Auge abkleben bei Sechsjähriger: Erfahrungen gesucht

    • (1) 01.07.19 - 13:48
      Spaet dran

      Vorweg: Wahrscheinlich passt dieser Beitrag hier nicht zu 100 % rein, hier erreiche ich aber wahrscheinlich mehr Eltern mit einschlägiger Erfahrung als z. B. unter „Kids und Schule“ und ich hoffe deshalb, dass der Beitrag nicht verschoben wird.

      Hallo liebe Urbia-Gemeinde,

      meine Tochter (gerade 6 geworden) war bisher bei einem Augenarzt, der lediglich eine Sehschwäche an einem Auge diagnostiziert hatte, sonst nichts. Es würde keine Hornhautverkrümmung vorliegen und auch kein Schielen. Sie hat eine „leichte“ Brille bekommen, die sie nun seit ein paar Monaten trägt. Nun waren wir bei einem anderen Arzt, weil mein Mann und ich immer die Vermutung hatten, dass sie doch etwas schielt, was vor allem auf Fotos auffällt. Und nun kam es so, wie ich es befürchtet habe: Das Kind schielt tatsächlich und die Brille nützt bei diesem Problem überhaupt nichts ☹ Der vorherige Arzt hat also ein großes Problem übersehen bzw. nicht erkannt.

      Der neue Arzt hat nun Augenpflaster verordnet, wobei wir vier Tage die Woche (komplett) abkleben und einen Tag pausieren sollen. Wir sollen in drei Wochen wiederkommen und da schaut er nach, ob sich was tut. Und dann schauen wir weiter. Das werden wir natürlich alles durchziehen, keine Frage.

      Nun lese ich aber im Internet, dass diese Behandlung in diesem Alter eigentlich fast schon zu spät ist. Ich befürchte nun, dass meine Tochter diese Sehschwäche und den Silberblick behält ☹

      Ich mache mir jetzt totale Vorwürfe, weil ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört und mich komplett auf den Arzt verlassen habe. Der neue Arzt meinte, man hätte es erkennen sollen bzw. müssen. Wir sind, seit meine Tochter 1 Jahr alt ist, regelmäßig dort zur Kontrolle gewesen. Allerdings haben wir ein Jahr ausgesetzt, weil ich es mit den Terminen nicht hinbekommen habe (ist echt schwer, einen zu bekommen und da muss man sehr rechtzeitig anrufen für einen Termin in sechs Monaten). Aber mit 4 Jahren ist der Sehtest schon nicht so gut ausgefallen, weswegen der Arzt damals auch getropft hatte. Und damals hat er Entwarnung gegeben, es würde alles gut aussehen und der Test ist nur schlecht gelaufen, weil meine Tochter müde gewesen wäre und deshalb nicht gut mitgemacht hätte … Naja, jetzt kann man die Zeit eh nicht zurückdrehen.

      Lange Rede, kurzer Sinn: Gibt es hier vielleicht jemanden, der Erfahrungen mit dem so spätem Beginn dieser Okklusionstherapie gemacht hat? Wie ist es bei euch dann gelaufen? Oder gibt es hier jemanden, der sich mit der Thematik auskennt? Welche Prognose hat meine Tochter im besten und im schlechtesten Fall?

      Tausend Danke im Voraus!

      • (2) 01.07.19 - 13:54

        Wir hatten die gleiche Situation, nur wurde es bei meiner Tochter erst mit 7 Jahren erkannt, dass sie auf einem Auge nur 50 % sieht. Nach 18 Monaten Okklustionstherapie sieht sie 100 %. Inzwischen ist sie 10 Jahre alt.

        Die Erfolgsaussichten sind sehr gut - auch bei älteren Kindern! Das Wichtigste ist die Compliance!!

        Andrea

        • (3) 01.07.19 - 13:58

          Hallo Andrea, vielen Dank für deinen Beitrag - das gibt mir Hoffnung! Die Disziplin werden wir auf jeden Fall aufbringen und auch meine Tochter ist motivert. Ich denke, sie hat den Ernst der Lage gut verstanden.

          • (4) 01.07.19 - 14:01

            Ich weiß nicht, ob Deine Tochter schon zur Schule geht: Uns wurde geraten in der Schule nicht abzukleben (zu anstrengend) und nur zu Hause (nicht im Straßenverkehr) 2 h (Mo - Fr). Am WE sollten wir dafür jedoch mind. 6 h abkleben.

            • (5) 01.07.19 - 14:08

              Oh, das ist ja viel weniger als bei uns!
              Sie ist knappes Musskind und wir haben zurückstellen lassen, sind also flexibel, was Stunden/Dauert angeht.

              • (6) 01.07.19 - 14:11

                Ok, das ist natürlich etwas anderes. Für KiGa-Kinder sind die 6 h perfekt - am Besten auch im KiGa abkleben (zwecks Ablenkung) und nicht in Intervallen, sondern tatsächlich am Stück.

