Belastbarkeit, was ist anders

    • (1) 23.06.19 - 15:30

      Hallo

      Ich lese in vielen Beiträgen das man Überlastet ist, meist Frauen.

      Woher kommt das eigentlich, denn es ist doch erschreckend wie wenig wir heute aushalten.

      Meine Großeltern hatten 6 Kinder, sind geflüchtet bauten Deutschland wieder mit auf.

      Meine Eltern, das erste Kind bekam meine Mutter mit 23, zweite mit 24 und das dritte mit 28, mein Vater war 2 Jahre älter als meine Mutter.

      Als das 3 Kind 4 Monate alt war zogen wir in unser Haus, das gebaut wurde als meine Mutter schwanger war und 2 Kleinkinder an der Backe hatte. Kindergarten haben wir verweigert.

      Ach meine Mutter arbeitete Freitags und Samstags in einem Friseurgeschäft.

      Dann ergab es sich das meine Mutter die Meisterprüfung machte und im Haus ihr Salon war.

      Meine kleine Schwester hatte eine Kinderfrau aber nicht täglich wie es mit den Zeiten war weiß ich nicht mehr.
      Den Haushalt machte meine Mutter, wir halfen als wir größer waren klar.
      Gebügelt hat meine Mutter abends.
      Mittags hatte sie gekocht und abends für Papa warm.
      Sie nähte Reißverschlüsse in unsere Jeans mit der Hand ein im Nähmaschinenstich.


      Gut das ist nun mal ein Beispiel

      Woran liegt es aber das die Menschen heute nicht mehr belastbar sind.

      • (2) 23.06.19 - 15:35

        Vielleicht daran, dass heute die Ansprüche an einen selber (und die vom Umfeld und der Gesellschaft mehr oder weniger deutlich geäußerten) ganz andere sind. Für das Wunder und die Prinzessin muss alles perfekt sein. Und perfekt gibts nicht. Das macht permanent das Gefühl, nicht gut genug zu sein.

        • "Perfekt" gibt's nicht, damit macht man sich nur selbst unglücklich.

          Es ist interessant, den Leuten zuzuhören. Meine Beobachtung: der Gebrauch dieses Wortes ist direkt proportional mit seiner persönlichen Überforderung. Je nach Charakter entwickeln sich daraus unterschiedliche Probleme: Neid, Missgunst, Depression, Aggression.

          Im übrigen denke ich auch, dass es uns heute einfach zu gut geht, wir jede Relation verloren haben und verweichlicht sind. Muss sich aber jeder selbst bei der Nase nehmen. Bisschen Demut würde vielen gut tun.

          Dennoch bin ich sehr froh, heute zu leben!!

          • Im übrigen denke ich auch, dass es uns heute einfach zu gut geht, wir jede Relation verloren haben und verweichlicht sind. Muss sich aber jeder selbst bei der Nase nehmen. Bisschen Demut würde vielen gut tun.


            Ich finde damit hast du es auf den Punkt gebracht 😉

          • Ich denke nicht, dass es uns heute zu geht oder die heutige Generation verweichlicht ist, früher gab es genauso gut Mütter, die an ihre Belastungsgrenze kamen und sich ausgelaugt fühlten, man sprach vermutlich nur viel weniger darüber.

            An die TE : Ganz ehrlich, wenn ich solche Beiträge lese, aktiviert sich mein Gähn-Modus. Außerdem kann ich diese Beobachtung überhaupt nicht teilen, ich sehe in meinem Umfeld wahnsinnig viele, überaus fleißige Frauen die die Mehrfachbelastung von Job, Kinderbetreuung, Haushalt und Co sehr gut meistern und der Anteil an "Gejammer" wesentlich geringer ist, als wie du es beschreibst. Es ist ja auch wunderbar, dass deine Mutter so eine Superfrau gewesen ist, das macht andere Mütter, die weniger leisten nicht schlechter.

            Ganz abgesehen davon stellt das Aüßern seiner eigenen Bedürfnisse für mich eine Stärke dar, darunter zählt auch seine eigenen Belastungsgrenzen zu kennen. Wie gesagt, stärker waren die Frauen damals sicherlich nicht...

            • Vielleicht nicht stärker, aber sicher demütigen. Heute wird vieles in Frage gestellt (insbesondere wird immer nach einem "Schuldigen" gesucht, schicksalhafte, Ereignisse werden kaum akzeptiert), was früher einfach hingenommen wurde bzw. werden musste (da hatte die stärkere Religiosität eventuell auch einen Anteil). Dadurch wurden weniger Ressourcen gebunden und die Energie konnte woanders eingesetzt werden.

