Demenz festgestellt?

    • (1) 04.07.19 - 11:54
      EvtlDemenz

      Hallo Zusammen,
      Ich brauch mal Hilfe um meine Gedanken zu sortieren und vielleicht hat auch jemand einen Rat, wie ich am besten Vorgehe.

      Ich war gestern bei meinen Großeltern (beide 80) und meine Oma war sichtlich überrascht, als sie mich sah, sie streichelte mir über den Bauch und sagte, "Erwartest Du etwa was Kleines?". Was ein völliger Schock für mich war. Ich bin in der 30. Schwangerschaftswoche und meine Großeltern wissen natürlich, dass ich Nachwuchs erwarte. Ich war vor ungefähr einem Monat dort und da haben wir uns schon ausführlich über die Schwangerschaft unterhalten. Mein Opa wusste das alles noch, doch meine Oma hat alle Fragen nochmal gestellt, wann das Kind kommt, was es wird etc. Es war, als hätten wir das Gespräch gestern zum ersten Mal geführt. Und jetzt steh ich da und es lässt mir keine Ruhe mehr.

      Wie gehe ich nun vor? Soll ich meine Oma ansprechen und sie bitten zum Arzt zu gehen? Soll ich mit meinem Opa sprechen? Soll ich vielleicht ihren Hausarzt mit meiner Beobachtung konfrontieren? Gleich einen Termin beim Neurologen ausmachen?

      Ich bin sehr in Sorge um meine Oma. Es gibt ja Medikamente, die eine mögliche Demenz bremsen. Vielleicht nimmt sie aber auch Medikamente, die Vergesslichkeit fördern. Ich weiß es nicht, ich brauche Rat. Wir hatten auch noch keinen Fall mit Demenz in der Familie und es macht mir ehrlich Angst.

      Für hilfreiche Antworten bedanke ich mich schon im Voraus.

      • Ich würde erstmal mit Opa darüber reden bzw. mit Personen die regelmäßig Kontakt mit deiner Oma haben. Deinem Opa muss eine etwaige Demenz doch am meisten auffallen.
        Meinst du nicht er hätte schon Alarm geschlagen wenn es so wäre?

        • (3) 04.07.19 - 12:58

          Leider wird über Probleme in meiner Familie gerne hinweggelächelt, so nach dem Motto, so schlimm wird es schon nicht sein. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass mein Opa die Augen davor verschließt, falls er schon was gemerkt hat. Und vielleicht ist es aber auch genau anders herum, dass es ihm nicht auffällt, weil er immer mit ihr zusammen ist. Dass er also den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht und sich ein Aussenstehender leichter tut.
          Aber mit meinem Opa reden ist eine gute Idee. Da wird es wahrscheinlich am Besten sein, ich fahr nochmal persönlich vorbei.

      Das hätte meine Oma auch und die ist 93. Seid dem sie spezielle Tabletten nimmt und viel trinkt hat sich das wieder gelegt. Also ja ich würde tatsächlich mit deinem Opa reden und mit deiner Oma gegebenfalls zum Arzt gehen.lg

      • (5) 04.07.19 - 13:02

        Ich möchte es auf keinen Fall so stehen lassen und muss das Gespräch suchen. Ich würde auch anbieten, zum Arzt mitzukommen.
        Was waren bei deiner Oma erste Anzeichen und wie seid ihr vorgegangen? War deine Oma einsichtig?

    (6) 04.07.19 - 13:38

    Meine Oma hatte das mal mit 82. Sie wusste nicht mehr, dass mein Bruder in einem anderen Bundesland lebt. Wir haben uns dann auch Sorge gemacht. Aber am Ende kam raus, dass es an der Hitze und zu wenig zu trinken lag. Inzwischen ist sie 89 und immer noch nicht dement.

    • (7) 04.07.19 - 14:13

      Das beruhigt mich ein wenig, Danke! Es muss natürlich nicht immer gleich das Schlimmste sein, aber man macht sich natürlich Sorgen.

