Adhs.. Wie verhalten?

    • (1) 26.06.19 - 11:02
      Wieverhalten

      Hey ­čĹő

      Mir liegt was auf dem Herzen und ich wei├č nicht mehr weiter...
      Ganz kurz zu uns : 6 Jahre zusammen 3 Kinder, wovon eins von vorheriger Beziehung von meinem Mann ist.
      Und um diesen geht es, ich wei├č ein heikles Thema, hab versucht mich rauszuhalten. Aber nun zerst├Ârt es langsam meine Familie, das macht mir Angst ­čśú


      Das Kind kommt jedes Wochenende und 2 mal unter der Woche. Seit 6 Jahre, sage ich mir selbst... "irgendwann wirds besser" 6 Jahre lang hab ich alles geschluckt. Selbst mein Mann ist fix und fertig.

      Das Kind steht auf, schreit, h├╝pft rum, geht die anderen Kids penetrant an und nervt diese solange bis die auch genervt sind. Wir k├Ânnen, bzw haben angst einkaufen zu gehen gemeinsam oder auf eine Einladung etc. Nach diesem we hat eines der anderen Kinder sogar geheult und gesagt "Mama ich kann das nicht mehr"...

      Nun war die KM endlich mal das durchchecken. Adhs... Nun bekommt er Medikamente und wird st├Ąndig ├╝berwacht.

      Nun l├Ąuft bei Mama nat├╝rlich alles anders ab, ist ja das einzigste Kind.
      Diese hat meinem Mann eine 2 Seiten lange Anweisung gegeben wie mein Mann! Nicht mal wir, sondern mein Mann, damit umgehen soll.

      Wie soll ich das den anderen Kindern erkl├Ąren? Wie l├Ąuft das bei euren Adhslern ab, mit den Geschwistern? Wird es endlich mal besser? Brauch ein Kind mit Adhs wirklich 1:1 Betreuung bis es ins Bett geht?
      Wie soll das alles funktionieren?

      • (2) 26.06.19 - 11:09

        Wir waren schon ziemlich eingeschr├Ąnkt in allem und nun wird es noch mehr.
        St├Ąndig kommen neue Anforderungen und das Kind wird wie eine goldene Kuh auf ein Podest gestellt (das war schon vor der Diagnose)

        Mein Mann sagt das dies alles nicht geht, hat aber keine Lust ihr zu erkl├Ąren warum... Weil sie das sowieso nicht versteht.

        Ich bin ratlos und spiele schon mit dem Gedanken, an meinen freien Wochenenden die 2 anderen zu schnappen und zu gehen.
        Mein Mann w├Ąre sauer, aber ich Pack das nicht mehr alles... Es f├╝hlt sich fremdbestimmt an und die anderen beiden r├╝cken nach hinten weil das thema nummer ein Adhs ist.

        Bitte keine Hass antworten weil ich ja die "neue" bin, ich m├Âchte eine L├Âsung damit Umzugehen und andere mit der selben Erfahrung zu h├Âren w├Ąre sehr cool Ôś║´ŞĆ

        • Diesen Beitrag habe ich erst hinterher gesehen.

          ADHS auf ein Podest stellen, w├╝rde ich nicht. Das bringt auch nicht viel.
          An einige ADHS-Regeln halten bringt sehr, sehr, sehr viel.

          Anfangs dachte ich auch, warum soll ich mich selbst noch mehr einschr├Ąnken. Seit ich den Erfolg und die Freiheit, durch die ├änderungen sp├╝re, sehe ich diese Regeln nicht mehr als Einschr├Ąnkungen, sondern als Erleichterung, Erl├Âsung sogar auch. Es ist - ungewohnt!


          Warum sollte er ihr erkl├Ąren, warum es nicht geht? #kratz
          machtk├Ąmpfe w├╝rde ich ├╝ber einen Anwalt laufen lassen.

