Wie helf ich ihm wieder aus der Situation

    • (1) 26.06.19 - 15:35

      Hey hatte mich heute angemeldet aus aktuellen Anlass.

      Also ich hab vier Kids bei mir wohnen ,davon zwei leibliche und zwei zur Pflege.

      Nun gabs eine sehr unschöne Situation, ich für mit dem jüngsten(3)und meinen Pflegesohn (8) im Auto und kam in eine Straße die sehr eng gewesen ist. Dort stand ein Vito und blockierte die Straße, da nich 6-7 Parkplätze frei waren, bat ich freundlich doch dort zu Parken ... war anscheint irgendwie falsch. Die Dame brüllte mich an, ob ich Augen im Kopf habe ,sie müsse schwere Schränke tragen und hätte kein Bock 5 Meter zu laufen. Ich solle einfach wenden und anders fahren. Hätte ich auch getan, aber das ging in dieser engen straße einfach nicht und rückwärts wieder raus war mir ehelich gesagt nicht so geheuer.

      Ich versuchte es ihr zu erklären und würde sehr heftig beleidigt und bat sie doch Rücksicht auf die im Auto sitzenden Kinder zunehmen ,drauf reagierte die Dame sehr wütend und kam sehr nahe auf mich zu und schrie mich an : ich schlag dich vor den Augen deiner Kinder blutig und dann können sie dich vom Boden aufkratzen. Mein Pflegesohn hörte dies und brach sofort in Tränen aus und bekam wieder seine Ängste ,stieg aus dem Auto und rannte weg!Hier muss ich dazu sagen er hat viel Gewalt in seinem jungen Leben erfahren, leider unter starken Ängsten , man darf bei ihm nicht schreien, aggressiv sein oder sonstiges. Ich lief ihn hinterher und sagte er soll ins Auto einsteigen und alles zu machen. Das tat er dann auch und saß mit den Händen an den Ohren in Gekrümmter Haltung und wippte sich.

      Die Dame fand das anscheint lustig und beleidigte nicht nur mich sondern auch ihn. Als dann das Ordnungsamt kam hab ich denen die Situation geschildert und gefragt , ob ich gehen kann da ich mich dringend um mein Pflegesohn kümmern müsste. Dürfte ich dann 10 Minuten später, geht dann weiter an die Polizei und die Dame bekommt ne Anzeige.

      Zu hause ging er gleich in sein Zimmer und schottet sich total ab und ich komm nicht an ihn ran. Er ist genauso verschlossen wieder, wie er am anfang gewesen ist, hab sogar sein Lieblingsessen gekocht, aber keine Chance. Ich werde ihn erstmal inruhe lassen und hoffe das er sich erholt. Sein Therapeut hab ich schon angerufen wegen einen Termin. Da ich nicht weiter komme , wollte ich fragen ob hier noch jemand Tipps für mich hat.

      Lieben dank

      • (2) 26.06.19 - 16:37

        Unglaublich, was für Menschen so auf der Straße unterwegs sind!

        Ich glaube, am besten gibst du ihm etwas Zeit. Bedrängen ihn nicht über das Erlebte zu sprechen, aber bleib offen dafür, wenn er von sich aus kommt. Er muss sich wahrscheinlich erstmal selbst sortieren. Oft kommen Kinder dann ja in ganz anderen Situationen mit der Sprache raus.

        Vielleicht kann auch der Therapeut dir schon mal- unabhängig vom Termin- noch einen Rat geben?

        Ich wünsche euch alles Gute, dass dein Pflegesohn die Situation schnell verarbeiten kann und jetzt keine allzu großen Rückschritte gemacht hat.

        Vorweg: meine Kids sind leidlich "normal" - ich weiß also nicht, ob dir mein Tipp helfen kann. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, die Situation, in der sich das Kind als hilflos und ohnmächtig erlebt hat, möglichst positiv darzustellen. Hieße in Deinem Fall: Die Frau war aggressiv und hat mich/dich/uns verbal attackiert. ABER: Sie hat sich nicht getraut, ihre Drohungen wahrzumachen, weil ich dich beschützt habe. Und die Polizei hat uns geholfen - jetzt wird die Dame mächtig Ärger bekommen... Wir haben Recht bekommen, wir sind die Sieger, Blabla, usw...
        Viel Glück

        Hey danke euch für die Antworten.
        Er lebt seid einem jahr bei uns und bis jetzt hatten wir so ne Situation nich nie und fühl mich etwas hilflos. Ich versuch ihn sein leben etwas schön zu machen und ihm dinge zu geben die er so halt nicht kannte als er zu uns kam und freu mich wenn seine Augen vor Glück lächeln und wie viel fortschritt er macht. Hat ganz lange gedauert bis er mich umarmt hat, das kam so plötzlich und unerwartet.

