Neue Familie und Planung im Job

Mal eine Frage, vielleicht ist jemand in einer vergleichbaren Situation.

Ich habe zwei Kinder und bin vom Vater ihrer Kinder geschieden, war vier Jahre alleinerziehend und bin seit zwei Jahren in einer neuen Partnerschaft.
Mein Partner arbeitet als IT-Berater. Meistens im eigenen Unternehmen, aber immer wieder auch auf Projekten vor Ort bei Kunden. Aktuell ist er gerade viel unterwegs. Prinzipiell kein Problem - ich muss nicht immer aufeinander sitzen, war ja auch lange allein und schätze auch mal meine Ruhe. Organisiert bin ich mit meinen beiden Kindern sowieso, es hat jahrelang auch allein funktioniert. Allerdings ist es aktuell so, dass er über die kommenden paar Wochen überhaupt keine Vorhersage treffen kann und überhaupt nicht planbar ist, ob er bei uns sein wird oder beim Kunden. Am Samstag konnte er klären, dass er heute weg muss. Wann er zurück ist weiß er nicht - maximal bis Mittwoch (dann ist ja auch Feiertag). Wie es danach weitergeht wissen wir nicht.
Ich finde das familien-technisch - und als solche leben wir inzwischen - echt unbefriedigend. Von mir wird permanent verlangt, dass ich auf Zuruf wieder in Single-Modus schalte und die Kinder und den Haushalt allein schmeiße. Das kann ich, wirklich kein Problem. Aber es ist doch deutlich stressiger und mehr organisatorischer Aufwand, als wenn noch jemand zu Hause ist. Und ich frage mich, wie andere Familien das machen würden, die vielleicht nicht so aufgestellt sind wie wir, wo vielleicht die Frau auch jobmäßig auf einen gleichwertig mitbetreuenden Partner angewiesen ist, der bestimmte Aufgaben übernimmt und der nicht einfach von heute auf morgen ausfallen kann. Ich kenne solche Familien aus dem Unternehmen in dem ich arbeite, da werden solche Einsätze familienverträglicher (langfristiger) geplant. Vielleicht nicht die Regel - aber sollte es das nicht sein?!

Mein Partner denkt, dass wir uns mit diesen Familien schon deswegen nicht vergleichen können, weil es nicht seine Kinder sind und er sich bei seinem Arbeitgeber nicht auf sie berufen kann, wenn Termine zu knapp geplant werden. Das verstehe ich irgendwie - aber dann bleibe ich letztlich für immer alleinerziehend, denn das wird er dann niemals können. Verheiratet sind wir auch nicht und das wollen wir auch nicht. Aber davon darf es doch nicht abhängen, ob er auch Rechte als Teil einer Familie beanspruchen kann - wenn auch nicht als leiblicher Vater?!

Wie sehr ihr das?

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Guten Morgen,

dein Freund hat recht. Es sind nicht seine Kinder. Deswegen zieht das nicht.

Und immer alleinerziehend bist du auch nicht. Es gibt ja noch den biologischen Vater. Vorausgesetzt es besteht Kontakt.

Aber du kannst nicht von deinem Freund erwarten, dass er zu 100 % die Vaterrolle übernimmt. Aktuell ist er ja noch nicht einmal Stiefvater. Er ist nur dein Lebensgefährte.

Gruss
KSC.2015

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Es besteht Kontakt zum Vater. Drei Stunden/Woche, in denen nur sehr begrenzt Erziehung stattfindet.

Eine Adoption der Kinder durch meinen neuen Partner ist genauso wenig ein Thema wie eine Hochzeit. Und es geht auch nicht darum, was ich von meinem Freund fordere - ich fordere nicht von ihm, sondern wünsche mir von der Gesellschaft und in der Arbeitswelt mehr Akzeptanz alternativer und gut funktionierender Familienmodelle abseits von Vater-Mutter-Kind mit Ehe-Stempel (oder alternativ Adoptions-Stempel) drauf. Das finde ich einfach nicht mehr zeitgemäß! Es gibt so viele Familien, die anders leben!

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Ich verstehe dich voll und ganz.

Aber vom Gesetz her bist du alleinerziehend.

Das klingt jetzt vielleicht böse, aber es gibt den biologischen Vater und dich. Warum soll jetzt noch eine dritte Person mit in die Betreuung eingespannt werden? Vor allem schreibst du selbst, dass die Betreuung alleine bisher ganz gut geklappt hat.