              • "demütiger"

                Demütiger? Ich würde es eher als ein auferlegtes Rollenklischee bezeichnen, was natürlich auch enorme Erwartungshaltungen mit sich brachte und es sich nicht "schickte" das laufende System in Frage zu stellen und das Idealbild eben durch eine tüchtige Hausfrau und Mutter geprägt war und implizierte, dass sie dabei auch noch super glücklich ist. Ähnlich wie Werbung, wo die Frauen beim Wäsche waschen und bügeln das wahre Glücksgefühl empfinden. Die Erwartungshaltung existiert noch heute, die eigene Belastungsgrenze zu nennen scheint auch wohl immer noch teilweise als Schwäche angesehen zu werden.

                Was meinst du mit schicksalshaften Ereignissen? Spontan fällt mir dazu nur der Tod oder eine Krankheit ein, alles andere ist für mich kein Schicksal und es ist doch zu begrüßen, dass nach dem Grund gesucht wird. Und das Hinterfragen sollte doch auch begrüßt werden und ist doch ne super Resource. Und wer sagt denn, dass früher nicht hinterfragt wurde? Es wurde vermutlich nur nicht so nach außen getragen.

                • In meiner Argumentation geht es mir darum, dass z.B. Eltern heute Kämpfe auf sich nehmen, die früher nicht gekämpft wurden. Das kostet Energie. Diese Energie fehlt halt dann woanders.

                  Früher: Kind tut sich schwer in der Schule? Macht es halt eine Ausbildung, die ihm liegt.
                  Heute: Kind tut sich schwer in der Schule? Da muss der Lehrer schuld sein, der sich dem Kind nicht genug widmet. Oder die Schule, die pädagogisch schlechte Lehrer einstellt. Oder das Schulsystem, dass nicht individuell genug auf jedes Kind eingeht. Da werden Kinderpsychologen aufgesucht, Geld in Nachhhilfe gebuttert, Druck auf die Kinder ausgeübt... Hauptsache, das Kind quält sich irgendwie durch die Schule bis zum Abitur.

                  Ich vermag nicht zu bewerten, was nun besser ist - beides hat seine Vor- und Nachteile. Idealerweise findet man eine gesunde Balance.

