Älteren Geschwisterkind gerecht werden

Liebe Forengemeinde,

man liest ja häufiger mal, wie wird man dem älteren Geschwisterkind gerecht, wenn ein Baby oder Kleinkind vorhanden ist.

Meine beiden sind 5 Jahre auseinander. Hatte eigentlich selten so richtig Schwierigkeiten gehabt dem älteren Geschwisterkind gerecht zu werden. Vormittags hatte der Kleine seine Exklusivzeit gehabt bis der Große aus dem Kindergarten oder Schule kam. Der Kleine schlief während ich dem Großen über die Hausaufgaben kuckte, abfragte für die Schule. Als die Mütter aus der Krabbelgruppe auf die Idee kamen, statt vormittags nachmittags ihre Veranstaltung zu machen, ging ich raus der Gruppe. Nachmittags gehörte dem Großen mit seinen Aktivitäten. Der Kleine musste eben halt mit, wenn mein Mann nicht da war.


Mit 6 Jahren wurde beim Kleinen Autismus festgestellt. Da ich aber grundsätzlich nicht mit dem Schicksal hadere, baute ich uns ein großes Netzwerk auf, also Entlastung holen. Damit der Große sich nicht zu zurückgesetzt fühlte. Wir waren
(mal offtopic, gehört hier nur sehr bedingt rein) zu Gast, meine beiden Kinder und ich:

https://haendefuerkinder.de/

Der Kleine wurde uns abgenommen und ich konnte mich damals um den Großen (aber bereits Teenager) so richtig kümmern, wie zusammen Billiard spielen, Eisessen,.
Oder jeder ist auch mal seinen eigenen Weg gegangen. Einfach mal ausschlafen oder Shopping gehen alleine. Diese Einrichtung wird übrigens bundesweit von Eltern, Kinder und deren behinderte Geschwisterkinder besucht. Nur mal als Info.


Wie sieht es bei euch aus, ist es einfach euren älteren Geschwisterkindern gerecht zu werden? Geht bei euch alles fast ohne Einschnitte weiter wie bis her?


LG Hinzwife

Hallo,
ich habe auch "nur" zwei Kinder und die sind viel näher aneinander als deine: 22 Monate Abstand.
Von daher gab es bei uns keinen "Einschnitt" - die Große war ja selbst noch Mini als die Schwester geboren wurde.

Es gibt immer mal Phasen, wo es schwierig ist, die Große adäquat zu "fördern": aktuell ist sie seit einem Jahr in der Schule und ich würde mir wünschen, dass sie mehr Zeit zum lesen hätte. Auch so manche Spiele, z.B. Scrabble, gehen leider noch nicht.
Zum Glück ist die Große bisher gut in der Schule, es macht also nichts, wenn wir mit ihr für die Schule nur das Nötigste tun.

Ich organisiere bei uns kein Kind weg - durch Verabredungen ergibt sich ab und zu seltene Exklusiv-Zeit mit einem Kind. Mit der Großen von Natur aus weniger, weil die Kleine sich (noch) seltener verabredet. Die Große kommt manchmal früher heim als die Kleine.

Dafür spielen die Mädchen toll miteinander, wollen gar nicht ohne einander sein und finden es ganz komisch, wenn sie mal alleine mit mir sind.
Sie sind in den Ferien wie Zwillinge, werden aufgrund der Größe auch oft für Zwillinge gehalten und finden das im Großen und Ganzen ok.
Die sind wahnsinnig unterschiedlich und profitieren gegenseitig von ihrer Verschiedenheit.

Und da sie eben so nah aneinander sind dauert es nie lange, bis die Kleine die Große "eingeholt" hat: das Seepferdchen hat die Große jetzt, die Kleine wird es wohl im Winter machen.
Der Großen verschaffen wir ab und zu "Lesezeit" - aber sie mag gar nicht stundenlang lesen. Die Kleine wird nächstes Jahr bestimmt eine richtige Leseratte, die guckt jetzt schon lange selbst ihre Bücher an.

Also: so anstrengend es am Anfang war genießen wir den geringen Abstand, haben nicht das Gefühl, dass Zeit für das einzelne Kind fehlt (zumal wir ja auch zwei Erwachsene sind).
Manchmal gäbe es weniger Reibereien und Kompromisse, wenn der Abstand größer wäre. Aber wir lieben auch unsere Kompromisse. Also im Großen und Ganzen alles ok so.

LG!

2 Jungs, Altersabstand 5 Jahre.
Manchmal finde ich es nicht leicht, beiden gleichzeitig gerecht zu werden, da jeder ein eigener Charakter ist.
Der Große ist eher ruhig, in sich gekehrt und macht Probleme mit sich selbst aus.
Der Kleine ist Typ "Hallo Welt, hier bin ich", wenn ihm etwas nicht passt oder er ein Problem hat, weiß das das ganze Dorf.

Um gleichzeitig die Ängste des Großen mit ihm zu besprechen und dem Kleinen Empathie näher zu bringen, ist es einfach notwendig, für jeden seine Zeit zu haben, ohne, dass der Andere gerade dran ist.
Alleine nicht möglich, aber dank meinem Mann und Freunden/innen funktioniert es.

