Krebserkrankung in der Familie

    • (1) 06.06.19 - 22:30
      Wasmacheichnur

      Hallo ihr Lieben, der Vater meines Mannes ist an Krebs erkrankt. Vor einigen Tagen hat mein Mann erfahren, dass es wohl keine Heilungschancen mehr gibt. Er wird das nächste Jahr vermutlich nicht überleben. Diese Zeilen zu schreiben ist total schrecklich und fühlt sich so falsch an. Mein Mann tut mir so unheimlich leid. Ich wäre so gerne für ihn da. Leider verschließt er sich komplett. Er lässt mich an seinen Gedanken und seiner Trauer nicht teilhaben. Das macht nicht so unendlich traurig. Bin ich doch seine Partnerin und wäre gerne ein Teil seines Lebens. Andererseits fühle ich mich total egoistisch, dass ich überhaupt solche Gedanken habe. Weiß gar nicht wie ich mich verhalten soll. Freue mich einfach über Antworten. Manchesmal sieht man die Situation ganz anders oder kriegt einen anderen Blick für Dinge. Lg

      • Das tut mir sehr leid für deinen Mann.

        Ich kann deine Gedanken nur soweit nachvollziehen, als dass es trautig ist, jemanden leiden zu sehen und nicht wirklich helfen zu können. Das ist schwer.

        Bei dir klingt es leicht danach als könntest du es nicht ertragen, seine Gedanken nicht zu kennen obwohl du als seine Partnerin irgendwie ein Recht darauf hättest. Vielleicht irre ich mich auch.

        Jeder trauert anders und darf das auch ohne dass jemand in seinen Gefühlen stochert oder auf Kommunikation besteht.
        Dein Mann muss sich erstmal damit auseinandersetzen und die Tatsache annehmen lernen. Google mal nach den Phasen der Trauer - was nicht heißt, bei jedem läuft es nach Schema ab.

        Vielleicht mag er nicht drüber reden, weil es dann real wird. Vielleicht ist er noch in einem Verdrängungsprozess.

        Sag ihm, dass du für ihn da bist, wenn er reden möchte. Man kann auch nonverbal sein Mitgefühl durch körperliche Nähe, liebevolle Berührungen ausdrücken - vorausgesetzt der andere kann es ertragen. Wenn nicht, wirst du auch das akzeptieren müssen.

        Dein Mann muss mit einer Trauer und Angst fertig werden, die man sich kaum vorstellen kann, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Und jeder Mensch geht mit Gefühlen anders um.

        Ich gehöre auch zu den Menschen, die erst mal gar nicht mehr reden, wenn es richtig schlimm wird. Mein Partner kann das auch nicht immer gut aushalten und insofern verstehe ich deine Gefühle.

        Nur mach dir klar: es geht nicht gegen dich. Er verschließt sich nicht vor dir, sondern braucht jetzt Zeit für sich. Er redet mit dir, wenn er so weit ist. Heute, übermorgen oder vielleicht auch nie. Es gibt keine Vorgaben zum richtigen trauern.

        Zeige ihm, dass du da bist. Sag ihm, dass er mit dir reden kann (einmal, nicht täglich fünf mal) und versuche, seine Bedürfnisse zu respektieren.

        Viel Kraft für eure Familie!

        Sieh es positiv, soweit das in dieser Situation möglich ist, dein Mann hat Zeit sich zu verabschieden und kann alles noch klären was ihm auf dem Herzen liegt. Meine Schwiegermutter ist vor 3 Jahren an Krebs gestorben, mein Mann hat da auch sehr gelitten, vor allem da sie 700 km weg wohnte und man nicht Mal eben so hin könnte. Dein Mann soll die Zeit intensiv nutzen, hat meiner auch gemacht und als es soweit war hatte er sich abgefunden.
        Mein Vater starb plötzlich, das fand ich traurig da wir einfach noch so viel klären wollten was wir immer vor uns hergeschoben haben und es nun nie tuen können.
        Wenn dein Mann alleine mit der Krankheit fertig werden will, lass ihn. Irgendwan, wenn er selber soweit ist ,wird er zu dir kommen.

        LG und viel Kraft
        Visilo

      • Hallo,
        Zunächst einmal tut es mir Leid, dass ihr so eine schlimme Nachricht bekommen habt und wünsche euch viel Kraft für die kommende Zeit.

        Ich finde die Antwort von Jumia ziemlich treffend. Jeder geht anders mit Trauer um. Und für deinen Mann (und dich, sowie die ganze Familie) kommen viele Fragen auf.

        Mein Vater erhielt im letzten Juli die Diagnose Lungenkrebs mit mehreren Metastasen. Keine 4 Wochen später war seine Zeit mit uns vorbei.
        Uns hat es allen die Füße unter dem Boden weg gerissen.

