Gedanken. Was wäre deine Zielvorstellung? Ist sie realistisch und umsetzbar?

        Bedenke dabei: Menschen ändern sich nicht mal eben von jetzt auf gleich von verantwortungslos zu verantwortungsbewusst. Wäre es möglich für dich das Haus abzukaufen und ihn dann darin wohnen zu lassen? Wenn nicht, dann kannst du wohl nicht viel machen. Leider. Solange er sich gegen die Hilfe stäubt sowieso nicht. Nur Geld nehmen und nicht zur Schuldnerberatung? No way! Dann muss er sehen wie er klar kommt, wenn er es doch so viel besser weiß als alle anderen. Oder ist er doch psychisch nicht ganz zurechnungsfähig? Dann wäre der Verkauf des Hauses eh besser, es scheint ihn ja sich zu überfordern.

        (3) 05.06.19 - 23:18

        So schwer es auch ist, aber ich würde nicht helfen. Das ist ein Fass ohne Boden und dein Bruder lernt davon auch nicht, sein Leben auf die Reihe zu bekommen...

        (4) 05.06.19 - 23:25

        Liebe Miri,

        ich verstehe definitiv das Bedürfnis helfen zu wollen und sei es nur für die Mieter. Aber tu es nicht. Wie du schon richtig erkannt hast: Du siehst das Geld nicht wieder und es wäre nur der Tropfen auf dem heißen Stein.
        Er wird nichts ändern wenn er sein Problem nicht erkennt

        Mein Onkel hat oft in der Verwandschaft nach Geld gefragt weil sonst ja der Strom/das Wasser/die Heizung abgedreht wird, er kein Geld für essen hat, etc. Erst musste mein Opa her halten, nach seinem Tod meine Großtante...und auch bei seiner Cousine und meiner Mutter wurde es versucht. Irgendwann klappte es bei niemandem mehr und dann konnte er tatsächlich doch arbeiten, den 3. Fernseher den er neu gekauft hatte verschachern, weniger rauchen und saufen usw. Er würde es auch heute noch machen wenn der Hauch einer Chance bestünde so eine entspannte Lösung zu finden für Probleme die er sich selbst eingebrockt hat.

      • (7) 06.06.19 - 00:34

        Wieso sollte er in den Knast kommen? Er hat doch Geld in Form der Immobilie. Die kommt zuerdt unter den Hammer, um etwaige Schulden zu begleichen. Wenn es mehr ist als eine Gartenhütte, kann er erst einige Zeit davon leben bis er den Erlös durchgebracht hat.

        Und dann geht's erst weiter bergab. Irgendeine Instanz auf dem Weg nach unten wird ihn u. U. beeindrucken und ihm klarmachen, dass das Leben kein Ponyhof ist.

        Deine Mutter hat vielleicht aus Sorge aufgrund seiner Erkrankung das Kerlchen zu Lebensuntüchtigkeit erzogen. Das rächt sich jetzt.

        Depressionen machen m. W. nicht dumm. Er sitzt aber noch auf einem hohen Ross und will keine Hilfe zur Selbsthilfe.
        So lange er keine Verantwortung für sein Leben übernimmt, würde ich gar nichts für ihn tun. Ist sicher schwierig, aber du hast auch nur 1 Leben und musst sehen, wo du bleibst.

        • (8) 06.06.19 - 06:48

          ich stimme dir in fast allen Punkten zu, nur in einem nicht: Depressionen wirken auf die Wahrnehmung und auf das Urteilsvermögen. Und das kann zu groben Fehleinschätzungen führen.

          Also verkürzt gesagt: Depressionen können sehr dumm machen.

      deine Schilderungen klingen nicht danach dass er nicht arbeiten kann. Sondern das er nicht will.

      Und wenn er zu faul ist etwas zu tun muss er die Konsequenzen eben tragen.
      Reißt du ihn da raus, wird er nie was ändern weil er wieder sieht dass er das nicht muss !

      So leid es mir tut aber er muss selbst wach werden.

      • Naja... viele Depressive können nicht arbeiten und da hat es auch nichts mit Faulheit zu tun.

        An die TE:
        Ich würde ihm nicht finanziell aushelfen, sondern höchstens beim Verkauf des Hauses. Dann kann er seine Schulden zahlen und vom evtl Rest eine kleine Wohnung kaufen oder mieten.

        LG

    (11) 06.06.19 - 01:21
    Einfach so mal

    Geld geben wäre nicht gut, dass schätzt du schon richtig ein. Ihn so richtig tief fallen lassen, falls nicht anders möglich. Aber da gibt es noch Möglichkeiten davor.