Die Anfangszeit war, wie du es beschrieben hast. Der Kleine lief irgendwie mit.
Als er 3 Tage zu Hause war, hatte Papa das erste Mal abgepumpt Milch in der Flasche zu Hsuse, während ich mit dem Großen eine Ferienspaßaktion Kutschfahrt machte. Er brauchte die Zeit mit mir, nach mehr als einer Woche im KH (Komplikationen nach einigem Kaiserschnitt), Papa in Sorge, etc.

Bereits mit 3 war bei dem Kleinen klar, dass er einen unheimlichen Wissensdurst hat. Der große Bruder als Vorbild, gepaart mit dem Anspruch, leistungsmäßig gleichauf zu sein. Mit 4 lesen und rechnen im 20er Raum und immer wieder die Aufforderung einen Intelligenztest zu machen.
Nein, werden wir nicht, bzw. nur wenn es in der Schule problematisch wird.
Aber in Kombination mit dem starken Willen ist das extrem fokusierend. (Und nein, er ist nicht hochbegabt, er hat einen großen Bruder)

Da der Große die ruhige Fraktion ist, ist es wahnsinnig schwer, dass er nicht durchrutscht. Daher nutzen wir als Familie gerade die Freiwochen meines Mannes (Schicht Vollkonti) dafür, dass einer explizit nur für den Großen da ist. Und der andere für den Kleinen.

Richtig lustig wird es zwar, wenn beide gleichzeitig unterschiedliche Veranstaltungen haben, am Besten zur gleichen Zeit. Aber gerade so etwas ist irgendwie immer zu organisieren.

Meine zwei grossen haben einen Abstand von 4,5 jahren, da war das auch kein problem.

Allerdings kam dann nach weiteren 6,5 jahren die kleinste und da ist es nicht so einfach... erstens haben die drei natürlich jetzt sehr unterschiedliche interessen (wildpark ist für die älteste langweilig, klettern ist für die jüngste nich nix - nur mal als beispiel...). Zweitens ist die kleinste schon SEHR präsent...

Ich habe allerdings auch selten lust, immer alle zu trennen und "exclusiv" was zu machen. Vir kurzem war ich mal mit den zwei grossen auf nem markt wo die kleine nicht dabei war oder wir machen mal was wo die grosse lieber daheim bleibt, sonst muss halt jeder mal zurückstecken. Diese woche hatten wir einen ausflug gemacht - labyrinth im maisfeld - essen gehen - tretboot fahren - wir waren danach nahe am nervenzusammenbruch weil die kleinste ihren flipp-tag hatte 😐 naja - ich kanns auch nicht ändern, jeder ist wie er ist und jeder will mal spass haben... allerdings ist es oft ne gratwanderung, es soll sich ja keiner zurückgesetzt fühlen.

LG Bianca

Hallo!
Wir haben ein gemeinsames Kind (16 Monate) und ein großes Kind von meinem Mann in der Familie (Patchwork, allerdings die gleiche Konstellation in der Familie der KM). Altersabstand 7 Jahre.

Dadurch, dass der Große nur die Hälfte der Woche bei uns ist, ist es ganz gut zu organisieren. Wir versuchen, dass der Große immer mal wieder Exklusivzeit mit seinem Papa verbringt. Wir unternehmen aber auch gerne mal Sachen zu viert. Bisher auch kein Problem, da die Kleine entweder eh noch keine großen Ansprüche stellte oder weil wir Sachen aussuchen, wo jeder auf seine Kosten kommt. Vergnügungspark, Zoo, Indoor oder Outdoor Spielplatz stehen momentan (noch) bei beiden Hoch im Kurs.

Ansonsten ist es ja eher der Alltag, wo mal einer zurück stecken muss. Es gibt einfach Dinge, die zuerst erledigt werden müssen und welche, die warten können. Da die älteren Geschwister größer sind, müssen diese vielleicht eher mal warten oder Dinge selbst machen, die sonst die Eltern übernehmen würden. Solange es aber gerecht bleibt, schadet das den größeren Kindern aber bestimmt nicht, sondern hilft selbstständig zu werden. Die Kleineren wiederum müssen sich ja auch damit abfinden niemals die einzige Geige zu spielen...

Hallo,

Bei uns gibt es keine geplante "Exklusivzeit". Ich finde diesen Trend, der auch in meinem Freundeskreis angekommen ist, äußert bedenklich. Da wird z.B. das kleine Geschwisterchen abgegeben, damit man mit dem älteren Kind alleine in den Freizeitpark kann. Sowas geht meiner Meinung nach gar nicht, dass man sein Kind bewusst ausschließt.
Wir sind schließlich eine Familie und das sollte man auch dem größeren Kind vermitteln. Da möchte ich meinem Kind nicht weiter das Gefühl geben ein Einzelkind zu sein.

Bei Kindern mit besonderen Ansprüchen, wie zum Beispiel eine Behinderung, ist das etwas anders. Diese Kinder fordern mehr Unterstützung ein. Da kommt schnell das Gefühl auf, dass jemand zu kurz kommt. Meist ist es auch nur das eigene Gewissen, denn Zuwendung lässt sich auch in den gemeinsamen Alltag einbauen.

Also alles richtig gemacht ;-)

Alles Gute