                • (7) 01.07.19 - 14:16

                  Wir müssen tatsächlich die vier Tage immer komplett (also von morgens bis abends, wenn sie schlafen geht) abkleben. Ich schätze, wenn der Arzt in drei Wochen einen Fortschritt sieht, dann werden wir eventuell die Stunden reduzieren dürfen ...

                  • (8) 01.07.19 - 14:22

                    Ok, das ist sehr viel. Wieviel sieht sie denn mit dem schwachen Auge?

                    Ich bin kein Augenarzt, aber das erscheint mir ziemlich viel...

                    Normalerweise, bessert sich die Sehkraft am Anfang der Okklusionstherapie ernorm, die letzen 10 - 20 % ziehen sich jedoch meistens.

                    Schau mal auf Facebook, da gibt es die Gruppe "Coole Piraten", die hat mir weitergeholfen!

                    • (9) 01.07.19 - 14:34

                      Der alte Arzt hatte nach dem Tropfen vor ein paar Monate folgende Werte aufgeschrieben: Sphäre: +1,25, Zylinder: +0,25, Achse: 120. Aktuelle Werte habe ich noch nicht.

                      Für mich als Laiin klingt es nach einer leichte Weitsichtigkeit. Allerdings hat sie beim Sehtest (aus der Entfernung Symbole erkennen) ziemlich schlecht abgeschnitten. Das andere, gute Auge, hat interessanterweise ähnliche Werte und war beim Test sehr gut. Keine Ahnung, warum das so ist ... Vielleicht liegt bei ihr ja noch ein anderes Problem vor? Als die Helferin und der Arzt sich unterhalten haben, viel das Wort "versteckt" o. Ä. ...

                      • (10) 01.07.19 - 15:11

                        Das sind "nur" die Dioptrien & der Zylinder - die Sehkraft wird in Prozent ausgedrückt, und steht nicht auf dem Brillenrezept, d. h. gutes Auge 100% oder sogar mehr; schlechtes Auge 0%, 10%, 20% etc.

                      (12) 01.07.19 - 15:17

                      Mit "versteckt" wurde wahrscheinlich das Schielen gemeint. Dieses (Mikro)Schielen führt dazu, dass sich die Sehkraft (nicht zu verwechseln mit der Dioptrieanzahl oder Zylinder) auf diesem Auge nicht normal entwickelt.

    (14) 01.07.19 - 15:20

    Hallo,

    Meine Tochter klebt seit einigen Jahren ab und wir haben gute Erfolge damit erzielt. Ich bin kein Experte, aber bei unserem Augenarzt gibt es eine Orthoptistin, die sich hauptsächlich um uns kümmert. Vielleicht gibt es ja bei euch in der Nähe auch einen Augenarzt mit Sehschule, die Orthoptisten sind speziell ausgebildet in diesen Fragen.
    Den ganzen Tag abzukleben erscheint mir etwas veraltet/unrealistisch...

    Viele Grüße
    Karbi

    • (15) 01.07.19 - 16:11

      Hallo Karbi, danke für eine Antwort. Wie alt war denn deine Tochter, als ihr mit dem Abkleben angefangen habt?
      In unserer Stadt ist es extremst schwierig, überhaupt einen Augenarzt zu finden - sie sind alle voll und nehmen normalerweise keine neuen Patienten mehr auf :-/

      • (16) 01.07.19 - 16:58

        Meine Tochter war 3,5 Jahre alt und hatte auf dem schwachen Auge nur 20% Sehkraft. Mittlerweile ist sie fast 9 und hat nahezu 100%.
        Das Abkleben ging im KiGa noch ganz gut (wir haben mit 4h/Tag begonnen), später wurde es schwieriger. Aber jetzt sind es nur noch 1-2h/Tag und kann auch mal entfallen.
        Die Orthoptistin sagte mir damals, man startet mit dem Lebensalter des Kindes in Stunden (also bei euch 6 Stunden/Tag). Aber dazu gibt es sicher auch wieder unterschiedliche Meinungen.
        Ich habe auch schon von Fällen gehört, bei denen später begonnen wurde zu kleben und die dennoch guten Erfolg erzielt haben.
        Klappt denn das Abkleben den ganzen Tag über? Wenn sowieso engmaschig kontrolliert wird, würde ich das eben erst mal so ausprobieren und beim nächsten Termin nachfragen, ob es auch anders geht (zb jeden Tag 6 Stunden und dafür keine Pause).
        Viel Erfolg und Geduld!

        • (17) 01.07.19 - 17:26

          Hallo Karbi, es funktioniert erstaunlich gut. Wir haben heute um 11 zugeklebt und bis jetzt macht sie es super mit! Hat zwar zwischenzeitlich mal geweint, weil das Malen nicht so klappt, wie sie es möchte, aber im Großen und Ganzen ging es echt gut - mal sehen, wie es weiterläuft.