          Ob und wie welche Regeln (die zun├Ąchst furchtbar erscheinen), aber durchaus sinnvoll sein k├Ânnen, sollte er ├╝ber einen Arzt laufen lassen lassen.
          - Elterntraining
          - Beratung
          usw.

          Dann kann er herausfiltern, welche Regeln bei euch sinnvoll sind (Erfolg bringen k├Ânnen und der Versuch sich lohnt)
          und welche nichts bringen, da sie nicht auf medizinischer Basis sind, sondern auf dem Mist der Eltern gewachsen sind.


          Als Laie w├╝rde ich da nicht ├╝ber die Liste urteilen, sondern wirklich fachm├Ąnnischen Rat einholen, mit dem behandelnden Arzt sprechen und dann pr├╝fen, was f├╝r euch umsetzbar ist und was nicht.


          Wenn der Vater ihr erkl├Ąrt, warum es bei euch nicht geht, ist dem Kind nicht geholfen.
          Sofern die Liste als Hilfestellung gemeint ist.

          Mir haben ADHS-Verhaltenstipps mein Leben enorm erleichtert. Auch wenn die Umsetzung anfangs schwer war.

          • (4) 26.06.19 - 15:07

            An die Verhaltensregeln werden wir versuchen uns zu halten, nat├╝rlich. Nur seh ich da echt schwarz f├╝r die beiden anderen. Ich meine, weder mein Mann noch ich k├Ânnen wenn er jetzt alleine mit einem von uns alleine spielen m├Âchte, die anderen Kids wegschicken?.. Zusammen spielen ist nicht m├Âglich. Da wird sein Ding gemacht und wenn es nicht so l├Ąuft wie er es will wird gebr├╝llt und das Spiel zerst├Ârt. Wir versuchen es immer und immer wieder, aber die muse dazu fehlt uns langsam.
            Das war nur ein Beispiel von vielen­čśú

            Au├čerdem arbeiten wir beide am Wochenende, ich im Schicht Dienst und er meistens nur samstags. Dh. Einer von uns ist dann immer alleine mit den 3en.
            Und ich seh es nicht ein die anderen beiden weg zu geben zu Oma und Opa.

            Ich kann mir vorstellen, da├č adhs f├╝r einen pers├Ânlich schwer ist, vorallem als Kind.
            Aber auf der Welt gibt es nunmal noch Menschen um einen herum.
            Ich stell mir alles gerade noch schwerer vor als es schon war...

            Elterntraining, das hatte ich auch im Kopf, aber das wird mit den beiden nicht funktionieren.

            • Andere wegschicken sollte auch nicht Ziel sein bei ADHS.

              Ziel im Sinne des Kindes sollte sein, in kleinen - angepassten - Schritten , das kind an Sozialverhalten heranzuf├╝hren.

              Sinnvollerweise in Form von Begleittherapie, elterntraining und Tipps f├╝r die jeweiligen Eltern.

              Bei 3 ADS/ADHS Kindern k├Ânnen auch nicht immer die anderen weggeschickt werden. Es gibt da keine "die anderen". Die drei trennen in manchen Situtionen macht Sinn, ja. Aber nicht st├Ąndig und nicht in jeder Situation.

              Zur Unterst├╝tzung sollte da echte Hilfe von au├čen, die sich mit ADHS auskennt, einbezogen werden.

              - Elterntraining (gemeinsam oder jeweils "nur" ein Elternteil) bezogen auf die jeweilige Familiensituation
              - Elterntraining als Gruppe (Austausch mit anderen betroffenen eltern)
              - Begleittherapie f├╝r das betroffene Kind (Einzeln, Gruppe, Konzentration, Impulsivit├Ąt, - Sozialverhalten usw. da gibt es nicht nur einen Bereich und sollte nacheinander in gutem Tempo das Kind beg-leitet und ge-leitet werden) Eltern als St├╝tzpunkt nicht dagegen zu arbeiten
              - Familienunterst├╝tzung z.B. Familienhilfe oder Fachkraft, die vor Ort in der Familie Tipps gibt (nicht nur theoretisch von au├čen)
              - Tipps vom behandelnden Arzt (eher allgemeine Tipps zum Umgang mit der Diagnose), Aufkl├Ąrung, was es ist und was es bedeutet.
              - medikation und wie die Zeiten ├╝berbr├╝cken, wenn das Medikament nicht mehr so wirkt.

