Erziehung - Chaos - falsch verstandene Bedürfnisorientierung? Lang!

    • (1) 19.06.19 - 15:34
      manchmalfrustriert

      Hallo in die Runde!

      Schon die Überschrift zeigt, dass ich hier vielleicht Themen verwischen werde. Es fällt mir gerade schwer mich geordnet auszudrücken. Ich fühle mich oft so unverstanden.

      Ich bin in professioneller Erziehungsberatung mit meinen Kindern. Hätte ich irgendwie nie für möglich gehalten. Wir sind eine ganz normale Familie, durchschnittlich gutes Bildungsniveau, finanziell vollkommen in Ordnung aufgestellt, durchschnittliche Sorgen und Probleme in Alltag, Ehe usw. Auch schöne, innige Zeiten, Liebe wird gelebt...

      Meine Kinder, beide (noch) im Kindergartenalter, sind tolle Menschlein, beide überdurchschnittlich fit in allen Bereichen, also bereiten sie mir eigentlich keine Sorgen.

      Nach der Findungsphase kam ich als Einlingsmutter so gut zurecht, gefühlt war Kapazität für einen Stall Kinder da. Das zweite Kind hat mich dann überrollt, so schwer waren die ersten Jahre. Die Kinder lieben sich, sind grundverschieden, eines angstfrei, das andere hypersensibel, beide sehr, sehr willenstark. Allein mit einem Kind ist es heute so leicht und unbeschwert, zusammen ist es einfach immer so furchtbar dynamisch, dass ich seit 3 Jahren keine ruhige Minute habe.

      Die Beratung ist schön und gut. Eigentlich läuft alles richtig, ich mehr, mein Mann etwas weniger aber vollkommen im Rahmen behandeln unsere Kinder sinnvoll und richtig. Die üblichen Themen: bei aller Konsequenz und Transparenz meiner Erziehung SEHE ich meine Kinder. Ich habe ein Ohr für ihre Bedürfnisse, erkläre, wenn diese nicht erfüllt werden können. Da es aufgrund der oben genannten Dynamik im Alltag so oft negativ hier läuft (ständig muss ich einschreiten, meckern, trennen, wirklich böse zurechtweisen, generell drosseln), achte ich schon lange besonders darauf, auch positiv zu kommunizieren, positiv vorleben, positiv rückzumelden, wenn sie auch eigentlich selbstverständliche Kleinigkeiten einfach richtig und freundlich tun.

      Kurzum, laut meinem Gefühl, laut Psychologin bei der Erziehungsberatung setze ich alles um und trotzdem scheinen meine Kinder immer extremer zu werden, ohne dass (relativ offensichtliche) Diagnosen vorliegen.

      Hier bemerke ich gerade mein Chaos, denn ich habe mich in Randinfos verrannt. Es geht mir gerade gar nicht um Lösungen, die versuchen wir in der Beratung zu finden.

      Ich lese ja auch hier. Und oft fällt mein Gesicht einfach nur runter. Irgendwie ist es egal, was manchmal frustrierte Mütter schildern, es wird ihnen fast immer nur geraten, NOCH MEHR Verständnis zu zeigen, NOCH MEHR auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Sich selber NOCH MEHR zurück zu nehmen.

      Mir fällt hier gerade nur ein prägnantes Beispiel ein, was sich in mein Hirn gebrannt hat. Hier schilderte kürzlich eine allerziehende Mutter zweier Kinder die Unzufriedenheit ihrer 8Jährigen, die in den Ferien nur jeden Nachmittag bespaßt wurde, weil sie vormittags auch mal Haushalt machen musste.

      Da würde ja tatsächlich geraten, dass sie den Haushalt weniger wichtig nehmen solle und sie ihre Fenster ja statt 3x im Jahr(!!) auch 2x putzen könne um NOCH MEHR Exklusivzeit für ihr großes Kind zu haben.

      Ernsthaft? Das ist genau mein Thema. Ich tue bereits alles und mehr, als ich leisten kann und trotzdem reicht es meinen Kindern nicht. Ich weiß, dass meine Kinder auch in ihren extremen Verhaltensweisen nicht unnormal sind, aber dass ich nicht NOCH MEHR geben kann, ist genauso normal. Mich frustriert es momentan einfach alles, ich versuche einfach, meine Kinder gesund, gesellschaftsfähig und auch glücklich großzubekommen und jeden Abend, trotz der tollsten Sachen gehen sie mit brutalsten Wutausbrüchen ins Bett , als hätte ich sie halb tot gequält. Und wenn ich meinen Frust darüber ausserhalb kommuniziere, oder hier entsprechende Dialoge verfolge, fühle ich mich einfach allein oder unverstanden oder es wird Erziehungsinkompetenz suggeriert...