Hallo meine Liebe,

Ich antworte dir jetzt mal aus professioneller Sicht, denn ich arbeite als Neuropsychologin in der Neurologie und wir beschäftigen uns tagtäglich mit demenziellen Entwicklungen.
Punkt 1: das Verhalten ist tatsächlich auffällig und müsste überprüft werden und zwar zunächst um alles organische (Austrocknung , Vitamin B12 Mangel, Schlaganfall...) auszuschliessen.
Punkt 2: die Medikamente, sogenannte Antidementiva wirken prinzipiell nicht gegen Gedächtnisstörungen, sondern sorgen primär für eine bessere Strukturierung im Alltag, weil es bei Demenzpatienten oft zu Unruhe in der Nacht und Müdigkeit am Tag kommt. Da kommt es auf eine super schnelle Medikamentierung nicht an.
Punkt 3: wenn ihr es abklären lasst, dann bitte ordentlich in einer Gedächtnissprechstunde oder in einer neurologischen Klinik, eine Demenz ist prinzipiell eher Ausschlussdiagnostik und kann auch falsch sein, wenn nicht ordentlich untersucht.
Ich wünsche dir gutes Durchhaltevermögen, wenn noch Fragen bestehen, immer her damit.

  • (9) 04.07.19 - 14:22

    Prima, Danke. Mir ist da gestern wirklich die Spucke weggeblieben. Vor allem, so kenne ich meine Oma nicht. Ich hab natürlich gleich drauf bestanden, dass sie es wissen muss, was vielleicht nicht die beste Reaktion, jetzt im Nachhinein, war. Mein Opa hat auch direkt bestätigt, dass meine Schwangerschaft bekannt ist.
    Würde ein Termin beim Hausarzt dann trotzdem Sinn machen, ob die anderen Medikamente richtig eingestellt ist? Ich werde mich mal erkundigen, welche Kliniken der Art es bei uns gibt, bzw was angeboten wird. Und wenn ich mich vorbereitet fühle, also in den nächsten Tagen, werde ich mal zu meinen Großeltern fahren und das Gespräch suchen.

(10) 04.07.19 - 18:28

Sprich mit dem Umfeld, das sich in deren Nähe befindet. Dein Opa wird mehr mitbekommen als du.

- leugnet er es, will er es nicht wahrhaben?
- bekommt er es mit, weiß selbst nicht damit umzugehen, hat Angst?
- bekommt er es mit, hat er schon was eingeleitet: Arzt Besuch, versucht sie zum Arzt zu bringen? (hat nur nichts gesagt, weil er dich in der Schwangerschaft nicht beunruhigen wollte)?

Erst mal würde ich mich da vortasten. Wie viel bekommt er mit? Wie geht er damit um?

Dann, je nach situation, würde ich mich bei einem Pflegedienst oder Beratungsstelle informieren.
Was kann man, was darf man, was sollte man, was brauchen Betroffene/direkte Angehörige?

Was solltest du zeitnah beginnen?
Was hat noch Zeit, bis sich deine Großeltern daran gewöhnen/damit umgehen können, dass es jetzt ein neuer Abschnitt wird?

Da würde ich Fachleute fragen, die sich damit auskennen.
Hausärzte können ggf. weiterüberweisen. Manche kennen sich sehr gut aus, manche gar nicht.


Falls sie noch nicht beim Arzt war
bzw. je nach Schilderungen deines Opas/andere in direkter Nähe

- den Arzt auf die Symptome hinweisen.


demenz ist nicht nur Vergesslichkeit (was kommt auf euch zu? Welche Begleiterscheinugnen gibt es)

Vergässlichkeit nicht immer demenz!

Auch schlecht eingestellter Diabetis, Schilddrüsenprobleme, psychische andere Erkrankungen (die u.U. auch die Schilddrüsenprobleme als Ursache haben können)...
können Vergesslichkeit auslösen.

So mancher Diabetiker wurde wieder fit im Kopf mit der richtigen Medikamenteneinstellung. Bei Demenz leider nicht, da eher Hinauszögerung.


Ein Arzt sagte mir mal:
Demenz beginnt oft NICHT mit Vergesslichkeit, sondern mit Wesensveränderungen.
Kommt ein Patient mit vergesslichkeit (ohne sonstige Symptome zu ihm), untersucht er zuerst alles andere. Damit ist eine demenz zwar noch nicht ausgeschlossen, aber es wäre nicht seine erste Vermutung. wie es die Blutwerte und anderen werte meistens dann bestätigen.

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