        Und jetzt wieder so, das tut mir selbst im herzen so weh und ich musste mich vorhin selbst total beherrscht nicht die Fassung zu verlieren.

        Werd ihn erstmal inruhe lassen und mal schauen wie es weiter geht.

        • Guten Abend pflegemami,

          für ein traumatisiertes Kind ist gerade in Krisenzeiten die Einhaltung der üblichen Routine und liebgewonnener Rituale haltgebend. Schirme Deinen Pflegesohn in nächster Zeit von äußeren Reizen, wie Besuch ab und lebe ihm eine feste Tagesstruktur vor, damit er sich wieder orientieren und sicher fühlen kann. Gestalte euren Alltag so vorhersehbar wie möglich für ihn, zum Beispiel mit einem Bildkarten-Tagesplan zum abhaken der einzelnen Schritte. Stelle Anforderungen an ihn, unter Berücksichtigung seiner derzeitigen psychischen Verfassung, etwas zurück. Bemuttere ihn und gehe auf seine emotionalen Bedürfnisse ein, ungefähr so wie bei einem Kleinkind.

          Ich wünsche dem jungen Mann eine baldige Besserung seines Zustands.

          Alles Liebe 💐

          Hallo,

          Du handelst genau richtig. Du hast den Therapeuten angerufen und mehr kannst Du jetzt erstmal in Ruhe. Ich finde es toll, dass Du sein Lieblingsessen gekocht hast oder kochen wolltest.

          Ich bin auch Pflegemutter und ich glaube es ist super, dass Du ihm jetzt erstmal Zeit gibst sich zu erholen. Alles andere wird wieder.

          Leider kann man die Kleinen nicht immer von allem fernhalten. Fühl Dich gedrückt!

      (7) 26.06.19 - 18:41

      Hallo, diese blöde Kuh. Ich befürchte er ist wieder zurück in seiner Isolation die ihn früher geschützt hat. Das wird wieder viel Zeit brauchen. Vielleicht kann der Therapeut einen Ansatz geben um schneller das erlebte zu verarbeiten.

      Schau doch mal ob es in deiner umgebung angebote zum thema traumapädagogik gibt.

      Ich denke er erlebt grade ein ganz böses flashback,das muss von einem fachmann behandelt werden. Wichtig ist ihm behutsam zu vermitteln,dass er nicht mehr in der situation ist.

      (9) 26.06.19 - 20:20

      Vielleicht helfen euch gefühlskarten? Wir haben diese hier und mein Kind spricht sehr darauf an-https://www.amazon.de/kindle-dbs/author/ref=mw_dp_a_ap?_encoding=UTF8&author=Monika%20B%C3%BCcken-Schaal&searchAlias=books&asin=B00J242GPW
      Es tut mir leid, was da passiert ist! Ich denke es war eine Art retraumatisierung für ihn.
      Toll, dass du dem Jungen ein liebevolles Zuhause gibst. Danke dafür, du leistest damit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft

      Hm, was mir gerade einfallen würde.. Habt ihr irgendwie saure Bonbons oder so zu Hause?
      Klingt blöd, aber falls ja, könntest du versuchen, ob er davon welche essen mag.

      Oder einen ganz starken geruch, den er vielleicht gern riecht.

      Irgendwas an Reiz finden, der stark genug ist, dass er aus diesem Flashback raus kommt und merkt, dass er im Hier und Jetzt ist.

      In Ruhe lassen, würde ich ihn wohl nicht.. Sondern mich zu ihm setzen mit bisschen Abstand und ruhig auf ihn einreden.. Dass er jetzt hier bei euch ist und dass es dort sicher ist, ihm niemand etwas tut usw. Ruhig oft wiederholen.

      Wenn er gerade im Trauma gefangen ist, erlebt er innerlich gerade Höllenqualen. Er sollte wissen, dass er da nicht allein durch muss..


      Das wäre meine Meinung dazu..

      • (11) 27.06.19 - 10:29

        Das klingt gut!

        Ich arbeite mit traumatisierten Kindern.
        In Ruhe lassen würde ich ihn auch nicht, auf ihn einreden allerdings auch nicht (ich hoffe, ich habe Dich nicht falsch verstanden).