          Der Arzt will uns übermorgen sehen und dann eigentlich in zwei Wochen. Wegen Urlaub werden es aber drei Wochen werden ... Ich hoffe, wir machen mit diesem langen Zukleben nichts kaputt. Der Arzt sieht es wohl als ihre letzte Chance fürs schwache Auge und geht quasi aufs Ganze.

          Vielen Dank!

(19) 01.07.19 - 19:28

Liebe spät dran,
Als Orthoptistin die in verschiedenen Praxen täglich solche Kinder behandelt, möchten ich dir mal deine Angst nehmen
+ es ist durch aus möglich, dass sich dieser Sehfehler erst entwickelt hat...so wie die kleine ständige neue Schuhe brauchen weil die Füsse wachsen, so wächst auch das Auge. Und da ist es nicht selten, dass sich innerhalb eines halben Jahres die Befunde stark ändern.
+ ja, die heisse Phase wo die Augen das sehen lernen ist bis zum 6. Lebensjahr. ABER ihr okludiert in einem guten und intensiven Rhythmus und habt noch ein Jahr bis zur Einschulung. In diesem Jahr könnt ihr zeitlich aus den vollen schöpfen, was immer positiver ist, als wenn man wegen Schule nur noch stundenweise kleben kann.
+ ein Risiko für das "fite" Auge besteht nicht
Dafür klebt ihr ja 4 tage und dann einen Tag Pause. Dieser ist nicht dafür da, den Zwergen die Therapie zu erleichtern, sondern um eben zu verhindern dass das abgeklebte Auge sich falsch entwickelt.
+ mach dir bitte keine weiteren Vorwürfe.. auch wir Fachleute würden im Alltag bei unseren Kindern nicht merken wenn ein Auge schlechter sieht, da die Zwerge viel zu gut kompensieren. Ihr seit von Anfang zu Behandlungen gegangen und zieht auch jetzt das abkleben vorbildlich durch. Damit schafft ihr die besten Voraussetzungen für die optimale Entwicklung bei der Augen

Liebe Grüße

(21) 01.07.19 - 20:25
Eigene Erfahrung

Hallo,
Ich kann zwar nicht aus Elternsicht sprechen, aber ich musste selbst jahrelang ein Auge abkleben von 1,5 - 3 und dann von 8-12. Ich hab eine hornhautverkrümmung, geschielt und auf einem Auge eine deutlich verminderte Sehkraft, welche aber vom gesunden Auge ausgeglichen wird. Heute bin ich 30 schliele nur nich wenn ich müde bin und brauche keine Brille mehr, obwohl das schwache Auge nur 40% hat. Nicht mal zum Autofahren.

Das abkleben fand ich furchtbar, aber ich konnte ohne abkleben zur Schule. Das schwache Auge ist zwar auf 80 % hochgegangen, aber mit zunehmenden Alter fand ich es immer uncooler. Und habs dann irgendwann auch gelassen. Brille weg, Pflaster weg und das lahme Auge hat sich wieder ausgeruht. Aber wie gesagt ich hab ein dominantes Auge und das gleicht das zu 100% aus. Einzige Schwächen, ich kann einen Ball nicht auf mich zufliegen sehen (muss ich zum Glück auch nicht) Autofahren klappt auch super.

Das Schielen, sollte operiert werden, da es auch nicht durch das kleben weg ging. Da haben wir uns aber gegen entschieden. Was auch gut war, denn heute schielen ich nicht mehr. Das hat sich anscheinend verwachsen. Wie gesagt nur noch wenn ich extrem müde bin. Dann halte ich mir das dominante Auge kurz zu und das schwache Auge ist wieder in der Position.

Ach ja und auch wenn ich es nicht in der Schule tragen musste, so doch in der Freizeit und beim Sport. Und ich wurde schon echt fies gehänselt.

Wie oben schon geschrieben, ist es meine eigene Erfahrung die ich als Kind und Jugendliche gemacht habe 😊

(23) 04.07.19 - 07:29

Guten Morgen #sonne

Unser 3. Sohn ist 9 Jahre alt und bekommt gerade ebenfalls mal wieder sein eines Auge über mehrer Stunden am Tag abgeklebt.

Wir machen diese Therapie bereits seit seinem 4. Lebensjahr. Das Auge hat sich auch deutlich verbessert weshalb wir nach und nach die Klebezeiten verringert hatten. Nach einem halben Jahr ohne kleben hat sich nun das Auge wieder deutlich verschlechtert :-(

Sowohl der Augenarzt als auch die Orthoptistin waren daüber sehr überrascht da dies in seinem Alter eigentlich sehr ungewöhnlich ist. Daher kleben wir nun wieder 4h am Tag obwohl er schon 9 Jahre alt ist. Ich mache mir tatsächlich etwas Sorgen in welche Richtung, dass noch geht.

Liebe Grüße
Hebchri

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