              - sp├Ąter auch freizeiten
              - Unterst├╝tzung f├╝r gesunde Geschwisterkinder, dass sie nicht zu kurz kommen
              - Gruppen f├╝r Angeh├Ârige, Selbsthilfegruppen f├╝r Angeh├Ârige


              Elterntraining muss nicht zeitgleich stattfinden. F├╝r den Anfang kann es schon hilfreich sein, Tipps f├╝r die jeweilige individuelle Familiensituation sein

              welche Form die f├╝r euch passende ist, kann sehr unterschiedlich sein.

              Wichtig ist,d ass ihr es nicht auf die mutter schiebt oder "die l├Ąsst es sowieso nicht zu".
              Als Vater sollte er sich ebenfalls aktiv damit befassen. Minumum mit "was ist ADHS, was bewirkt es, Selbsthilfehilfetipps f├╝r den Alltag." und das an dich weitergeben, dich mit einbeziehen.

              Alles dar├╝ber hinaus kommt dann wieder auf die n├Ąhrere situation an. Was braucht das Kind, was braucht ihr als Familie, wie ist ein gemeinsam Familie mit der Symptomatik m├Âglich
              wie ist das zu erreichen?
              welche unterst├╝tzung kann euch da wirklich unterst├╝tzen, was bringt euch nichts.

              Viel Kraft
              viel Offenheit
              guten Austausch


              gerne auch mal reinschnuppern in den ADHS Club hier.
              nur als Angebot zum reinschnuppern, sich damit zu befassen. Wenn es dich (jetzt am Anfang noch) ├╝berfordert, volles Verst├Ąndnis.

              welche Unterst├╝tzung passt f├╝r euch.
              dein Mann/Vater des Kindes sollte da mitziehen und sich mit den Grundlagen befassen.
              Diese sind wichtig, um selbst individuell entscheiden zu k├Ânnen, welche weiteren Unterst├╝tzungsm├Âglichkeiten euch gut tun oder eben nicht.

              Gute Unterst├╝tzung geht darauf ein,d ass es kein Pauschalrezept gibt, sondern jede Familiensiatuion individuell ist.

      Mein Mittlerer hat eine leichte ADS und es ist deutlich einfacher geworden, seit er in der Pubert├Ąt ist. Medikamente hat er nie bekommen und ja, es gab Zeiten, da brauchte er die 1:1 Betreuung durch mich (wir haben auch 3 Kinder). Es war eine beschissene Zeit, keine Frage, es war auch nicht leicht ihn in dieser Zeit zu m├Âgen. Ich habe ihn immer geliebt wie die anderen, aber ich h├Ątte ihn auch oft im Garten vergraben k├Ânnen #zitter
      Das war wie gesagt die LEICHTE Form von ADS.
      Schwere F├Ąlle bekommen sogar einen Pflegegrad und einen Schwerbehindertenausweis. Ich finde es v├Âllig legitim, dass du mit deinen Kindern das Feld r├Ąumst, wenn er da ist. Wobei es durch die Medikamente doch sicher besser geworden ist?
      Auf jeden Fall ist das in erster Linie Aufgabe deines Mannes sich mit der KM zusammenzusetzen und diese Liste und deren Notwendigkeit zu besprechen.

      • (7) 26.06.19 - 12:56

        Vielen Dank f├╝r die ehrliche Antwort!

        Ich konnte bisher noch nichts erkennen, da die Medikation zum Wochenende abgesetzt wird. Bin gespannt wie es in den Sommerferien wird ­čśź da betreuue ich alle 3 kids 2 Wochen alleine.