                  • (10) 25.06.19 - 22:22

                    Bis zu einem gewissen Punkt gebe ich dir sogar recht. Aber: wenn ein Kind in der Schule so abschmiert, ist es heute meist vorbei! Eltern machen sich deshalb mehr Gedanken natürlich. Aber heute wird man eben kein Tischler mehr, wenn man nur einen Hauptschulabschluss hat. Da muss man erst eine Ausbildungsstelle finden. Gibt genügend Jugendliche, die ohne Perspektive „auf der Straße“ gammeln, weil sie keinen vernünftigen Abschluss haben und ihre Eltern da nicht genug Energie reingesteckten. Früher, da könnte man sich sicher sein, hab es irgendwie für jeden eine Ausbildungsstelle. Heute sind das alles Berufe, auch da geht ohne guten Realabschluss nichts mehr. Viele Berufe sterben auch aus... oder sind finanziell so unattraktiv, dass viele beim Amt einfach mehr bekommen... in dieser Hinsicht, kann man es den Eltern nicht verübeln, das sie so reagieren. Heute muss man auch in dem schulischen Bereich einfach mehr Zeit stecken, als früher. Da würde sowas gänzlich der Schule überlassen. Heute sind die schulischen Anforderungen ein Fall für sich. Darüber braucht hier wohl keiner diskutieren und dennoch schneiden wir in direkten Vergleichen mit anderen Ländern schlecht ab! Das liegt gewiss nicht nur an den Eltern und den Schülern, sondern auch am System.
                    Und der eine oder andere Lehrer ist machmal auch nicht ganz unschuldig an der Situation. Mein Kind ist noch unter 3, aber ich kann mich noch Hutband meine Lehrer erinnern. Habe selber Abitur gemacht und das war kein Spaziergang. Ich erinnere mich noch gut an den einen oder anderen Lehrer, der eher aus Rache, als aus Berufung Lehrer wurde. Man kann einem Schüler auch viel versauen, nur weil der Schüler dem Lehrer nicht sympathisch ist. Mein Englischlehrer war ständig besoffen, hatte eine Fahne... du liebe Güte. Einmal fuhr er frontal gegen das Schultor und torkelte aus dem Auto. Dennoch hat er uns unterrichtet. Wir hatten alle schlechte Englischnoten. Nachdem sich einige Eltern zusammen Tagen, weil sie eben diese Situation nicht mehr witzig fanden, wurde er in eine andere Klasse versetzt. Die Noten hingegen schnell bergauf... mein Mathelehrer war der Typ, sie brauchen keine Tafel und keine Hefte, wir machen das so aus dem Buch heraus. Visuell war da nix. Er war der Meinung steht doch da, wer lesen kann ist klar im Vorteil. Das führte dazu, dass keiner mehr was fragen wollte, weil nur solche dummen antworten kamen.
                    Was ich sagen will. Ja, Eltern machen sich heute mehr Stress, aber das ist auch im Grunde ihr Job. Belehre mich, wenn ich falsch liege. Ich putze meinem Kind nicht bis zum Abschluss den hintern ab, aber ich schaue schon, dass alles im Rahmen bleibt. Hier wird geschaut wo das Problem liegt. Wenn mein Kind faul ist und seinen Aufgaben nicht nachkommt, ist es meine Aufgabe dafür zu sorge, dass es zu Potte kommt. Merke ich die Noten rutschen ab, es gibt Ärger mit dem Lehrer, gehe ich dem nach... so wie meine Eltern es gemacht haben, „sieh zu wie du klarkommst“, so stelle ich mir das „Muttersein“ auch nicht vor.
                    Keine Ahnung, Dass leben und die Anforderungen haben sich geändert. Manchmal hat man keine andere Wahl, als sich zu fügen. Wenn ich mir allein anschaue, wie oft meine Mutter mal einen Kuchen gebacken hat, den ich mitnehme zur Schule, wenn ich Geburtstag habe, komme ich auf null Komma null. Inder Kita Elterngespräch? Wofür es war die Kita... heute völlig normal. Genauso das einbringen in Schulfeste... welche Mutter stand da den Tag über am Stand? Meine nicht, die meiner Freunde auch nicht. Meist standen da die Lehrer, eher Lehrerinnen und mal vereinzelt die eine oder andere Mutter der sogenannten Streber. Heute stehen da fast nur Mütter, heute wird erwartet, dass man sich mehr einbringt. Mehr am Alltag der Kinder teilnimmt. Heute werde bei Ausflügen in der Kita Eltern gefragt, ob sie als Unterstützung dazu kommen, wegen mangelndem Personal... das alles gab es früher nicht so wie heute. Aber dessen kann man sich nicht wirklich entziehen, weil man fürchtet sein Kind zum
                    Außenseiter zu machen, dass das eigene Kind dann negativ auffällt, also reißt man sich zusammen. Ja früher gab es davon vieles eben einfach nicht. Zum anderen Teil wollen. Gibt aber natürlich immer welche, die immer einen oben drauf setzen wollen und auch über das Ziel hinausschießen, aber das ist eher nicht die Regel! Ich würde tatsächlich eine schuld- Tüte gleichberechtigt zwischen allen aufteilen, aber nichts ausschließlich den Eltern von heute die alleinige Schuld zuschreiben. Ich denke, dass ist einfach ungerecht!
                    Lg

      (11) 23.06.19 - 15:43

      Liebe Arianne41,

      ich denke als Frau hat man heute eine Menge an der Backe. Neben Familie, Kinder, Beruf und Haushalt. Von Eltern wird heute mehr Engagement erwartet als früher. Ob es nun Kindergarten, Schule oder sogar Beruf. Heute hat man mehr Termine mit den Kindern, die nachmittags abgearbeitet werden müssen wie zum Sport bringen, Spielebesuch, Therapietermine etc.

      Und wenn man zu der Gruppe der Mütter/Väter gehört, die zu Hause noch behinderte Kinder oder einen alten Menschen zu pflegen hat, dann hat man noch zusätzliche Belastungen wie vermehrte Arztbesuche, Therapien, vielleicht noch Hilfsmittelanpassung etc. Und dazu gehört es noch die eigene Familie unter einen Hut zu bringen. Dazu gehöre ich auch. Habe einen frühkindlichen Autisten zum Pflegen und Betreuung. Und eine Mutter, die im Pflegeheim wohnt, um die ich mich auch noch kümmere. Und das neben der eigenen Familie und Beruf.

      Das ist das heutige Leben. Und da hilft häufig nur Zähne zusammenbeißen und durch.

      LG Hinzwife

      • (12) 23.06.19 - 16:03
        Kenne ich so nicht

        Ich habe drei Kinder groß gezogen und war immer Vollzeit berufstätig.
        Da ich abends nie vor 19.00 nach Hause kam, stand ich nachmittags für Termine welcher Art auch immer nicht zur Verfügung.
        Die Kinder haben ihre Hausaufgaben und Schulischen Belange alleine geregelt und sind nachmittags mit dem Fahrrad zum Sport oder zu Freunden gefahren, ab dem Schulalter.
        Vorher war das kein Thema.