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Hallo,

Meine mama war mit mir auch elleinerziehend und neuer Partner war auch IT-ler. Er hatte viele überstunden gemacht, jedoch immer noch viel Zeit zu dritt gehabt bzw hat immer angegeben dass er wegen Kind Urlaub in Ferien braucht etc.
Er hat auch im lebenslauf später angegeben dass er 1 kind hat. Er war immer wie ein Papa und ist es auch heute noch.
Weil er es wollte.

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Ich denke auch, dass eher das der Punkt ist.. "Weil er es wollte"
Hier scheint der Mann keinerlei Einschnitte in seine Karriere wegen der Kinder in Kauf nehmen zu wollen... Aber es geht ja auch nicht nur um die Kinder. Auch die Partnerin steht blöd da, wenn immer alles alleine zu wuppen ist. Wahrscheinlich würde insgesmat mehr Rücksicht genommen werden, wenn er Partnerin mit Kindern selbst auch nach außen Wie seine eigene Familie darstellt. #kratz

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Er kann seinen Chef schon drauf hinweisen. Sobald ihr zusammen lebt, zählt ihr als Familie. Du bist dann nicht mehr alleinerziehend, sondern in einer Partnerschaft und musst in die 1er Steuerklasse wechseln. Meine Lebensgefährte konnte auch bevor wir unser gemeinsames Kind hatten schon Urlaub während der Ferien beantragen und hatte da den Vorzug. Auch wenn wir nicht verheiratet waren oder die Kinder adoptiert waren. Er kebt mit den Kindern im Haushalt und das hat gezählt. Sonst hätten wir als Paar nie gemeinsam Urlaub machen können...

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Sorry for die Rechtschreibfehler, mein Handy macht gerade was es will 🙄

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"Mein Partner denkt, dass wir uns mit diesen Familien schon deswegen nicht vergleichen können, weil es nicht seine Kinder sind und er sich bei seinem Arbeitgeber nicht auf sie berufen kann, wenn Termine zu knapp geplant werden."

Sorry, aber für mich klingt das eher danach, dass dein Partner an der Situation gar nichts ändern will. Hat er denn schon einmal mit dem AG gesprochen oder einen Termin abgesagt?

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Ist vielleicht tatsächlich ne Frage die ich ihm mal stellen muss. Ich habe allerdings eher das Gefühl, dass er sich bei seinem Chef nicht aus dem Fenster lehnen will.

Vielleicht auch eine Frage der Kultur in dem Unternehmen, in dem er ist - wie gesagt, bei uns ist es anders. Und auch der Teamzusammensetzung. Bei uns haben alle Familie. Bei ihm sind nur Singles im Team.

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Hallo,

also in der Geschichte gibt es zwei Seiten:

1. Ich kann deinen Freund schon verstehen. Du hast ihn so kennengelernt, er hat sich sein Leben als IT-Berater für sich passend eingerichtet. Fertig.

2. Ich selbst bin IT-Beraterin und Mutter von 2 Kindern. Und glaube mir: Nirgendwo hat man gerade so viel (eigenen) Gestaltungsspielraum wie in dieser Branche. Geeignetes Personal ist gefragt und die größte Ressource. Deswegen zählen gerade die Bedürfnisse der Mitarbeiter mehr denn je.

Die Frage ist also: WILL dein Freund etwas ändern. Glaube mir, man kann in der Freiheit dieses Jobs endlos aufgehen. Aber es gibt eben auch immer andere Bedürfnisse (zum Beispiel die der Familie), die ICH nicht vernachlässigen darf. Dein Freund sieht das noch anders. Mit dem Anspruch einer radikalen Änderung wirst du nicht viel weiterkommen...

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Wie ich weiter oben geschrieben habe, geht meine Forderung gar nicht in erster Linie an meinen Partner. Ich frage mich einfach nur, wie die gesellschaftliche Akzeptanz oder die in der Arbeitswelt in solchen Fällen eigentlich ist. Ich kenne dazu nur mein eigenes Unternehmen, wo alle Familie haben und dafür einstehen, wo es aber auch entsprechend akzeptiert ist und gelebt wird. Und seins, wo das Gegenteil der Fall ist.

Ich glaube schon, dass er Hemmungen hat, seinem Chef gegenüberzutreten mit Wünschen nach Anpassung an seine neue Familie. Vielleicht sind wir da auch einfach noch nicht weit genug miteinander als Familie, was ich völlig ok finde. Deswegen will ich eben auch nichts fordern, ich will ihn ja als Partner und nicht als Ersatz-Vater. Aber ich denke, wenn die gesellschaftliche Akzeptanz - oder eben die in seinem Unternehmen - mehr da wäre, würde er sich vielleicht auch anders trauen. Vielleicht ist es aber auch sein eigenes Arbeits-Ethos, das dafür sorgt, dass er es immer ohne Debatte hinnimmt, wenn er mal wieder den Koffer für morgen und bis mal sehen packen muss. Da werde ich durchaus mal nachhaken.