      Ich bin einfach an dem Punkt, an dem ich nicht mehr unbegrenzt auf die Kinder eingehen mag. Ich gebe, was ich kann und wenn das nicht reicht, sind es die Kinder, die sich anpassen lernen müssen. Aber sagt das mal Anderen!

      Abgesehen davon, dass auch ich wenige(!) Mütter kenne, die mit mehr Kindern auch wirklich alles super schaffen und ausgeglichen sind, so erlebe ich einfach viel mehr Mütter, die augenscheinlich auch so gestresst sind, es aber immer anders kommunizieren. Manchmal frage ich mich, ob ich als einzige einfach unverblümt die Wahrheit sage, oder ob ich wirklich alles so falsch sehe.

      Wer es alles gelesen hat, ich danke euch. Gerade geht's mir etwas besser.

      • Vielleicht ist in deinem Fall weniger mehr? Du gibst dir so große Mühe, ihr seid sogar in Therapie, du bist jeden Tag nur damit beschäftigt alles richtig zu machen. Ich neige auch dazu und wurde ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurück geholt, weil ich eben nicht perfekt bin und nicht allen Familienmitgliedern uneingeschränkt alles recht machen kann. Auch wenn meine Zwillinge erst 3 Monate sind, habe ich in der Zeit gelernt, dass man einfach auch mal nicht versuchen muss alles perfekt zu machen. Als ich das einigermaßen verinnerlicht hatte (schaffe es immernoch nicht ganz) wurde ich ruhiger und das übertrug sich direkt auf meine Babys. Ihre Mutter war plötzlich nicht mehr ständig unter Vollstrom und beschäftigt damit alles richtig zu machen. Und auf einmal wurden meine Babys auch ruhiger und entspannter.
        Ich weiß nicht , ob es auch bei älteren Kindern so ist, aber vielleicht ist es ein Denkanstoss für dich.

        Ich bin im Gegensatz zu den Müttern die du beschrieben hast eher die Fraktion, man darf auch noch Frau und Individuum sein und muss nicht permanent nur die Kinder an erste Stelle stellen. Nicht falsch verstehen, ich liebe meine Beiden über alles und ich bin gern Mutter. Aber genau das kommt dabei heraus, wenn man sich als Mensch vergisst: eine Mutter die sich aufopfern, jeden Tag alles gibt, sich vollkommen vergisst und am Ende trotzdem nicht perfekt ist (weil das niemand schaffen kann), sondern eher völlig fertig. Und ich denke das merken Kinder auch.

        • (3) 19.06.19 - 16:14
          manchmalfrustriert

          Hallo.

          Ich verstehe dich überhaupt nicht falsch. Natürlich darf man ein eigener Mensch bleiben, ohne, dass man seine Kinder weniger liebt.

          Vermutlich habe ich mich schlecht ausgedrückt. Mein Frust rührt daher, dass hier trotz meiner Bemühungen, mich der kindlichen Entwiklung entsprechend korrekt zu verhalten, keine Erleichterung eintritt. Ich setze seit geraumer Zeit um, was mir geraten wird und auch meiner Meinung nach richtig ist, und trotzdem entgleist es hier jeden Tag, sobald die zwei Komponenten-Kinder aufeinandertreffen. Es geht mir nicht (mehr) darum, meinen Kindern einen perfekten Start ins Leben zu ebnen und diesbezüglich stresse ich mich schon lange nicht mehr, ich möchte einfach ein weniger eskalierendes Familienleben haben.

          Mich frustriert, dass das, egal wie wenig oder viel ich dafür tue, nicht eintritt. Dass es den Kindern nie reicht und sie in einer sehr ungesunden Intensität ihre Phasen ausleben. Ich möchte einfach nicht jeden Tag in zig Alltagssituationen eskalierend schreiende Kinder um mich haben, weil das einfach kein gesunder Mensch aushält. Und ich bin an dem Punkt, an dem ich nur noch sehe, dass ein Weg gefunden werden muss, wie die Kinder angepasst werden können, nicht mehr wir Erwachsenen. Aber dafür wird man oft verurteilt.

          Dieser Frust spielt dann in das hier Gelesene hinein, in dem nahezu immer suggeriert wird, dass man nur gelassener (wie du schreibst), bedürfinksorientierter, selbstloser, liebevoller usw sein muss, da Kinder ja von Natur aus kooperieren möchten.