      (15) 23.06.19 - 16:04

      Allein die ganzen U- Untersuchungen, die sogar der Senat prüft, ob sie gemacht werden...
      das gab es früher alles nicht! Meine Mutter staunt oft, wie viele Termine ich mit meinen Kindern habe und sagt selbst, dass hätte sie früher überhaupt nicht geschafft. Ich muss es aber schaffen!!

      Gerade in der heutigen Zeit, wo alle Arbeitgeber eine ausschließliche flexible Arbeitszeit erwarten, muss man schon richtig fuchsig planen, wie alles machbar ist! Und selbst dann kommt viel zu kurz!

      • (16) 23.06.19 - 16:18

        Ja da müssen wir als Eltern durch. Und meine Mutter ist bis heute darüber entsetzt warum ich mit meinen Kindern (besonders mit dem Jüngsten, Autist) soviele Termine hatte. Ich bin froh, dass wir das jetzt aber so halbwegs hinter uns haben. Der Große ist erwachsen und der Kleine (Pubertät) hat nicht mehr soviele Termine wie früher bzw. das würde er heute zeitlich wegen dem Nachmittagsunterricht nicht mehr schaffen.

        (17) 23.06.19 - 16:27

        "Gerade in der heutigen Zeit, wo alle Arbeitgeber eine ausschließliche flexible Arbeitszeit erwarten, muss man schon richtig fuchsig planen, wie alles machbar ist! Und selbst dann kommt viel zu kurz! "

        Kenne ich irgendwo her. Als meine beiden 3 und 8 Jahre alt waren, wurden alle naselang die Schichtpläne geändert. Da durfte ich lang geplante Termine privat wieder mal in Frage stellen. Oder zu Hause angerufen, wenn man frei hatte, ob man nicht am nächsten Tag arbeiten kommt, weil kein Personal da war. Und das hieß wieder alles neu organisieren, sich mit Partner absprechen, ob er einspringen kann. Das ist Stress pur.

(18) 23.06.19 - 16:01

Heute wird einfach mehr erwartet. Du sagst ja selbst, Kindergarten habt ihr verweigert. Deine Mutter arbeitete zunächst freitags und samstags...
heute können Kinder nicht einfach die Kita verweigern, sie haben keine Wahl, wenn die Eltern arbeiten müssen.

ich kann mich z.b nicht erinnern, dass meine Eltern mit mir Hausaufgaben machten oder groß schauten, was so in der Schule los war. Hausaufgabenheft kannten wir überhaupt nicht. Auch kann ich mich nicht erinnern, dass meine Eltern sich mit uns hinsetzten und ein spiel spielten oder groß mit uns an der Sandkiste spielten oder in Baby-Gruppen zum turnen oder sonstiges gingen. Da liefen Kinder eben so mit.

Wir schauten viel fern, waren die halben Tage allein. Geschwister passten aufeinander auf. Mal besser mal schlechter. Keiner sprach darüber, dass ein schlimmer Unfall passierte, einem Kind unter gewissen „Zuständen“ etwas passiert war (z.b weil es schon mit 5 allein zur Vorschule ging). Dann war es eben so. Da rief die Lehrerin nicht gleich beim Jugendamt an, was denn in der Familie los war. Kinder saßen vor der Schule und warteten manchmal halbe Stunde darauf, dass ihre Eltern sie abholten oder wer auch immer, das interessierte keinen Lehrer. Darauf schaute keiner so, wie heute. Wehe eine Mutter kommt 5 Minuten zu spät, um das Kind von der Kita abzuholen. Das wird beim dritten Mal, je nach Einrichtung und Erzieher (einige drücken auch Augen zu) gemeldet.

Heute sieht das alles anders aus. Von Eltern wird oft mehr erwartet, was die Kinderbetreuung anbelangt. Heute müssen viele Mütter zügig wieder arbeiten gehen, nicht nur freitags und samstags, sondern die ganze Woche und mit Pech noch am Wochenende. Viele haben auch kein Glück ein Salon im Haus zu haben und die Kinder, wie früher üblich nebenbei zu „betreuen“ heute sind Kinder an Arbeitsstellen verboten. Die Sicherheitsvorschriften sind höher. Meine Mutter nahm mich früher oft mit zur Arbeit. Ich spielte in einer Ecke.. heute undenkbar.
Die Belastung ist heute anders. Auch Frauen müssen heute mehr stemmen, auch wenn es nicht danach ausschaut.

Ich würde auch nicht sagen, dass Frauen früher belastbarer waren, dass stimmt nicht. Wer sagt, dass sie nicht überfordert waren??? Man sprach nur nicht so wie heute darüber. Man sprach eigentlich über nichts!
Wenn ich so einige Generationen höre, klingt es sehr wohl nach, „oh Gott, ich weiß gar nicht wie ich das gemacht habe, ich war so überfordert und ständig kaputt und hatte überhaupt keine Nerven für meine Kinder“.