        Moment, wenn das Kind im ausserschulischen Bereich und zuhause ohne Medikamente nicht handelbar ist, dann muss es diese auch dann nehmen. Punkt.
        Vielen Ad(h)slern reichen die Medikamente an Schultagen, weil sie nur dort so v├Âllig ├╝berflutet werden und zuhause bereits Strategien haben klar zu kommen. Manchen reicht es aber eben nicht, so auff├Ąllig wie sich das Kind bei euch verh├Ąlt ist davon auszugehen, dass es bei ihm so ist.

        • (13) 26.06.19 - 13:21

          Ja, in der schule gab es massiv probleme. Wechselt nun auch das 3. Mal die Schule, innerhalb eines Jahres. Nur mal das Ausma├č.
          Ich finde es nicht mehr zumutbar.. Nein... Ich werde es bei meinem Mann mal ansprechen. Danke

      Hey, setzt euch daf├╝r ein das die Medikation nicht einfach unterbrochen wird, zur Not ├╝ber den Kinderarzt.

      Langzeitbehandlung
      MEDIKINET┬« muss nicht fu╠łr immer angewendet werden. Falls Sie oder Ihr Kind MEDIKINET┬« l├Ąnger als ein Jahr einnehmen, sollte Ihr Arzt die Behandlung fu╠łr eine kurze Zeit absetzen; dies kann w├Ąhrend der Schulferien sein. Damit kann u╠łberpru╠łft werden, ob die Behandlung noch erforderlich ist.

      Zumindest bei dem Medikament das meine Tochter nimmt soll die Medikation ein Jahr durchgehend sein, darauf wurden wir auch vom Arzt hingewiesen. Unser Kinderarzt ist sogar auf ADHSler spezialisiert, hat einen eigenen Psychologen f├╝r die Testung in der Praxis, daher gehe ich mal davon aus das er diesbez├╝glich auch Ahnung hat. :-)

      LG

      • (15) 26.06.19 - 15:46

        Genau das Medikament bekommt er auch.
        Danke f├╝r den Hinweis!

        Er hat leider keinen Kontakt zur Therapeutin, werd ich ihm vorschlagen das er das tut, damit er auf dem Stand von ihr ist und nicht von der KM... Ich glaube das ist eh sinniger, da es unteranderem halt auch um Medikamente handelt, die, wie ich denke, nicht ohne sind.

    (18) 26.06.19 - 16:35

    Ok, es mag Kinder geben, bei denen es sinnvoll ist, das Medikament am Wochenende abzusetzen.

    ABER
    das wird mit dem Arzt klar besprochen
    nicht/sehr selten in der Einstellungsphase
    medikation sollte regelm├Ą├čig gepr├╝ft werden

    Pers├Ânlichkeit ausleben .... siehe oben ... bei manchen Kindern kann das ein guter weg sein. Meist bei ├Ąlteren, die die Medikationswirkung schon selbst gut beschreiben k├Ânnen, die die Unterschiede beschreiben k├Ânnen und warum sie es am Wochenende ohne besser finden (entscheiden tut der Arzt! geht aber auf Argumente ein)

    Auch bei Nebenwirkungen wie kein hunger oder ├Ąhnliches, mag das Sinn machen.


    ABER es gibt auch menschen, die das Medikament sinnvollerweise durchgehend nehmen.
    Bei mir (erwachsen) treffe ich die Entscheidung selbst. Ja, ich kann auch ohne. Ja, es klappt auch so. Wie auch bei der Brille entscheide, was mir im Leben hilft, was nicht. Am Wochenende hilft mir das Medikament auch. Nur eben in anderen Schwerpunkten.

    S├╝chtig bin ich nicht. Bei Krankheit oder als es aus anderen Gr├╝nden nicht ging, habe ich es einige Wochen nicht genommen. Es war wie fr├╝her, ging auch ohne, keine Entzugserscheinungen. Nur eben schwieriger f├╝r mich (so wie wenn ich ohne Brille aus dem Haus gehe).