          Da fühle ich mich manchmal als Alien. Ich bin doch eine normale, authentische Mutter, nicht verrückt, nicht überspannt, manchmal geduldig, manchmal ungeduldig, aber doch mache ich schon Vieles den aktuellen Sichtweisen konform, aber zu oft eskalieren die Kinder zu sehr. Trotzdem.

          Ist es so abwegig, dass es auch (hoffentlich) gesunde, also 'normale' Kinder gibt, die eben trotz aller guten Dinge, die sie von zu Hause mitkriegen, so unendlich schwierig sind?

          LG an deine Zwillinge

          • -Mein Frust rührt daher, dass hier trotz meiner Bemühungen, mich der kindlichen Entwiklung entsprechend korrekt zu verhalten, keine Erleichterung eintritt-

            Ich bin noch nicht lange Mutter und ich kann wahrscheinlich noch nicht so genau mitreden. Aber dieser Satz suggeriert mir, dass du eben doch zu viel nachdenkst. Du möchtest dich korrekt verhalten. Es gibt aber kein korrektes Verhalten. In der Therapie können dir tausend Tips gegeben werden und rein praktisch verhältst du dich immer 'korrekt'. Aber es funktioniert ja offensichtlich nicht.
            Wir sehen ja deinen Alltag nicht und können nur aus dem Geschriebenen heraus lesen was euer Problem ist und dir daraus Tips geben. Und es liest sich nun mal so, dass du zu viel über dein Verhalten nachdenkst und immer alles richtig machen willst.
            Vielleicht hilft es, einfach mal intuitiv das zu tun, was du gerade fühlst. Nicht was irgendein Therapeut gesagt hat oder was jetzt pädagogisch am wertvollsten ist.
            Vielleicht hast du das ja auch schon versucht. Wenn ja dann bin ich einfach zu kurz Mutter, um mehr Ratschläge zu geben...

            Ich kann nur als Stiefmutter sprechen. Da ist man gelassener, weil man eben nicht die volle Verantwortung trägt. Bei uns lief es immer sehr gut mit meinen Stiefkindern und ich habe sicher nicht immer alles korrekt gemacht, sondern einfach intuitiv das, was ich für richtig gehalten habe.

      Ich glaube, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Die meisten reden sich ihr Leben schöner als es ist. Es gibt nur wenig Leute, die eben ehrlich sind und direkt sind und einem sagen, dass das Leben auch Mal scheiße ist.
      Die meisten tun eben so, als sei immer alles Sommer Sonne Sonnenschein. Das ist aber ein Gesellschaftsproblem.
      Schau dir doch Mal die Leute auf Facebook oder Instagram an, sie stellen sich mit ihrem perfekten leben ins Internet und scheinen nie einen schlechten Tag zu haben und genauso kommunizieren sie es auch.
      Davon solltest du dich aber nicht unterkriegen lassen, sowas ist leider eben so. Ich bin froh, dass ich nicht so bin und auch Mal sagen kann, wie es mir geht und was Grad schief läuft und warum ich die Welt ab und zu sehr ungerecht finde.

      LG 🍀

      • (6) 19.06.19 - 16:19

        Ich erlebe das so: in den oberflächlichen Beziehungen erfährt man nur das tolle und in den tieferen Beziehungen erfährt man auch mal, was gerade wirklich scheiße läuft.

    Du wirkst auf mich mit deinen Beschreibungen sehr verkopft.

    Als ob du nach einer "Gebrauchsanweisung" alle § an deinen Kindern abarbeitest. (Das meine ich nicht vorwurfsvoll, so wirkt es eben auf mich.)
    Zwei Kindergartenkinder SIND anstrengend, sollte aber nicht in belastende, frustrierende Arbeit ausarten.

    Ich war wohl eher egoistischer und konnte sehr gut meine Grenzen wahren. Ich war nie der Entertainer oder "Spielfreund" meiner Kinder.
    Allerdings sind meine ersten Kinder vier Jahre auseinander, bewusst, das erleichtert schon einiges.

    >>>Mir fällt hier gerade nur ein prägnantes Beispiel ein, was sich in mein Hirn gebrannt hat.<<<

    Daran erinnere ich mich auch noch gut und mir fiel die Kinnlade runter. Manchmal habe ich den Eindruck, vor lauter Bedürfnisorientiertheit (ist ja auch einfacher, immer nachzugeben) wird vergessen, dass man auch mal erziehen sollte, spätestens, wenn Kommunikation mit dem Kind möglich ist.

