Krankenhausbesuche - unter Druck

Hallo,

vielleicht hat ja jemand mal ein paar aufbauende Worte für mich - oder für meinen Onkel, der seit Anfang des Jahres fast durchgehend im Krankenhaus liegt. Er hat nur seine Freundin, die selbst gesundheitlich angeschlagen ist und meine Mutter (seine Schwester) mit zwei Nichten samt Anhang.
Anfangs war er noch fitter im Krankenhaus, aber dann kam das Durchgangssyndrom ins Spiel. Ein Symptom, dass ältere Menschen bekommen können, wenn sie zu lange im Krankenzimmer "eingesperrt" sind. Er hatte Halluzinationen. Es hieß, wir sollen ihn so oft besuchen wie es geht.
Nur das artet jetzt echt in Stress und Streit und Ohnmacht aus. Seine Freundin besucht ihn drei mal die Woche. Die beiden haben nur sich, keine Kinder und nur eine kleine Wohnung. Und erwarten nun von uns ebenfalls die Besuche um die restlichen Tage der Woche abzudecken. Heute war ich bei meinem Onkel und er war ganz enttäuscht, fast verbittert, dass morgen keiner kommt.
Mit Arbeit, Kindern, Haushalt können wir (meine Mutter, Schwester und ich) nicht mehr. Ich weiß das. Und trotzdem setze ich mich und wir uns gegenseitig doch immer mehr unter Druck. Und das scheint irgendwie nie ein Ende zu nehmen, Besserung ist kaum in Sicht.
Hatte jemand von euch schonmal eine ähnliche Art Druck in der Familie irgendwas tun zu müssen, was zu kraftraubend war? Wie kann man damit umgehen? Und auch damit, sich selbst und in meinem Fall meinem Onkel nicht zu genügen (nicht genügend geben zu können?)

Viele Grüße
Jenny

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Ich lag selber für fast 2 Wochen über 200km entfernt von meiner Familie im KH. Es waren nur 2 Wochen und ich war trotzdem jeden Tag traurig, dass keiner kommen konnte. Mein Mann war am Wochenende einen Tag da, den anderen meine Eltern. Ich kann deinen Onkel verstehen, dass er deprimiert ist, nach so langer Zeit mit so vielen KH Aufenthalten. Außerdem bin ich Krankenschwester und sehe immer wieder, wie verbittert die Menschen im KH werden.
Trotz allem, kann man halt nicht von euch verlangen, dass ihr nun ständig im KH seid. Aber meine Vorrednerin hat schon recht. Wenn seine Freundin 3mal die Woche hingeht, dann bleiben ja nur noch 4 Tage zu verteilen. Und wenn mal einen Tag keiner kann, dann ist das für deinen Onkel sehr schade, aber nicht zu ändern.

Ich kann dir/euch nur als Tip geben, es nicht persönlich zu nehmen, wenn dein Onkel schlechte Laune hat, weil niemand kommt. Setzt euch nicht so sehr unter Druck, ihr habt auch noch ein eigenes Leben. Es ist sicher sehr traurig und anstrengend für deinen Onkel, aber er muss auch verstehen, dass es eben nicht nur nach seiner Nase gehen kann, auch wenn er krank ist. Ich sehe täglich auf Arbeit, wie manche Patienten mit ihren Angehörigen umspringen. Sie machen das sicher nicht mit Absicht und sind einfach unzufrieden mit sich und der Gesamtsituation.
Also tut was ihr könnt und wenn ihr eben mal einen Tag Ruhe braucht, dann gönnt sie euch. Das habt ihr genauso verdient.

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Danke!
Habe deiner Vorschreiberin schon geantwortet, dass es eben leider nicht so einfach ist. Meist müssten unsere Kinder mit und das ist für Kinder keine geeignete Betreuung jede Woche mindestens einen Nachmittag im Krankenhaus zu verbringen. Meine Mutter fährt nicht selbst. Das würde evtl. einiges erleichtern. Das Krankenhaus ist in einer größeren Stadt 45 Minuten entfernt.