Ich glaube man denkt immer nur, dass es früher „besser“ war, aber ich wäre lieber heute nochmal Kind, wenn ich mir so die Kindheit eines Kindes heute und damals anschaue. Ich hatte überhaupt keine Kindheit! Ich war eine kleine Erwachsene, die zu funktionieren hatte, weil meine Mutter keine Zeit und Nerven hatte mich Ein Kind sein zu lassen. Ich musste mit 10 auf meinen Bruder 4 aufpassen, weil sie dann ja jemanden hatte, der auf das Kind aufpasste, während sie kochte, bügelte, arbeiten ging. Die Kinder übernahmen schon viel früher viel mehr Aufgaben.
War halt so, ist ok. Für meine Kinder will ich das nicht, sie sollen Kinder sein. Ist eben eine andere Zeit, dass kann man einfach nicht vergleichen.

Es kommt sicher auch immer darauf an, wo man genau aufgewachsen, aber so war es bei uns hier üblich...

  • Hallo
    Zu meiner Kindheit war meine Mutter eine Ausnahme die meisten waren Hausfrauen.
    Bis 1973 musste der Ehemann die Erlaubnis geben das die Frau arbeiten darf.

    Trotzdem konnten sich viele ein Haus bauen.

    • (20) 23.06.19 - 23:03
      Sooooosooooosoooo

      „Zu meiner Kindheit war meine Mutter eine Ausnahme, die meisten waren Hausfrauen“

      Na, dann hast du ja schon mal einen wichtigen Punkt, der deine Frage beantwortet. Die meisten sind heute berufstätig. Ist eben doch noch eine ganz andere Nummer, wenn man 6-8 Stunden arbeitet und noch Hausfrau und Mutter in einem ist. Da hast du schon mal einen wichtigen Faktor, der heute anders ist, als damals. Frauen haben heute bisschen mehr auf dem Zettel.

      „Trotzdem konnten sich viele ein Haus bauen“
      Nun, da schau dir einfach mal die Preise heute an und damals. Natürlich hinkt auch hier der Vergleich, bis zu einem gewissen Punkt. Aber wenn man alle Faktoren zusammen rechnet und es herunter bricht, kannst du einen ganz guten Vergleich ziehen, wie sich die Löhne verändert haben und die Kaufpreise, gar mieten.

      Damals war ein Mann dazu in der Lage, bei einem normalen Vollzeitjob seine Familie zu ernähren, während die Frau zuhause blieb. Heute ist das nicht mehr so.
      Könnte man sich heute ein Haus bauen, ein normales Leben leben, obwohl ein Elternteil zuhause ist... glaub mir, dann würden nicht so viele arbeiten! Gewiss gibt es auch heute solche Konstellationen, aber sie sind gewiss nicht der Standard. Jedenfalls nicht bei uns.

      Ich glaube nicht mal, dass wir weniger belastbar sind, sondern, dass wir überbelastet sind. Wenn ich mir anschaue, wieviele Mitarbeiter in betrieben reduziert werden, die die restliche Belegschaft zu den selben Konditionen mitübernehmen muss, frage ich mich oft, wohin das führen soll.

      Ich habe selbst eine Tochter (2 Jahre) nur ein Kind und arbeite Vollzeit. Mein Mann verdient nicht schlecht und dennoch ist ein Hausbau einfach so nicht mal eben so machbar.