    >>>Ich tue bereits alles und mehr, als ich leisten kann und trotzdem reicht es meinen Kindern nicht.<<<

    Kennst du den Spruch "Mutterliebe ist wie ein Tube Zahnpasta, man muss nur lange genug drücken, dann kommt immer noch was raus." ?
    Ersetze "Mutterliebe" durch "Geduld", dann hast du deinen Zustand.

    Deine Kinder sind so, weil du es zulässt, weil du ihnen keine Grenzen setzt, sie fordern immer mehr, du rotierst immer mehr. Wie soll das bei dir in fünf oder acht Jahren aussehen?

    Wäre das ein Partnerschaftsproblem, würde ich schreiben: Du wirst behandelt wie ein Putzlappen und wehrst dich nicht.

    • Achso, das mit dem Putzlappen meine ich NICHT so, dass bei deinen Kindern eine böse Absicht dahintersteckt, sie kennen es nur nicht anders.

      (9) 19.06.19 - 16:23
      manchmalfrustriert

      Lies mal bitte meine Antwort (3) auf die erste Antwort hier. Die drückt etwas besser aus, was mein Problem ist. Und nein, ich gebe nicht immer alles geforderte, im Alltag schon gar nicht. Aber egal ob viel, ob wenig, es passt nie und nie herrscht mal Ruhe oder Zufriedenheit. Ich suche keine Perfektion, ich vermisse schmerzlich ein klein wenig Frieden oder wenigstens Waffenstillstand im Alltag. Damit meine ich zB beim älteren Kind endlich etwas mehr Selbstregulierung.

      Und dass meine Kinder das nicht absichtlich tun, steht natürlich ausser Frage. Dabei denke ich immer an die Kindergartenthemen ala Schlagen als Kontaktaufnahme - ob der Schlag nun eine vorsätzliche KV war oder eine Kontaktaufnahme, für den Schmerz spielt das Motiv keine Rolle. Heißt, der Stress, den meine Kinder mir täglich machen, macht mich krank, auch, wenn sie es nicht absichtlich tun.

      Ich antworte später gerne detaillierter, aber jetzt ruft der Alltagswahnsinn.

      LG

Ich bin mir nicht sicher, ob ich alles richtig verstanden habe. Ich habe auch erst ein Kind (3), das zweite ist unterwegs (17. Woche - das wird noch spannend!).

Meine Tochter ist meiner Einschätzung nach ein normales, tolles Menschlein. Mit mal guter Laune, mal nicht so guter Laune und mal viel Wut, wenn sie nicht weiß, wohin mit ihrem Frust, wenn es mal ein “nein!“ gibt.

Selbstverständlich ist sie wichtig. Ihre Bedürfnisse auch! Ganz besonders ihre Grundbedürfnisse. Aber es kann eben nicht jeder Wunsch (Spielplatz, Eis, spielen, zur Oma, liebste Freundin treffen etc.) immer und sofort erfüllt werden. Manchmal aus äußeren Umständen (Oma hat keine Zeit, liebste Freundin ist im Urlaub, zu spät für den Spielplatz...), manchmal weil ich (oder andere Familienmitglieder) auch Bedürfnisse haben. Die nach Abwägung in der Sekunde vielleicht grade mehr Gewicht haben.

Das ist für mich Bedürfnisorientierte Erziehung, bzw. Bedürfnisorientiertes Familien-Miteinander. Jeder zählt. Grundbedürfnisse vor Bedürfnissen vor Wünschen. Generell kommen die Bedürfnisse meiner Tochter vor meinen (schlicht und ergreifend weil ich schon gelernt habe, meine Bedürfnisbefriedigung aufzuschieben), aber eben nicht immer. Wenn ich meine Grenzen sehe, gewichte ich mein Bedürfnis nach Ruhe/Pause/Krafttanken höher. Schließlich hat auch meine Tochter nichts davon, wenn ich zusammen klappe. Das ist dann auch eine gute Gelegenheit für sie zu üben, mit Frust umzugehen ;)

Ich halte also nichts davon, immer noch mehr zu geben.
Dafür halte ich viel davon, auf alle Familienmitglieder und die jeweiligen Kraftreserven zu achten.

Ansonsten: Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass jeder Mensch Belastbarkeits-Grenzen hat, es für jeden mal stressig wird und es für niemanden immer nur eitel Sonnenschein ist. Redet nur nicht jeder drüber...