Für meine Schwester und mich ist es dann halt auch noch so ein Ding. Jahrelang hat er sich nicht wirklich für uns interessiert. Er kam zwar jeden Freitag zu seiner Schwester /unserer Mum, wenn wir da waren ärgerte er auch noch meine Schwester wegen ihrem Körperumfang, mich, weil meine Kinder sich nicht mit ihm sprechen trauten und war sonst nicht anwesend. Für mich hat sich durch die Besuche einiges verändert. So gut wie ich mit ihm im Krankenhaus gesprochen habe, hatte ich vorher nie. Weiß nicht, warum das mit meiner Schwester nicht so gut klappt, es ist halt noch was anderes als wäre es zb. ein Elternteil.

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Jemand der meint er könnte sich über mich lustig machen und sich über meine Kinder mokieren dürfte gern seine Tage im KH ohne mich verbringen. Geht's noch?

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Hallo Jenny,

Wenn seine Freundin ihn drei mal die Woche besuchen geht, könntet ihr es dann nicht so aufteilen, das jede von euch ein mal die Woche hingeht? Dann wäre doch die ganze Woche abgedeckt und jeder muss nur einmal hin. Oder sehe ich das falsch?
Einmal die Woche wäre ja machbar, oder geht das auch nicht?

Lg

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Nein so einfach ist es ja leider nicht.
Meine Mutter fährt kein Auto. Das heißt, meine Schwester und ich müssen fahren (oder mein Dad am Wochenende, er arbeitet ganztags).
Meine Schwester arbeitet mit zwei kleineren Kindern 80% und meine zwei sind etwas größer, ich arbeite 50 % meist vormittags. Die Fahrt ins Krankenhaus alleine sind schon mindestens 45 Minuten einfach - je nach Verkehr. Mittags haben meine Kinder Hobbys zu denen sie gebracht werden müssen. Natürlich können sie "mal" zu Freunden, aber das geht auch nicht jede Woche.

Es ist jedes mal ein verbiegen. Wir würden versuchen abwechselnd zu fahren, so dass mindestens zwei mal die Woche jemand von uns dort ist. Aber unser Leben dreht sich nun mal nicht nur um das Krankenhaus. So leid mir mein Onkel auch tut.

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Ich nochmal. Hab noch eine Idee.
Wie wäre es wenn ihr ihm ein Handy besorgt und an den Tagen, an denen ihr nicht hingehen könnt, per FaceTime/WhatsApp telefoniert?

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Das tun wir.
Zwar nicht Face Time, aber normale Telefonate eben...

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"Es hieß, wir sollen ihn so oft besuchen wie es geht."
Das bedeutet nicht das ihr euer Leben nach ihm/seiner Krankheit ausrichten müsst.
Setzt dich mit deiner Schwester und Mutter zusammen und macht euch vielleicht so eine Art "Besuchsplan" aus der für euch drei nicht in Stress ausartet und setzt euch nicht gegenseitig unter Druck und lasst euch auch nicht von deinem Onkel und Freundin unter Druck setzen.
Sonst fliegt euch die ganze Geschichte emotional und mit Pech gesundheitlich um die Ohren.

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Deshalb schreibe ich hier!
Danke übrigens für die vielen Antworten!!

Um meine Mutter mache ich mir mehr Sorgen als um mich (meine Schwester hat keine Möglichkeit ihn öfter zu besuchen wegen der Arbeit, deshalb denke ich, dass sie es sich nicht so schwer macht). Mir macht mehr der Druck, den meine Mutter und ich uns selbst und gegenseitig geben zu schaffen, als es auszuhalten eben mal nicht zu besuchen.