    Wenn sie wirklich kommt mit Pers├Ânlichkeit ausleben, dann w├╝rde ich deutlich sagen: Pers├Ânlichkeit kann er gerne bei IHR ausleben. Das Kind wird geliebt, mit oder ohne Medikament. den affenzirkus w├╝rde ich aber nicht mitmachen.

    Zumal es dem Kind auch nicht gut tut. wenn die wechsel so ungeschickt verteilt werden. Bei 1:1 Betreuung mit Medikation und dann bei Sozialverhalten mit mehreren Personen wieder nicht.

    Bringt eine klare Linie rein. Mit das wichtigste bei ADHS
    und lasst euch dringend (vor allem dein Mann) vom behandelnden Arzt aufkl├Ąren! Er muss ja auch wissen, wie er reagieren sollte, wenn das Medikament nicht so wirkt, wie es soll, was er zu beachten hat.
    Bei jedem anderen Medikament sollte ja auch aufgekl├Ąrt werden.

    Auch was er der Mutter mitteilen sollte, bei Auff├Ąlligkeiten (die die Dosierung, das Pr├Ąparat etc. beeinflussen).

    (19) 27.06.19 - 20:54

    Wer hatte die Idee das Medikament am WE abzusetzen? Dem Kind fehlt dopamin in bestimmten regionen. Unbedingt klaeren. Am WE keine Medis waeren der Horror.

Seit wann habt ihr denn die Diagnose und seit wann nimmt das Kind Medikamente? Das dauert ja eine Weile bis man das richtige Medikament und die richtige Dosierung gefunden hat.

Hier haben die beiden j├╝ngeren AD(H)S, die schaukeln sich gegenseitig hoch, dann muss man sie auch mal trennen. Es wird aber besser.

Ich w├╝rde erstmal zum Wohle der anderen zwei Kids sagen, dass das andere Kind nur jedes zweite Wochenende kommt und evtl nur einmal unter der Woche. Die anderen beiden sollten auch die Chance haben, mal zu entspannen und ein ruhiges Wochenende mit euch zu verbringen.
Ebenso w├╝rde ich nicht das ADHS Kind wie einen K├Ânig behandeln. ADHS hin oder her, Spielregeln gelten f├╝r alle. Und die KM kann nicht verlangen, das ihr ihre Vorstellungen und Regeln bei euch zuhause durchsetzt, denn das ist nunmal euer zuhause. Klar sollten gewisse Dinge einfach gut abgesprochen und dem Kind angepasst sein, aber ich finde es bescheuert, dass sie verlangt, das ihr euer Leben nach ihren Vorstellungen ausrichtet.

Wie du es deinen Kindern erkl├Ąren kannst? Sag, wie es ist. Dass er krank ist und deswegen Schwierigkeiten hat. Je nachdem, was deine Kids fragen, kannst du weiter antworten. So erkl├Ąrst du ihnen das, was sie wissen wollen und es ist f├╝r sie altersgerecht.

  • (22) 26.06.19 - 13:27

    Danke f├╝r die Antwort!

    Sehe ich auch so und das macht mir alles tierisch Angst.
    Ich will auch nicht das er garnicht mehr kommen darf, weil wir es einfach nicht so handhaben k├Ânnen wie sie das kann.

    Ich werde mal schauen wie ich das ihnen klar mach.. Finde es als Erwachsene schon schwer zu verstehen ­čśú

(23) 26.06.19 - 12:38

Welche Zusatztherapien bekommt das Kind?

Gibt es Elterntraining?
Wie sieht der 2 Seiten lange Text aus?

Ich habe selbst ADHS. 30 Jahre lang wusste ich nichts davon, vieles fiel mir schwer, ging aber mit hohem Kraftaufwand (kenne viele, die irgendwann abgest├╝rzt sind).