Ich glaube heutzutage versucht jeder alles richtig zu machen. Das geht gar nicht.
Ich habe den Anspruch nicht und wir leben ganz entspannt damit.
Ich finde, die Kinder stehen heute viel zu sehr im Mittelpunkt. Früher waren Kinder einfach Familienmitglieder die genau so Rücksicht nehmen mussten wie alle anderen Familienmitglieder auch. Heute werden "Wunder", oder "Prinzen" und "Prinzessinnen" geboren und nicht gleichwertige Familienmitglieder. Meine Eltern haben mir die alltäglichen Dinge nicht 100 mal erklärt oder mit mir diskutiert oder erklärt warum man eine Jacke oder Schuhe anzieht. Wenn man raus geht wird die Jacke angezogenen. Punkt. Ich finde mittlerweile wird den Kindern teilweise auch zu viel Verantwortung übertragen denn für alle Entscheidungen die ein Kind trifft, muss es auch Verantwortung übernehmen. Warum soll ein Kind selbst entscheiden ob es bei Kälte oder Regen eine Jacke anzieht? Ich glaube nicht dass es daraus lernt wenn es nass wird oder friert.
Naja, ich schweife ab...
Vielleicht werden deine Kinder ruhiger wenn du es auch wirst. Versuche nicht mehr alles perfekt zu machen.
Alles Gute euch

  • (12) 19.06.19 - 16:20

    Da gebe ich dir recht.
    Ich finde auch, dass heutzutage nicht mehr darauf geachtet wird, wie alt ein Kind ist. Es wird von Eltern erwartet, dem 2jährigen alles haarklein zu erläutern, der wahrscheinlich schon nach dem zweiten Satz aufgehört hat zuzuhören, weil er es gar nicht alles erfassen kann. Natürlich muss man Dinge erklären, aber wie du schon sagst, reicht es auch oft kurz und knapp. Das können kleine Kinder viel besser verstehen und verarbeiten, als wenn man ihnen einen Roman dazu erzählt.
    Wenn sie dann älter werden und weiter denken können, wird natürlich in bestimmten Dingen die Erläuterung auch länger.

    (13) 19.06.19 - 17:49
    manchmalfrustriert

    Witzigerweise finde ich mich in deiner Erziehungsbeschreibung total wieder.

    Deshalb schrieb ich 'bei aller Konsequenz und Transparenz'. Hier läuft es bei weitem nicht in Richtung Lassez-faire. Im Gegenteil, je mehr meine Grenzen überschritten werden, desto mehr Verständnis und Grenzen fordere ich. Ich halte nur sehr bedingt etwas von Kommunikation auf Augenhöhe und diskutiere mich nicht wund. Dennoch war zB ein gewichtiger Punkt, dass Kinder sich wahrgenommen fühlen möchten. Auch möchte ich sie nicht immer übergehen, es gibt Dinge, die dürfen sie entscheiden und Dinge die ich entscheide. Und diese Dinge sind auch immer gleich.

    Deshalb betone ich nochmal, ich bin nicht verkopft, ich reagiere meist intuitiv, habe bei Vorschlägen aus Literatur oder der professionellen Begleitung halt etwas optimiert, aber meistenteils war ich auf der richtigen Spur. Also ich tue im Rahmen einer gesunden und ausgeglichenen Erziehung alles. Nur mittlerweile fühlt sich alles dennoch ungesund entgleisend an, denn manchmal grenzt es hier an Misshandlung, wenn eben gar kein Durchdringen zu dem größeren Kind mehr möglich ist und die Tendenz negativ statt positiv aussieht, obwohl man größtmögliches Verständnis aufbringt. Ich suche hier gar nicht nach Rat, den habe ich ja vor Ort, oder wir arbeiten dran.

    Ist das schwer, sich hier verständlich auszudrücken.

    Die Therapeutin sieht keine offensichtlichen Ansätze beim großen Kind und hofft auf Verbesserung nach Schuleintritt. Sie will jetzt das kleine Geschwisterkind in den Fokus nehmen. Verstehe ich, wobei ich dennoch mehr beim ersten Kind dringend mehr Anpassung erwarte.

    Hier ging es mir um Frust ablassen über meinen derzeitigen Alltag, aber auch Frust, was ich hier oft für Ansichten lese, wie ich oben beispielhaft schrieb. Und auch meine Fragezeichen im Kopf ob ich tatsächlich als gewöhnlicher Durchschnittsmensch doch so ungewöhnlich bin, weil ja sonst alle behaupten es läuft so toll, weil sie einfach entspannt sind?

    • Ich habe dir ja auch sowas geschrieben, weil es eben oft das Problem ist, dass man selber zu gefrustet ist und sich das auf die Kinder überträgt... Natürlich ist das nicht das Allheilmittel, so sollte es auch nicht rüber kommen.