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Ich kenne bei uns in der Familie auch so einen Fall, gewollt kinderlos geblieben, Kinder sind ja nur ein Klotz am Bein... Und natürlich wird es da im Alter oder bei Krankheit einsamer sein. Das ist dann einfach so. Ich finde nicht, dass Dein Onkel von Euch so eine Betreuung erwarten kann. Meine Meinung ist sowieso, was nicht freiwillig und von Herzen kommt, trägt sowieso nicht zur Genesung bei.
In Krankenhäusern gibt es doch sonst auch die grünen Damen, so heißt es bei uns jedenfalls. Ein ehrenamtlicher Besuchsdienst. Sprecht doch mal mit dem Sozialdienst im Krankenhaus.

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"Ich kenne bei uns in der Familie auch so einen Fall, gewollt kinderlos geblieben, Kinder sind ja nur ein Klotz am Bein.."
Das ist jetzt aber sehr viel Mutmaßen von dir. Das steht nirgendwo im Text.

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Als ob Kinder ein Garant für regelmäßige Besuche wären...

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Erst mal vorneweg: es gibt für euch keine Verpflichtung. Wenn euch die Besuche zu viel werden, lasst es einfach. Schlechte Laune entwickelt sich oft bei Patienten, die muss man einfach aushalten.
Objektiv gesehen finde ich es aber auch nicht zu viel, den Onkel einmal die Woche zu besuchen. Vielleicht kann dein Mann sich mal an einem Tag um eure Kinder kümmern?
Du schreibst, dass du mit deinem Onkel nun bessere Gespräche führst als früher. Dann sieh es doch als Chance, dass euer Verhältnis besser wird.
Deine Mutter hat ja scheinbar ein sehr gutes Verhältnis zu ihrem Bruder. Zumindest hat er sie früher jede Woche besucht. Nun kann sie sich dafür revanchieren, gerne auch mehrmals pro Woche. Dafür sollte sie euch jedoch nicht einspannen, sondern z.B. mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, auch wenn es lange dauert.
Versucht auch, euch nicht so reinzusteigern, dass die Situation für euch so belastend ist. Es wird für euch nur noch schlimmer, je mehr ihr euch das einredet.
Noch zwei Ideen:
Die grünen Damen wurden oben schon angesprochen. Erkundigt euch mal, ob es das in dem KH gibt.
Je nachdem, was für eine Erkrankung er hat, wäre ein Pflegeheim oder häusliche Pflege eine Alternative? Das Krankenhaus soll ja eigentlich keine Dauerlösung sein.
Alles Gute für euch🍀

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Hallo,

Dankeschön für deine Antwort.
Meine Mum wird für ihn der Vormund, weil seine Freundin das nicht kann. Vielleicht etwas zur Aufklärung beitragend: Wir besuchen ihn momentan zwei mal die Woche. Einmal am Wochenende meine Eltern. Einmal, meist unter der Woche meine Mum und ich (Momentan öfter ohne Kinder, weil sie auch schon sehr oft dabei waren und schlichtweg nicht mehr wollen) Meine Schwester arbeitet 80%, hat zwei kleinere Kinder und auf der Familienseite ihres Mannes auch Verpflichtungen. Sie besucht etwa alle 3 Wochen, meist dann mit ihrer ganzen Familie.
Mein Onkel hat aufgrund seines Durchgangssyndroms Tag und Nacht eine/n Medizinstudentin/Studenten als Bewachung an seiner Seite, ist also nicht ganz alleine im Zimmer.
Mein Mann ist Außenmonteur und unter der Woche nicht da. Wochenenden hätten wir also gerne für die Familie. Obwohl wir auch da wenn möglich frei schaufeln und so wie gestern wenigstens mal eine Stunde besuchen.
Er hat Krebs. Irgendwann wird es wohl auch mal eine vorerst Lösung geben in Form von Kurzzeitpflege und danach je nach Zustand Heim oder häusliche Pflege. Bis dahin ruft er aber jeden Tag an und wartet auf Besuch.