      Meine beste Freundin arbeitet in der Gebäudereinigung... sie verdient 1.300 Euro netto, in Vollzeit. Ihr Glück ist, dass ihr Mann ordentlich verdient und sie ganz gut davon leben können. Hätte sie z.b einen Arbeitskollegen geheiratet, hätten sie zusammen knappe 2.600 Euro zusammen. Wer kann davon anständig leben? Sich gar ein Haus bauen? Es gibt weitaus mehr geringverdiener, als wir denken. Meine Freundin steht jeden Morgen um 3:30 auf und beginnt um 4:30 ihre Arbeit. Da sie nicht 8 Stunden am Stück eine Einsatzstelle hat, pendelt sie von hier nach da. Meist ist sie elf, bis zwölf Stunden unterwegs, damit sie 8 effektiv verdient. Dazwischen ist entweder Fahrzeit (die viele Firmen abzwacken und nicht bezahlen, weil viele nicht wissen, dass sie ihnen zusteht) oder sie müssen die Zeit bis zur nächsten stelle überbrücken... Freizeit und Erholung ist s jedoch nicht. Oftmals haben sie noch in den späten Stunden eine einsatzstelle... den ganzen Tag in Tour. Ich kenne das, weil ich das selbst neben dem Studium gemacht habe! Kein einfaches Leben, kann ich sagen. Daneben muss sie immer schauen, wie sie ihren Sohn von der Kita abholt (der Mann fährt ihn) die Termine für ihren Sohn koordiniert (Logopädie, physio) arzttermine (Augenarzt, Zahnarzt) und nebenbei noch den Haushalt erledigt, da ihr Mann, dadurch dass er den Sohn in die Kita fährt, Gleitzeit arbeitet und dementsprechend später zuhause ist. Abends um 21 Uhr, wenn der lütte eingeschlafen ist, huscht sie noch kurz durch die Wohnung und geht selber ins Bett. Oftmals arbeitet sie auch am Samstag bis mittags...
      ich habe das selber viele Jahre gemacht.
      Ich kenne solche Belastungen, vor allem, wenn man noch kleine Kinder (wie wir) haben, die nachts Nacht durchschlafen. Die ältere Generation hat die Tür im Kinderzimmer geschlossen und fertig. Da wurde das Kind schreien gelassen, ob es zahnte und schmerzen hatte oder sonst was, war egal, so war es eben. Heute schlägt man sich mit einem wimmerden Kind die Nacht um die Ohren... da soll mir keiner sagen, wir sind nicht mehr belastbar. Das Gegenteil ist odtmals eher der Fall, wir sollten mal ein Gang vom Pedal runter. So viele psychische Erkrankungen und Erschöpfungsdiagnosen kommen nicht von ungefähr!

      Gewiss gibt es die Ausnahmen, die es sich auch mal „leicht“ machen. Aber das ist normal. Da wo ein extrem über Jahre klafft, entsteht immer auch eine Gegenbewegung auf der anderen seite. Das wird nicht weniger, wir merken es schon jetzt, dass es immer mehr extreme gibt... das Volk benötigt Erholung.
      Viele sind so ekngespannt, für so wenig Gehalt, dass sie noch nebenjobs annehmen müssen, damit sie ihr Leben gestemmt bekommen.
      Ja, viele fahren zwei Autos. Hatten wir auch viele Jahre. Luxus? Nicht wirklich, es war notwendig, sonst kam ich mitten in der Nacht nicht zur Arbeit, es fuhr keine Bahn!!! Ich hab viele Jahre in der Innenstadt gereinigt und bin anschließend zur Uni. Die erste Bahn fuhr um 4:17, da war ich schon am arbeiten. Aber hinterher dürfte ich ab 9 Uhr noch die Parkuhr füttern... zum Glück nur eine stunde, dennoch. Hätte ich lieber auf das Auto verzichtet, aber als Frau, um die Uhr alleine in der Bahn sitzen... hmmm, dann doch lieber den Luxus eines alten abgefahrenen Twingos ohne Servo Lenkung...

      Was ich damit sagen will. Ja, das Leben der älteren Generation war für die damaligen Verhältnissen nicht leicht, aber ich finde nicht das unsers zu unseren heutigen Verhältnissen und anfordertungen sonderlich leicht ist. Wenn man nicht zufällig zu den gutverdienenden gehört. Gibt sehr viele Menschen hier, die eigentlich so an der Grenze zum Mindestlohn verdienen, dass sie als arm gelten.
      Gibt unzählige Berufsgruppen, (Frisöre, Arzthelfer, Maler und Lackierer, Mechaniker Gebäudereiniger, Gärtner...) die erzählen einem dann was davon, wie verwöhnt sie doch sind in der heutigen fetten Gesellschaft.

      Allein ein Arzt, der früher ja schon fast ein Gott war, lamentiert heute, dass es sich schon nicht mehr lohnt dafür zu studieren.
      Ich glaube nicht, dass man eine Gesellschaft, als „weicherer“ bezeichnen sollte, die sich wirklich den hinter aufreißt und zunehmend erschöpft an den extremen Arbeitszeiten, ausbeuten, Niedriglöhne etc. Ich denke eher, es wäre mal angebracht, an einen Umbruch zu denken und einigen „Erleichterung“ zu verschaffen.

      Damals war es auch üblich, dass Großeltern, oftmals die Betreuung der Enkelkinder übernahmen, damit die Eltern arbeiten konnten. Flexibler waren, noch so ein Punkt. Die Familien werden kleiner, jeder für sich. Die Großeltern müssen teilweise (bei dem hohen Renteneintrittsalter) selber arbeiten, am besten vom Job direkt ins Grab hüpfen, damit noch Rente gespart wird an ihnen.
      Krank sein darf sich bei den Leistungssätzen auch keiner mehr leisten. Eine vernünftige und gesicherte zahngesundheit kostet ja auch schon ein Vermögen. Dass muss alles bezahlt werden, heute haben wir ein Europa, dass finanziert werden will und es sind gewiss nicht nur die Männer, die es finanzieren, sondern auch wir Frauen.