        Es stellen sich nun viele Frage für euch:
        Was kann man tun für den Schwiegervater? Was kann ihm helfen? Kann ihm noch etwas helfen? Wie lange Zeit hat er noch (auch, wenn man es eigentlich nicht wissen will), wie bekommt man das gestämmt? Wo wird er letzten Endes sterben? Muss er ins Hospiz, kann er zu Hause sein?
        Das alles ging mir ständig durch den Kopf.
        Die Hoffnung, auf ein bisschen Zeit. Schöne Zeit für ihn. Für uns als Familie.
        Die Angst. Die Ratlosigkeit. Der Wut. Die Trauer (warum passiert uns das?).
        Glaube mir. Ich konnte mit meiner Mama über alles sprechen. Mit meinem Mann weniger. Ich kann dir dafür nicht mal einen Grund nennen.
        Aber ich weiß, dass dein Mann es nicht böse meint.
        Sei für ihn da, wenn er es einfordert. Du darfst auch fragen, ob er reden möchte. Aber gib ihm die Chance es beim "Nein" zu belassen.

        Aus meiner Sicht kann ich nur sagen:
        Genießt die verbleibende Zeit. Klärt alles so weit es geht. Auch, wenn es euch makaber vor kommt.
        Sprecht mit dem Schwiegervater, wenn er es zulässt von sich aus, über den Tod.
        Sagt alles, was ihr ihm noch sagen wollt. Macht Fotos.
        Und:holt euch Hilfe, wenn ihr dafür empfänglich seid.

        Alles Gute von Herzen und viel Kraft.
        Mery

        Hallo Du,

        Es tut mir sehr leid, dass ihr so eine furchtbare Nachricht erhalten habt.

        Wir haben im April 2018 erfahren, dass mein Schwiegervater eine sehr seltene Erkrankung hat. Niemand hat wirklich prognostiziert, wie lange er noch leben würde, aber bei meinen Recherchen wurde schnell klar, dass wir nocht mehr viel Zeit mit ihm haben würden.
        Ich recherchierte, mein Mann wollte aber nichts sehen und hören. Das fand ich schlimm, weil ich das Gefühl hatte, die einzige zu sein, die die Wahrheit wusste.
        Es war ein Prozess von einigen Wochen, bis ich alle im Umfeld einfach auf ihre Art und Weise damit umgehen lassen konnte.

        Mein Schwiegervater war immer ein Kämpfer. Er gab nicht auf, nahm alle Behandlungsangebote in Anspruch und machte es uns damit vergleichsweise leicht.
        Mit den dahingehenden Monaten kehrte tatsächlich wieder etwas Normalität ein. Ich war wohl immer noch die Einzige, die wirklich wahrnahm, wie er weniger und schwächer wurde, obwohl er sich bemühte, keine Schwäche zu zeigen.
        Ich habe sehr viel mit ihm gesprochen, wir waren uns sehr nah.
        Mein Schwiegervater hat viel Zeit mit uns verbracht und die Zeit genutzt, viel zu regeln und vorzubereiten.
        Als er im Dezember mit uns auf ein Flötenkonzert meiner Tochter ging, brach er zusammen und es wsr ganz knapp, dass er gestorben wäre. Furchtbar.
        Da wurde mir und meinem Mann und auch unseren Kindern klar, was wurklich auf uns zukommt.
        Und trotzdem schaffte es mein Mann wieder alles wegzudrängen.

        Als mein Schwiegervater im Februar plötzlich starb, war ich vorbereiteter als er.
        In der ersten Zeit waren wir uns ganz nah, dann durchlief mein Mann ziemlich klassisch alle Trauerphasen. Auch jetzt gibt es immer wieder Tage/Abschnitte, in denen er Zeit für sich braucht, wenn die Trauer hochkommt, und Zeiten der Nöhe.
        Es ist oft so, dass ich erstmal gar nicht verstehe, was gerade los ist, und dann klar wird, womit sich mein Mann, vielleicht auch nur unbewusst, auseinandersetzt.

        Ich habe gebraucht, bis ich gelernt habe, dass jeder seinen eigenen Umgang mit Trauer und Ängsten hat.
        Es war ein extremes Jahr und oft hat sich mein Mann in seinem Verhalten fremd angefühlt.
        Ich habe mich zurückgewiesen, einsam, unverstanden gefühlt. Und doch habe uch versucht, so ruhig wie möglich zu bleiben, Offenheit zu signalisieren, ohne ihn zu drängen, und bei mir zu bleiben, wenn es auch mal unfair wurde ( in der Zeit der Wut über den Tod).

        Ich habe die Trauerrede in der Kapelle gehalten, weil mein Mann und mein Schwager es nicht konnten und wollten.
        Die Rede habe ich zum Teil durch einen Textteil meines Mannes gestaltet, zum anderen Teil durch Worte von mir.
        Auch das wsr eine Brücke zwischen mir und meinem Mann.