Es ist nicht Zuviel, ihn ein- bis zweimal die Woche zu besuchen.
Er erwartet aber jeden Tag Besuch. Seine Freundin übernimmt drei Tage. Bleiben für uns noch vier übrig und das können wir nicht leisten.

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Sinnvoller wäre es aber, wenn ihr jeder allein fahrt, dann hätte er statt 2 x gleich 3 x / Woche Besuch.
Deine Mutter wird doch sicher auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Klinik kommen.

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Wie wäre es mit jemandem, den ihr engagiert? Bei uns gibt es Ehrenamtliche, die z.B. ältere Leute im Altenheim oder auch Krankenhaus besuchen 1 x pro Woche, vorlesen, sich unterhalten oder mal Mensch-Ärgere-Dich-Nicht spielen. Dann wäre 1 Tag abgedeckt. Da deine Tante 3 x fährt, finde ich es okay, wenn du, dein Mann, deine Mutter, die Nichten sich den Rest aufteilen. Ich mein, soviel Auswahl bleibt ja nicht außer hinfahren und nicht hinfahren. VG

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Habs schon weiter oben geschrieben.
Er hat eine Medizinstudentin oder Student aufgrund des Durchgangssyndroms Tag und Nacht im Zimmer. Das ist für ihn aber kein Grund uns nicht zu fordern.
Meine Mum kann nicht selbst fahren und meine Schwester kann höchstens alle drei Wochen wegen Arbeit und anderweitiger Verpflichtungen.

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Hat er denn keine Freunde/Bekannte, ie ihn al besuchen könnten... Also, ich finde das ist schon ziemlich viel von euch verlangt da 3x die Woche hinzu fahren für den Onkel. Also, ich würde das vermutlich nicht mal für meine Eltern schaffen ohne dabei selbst auf dem Zahnfleisch zu gehen.

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Das ist doch aber pro Person nur 1 x pro Woche...

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Ja, aber gezwungen und man muß sich anTermine halten. Da die Eltern nur am WE können, die Kinder auch Termine haben....

Ich schaffe auch kaum mehr wie einen festen wöchentlichen Termin nur für mich einzuhalten. Und hier hat ja die TE gar nix von dem nachmittag sonern macht es nur dem Onkel zu liebe. Außerdem muß man sich die Tage dann auch noch mit 5 anderen Personen absprechen... inkl. der anderen Familien. Dann kann der Mann nicht, dann haben die Kinder was anderes.

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Wenn die Tahte 3x pro Woche im KH ist, dann muss von euch jeder nur einmal die Woche hin, alle paar Wochen vielleicht ein zweites mal (das können vielleicht aber auch freunde oder bekannte abdecken?)
Und ich finde schon, dass einmal pro Woche ins Krankenhaus durchaus zu schaffen ist, auch wenn du verständlicherweise keine Lust drauf hast und es natürlich etwas strssig an diesen Tagen ist.
Familie ist immer auch Verantwortung. Und du machst das alles ja nicht nur für deinen Onkel sondern auch für deine Mutter.

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Die mutter fährt kein Auto. Es ist eine 45 min fahrt und es geht jeweils der ganze nachmittag drauf.
Hier ist das dilemma.

Das Dilemma das soviele ältere Menschen meinen keinen Führerschein zu brauchen.

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Ja Danke, habe ich weiter oben schon geschrieben.
Meine Mutter war schon immer eine ängstliche und unsichere Fahrerin.
Das Krankenhaus ist in einer Stadt und wir leben hier auf dem Land.

Ich finde es gut, wenn "ältere" Menschen von sich aus sagen, sie können nicht mehr fahren. Mein Onkel hat das nicht und deshalb vor zwei Jahren sein Auto zerlegt, weil er ein parkendes Auto übersehen hat. Zum Glück nur Blechschäden. Nicht vorzustellen, wenn da Personen oder gar ein Kind in oder an dem parkenden Auto gewesen wären.

Aber ja - das ist das Dilemma.

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