Seit ich wei├č WAS ich habe und wie ICH damit (mit mir selbst!) umgehen kann, wird es sehr viel besser.

Das kann man nicht mal eben auf zwei Seiten zusammen fassen. Geholfen haben mir

- Verhaltenstherapie ADHS
- Gespr├Ąche mit Freunden mit ADHS/ADS Kindern
deren Erfahrungen, Elterntraining
- Medikation
- Austausch mit anderen.

Es gibt nicht DAS ADHS Kind. Aber wenn ADHS vorliegt, l├Ąuft vieles anders. H├Ąlt man sich als Eltern an einige Regeln (die von "normaler Erziehung" abweichen), klappt es sehr gut.
Das ist ├ťbungssache - auch f├╝r die Eltern.

Freunde haben mehrere Kinder mit ADHS/ADS, teilweise in Kombi mit Asperger.
Es ist ein Wachsen und hineinwachsen.

Medi und gut gibt es nicht.
Medi und es bringt einen handelbaren Baustein, gibt es schon.


Ich bin Brillentr├Ąger.
Ohne Brille (vgl. Medikament) kann ich nicht Fahrrad fahren.
Mit Brille kann ich fahrrad fahren - weil ich genug sehe. Fahrrad fahren lernen musste ich aber trotzdem noch.


D.h. Medikament hilft, damit man Leben lernen kann.
Es ist aber kein Wundermittel, dass es dann sofort gelernt ist.

Eltern sind da ein wichtiger Faktor.
das beste medikament bringt nichts, wenn die Eltern sich nicht auch an ein paar Grundregeln (Grunderleichterungen f├╝r die gesamte Familie) halten. Auch nicht ADHSler sind Gewohnheitstiere ;-) und brauchen ├ťbung und Zeit.



Dass sie die Liste an ihn geschickt hat, finde ich verst├Ąndlich. In erster Linie ist er verantwortlich.
W├╝rde sie die Liste an euch beide oder alle schicken, w├╝rde es wieder kompliziert. Auch wieder nicht recht in manchen Familien.

Dein Mann / Vater des Kindes ist erwachsen und sollte im Stande sein, dir die wichtigen Infos weiterzugeben. Egal was auf dem Briefkopf steht, auf den Inhalt kommt es an.


Wenn es gut l├Ąuft, bekommt das Kind neben Medikation auch eine andere Begleittherapie. Wenn es sehr gut l├Ąuft auch Elterntraining (von der Krankenkasse ├╝bernommen), daher u.U. nur f├╝r die leiblichen Elternteile.
wenn das angeboten wird, sollte er nach M├Âglichkeit dringend daran teilnehmen. Die Infos kann er dir dann weitergeben.


Bei einem Kind mit gebrochenem Bein, das lange liegen muss, gibt es auch Verhaltensregeln und Dinge, die Eltern und Bezugspersonen beachten sollten.

Bei ADHS auch, nur braucht die Umstellung der Regeln oft etwas l├Ąnger, da die Umstellung (warum pl├Âtzlich so? erst mal viele Fragen aufwirft. warum Gewohnheit ├Ąndern, wenn die Wirkung noch nicht sofort so schnell klappt)

Der Erfolg kann auf sich warten lassen. Was andere 3x machen und k├Ânnen, brauche ich 80 x so oft, bis ich den Erfolg sp├╝re. Dann bekomme ich es aber nicht mehr heraus.


Meinen erwachsenen Freunden habe ich (mit meiner Begleittherapie zur Medikation) auch einige Tipps gegeben. Ja, es IST eine Umstellung f├╝r sie. Kleine ├änderung (des inneren Schweinehundes eine eigene Gewohnheit zu ├Ąndern) mit gro├čem Erfolg.

Dienigen, die selbst ADS/ADHS haben, freuen sich ├╝ber die Tipps. Nach vielen Anl├Ąufen (die neue Regel f├╝r sich in ihrem Alltag anzunehmen) freuen sie siche ├╝ber viele Erleichterungen. (auch dann, wenn es mich nicht betrifft).