      Aber du bist keinesfalls komisch , wenn es nicht klappt, obwohl du relativ entspannt bist. (ich denke vollends entspannt ist keine Mutter, nie 😅)
      Manche Kinder sind halt einfach pflegeleicht und meistens bekommen die pflegeleichten Kinder die Eltern ab, die sich sowieso um nichts einen Kopf machen. Man kann sicher darüber streiten ob nun die Kinder so pflegeleicht sind, weil die Eltern sich keinen Kopf machen. Aber manchmal ist es einfach auch ungerecht verteilt... Vielleicht sollte man es als besondere Herausforderung sehen. Nur die wirklich guten Eltern, bekommen die anspruchsvollen Kinder 🤔

      • Findest du den letzten Satz nicht etwas unfair?
        Nur weil man ein entspanntes Baby bzw Kleinkind hat ist man jetzt als Eltern schlecht?
        Oder macht sich keine Gedanken??
        Ich und viele meiner Freundinnen haben sehr entspannte Babys..aber ich mache mir trotzdem genauso Gedanken und Sorgen. Da es ja nicht an mir liegt das das Kind so ist sondern am Kind selbst.
        Ich weiss es gibt Eltern die loben sich dafür selbst aber das ist doch letztendlich der Charakter des Kindes..und später kommt natürlich Erziehung dazu.

        Der letzte Satz war nicht wirklich ernst gemeint. Kommt geschrieben nicht richtig rüber. Wollte damit keineswegs sagen, dass sich alle Eltern mit pflegeleichten Kindern keine Sorgen machen.
        Ich wollte damit nur sagen, dass man nicht immer einen Grund für alles findet und manche eben entspannte Kinder haben und andere nicht. Manche Eltern provozieren es vielleicht mit ihrem Verhalten. Manche machen 'alles richtig' und trotzdem ist das Kind unentspannt. Manchmal ist es einfach Schicksal?
        Und manchmal hilft es halt sich sowas einzureden, wie meinen letzten Satz. Dann fühlt man sich vielleicht erstmal kurz besser.

Hallo, ich glaube, ich verstehe, was du meinst. Wenn man sich nicht bis zur Selbstaufgabe opfert, wird man als rabenmutter angesehen. Ich bin auch so eine. Ich erkläre nicht in geduldiger Engelsstimme, dass man eine Tomate im Laden nicht quetscht, sondern rufe neinnnnn, sobald es eins meiner Kinder versucht und nehme das Kind da weg. Ich sage an, das Jacken angezogen werden und diskutiere nicht drumherum.

Man muss Kindern auch keine Karte im Restaurant geben und fragen, was es denn essen möchte.
Da reicht die Frage ob Pommes oder Pizza (als Beispiel). Man weiß ja, was die Kinder mögen.

Zu viel Entscheidungsfreiheit ist nicht förderlich, sondern macht das Leben schwer.

Ich muss sagen, bei uns läufts meist sehr gut. Die Frage ist, warum das bei euch nicht so ist, obwohl deine Erziehung straight zu sein scheint.

Gibts beim großen Kind Untersuchungen, warum er so ist, wie er ist? (ADHS usw. schon getestet?)

Ich wünsche dir viel Kraft.

  • (20) 19.06.19 - 19:52
    manchmalfrustriert

    Danke. Du hast mich gut verstanden.

    Zu eventuellen Diagnosen gibt es einen Anfangsverdacht aber nur vage. Bei den kurzen Erst-Test-Situationen ist er total engagiert, weil Erwachsenenafin. Er saugt exklusive Aufmerksamkeit absolut auf und wird erst anstrengend, wenn diese nicht andauernd gegeben ist. Aber es ist alles zu vage im Vergleich zu wirklich auffälligen Kindern, daher wird erstmal abgewartet, was die Schule ergibt.

An meiner Wand hängt ein Spruch
"Nur wenn es mir gut geht kann ich der Welt mein bestes geben"

Niemand kann seinen Kindern immer Verständnis geben, immer alle Bedürfnisse erfüllen, immer zugewand sein, immer tun und imme rmachen, wenn er nicht auch selbst mal irgendwann/irgendwie und irgendwo auftanken kann.