    Schau ob er einen Betreuer für Finanzen kriegen kann. Also übers Betreungsgericht. Bei der Krankengeschichte und der Eskalation die gerade ansteht, ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass er einen bekommt. Dieser Betreuer regelt dann sowohl das mit dem Haus, als auch die weitere Einteilung seines Geldes.

    Und ruf am besten seinen Psychiater an und schildere ihm was gerade passiert mit der Bitte um Hilfe. Oder falls vorhanden seine Alltagshilfe.
    Eventuell ist er in einer Institutsambulanz angebunden? Die könntest du auch anrufen und um Hilfe bitten.

    Am besten Beraten kann dich da der sozialpsychiatrische Dienst in deiner Stadt, was du sonst noch für Möglichkeiten hast.

    (12) 06.06.19 - 06:42

    Mach bloß nicht so weiter, wie deine Mutter aufgehört hat. Er wurde scheinbar zur totalen Unselbständigkeit erzogen. Grauenhaft, wenn er alle Hilfsangebote (außer Geld) ablehnt kannst du meiner Meinung nach nichts tun. Ich würde ihm deutlich sagen, dass er von dir keinen Cent bekommt, weil er nicht bereit ist etwas zu ändern und Verantwortung zu übernehmen, du hilfst ihm gerne bei der Jobsuche, begleitest ihn zu Terminen (Schuldnerberatung...), aber ansonsten muss er endlich etwas ändern. Bist du eigentlich nicht wütend auf deine Mutter, dass sie ihn so verzogen hat?

    • (13) 12.06.19 - 21:01

      Und ob ich das bin!!! Leider … hatte ihr das auch zu Lebzeiten mal gesagt, dass ich ihr Verhalten nicht gut finde. Sie sagte dann nur, na warte mal ab, wenn du (also ich ) mal ein Kind in Not habe … hmmmm
      mir sagte mal jemand, sie konnte nicht anders. Ok.
      Aber ich kann, weil ich NUR die Schwester bin.

(14) 06.06.19 - 07:26
lieberalsgraunick

ich würde eher den anderen mietern helfen eine neue wohnung zu finden als deinen bruder weiter zu unterstützen!

die armen können ja überhaupt nix dafür und müssen jetzt wahrscheinlich schon wochenlang ohne heizung (ja jetzt ist es warm grade) und strom leben. warmwasser wahrscheinlich auch.

(15) 06.06.19 - 07:27

Hallo

Nein, denn er ist selber Schuld. Er will außer Geld keine Hilfe.
Zahlen die Mieter überhaupt noch Miete? Das ist wohl das nächste Problem. Sie können in der Situation nämlich mindern bwz einstellen.

(16) 06.06.19 - 07:53

Ich stimme den anderen hier zu. Deinem Bruder einfach nur Geld geben wird in dieser Situation nicht helfen.

Wäre es eine Lösung, dass du eine zeitlang die Verwaltung des Hauses übernimmst? Also wie eine Hausverwaltung die Mieteinnahmen kassierst und davon die laufenden Rechnungen bezahlst? Dein Bruder müsste dann natürlich entsprechend auch Nebenkosten zahlen. Und wenn was übrig bleibt, bekommt er es ausgezahlt.

Alternativ sehe ich nur, dass du ihn so weiter machen lässt bis er einsichtig wird. Im Zweifelsfall wird leider irgendwann das Haus belastet, Konten gepfändet etc.

(18) 06.06.19 - 08:12

Ehrlich ich würde nicht helfen, hat doch eh keinen Sinn wenn dein Bruder kein Bock zu arbeiten hat, wie will er denn dir das Geld zurück zahlen? Als Erwachsener Mann soll er seine Probleme selber Regeln und ich würde mich an deiner Stelle um die eigene Familie kümmern, statt mich in Probleme anderer einzumischen!

Baldmama1997

Hallo,

ich habe selbst einen Bruder in solch einer Verfassung und sehe, wie das Geld, dass ihm meine Eltern ständig für u.a. angehäuften Mietschulden geben (das Kind soll ja nicht auf der Straße landen) gerne genommen aber nichts von seiner Seite aus, was Arbeit angeht, passiert.
Es gibt immer Gründe, warum etwas nicht geht oder gut genug ist. Das geht inzwischen 15 Jahre so.

Ein Fass ohne Boden trifft es absolut.
Meine Mutter hat sich viel Beratung geholt und die einzige message, die immer kam war: er muss erst ganz unten sein und nichts mehr haben oder bekommen.
Das machen meine Eltern natürlich nicht, >> das würden keine Eltern ihrem Kind "antun" << ist ihre "Ausrede".