        Ich hoffe, ihr könnt die verbleibende Zeit mit deinem Schwiegervater nutzen, Zeit miteinander verbringen und in der Trauer zumindest immer in eurer Basis die Verbindung zwischen euch halten.
        Lass deinem Mann Zeit und Luft. Es ist schwer genug für alle.

        Ich wünsche euch viel Kraft!
        Love

      • Gebt euch Zeit.

        Erst mal ist die Nachricht neu, schockierend, erschreckend, traurig, aufwühlend, beängstigend.
        Das braucht erst mal Zeit, bis es durchsickert.

        Oft macht es auch sprachlos.

        Und dann kommt die Zeit, wo man es so langsam begreift, aber noch verdauen muss. Einen Weg finden, damit umzugehen. Mit Familie, ohne. Mit reden, ohne. Niemandem zur Last fallen wollen, reden wollen.

        Mit wem redet man denn?
        Braucht man redet oder sprachlose Unterstützung durch dasein und Halt?

        Das verarbeitet jeder anders. Jeder braucht etwas anderes.


        Wenn er soweit ist, gibt es auch Anlaufstellen.
        Palliativstationen (wo es auch Hilfe für Angehörige geben kann)
        Selbsthilfegruppen
        Trauergruppen
        oder einfach einen Partner, der nichts sagt, akzeptiert wie ruhig es ist und einfach da ist

        Die Gratwanderung ist zu erkennen, wann es einfach stille Trauer ist und wann eine Folgekrankheit entsteht.

        Eine schwere Situation für dich und deine Familie. Jeder verarbeitet anders. Deine Gefühle sind okay, seine Gefühle aber auch. Du kannst nur versuchen für ihn dazusein. Fordere ihn nicht auf zu sprechen, schaffe aber den Raum dafür. Ihn auch aus gutem Willen zu bedrängen macht es nur schlimmer.

        Als die Schwester meines Mannes gestorben ist, hat er keine Träne vergossen. Es sah von aussen aus, als würde er gar nicht trauern. Bis es drei Wochen später einfach umgekippt ist.
        Meine Mutter ist vier Wochen nach meiner Schwägerin gestorben und ich habe sehr offensiv getrauert, war lange krank geschrieben, konnte nicht essen, habe überall angefangen zu heulen. Das hat Mann völlig überfordert und uns in eine Ehekrise gestürzt.
        Total bekloppt in so einer schweren Zeit.

        Krebs ist scheisse, versuch für deinen Mann und die Familie dazusein.

        Alles Liebe
        Muriel 🐇

        (9) 07.06.19 - 17:46

        Beide Eltern meines Mannes sind vor einigen Jahren an Krebs erkrankt, seine Mutter wäre fast gestorben. Mein Mann ist auch gar nicht der Typ, der über seine Gefühle und Ängste reden mag, aber ich habe ihm natürlich angesehen, wie er gelitten hat. Habe ihm dann gesagt, dass ich unsicher bin, wie und ob ich ihm helfen kann und soll. Ob er reden möchte. Ob ich ihn lieber in Ruhe lassen soll, wenn er besonders unglücklich aussieht. Dad hat geholfen und er meinte, reden braucht und möchte er nicht unbedingt, aber einfach wissen, dass ich da bin. Er verkriecht sich eher in seine Muschel wie ein Krebs, aber er kommt auch wieder heraus, umarmt mich und seufzt. Jeder geht anders mit seiner Trauer um, wichtig ist, dass Du es nicht persönlich nimmst, wenn er lieber für sich sein möchte! Es könnte ihn eher stören, wenn Du dann auch noch schlecht auf ihn zu sprechen bist. Seine Eltern krank und alt zu sehen ist eine der schwierigsten Situationen im Leben.
        Frag ihn am besten, ob und was Du für ihn tun kannst, auch wenn es augenscheinlich nichts ist, was Dir helfen würde.

        Hallo,

        ich kann dir vielleicht die Sicht deines Mannes nahebringen. Mein Vater ist im August nach 12 Monaten Krebserkrankung verstorben. Ich konnte mit dem Trost meines Mannes nichts anfangen, warum weiß ich nicht. Er sieht immer alles so "Ist zwar traurig, aber so ist das Leben" und "Es wird schon alles wieder gut". Das hat mich total genervt.

        Ich habe meine Trauer während dieses Jahres und nach dem Tod vor allem mit meinem Bruder, seiner Frau und natürlich meiner Mutter geteilt.

        ich wünsche euch viel Kraft! Diese Zeit ist entsetzlich, und in meinem Fall ging es mit dem Tod meines Vaters noch schlimmer weiter, da meine Mutter ohne ihn vollkommen lebensunfähig ist....

        Liebe Grüße, Nico

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