Einem Kind kann es nur gut gehen, wenn es auch den Eltern gut geht, jedem einzelnen und zusammen als Paar. Un da scheinen sich viele zu verlieren, weil das Kind der Lebenstraum und Lebenswunsch ist und viele vergessen dass sie außer Eltern ja auch noch viele andere Aspekte in ihrer Persönlichkeit tragen, die gelebt werden wollen #herzlich

(23) 19.06.19 - 16:36

Danke für den offenen Beitrag...
Du bestätigst mir das, was ich seit längerem beobachte: Kinder werden zu goldenen Kälbern gemacht, um die die Eltern geduldig herumzuhüpfen haben. Ich sage nicht, dass früher alles besser war - aber früher halfen die Kinder bei der Heuernte oder auf dem Acker. Sie haben es alle überlebt, ohne Babyyoga, PeKip und wie das alles heißt. Kinder zu haben wird heutzutage m.E. zu einer Art Rocketscience gemacht, bei denen den Eltern dauernd vorgegaugelt wird, ihr Verständnis und ihre Belastbarkeit sei nicht ausreichend genug. Das verunsichert und macht lenkbar und seien wir mal ehrlich: Die Industrie hat den Baby-/Eltern-/Kindmarkt zur lukrative Einnahmequelle für allen möglichen Unsinn rund ums Kind gemacht.
Und jetzt wird es ketzerisch von meiner Seite: Früher wurde die Menschheit von der Kirche in Angst und Schrecken gehalten, heute schwebt das Damoklesschwert namens "Erziehung" über den Häuptern der armen Mamas und Papas. Anstatt die Eltern zu stärken, werden die Kinder immer stärker gemacht.

Aber: Einer macht und einer lässt es mit sich machen.

Ich bin alleinerziehend mit Zwillingen und ich hätte weder die Zeit, noch die Nerven gehabt, mich von meinen Kids drangsalieren zu lassen. Obwohl sie eineiig sind, sind sie vom Wesen komplett unterschiedlich und auch wir hatten und haben immer wieder unsere Herausforderungen.
Aber: Ich bin halt der Chef daheim. Und das ist gut so. Ich mache klare Ansagen, bin konsequent.
Das Wichtigste: Ich habe MEINE persönlichen Grenzen von Anfang an mit mir selbst definiert. Denn ich wusste: Wenn ich permanent über meine Belastbarkeit trampele oder trampeln lasse, bin ich bald ein Wrack.

Ich muss sagen: Es funktioniert sehr gut. Wir sind ein lebhafter Haufen mit vielen Ideen und Flausen im Kopf, wir können aber auch ruhig und still miteinander leben, und jeder macht seine Aufgaben. Von klein auf.

Persönlich bin ich der Meinung, dass Kinder starke Eltern brauchen, aber so, wie Erziehung von Gesellschaft und Co. vorgelebt und erwartet wird, werden Eltern immer mehr zu Bezahl- und Bespaßmarionetten der Knirpse gemacht.
Mein Partner hat eine Tochter mit knapp 3 Jahren, die bei ihm die Bude rockt mit ihrem Gezeter. Angeblich ist das die Trotzphase oder wie auch immer man das nennen mag. Ich sage: Verzogen nach Strich und Faden.
Er geht auf dem Zahnfleisch. Sie kriegt, was sie will, und es werden 1000 Gründe dafür aufgezählt. Schön und gut - ich bin da jedenfalls raus und tue mir das nicht an.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass meine Omas jemals sowas erzählt haben, geschweigedenn meine Mutter, meine Tanten oder sonst wer von einer älteren Generation.
Früher wäre das einfach nicht gegangen, so ein Tanz ums goldene Kind.

Meiner Meinung nach wird Eltern heutzutage das Recht abgesprochen, sich gut und stark zu fühlen - denn ruckzuck werden sie dann als "lieblose Rabeneltern" abgestempelt.

Einen Rat habe ich Dir nicht, liebe Schreiberin.
Ich kann Dich nur ermutigen, auf Dich zu hören, Deine Belastungsgrenzen auszuloten und diese auch zu artikulieren. Dann kann ein Familiensystem wachsen, in dem sich langfristig alle wohl fühlen.

Mein Motto: Wenn es mir nicht gut geht, geht es meiner Familie langfristig ja auch nicht gut.

Und: Es funktioniert. Aber mir hat man schon spöttisch vorgeworfen, ich hätte einfach nur Glück mit den Twins gehabt. Ich glaube aber nicht daran, dass Erziehung Glückssache ist - sondern eine Frage des "Standings" zu sich selbst. Auch als Mutter.

Alles, alles Gute!

  • (24) 19.06.19 - 17:59
    manchmalfrustriert

    Eine schöne Antwort.

    Deinen ersten Teil unterschreiben ich voll und ganz. Auch deine Handlungsbeschreibung in Erziehungsfragen passt wie ein Deckel auf meinen Topf.