Mein Rat also: lass es, es ist sein Leben. Lass dich da nicht auch noch mit hineinziehen!
Die Mieter suchen sich was anderes und dein Bruder wird das Haus verlieren.
Man kann nur hoffen, dass dann "die Erleuchtung" kommt.

Alles Gute!

PS: lass dir bloß kein schlechtes Gewissen von ihm einreden, du tust nämlich damit genau das einzig Richtige, auch wenn es nicht danach aussieht!

(20) 06.06.19 - 08:49

Hallo,

meiner Meinung nach wäre es ein Fehler ihm Geld zu geben. Damit würdest du ihm nicht helfen sondern alles noch hinauszögern. Die 2000 € wären bei einem Verein für leidende Kinder oder Tiere sehr viel besser angelegt als bei jemanden, der mit Geld nicht umgehen kann.

(21) 06.06.19 - 09:04

Der Bruder meines Mannes ist genauso. Mittlerweile 41 Jahre alt, hat er in seinem Leben noch nichts auf die Reihe bekommen. Er versteckt sich hinter seinen Zwangsstörungen, nimmt Drogen und hat aus dem Geschäft seines Vaters schon viel Geld geklaut, was dann später rauskam. Meine Schwiegereltern finanzieren sein komplettes Leben. Als Dank dürfen sie sich ständig noch Vorwürfe von ihm anhören. Er ist komplett lebensunfähig und ich gebe meiner Schwiegermutter dafür die Schuld. Anders als mein Schwiegervater würde sie ihn niemals fallen lassen sondern erfindet immer neue Ausreden für ihn. Mein Mann versucht schon seit 25 Jahren, sie zu überzeugen, dass sich was ändern muss. Mittlerweile hat er damit abgeschlossen und hört sich auch das Gejammer über das Thema seiner Mutter nicht mehr an. Für uns steht fest, dass wenn die Schwiegereltern nicht mehr sind, wir ihm niemals finanziell helfen würden. Das einzige wäre, ihm noch einen Betreuer zu suchen...

(22) 06.06.19 - 09:09

Nein, ich würde ihm keinen Pfennig geben. Aber ich wäre für ihn da, wenn er zur Besinnung kommt, und Begleitung beim Gang zum Arzt, zur Schuldnerberatung, zur Bank etc. bräuchte.
Ich vermute, er ist immer das Prinzchen gewesen durch seine Erkrankung, er muss vielleicht erst ganz tief fallen, bevor er sich - mit dir an der Seite - wieder berappeln kann. Alles Gute!

(23) 06.06.19 - 09:28

Dem Bruder mit Geld helfen? Niemals, in der aktuellen Lage völlig nutz- und sinnlos.

Dem Bruder anderweitig helfen? Wäre sinnvoll, könnte aber an mangelnder EInsicht scheitern (ziemlich sicher). Such dir Beratungsstellen für Angehörige psychisch Kranker, allenfalls lässt sich eine Finanzbeistandschaft erwirken, allenfalls hat dein Bruder Anspruch auf eine Erwerbsunfähigkeitsrente (exakter Name für solche Renten kenne ich nur hier in der Schweiz, nicht in Deutschland), er scheint ja dauerhaft nicht arbeitsfähig zu sein.
Du schilderst Kaufsucht, ist dein Bruder bipolar? Manisch und depressiv?

(24) 06.06.19 - 09:33

Hallo Miri!

Nein, ich würde ihm nicht einen Cent geben.
Krankheit hin oder her. Er ist es ja nicht anders gewohnt, dass die Familie ihm dauernd aus der Patsche hilft.

Dann muß er nun die harte Realität lernen und sich mit seinen Mietern auseinandersetzen.
Pech gehabt. Versuche stark zu bleiben. Das ist ein Faß ohne Boden.

Alles Gute

misses_b

(25) 06.06.19 - 10:05

Ich würde meinem Bruder einmalig helfen, aber im gleichem Atemzug beim zuständigen Amtsgericht eine Betreuung für deinen Bruder anregen (ich würde die Betreuung aber nicht selbst übernehmen).

Eine Depression die schon so lange besteht wird wohl eher nicht mehr ausheilen. Man ist eben nicht nur traurig, sondern auch antriebsgehemmt, er KANN vielleicht wirklich nicht arbeiten. Das kann man aus der Ferne nun nicht beurteilen.

Wenn er nicht arbeitet und keine Sozialleistungen bezieht wie ist er den krankenversichert?

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