        Sei mit ihm in einem Raum bzw. in der Nähe und somit jederzeit greifbar.
        Gibt es ein Buch, dass er gerne hat?
        Dann setz Dich hin und ließ es ihm vor, egal ob er regiert oder nicht. Unterbewusst wird er es wahrnehmen. Biete ihm in regelmäßigen Abständen an in Deiner Nähe zu sein (Umarmen, kuscheln, nur neben Dir sitzen; sozusagen körperlich ein Schutzschild zu bilden).
        Biete ihm an, vor dem Zu Bett gehen heute Abend, die Haustür abzuschließen, 'damit die Frau von heute nicht einfach reinkommen kann'. Sie hatte ihm ja auch gedroht?
        Biete ihm an heute Nacht in seinem Zimmer zu schlafen (falls Du das Gefühl hast, dass es ihm helfen würde).
        Die Idee mit dem Traumfänger finde ich fantastisch (ist schnell gebastelt, vielleicht möchte er sogar mitmachen).

        Aber am allerwichtigsten: Berühre ihn nicht, wenn er es nicht will - aber ich denke, das weißt Du schon, hast ja schon ein Jahr hinter Dir ;)

        Du kennst ihn besser, Euer Therapeut auch - vielleicht hat er wirklich ein paar hilfreiche Tipps. Eine tiefere Hilfestellung von uns ist per Fern- und Fremddiagnose sehr schwierig :/

        Ich hoffe es wird bald besser...!

        P.S. hoffentlich bekommt die Frau eine Strafe, die ihr wirklich weh tut - sowas macht mich einfach nur wütend!


        Jetzt fällt mir gerade auf, dass ich gar nicht darauf geachtet habe, von wann der Thread ist 🙈

    (12) 27.06.19 - 00:31

    Hey, mir wurde heute gesagt die Hitze macht dir Leute aggressiv. Unglaublich sowas....

    Traumata sind kompliziert. Da das Kind anscheinend aus einer Familie stammt in der es viel Gewalt gegeben hat, kann dies umso komplexer werden. Dieses Verhalten, was der Junge jetzt zeigt, war überlebenswichtig. Es gibt viele Bewältigungsstrategien, daher wäre es wichtig in Erfahrung zu bringen welche seine sind. Dementsprechend kann dann reagiert werden. Z.B.
    - ist er dissoziativ, dann ist in Ruhe lassen oder ein "extremer" Reiz (Ammoniakröhrchen oder eisbeutel im Nacken usw.) ein ganz gutes Mittel. Ist natürlich abhängig davon, ob er zu der angewandten Reaktion eine Assoziation verknüpft. Hat es zum Beispiel in seinem ehemaligen Elternhaus gestunken, wäre Ammoniak wohl nicht hilfreich. Wurde er mit Eiswasser "bestraft" wird der eisbeutel nicht helfen.
    - ist er ansprechbar und aufnahmefähig könnten achtsamkeitsübungen helfen (welche Farbe hat die Wand? Wie ist mein Name? Welche Bilder siehst du in diesem Zimmer? Was siehst du? Usw.) Das hilft ihm zu erkennen, dass er aktuell nicht in Gefahr ist, dass ihm JETZT nichts schlimmes passiert.
    - ist er extrem angespannt und hat einen hohen stresslevel, dann könnten Entspannungsübungen helfen...

    Usw...

    Es ist wirklich komplex. Daher würde ich dir raten mit dem Jungen zusammen in die verhaltenstherapie zu gehen, damit auch du lernst wie du am besten mit diesen Situationen umgehst und ihm helfen kannst.

    Manchmal hilft auch einfach eine liebevolle Umarmung, Festhalten an dich drücken, das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Das kennen wir alle.

    Sein Verhalten ist eine normale Reaktion auf ein unnormales Ereignis. Und du hilfst ihm schon mehr, als du jetzt wohlmöglich glaubst.

    Alles Gute

(14) 27.06.19 - 08:32

Hallo.
Wenn ich sowas lese steigt in mit so eine wut auf. Wie kann man nur so bescheuert sein? Da kann man nur den kopf schütteln. Diese blöde Kuh.
Super, dass du sie angezeigt hast. War richtig so.
Ich denke du solltest mit ihm in ruhe reden. Ihm zeigen, dass du für ihn da bist. Lass ihn in dieser situation nicht alleine. Auch wenn er nicht redet, sei einfach da und setz dich zu ihm. Sag ihm, dass du da bist, wenn er reden möchte. Er ist koch ein kind und mot seiner vorgeschichte ist es klar, dass es sschwer zu verarbeiten ist für ihn.
Gibt es bei euch eine beratungstelle? Vielleicht mal da anrufen und die situation schildern. Wenn ihr glück habt bekommt ihr schnell einen termin.

LG und alles gute

Top Diskussionen anzeigen