    Und trotzdem setzt es hier dann leider aus:

    " ..Ich muss sagen: Es funktioniert sehr gut. Wir sind ein lebhafter Haufen mit vielen Ideen und Flausen im Kopf, wir können aber auch ruhig und still miteinander leben, und jeder macht seine Aufgaben. Von klein auf...."

    Genau das ist der Knackpunkt! Bei mir funktioniert es leider trotzdem nicht und ein stilles miteinander funktioniert nicht, egal wie ich es herbeizuführen versuche. Genau das frustriert so sehr und ermöglicht es mir eben nicht, meine Grenzen zu wahren. Dafür müsste ich sie einsperren oder misshandeln. Mit erlaubten Mitteln funktioniert es nicht.

    Und wen dann mir ggü formuliert wird, mein Problem sei Hausgemacht, ist das verletzend und macht nicht wütend. Und ich muss zugeben, bei manchen Eltern denke ich auch, dass sie einfach Glück hatten. Es trifft immer nicht Alles auf Jeden zu. Manche machen es richtig und ernten die Früchte, manche haben Glück, manche haben Pech und die Ernte fällt trotz richtiger Arbeit aus.

    LG

Hi,

*Ich tue bereits alles und mehr, als ich leisten kann und trotzdem reicht es meinen Kindern nicht.*

Guck Dir mal den Satz an und lass den wirken. Wer trägt da die Verantwortung? Wer ist "der Chef" und wer "der Lakai"? Und bist Du zufrieden damit?

Mir ist noch nie von einem ernst zu nehmenden Ansprechpartner geraten worden, noch mehr Verständnis zu haben oder noch mehr zu geben. Hier wird das oft verwischt, da gebe ich Dir recht.

In meinem Augen funktioniert das Zusammenleben mit Kindern nur, wenn jeder auch auf der richtigen Position ist.

D.h. ich bin die Erwachsene. Ich trage die Verantwortung und ich bestimme. Ich bewerte auch die Situation. Und ich entscheide, wann es genug ist, im guten wie im bösen. Und ich kann auch die Kritik daran aushalten und ggf. annehmen oder ablehnen.

Wenn ich mir den Satz da oben so ansehe, beißt sich bei Euch die Katze in den Schwanz. Du scheinst derart verunsichert, dass Du Deinen Kindern nicht mehr vermittelst, welche Rahmenbedingungen die richtigen sind. Damit kommst Du Deiner erwachsenen Verantwortung nicht nach und Deine Kinder springen in die Breche und treiben dich quasi vor sich her, in dem sie immer weiter fordernd sind. Unbewusst erhoffen die zwei sich aber, dass Du als Erwachsene ja irgendwann anzeigen wirst, dass ihr den richtigen Punkt erreicht habt. Dann wären sie sicher und könnten sich in diesem Rahmen bewegen.

Und ja, das ist eine ziemlich waghalsige These, die wenig fundiert ist, weil ich zu wenig von Eurer Situation weiß. Aber Du kannst ja für Dich entscheiden ob und ggf. Wieviel davon zutrifft.

Ich finde ein sehr schönes Bild für funktionierende Elternschaft bieten die Sicherheitsanweisungen im Flugzeug. Die, in unserem Fall Mutter, muss sich zuerst die Sauerstoffmaske anlegen und dann erst ihrem Kind, sonst sterben wahrscheinlich beide. Meiner persönlichen Erfahrung nach wollen Kinder genau das, starke, verantwortungsvolle und gleichzeitig liebevolle, wohlwollende und wertschätzende Erwachsene. Sie brauchen einen klaren vorgegebenen Rahmen. Dahinter droht das Chaos sie zu überfordern und davor benötigen sie Schutz. Aber innerhalb des Rahmens brauchen sie ausreichend Raum, um sich frei zu entwickeln. Und Eltern, die sie dabei liebevoll begleiten. Je größer und reifer sie werden, je mehr weiter man den Rahmen. Und die meisten Streitereien entstehen daraus, dass man als Mutter verpasst hat, den Rahmen rechtzeitig zu weiten oder dass das Kind sich überschätzt und den Rahmen zu beengt findet.

Meine Antwort auf Deine Frage wäre daher nicht ja oder nein, sondern es ist eigentlich ganz anders. Wenn der Rahmen stimmt und es mir gut geht, weil ich gut auf mich achte. Und ich habe keinen Grabenkämpfe, weil die Rollen- und Verantwortungsverteilung gut läuft. Dann hab ich viel mehr Kapazität, empathisch miteinander zu leben. Und zwar von allen Beteiligten. Aber auch erst und nur dann.

Liebe Grüße
die Landmaus

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