      Von daher würde ich einfach mal über den Tellerrand schauen und von solchen Grundsätzlichen pauschallaussagen wirklich Abstand nehmen. Ich finde allein die Frage ist abwertend, allen gegenüber, die sich den arsch auf gut deutsch aufreißen. Leben nicht alle wie Gott in Frankreich und Sonnen sich den ganzen Tag im Garten und machen Urlaub auf Bali! Gibt sehr viele, die werden ihr ganzes Leben von solch einem Leben nur träumen.
      Außerdem wollen es so viele heute mit ihren Kindern anders machen, eben weil ihre Kindheit nicht so prickelnd war. Man muss sich einfach mal überlegen, warum diese Bewegung in der Kindererziehung gekommen ist!? Gewiss nicht, weil die damalige Erziehung so toll war, sondern weil man zu dem Entschluss gekommen ist, dass sie ziemlich fragwürdig war, um es mal nett zu sagen.

      Aber das ist Ansichtssache und jeder hat seine Meinung. Ich distanziere mich jedoch von der Aussage. Ich bin gewiss kein weichei! Ich arbeite seit ich 15 bin für meine Belange. Lag nie jemanden auf der Tasche und arbeitete hart für mein Studium. Ich arbeite mir noch heute den arsch wund, zu teilweise unmöglichen Zeiten, damit ich so viel Zeit wie möglich mit meinem Kind verbringen kann und ihr eine Kindheit ermögliche, die ich nicht hatte und so wie mich, gibt es viele andere. Die beißen was weg, trotz nächte mit weinendem Kind auf dem Arm und stehen nicht da und erzählen, dass sie einfach die Tür zugemacht haben, weil es unerträglich war und sie sonst nicht schlafen konnten, wobei sie ja nicht mal gearbeitet haben und Hausfrauen waren. Da frage ich mich, wer belastbar ist.
      Es gab schon früher, so wie heute zwei Arten von Menschen, da kann man nicht alle über einen Kamm scheren.

Du triffst den Nagel auf den Kopf!!!
Ich habe mit fünf meinen Bruder vom Kindergarten abgeholt. Habe ihm eine Schnitte gemacht und dann auf unsere Mutter gewartet. Die kam oft erst halb sieben, oder sieben. Ich bin in den neuen Bundesländern groß geworden. Da war das Gang und Gäbe. In unserem Krankenhaus haben Krankenschwestern Nachts ihre Kinder allein Zuhause gelassen, wenn sie niemanden hatten. Da wurde gar kein großes Gewese gemacht...
Unsere Mutter hat nie mit uns gespielt, nie vorgelesen oder sonst etwas. Kinder liefen mit, die hatte man... Sie hat Vollzeit gearbeitet und war auch noch allein erziehend. Der Haushalt war stets geleckt. Den Anspruch mehr Mutter zu sein, hatte sie nicht. Wir waren Erwachsene die funktionieren mussten.
Und heute hat man zu dem ganzen Kram, den meine Mutter hatte, dann noch den Willen, das es die eigenen Kinder schöner haben, als man selbst. Ich würde sagen, verweichlicht sind wir heute nicht... Es ist eben eine andere Zeit!

sehr gut geschrieben

Ergänzend:

heute: telefonische Erreichbarkeit vorausgesetzt! (wer private Handynummer dem AG gegenüber verweigert, achtet zwar auf sich selbst, macht sich manchmal aber auch "ob die was zu verbergen hat" oder zur Außenseiterposition - es gibt auch andere Möglichkeiten)

Termine: Nachmittagstermine bekommen ist schwierig.

Termine haben sofort und zackig zu funktionieren. Wenn ich sage, dass ich mit den Öffentlichen x Zeit brauche, werde ich darauf hingewiesen, dass ich ein Auto zu haben habe - Augenfehler haben heute korrigiert zu werden (auch wenn es nicht möglich ist)

Meine Mutter war eine große Ausnahme mit Auto. Ihr Umfeld ohne Auto kam super klar - es war alles darauf ausgerichtet, dass es ohne Auto funktionierte.
Heute ist es darauf ausgerichtet, dass es ohne Auto schwierig werden kann. Keinen Parkplatz gefunden zu haben, wird akzeptiert.


Ständige Erreichbarkeit in Beruf und Privatleben.

Bei einigen AG auch kein Freizeitausgleich wegen zu wenig Personal.
Hohe Arbeitsauslastung um sich ggf. weitere AN zu sparen. Bricht einer gesundheitlich weg, gibt es einen Dominoeffekt.