Nicht ADSler/ADHSler staunen ganz gut, fragen nach (ernst gemeinte Fragen), probieren es mal aus (ist ja nur eine kleine Ver├Ąnderung) und stellen schnell die gro├če Wirkung fest.

ADHS hat man oder man hat es nicht!
Von Geburt, nur sieht man es nicht sofort.

Wichtig sind eben auch die Eltern und das Verhalten der Eltern (Erwachsenen Bezugspersonen - dauerhaft, ADHS-Training. Auch Eltern brauchen ├ťbung. Mit "normaler" Erziehung f├Ąhrt man den Karren gegen die Wand besser gesagt, seine Nerven #zitter mit ein paar einfachen Tricks, die zun├Ąchst unlogisch oder seltsam erscheinen, kann man viel und gro├čes erreichen.

  • (24) 26.06.19 - 13:08

    Vielen Dank f├╝r die ausf├╝hrliche Antwort!

    Es wird vom Kia und Verhaltenstherapeutin ├╝berwacht.
    In diesem Brief stehen Sachen was er darf und was nicht, das was er nicht darf ├╝berwiegt. Soll man das Kind jetzt von allem fernhalten?
    Der letzte Satz hat mich pers├Ânlich schwer getroffen, da hat sie geschrieben das er doch an den Tagen wo er da ist, sich voll und ganz um ihn k├╝mmert und an den restliche Tagen sein Familienleben weiter f├╝hren kann.
    Also auf deutsch, ich und die anderen Kinder sollen so Lange das Feld r├Ąumen.
    Ist das sinn und zweg der Therapie? Ich denke nicht das es sinnvoll ist.
    Ich hab mich nie mit adhs besch├Ąftigt und ich muss dazu sagen, ganz ehrlich, ich geh├Ârte zu denen die sagten das es einfach falsche Erziehung ist. Ich wurde einem besseren belehrt.

    Wenn das Kind durchdreht, was ja oft vorkommt, dann hat es diesen Blick, ich kann es garnicht beschreiben... So leer, bzw nicht von dieser Welt. Hab sowas noch nie gesehen.
    Es tut meinem Mama Herz auch weh...
    Aber hier sind noch andere Kids. Die auch dem Vater geh├Âren...die m├Âchten auch nicht das Feld r├Ąumen.
    Zumal sie auch nur am Wochenende wirklich was von ihm haben.
    Ach das ist alles kompliziert ­čśú

    • der insgeheime Wunsch vieler ADS/ADHSler ist:

      nicht isoliert werden
      nicht schon wieder negativ aufzufallen

      positiv dazuzugeh├Âren

      der weg ist lang und hart

      Das Kind zu separieren mit Sonderstatus (weil du es nicht alleine kannst so wie die anderen), verlassen dich die anderen, weil dein Verhalten falsch ist ..... ist der falsche Weg und schadet dem Kind langfristig mehr.

      Kurzfristig m├╝ssen manchmal Trennungen sein. damit es sich nicht aufschaukelt, damit das Kind zur Ruhe kommen kann, Herausnahme aus der Reiz├╝berflutung, ja, das mag sein.

      Langfristig sollte es aber Ziel sein, dass das Kind mit Unterst├╝tzung lernt, am Sozial und Familienleben teilzunehmen. Ja Familienleben mit ADHS l├Ąuft anders. Es ist oft schwieriger. Aber auch nicht unmachbar.
      Das Kind steht aber schon in einer Sonderposition, durch das Verhalten, durch die Ben├Âtigte Unterst├╝tzung. Es nur noch in der Sonderposition zu sehen, tut dem Kind jedoch nicht gut.

      Der insgeheime Wunsch ist (oft) am Familienleben (positiv) teilzunehmen und eben NICHT aus der Reihe zu fallen ;-)

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