Ok, aber wie ich hier lese geht es ja durchaus auch anders. Ich habe eben keine vergleichbaren Konstellationen in meinem Umfeld, deshalb frage ich hier.

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Und es ist halt schon schwierig: Ich akzeptiere, dass ihm sein Job wichtig ist und ich möchte nicht von ihm verlangen, dass er für meine Bande alles stehen und liegen lässt. Das sind meine Kinder, völlig klar, und dafür kann er nur begrenzt verantwortlich sein - gemacht hab ich sie, und mich bewusst dafür entschieden. Dazu stehe ich auch.

Trotzdem nagt es ein bisschen an mir, dass durch solche kurzfristige Planungen bei mir echt manchmal doofe Situationen entstehen. Ich musste zum Beispiel vor kurzem eine Schulung absagen, obwohl er zugesagt hatte, dass er da sein würde und dann doch weg musste. Das war meinem eigenen Chef gegenüber mehr als unangenehm. Aber ok - meine Kinder, mein Problem.

Und ich finde es ein bisschen traurig, dass er sieht, wie stressig mein Alltag allein manchmal ist, und wie stressig er vor allem durch kurzfristige Planung manchmal wird, und er nie für mich aufsteht und sagt: nee, so nicht. Ich hab hier auch ne Verantwortung - wenn nicht den Kindern, dann doch mir gegenüber.

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Ich finde auch, dass es wenn dann an deinem Partner wäre, ggü. der Firma für euch als familie einzustehen. Ein Chef wird kaum vorauseilend sonderrrechte einräumen, im übrigen auch nicht unbedingt bei einer „normalen“ familie. In der Regel muss man seinen Mund aufmachen, wenn man etwas braucht.

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Also mein Stiefpapa hat mich immer wie seine Kids behandelt. Und in seiner Firma hiess es immer dass er eben mit mir zum Arzt usw muss und gut wars. Dein Freund müsste es eben mal in die Hand nehmen und von sich aus erklären. Weisst du wie ichs meine?
Leider hört sich das so an als würde es ihm es eh passen...

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Ich habe eine Tochter und lebe mit einem Mann zusammen, der nicht ihr Vater ist. Ich habe ihm von Anfang an klar gemacht, dass es mich nur mit Kind gibt. Ich erwarte von ihm keine Betreuungsleistung, aber er muss einsehen, dass mein Leben anders ist als bei einer Frau ohne Kinder.

Für ihn war das von Anfang an klar. Er liebt meine Tochter und er möchte für sie Verantwortung übernehmen. Auch bei seinem neuen Arbeitgeber hat er sofort deutlich gemacht, dass wir eine Familie sind, obwohl es nicht seine leibliche Tochter ist. Dies wird auch akzeptiert, die Kollegen und der Chef fragen auch, wie es "unserer Kleinen" geht.

Ich finde, wenn man zusammen lebt, muss man sich auch aufeinander verlassen können. Wenn mein Freund mir zusagt, dass er beim Kind bleibt, weil ich z. B. einen Arbeitstermin habe, dann wäre ich auch sauer, wenn er kurzfristig absagt. Er kann von vornherein "nein" sagen, weil es eben nicht sein Kind ist. Dann kann ich mich um eine Alternative kümmern.

Aber ich finde, die schönen Seiten des Familienlebens mitnehmen, die Pflichten aber alle von sich weisen, geht nicht.

Von daher: ich sehe deinen Freund mehr in der Pflicht. Der Arbeitgeber wird nicht von alleine anders agieren. Der ist doch froh, dass sein Mitarbeiter so flexibel ist.

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Egal ob Stiefkind, leibliches Kind, kranke Eltern, Partner, Haustier... natürlich kann man vom AG Toleranz, Rücksicht und soziales Fingerspitzengefühl erwarten für private Belange! Diese sehe ich auch fast überall , werden aber nie ungefragt angeboten! Will sagen: wenn dein Freund diese nicht einfordert, passiert auch nichts! Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass irgendein AG sagen würde :“ ne, also dieses und jenes gibt es für Dich nicht, das sind doch gar nicht deine biologischen kinder!“ mir scheint, dein Freund will es einfach nicht!
Das finde ich auch total ok!
Ich verstehe dich, dass es mit zwei Kids nicht immer leicht ist. Meine erste Ansprechperson wäre aber der leibliche Vater!
Es sei denn, du möchtest einen Vater-Ersatz? Dann muss dein Freund das aber auch wollen!!