Wieder gesund werden kann auch schwierig sein. Einige Ärzte untersuchen hier nicht mehr: wenn sie etwas behandlungsbedürftiges finden, reicht das Budget für die Behandlung nicht mehr aus.
Nehmen Sie Antidepressiva / Erkältungsmittel (ohne Erkältung), Schmerzmittel, fragen Sie in der Apotheke und sparen sich das Geld für die Blutuntersuchung ... habe ich inzwischen sehr oft gehört. NIcht nur ich. Bluttest hätte ich auch selbst bezahlt. Ich wollte wissen was los ist.

Inzwischen weiß ich es seit kurzem. Ein Arzt nach sehr langer Suche war dann bereit bei bestehenden Symptomen zuerst einen Bluttest zu machen - und meinte, dass meinen Werten Antidepressivum überflüssig wäre, richtige Behandlung würde mehr bringen. Ursachenforschung geht weiter, da fehlt noch was an Herausfinden. Eisentropfen können bei entsprechenden Werten jedoch schon einiges bewirken.

Freunde im Schichtdienst, die ihren Tag nicht mehr frei bekommen (Personalmangel)
Vor 30 Jahren sah das in den gleichen Kliniken noch anders aus. x Tage Arbeit, x Tage Ausgleich. Heute heißt es: warum geben Sie nicht Ihre Handynummer? Im Notfall brauchen wir Sie. Doppelschicht, 7 Tage die Woche. Anfragen kommen immer wieder. Wer es mitmacht, bricht zusammen. Wer es nicht mitmacht - Kollegen brechen zusammen, wenn keiner mitmacht: Patienten brechen zusammen und sterben.

Das wiederum baut emotionalen Stress und Zwiespalt auf. Verantwortung im Beruf, es gibt ja Gründe, warum genau dieser Beruf trotz Unterbezahlung - und nicht mehr ertragen, welche Folgen es hat, wenn man auf sich selbst achtet.



Früher konnte ich nachts zwar nicht schlafen, aber es war dunkel und leise nachts.
Heute ist es laut: Motorradfahrer, die nachts um 3 Uhr Vollgas geben (interessiert keinen), Beleuchtung von Werbereklamen, kaum natürlicher Rhythmus durch Arbeitszeiten, Stress, telefonische Erreichbarkeit

Ich habe noch nie verstanden, wie eine Generation der anderen vorwerfen kann, nicht belastbar zu sein.
Auch der Satz "die Jugend von heute..." ist ja uralt.
Meine Großmutter hatte 4 Kinder und war berufstätig. Damals hätte ihr Ehemann ihr das verbieten können... Das Mittagessen stand Dank technischer Hilfsmittel (programmierbarer Herd) immer pünktlich auf dem Tisch. Das war auch wichtig, denn damals hätte noch praktisch jeder Arbeitnehmer eine Mittagspause. Und um 16.00 Schluss. Nur Verkäufer arbeiteten länger - nach Dienstschluss wurden Lebensmittel gekauft (zu Fuß) und abends wurde gewaschen und gebacken.
Samstag hatten alle früher Feierabend und die Kinder kamen eher aus der Schule... Beide Großeltern (also weitere 4 Erwachsene!) wohnten mit im Haus.

Meine Mutter hatte nur 2 Kinder und war erst wieder berufstätig, als die jüngere auf die weiterführende Schule kam. Ist das jetzt schlechter? Meine Mutter hatte keinen Tante-Emma-Laden mehr vor der Tür, Kartoffeln wurden nicht mehr angeliefert und im Keller gelagert. Die Hobbies der Kinder waren nicht mehr fußläufig zu erreichen und sowohl mein Vater als auch meine Mutter fuhren mit dem Auto zur Arbeit, weshalb auch beide Führerschein hatten (eine Generation eher nur meine Oma).

Ich habe auch zwei Kinder, arbeite 25 Stunden pro Woche, wir haben beide Führerschein, kaufen trotzdem manchmal mit dem Fahrrad ein und kutschieren die Kinder abwechselnd zum Hobby ins Nachbardorf. Kann ich mich jetzt damit brüsten, wieviel ich schaffe? Liegt meine Freundin, die mit derselben Kinderanzahl z Zt. nicht berufstätig ist, auf der faulen Haut?


Klar, ist es immer ein Spagat. Ich behaupte, Teilzeit-Arbeit und Kinder mit wenig Betreuung ist am anstrengendsten. Aber ich habe mir das ausgesucht.
Und eine Generation gegen die andere auszuspielen geht Mal gar nicht. Je nachdem wie weit man zurück geht war wirklich ALLES anders. Na und?

LG!

Ach ja:
Das Müttergenesungswerk wurde 1950 gegründet. Warum wohl?

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